Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kann nun jeder Unternehmer einfach 1,- Jobs vergeben?
wissenfrei
20.07.2005, 12:38
Hallo zusammen,
ich habe in google herumgesucht und bin auf dieses Forum gestoßen.
Es ist so, dass ich mich mit dem Thema Harz noch nicht auseinandergesetzt habe (auseinandersetzen musste), da ich einen Job habe. Für einen Verwandten jedoch, wird Harz gerade zum Thema. Mag sein, dass für Betroffene meine Frage weltfremd klingt, aber ich muss sie einfach mal stellen um das endlich zu kapieren:
Ich dachte immer, dass 1 Euro Jobs nur von karitativen Einrichtungen vergeben werden dürfen. Nun lese ich weiter unten aber was von einem Mann, der auf Montage gehen soll inkl. Zeitarbeitsfirma etc.
Heißt das jetzt, dass jeder Unternehmer einfach 1,- Euro Jobs vergeben kann? ....und dafür Festangestellte, die z. B. 15,-/h verdienen, ausstellen könnte?
Wenn mich jemand kurz aufklären könnte, wäre ich sehr dankbar :oops:
Viele Grüße
m.r.
Hi Wissenfrei!
Soweit ich weiß, müssen die 1 Euro Jobs gemeinnützig und zusätzlich sein. Desweiteren gehört automatisch zu den paar Stunden Arbeit etwas "Weiterbildung" dazu.
Das betrifft nicht nur karritative Organisationen. So kann z.B. auch im örtlichen Fußballverein mal die Pflege des Sportplatzes als Job ausgeschrieben werden.
Die Prüfung der Gemeinnützigkeit erfolgt durch die ARGE/ Kommune.
Volle AN durch 1 Euro Jobber zu ersetzen ist nicht zulässig.
Gruß Anni
StephanK
22.07.2005, 08:35
Hallo,
es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten... ;-)
"Wissenfrei", Du hast damit ein ziemliches Problem und gleichzeitig eine ziemliche Sauerei angesprochen. So, wie anni es beschrieben hat, sollte es eigentlich sein und so wurde es, als das Hartz-IV-Gesetz beschlossen wurde, auch offiziell begründet.
Aber die Praxis ist anders: Es gibt zwei Sorten solcher "Arbeitsgelegenheiten", nämlich die gemeinnützigen und die bei privaten Unternehmen, die ich auch für rechtlich höchst fragwürdig halte.
Auf der Seite von "Tacheles" gibt es einen sehr lesenswerten und informativen Artikel (http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2005/Arbeitsgelegenheiten.html) zu diesem Thema, den ich Dir empfehle.
wissenfrei
22.07.2005, 11:09
Vielen Dank für die Antworten!
Ich verstehe das also so, dass auch Privatunternehmen, so sie denn gemeinnützig tätig sind, 1-Euro Jobs vergeben dürfen.
Daher jetzt mal ...
[Stammtischblahbla an]
Ich will ja jetzt nicht herumpolitisieren, aber es sieht doch so aus, dass jedes Unternehmen gewinnorientiert arbeiten muss. Um die Arbeitsplätze zu sichern, Rücklagen für schlechte Zeiten zu bilden und das Leben des Firmeninhabers zu finanzieren. Das alles logischer Weise in möglichst großem Umfang. Der Faktor Wachstum letztlich, steht ja in direktem Zusammenhang mit Gewinnoptimierung. Es braucht nicht viel Phantasie sich vorzustellen, dass der befristete Arbeitsvertrag von Herrn Müller oder Frau Maier, mit ihren 15,- E Stundenlohn, hier und da zugunsten eines 1-Euro Joblers nicht mehr verlängert wird ...
Der Verwaltungsaufwand seitens staatlicher Organe das zu überwachen, wäre vermutlich zu hoch. Vielleicht wird ja die Zukunft zeigen, ob das mit den 1-Euro Jobs eine so gute Lösung ist, oder letztlich nicht die allgemeine Kaufkraft weiter schwächt, wenn Normalverdiener Ihren Stuhl für 1-Euro Jobler räumen müssen.
Wobei ich prinzipiell meine: Die 1-Euro Jobs sind ein sehr guter Ansatz, manch sich zu bequemen Zeitgenossen wieder ins Arbeitsleben einzugliedern. Um diese eigentlich recht vernünftige Lösung nicht im ganzen zu gefährden, sollte man auf öffentliche Institutionen/Arbeitgeber begrenzen. Zumindest vorerst, bis sich er Arbeitsmarkt einigermaßen erholt hat und Alternativen bestehen – denn andernfalls grenz das an Zwangsarbeit.
[Stammtischblahbla aus]
Ich hoffe, ich liege jetzt nicht völlig daneben.
Viele Grüße
r.m.
StephanK
25.07.2005, 14:38
Du straft Deinen Benutzernamen Lügen... ;-)
Ja, Du hast sehr gut wiedergegeben, was der gedankliche (ideologische?) Hintergrund dieser 1-Euro-Jobs ist. So ähnlich, nur mit mehr "äh's" hätte Euer Oberedmund das auch sagen können. Vielleicht solltest Du daran denken, Dich mal als Kabarettist zu versuchen...
Mit dem Gesetz wird schon versucht, die Mißbrauchsmöglichkeiten klein zu halten, und bisher scheint es auch keine 1-Euro-Jobs in reinen Privatunternehmen zu geben. D.h. die gibt's entweder in den Verwaltungen selbst, in karitativen Einrichtungen oder Firmen, bei denen die öffentliche Hand irgendwie mitmischt. Aber wenn Du die Problem- und Erfahrungsberichte einiger Forumsmitglieder liest, kannst Du schon halbwegs einschätzen, dass da vieles nicht im Sinne des Erfinders läuft.
Das Versprechen, dass keine regulären Arbeitsplätze durch 1-Euro-Jobber verdrängt werden sollen, steht zwar nach wie vor im Raum, aber ich fürchte, dass vor allem die finanziell klammen Kommunen teilweise lieber nicht so genau gucken.
Außerdem müssen seit der Verkürzung des Wehr- und damit auch des Zivildienstes viele bisherige Zivi-Stellen neu besetzt werden...
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