Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitslosigkeit zugeben - Scham ...
Hallo,
dies ist meiner erster Beitrag überhaupt im Internet - falls ich jetzt einen neuen Thread anfangen, obwohl es schon einen gibt, oder sonst irgendeinen Anfängerfehler mache ... möge man mir dies bitte nachsehen ...
Ich bin schon seit einiger Zeit arbeitslos auch wegen einer Krankheit... Zur Zeit mache ich ein Fernstudium, um einen Universitätsabschluss nachzuholen, den ich leider nicht machen konnte (wegen Krankheit).
Ich bin sehr froh, dass ich wenigstens dieses Studium habe. Ansonsten spare ich mein Geld ziemlich hart zusammen, um einige VHS-Kurse zu machen (Sprachkurse).
In jedem Sprachkurs stehe ich wieder vor der gleichen Frage: sagen, dass ich arbeitslos bin? Ich sage, dann dass ich studiere, was ja stimmt - und rede mich dann mehr oder weniger diffus um die Fragen herum, die sich anschließen... fühle mich aber mit der ganzen Situation letztendlich nicht wohl...
Was mich wundert ist, dass ich noch NIE eine andere arbeitslose Person in einem VHS-Kurs angetroffen habe - bzw. keine, die es zugegeben hat. Das wundert mich auch deswegen, weil VHS-Kurse letztendlich doch die Freizeitbeschäftigungen sind, die man als arbeitslose Person irgendwie doch zahlen kann.
Mich würde mal interessieren: wie geht ihr damit um - ich gehe einfach mal davon aus, dass es tatsächlich Arbeitslose gibt, die VHS-Kurse machen ;)
Ich merke, dass die Scham über die Arbeitslosigkeit (bei mir noch zusätzlich Krankheit) doch tief sitzt.
Wie erlebt ihr das? Wie geht ihr damit um?
Über Antworten würde ich mich sehr freuen... !!!
Peter
Hallo peter33 und willkommen im Forum,
Wie erlebt ihr das? Wie geht ihr damit um?
ich persönlich kann es vollkommen nachvollziehen wie du dich fühlst.
Auch mir erschlich Zeitweise ein Gefühl von na ja, Scham.
Aber das ist ja ein persönliches Empfinden.
Der Punkt ist doch, WARUM ist dies so!
Sehen wir uns doch mal die Lage in Deutschland an.
Es gab eine Zeit, wo man(n) alle die damals noch Arbeitslosenhilfe bezogen haben, verteufelt hat, nach dem Motto " Ja da gehen "unsere" Steuern hin"
Aber nach nun 4 Jahren Hartz4, die ich mitgemacht habe, hat sich bei mir ein Gefühl eingestellt, wo ich mir nun sage " Hey, ich machte alles um einen Job zu bekommen. Ich habe Hunderte von Bewerbungen geschrieben. Aber nichts ging"
Ergo, ich kann nicht zaubern, ich habe keine drei Hände(weil ich sonst beim Zirkus wäre), was soll ich denn noch machen.:(
Natürlich gibt man nicht jeden die Top -Info das man ohne Arbeit ist, dennoch ist es Fakt und wenn man einen VHS-Kurs macht, was ich auch schon hinter mir habe, dann sage ich dann auch die Wahrheit.
Ich kann jetzt nur Mutmaßen, aber ich schätze, das die Kurse die du besuchst, nicht vom Amt zugeteilt werden, sondern wo man(n) sich selbst anmeldet um sich weiter zu bilden.
Und hier ist es dann schon möglich, dass hier wirklich alle in "Lohn und Brot" sind.
weil VHS-Kurse letztendlich doch die Freizeitbeschäftigungen sind, die man als arbeitslose Person irgendwie doch zahlen kann.
Und genau hier denke ich liegt der Hund begrabe.
Ganz ehrlich, ich kenne keinen Menschen, der sich als Arbeitsloser einen VHS-Kurs leistet. Wovon auch?
Gut, wenn man nun nur den ganzen Tag auf dem Sofa rumlungert und Daily Soap´s glotzt, dann kann nichts werden.
Wenn ich aber alles daran setze, das ich da irgendwie wieder aus dem Sumpf heraus komme, so wie du mit deinem Studium, dann habe ich mir nichts vorzuwerfen und gehe mit der Situation offen um.
Schon allein deswegen, weil ich mich doch persönlich psychisch derart unter Druck setze, das ich am Ende echt kirre werden würde.
Du bekommst hier sicherlich noch Antworten von anderen Usern.
Ich mag Floskeln eigentlich überhaupt nicht, dennoch Kopf hoch und Brust raus.:)
Gruß
Dirk
Ist halt so, dass den meisten Menschen nach einer gewissen Zeit das Selbstvertrauen verloren geht. Manche trauen sich morgens nicht mehr vor die Tür wenn andere arbeiten oder sie verstecken sich hinter Vorurteilen und geben anderen die Schuld für ihre Lage. Für mich wars damals auch echt schwierig mich als arbeitslos zu outen aber es hat mir geholfen die Wahrheit zu sehen, nichts mehr schön zu reden und wieder Gas zu geben.
arbeitslose Melanie
05.10.2009, 22:27
Hallo peter33,
ich gehe offen damit um, das ich arbeitslos bin und schäme mich deswegen nicht! Warum auch? Das kann heute jedem passieren.
Wir haben uns alle nicht die Arbeitslosigkeit ausgesucht. Jeder weiß für sich am besten, was man getan hat, um wieder einen Job zu bekommen.
Das dies in der heutigen Zeit nicht immer von Erfolg gekrönt ist, dürfte auch jedem klar sein, der sich nur etwas damit beschäftigt.
Was mich wundert ist, dass ich noch NIE eine andere arbeitslose Person in einem VHS-Kurs angetroffen habe - bzw. keine, die es zugegeben hat. Das wundert mich auch deswegen, weil VHS-Kurse letztendlich doch die Freizeitbeschäftigungen sind, die man als arbeitslose Person irgendwie doch zahlen kann.
Ich find es toll wenn man sich sowas als Arbeitsloser leistet. Ist besser als das Geld irgendwie in andere kurzzeitig glücklichmachende Sachen steckt. Ich steh zur meiner Arbeitslosigkeit (seit 2003).
Stemm mich seit Oktober/2008 durch eine Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt. Auch nicht gerade billig, aber dank MeisterBaföG geht es doch. Am 24.11. hab ich Prüfung, aber leider noch keine Chance die Prüfungsgebühr von 460€ zu zahlen. Entscheidet sich morgen bei einem Gespräch mit meiner SB. Ganz frech per E-Mail beantragt (Stichwort: Vermittlungsbudget) und prompt ne Einladung bekommen, weil sie mit mir darüber reden möchte. Drückt mir dafür bitte die Daumen und großen Zehen. :)
Aber wie meine Vorredner schon gesagt haben: Bauch rein, Brust raus und Kopf hoch.
Polarlicht
07.10.2009, 18:23
Ich würde offen damit umgehen: Denn so kommt vielleicht auch jemand auf den Gedanken, dir mitzuteilen, wenn er/sie von einer Stelle gehört hat...um aus der AL rauszukommen, braucht man hin und wieder nicht nru Vitamin B(eziehung) sondern vor allem viele Bekannte, Freunde und sonstige Menschen die wissen "da ist einer, der kann xyz und der will arbeiten".
Hallo,
ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich Hartz IV-er bin.
Ich schäme mich nur für die Gesellschaft, die diese neue Versklavung und Prostitution arbeitswilliger Menschen parteilich gewählt hat.
Ich schäme mich auch für die unproffessionelle Arbeitsweise der ARGEN ARGEn, die in meinen Augen als Sklavenvermittler für Firmen arbeiten, anstatt für Arbeitssuchende.
Ich schäme mich für die Wirtschaft, denen die Würde und die Fähigkeiten der Menschen nichts mehr Wert ist, indem sie gute Arbeit nicht mehr mit gutem Lohn entgelten.
Ich schäme mich auch für die Arbeitslosen/Hartz IV-er, die nicht zu ihrer Situation stehen und sich von Ämtern und Chefs in würdelose Situationen drängen lassen.
Hallo alle zusammen,
für mich war es damals ein Schlag ins Gesicht als die Reform kam und ich ALGII beantragen musste. Wohngeld und Kindergeldzuschlag wurden abgelehnt mit der Begründung, dass das Einkommen abzüglich der Freibeträge so niedrig ist, dass ALGII dazu beantragt werden muss. Meine Familie muss ja überleben, also bin ich zur ARGE, ich habe an der Infotheke gestanden und geweint, es war so schlimm, ich kam mir so erniedrigt vor nicht in der Lage zu sein trotz Vollzeitjob meine Familie nicht ernähren zu können.
Mittlerweile ist auch diese Stelle weg und wir bekommen reines ALGII.
Ich traue mich nicht dies zu erzählen, meine Kinder würden hier im Dorf gemieden werden, Schade, dass Menschen so sind.
LG
Jassy
VIERZEHNNOTHELFER
11.10.2009, 08:49
Jassy, Du hast überhaupt keinen Grund Dich zu schämen.
Wenn jemand Vollzeit arbeitet und trotzdem die Familie
nicht ernähren kann, liegt es an den beschämenden Löhnen
(23 von 27 EU-Länder haben Mindestlohn, Deutschland nicht).
Und die ARGE MUSS Dir helfen, wieder in eine anständig
bezahlte Arbeit zu kommen.
Zur VHS - ungefähr das Vernünftigste, was man machen kann.
Und ich bin sicher, daß andere Arbeitslose in den Kursen sitzen,
die es nicht zugeben!
Hallo,
vielen Dank für die vielen unterschiedlichen Antworten und die Ermutigungen!!!
Kedeli - ich drück dir die Daumen. Das Komische ist ja, dass die die sich weiterbilden wollen oft darum kämpfen müssen... und eher noch Steine in den Weg gelegt bekommen.
Peter
Kedeli - ich drück dir die Daumen. Das Komische ist ja, dass die die sich weiterbilden wollen oft darum kämpfen müssen... und eher noch Steine in den Weg gelegt bekommen.
Peter
Die Steine heißen SGB II, III, X und XII. Leider nix geworden. Ist wie mit dem Schuster Voigt. Ohne Job, keine Förderung. Ohne Förderung und Abschluß keinen Job. :confused: Ich bräuchte eigentlich nur nen Job von 400,01€ und schon hätt ichs ausm Vermittlungsbudget. Wird zwar weiterhin mit ALG-II aufgestockt, aber ist Sozialversicherungspflichtig.
Das war jetzt erstmal die Förderungsabteilung. Auf einen Brief der Leistungsabteilung (Darlehn) wart ich noch. Ich geh mal davon aus, 1 Jahr lernen und Kurs besuchen umsonst. :( Aber einen Hunderter muß ich bei Rücktritt von der Prüfung dennoch abdrücken.
Ich könnt mich ja noch bei der KfW bewerben. Dann haben die wenigstens ab 2011 Aussicht darauf, dass die ihr MeisterBafög zurückbekommt. :)
Karl-Heinz
17.10.2009, 21:06
Sich schämen,weil man arbeitslos ist.
Auf der einen Seite kann ich das Schweigen verstehen. Es dient als Selbstschutz. In dieser Gesellschaft haben Erwrebslose keinen guten Ruf, Arbeitslosigkeit gilt als ansteckende Krankheit. Deswegen gibt es Vereine oder andere Gruppen, die keine Langzeitarbeitslosen akzeptieren oder irgendwann wegmobben. Alles schon gehört. Es ist wohl die Angst vor der eigenen Erwerbslosigkeit, die Gefahr des sozialen Abstiegs, die diese Menschen dazu bringen könnten, Schwervermittelbare als selbstverschuldete Versager abzulehnen.
Auf der anderen Seite erfahren andere Leute, die einen Job zu vergeben haben oder jemanden kennen, nicht, dass man auf der Suche ist, wenn man sein Schicksal verschweigt. Man könnte sich um Chancen bringen.
Kompromiss wäre vielleicht, sich erst mal die Menschen anzuschauen und dann zu entscheiden, ob man sich öffnet oder nicht. Haltvon Fall zu Fall abzuwägen, was besser ist.
Ich sag mir immer: Als Arbeitsloser bin ich mit Millionen anderen Bürgern ohne Arbeit in bester Gesellschaft. Es ist heutzutage normal, und es kann jeden treffen.
MfG Karl-Heinz
Die Steine heißen SGB II, III, X und XII. Leider nix geworden. Ist wie mit dem Schuster Voigt. Ohne Job, keine Förderung. Ohne Förderung und Abschluß keinen Job. :confused: Ich bräuchte eigentlich nur nen Job von 400,01€ und schon hätt ichs ausm Vermittlungsbudget. Wird zwar weiterhin mit ALG-II aufgestockt, aber ist Sozialversicherungspflichtig.
Ich zitier mich mal selber. Man ist doch blöd wenn man sich selbständig weiterbildet.
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