von Konstantin Wecker
http://www.freitag.de/2005/32/05320202.php
StephanK
19.08.2005, 16:18
Also zu dem Konstantin Wecker halt ich lieber die Klappe, weil ich den nicht ab kann. Aber das Iring-Fetscher-Zitat ist mir schon ein paar mal aufgefallen, und ich reibe mich ein wenig daran.
Schon die Voraussetzung ("soziale Anerkennung an Arbeitsleistung gebunden") scheint mir in dieser Allgemeinheit zweifelhaft. Es gibt doch eine Menge Menschen, die soziale Anerkennung genießen, ohne einen Finger dafür rühren zu müssen, und zwar meistens, weil sie sehr reich sind. Reichtum kann aber auf vielen (Hinter-)Gründen beruhen, und er beruht längst nicht immer auf eigener Arbeitsleistung.
Vor allem aber erscheint mir die Schlussfolgerung kurzschlüssig. Sie wäre dann nachvollziehbar, wenn Arbeit so gestaltet und organisiert wäre, dass sich sagen ließe, sie diene der Entfaltung menschlicher Produktivkraft. Leider gilt das aber nur für einen gewissen Anteil der Arbeit(splätze), wobei ich über die Größe dieses Anteils jetzt keine neue Diskussion anzetteln will. Jedenfalls wird sich nicht bestreiten lassen, dass es viel Arbeit gibt, die niemand gern anpackt, weil sie langweilig, gefährlich, geisttötend usw. ist. Gerade bei solchen Arbeiten habe ich große Widerstände dagegen, von einem "Menschenrecht" zu sprechen.
Bei vielen solcher Arbeiten gibt es eine soziale Verpflichtung, sie nicht einfach ungetan zu lassen - das gilt von der Abfallbeseitigung bis zur Krankenpflege, und wer sie auf sich nimmt, hat durchaus ein Recht auf soziale Anerkennung (neben dem Recht auf eine angemessene Bezahlung natürlich).
Aber diesen Schuh einfach umzustülpen und daraus ein Menschenrecht auf Arbeit machen zu wollen geht mir nicht in den Kopf - jedenfalls nicht für Arbeit im Sinne von abhängiger Erwerbsarbeit.
Eine für mich ganz andere Frage wäre die, ob es nicht für jeden ein Recht auf eine sinnvolle Beschäftigung gibt oder geben sollte, wobei sofort die Diskussion nachfolgen würde, inwieweit "sinnvoll" individuell und inwieweit gesellschaftlich zu verstehen ist. In einem solchen Zusammenhang kann man auch über Menschenwürde nachdenken.
vBulletin® v3.8.7, Copyright ©2000-2012, vBulletin Solutions, Inc.