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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weiterbildungen - Irgendwann kommt immer der 'Knall'


Keoma
10.10.2006, 13:02
Hallo!

Kennt das noch wer? Eine Weiterbildung/Schulung beginnt und alles istrecht ruhig. Langsam baut sich aber Spannung auf, und irgendwann ist der Tag da! Der Tag, an dem irendwer einfach mal die Nerven verliert und seinen ganzen Frust über den Müll, der in der Schulung passiert richtiggehend rauskotzt!

Ich mache momentan die dritte Schulung und bislang ist das in JEDER vorgekommen, hie vor knapp einer Woche. Das vergiftet dann meist die gesamte Atmosphäre.

Wer kennt diese Situation noch?

Tommi NRW
18.10.2006, 23:56
Das kenne ich auch, Keoma.

In einer EDV-Weiterbildung waren wir ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus
Geologen, Biologen, Lehrern, Psychologen, Kaufleuten, Informatikern aus verschiedensten Fachrichtungen und zahlreichen anderen Berufen.
Ebenso gemischt war das Alter der Teilnehmer. Von 25 bis 50 Jahren war fast alles vertreten.

Weil es im Kurs unserer Vorgänger zu Handgreiflichkeiten gekommen war, hatte man eine Psychologin geschickt, die scheinbar eine Gruppendynamik aufzubauen versuchte.
Nach einer Woche waren wir dann durch die Psychologin geformt, die Massnahme mit funktionierender Gruppendynamik durchzuziehen.
Praktisch sah es so aus, dass sich die Zahl der Massnahmeanzweifler bereits gesteigert hatte.

Nach dieser Vorhut folgten nun die Tutoren.
Unter den Tutoren waren die Wenigsten wirklich kompetent. Überwiegend waren es Freiberufler, die sich ihr EDV-Wissen durch VHS-Kurse angeeignet hatten oder Studenten, die kaum über EDV-Kenntnisse verfügten und ihr Skript unter unverständlichem Gemurmel auf den Tageslichtprojektor schmierten.
"Halt, drehen Sie nochmal zurück!", tönte es immer wieder, während wir die endlosen Scripte der Tutoren abschrieben.
Bücher gab es kaum. Insofern es doch mal ein Buch gab, lag es inhaltlich neben dem Unterrichtsstoff und war somit unbrauchbar....dafür aber preiswert.
In den Pausen wurde nur noch über die Massnahme geschimpft und Unverständnis diskutiert.

Zu zweit sassen wir an je einem Rechner und sollten uns das Wissen auf dem autodidaktischen Weg, durch die Abarbeitung der vom Dozenten gestellten Aufgaben, aneignen.
Die Vorgabezeiten für die Aufgaben waren so ausgelegt, als hätte jeder Teilnehmer einen eigenen Rechner.
Das man auf seinen Nachbarn warten musste, bis dieser seine Aufgabe gelöst hatte, wurde nicht berücksichtigt.
Durch ungelöste Aufgaben verpasste man den Anschluss zum Unterricht, was noch mehr Unwillen in der Gruppe schaffte.

Die angeblich auf den Kurs abgestimmten Bausteine passten nicht zusammen. Die Tutoren wussten nicht, was der vorangegangene Tutor uns vermittelt hatte. Jeder Tutor beteuerte, dass uns dies und jenes noch fehlen würde um seinen Baustein nachvollziehen zu können. Warum uns sein Vorgänger dies nicht vermittelt hatte, könne er wiederum nicht nachvollziehen.
Wer keine tiefgreifenden Vorkenntnisse in der EDV hatte, konnte einige Kursbausteine sowieso nicht verstehen.

Die Moral der Gruppe sank auf den Tiefpunkt, als die vom Bildungsträger zahlreichen angekündigten Arbeitgeber, die uns angeblich unbedingt einstellen wollten, nicht erschienen. Statt dessen hetzte man uns nun zu einer Jobmesse. Die Bewerbungsunterlagen durfte man einigen Arbeitgebern an ihren Messeständen hinterlegen. Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, geschweige denn eine Arbeit, erhielt niemand.
Es wurde laut in der Gruppe und mehrere Teilnehmer hackten lautstark auf den Vertreter des Bildungsträgers ein, der nun Eingeständnisse bezüglich der schlechten Massnahmequalität machen musste. Die Nerven lagen blank und die ersten Teilnehmer brachen die Massnahme ab.

Eventuell hätte der Bildungsträger die Elemente "Eierfluggerät" und "Blinde Kuh" durch EDV-bezogene Bausteine austauschen müssen.
Das hört sich unglaubwürdig an? Doch, so hat es stattgefunden:
Der Kursbaustein dauerte ca. 2 Wochen und beinhaltete zur Krönung folgende Elemente.
Blinde Kuh: Man verband den Teilnehmern die Augen und liess sie auf einem Rasenplatz neben dem Schulungsraum umherirren, während der Tutor sie filmte.
Eierfluggerät: Aus Parpierstreifen und Tesafilm mussten die in Gruppen aufgeteilten Teilnehmer Fluggeräte entwickeln, die später, mit je einem rohen Ei bestückt, aus dem Fenster geworfen wurden. Gewonnen hatte die Gruppe, deren Ei den Fensterflug schadlos überstanden hatte.

Die Gruppe war zu diesem Zeitpunkt bereits so zermürbt, dass sich ausser mir nur noch eine Teilnehmerin gegen das Geschehen auflehnte und z.B. das Spiel "Blinde Kuh" verweigerte.

Das gemeinschaftliche Abschlussprojekt, ein Programm in der Sprache C#, konnte mangels Kenntnissen der Gruppe in selbiger Sprache, nicht erfolgreich absolviert werden. Der Tutor hatte sich die ganze Nacht um die Ohren geschlagen und das Projekt der Gruppe dahingehend korrigiert, dass es überhaupt lauffähig war. Von der Aufgabenstellung war es aber noch weit entfernt, weil die Teilnehmer das Projektziel nicht ansatzweise erreicht hatten.
Der Tutor hatte irgendwann während der Überarbeitung resigniert, weil auch ihm offensichtlich die erforderlichen Kenntnisse zur Lösung fehlten.
Bei der Benotung hagelte es dann für jeden Teilnehmer Einser und Zweier, damit der Bildungsträger vor dem Arbeitsamt erstmal gut da stand.

So ausgebildet sollte z.B. der Dipl. Ing. in Geologie, nun die Unternehmungen stürmen und sich als Programmierer vorstellen.
Das erhaltene Zertifikat löst bei Arbeitgebern allenfalls einen Lachkrampf aus, weil man über die Qualität der Massnahmen dieses Bildungsträgers in der Unternehmenswelt bescheid wusste. Dennoch hielt das Arbeitsamt diesen Träger für tragbar und verpulverte dort ca. € 250.000.-- alleine an Ausbildungskosten für einen unsinnigen Kurs mit 35 Teilnehmern, der ausser Ärger und Aufregung nichts gebracht hat.

Nicht die Teilnehmer sind schuld am Ärger, sondern die Tatsache, dass es sich um Bildungsträger handelt, die extra für "Arbeitsamtschulungen" geschaffen wurden. Preiswert muss die Massnahme sein, damit das AA dem Bildungsträger die Teilnehmer zuweist.
Die Qualität der Aus-/Weiterbildung spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Namenhafte deutsche Unternehmungen beteiligen sich ebenfalls in Form von Bildungsträgern an diesen Massnahmen.
Schliesslich ist es eine schöne Geldspritze aus Volkes Geldbeutel.


Gruß Tommi

einsamer Wolf
20.10.2006, 12:09
Du kannst einem ja wirklich leit tun, bei so einem Erlebnis muss man sich doch fragen ob das alles noch normal ist! Erwachsene Menschen wie kleine Kinder zu behandeln als ob man nichts besseres zu tun hat als Blinde Kuh oder rohe Eier zu zerschmettern.:patsch:

Es ist wirklich eine Schande wie auf so eine Art und Weise die Steuergelder verpulvert werden, die an andere Stelle hätten sinnvoller eingesetzt werden können.
Aber schließlich wollen die Dozenten und der Bildungsträger ja auch schließlich von irgendwas leben oder??:confused:

ostwestfälin
03.11.2006, 09:30
Hallo Tommi!

Und man hat Euch das mit der Blinden Kuh und dem Eierfall (so heißt das Ding bei mir) nicht erklärt und Euch gesagt, warum ihr das machen sollt?
Dieses Blinde Kuh- Ding setze ich in meinen Kursen zwar nicht ein, aber das Eierspiel wird eingesetzt um zum einen den Gruppenzusammenhalt zu fördern und um zum anderen zu sehen (als Anleiter) wie die Gruppe zusammenarbeitet, wer sich wie verhält, sich in den Vordergrund drängt oder im Hintergrund bleibt - um die Teilnehmer kenne zu lernen und daraus Schlüsse zu ziehen um sinnvoll weiterarbeiten zu können. Ist bei uns vorgegebener Teil einer solchen Maßnahme.
Das ist doch Gang und Gäbe... Kann Dir durchaus auch in einem Firmen- Assessment begegnen.

Tommi NRW
21.11.2006, 12:53
Hallo Ostwestfälin,

zur Förderung des Gruppenzusammenhalts und zur Erkennung des Verhaltens der Teilnehmer, wurde uns eine Psychologin zu Beginn des Kurses geschickt.
Gesellschaftsspiele waren es, die uns dynamisieren sollten.
Wie ich bereits schrieb, hielt sich dieser Erfolg aber in Grenzen.

"Blinde Kuh" und "Eierfluggerät" folgten erst im letzten Drittel des Kurses, wo es nichts mehr bringen konnte, weil die Strukturen bereits fest eingefahren waren.
Informiert wurden wir schon dahingehend, dass es der Förderung der Teamarbeit dienen soll.
Das löste natürlich Unwillen aus, weil wir seit fast 8 Monaten, bedingt durch den Mangel an Rechnern, viel im Team gearbeitet hatten.

Weil allerdings die Organisation der fachlichen Bausteine des Kurses ungenügend war (die Kursbausteine passten nicht zusammen, völlig inkompetente Dozenten mussten vom Bildungsträger getauscht werden) und dementsprechende Wissensdefizite herrschten, war dieser Kursbaustein zu diesem Zeitpunkt unpassend.
Im Gegenteil, er sorgte aus o.g. Grund für zusätzlichen Unmut und daraus folgenden Streitereien unter den Teilnehmern.

Faktisch sah es so aus, dass der Kursbaustein in dieser Massnahme als Lückenfüller diente, weil es an kompetentem Lehrpersonal fehlte, welches uns die klaffenden Wissenslücken aus vorangegangenen Bausteinen hätte schliessen müssen.
Ich bin kein Fachmann in Sachen Gruppendynamik. Mit Sicherheit kann ich aber sagen, dass sie in diesem Fall an der ungenügenden Beschaffenheit des Kurses zerbrochen ist und durch einen Dynamisierungsbaustein nicht mehr zu retten war.

In einem Assessment Center macht so eine Überprüfung ggf. Sinn, obwohl es meines Wissens umstritten ist.
Dort geht es allerdings um die Einstellungsentscheidung für einen neuen Mitarbeiters.
Aus einer vom AA finanzierten Massnahme wird man aufgrund dieser Ergebnisse niemanden entlassen.
Im Rahmen des i.d.R. durch den Bildungsträger durchgeführten Eignungstestes, würde dies einen Sinn ergeben um einen potentiellen Teilnehmer im Vorfeld für ungeeignet zu befinden.
Was unter einem Assessment Center (http://www.personalseite.de/information/assessment.htm) zu verstehen ist, hatte mit dem was man mit uns angestellt hatte, bezüglich der Spielregeln, wenig zu tun.

Hätte das AA die ernsthafte Absicht gehabt, dass die Massnahme den Teilnehmern etwas bringen soll, schliesslich sollte er für Nicht-EDVler eine Berufsausbildung darstellen, hätte man die Massnahme an dieser Stelle abbrechen und erneut ansetzen müssen.
Nach dem Beschnupperungskurs durch die Psychologin hätte man im direkten Anschluss mit der Gruppendynamisierung weitermachen können. Vorausgesetzt, dass der Kern des Kurses funktioniert und die Teilnehmer eine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten.
So wie diese Massnahme abgelaufen ist, war es eine reine Geldverschwendung, wie sie in Bewerber- und Integrationsseminaren regelmässig stattfindet.

Ich würde gerne weitere Beiträge zu diesem Thema sehen, weil ich es für sehr wichtig halte, dieses Untun in solchen Massnahmen öffentlich zu machen.


Also, gebt Euch mal einen Ruck;-)


Gruß Tommi

Keoma
25.11.2006, 11:45
So, da ich diesen Beitrag ja vor einiger Zeit gestartet habem kann ich ja nun auch den Erfahrungsbericht zu meiner, am Dienstag beendeten, Eingliederungsmaßnahme posten:

Also, genannt wurde das ganze Elend "Intigrationswerkstatt Bürokaufmann/-frau". Hier ist schon der erste knackpunkt, denn ich z.B. würde mich durchaus als Bürokraft, gar als Verwaltungskraft bezeichnen...aber Kaufmann...nö. Buchhaltung z.B. hatte ich vor 7 Jahren mal für drei Wochen gehabt, auch in einer Weiterbildung (fairerweise muss man sagen, der Tutor damals war bewandert auf dem Gebiet), danach NIE wieder. Jedenfalls saßen wir dann am 01. August alle da. Zum Begin EDV-Kurs, kommt immer gut, braucht man eh immer, machen wa also mal. Den ECDL galt es zu erreichen 8ich hab den schon längst und kann nicht behaupte, dass der mein Leben sonderlich bereichert hätte). Klassische Situation: Einige haben das OFFICE-Paket mit der Muttermilch aufgesogen und beissen vor Wut in den Tisch wenn man ihnen mit dem EVA-Prinzip kommt. Andere...naja..."wo wird das Ding angemacht?". Aber ok, zwar haben sich einige u.a. ich, natürölich drüber aufgeregt. Für Leute wie mich Zeitverschwendung, für absolute Neulinge zu schnell aber im Kern war der Tutor durchaus noch brauchbar.

Dann begann die Integrationswerkstatt. Solllte heissen, wir simulieren einen richtigen Büroalltag, mit LEXWARE. Jetzt begann das Unglück. Unsere Tutorin war möglicherweise ALLES, nur nicht unbedingt eine Lehrperson. Ständig unvorbereitet und auch Anhängerin des 'autodidaktischen Prinzips' (bei sowas könnt ich immer ausrasten, das nehmen Bildungsträger gerne, damit sie von der Schuld befreit sind, dass sie schlicht miese Qualität liefern). Dazu funktionierte das Mastereye häufig nicht, so dass sie uns grundlegende Sachen nicht zeigen konnte. Der Bildungsträger wurde auf das problem angesprochen (und das war bei weitem nicht das einzige technische Problem) und hatte einen zweistufigen, genialen Plan zur Beseitigung.

Stufe 1: Der Computer-Zauberer kam kurz in den raum, ging an einen PC, klickte irgendwas und verschwand wieder. Wäre OK gewesen, wenn das Problem danach beseitigt gewesen wäre...war es aber nicht.

Stufe 2: Das Mastereye-Problem wurde mittels der Taktik des "Gordischen Knotens" gelöst. Es wurde schlicht GELÖSCHT! Damit konnte man uns erst recht nix mehr zeigen.

Dazu kam die Praktikumssuche. Ein einmonatiges Praktikum...lächerlich. Wer nimmt einen für einen Monat? Unterstützung dabei bekam ich eher mal nicht. Ich glaube auch, die Verantwortliche konnt mich nicht leiden. Habe dann bei 'nem Bekannten glücklicherweise was bekommen.

OK, die 'Integrationswerkstatt' war dann nie als solche zu erkennen. Wir surften halt im Internet, machten ab und an eine Aufgabe und machten schließlich ein Projekt, damit man überhaupt eine Note bekommen konnte (ich hab 'ne 1 für meine Präsentation bekommen...soll ich mich freuen?).

Ansonsten wurden wir, natürlich, dafür ist man ja arbeitslos, von oben herab behandelt von den Tippsen im Sekretariat. Entweder wie ein Schuljune oder schlicht wie "asoziales Pack" (die Gänsefüßchen sind richtig...ist ein ZITAT). Gekostet haben den Staat diese 3 1/2 monate Wahnwitz knapp 3000 €. Wir waren ungefähr 22 im Kurs...66.000,- €. Nicht schlecht. Nebenher liefen noch andere kurse, in den Monaten wird der Träger gewiss ein wenig was eingenommen haben.

Berlin ist in absoluter Finanznot und MUSS sparen, und, wenn dieser traurige Umstand überhaupt was gutes haben soll, dann hoffe ich, dass Weiterbildungen rigoros eingespart werden und schliessen müssen.

Qualität=mies
Behandlung=mies
Laune=mies

WEG DAMIT!