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Seehase
12.06.2009, 14:24
Halla liebe Arbeitsagenturabhängige "Kunden"

Seit dem 1. März 2009 habe ich, nach relativ kurzer Arbeitslosigkeit von ca. 6 Wochen, einen adäquaten Job im Berchtesgadener Land gefunden. Das Arbeitsumfeld stimmt, das Gehalt ist fair, die Arbeitsbedingungen kann ich mit meinem Engagement angemessen mitbestimmen. Ich bin froh, mit meinen bald 58 Jahren diese interessante Tätigkeit in meinen erlernten Berufen und mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag gefunden zu haben.

Das es auch anders sein kann habe ich in meiner vorletzten Arbeitslosigkeit von März bis Dezember 2007 erfahren müssen. Zahlreiche Bewerbungen bundesweit geschrieben, viele Absagen bekommen, reichlich Bewerbungen sind unbeantwortet geblieben, einige Angebote waren finanziell als unseriös einzustufen. Die Stelle die ich dann angenommen habe war von vornherein befristet eingestuft. Entpuppte sich sch im Nachhinein allerdings auch als Irrtum.

In meiner Zeit der Arbeitslosigkeit habe ich die unterschiedlichsten Hilfen der Arbeitsagenturen meiner aktuellen Wohnsitze (Niedersachsen u. Nordrheinwestfahlen) in Anspruch genommen und erlaube mir hier auch unaufgefordert ein Statement hierüber ab zugeben. Im Dienstleistungssektor, in qualifizierten Betrieben und in ordentlich geführten Betrieben nennt man dieses Feedback, Analyse der Kundenzufriedenheit und ist fester Bestandteil im Qualitätsmanagment.

Für mich auffällig sind die unter dem Dach einer Bundesagentur für Arbeit unterschiedlichsten Handhabungsweisen, Auslage von Vorschriften in Gleichgelagerten Fällen bei ein und demselben Kunden.

Allein der Begriff Kunde ist in dieser Agentur einfach falsch. Klient, Mandant oder gar Abhängiger ist hier eher zutreffend. Ein Kunde erfährt eine IST-Analyse seiner Situation, Beratung, Aufklärung, Information innerhalb seiner Vertraglichen Bedingungen für die er seine Beiträge entrichtet und hat, wenn auch aus einem vorgegebenen Leistungspaket eine gewisse Wahl über die Inanspruchnahme der Möglichkeiten.

Sollten sich Leistungen aus dem Leistungspaket ändern, wird ein Kunde umfangreich über bevorstehende Änderungen informiert und er hat ggf. die Möglichkeit aus seinem Vertrag aus zusteigen bzw. den Anbieter zu wechseln Bei allen Versicherungen ist dieses so geregelt, nicht aber bei der Arbeitslosenversicherung des Bundes!

In der für mich zuständigen Arbeitsagentur in Niedersachsen erfuhr ich eine Sachbearbeiterin die sich mit meiner Situation wenigsten scheinbar auseinandersetzte. Ich erhielt regelmäßige Beratungsgespräche zu meiner Situation und bekam aktuelle ggf auch kurzfristige Termine zur Klärung meiner persönlichen Fragen zu meiner beruflichen Situation.

Stellenangebote bekam ich von Ihr keine nachdem ich ihr klar machen konnte, mich selber darum hinreichend zu kümmern und ich für mich aus dem Arbeitsplatzangebot besser herausfiltern kann welches Angebot für mich in Frage kommen könnte.

Für meine nachgewiesenen Bewerbungen erhielt ich eine pauschale Aufwendung von 5,00 € p. Bewerbung. Fahrten zu den Vorstellungsgesprächen wurden nach vorheriger Beantragung und nachgewiesenen Aufwendungen entsprechend abgewickelt. Über das Procedere gab es ein ausführliches und persönliches Informationsgespräch und demnach bei der Abwicklung kaum noch Probleme, da alle Zusagen eingehalten wurden.

Bei dieser Sachbearbeiterin hatte ich das Gefühl, dass sie sich mit vorheriger Aufklärung und Erörterung von Kundenfragen Ihr Arbeitsleben so einfach wie möglich zu gestalten, weil es kaum Nachbearbeitungspunkte in Folge von Mißverständisse oder offene Fragen zwischen „Kunden“ und Agentur gab. Dieses Verhalten verdient meinen Respekt!


Die gleiche Arbeitslosensituation 1 Jahr und 2 Monate später in der Arbeitsagentur Paderborn: Echte Beratungsgespräche haben hier keine stattgefunden.
Gespräch am Counter bei der Aufnahme der drohenden Arbeitslosigkeit 3 Monate vor Ende des Befristeten Arbeitsvertrages.

Gespräch beim Vermittler mit Belehrung über Verhaltenshinweise während meiner bevorstehenden Arbeitslosigkeit. Aushändigung von Formblättern für Statusänderungen sowie weitere Merkblätter zum Selbststudium.
Per Post erreichten mich 2 Vermittlungsvorschläge über den Vermittler der Agentur die beide nicht auf meine Qualifikation zugeschnitten waren. Für beide Vermittlungs-vorschläge wurden das Bewerbungs- u. Vorstellungsprocedere durchgezogen ohne eine Kostenaufwand-entschädigung zu erhalten. Als Begründung für die Ablehnung wurde mir das zur Verfügung stehende Jahreseinkommen der letzten 12 Monate hochgerechnet. Dadurch nicht Förderfähig aus dem Vermittlungsbudget.
Die gleiche Begründung wurde mir für meine 35 selectierten weiteren eigenen Bewerbungsbemühungen entgegen gebracht. Reisekosten zu Vorstellungsgespräche im Umkreis von 30 Km wurden ebenfalls mit dem Gehalt der letzten 12 Monate hochgerechnet.


Von mir eingeforderte persönliche Beratungstermine wurden nicht gewährt. Telefonisch hat der Vermittler nach meinen Problemen gefragt und wie er mir denn dabei helfen könne. Es kann nicht angehen, dass der Kunde dem Berater sagen soll worin seine Beratungsaufgaben sind.

Dieser Sachbearbeiter hat sich ebenfalls das Arbeitsleben einfach gestaltet, indem er Fragen und die dazu notwendigen Antworten einfach nicht zugelassen hat. Die Einhaltung der „Nettikette“ verbietet es mir hier auszudrücken was ich von solchem Serviceverhalten denke.

Dieses stellt für mich ein gravierendes Fehlverhalten in Ausübung seiner Aufgaben am Arbeitsplatz dar, welches in der freien Wirtschaft mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen bis hin zur Entlassung geahndet wird. Von einem Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Vermittler kann hier nicht die Rede sein.

Ich kann nachvollziehen, das jüngere Kunden mit wesentlich mehr persönlichem Engagement in dieser Richtung zu völlig neuen und kreativen Gedankengängen im Umgang mit der Arbeitsagentur kommen können.

Ich bin davon überzeugt, das die Arbeitsagenturen mit Mitarbeitern, von der Spezie des Paderborner Vermittlers, für eine Arbeitsplatzvermittlung und Problembewältigung rund um den Arbeits(losen)markt sich selber im Wege steht.
Ob die vorhandenen Strukturen, angewandten Praktiken und Möglichkeiten überhaupt ausreichen, die Problematik um die Arbeitslosigkeit auch nur annähernd angehen zu können bezweifle ich jedenfalls sehr stark. Bedauerlich ist nur, dass der „Kunde“ dieses alles schlucken muss und keine Möglichkeit hat sich dagegen wirklich zu wehren. Ein wechseln zu einem anderen Anbieter dieser Leistungen ist dem „Kunden“ nicht möglich.

Ich zolle meinen hohen u. persönlichen Respekt allen Sachbearbeitern/Vermittlern, die ihren Job und Arbeitsauftrag in den Arbeitsagenturen erfüllen, sich den Problemen ihrer Kunden widmen und individuelle Fördermöglichkeiten erarbeiten um allen, die es denn auch wollen, zu einem geeignetem Arbeitsplatz zu verhelfen.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls froh, durch die Möglichkeit, rechtzeitig nach der Arbeitslosigkeit trotz meiner fast 58 J., wieder einen neuen Arbeitsplatz gefunden zu haben und somit den Status Hartz IV abwenden konnte. Ich bin dankbar für die mir gewährten Teilförderungen zum Umzug mit meinem Hausstand zum Wohnort meiner neuen Arbeitsstätte. Obwohl meine Fragen nach den Grundlagen zur Berechnung o. Deckelung der Förderhöhe trotz mehrmaligem Nachfragen nicht beantwortet wurden.

Ich wünschte mir aber die Beantwortung meiner zwischenzeitlich schriftlich gestellten Fragen an die Arbeitsagentur Paderborn. Es kann nicht sein, dass eine Institution des öffentlichen Rechts sich bei Kundenanfragen in Schweigen hüllt und Fragen die den Kunden direkt betreffen einfach nicht beantwortet. Dieses lässt den Verdacht auf Unregelmäßigkeit und Willkürentscheidungen beim Kunden aufkommen.

Aus eigenen Erfahrungen rate ich allen hier im Forum regelt selber was ihr selber regeln könnt. Die Agentur für Arbeit ist nicht unbedingt ein verlässlicher Partner bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle oder in der Beratung mit geeigneten Fördermöglichkeiten und hat auf Grund seiner Mitarbeiter unterschiedlicher Qualitäten genug Probleme die sie in den Griff bekommen muss.

Ich hoffe, dieser Bericht wird trotz seiner Länge von dem einen oder anderen bis zum Schluß gelesen.

Meinen besonderen Dank für ihre kompetenten und sachlichen Beiträge in diesem Forum gelten:


Dirk; Seebarsch; Anonymus; Marslicht; Ratsuchende, effge.


Ich hoffe Ihr könnt auch weiterhin Ratsuchenden in diesem Forum bei der Bewältigung ihrer Probleme hilfreich zur Seite stehen. Eure Beiträge machen u. a. die Qualität dieses Forums aus.

Ich verlege meinen Lebensmittelpunkt jetzt nach Bayern/BGL (Flaggenwechsel wurde vollzogen!) und hoffe, das der jetzige Arbeitgeber mein letzter bis zum erreichen der Altersrente bleibt.

Gruß vom Seehasen.

ratsuchende
13.06.2009, 06:44
Hallo!
Ich habe den Beitrag nun vollständig gelesen und war etwas überrascht, meine Person hier erwähnt zu sehen. Viel Glück hier in Bayern und rasches Eingewöhnen!

Die Motivation der Mitarbeiter in den Agenturen hängt nicht zuletzt auch von der Kompetenz der leitenden Angestellten ab, und da gibt es eben Unterschiede, auch in dem "Geist" von Rücksichtnahme und Respekt den Mitarbeitern gegenüber. Das ist in Agenturen nicht anders als in der sog. freien Wirtschaft.

Man muß aber auch bedenken, daß auch die Mitarbeiter oft keine Chance sehen, einfach so den AG zu wechseln und jahrelang auf der Stelle treten.
Dazu kommt noch, daß sie durch umfangreiche Vorschriften keinerlei eigenen Gestaltungsrahmen haben und oft Entscheidungen treffen müßen, hinter denen sie vermutlich nicht stehen können.

Daß es frustrierend ist, täglich Menschen vor sich zu haben, die gerade den Arbeitsplatz verloren haben und oft etwas neben sich stehen, ist durchaus verständlich. Und es ist auch nicht gerade förderlich, Hilfesuchende vor sich zu haben, denen man aber mangels freier Stellen wenig anzubieten hat.

Stell Dir vor, Du arbeitest in einer Bäckerei und es kommen Leute um Brot zu kaufen, Du hast aber keines und mußt das auch noch unter den Teppich kehren...

Eigentlich müßten die Firmen gezwungen werden, alle freien Stellen an die Agentur zu melden, dann wäre wenigstens die Chance gewahrt, die Stellen anbieten zu können und sich zu bewerben. Viele Stellen werden aber unter der Hand vergeben. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn in der Stellenausschreibung die Entlohnung genannt werden müßte. Das würde auch eine gewisse Hemmschwelle in Richtung Niedriglohn schaffen. Welcher AG will schon als Ausbeuter öffentlich erscheinen? Und der Bewerber kann sich entscheiden, ob eine Bewerbung sinnvoll ist oder kann sich darauf einrichten, was ihn erwartet. Mehr Transparenz in dem Bereich wäre wünschenswert!!!

Ansonsten muß ich Dir Recht geben, daß eine bessere Beratungsqualität wohl angemessen wäre. Dazu müßte es aber auch eine bessere Ausbildung und Coaching der Mitarbeiter geben, sowie mehr Zeit, um individueller auf die Bedürfnisse der "Kunden" eingehen zu können.

In diesem Sinne...

Dirk_.
13.06.2009, 07:54
Hallo Seehase,

Meinen besonderen Dank für ihre kompetenten und sachlichen Beiträge in diesem Forum gelten:


Dirk; Seebarsch; Anonymus; Marslicht; Ratsuchende, effge.

= Das Team ist entscheident, nicht der einzelne. Ich nehme aber die Blumen im Namen meiner Kollegen gerne an.
Nicht zu vergessen unsere tollen User die wir haben!:Respekt:

Auch ich wünsche dir einen erfolgreichen Start in Bavaria.
Viel Glück und alles gute dir!!.

Und wenn du mal wieder ne Frage haben solltest, dann weisst du ja wo du "uns" findest ;)

Gruß
Dirk

Pharao
13.06.2009, 16:47
Auch ich wünsche dir einen erfolgreichen Start in Bavaria.

Das is aber tiefstes Bavaria :) aber eine echt coole Gegend ! Berge, Landluft, urige Sprache, Salzburg in der Nähe zu billigen tanken, super essen, viele Badeseen die zwar arsch kalt sind, aber ............., usw.

Seebarsch
14.06.2009, 19:07
Hallo Seehase,
super dass es mit einem neuen Job geklappt hat. Trotz des zarten Alters sind die Chancen eigentlich nicht schlecht, da meiner Erfahrung nach bei vielen Arbeitgebern, auch in der Krise, langsam aber deutlich ein Umdenken beginnt.
Hier setzt man dann wieder auf Erfahrung, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und soziale Kompetenz. Diese "Marker" sind oftmals bei jüngeren Bewerbern nicht so eindeutig ausgeprägt, wie bei älteren Mitarbeitern.

Zur BA kann ich eigentlich deine Aussagen nur stützen.
Die Verwendung des Wortes "Kunde" wurde der BA übrigens durch den Minister für Arbeit und Soziales vorgeschrieben und ist keine Erfindung der BA.
Als "Kunde" habe ich die freie Auswahl mir eine Dienstleistung auszusuchen, das ist allerdings bei der BA nicht möglich.
Zudem ist die Art und Qualität der Beratung bei der BA leider oftmals vom Zufall oder dem Engagement des Beraters abhängig.
Mit der Neuorganisation der BA ab 2005 wurden leider die bisherigen spezialisierten Funktionen der Arbeits-, Berufs- und Leistungsberater abgeschafft. Dadurch wurde Kompetenz und Dienstleistung pur verschwendet. Man war in der Leitung der BA nämlich der Meinung, das durch die neu erfundenen Modelle bzw. Handlungsprogramme die Beratung voll abgedeckt sei. Dass dem so nicht ist, haben wir alle festgestellt.

Halt die Ohren steif und finde in deiner neuen Arbeit hoffentlich die notwendige Erfüllung um gut und gesund bis zur Rente arbeiten zu können!
Gruß
:engel: