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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Brief an Herrn Clement - 100 Tage Hartz IV


Betroffener
09.08.2005, 13:23
Das ist nicht mein Schicksal, aber auch nach über 210 Tagen ist wohl keine Änderung in Sicht - die Zustände manifestieren sich immer "betonierter" und können viele zur Verzweifelung treiben.

Der Forumsnutzer "Gummiwebster" beschreibt hier sehr anschaulich, was ihm widerfahren ist. Ob der Herr eine Antwort bekommen hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Gefunden: Hartz IV Forum der Märkischen Allgemeinen Zeitung (http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10337715/509439/)
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100 Tage Hartz IV


Werter Herr Minister Clement,

heute möchte ich Ihnen mitteilen, wie ich Hartz IV erlebe.
Als Hartz IV beschlossen wurde fand ich das ganz in Ordnung. Zu der Zeit Arbeitete ich Ehrenamtlich im XXXX in Potsdam und gab Unterricht in Textverarbeitung mit dem Microsoft Office Programm. Dort wurde ich ständig über Hartz IV befragt und musste mich damit intensiv Beschäftigen, um eine Antwort geben zu können. Dabei vielen mir einige Punkte auf, die etwa positiv oder negativ waren.
Zu den positiven Punkten zähle ich die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe. Auch die Punkte von Fördern und Fordern fand ich gut.

Zu den negativen Punkten macht mich erst einmal der Unterschied der Geldbeträge zwischen Ost und West stutzig. Denn es ist ein Verstoß gegen Artikel 3 Abs. 1,3 des Grundgesetzes. Weiterhin fand ich doch sehr verwunderlich, das Einkommen der Partner mit anzurechnen. Ich finde dass jeder das Recht hat, finanziell unabhängig zu sein und wenn es nur der ALG II - Satz ist. Weiterhin bemängele ich, dass ALG II - Empfänger keine einmaligen Beihilfen mehr bekommen, um sich Waschmaschinen oder andere technische Geräte kaufen zu können. Von dem ALG II - Geld kann man das nicht Bezahlen. Das Geld reicht gerade so zum Überleben. Hier ein Beispiel: Vor zwei Jahren bezahlt ich einen monatlichen Stromabschlag von 16,00€. Heute muss ich dafür schon 45,00€ zahlen.
Ende Oktober fragte ich beim Arbeitsamt nach, ob man wenigstens ein so genannten 1,00€ - Job für mich hätte. Ab 01. November 2004 bis 31. März 2005 bekam ich dann einen. Leider musste ich feststellen, dass ich mehr als Putzmann gebraucht wurde, als den älteren Leuten den Computer näher zu bringen. Auch über die Bezahlung wunderte ich mich. In Potsdam bekam ich nur 1,30€ die Stunde, aber außerhalb von Potsdam hätte ich 1,50€ bekommen und das für dieselbe Arbeit. Anscheinend kennt auch hier keiner das Grundgesetz.

Die Antragstellung für ALG II fand ich gut, da meine Daten vom Sozialamt übernommen wurden. Das Arbeitsamt musste ich leider öfters Anrufen, um den Beamten klar zu machen, dass meine Daten schon längst vorliegen würden. Zum Glück fanden sie meine Unterlagen, ich bekam mein Bescheit und Anfang Januar mein erstes ALG II - Geld.

Anfang März fragte ich beim Arbeitsamt nach, ob mein 1,00€ - Job verlängern wird. Mann Versprach sich darum zu kümmern. Das war’s dann aber auch. Zwischendurch gab es in Potsdam eine Bildungsmesse, wo man sich über Fordbildungsmaßnahmen Informieren konnte. Ich fand auch eine geeignete Fortbildung als IT - Trainer, da ich meinen alten Beruf, durch eine Erkrankung (30% Erwerbsgemindert), nicht mehr ausführen kann. So ging ich dann kurz vor Ostern zu meiner Fallmanagerin (die ich endlich gefunden hatte) und berichtete Sie über meinen Plan. So würde ich vormittags meinen 1,00€ - Job ausüben und abends mich weiterbilden. Leider ging alles daneben. Ob ich überhaupt noch ein 1,00€ - Job bekomme, wusste sie nicht. Bei der Weiterbildung müsste ich mir erst einen Betrieb suchen, der mich nach der Umschulung einstellt. Ich war doch sehr verwundert was am Ende aus Fördern und Fordern geworden war.

Jedes Jahr werden 20 000 000 000 € verschwendet (Bund der Steuerzahler) und für eine Weiterbildung hat man noch nicht mal 986,00€ übrig nur weil ich keinen Arbeitgeber habe. Wenn man dieses Prinzip auch auf die Studenten übertragen würde, hätten wir bald keine mehr. In Zukunft wird man an Schulen IT - Trainer brauchen, denn ohne PC - Kenntnisse geht es bald nicht mehr. Das wäre meine Zukunftsperspektive gewesen. Leider hatte mir die Changs das Arbeitsamt verbaut.
Nun wollte ich wissen, wie es den mit einer Verlängerung meines 1,00€ - Jobs steht. Also rief ich meine zuständige Fallmanagerin an, um zu erfahren, ob ich ab 1. April einen 1,00€ - Job wieder habe. Somit rief ich jede Stunde 4x beim Arbeitsamt an und das für den Rest der Woche. Leider konnte ich niemanden nach Ostern telefonisch im Arbeitsamt erreichen. Somit hatte ich eine hohe Telefonrechnung (Warteschleife), aber keine Auskunft wie es nun weiter geht.
Am 4.April erreicht ich endlich meine Fallmanagerin um nachzufragen, was nun mit dem 1,00€ - Job nun währe? Leider konnte sie mir keine Auskunft geben. Daraufhin gab ich meinen ehemaligen Chef die Nummer und Nahmen der Fallmanagerin vom Arbeitsamt. Er wollte sich mit ihr in Verbindung setzen, dass ich einen neuen 1,00€ - Job bekomme.
Nach einer Woche hatte ich immer noch nichts gehört, weder vom Arbeitsamt noch vom ehemaligen Chef. Daraufhin rief ich am 12.April meine Fallmanagerin an, um zu erfahren, was nun los währe. Dort musste ich erfahren, dass sich mein ehemaliger Chef sich nicht gemeldet hat und sie wollte sich dann bei mir Melden. So warte ich zu Hause auf einen Anruf vom Arbeitsamt.
Wenn das Arbeitsamt mich schon nicht in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln kann (keine Arbeitsplätze und keine neue Ausbildung), dann kann ich doch erwarten, dass sie mich in einen 1,00€ - Job vermittelt.
Schließlich gebe ich seit zwei Jahre Unterricht in Textverarbeitung und kann mir einfach nicht vorstellen, nicht gebraucht zu werden.
Hiermit wollte ich Ihnen zeigen, was 100 Tage Hartz IV für mich gebracht hat.
Es wäre schön eine Antwort auf meinen Brief zu bekommen, da der Lehrgang schon am 24.05.2005 beginnt.