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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unzumutbare Maßnahme "Labora"


Ailes
12.04.2010, 06:06
Hallo Zusammen

Ich entschuldige mich schon mal vorweg, dass es ein etwas zu langer Text geworden ist. Aber damit ihr mich und meine Situation versteht, muss ich euch einfach mal alles erzählen.

Ich mache seit dem 01.03.2010 eine Maßnahme in der Jugendwerkstatt Labora im Bereich "Malerei" für 6 Monate. Ich bin die einzige Frau in diesem Bereich. Aber ich beginne lieber mal von vorne, da es mir schwer fällt dies alles in Kurzform aufzuschreiben.

Mir wurde vorher eine Maßnahme von meiner SB im Bereich "Verkauf" angeboten, aber da ich eine Ausbildung im Bereich "Gestaltung" suche, fragte ich sie, ob es nicht eine Maßnahme in der Richtung gebe würde (bevor ich meine Zeit im Verkauf "verschwende").
Sie suchte mir die oben genannte Stelle heraus und erzählte mir, dass dort gelehrt wird mit Farben umzugehen, dort gestalterisch gearbeitet wird und das man an Stellwänden malen kann. Da mir das gefiel, fragte sie mich, ob ich einen Vorstellungstermin haben möchte um mir die Firma mal anzuschauen. Das Angebot hab ich angenommen, da es mir mehr bringen würde als sofort ein Verkaufskurs zu starten. So weit, so gut.

Eine Woche später habe ich mir mal die Firma Labora angeschaut. Die Frau mit der ich das Gespräch hatte, war zwar nett und super freundlich, aber irgendwie fühlte ich mich da von vorne rein nicht gut aufgehoben. Nach langem Gespräch mit der netten Dame, verabschiedete sie sich von mir mit dem Satz:

"Melden Sie sich morgen vormittag bei mir und teilen sie mir bitte mit, ob sie sich bei uns wohl fühlen würden. Es würde jetzt nichts bringen überstürzt zu entscheiden."

Ich habe mir bei dem Satz gedacht, dass sie mit meiner SB gesprochen hat und das ihr die SB wohl erzählt hat, dass ich noch eine Möglichkeit mit der Maßnahme "Verkauf" habe. Und da es eh ein Vorstellungstermin war und ich noch nichts dort unterschreiben musste (wie z.b. bei meiner vorherigen Maßnahme. Da gab es allerdings auch keinen "Vorstellungstermin"), hab ich mich schnell gegen die Maßnahme im Bereich "Gestaltung" entschieden und hab mich schon auf den Verkaufskurs gefreut, auch wenn es nicht zu meinem beruflichen Ziel gehört.

Wie abgesprochen, habe ich am nächsten Tag die Frau angerufen. Da sie verhindert war, habe ich mich mit ihrer Kollegin unterhalten. Wie es aussah, war der Vorstellungstermin nicht für mich, damit ich mir den Bereich anschauen kann, sondern mehr für Labora um zu schauen, ob ich zu ihnen passe! Da war ich erst einmal geschockt. Habe ihr aber erklärt, dass ich von meiner SB noch einen Kurs angeboten bekommen habe und den lieber machen möchte. Das war aber plötzlich laut ihr nicht mehr möglich und ich sollte am nächsten morgen sofort mit der Maßnahme anfangen. Um keine Kürzung meiner sozialen Leistungen zu bekommen, bin ich natürlich hin gegangen.

Direkt eine Woche später habe ich einen Termin bei meiner SB bekommen. Ich erklärte ihr, wie ich das empfunden habe mit dem Vorstellungstermin und wie ich den Satz von der Frau verstanden habe. Sie erwiderte nur darauf, dass ich den Kurs wollte und ihn nun daraufhin auch bekommen habe. :?
Da aber noch nichts schriftlich abgemacht wurde, habe ich zu ihr gesagt, sie solle das doch noch rückgängig machen und mich lieber in die andere Maßnahme stecken, da ich mich bei Labora nicht wohl fühle und es nicht dem entspräche was ich mir vorgestellt hatte (Gestaltung). Es ist ja nicht so, dass ich gar keine Maßnahme machen will... Sie antwortete nur, dass es wegen dem Papierkram den sie schon gemacht hat, jetzt nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Da ich schon eine Woche in dieser Maßnahme verbringen durfte, konnte ich ihr erzählen, was da vorgeht und wie es auf mich von außen wirkt.

Labora ist eine Art Gefängnis/Erziehungsheim für Jugendliche.
Das ist kein Witz!

Labora hat mehrere Bereiche. Einmal EDV, Tischler, Hauswirtschaft und Malerei. Die Jugendwerkstatt wird von Kindern und Jugendlichen im Alter von ca. 14-21 besucht. Die Meister, Gesellen bzw. anderen Betreuer arbeiten dort ebenfalls nicht freiwillig. Ich habe mich mit 3 Betreuern unterhalten. Das Arbeitsamt hat alle Betreuer vermittelt als sie selbst arbeitslos waren und jeder von ihnen ist froh, wenn ihr Arbeitsvertrag ausläuft und nicht mehr verlängert wird. Die Räume (Büro, Umkleidekabine, WC, Lehrräume) werden immer abgeschlossen sobald man sie auch nur kurz verlässt (so etwas hatte ich noch nicht einmal in meiner Schulzeit erlebt). Der Schlüssel von den Toiletten hängt in den Büro's (die ebenfalls immer abgeschlossen sind!) der Betreuer, den man nur gegen Unterschrift bekommt. In den kleinen Pausen muss man mit den Betreuern zusammen auf den kleinen Hof draußen gehen und warten bis sie eine Zigarette geraucht haben. Alleine darf man in den kleinen Pausen nirgendwo sein.Man steht also unter permanenter Beobachtung. Die 30 minütige Mittagspause kann man allerdings in der Stadt oder im kleinen Pausenraum verbringen.

Im angeblichen Unterricht wird nichts getan. Die Betreuer bei mir in der Malerei (bei den anderen Bereichen ist es ähnlich, Tischler sind nur schlimmer!) kommen gegen die Jugendlichen nicht an. In den Unterrichtsräumen wird nur "gechillt", arbeiten tut keiner für sein Geld.
Außerdem machen die Jungs folgendes: furzen, rülpsen, haben abstruse perverse Gedanken, also sind abartig sexistisch (besonders gegenüber Frauen), werfen Gegenstände durch die Malerwerkstatt, beleidigen sich gegenseitig und machen sich lustig über alle Menschen, die in ihrer nähe sind (auch die Betreuer sind davon betroffen).Also eigentlich richtig Asozial. Die haben mir auch schon einen Ball und eine Plastikflasche an den Kopf geworfen. Aber das ist noch lange nicht alles. Die müssen mich auch noch Pussy etc. nennen. Sie schrecken auch nicht davor zurück, Joints zu rauchen, also Drogen zu nehmen!

Ganz stolz haben sie mir auch erzählt, dass meine "Vorgängerin" einige Jungs in der Malereiwerkstatt und im Pausenhof (welcher sich vor der Malerei befindet) sexuell oral verwöhnt hat, während weitere 3 der Jugendlichen dabei zugeschaut haben. Dies habe ich auch von den Betreuern bestätigt bekommen.
Einer dieser Jugendlichen, der dabei zugeguckt hat, hat auch ein Auge auf mich geworfen. Ich stellte schnell klar, dass ich vergeben bin und kein Interesse habe. Genau 2 Tage später kam er wieder bei mir an und fragte mich, ob er mich zu Hause besuchen darf! :shock:
Er schleicht noch immer um mich herum und beobachtet mich. Was auch sehr unangenehm ist. An meinem ersten Tag in der Labora wurde ich vor diesem jungen Mann von einer Sozialberaterin gewarnt. Genaueres hat sie mir nicht gesagt, was passiert war. Allerdings sagte sie mir deutlich, dass ich sofort melden soll, wenn er mir zu nah kommt!

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Das ist bei weitem noch nicht alles. Es gibt noch mehr zu erzählen, dies werd ich euch allerdings ersparen. Auf jeden Fall fühlt sich jeder dort wie im Gefängnis und wie in einem Erziehungsheim, da alle diese Jugendlichen keine Erziehung genossen haben und keine Perspektive haben. Dies trifft allerdings auf mich nicht zu. Nach 2 Wochen bin ich bei der Sozialberaterin in Tränen ausgebrochen. Ich habe ihr alles erzählt, Konsequenzen werden allerdings nicht gezogen. Das einzige was sie tut ist reden, aber in ein Ohr fliegt es bei den Typen rein und aus dem anderen Ohr kommt es wieder raus. Das hat keine Wirkung bei diesen Jugendlichen.

Von meiner SB fühle ich mich vollkommen verarscht. Angeblich weiß sie nicht was dort vor sich geht, aber trotzdem redet sie sich raus, dass es doch nicht so schlimm wäre und ich würde den Jungs gut tun, ja ich würde sie schon alleine durch meine Anwesenheit ändern!!! Was völliger quatsch ist und das hab ich ihr auch deutlich gesagt. Dann hat sie mir plötzlich sogar Recht gegeben! :wut:
Vorallem sagte sie mir, dass mir in dieser Jugendwerkstatt gelehrt werden kann wie man mit Farben umgeht und das ich auf Stellwänden malen kann. Das war auch gelogen von ihr. Das einzige was ich mache, ist Büros renovieren! Und da hat sie mir auch nichts von erzählt, also das wir mit Labora in Büros fahren und diese renovieren.Labora bekommt nämlich Aufträge von verschiedenen Kunden wie ein kleiner eigenständiger Betrieb.
Dann fahren wir mit unseren Betreuern zu den Kunden und arbeiten dort. Aber da die Jungs nur "chillen" können, bleibt die Arbeit an den Betreuern und mir hängen!

Meine Frage ist nun, wie ich da am besten wieder rauskomme?Was kann ich rechtlich tun, weil ich da ja von vorne bis hinten angelogen und verarscht wurde.

Denn es macht mich nicht nur psychisch, sondern auch physisch kaputt.
Denkt bitte nicht, dass ich zu faul bin oder nicht arbeiten will. Ich habe mich immer um eine Arbeit bemüht. Mir macht es auch nichts aus für 1,50€ bei Labora zu arbeiten, hauptsache ich habe was zu tun. Allerdings belastet mich die Arbeit dort mit meinen Kollegen.
Jeden morgen muss ich mich zwingen an den Arbeitsplatz zu fahren. Mir fehlt einfach die Motivation. Selbst nach der Arbeit kann ich nicht wirklich abschalten und Ablenkung hilft auch nicht viel, denn immer wieder kommt der Gedanke, dass ich morgen wieder hin muss und die Anspannung kehrt schnell zurück.

Habt ihr vielleicht Tipps für mich? Was soll ich am besten machen?

Ich dachte erst an einen Anwalt. Allerdings meinte mein Freund, dass das zu lange dauern wird (bis das alles geprüft wird + ein Prozess am laufen ist) und in der Zeit würde ich eh schon meine Maßnahme, zumindest zur Hälfte fertig haben. Außerdem müsste ich trotzdem in die Maßnahme und einen Tag länger werde ich dort nicht mehr aushalten. =(
Ein Bekannter hat mir vorgeschlagen,mich von einem Facharzt für die restlichen 5 Monate krankschreiben zu lassen, allerdings habe ich da bedenken. Irgendwann wird es ja Ärger geben und ich will auf gar keinen Fall eine 100% Kürzung bekommen.Außerdem würde mich ein Arzt wegen so einer Geschichte nicht Krank schreiben!?

Seht ihr, man steht in ständiger Angst seine Sozialleistungen zu verlieren wenn man sich nicht voll und ganz dem diktatorischen Jobcenter beugt und sich fügt wie eine Marionette.

Ach, ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich hoffe ihr habt einen Rat für mich.


Liebe Grüße
Ailes

ahnungkeine
12.04.2010, 09:58
Hallo Ailes
solange du nichts unterschrieben hast bei der SB, hättest du das ablehnen können und das andere nehmen sollen, die SB kann zu dir nicht sagen: Papiere sind fertig und rückgängig könne Sie es nicht mehr machen, die hatte nur keine Lust und war zu F...
Ich kann dir nur eins raten, gehe zum AA zu einem höheren Vorgesetzten und erzähle im das wie du es hier geschrieben hast, am besten ist es noch, wenn du eine Begleitperson mitnehmen würdest, Bruder, Schwester oder Freundin.
Ehrlich gesagt solltest du dort aufhören, bevor dir dort etwas passiert, aber erst alles mit dem AA besprechen und so schnell wie möglich.
Wenn du Angst hast auf der Arbeit zu gehen, was ich sehr gut verstehe, solltest du dringend einen Arzt aufsuchen und Ihm das schildern, sage du hast Angst, du kannst nicht einschlafen, usw.
Am besten heute noch, oder gleich morgen.
Wenn du fragen hast, poste es hier rein, hier sind auch Profis anwesend die dir wirklich weiter helfen.
Mit freundlichen Grüßen
ahnungkeine

Ailes
12.04.2010, 19:20
Hallo ahnungkeine, erst einmal danke für deine Antwort.

Das hab ich mir auch schon gedacht, dass sie es nur nicht wollte.
Deswegen hab ich mir auch meinen ganzenMut zusammen genommen und ihr gesagt, ich will das nicht. Das ist ihr aber auch egal gewesen. Gegen sie komme ich auch niemals an. Vorallem zwingt sie mich quasi mir einen Praktikumsplatz zu suchen um von Labora wegzukommen, mir würde ja keine andere möglichkeit bleiben, anstatt mir die andere Maßnahme "Verkauf" einfach zu geben, wo ich übrigens auch ein Pflichtpraktikum machen müsste.

Ich werde dann mal das Probieren, was du vorgeschlagen hast.
Weißt du vielleicht zu welchen Arzt ich gehen kann? Reicht es zu einem Allgemeinarzt zu gehen?

Vorallem frage ich mich, wie ich den Vorgesetzten finden kann. Es ist etwas kompliziert. Ich bin bei Job-Center gemeldet, da ich noch unter 25 bin. Unser Job-Center arbeitet zusammen mit einem Job-Club. Da hat meine SB ihren sitz. Wenn ich was will, muss ich dann immer zu ihr gehen. Wenn es um Geld geht bzw. ich muss Miete- oder Heizungskosten vorlegen, dann muss ich zu meinem SB ins Job-Center. Wie kann ich mich denn informieren wo der Vorgesetzter ist? Sicherlich im Job-Center oder?

Liebe Grüße
Ailes

ahnungkeine
12.04.2010, 22:12
Hallo Ailes
wenn bei euch im Job Center kein Vorgesetzter zu sprechen ist, dann mußt du im Job Center nachfragen zu welchem Arbeitsamt du gehörst, dann mußt du dort hingehen und dein anliegen vorbringen.


Bitte geh zu deinem Hausarzt und sage ihm wie schlecht es dir geht, erzähle im auch das du immer wieder zu Hause zusammenbrichst.
Bitte deinen Hausarzt um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und sage ihm das du nicht mehr kannst.
Bitte ihn um eine Überweisung zum Psychologen.
Dem mußt du aber wirklich alles erzählen, denn der hört dir gut zu.


Dies wäre ein Fall für den Staatsanwalt.
Weil die nicht in der Lage sind, mit Schutzbefohlenen umzugehen.


Mit freundlichen Grüßen ahnungkeine