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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mehrfachjobber und Erwerbslose


Karl-Heinz
18.10.2009, 17:24
Hallo zusammen,

ich möchte hier ein Thema zur Diskussion stellen, das mir persönliche erhebliche Magenschmerzen bereitet (deshalb habe ich meine Pillen schon griffbereit). Dennoch versuche ich, diese Thema sachlich zu beleuchten und hoffe, dass es mir halbwegs gelingt (Dirk fröhlich zuwinke).

Es geht schlicht und ergreifend darum, dass die einen mehrere Stellen haben und die anderen keine einzige. Mögliche Konstellationen der Mehrfachjobber sehen z.B. so aus: Ein Hauptjob und 1-2 Nebenjobs oder 2 Hauptjobs.

Warum gibt es Mehrfachjobber? Böse Zungen behaupten, weil sie den Hals nicht voll genug kriegen können. Da ist der gewohnte Lebensstandard, welcher sich umständehalber durch eine Stelle nicht mehr aufrechterhalten lässt. Oder jemand baut ein kleines Nebengewerbe nebenbei auf, natürlich aus Sicherheitsgründen zusätzlich zum Hauptberuf. Oder ein workoholic (Arbeitssüchtiger) hält sich für so unersetzlich, dass er zwei Führungspositionen bei unterschiedlichen Unternehmen besetzt. Oder ein Professor, welcher parallel zur Dozententätigkeit noch eine Firma führt oder als Berater arbeitet. Nicht zuletzt die ganzen hochdotierten Aufsichtsratposten von Managern und Unternehmern. Oder, oder, oder...

Jetzt kann man hergehen und sagen: Ist doch gut und schön, lassen wir sie doch. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, die Portokasse für die Extras aufzufüllen, warum nicht? Sollen sie doch ihren Spass haben, durch die Aufsichtsratposten noch mehr Macht und Kontrolle ausüben zu können. Wen interessiert das schon? Ok, hier interessieren mich die Manager und Unternehmer tatsächlich nicht, sondern die "normalen" Arbeitnehmer und kleineren Selbständigen, die quasi mehrere Eisen im Feuer haben.

Man kann die Sache jedoch auch so betrachten, dass die Hauptberuflichen den Arbeitslosen die Jobs wegnehmen. Das ist übrigens der Standpunkt, den ich in dieser Angelegenheit vertrete. Ich denke, viele arbeitswillige Arbeitslose sind froh, überhaupt einen Job zu haben. Dann ist da immer noch die Hoffnung auf Übernahme,wenn man sich in dem Job bewährt hat. Ganz zu schweigen von der Überbrückung der Lücken im Lebenslauf. Man zeigt, dass man "am Ball" bleibt. Wenn dieser Langzeitlose aber erlebt, dass er gar nicht zum Zuge kommen kann, weil andere, dies es gar nicht mal bitter nötig haben, ihm den Job vor der Nase wegschnappen?

Ehrlich gesagt platzt mir der Kragen, wenn ich lese, dass ein junger Karrierist in den 30ern als Führungskraft bei zwei namhaften Kozernen beschäftigt ist. Das sowas überhaupt möglich ist, will mir nicht in den Kopf. Und natürlich gibt er in beiden Unternehmen jeweils 110 Prozent Einsatz. Jo, das ist klar :confused: Der belegt eine komplette Stelle die einem anderen Bedürftigen entgeht. Da fehlen mir echt die Worte angesichts dieser Dreistigkeit.

Dann ein anderer Fall. Ein Selbständiger zieht ein Geschäft auf, was sich nicht trägt. Prompt lässt er sich bei Kollegen einstellen und macht noch 400-Euro Jobs. Obwohl es die Einrichtung: Hartz4 für Selbständige gibt. Doch es gilt die Parole: Bloss kein Hartz4 beantragen, sonst gehöre ich noch zu den Versagern! Dann nimmt derjenige lieber Leuten, die gar nichts haben, die Stellen weg.

Ja und der Künstler, der ja diese Sozialhilfe für Künstler erhält und mehrere Berufe ausübt (Synchronisation, Theater). Der aufgrund seiner Kontakte noch zig Nebenjobs hat, wie z.B. Kellnern, Platz anweisen, Werbetexte erstellen, Callcenter und Kassieren. ich finde das unmöglich! Sorry, aber ich kann darin keine "Flexibilität, Arbeitswille, Ehrgeiz, Fleiss und hohe Einsatzbereitschaft" sehen.

Das ist nach meinem Dafürhalten hochgradig unsozial!

So, das war meine Sichtweise. Andere Meinungen?

MfG Karl-Heinz

anja_w
25.11.2009, 07:22
Hallo,

ich glaube die Rechnung geht so nicht auf. Es ist ja nicht so, dass ein Zweitjob, wenn man ihn aufgibt unbedingt mit einem Hartz IV Empfänger besetzt werden kann, vorallem wenn es Qualifizierte Stellen sind.

Wenns einem ums Arbeiten um jeden Preis geht, dann gibt es zahlreiche Zeitarbeitsfirmen. Jetzt mal ehrlich, wenn ein Leistungsempfänger nicht bei einer Zeitarbeitsfirme egal was bekommt, ob der dann für die besetzten Jobs in Frage kommt.

Wenn sich ein Selbständiger von jemanden einstellen lässt, weil der Laden nicht so läuft, dann finde ich das richtig. Warum soll er ergänzendes Hartz IV beantragen, wenn er einen Job bekommen kann.

Da könnte man ja gleich eine Neid oder gar Gerechtigkeitdebatte lostreten. Ist es gerecht, dass es Millionäre gibt?

Wenn ich jetzt verschiedene mir bekannte Hartz IV Empfänger betrachte, dann gibt es da auch Unterschiede. Einer, der will gar nicht arbeiten, der bekommt jetzt sogar noch die Tilgung für seine Eigentumswohnung bezahlt. Ein anderer soll wegen 80,- €, kurz vor der Rente umziehen, da ist doch auch nicht alles gerecht.

Die meisten, die zwei Jobs haben werden damit auch nicht reich.

Viele Grüße
Anja

Polarlicht
25.11.2009, 08:15
Man kann die Sache jedoch auch so betrachten, dass die Hauptberuflichen den Arbeitslosen die Jobs wegnehmen. Das ist übrigens der Standpunkt, den ich in dieser Angelegenheit vertrete.
Also meinst du jemanden, der zwei Vollzeitjobs zur Zeit hat?? Dann würde derjenige tatsächlich einem anderen die Arbeit wegnehmen.

Ich kenne es eigentlich nur so, dass jemand z.B. ein Hauptangestelltenverhältnis hat (20-30 Std.) und dazu nebenberuflich arbeitet (ergänzende Stunden), weil a. das Geld nicht reicht oder b. der Hauptjob sich nicht 40 Std. machen lässt oder c. der Nebenjob es überhaupt erträglich macht, im Hauptjob das Geld zu verdienen. Oder eben jemanden, der zwei Teilzeitarbeitsverhältnisse hat, a la 20 Std hier und 20 Std. da.

Du lässt u.a. die Qualifikation außer acht. Nicht jeder Nebenjob lässt sich von jedem machen. Der Professor geht nicht nebenbei putzen (nimmt den Job der Putzfrau, dem Taxifahrer, der Kassiererin etc. weg), sondern sucht sich normalerweise was mit seinen Kompetenzen (ein Beratungsjob, ein wissenschaftsjob etc.). Anders herum nimmt der Taxifahrer, Handwerker etc. auch keinem Bürojobber den Arbeitsplatz weg...

Ich denke, viele arbeitswillige Arbeitslose sind froh, überhaupt einen Job zu haben. Dann ist da immer noch die Hoffnung auf Übernahme,wenn man sich in dem Job bewährt hat. Ganz zu schweigen von der Überbrückung der Lücken im Lebenslauf. Man zeigt, dass man "am Ball" bleibt. Wenn dieser Langzeitlose aber erlebt, dass er gar nicht zum Zuge kommen kann, weil andere, dies es gar nicht mal bitter nötig haben, ihm den Job vor der Nase wegschnappen?Wovon träumst du? In welcher Branche wird jemand, der 1-2 Jahre mind. arbeitslos ist, ernsthaft gegen jemanden konkurrieren können, der mitten im Berufsleben und damit mitten im aktuellen Informationsstand ist?? Diese Argumentation geht nur dann auf, wenn du der Ansicht bist, dass es weniger Langzeitarbeitslose gäbe - sofern nicht Doppelverdiener diese Stelle "blockieren".

Ehrlich gesagt platzt mir der Kragen, wenn ich lese, dass ein junger Karrierist in den 30ern als Führungskraft bei zwei namhaften Kozernen beschäftigt ist. Das sowas überhaupt möglich ist, will mir nicht in den Kopf. Und natürlich gibt er in beiden Unternehmen jeweils 110 Prozent Einsatz. Ähm. Ja. Sowas geht. Man muss halt flexibel sein, sich gut organisieren können, und es schaffen, die beiden Jobs zu trennen. Da es sich nicht um zwei Vollzeitjobs handelt, sondern der Tag 24 Stunden hat, wird der Mann sich das einteilen müssen...naja, und da die Firma jeweils informiert sein MUSS, dass ihr Mitarbeiter wo anders arbeitet, hat sie anscheinend auch nichts dagegen...

Wenn die Diskussion hier nicht zu einer Neid-Debatte werden soll, schlage ich vor, die Beispiele zu trennen...damit das eine mit dem anderen nicht vermengt wird.

Was empfindet ihr als unsozial?

A. Manager mit 2 Beraterposten
B. Student arbeitet nebenbei im Callcenter
C. Hauptberuflicher (30 Std.) arbeitet woanders noch 10 Std.
D. Hauptberuflicher (30 Std.) arbeitet außerhalb des eigenen Bereichs noch 10 Std. (als Taxifahrer, Aushilfe, Kellner, Callcenter)
E. Jemand hat kein Hauptarbeitsverhältnis, sondern zwei 19,5 Stellen.
F. Ein Ehrenamtlicher arbeitet 10 Std. in einer sozialen Einrichtung. Durch die Beratungsleistung und Hilfe wird weder eine Aushilfskraft noch eine geringfügige Stelle geschaffen...noch der Bedarf für Beratung gedeckt.
G. eine 30jähriger BWLer arbeitet 1 Jahr für 400 Euro im Monat bei einer Firma im Praktikum in der Hoffnung, nach einem Jahr dort einen Job zu bekommen ....
H. Jemand, der zwei Ausbildungen hat, arbeitet 20 Std. im Büro und 20 Std. im Handwerk.

I. hier eigenes Beispiel einfügen, da es noch nicht vorkam... :)

Polarlicht
25.11.2009, 08:19
Die meisten, die zwei Jobs haben werden damit auch nicht reich.

Viele Grüße
AnjaDa stimme ich dir voll und ganz zu!