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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Virtuelle Assistenten-neue Jobs?


Karl-Heinz
25.10.2009, 17:02
Hi miteinander,

juhu, diese Rubrik "Die Tricks der Jobbetrüger" gefällt mir am besten. Hier fühle ich mich wohl und gut aufgehoben. Vielleicht ensteht die eine oder andere interessante Diskussion. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Fange wir mal von vorne an. Also in den USA soll sich der Job des "virtuellen Assistenten" schon lange auf dem Arbeitsmarkt etabliert haben. Wer es nicht weiss: Der "virtuelle Assistent" ist ein "Mädchen für alles", das Aufgaben wie das Buchen von Flügen/ Tischen in Restaurants, Verschicken von Grußkarten, Besorgen von Geschenken, Organisation von Meetings, Präsentationen, etc. oder auch Rechercheaufgaben, Terminvereinbarungen, Terminerinnerungen, Schreibaufgaben, Datenerfassungen, Erstellen von Werbetexten, Übersetzungen, Buchführung, Controlling, Webseitenerstellung, Programmieraufgaben, Telefonakquise, Steuererklärungen, Beratungstätigkeiten und noch mehr übernimmt. Alles, was in einem modernen Unternehmen so anfällt. Eine ideale Heimarbeit für Arbeitslose, ein idealer Nebenerwerb für Studenten und Selbständige. Eine willkommene Einnahmequelle für Insolvenzopfer, deren Gläubiger ihnen schon im Nacken sitzen.

Wie üblich gibt es hierzulande raffinierte junge BWLer, die glauben, alles aus den USA in der BRD einführen zu müssen, eine Marktlücke gefunden zu haben und sich berufen fühlen, einen künstlichen Markt für deutsche "virtuelle Assistenten" zu schaffen. So schnell,wie möglich. Denn wer zuerst kommt (Pioniere des neu geschaffenen Markts), mahlt zuerst. Es werden Internetplattformen/Portale gegründet und Webseiten erzeugt, wo sich Anbieter und Nachfrager treffen sollen.

Auf dem ersten Blick sieht die ganze Angelegenheit positiv aus. Es werden neue Jobs auf den Markt geworfen, die jeder bewältigen kann, der einen PC, Internet- und Telefonanschluss besitzt und jede Menge Freizeit hat. Ein Unternehmer, der "virtuelle Assistenten" engagiert, spart an Personalkosten,denn diese Assistenten werden zumeist auf Honorarbasis beschäftigt, d.h. sie müssen ihre Verischerung selbst bezahlen, ein Gewerbe anmelden, unregelmäßige Gehälter/Gehaltsausfälle und Auftragsflauten in Kauf nehmen. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsschutz entfallen. Sie sind selbständig und arbeiten auf eigenem Risiko. Ausserdem müssen sie sich der weltweiten Konkurrenz stellen und ihre Dienstleistungen sehr preiswert anbieten. Ein "virtueller Assistent" ist rasch austauschbar, wenn er schwächeln oder schlechte Leistungen erbringen sollte.

Der Hammer kommt aber noch. Der Betrug der Jobanbieter (der Betreiber der Internetplattformen für "virtuelle Assistenten") besteht nun darin, dass sie für Arbeitsplätze werben, die juristisch betrachtet, sehr schnell im Bereich "Schwarzarbeit" angesiedelt werden können. Nach deutscher Gesetzeslage sind diese Beschäftigungsverhältnisses halbseiden, um nicht zu sagen illegal/kriminell. Das Finanzamt, die ARGE und die Gewerbeaufsicht sind von solchen Jobs bestimmt nicht begeistert. Selbst Callcenter haben z.T. Probleme mit der Bürokratie und dem deutschen Recht. Desweiteren kurbelt der Markt der "virtuellen Assistenten" das "Löhne-Dumping" noch weiter an.

Von dieser "neuen" Jobidee profitieren also nur die Anbieter, die irgendwann Vermittlungsgebühren und Werbeeinnahmen kassieren können,wenn eine kritische Masse an Interessenten überschritten wurde. Die interessiert die deutsche Arbeitsmarktpolitik nicht. Hauptsache, sie machen den Reibach mit diesem US-amerikanischem Import.

MfG Karl-Heinz

ratsuchende
29.10.2009, 06:45
Hallo!
Das hab selbst ich noch nicht gehört. Es liest sich aber wie selbständige Ein-Frau-Büro-Dienstleister, die es seit ein paar Jahren gibt. Und die Aufgabe des Anbieters bezieht sich nur auf die Vermittlung von Kunden?

Alter Wein in neuen Schläuchen, nur mit besseren Ausbeutungsmethoden, weil sich die virtuellen Assistenten ja praktischerweise selber ausbeuten?

Typisch neue, verlogene Doppelmoral, so wie sie die letzten Jahre immer mehr in Mode kommt?

:sensationell:

Karl-Heinz
29.10.2009, 21:44
Hallo ratsuchende,

schön, dass du geantwortet hast :) Ja, die Zukunft heisst: Weg von sozialversicherungspflichtigen Jobs in Festanstellung, hin zu Jobs auf Honorarbasis. Die Vision: Jeder Arbeitnehmer soll auf eigenem Risiko Dienstleister spielen. Stichwort: Lauter Ich-AGs, (Schein-)Selbständige.

Die virtuellen Assistenten, so der Werbeslogan, sollen den Chefs alle Arbeit abnehmen, so dass der Chef sich seiner eigentlichen Berufung widmen kann: Golf spielen, Segeln und rauschende Parties feiern. Vorsicht, Sarkasmus, der arme Chef muss doch die schwerste Arbeit für die Firma leisten, nämlich wichtige Kontakte knüpfen. Da darf er doch wohl das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und das Networking beim Golf spielen, Segeln und auf Parties verrichten. Was soll er sich mit Pipifax, Kinderkram und Lappalien wie Buchführung, Controlling, Marketing, SAP, u.ä. rumschlagen?? Das machen dann die "virtuellen Assistenten". Dürfen sie ja auch z.B. am Strand erledigen, hehehe.

Ne, ratsuchende, ich denke, hier sollen halbseidene/illegale Tätigkeiten "outgesourced" werden. Den Kopf dafür hinhalten müssen dann die "virtuellen Assistenten". So bleibt die Firma nach aussen hin "sauber", verstehst??