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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wird die Miete nach Umzug noch übernommen?


Claire
15.08.2005, 17:16
Hallo zusammen,
wir wohnen zu Zeit zu dritt in einer 3-Zi-Wohnung, die miserabel (u.a. verschimmelt) ist und haben nun seit einiger Zeit verzweifelt nach einer neuen UND BEZAHLBAREN Wohnung gesucht!

Nun haben wir ein Angebot einer WBG bekommen.
Allerdings handelt es sich um eine 4-Zimmer-Wohnung mit 89qm, die uns zu dritt ja eigentlich gar nicht zustehen würde.

Warmmiete wären 475 €, also SEHR günstig!
(Für eine 3-Zimmer-Wohnung auf dem normalen Wohnungsmarkt zahlt man hier locker 600 oder 700 € warm)

Nun habe ich mich bei der ARGE erkundigt und man sagte mir, dass die Miete
- sollten wir diesen Umzug stattfinden lassen
- wahrscheinlich GAR NICHT mehr bezahlt wird.

Die Mietobergrenze liegt für 3 Personen hier bei 413 €! Auf meine Frage, ob dann wenigstens diese 413 € bezahlt werden, antwortete man mir "kann sein".

Weiß jemand, ob man - wenn man eine Wohnung nimmt, die einem eigentlich von der Größe/Zimmeranzahl her gar nicht zusteht
- zumindest dann die Mietobergrenze ausbezahlt bekommt, so dass man nur noch die Differenz selber zahlen muß?
Oder könnte es tatsächlich sein, dass einem die KOMPLETTE MIETE GESTRICHEN wird?????

Ich hoffe, mein Geschreibsel war verständlich....

Vielen Dank schonmal für die Antworten!

Liebe Grüße
Claire

:patsch:

Betroffener
15.08.2005, 18:03
:welcome: Claire,

da ich mal annehme, dass Nürnberg und Fürth da gemeinsame Sachen machen und die ominösen 413 € auch in der Richtline von Fürth auftauchen, solltest Du da auch mal reinschauen:
KdU-Fürth (PDF-Datei) (http://www.my-sozialberatung.de/files/H-IV-Fuert.pdf)

Auszug aus dieser Datei Die bisher in der Sozialhilfe geltende Mietobergrenze wird auch im Rahmen des SGB II fortgelten. Dies sind für Alleinstehende 270 Euro, 2 Personen 347 Euro, 3 Personen 413 Euro, 4 Personen 480 Euro, 5 Personen 551 und für jede weitere Person zusätzlich 66 Euro. Dies sind die Mietkosten inklusive Nebenkosten, jedoch ohne Heizung. Für Heizung wird derzeit eine qm/Pauschale von 1,30 Euro angesetzt. Bei Überschreiten der Mietobergrenze wird grundsätzlich jeder aufgefordert sich eine angemessene Wohnung zu suchen, weitere Toleranzen nach oben wird es nicht geben. Diese Vorgehensweise wurde bei der letzten mittelfränkischen Amtsleitertagung so abgestimmt.

Da geht es also bei Euch um die Kaltmiete inkl. Nebenkosten bei den 413 € hinzu kämen 75 x 1,30 = 97,50 Heizkosten = 510,50 € Gesamtmiete.

Theoretisch müssten Eure 475 € trotz mehr Fläche darin liegen können, weil die Wohnung als Warmmiete schon günstiger ist. Hier wäre das vom Vermieter (Kaltmiete + Nebenkosten + Heizkosten) und mit dem Amt nochmal aufzubröseln.

Von gar nicht mehr bezahlen, kann natürlich keine Rede sein, aber reichlich Stress wird es natürlich geben, wenn das Amt nicht vorher zustimmt - und das wird es nicht. Auch die wissen, dass die Warmmiete bei den Energiepreisen nur noch nach oben gehen werden.

Üblicherweise sind da viele Kommunen nicht so zimperlich und zahlen die Obergrenze, andere wie z.B. Bielefeld kommen dann auf die Idee, das es mit der Bedürftigkeit nicht weit her sein könne, wenn man sich solche Zuzahlungen leisten möchte und wollen die Zahlungen einstellen und alles noch mal neu prüfen. Falls in Bielefeld jemand aus einer preiswerten angemessenen Wohnung umzieht in eine andere teurere angemessene Wohnung, steht das Amt dort auf dem Standpunkt, dass es weiterhin nur die bisherige niedrigere Miete zahlen muss (Schimmel lässt sich beseitigen und käme bei richtigem Lüften nicht wieder vor). Es wäre eine der Mitwirkungspflichten die Kosten der Unterkunft niedrig zu halten.
Das ganze ist natürlich dummdreist und frech, aber eben von den dortigen kommunalen Grössen abgesegnet. :patsch:

Hintergrund sind die meist in jahrzehntelangem Umgang mit Sozialhilfefällen abgehärteten Sachbearbeiter, die klammen Kommunen (die ja 79% der Kosten der Unterkunft bezahlen muss, 21% zahlt der Bund) und natürlich Vorgaben von Landkreisen, Landräten und Bürgermeistern.

Hier wären vielleicht direkte kommunale Kontakte zu den regionalen Grössen sinnvoll, um auf sinnvolle Werte bei den Kosten der Unterkunft zu kommen, statt Gettos zu erzeugen (was eigentlich verhindert werden sollte).