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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gewinne hin, Gewinne her - Firmen bauen Jobs ab


ulysses
28.03.2005, 18:15
Ich habe diesen Beitrag bei n-tv 'gemopst' und möchte ihn hauptsächlich wegen der simplen Rechnung einmal hier einstellen.
Interessant natürlich auch die Frage die sich am Ende stellt ob der Staat am Ende ist.



Gewinne hin, Gewinne her - Firmen bauen Jobs ab
Man muß das Ganze ja auch nicht verstehen oder verstehen wollen � Hauptsache man macht jegliche Kritik an der bankrottären Entwicklung seitens der �Wirtschaftsallmacht� �mundtot�.
Es kritisiert ja niemand den dt. Mittelstand � niemand streitet ab, dass dieser mehr entlastet werden müsste.
Aber wie will man das erreichen, wenn man auf der anderen Seite die intern. aufgestellten dt. Großunternehmen immer weiter entlastet und genau hier greift doch die stets geübte Kritik an.
Wenn die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands im vergangen Jahr ihre Gewinne verdoppelt haben � so rühren die höheren Gewinne zu einem großen Teil aus niedrigeren Steuern und gesunkenen Personalkosten.
Gehen wir mal bei den 35000 Beschäftigten von einem Bruttogehalt von ca. 25000 �/Jahr aus so macht das ein Nettogehalt von etwas mehr als 16000 � (ca. 3600 � Steuer, 5300 � Sozialversicherung). Rechnet man dann noch die Sozialversicherungsbeiträge der AG drauf fehlen dem Staat schon einmal je AN 30.000 �).
Sozusagen hat der Staat auf der einen Seite schon einmal Mindereinnahmen von mehr als 1 Mrd. Euro. Nicht nur das � auf der anderen Seite werden die Sozialkassen stark beansprucht. Statt Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträgen zahlt der Staat für die entsorgten AN jetzt Arbeitslosengeld � Geld für Fortbildung oder Eingliederungsmaßnahmen, �staatl. Kassen� zahlen weitere Kosten wie Krankheitskosten u.a. � dies macht bestimmt auch noch einmal 0,5 Mrd. �.
Und für diese Wohltaten der Wirtschaft senken wir jedes Jahr die Unternehmenssteuern inbes. für die Großunternehmen.
Man sollte es sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen � die Gewinne auf 35,7 Mrd. verdoppelt � soll heißen ca. 18 Mrd. mehr Gewinne und das bei einer anhaltend schlechten wirtschaftlichen Situation in Dtld. bei teilw. sinkenden Umsätzen � diese höheren Gewinne stammen nicht allein aus den gestiegenen Exporten.
Diese höheren Gewinne von 18 Mrd. sind doch gewiß nach Steuern.
Wie hat sich die Steuerlast dieser Unternehmen im vergangen Jahr eigentlich entwickelt?
Wie wird sich diese (nach heutigen Planungen weiteren Senkungen � siehe geplante Körperschaftssteuer) in den nächsten Jahren entwickeln bei noch größeren größeren Gewinnen und weiter anhaltendem Arbeitsplatzabbau � bei eventuell �weiter� sinkenden Lohnkosten, sinkenden Lohnnebenkosten (Sozialversicherungsbeiträgen)?
Hätten die Dax-Unternehmen Ihre Gewinne nur um 60 Prozent auf ca. 28 Mrd. gesteigert und somit ca. 7 Mrd. � mehr Steuern gezahlt � wären diese dann in Ihrer Existenz bedroht?
OK sie hätten vielleicht ein paar Aktien weniger zurückkaufen können � aber die 7 Mrd. entsprechen der Lohnsteuer von 2.000.000 AN mit einem Bruttoeink. von 25000 �.
Aber davon hatten wir ja voriges Jahr auch wieder 35.000 weniger.
Aber solche Kritik gehört ja eigentlich verboten � unsere großen Unternehmen sind ja im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig.
Was ist mit unserem Staat? Dieser ist wohl noch nicht ganz ruiniert � nein � dann lasst uns die staatlichen Ausgaben weiter zusammenstreichen � wo?
Beim Militär � nein das geht nicht (wir sind jetzt schon nicht fähig unsere Armee auf dem Stand der letzten Jahre zu halten) - bei der Bildung (Pisa lasst grüßen) � Sicherheit, Wissenschaft, Kultur, Verkehr? Sieht es überall schon sehr schlecht aus � aber wir haben doch noch �Soziales� � nach ALGII- auf Sozialhilfeniveau � gibt es dann halt nur noch Gesundheit auf Sparrezept mit 90 Prozent Zuzahlung oder halt Rente erst ab 70 � Sozialhilfeniveau, viel mehr gibt dann der abgespeckte Staat nicht her oder glaubt Ihr allen Ernstes, dass dieser Beamtenapparat angesichts der knapperen Kassen erheblich schmilzt?

MfG
dvbboxer

Schneida
25.04.2005, 22:54
Statistiken

das geflügelte Wort: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Mit Zahlenspielereien lässt sich alles drehen. Mir sind diese Diagramme, Statistiken, Evaluationen schon länger ziemlich trissegal.

Irgendwo ist das Geld ja rum und zwar in riesigen Haufen. Sonst würde nicht nach wie vor für blanken Unsinn es genau in diesen Haufen zum Fenster hinaus geworfen.

Jedem Provinzpolitiker sein Denkmal: Ein Spaßbad (die bestehenden Bäder werden geschlossen, weil kein Geld), eine Neuorganisation der Ämter, ein Modellversuch, hier und da ein preisverdächtiger Neubau (bestehende Gebäude können ruhig verrotten, mit Renovierung und Instandhaltung kommt man nicht in die Zeitung), neue Preisgefüge (die Deutsche Bahn grüßt)

Das Argument mit den Kosten zieht bei mir überhaupt nicht. Zu viel erlebt.
Kameralistik :patsch:

Sparen, sparen und kurz vor Ende des Jahres realisieren, dass noch ganz viel Geld rausgehauen werden muss, damit der Etat im nächsten Jahr nicht gekürzt wird. Und dann unsinnige Schnellschüsse.

Oder der eine Topf ist leer, also muss man alles umbasteln und statt Staubsauger aus dem Etat Instandhaltung wird eine Luftfilteranlage aus dem Etat Forschung bestellt.

Phantasie an die Macht kann ich da nur sagen und nicht einlullen lassen von dem: kein Geld da. Quatsch.

:dance:

o.k.?

Grüße

E.Schneider

Betroffener
26.04.2005, 01:41
Oh ja,

ich kenne da auch so einiges zum Jahresende, wenn dann noch dringend was angeschafft werden soll, aber alle Töpfe leer sind ...

Da gibt es dann EDV-Anlagen für wichtige Unterbehörden von Ministerien aus dem Etat der Gartenpflege insbesondere Grassamen...
Und die Leistung muß natürlich innerhalb von Tagen erbracht und vollständig geliefert und auch berechnet werden, bevor Kassenschluß ist.

Damit stehen Lieferant und Auftraggeber praktisch mit einem Bein im Knast, aber alle spielen mit (war ja schon immer so) - selbst bei Lieferungen an die aufsichtführende Behörde - den Bundesrechnungshof - geht es oft auch nicht anders zum Jahresende. Verlogene Welt.

Schneida
26.04.2005, 22:33
jou

dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Oder doch?

Der sogenannte kleine Dienstweg - ist auch soziologisch beforscht - hält ja nun mal den ganzen Kram überhaupt am Laufen. Es wird da furchtbar kniffelig. Handele ich für den Ausschnitt, in dem ich mich bewege, sinnvoll, verantwortlich etc. stütze aber gleichzeitig eben ein krankes System, in dem ich es am Funktionieren halte?

Mir geht es gar nicht so sehr um Moral jetzt vordergründig, obwohl ich ein moralisch denkender und handelnder Mensch bin, sondern um die Schwierigkeit, die Wirkungen des eigenen Handelns abzuschätzen und Entscheidungen zu treffen. Darin liegt immer ein Risiko. Auch das der Selbstüberschätzung.

Zunächst sinnvolle Interventionen haben oft genug großen Schaden angerichtet. Das Brunnenbohren im Sahel hat den Grundwasserspiegel gesenkt, die Illusion vom herrschaftsfreien Diskurs hat Joschka Fischers u.ä. Funktionäre nach oben gespült. So isses. Und trotzdem ...

:ackordeon:

Mir dreht sich übrigens der Magen um: Akkordeon wird nicht mit ck geschrieben. Kleinkariert bin ich nämlich auch noch.

Grüße

E.Schneider