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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Handwerker profitieren von 1 Euro Jobs


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04.08.2005, 00:56
Hallo,

habe hier was zu dem Thema 1 Euro Jobs und dem angeratenen Umgang privater Handwerksbetriebe dazu gefunden.

Hier der Link:

http://www.handwerkermarkt.de/portal/apboard/thread.php?id=5170

fand ihn sehr lesenswert und aufschlussreich.

MfG

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Betroffener
04.08.2005, 02:21
Also das einzige, was mir daran gefallen hat, war der Feigenblatt-Passus mit der eventuellen Einstellung.

Alles andere ist doch wohl das allerletzte.
Die arme Kommune hat kein Geld und lässt sich Handwerkerleistungen über diesen Weg von der Agentur finanzieren. Wenn en Mitbewerber das nicht mitmacht, ist er am Markt plötzlich zu teuer und kann seinen Laden irgendwann dicht machen - also wird sowas bald allgemein gemacht.

Aber ich kann mir da schon vorstellen, dass bestimmte Betriebe voll drauf abfahren und mit den Kommunen zusammen mauscheln.

Da werden dann wahrscheinlich gleich bei der Ausschreibungserstellung bzw. den Vorgesprächen dazu die Leistungen der Agentur zwischen Kommune und Handwerker geteilt.

Man könnte ja jetzt fies spielerisch denken:
Handwerksmeister X vereinbart mit seinem öffentlichen Auftraggeber Y einen Auftrag, der normal mit einem Wert von sagen wir 250.000 € zu kalkulieren wäre. Das ganze wird aber nur für 100.000 € angeboten und ist über mehrere Monate abzuarbeiten.
Dazu holt er sich 10 passende Ein-Euro-Jobber (natürlich alles Fachleute) für 6 Monate und bekommt dafür 30.000 Euro von der Agentur, muss aber an das "Personal" nur 10.800 bezahlen anstatt rund 145.000 für 10 reguläre Kräfte mit allen Nebenkosten (hier nur mit 15 € inkl. Nebenkosten die Stunde gerechnet).

Als Ausgleich gibt er den Ein-Euro-Jobbern noch einen kleinen Bonus, damit die fast 40 Wochenstunden machen, der den Handwerkermeister X auch fast nichts kostet (oder die machen eine 4 Tage-Woche draus).

Ergebnis: Fast alle sind glücklich und zufrieden
Der Bürgermeister kann glänzen mit einem schönen Sanierungsprojekt.
Der Stadtkämmerer ist glücklich (vergißt aber die weiterhin hochbleibenden KdU-Kosten dabei), weil die Kommune eine wichtige Arbeit abwickeln kann zum halben Preis, was die Kasse gerade noch so hergibt.

Handwerkermeister X ist auch glücklich - er hat einen satten Auftrag reinbekommen, für den er das Personal noch finanziert bekommt und alleine davon noch was übrig bleibt für den neuen Kleinwagen seiner Frau und verdient sich an dem Auftrag zum Dumpingpreis ansonsten dumm und dämlich - weil er keine Personalkosten hat.

Die Agentur ist auch glücklich - sie hat 10 Arbeitslose weniger in der Statistik und hat was getan.

Die 10 Ein-Euro-Jobber sind nicht ganz so glücklich (hoffen aber auf eine Einstellung, die nicht kommen wird), brauchen aber nicht zu Hause hocken, haben die zusätzliche Knete des Ein-Euro-Jobs auf ihr ALG II und können auch nicht weg wegen der 30% Leistungskürzung.

Die Bevölkerung ist glücklich und lobt den Bürgermeister.

Das Finanzamt ist auch glücklich - Handwerksmeister X zahlt ja Steuern. Vielleicht kriegt der Kämmerer hier sogar auch noch was wieder über die Gewerbesteuer.

Nur Krankenkasse, Pflegeversicherung und Rentenversicherung schauen dumm aus der Wäsche.

Macht aber nichts - dann wird der Zuschuss aus der Steuerkasse eben wieder höher oder die Leistungen werden abgesenkt.

Dann schaut der Steuerzahler wieder dumm aus der Wäsche, der das alles bezahlt.

StephanK
04.08.2005, 08:17
Ein interessanter Artikel... :roll: Sie müssen übrigens noch keine Mitarbeiter haben, um 1-Euro-Jobs zu beantragen; das können Sie auch als 1-Mann-Betrieb tun. Da komme ich ja richtiggehend auf dumme Gedanken...: Weil ich ziemlich viel Zeit mit diesem Forum verbringe, leidet meine Haushaltsführung. Vielleicht sollte ich mich also mal nach einer billigen 1-Euro-Haushaltshilfe umsehen. So wird man vom Arbeitslosen zum Arbeitgeber... :wink:

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04.08.2005, 10:30
@ Betroffener und stephanK

ich halte diesen Schrieb quasi für eine Anleitung billig zu Arbeitnehmern zu kommen und sich diese zudem noch bezahlen zu lassen.

Ausserdem wieviel reguläre Arbeitsplätze werden im Laufe der Zeit auf diese Art und Weise wohl gestrichen werden?

@ stephank ist ein sauberes Treppenhaus nicht auch im Interesse der Öffentlichkeit? Dann könnte man ja einen Reinigungsbetrieb aufmachen.

MfG

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StephanK
04.08.2005, 10:55
Völlig richtig!
Da läuft wohl wirklich vieles, was schlicht illegal ist.
Dabei gehöre ich selbst nicht mal zu den ganz grundsätzlichen Gegnern der 1-Euro-Jobs, weil es wirklich einen bestimmten Ausschnitt der AA-Kundschaft gibt, die nicht von heute auf morgen in einem Normalarbeitsverhältnis anfangen könnten und sich erst mal wieder an den Trott gewöhnen müssen.
Aber die Missbrauchsmöglichkeiten dieses Instruments sind so vielfältig und so einladend, dass es wegen dieser - nicht abzustellenden - Missbrauchsmöglichkeiten komplett abgeschafft gehört. Das ist sozusagen die umgekehrte Haschisch-Debatte, und ich kann zu den 1-Euro-Jobs nur sagen: illegalize it! 8)