Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Formulierungshilfe
laufjunge
09.09.2006, 19:39
Ich habe verfasse gerade das Bewerbungsschreiben für eine Stelle als "Sachbearbeiter" in einem Landmaschinen-/Metallbaubetrieb. Es ist keine Stellenbeschreibung angegeben. Die Annonce ist chiffriert. Ich gehe von einer kaufmännischen Tätigkeit aus.
In einer früheren Bewerbung als Einkäufer hatte ich folgenden Satz drin:
Durch meinen bisherigen beruflichen Werdegang habe ich erhebliches technisches Verständnis im theoretischen, strategischen und operativen Bereich aufzuweisen. Kann man diese Formulierung auch für eine Stelle als Sachbearbeiter verwenden? Ich frage, weil es mMn für einen ausschließlichen Bürojob etwas zu dick aufgetragen, d. h. hochgestochen nach Klein Gernegroß klingt.
Tommi NRW
09.09.2006, 20:04
Hallo Laufjunge.
Das mit den Formulierungen ist eine Philosophie für sich.
Eine komplexe Ausdrucksweise kann im Vorfeld ebenso gut, wie auch schlecht sein.
Wesentlicher ist, sollte es zu einem Vorstellungsgespräch kommen, dass man dem im Anschreiben gelieferten Stil gerecht wird.
Geschulte Personalleute erkennen sehr schnell, ob sich der Bewerber im Anschreiben verstellt hat.
Ich persönlich würde, weil die Stellenbeschreibung fehlt und es sich um eine Chiffre-Anzeige handelt, die gewähltere Ausdrucksweise verwenden.
Gruß Tommi
StephanK
10.09.2006, 06:44
Eigentlich ist die Art und Weise der Personalsuche des Unternehmens zu kritisieren: Wer unter Chiffre inseriert, Bewerbungsinteressenten also die Möglichkeit nimmt, sich irgendwo über das Unternehmen zu informieren, muss eine präzise Aufgabenbeschreibung geben, und zwar schon im Eigeninteresse, denn das Unternehmen wird hunderte Bewerbungen von Menschen bekommen, die sich für die Aufgabe nicht eignen...
Du wirst deswegen nur relativ allgemeine Angaben machen können.
Die Branche dürfte für ein eher bodenständig-handwerkliches Unternehmen sprechen.
Schon deswegen (aber auch ganz allgemein) ist die Sorge, ob man nicht zu dick aufträgt, durchaus berechtigt.
Was mir an Deiner wörtlich zitierten Formulierung ein bisschen ausstößt ist das Verständnis, dass Du aufzuweisen hast. Das erinnert in unguter Weise an die Zeugnisformulierungen mit "Verständnis für die ihm gestellten Aufgaben" (=fauler Mitarbeiter) oder dem "Verständnis für die Belange der Belegschaft" (=besserenfalls Klatschbase, schlechterenfalls Schürzenjäger). Ist es nicht auch vielleicht besser, von Deinen Erfahrungen zu schreiben? Und dabei vielleicht von Erfahrungen im operativen Geschäft und in der strategischen Geschäftsplanung. Ich denke, das signalisiert mehr "Marktnähe" als die wolkige Formulierung von "Bereichen", was bei einem vermutlich mittelständischen Betrieb nicht unwichtig sein dürfte.
laufjunge
10.09.2006, 15:36
(..)Was mir an Deiner wörtlich zitierten Formulierung ein bisschen ausstößt ist das Verständnis, dass Du aufzuweisen hast. Das erinnert in unguter Weise an die Zeugnisformulierungen (..) Ist es nicht auch vielleicht besser, von Deinen Erfahrungen zu schreiben? Und dabei vielleicht von Erfahrungen im operativen Geschäft und in der strategischen Geschäftsplanung. Ich denke, das signalisiert mehr "Marktnähe" als die wolkige Formulierung von "Bereichen", was bei einem vermutlich mittelständischen Betrieb nicht unwichtig sein dürfte.
Das ist ein interessanter Gedanke. Darüber habe ich schon nachgedacht. Das Unternehmen ist für mich branchenfremd. Ich habe meine Erfahrungen in der Musik- u. IT-Branche gemacht. Da die Firma einen Sachbearbeiter sucht, geht es um allgemein kaufmännisch-administrative Arbeiten, die in allen kaufmännischen Berufen gleich (zumindest sehr ähnlich) sind.
Wenn ich mit Erfahrungen in der strategischen Geschäftsplanung und solchen im operativen Geschäft ankomme, dann klingt das mMn ganz deutlich um eine Berwerbung in der Führungsposition u. ist damit Ziel vorbeigeschossen. Besondere Tragweite hat in diesem Zusammenhang meine Begründung für die Bewerbung, warum ich aus der Selbständigkeit heraus will (unrentabel geworden wegen hart umkämpftem Markt m. unsicherem Käuferverhalten und Produktionsumstellung meines Hauptlieferanten). Unterm Strich würde ich damit sagen, daß meine Erfahrungen mich in den Ruin getrieben haben...
Theoretisches Verständnis kann ich aber anbringen, da ich während der Berufsfachschule einen unterrichtsbegleitenden Grundlehrgang in Metallbearbeitung vermittelt bekam. Den operativen Bereich (hier: Sachbearbeitung) betreffen die kaufmännischen Verwaltungsaufgaben meines Geschäftsbetriebes, der im Schwerpunkt branchenunabhängig ist. Das Ausleuchten strategischer Belange muß aufgrund der fehlenden Stellenbeschreibung im Dunkeln bleiben. Es stellt sich mir beispielsweise die Frage "stragisch wofür?", z. B. Materialwirtschaft, Arbeitsorganisation, Verbesserung der Marktpräsenz; also durchaus auch Bereiche, mit dem ein Sachbearbeiter im Vergleich zum Manager recht wenig zu tun hat.
Gerne lese ich weitere Anmerkungen.
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