Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Oliver Geissen Show - Hartz IV
Ich sehe mir gerade die Oliver Geissen Show an, ich denke eine Wiederholung vom Vortage.
Es ist eine Frechheit was ich da sehe und es ist frech, dass sich dort Menschen hinsetzen, die vor der Kamera aussagen sie "Schlafen lieber aus" und "ich brauche ja nichts zu machen" und mit Hartz IV "bekomme ich 100,00 € mehr als vorher".
Wenn ich soetwas sehe fasse ich mich an den Kopf.
Nun der nächste... "Ich habe kein Problem damit, stehe morgens auf und versorge meinen Sohn und mir geht es gut. Er kommt mit 365,00 € aus. Sagt auch auf Nachfrage ---> Schwarzarbeit...! Jau...! Wer arbeitet findet auch Arbeit ist seine Aussage."
Es ist natürlich klar, wenn es solche SHOWS gibt, was ich nun wirklich an Show und Theater ansehe den Hass in Deutschland auf die Arbeitlosen schüren und dann etliche der Meinung sind, den Menschen mit Hartz IV geht es immer noch zu gut. Das kann ich dann gut verstehen. Ich will mich aber auf ein solches Niveau einer solchen Sendung nicht mehr einlassen. :-x
Schlimm ist, dass Menschen die Hartz IV betroffen sind garnicht erkennen was sie mit ihrem Verhalten vor der Kamera anrichten, anderen gegenüber die wirklich nicht mehr wissen wie es weiter gehen soll und die ernsthaft bemüht sind sich eine Arbeit zu suchen damit sie aus diesen unwürdigen Verhältnissen heraus kommen.
Hartz nein danke!
01.09.2005, 08:20
Man weiss ja, dass Hartz IV-Betroffene schon des Öfteren von Fernsehanstalten (auch von den Öffentlich-Rechtlichen) gekauft wurden für Sendungen und solche Aussagen. :-x
Dazu muss man wissen, dass es ein Riesen-Medien-Imperium gibt das voll in der Hand der SPD ist. Wer glaubt da noch an objektive Berichterstattung?
In dem geschilderten Falle (ich habe die Sendung nicht gesehen), würde ich dem Sender (dem verantwortlichen Chefredakteur) ein Protestschreiben zukommen lassen und möglichst viele sollten sich dabei anschließen.
Siehe dazu auch
http://www.cdu.de/spd-medien/inhalt.htm
und
http://allpr.de/4088/Medienbeteiligung-politischer-Parteien-fuehrt-zu-Wettbewerbsverzerrung-SPD-eigene-Holding-in-der-Kritik.html
StephanK
01.09.2005, 08:28
Nix gegen Protestbriefe an diejenigen, die solche Programme verantworten. Aber gerade bei den Kommerz-Senden gilt: Der wirksamste Protest ist einfach nicht einzuschalten. Eine niedrige Zuschauerquote bedeutet weniger Werbeeinnahmen und über kurz oder lang das Verschwinden der Sendung. Und niemand wird diesen Mist vermissen... :mymind:
Biberzahn
01.09.2005, 08:51
Hallo,
ich hab die Sendung auch gesehen und mir ging das Messer in der Tasche auf. Allein der Typ der morgens seinen Sohn in die Kita bringt und sich dann einen schönen Tag vorm Fernseher macht. Und sagt auch noch Kackfrech das er auch mal ab und an Schwarz arbeitet, dann seine 1700,00 Euro hat und er sich so sehr wohl fühlt. Am besten war aber die 22jährige Truller mit den 5 Kindern und dem Lebensgefährten der auch 5 Kinder hat. Seine Kinder leben nicht bei ihnen, und von ihren 5 Kindern leben drei nicht bei ihr, die hat das Jugendamt anders untergebracht. Sie meinte ganz dreist " Ich stehe dem Arbeitsamt zur Verfügung und wenn die mir nix geben dann bleib ich halt zu Hause. Wenn ich einen Job bekomme der GUT BEZAHLT ist, dann geh ich auch arbeiten." Die junge Frau war ungepflegt, hat keine Ausbildung und ist nach eigener Aussage mit ihrer Familienplanung noch nicht durch!!!
Nee, da krieg ich die Kretze wenn ich das so sehe. Ich schreibe Bewerbungen ohne Ende, habe langwierige Kämpfe mit dem Amt hinter mir, reiss mir den A..... auf um eine Fortbildung in Wirtschaftsenglisch zu bekommen, um somit meine Chancen auf einen Job zu erhöhen, und solche Figuren setzen sich da hin und prahlen damit wie gut es ihnen geht.
Am besten war aber gestern noch der Beitrag in ZDF-Reporter über die schon bekannte Familie Schlüter und ihre Tipps und Tricks wie man sich am besten auf Kosten des Steuerzahlers durchschlägt. U.a.Reporter: "Sie kaufen sich ein Auto Herr Schlüter? Sie haben doch aber soviel Schulden." Herr Schlüter:" Na und, alles was nicht über die Bank läuft, da kommen die nicht ran. Ich bin halt ein Schnorrer und fühl mich gut dabei."
Er und seine Frau wurden dazu verdonnert einen 1-Euro-Job zu machen, Straßenreinigung, und seine Frau beschwerte sich das sie Papierschnipsel und Hundehaufen entsorgen mußte.
Dieser Bericht war auch wieder einer bei dem mein Hals merklich anschwoll. Bei solchen Leutchen, da sollte wirklich rigeros gestrichen werden oder mit Gutscheinen für Lebensmittel etc. gearbeitet werden. Das was diese beiden machen, ist echt schon kriminell.
Gruß
Biberzahn
Betroffener
01.09.2005, 13:16
Momentan scheint das überall große Mode zu sein, Arbeitslose zu verunglimpfen durch unkitische und unreflektierte tendenziöse Berichterstattungen. Auch die ARD ist hier nicht besser. Da gab es am 24.08.05 eine vergleichbare Sendung, die bei Tacheles wie folgt kommentiert wurden:
Erstellt: Dienstag, 30.08. 20:54 NEU
Elke Groß. Ehlentruper Weg 64. 33604 Bielefeld
ARD Programmdirektion
Erstes Deutsches Fernsehen
Arnulfstr. 42
80335 München
Offener Brief zur Reportage „ARD-Exclusiv- „Arbeit, nein, danke! Scheitern mit Hartz IV“ von Rita Knobel-Ulrich (ARD, 24.08.05)
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist interessant, dass gerade in Zeiten anstehender Wahlen „Dokus“ über die Bildschirme der bundesdeutschen Haushalte flimmern, die in ihrer Berichterstattung propagandistisch, einseitig und undifferenziert ausgerichtet sind.
Während der gesamten Zeit war Ihre Reportage durchzogen vom per Television transportierten Feindbild des faulen und asozialen Arbeits-losen. Gezeigt wurde in Pauschalmanier der Langzeitarbeitslose, der auf Kosten der (arbeitenden) Allgemeinheit lebt und lediglich keine Lust zum Arbeiten hat. Gezeigt wurde der Langzeitarbeitslose, der vom Staat „ge-füttert“ wird, selbigen betrügt und in der
„sozialen Hängematte“ ein be-quemes Leben führt, weil er zu den Regelleistungen noch viele Extra- Zuwendungen ein-streicht. Zudem wurde der Zuschauer darüber aufgeklärt, dass man mit Hartz IV fast reich werden, zumindest richtig gut leben kann, wenn man es nur geschickt anstellt. Spätestens jetzt glaubt jeder zu wissen, dass es den Betroffenen noch viel zu gut geht und Schritte wie die mit in der Doku einhergehenden Botschaft zur Einführung von Minimalstversorgung- wie z.B. mit Lebensmittelgutscheinen und die Verabschiedung vom Sozialstaat durch die längst fällige Beerdigung jeglicher Sozialromantik unbedingt zu bejahen sind.
Die durch die Art Ihrer Berichterstattung zu vermutenden Extra-Leistun-gen - wie z.B. eine Übernahme anfallender Telefon- und Stromkosten oder die automatisch fließend anmutenden Kindergeldzahlungen- gibt es so gar nicht. Telefongebühren und Strom sind vom Regelsatz zu beglei-chen, Kindergeld wird als Einkommen mit auf das ALG II angerechnet. Vielmehr sind steigende Energiekosten und der Wegfall der ehemaligen Beihilfen für Sonderanschaffungen nach dem BSHG wie z.B. für Beklei-dung und kaputte Haus-haltsgeräte bei gleichzeitig verschärften Einkommensan-rechnungen für Menschen unter Hartz IV bittere Realität.
Die Reportage wird durch die glorifizierende Darstellung der 1,- Euro-Jobs als Eintrittspforte in den ersten Arbeitsmarkt in weiterer Weise ad absurdum geführt. Sie vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass der 1-Euro- Job das Problem der Arbeitslosigkeit nicht beseitigt, sondern forciert, da er keine Arbeitsplätze schafft, sondern selbige durch Lohndumping und Verdrängung regulärer Arbeits-plätze vernichtet (z.B. der Maler auf 1-Euro-Basis in der gemeinnützigen Einrichtung). Der 1-Euro-Job beseitigt auch deshalb nicht das Problem der Arbeitslosigkeit, weil der Betroffene unter dessen ½-jährlichen Befristung und 1-Euro-Hinzuverdienst zum ALG II seine Existenz nicht eigenständig sichern kann. Die weitere Abhängigkeit Betroffener von finanziellen Hilfeleistun-gen ist vorprogrammiert und die zusätzlich staatlich finanzierten Zuwen-dungen für Anbieter von 1 Euro-Jobs bedeuten eine Erhöhung der Staatslast. Die durch Massenentlassungen, Firmenschließungen und Auslands-verlagerungen resultierende Arbeitsplatzvernichtung und weitere Inkaufnahme von Arbeitslosen war in der Reportage überhaupt kein Thema. Unglaubwürdigkeiten wie der frei-zügige Bericht einer Arbeitslosen, die vor laufender Kamera von ihrer jahrelangen, unentdeckten Schwarzarbeit erzählt und dargestelltes unkooperatives Verhalten, welches unter Hartz IV mit heftigen Sanktionen bedroht ist, bilden weitere Highlights dieser „Doku“.
Durch einseitige und verzerrte Darstellung reiht sich die Reportage ein in den Strom zur Bekämpfung der Arbeitslosen anstelle in den Strom zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Derartiger Journalismus ist eine weitere Erklärung zur Aufkündigung des öffentlichen Interesses an den Betrof-fenen sowie deren Lebenssituation und ein Schlag ins Gesicht. Das allgemeine Totschweigen der Suizide durch Hartz IV spricht in diesem Zusammenhang eine deutliche Sprache. Vor dem Hintergrund tatsächlich bestehender gesellschaftspolitischer Probleme können durch Medienhetze Feindbilder gegenüber bestimmten Gruppierungen und gewollte Meinungen gepflegt werden, um Lobbyisten zu bedienen und sich hier von den Arbeitslosen der Gegenwart und Zukunft zu verabschieden. Gegenüber der Gesellschaft lässt eine der-artige Berichterstattung jedoch jegliches journalistisches Verantwortungsbewusstsein vermissen.
Elke Groß,
im Auftrag der Bielefelder Montagsaktion- Weg mit Hartz IV
und
Erstellt: Montag, 29.08. 09:10
junge Welt vom 29.08.2005
Feuilleton
Hetze für die Quote
Ein offener Brief zu dem ARD-Bericht »Arbeit, nein danke!« vom 24. August
*Aus einem Schreiben an die Programmdirektion der ARD zum Bericht »Arbeit, nein danke!« von Rita Knobel-Ulrich (ARD 24. August, 22 Uhr)
Wieder einmal hat die ARD in vorauseilendem politischem Gehorsam deutlich gemacht, wen sie mit ihrem Bericht vertritt: die vereinheitlichte politische Lobby und die Wirtschaftslobby. Und nicht nur das! Der Bericht macht deutlich, daß sich Stimmungsmache und Hetze auf die Benachteiligten dieser Gesellschaft offenbar günstiger auf die Quote auswirkt, als sauber recherchierte journalistische Arbeit.
Es wird in Ihrem Bericht dargestellt, daß man eigentlich mit 345 Euro ALG II im Monat wie ein Fürst leben kann. Sie haben nicht davon berichtet, daß sich dieser Betrag an der Sozialhilfe aus dem Jahr 1998 orientiert, der durch Veränderung des zugrundeliegenden Warenkorbes außerdem noch um 20 Prozent durch die rot-grüne Regierung gesenkt wurde! Auch die inzwischen nachgewiesenen Preissteigerungen durch die Einführung des Euro sind nicht berücksichtigt. Sie lagen zwischen zehn und 30 Prozent für die wichtigsten Artikel des täglichen Lebensbedarfs. Bereits 1998 reichte die Sozialhilfe nach Untersuchungen der Europäischen Gemeinschaft für eine kulturelle Existenzsicherung in Deutschland nicht aus.
Nichts davon ist in Ihrem Bericht!
Bei der Darstellung Ihrer Ein-Euro-Jobs haben Sie nicht darauf hingewiesen, daß dieser zusätzliche eine Euro gar kein Verdienst ist, sondern eine Aufwandsentschädigung, die meist nur zu 70 Cent ausgezahlt wird! Die einzigen, die an diesem modernen Sklavenhandel verdienen, sind die privatisierten Vermittler, bei denen keine reguläre Arbeit im Anschluß mehr zu vermitteln ist! Bei 15 Stunden in der Woche und angenommenen 300 Euro Mieterstattung der Arbeitsagentur erhält ein Betroffener 677 Euro, wovon er noch die Fahrtkosten zahlen muß. Würden Sie dafür arbeiten? Einem ALG-II-Empfänger stehen täglich 4,23 Euro zum Überleben zu. Können Sie sich davon gesund ernähren? Ich frage Sie allen Ernstes: Können Sie selbst sich dies auch nur für zwei Jahre vorstellen? Erwerbslose werden inzwischen sogar durch die Arbeitsagenturen unter Druck gesetzt, Jobs zu akzeptieren, die unterhalb von Mietzuzahlung zuzüglich ALG II liegen, also unterhalb des derzeit gültigen Existenzminimums. Die medizinischen Zuzahlungen für Erwerbslose, die früher erstattet wurden, gibt es für Erwerbslose nicht mehr. Schließlich lagen die Preissteigerungen nach Einführung der rot-grünen »Gesund-heitsreform« bei 20 Prozent. Würde es Ihnen leichtfallen, wenn Sie mit 345 Euro im Monat plötzlich eine Brille für 100 Euro zahlen müßten?
Warum täuschen Sie die Menschen mit Ihrem Bericht so?
Um deutlich zu machen, daß Erwerbslose nicht arbeiten wollen, greifen Sie in die unterste Schublade des Vulgär-Journalismus und zeigen Menschen, die sich einfach nicht zu helfen wissen und am Rande ihrer eigenen Möglichkeiten stehen.
Es ist schier unglaublich, wie in diesem Bericht die Tatsachen verkehrt werden! Sie wollen doch sagen, daß es genügend Arbeit gibt, sie aber nur nicht angenommen wird. Warum sagen Sie nicht, daß eine Reduzierung der Erwerbs-losigkeit bei ca. sieben Millionen fehlender Arbeitsplätze und 300000 geschätzten offenen Stellen überhaupt nicht möglich ist. Von 1991 bis 2004 wurden fast sechs Millionen Vollzeitarbeitsplätze vernichtet. Und nicht schlimm genug: Zukunftsberechnungen gehen davon aus, daß künftig nur für ca. 20 Prozent der Menschen existenzsichernde Arbeit vorhanden sein wird. Warum fehlen diese wichtigen Informa-tionen in Ihrem Bericht und wem wollen Sie mit Ihrem Bericht dienen?
Bei einem Regierungswechsel will eine schwarz-gelbe Regierung den Regelsatz von 345 Euro um 30 Prozent senken. Die Bertelsmann-Stiftung ist gar dafür, daß nur noch die Miete gezahlt wird. Die Bertelsmann-Stiftung! Merken Sie als Journalistin denn überhaupt nicht, wer hier Politik macht?
Warum trauen Sie sich nicht, die Wahrheit zu sagen?
Hans-Dieter Hey
* Der Autor arbeitet im FJK (Freies Journalistenbureau Köln) und ist Mitglied im Fachverband DJU, FB Medien sowie im Bundesverband Arbeiterfotografie
Biberzahn
01.09.2005, 13:47
Mann kann natürlich nicht alle Arbeitslosen über einen Kamm scheren, das ist klar. Nur leider zeigt die Realität das es immer noch genug Menschen gibt die sich mit dem was sie bekommen zufriedengeben und garnicht in die Situation kommen arbeiten gehen zu müssen.
Ich habe hier auf dem Amt während meiner ständigen Besuche einiges erlebt. Die unterschiedlichste Klientel. Vom Mann ende 40 mit massivem Alkoholproblem der nur seinen Scheck abholen wollte und schon am motzen war weil er eine 1/4 Std. warten musste, über die nörgelnde Hausfrau die seit 10 Minuten warten musste um zum Sachbearbeiter zu kommen bis hin zum gerade ausgelernten, der zwar das warten auch ätzend fand, aber unbedingt arbeiten will. Es gibt soviele verschiedene Schichten in dem Bereich. Viele kommen auch aus der Sozialhilfe und für die ist diese neue Reform ja auch eine ziemliche Umstellung. In Grunde kann man es drehen und wenden wie man will, in absehbarer Zeit seh ich da keine großen Veränderungen.
Gruß
Biberzahn
Moin,
dumpfer Journalismus taucht leider nicht nur bei den "privaten", sondern auch vermehrt bei den Revolver-Magazinen der "öffentlich-rechtlichen" auf. Getreu dem Motto "Stumpf ist Trumpf" werden Vorurteile bedient und die Voyeure befriedigt. Wenn sich dann noch die eingeladenen Gäste der Oliver Geissen-Show dergestalt outen knallt der Stempel mit dem Aufdruck "Abzocker" erbarmungslos auf alle ALG II-Empfänger nieder. Ziel erreicht.
"How bloed can you be?!" - diese Frage sollten sich mal die "Stars" der Show beantworten. Wahrscheinlich erhalten die bald überraschenden Besuch und all die zur Show gestellte Fröhlichkeit rinnt plötzlich dahin... :-)
Ich finde es gut, daß die Diskussion über diese Thematik auch mal von uns Betroffenen geführt wird und sie nicht nur den "anderen" überlassen wird.
Mit sowas wollen die Hartz-Parteien die Hartz-Gesetze rechtfertigen. Dass heisst der Sozialraub, 1€ Jobs, alles zumutbar, keine bzw kaum noch Rechte für die Arbeitslosen sollen damit gerechtfertigt werden.
Wahrscheinlich werden damit noch weitere Sanktionen gegen die Sozialschwachen und Arbeitslosen begründet. Und leider haben die Hartz-Parteien damit auch sehr viel erfolg. Denn es gibt sehr viele in unserer Gesellschaft (z.b. Rentner) die meinen, die Sozialschwachen und Arbeitslosen sind an allen Schuld, sie sind Faul, sie sind dumm u.s.w.
Dazu kommt dass sich die Betroffenen nicht mehr trauen das zu sagen oder zu schreiben was sie wirklich denken oder was sie wirklich quält. Und das macht das Ganze erst richtig schlimm.
Ich jedenfalls überlege mir heutzutage jedes Wort dreimal und trotzdem stolpere ich dann und wann ganz übel in's Fettnäpfchen. Im anderen Fall dürfen bestimmte - von den Hartz-Parteien finanzierte Kreise - ungeschoren alles mögliche behaupten. Dazu gehören eben solche Sendungen. Da machst Du nichts ...
rat-loser
02.09.2005, 10:55
hallo @ all,
ich will mal versuchen, euch ein bißchen zu provozieren um zu hören, oder besser lesen, was ihr dazu sagt, also:
unser lieber medienkanzler schrödi hat ja mal gesagt, dass es kein recht auf faulheit gäbe. natürlich gibt es das - zwar nicht als primär einklagbares, aber doch zumindest insoweit, als dass man es sich 'rausnehmen kann. (s.o. Bsp.) und scheinbar kommt man ja auch ganz gut damit durch. also, solange man im rahmen der jetzigen rechtlichen grundlagen damit durchkommt und das auch rechtskonform ist, warum sollte man das nicht tun?
btw: ich will sachliche antworten darauf und keine moralischen oder flames.
StephanK
02.09.2005, 11:51
Hallo Thilo,
zunächst mal ein paar Worte zum "Recht auf Faulheit", denn damit wird - unter anderem von Gerhard Schröder - viel Schindluder getrieben.
Es handelt sich dabei um den zur festen Redewendung gewordenen Titel einer Schrift aus dem Jahre 1880 von Paul Lafargue, einem Sozialisten (und nebenbei Schwiegersohn von Karl Marx). Diesen Titel soll und darf man nicht vom Zusammenhang isoliert betrachten, in dem er steht. Die Schrift hat nämlich auch noch einen Untertitel: "Widerlegung des »Rechts auf Arbeit« von 1848". Verkürzend zusammengefasst ist Lafargues Kritik an jenen Sozialisten, die ein Recht auf Arbeit fordern, folgende: Moderne Arbeitsorganisation bedeutet (1) Disziplinierung und (2) Rationalisierung, d.h. Erhöhung der Produktivität. Die Disziplinierung gelinge nur dadurch, dass die puritanische Fleiss-Moral für allgemeinverbindlich erklärt werde. Das sei aber wegen der Rationalisierung unsinnig, denn infolge der Produktivitätssteigerung werde immer weniger Arbeitskraft gebraucht. Die Sozialisten müssten also mit der herkömmlichen Fleiss-Moral brechen. (Nachzulesen in voller Länge hier (http://www.wildcat-www.de/material/m003lafa.htm).)
Dieser 122 Jahre alte Artikel ist also erstaunlich aktuell, wenn man diesen Hintergrund kennt. Allerdings hat der Hintergrund sich natürlich seitdem insofern verändert, als wir eine sozialstaatliche Absicherung des Risikos Arbeitslosigkeit haben.
Es gäbe ein Recht auf Faulheit, wenn alle nötige Arbeit getan und gerecht verteilt würde. Beide Voraussetzungen sind aber nicht gegeben. Es gibt viele nötige Arbeit, die nicht getan wird, weil niemand dafür bezahlen will oder kann. Das betrifft vor allem Arbeiten in Bereichen, von denen wir gewöhnt sind, dass sich Gemeinden, Landkreise, das Land oder der Bund darum kümmern ("öffentlicher Sektor") - durchgehend von A wie Altenbetreuung bis Z wie Zusatzunterricht für lernschwache Kinder. Um diese Arbeit ordentlich bezahlen zu können, dürfte der Staat sich nicht durch Verzicht auf Steuereinnahmen selbst arm machen. Die herrschende Politik will das aber nicht, weil angeblich höhere Steuern die Wirtschaft aus dem Lande treiben würden. Also verfällt man darauf, einen staatlichen Arbeitszwang einzuführen, denn die 1-Euro-Jobs sind faktisch nichts anderes. Sich dagegen zu wehren bedeutet aber nicht, ein vermeintliches "Recht auf Faulheit" zu beanspruchen, sondern nur gerechten Lohn für geleistete Arbeit einzufordern.
Würde die vorhandene Arbeit so organisiert, dass sie durchgängig gerecht verteilt und gerecht bezahlt würde, ließe sich durchaus über deutlich reduzierte Wochenarbeitszeiten nachdenken - also ein Teilzeit-"Recht auf Faulheit". Nur sind wir davon weiter entfernt denn je... :sad:
rat-loser
02.09.2005, 12:00
hallo stephan,
vielen dank für deine ausführliche aufklärung - mir war das so nicht bekannt, aber man kann ja auch nicht alles wissen. auch wenn es mir jetzt weh tut, deinen umfassenden und interessanten beitrag "zu bügeln": ich hätte besagten spruch auch weglassen können - ich wollte ja auf was ganz anderes 'raus. dazu interessiert mich deine meinung viel mehr....
StephanK
02.09.2005, 12:31
aber doch zumindest insoweit, als dass man es sich 'rausnehmen kann. (s.o. Bsp.) und scheinbar kommt man ja auch ganz gut damit durch. also, solange man im rahmen der jetzigen rechtlichen grundlagen damit durchkommt und das auch rechtskonform ist, warum sollte man das nicht tun?ok, das hatte ich dann vor lauter Schröder-Kritik etwas übergangen, sorry... :P
Na ja... mein Blick darauf ist bestimmt etwas juristisch gefärbt - und trotzdem nicht klar und eindeutig.
Klar: so lange ich mich an rechtliche Vorgaben halte (z.B. also meinem Arbeitsvermittler die verlangten Eigenbemühungen nachweise), kann man mir nix am Zeug flicken, also kein Geld kürzen oder dergleichen. So weit, so gut - und persönlich bin ich da auch gerne auf der sicheren Seite und lasse mir eben nicht gerne am Zeug flicken.
Es gibt aber natürlich einen Bereich der Unschärfe. Je nach Auffassung könnte man mir wahrscheinlich auch entgegenhalten, ich solle mich öfter und verstärkt fachfremd bewerben (ich erlebe das gelegentlich auch in meinem persönlichen Umfeld) - und dass ich es nicht (ausreichend) täte sei ein Zeichen dafür, dass ich mir's in der "sozialen Hängematte" bequem machte.
Mein persönliches Gegenargument ist: Ich nehme die Anforderungen in Stellenanzeigen ernst - und wenn ich bestimmte Anforderungen nicht erfülle, bewerbe ich mich nicht, weil ich es für vergebliche Liebesmüh' halte. O.k., damit vergebe ich wahrscheinlich irgendwelche 0,...? %ige Chancen, dass mal jemand sagt: es passt zwar nicht so ganz, aber irgendwie könnte ich mir doch vorstellen, dass er hier rein passt.
§ 2 Abs. 1 Satz 1 SGB II: Erwerbsfähige Hilfebedürftige (...) müssen alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit ausschöpfen.Wäre das wirklich ernst zu nehmen, dann würde auch "beg, steal or borrow" dazu gehören. Also nehme ich mir heraus, selbst zu bestimmen, wie ernst ich das nehme.
Betroffener
02.09.2005, 12:44
rat-loser,
der gute Erich Honnecker hatte zu DDR-Zeiten mal verkündet:
"Aus unseren Betrieben ist noch viel mehr heraus zu holen"
Und die Menschen haben es gemacht - jeden Tag ein Stückchen.
Unsere Wirtschaftsbosse machen es täglich vor, wie die Welt funktioniert mit mehr oder weniger legalen Steuertricks, Lobyismus, Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland, (Kleider)produktion in China, Pakistan und sonstwo (Rumänien ist schon zu teuer!), Anrechnung von Verlusten frühere Jahre auf jetzige Gewinne, Verluste im Ausland schmälern die Steuer im Inland, erfolgreiche Lobbyarbeit führte zum Verlust von fast 500 Milliarden Steuereinnahmen durch Wegfall der Besteuerung bei Firmenan-/verkäufen in den letzten Jahren und vieles andere mehr.
Der Staat macht sich selbst arm und lässt sich arm machen zu Gunsten der Wirtschaft, die das aber nicht honoriert, sondern schamlos ausnutzt und weitere Entlastungen fordert fast ohne Gegenleistung.
Darunter leiden dann unsere seit Jahrzehnten staatlich schon ausgeplünderten Sozialsysteme und es wird der Ruf nach privater Vorsorge immer lauter zu Gunsten der Versicherungskonzerne. Auch hier geht es mal wieder nur ums Geschäft.
Der Staat hat sich weiterhin durch die Mini- und Midijobs weiter selbst verarmt und die Sozialsystem geschädigt, denn hier gab es zwar auch neue Jobs in diesem Bereich - aber sehr viele wurden einfach von einem normalen sozialversicherungspflichtigen Job in ein oder mehrere Minijobs umgewandelt. Und das sind einige Millionen Arbeitsverhältnisse.
Wenn sich hingegen der normale kleine überkontrollierte Bürger gegen Überbesteuerung wehrt durch z.B. Tanktourismus (wo das möglich ist) oder das nutzen der Möglichkeiten im noch übrig gebliebenen löcherigen sozialen Netz, dann wird er plötzlich Schmarotzer und Betrüger genannt.
Sicher gab es (und wird es immer) einen Bodensatz von Menschen geben, die wirklich nicht arbeiten wollen - im Gegensatz zur grossen Masse von sicher über 95% der jetzt ALG I und ALG II Beziehenden, die in geordneten Verhältnissen leben und gegen ein faires Entgeld ihren Lebensunterhalt durch Arbeit ohne staatliche Zuschüsse verdienen wollen - wenn sie es denn könnten (weil die Arbeit ist leider verschwunden - und was jetzt vielfach angeboten wird, ist weder fair nicht auskömmlich).
Dieser 5%ige "Bodensatz" von über 5 Millionen Arbeitslosen - also rund 250.000 - sind die, über die die die grosse Masse diskrimiert wird.
Soweit meine 5 Cent
rat-loser
02.09.2005, 13:06
hallo stephan, hallo betroffener,
volle zustimmung soweit - sehe ich pers. genauso.
was ich halt nicht so ganz verstehen will ist, dass "man" sich über die "schmarotzer der nation" so aufregt - weil es m.e. nach wie vor deren entscheidung ist, was und wie sie es machen.
das problem ist doch viel mehr, dass man von staatlicher seite aus das zulässt und somit es völlig rechtens und richtig ist, wie die das machen.
sicher befremdet mich deren einstellung mit meinen eigenen moralischen werten auch - aber ich kann sie deswegen doch nicht angreifen. solange die sich in den vorgegebenen, rechtmäßigen bereich und grenzen befinden ist das (leider) ok. und da sind wir schon beim punkt: das leider bezieht sich eben nicht auf das mehr oder minder moralisch gefestigte individuum, sondern auf die möglichkeiten, die von staatlicher seite aus zugestanden werden. man müßte sich also vielmehr über den staat, als über die (aus)nutzer aufregen, wie der so etwas zulassen kann.
Betroffener
02.09.2005, 13:31
Leider ist das so ähnlich wie mit der Sicherheitspolitk und den grundgesetzlich verbürgten Grundrechten.
Um ein paar Handvoll Terroristen zu beobachten, zu jagen und dingfest zu machen, sollen die Bürger Deutschlands und die der EU (nur rund 400 Millionen) massiv in allen Aspekten des Lebens durchleuchtet und gläsern gemacht werden.
Das gleiche würde sich dann auch bei den Sozialleistungen noch schlimmer als jetzt schon wiederspiegeln, um echte "Schmarotzer" aufzufinden.
Das kann es also eigentlich auch nicht sein.
Die wirklich grossen Dinge im Graubereich der Legalität spielen sich eh woanders ab - nämlich in der Wirtschaft und den Parteien.
Hier wird übrigens das Thema auch herzhaft diskutiert:
http://www.elo-forum.org/forum/viewtopic.php?p=9444#9444
StephanK
02.09.2005, 13:32
Es gibt da Parallelen zu anderen "Aufreger"-Diskussionen, die in jedem Sommerloch gerne wieder hervorgeholt werden - "Luxus-Rentner", "statt im Knast im Sommercamp in Portugal", ganz zu schweigen vom schon legendären "Florida-Rolf". In freiheitlichen Gesellschaften tauchen solche Debatten (und Debattenstrukturen) sozusagen naturnotwendig immer wieder auf. Der Grund liegt darin, dass in einer freiheitlichen Gesellschaft die Grenze zwischen Recht und Unrecht nicht identisch ist mit der Grenze zwischen moralisch und unmoralisch, sondern dort angesiedelt ist, wo ein Verhalten als so sehr sozial inakzeptabel gilt, dass eine Mehrheit meint, die Staatsmacht müsse mit Sanktionen reagieren. Das ist auch gut so, zumal in einer pluralistischen Gesellschaft keine allgemein akzeptierten Vorstellungen darüber existieren, was "moralisch" ist. Dafür gibt es in vielen Bereichen Beispiele: in guter Teil der legalen Pornografie wird von vielen Menschen für unmoralisch gehalten, ein guter Teil der legalen steuerlichen Praktiken von Unternehmen, ein guter Teil des Verhaltens von politisch Verantwortlichen ("Spesen-Skandale") usw. Die Grenze zwischen "nur unmoralisch" und "gesetzlich verboten" ist deswegen Gegenstand ständiger Diskussion. Dagegen ist auch nicht wirklich etwas einzuwenden, so lange die Diskussion ohne Diffamierung und unangemessene Emotionalisierung geführt wird. Dass das leider eher die Ausnahme als der Regelfall ist, hat die "Florida-Rolf-Debatte" anschaulich gezeigt.
Es wundert mich keineswegs, wenn jetzt im überraschend hereingebrochenen Wahlkampf von bestimmten Medien ganz schnell der "große Knüppel" ausgepackt und manch eine bisher relativ sachlich verlaufene Diskussion emotional angefacht wird. Es wäre nachgerade verwunderlich, wenn das gesellschaftlich wichtige Thema Arbeitslosigkeit von dieser Emotionalisierung verschont bliebe.
Wir sollten einen kühlen Kopf bewahren und genau hinschauen, wer aus welchen Interessen heraus diese Emotionalisierung betreibt...
rat-loser
02.09.2005, 14:04
tja, und was soll man nun dazu sagen? so wie es ist, ist es gut - oder auch nicht? egal ist es allemal, ändern kann man es eh nicht - und es wird auch nicht geändert werden.
ich werde meinem namen mal wieder voll gerecht :?
Für mich stellt dieSache sich so dass jeder gesunde Betrieb auch einen Faulenzer mit durchziehen kann (soll). Und jede gesunde Wirtschaft zieht auch ihre 'Sozialschmarotzer' mit durch. Muß sie auch denn es wird sie immer geben, genau so wie nicht alle Menschen perfekt gesund beboren werden. Wir produzieren immer etwas sozialen Ausschuss - das ist so.
Diese paar Leute nun als Druckmittel zu verwenden um die Nation in's Elend zu stürzen ist nichts weiter als Gier. Gier frisst Hirn: siehe Schröder und Co.
Im ersten Semester haben sie gelernt das Ideologien nicht funktionieren, funktionieren können, egal welche von den vielen Formen des Neoliberalismus hier herangezogen wird: Es funtioniert in der Praxis nicht !!!
Die Schmarotzer handzuverlesen wäre das Naheliegendste - bei den Verbrechern klappt's ja auch. Man braucht aber ein Feindbild um die Nation zu knechten. Deshalb hält man die Arbeitslosen auch so leidlich am Leben. Im anderen Fall hätte man uns längst die Luft komplett abgedreht.
Betroffener
02.09.2005, 14:31
Es gibt viele Sprichwörter dazu, die die Problematik beschreiben und einen gewissen Bodensatz wird es in den Gesellschaften immer geben, die nicht eingegliedert werden können und von anderen Leben (wollen).
Daraus den Zwang zur totalen Kontrolle abzuleiten, halte ich für verfehlt.
Sowas muss eine Demokratie aushalten - ebenso wie unterschiedliche Meinungen.
Es ist natürlich nicht gut, aber anders wäre es für alle noch schlimmer.
rat-loser
02.09.2005, 14:34
hmm, ich wiederhole nochmal: das problem ist nicht der schmarotzer an sich. diese einstellung muss demselbigen m.e. zugestanden werden. (auch, wenn ich/wir moralisch damit nicht einig gehen)
das problem ist doch viel mehr, dass man von staatlicher seite aus das zulässt und somit es völlig rechtens und richtig ist, wie die das machen.
@ rat-loser: Damit meintest Du zwar die "Schmarotzer der Nation" (so wie es in den Medien z. Zt. gerne dargestellt wird), wenn wir aber "gleiches Recht für alle" gelten lassen, muß dies auch und gerade auf die Unternehmer, die Lobbyisten, die Steuerbetrüger, die Schumis und Bobbeles der Nation und die Produktions- und Arbeitsverlagerer angewandt werden.
Wir sollten einen kühlen Kopf bewahren und genau hinschauen, wer aus welchen Interessen heraus diese Emotionalisierung betreibt...
@ stephanK: Das ist sicherlich ein großes Ablenkungsmänover. Selbst wenn es 10 % Arbeitsunwillige gäbe, es blieben 90 % über die einen Arbeitsplatz suchen. Dies wird ungeniert unter den Teppich gekehrt und findet bestenfalls auf Parteitagen Erwähnung um den politischen Gegner zu diskreditieren um anschließend wieder business as usual zu betreiben.
Zum Thema "Recht auf Faulheit": Das hätte ich auch gerne - aber nach einem echten bezahlten Arbeitstag. Yeah! :-)
@rat-loser
Ich kann mich dess Eindrucks nicht erwähren dass Du uns verkaufen möchtest die Stricke für die Arbeitslosen enger zu drehen. Wenn dem so ist - in welche Arbeit möchtest Du die Arbeitslosen denn zwingen wenn keine da ist ?
Wegen einiger Schmarotzer alle anderen an der Existenz bedrohen ? Ohne dass sie überhaupt eine Wahl hätten zu reagieren ?
Aber ich gehe mal davon aus dass Du das nicht meinst. Schön wäre es allerdings wenn Du mal mit der Sprache 'rausrücktest.
StephanK
02.09.2005, 18:50
ulysses, auch wenn Thilo sich selbst "verteidigen" kann, möchte ich doch meine Meinung kund tun, dass Du ihn missverstehst. diese einstellung muss demselbigen m.e. zugestanden werden. (auch, wenn ich/wir moralisch damit nicht einig gehen) Da bin ich ganz der Meinung des Betroffenen: Daraus den Zwang zur totalen Kontrolle abzuleiten, halte ich für verfehlt. Sowas muss eine Demokratie aushalten - ebenso wie unterschiedliche Meinungen.Ich glaube, man muss hier zwei Dinge auseinanderhalten:
1) Die Frage, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die sagen: O.k., wenn diese "Arbeitsgesellschaft" mich nicht will, dann soll sie mich eben nicht wollen. Sie produziert aber genug, um mich mit durchzufüttern. Diese Menschen sind (jedenfalls derzeit noch) eine sehr kleine Minderheit. Sie mit durchzufüttern ist ökonomisch völlig unproblematisch. Als gefährlich werden sie deswegen angesehen, weil sie die Arbeitsmoral derjenigen untergraben, die 50-Stunden-Wochen schieben oder für lächerlich geringe Löhne arbeiten. In der Regel sind das Leute, die sich allenfalls am Stammtisch äußern und denen eine publizistische Stimme durch die Bild-Zeitung und Fernsehsendungen auf entsprechendem Niveau verliehen wird.
2) Die andere Frage ist, ob ich, wenn ich merke, dass dieser real existierende Arbeitsmarkt mich ausspuckt, ihm ewig hinterherhechele und "arbeitsagenturkonform" sage: egal, ob es ein mieser, langweiliger, schlecht bezahlter Job ist oder nicht - Hauptsache, ich hab' was zu tun und muss nicht von der Stütze leben. Wie der/die einzelne diese Frage beantwortet, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und immer höchst individuell, so dass man sich vor pauschalen Bewertungen hüten sollte.
Eher mit "ja" werden diese Frage z.B. die Menschen beantworten,
- die die Abhängigkeit von einem Arbeitgeber der Abhängigkeit vom Staat vorziehen oder
- die sich nur dann als nützliche Mitglieder der Gesellschaft sehen, wenn ihnen die Nützlichkeit via Lohnabrechnung bestätigt wird oder
- die sich ohne den Kontakt zu Arbeitskollegen sozial isoliert fühlen oder... (die Liste ist nicht abschließend)
Eher mit "nein" werden diese Frage z.B. die Menschen beantworten,
- denen es egal ist, ob ihr Einkommen sehr direkte Gegenleistung eines Arbeitgebers ist oder nicht
- die ihr Gefühl, nützlich zu sein, auch aus anderen als mit Geld entlohnten Tätigkeiten beziehen können oder
- die soziale Kontakte gerne oder sogar lieber außerhalb der "Arbeitswelt" knüpfen, z.B. weil sie mit deren Zwängen Probleme haben.
All das sind, wie gesagt, nur Beispiele, die zeigen sollen, dass die Motivationen, sich mehr oder weniger intensiv auf die "Arbeitsgesellschaft" hin zu orientieren, äußerst unterschiedlich sein können.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr scheint mir ein wichtiges Problem darin zu liegen, dass es bisher eine schier unverrückbare Grenze zu geben scheint zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit und - parallel dazu - einer gesellschaftlichen Bewertung als "wichtig/nützlich" und "unwichtig/wenig nützlich". In einem Bereich gab es darüber schon mal eine intensivere Debatte, aus der auch Konsequenzen gezogen wurden, nämlich die Arbeit, die Kindererziehung macht. Die Konsequenzen waren die Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung und die Einführung von Erziehungsjahren - beides Maßnahmen, die in die "Arbeitsgesellschaft" eingepasst wurden, dort (d.h. innerhalb deren Logik) aber nach wie vor Fremdkörper sind. Hätte man den Grundgedanken der 1-Euro-Jobs anders angepackt und sie nicht als Instrument der Disziplinierung angelegt, hätte darin eine Chance gelegen, diese wenig sinnvolle Grenze zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit aufzuweichen, gleichzeitig jenen Leuten etwas anzubieten, für deren Leben organisierte Arbeit ein notwendiger sinnstiftender Faktor ist und zu gewährleisten, dass notwendige Arbeiten geleistet werden, die derzeit liegen bleiben. Leider ist diese Chance vertan worden.
Zurück zur Ausgangsfrage: Meine (höchst individuelle) Antwort auf die Tatsache, dass der Arbeitsmarkt mich ausspuckt, geht eher in Richtung der oben aufgezählten "nein"-Antworten. Ich begreife mich deswegen aber keineswegs als Schmarotzer, sondern nehme durchaus für mich in Anspruch, ein wenig gesellschaftlichen Nutzen zu produzieren. Dass der Staat mich deswegen (eigentlich: trotzdem!) als arbeitslos etikettiert, stört mich persönlich recht wenig und führt nicht dazu, dass ich mich selbst als moralisch verkommenes Subjekt sähe.
Eigentlich wollte ich jetzt gar nicht so persönlich werden, aber ich denke, dass das an dieser Stelle besser angebracht ist als über den imaginären "Gesamtarbeitslosen" zu reden :wink:
Sicher gab es (und wird es immer) einen Bodensatz von Menschen geben, die wirklich nicht arbeiten wollen - im Gegensatz zur grossen Masse von sicher über 95% der jetzt ALG I und ALG II Beziehenden, die in geordneten Verhältnissen leben und gegen ein faires Entgeld ihren Lebensunterhalt durch Arbeit ohne staatliche Zuschüsse verdienen wollen - wenn sie es denn könnten (weil die Arbeit ist leider verschwunden - und was jetzt vielfach angeboten wird, ist weder fair nicht auskömmlich).
Dieser 5%ige "Bodensatz" von über 5 Millionen Arbeitslosen - also rund 250.000 - sind die, über die die die grosse Masse diskrimiert wird.
Soweit meine 5 Cent
Dem kann ich eigentlich nicht viel hinzufügen. Ich denke ganz genauso.
Ich bin auch entsetzt, was in letzter Zeit in den Medien passiert, wie da alle Hartz IV Empfänger pauschal als Drückeberger und Sozialbetrüger dargestellt werden.
Bei den Privaten wundert mich das nicht wirklich, die bedienen halt die Stammtisch-Vorurteile.
Aber als jetzt in ARD und ZDF immer wieder "Dokus" in derselben Machart auftauchten, habe ich mich auch schon gefragt, warum die das machen...
Zuerst habe ich mir das noch angesehen, weil ich dachte, jetzt wird mal gezeigt, wie schwer das alles ist... aber jede neue Sendung driftete immer mehr in Richtung "Alle ALG II Empfänger haben keinen Bock zu arbeiten und arbeiten eh nebenher schwarz" ab.
Ich frage mich auch, ob Menschen tatsächlich so bodenlos dämlich sein können, vor laufender Kamera zuzugeben, dass sie schon als Alhi-Empfänger schwarz gearbeitet haben und das jetzt auch tun?
Und ob man sich einem Sachbearbeiter gegenüber wirklich so dreist weigern kann, eine Schulungsmaßnahme zu besuchen oder einen Job abzulehnen - ohne Sanktionen zu bekommen???
Könnte es nicht sein, dass diese "Fälle" mit Laien-Statisten nachgestellt werden?...
ulysses, auch wenn Thilo sich selbst "verteidigen" kann, möchte ich doch meine Meinung kund tun, dass Du ihn missverstehst.
Ja, allerdings. Habe jetzt nochmal komplett von vorn gelesen und auf Grund Deiner Ausführungen recht schnell gefunden worum es rat-loser geht.
Es ist schön wenn man dann endlich auch begriffen hat worüber andere erst gar nicht nachdenken brauchen.:mrgreen: => keine Panik vermeiden
schulligung
Könnte es nicht sein, dass diese "Fälle" mit Laien-Statisten nachgestellt werden?...
Der Verdacht liegt hier und da nahe. Gerade vorhin habe ich noch erfahren dass gewisse Kreise ganze Arbeitsgemeinschaften zur Diffamierung anderer unterhalten.
Es ist halt Wahlkampf.
in welche Arbeit möchtest Du die Arbeitslosen denn zwingen wenn keine da ist ?
Vorschläge wurden doch schon von Stoiber, Koch und Co. im März 2003 verkündet. Z.b. bei denn Bonzon denn Haushalt sauber halten, sprich putzen, Rasen nähen, Geschirr spülen und vieles mehr. Und dabei soll ja auch dass ALG-II von 345€ auf 245€ gesenkt werden, damit dass stück Dreck (also der Arbeitslose) willig diese Arbeit verrichten muss, um sein Armutsleben weiter aufrecht zuerhalten.
Vermutlich wird dieses nach der Wahl von der schwarz/gelben Pest auch so kommen. Merkel hat ja schon im März 2003 stolz verkündet, Hartz wird erst der Anfang sein.
StephanK
03.09.2005, 06:09
in welche Arbeit möchtest Du die Arbeitslosen denn zwingen wenn keine da ist ?
Vorschläge wurden doch schon von Stoiber, Koch und Co. ...
Es stimmt einfach nicht, dass keine Arbeit da wäre. Es gibt im Gegenteil massenhaft Arbeit, die liegen bleibt. Dazu gehört ein Teil ziemlich unattraktiver Arbeit (Straßenreinigung z.B.), aber auch Arbeit, die nur wegen der gängigen Arbeitsbedingungen unattraktiv ist (Betreuung sehr alter und sehr junger Menschen z.B.). Selbst recht attraktive und höher qualifizierte Arbeit bleibt liegen (in öffentlichen Bibliotheken z.B.), weil niemand sie bezahlen will oder kann.
Zum guten Teil liegt es daran, dass der öffentliche Sektor sich selbst arm macht, indem Steuern gesenkt werden und ein hoher Anteil der öffentlichen Haushalte als Kreditzinsen an die Banken fließt.
Es stimmt einfach nicht, dass keine Arbeit da wäre.
Stimme voll zu. Nur darf bzw soll diese Arbeit nichts kosten. Und unattraktive Arbeit kann man attraktiv machen in denn man sie fair bezahlt.
Und wenn man diese unattraktive Arbeit halt nicht bezahlen will bzw kann, dann braucht diese Arbeit meiner Meinung auch nicht gemacht zu werden, weil es sich eben nicht lohnt, sie fair zubezahlen.
Genau wegen dieser Leute wurde ja HartzIV eingeführt!
Denen wird das Lachen schon noch vergehen...
ciao :-x
Neuer Versuch der Interpretation:
Wenn ich jumbo96 richtig verstehe soll unatraktive Arbeit nicht bezahlt werden, weil sie aber gemacht werden muß sollen Zwangsarbeiter verflichtet werden die sie umsonst tun. Nebeneffekt kein lachen mehr.
Nu ist jumbo96 weg und taucht nicht mehr auf um Stellung zu nehmen, oder wie ? (ciao)
StephanK
03.09.2005, 14:11
Und wenn man diese unattraktive Arbeit halt nicht bezahlen will bzw kann, dann braucht diese Arbeit meiner Meinung auch nicht gemacht zu werden, weil es sich eben nicht lohnt, sie fair zubezahlen.Einspruch, Doc! Das mag für die Warenproduktion gelten, nicht jedoch für weite Teile des Dienstleistungsbereiches. Es gibt viele Tätigkeiten, die (jedenfalls für jene Mehrheit, die darin keine "Berufung" sieht) einfach wegen ihrer Art nicht attraktiv sind. Nur ein paar Beispiele: Straßenreinigung, Abfallbeseitigung, bestimmte pflegerische Aufgaben. Diese Aufgaben kann man aber nicht einfach unerledigt lassen. Um Menschen zu finden, die sie erledigen, muss man Anreize bieten - z.B. hohe Löhne oder Arbeitsplatzsicherheit. Letztere war früher der "Köder", dessentwegen Menschen diese Aufgaben sogar zu relativ niedrigen Löhnen erledigt haben. Höhere Löhne lassen sich fast nicht durchsetzen und dass es in Zeiten unbegrenzter Befristungsmöglichkeiten keine Arbeitsplatzsicherheit mehr gibt, wissen wir auch alle.
Teilweise wurden und werden diese Aufgaben von Menschen erledigt, die keine Arbeitnehmer sind, Zivildienstleistenden oder Ordensangehörigen, von denen es jedoch immer weniger gibt. Deswegen haben wir in diesen Bereichen auch permanente Kostensteigerungen - nicht, weil die Arbeit attraktiver bezahlt würde, sondern weil weniger unbezahlte Arbeit geleistet wird.
Wenn allerdings der Krankenhaustagessatz, der Kindergartenplatz, die Abfallgebühr plötzlich um 20 oder 30 % oder gar mehr steigen würde, weil bisher kostenlos geleistete Arbeit wegfällt und die entgeltliche Arbeit angemessen entlohnt würde, würden wir alle meckern.
Auch wenn das jetzt das Thema vielleicht unangemessen erweitert: Ein Stück weit sind wir alle auch selbst Teil eines Systems, das zu Lohndrückerei führt, weil wir merkwürdigerweise menschliche Arbeitskraft nicht gerne bezahlen - wobei ich mich selbst durchaus mit einbeziehe. Bei der Handwerkerstunde zu 60 € runzele ich auch die Stirn, zahle aber klaglos den gleichen Preis z.B. für einen MP3-Player, der wahrscheinlich zu 95 % von Robotern hergestellt wurde und in dem auf's Stück gerechnet vielleicht 15 Minuten menschlicher Arbeitsleistung stecken... Sicher: mit individuellen Änderungen des Konsumverhaltens kann man dieses Problem nicht lösen (schon gar nicht, wenn man von 345 € monatlich leben muss). Des Nachdenkens wert ist es - gerade in einer Dienstleistungsgesellschaft - aber schon, warum bei unserer Zahlungsbereitschaft für Waren einer- und Dienstleistungen andererseits solche auffälligen Diskrepanzen bestehen.
Ja, eben, eine Menge Arbeit ist da, wird aber nicht gemacht, weil nirgendwo mehr Geld da ist, um sie (fair) zu bezahlen. Nicht etwa, weil keiner Bock drauf hat, sie zu tun...
Vieles davon (Landschaftspflege, Straßenreinigung, Pflege) müsste ja auch von der Gemeinde bezahlt werden - und dass die kein Geld hat, muss nicht extra erwähnt werden.
Es ist nur schlimm, dass die Tatsache, dass Arbeit da ist, die aber zum Teil so schlecht bezahlt wird, dass sie noch nicht mal oder gerade so die ALG II Leistung erreicht, zu falschen Schlüssen und Forderungen führt.
Da wird dann NICHT gesagt: Bezahlt die Arbeit besser! (Das habe ich erst ein einziges Mal von einem Wirtschaftsexperten im Fernsehen gehört)
Nein, es heißt: Zahlt NOCH WENIGER ALG II, damit diese Faulenzer und Drückeberger und Sozialbetrüger endlich schuften gehen, auch wenn sie davon nicht leben können.
EDIT:
Achja, neuestes Medienbeispiel habe ich grad in Form der neuen "HörZu" vorliegen. Ein Artikel über Hartz IV Empfänger - beginnt zwar zunächst mit den durchaus gut dargestellten Schwierigkeiten und stimmte mich hoffnungsfroh, u.a. steht dort:
"Tatsächlich gehört es zu den schweren Mängeln, auch von Hartz IV, dass sich Arbeit statt staatlicher Unterstützung für viele nach wie vor nicht rechnet. "Dabei sind die Menschen in keiner Weise faul", meint Wrtschaftswissenschaftler Boss, "aber es ist ein Mangel im System, dass sich Arbeit in vielen Fällen schlicht und einfach nicht lohnt. Die Betroffenen handeln aus ihrer Sicht also ökonomisch nur konsequent. Die Folge ist aber: Millionen bleiben arbeitslos."
Aber auch hier wird wieder ein falscher Schluss gezogen, aus meiner Sicht, denn der Artikel endet fatalerweise mit den Sätzen:
"Dabei sieht das Gesetz die schrittweise Minderung der staatlichen Unterstützung durchaus vor, wenn zumutbare Arbeit immer wieder abgelehnt wird. Die Crux ist nur: "Keiner hat bisher eine Ahnung davon, ob und inwieweit diese Sanktionen wirklich angewendet werden", sagt Boss. Hinzu kommt ein weiteres gravierendes Problem: Viele streichen die Euros vom Staat gern ein, arbeiten aber trotzdem - leider schwarz."
Wieder kein Wort davon, dass Arbeit auch angemessen bezahlt werden sollte, sondern dass auch so schlecht bezahlte Arbeit zumutbar ist.
Und außerdem hat doch gar nicht jeder die Möglichkeit, als Arbeitsloser schwarz zu arbeiten, aber alle werden über einen Kamm geschoren.
Viele Handwerker mögen diese Möglichkeit haben und auch nutzen, aber z.B. Büropersonal eher nicht.
Arbeit = jede zielgerichtete, bedürfnisbefriedigende und planmäßige Tätigkeit, bei der geistige und/oder körperl. Kräfte eingesetzt werden.
(c) Meyers Lexikonverlag.
Warum wollen alle arbeiten ?
Richtig, um die Brötchen bezahlen zu können. Den Anspruch sich selbst zu verwirklichen hat doch kaum noch jemand. Hier wird doch nur noch darüber geredet wer den Dreck der Reichen weg macht und ob etwas dafür bezahlt wird. Das hat doch nichts mehr damit zu tun ob ein Bundesbürger vielleicht ein Recht auf Arbeit hat oder ob ein Mensch das Recht hat sich selbst zu ernähren.
Noch keine Beschwerden ? :mrgreen: (na ja ist Wochenende)
Also noch ein's 'drauf !
Folgende Aussage:
Ich möchte nicht unendgeldlich in einem Altenheim arbeiten weil dieses zum Ding der Reichen geworden ist.
Selbst kann ich mir kein Altenheim leisten, ich muß daheim selbst zurecht kommen und im Sessel sterben.
Müllwerker wäre ich sehr gern. Kriesensicherer Job und über dies sehr gut bezahlt.
Welche Aussage steckt darin ?
Der Müllwerker kann gut bezahlt werden weil jede kleine Privatperson ihren Müll selbst vorsortiert
und wegfährt. Das heißt dass jeder sich um die Arbeiten zu kümmern hat die liegen bleiben.
Dann sind sie auch bezahlbar.
Gegenbeweis: Das Altenheim, das Ding der Reichen, in dem sich die ALGII's die nichts haben um die
Alten der Reichen kümmern, kann reguläre Job's nicht bezahlen - es sollen also weiterhin diese ALGII-
Zwangsarbeiter her.
Wenn sich nun einjeder zu kümmern hat, wie soll er das tun ? Entweder selbst anpacken (was die Reichen
ja nicht wollen) oder bezahlen. Das finanziert dann die Job's. Bezahlen wollen die Reichen aber auch nicht.
Nein, sie wollen ALGII-Zwangsarbeiter - und umsonst.
Und darum geht das ganze Gebrassel. Und mehr und mehr helfen wir dabei mit zu rechtfertigen dass es diese
Zwangsarbeiter geben muß - ohne dass wir es recht merken.
rat-loser
04.09.2005, 13:49
hey, hey - hier hat sich ja inzwischen einiges getan. ich will jetzt auch den alten kram von mir nicht nochmal aufwärmen, aber ein paar sachen muss ich seit freitag mittag doch noch loswerden:
@effge:
mir ist jetzt zwar nicht klar, was du meintest, aber ich gehe mit dir einig: "gleiches recht für alle" muss dann auch wirklich auch für alle gelten.
@ulysses:
nee, natürlich geht es nicht darum, die stricke für arbeitslose enger zu drehen, aber das hast du ja auch inzwischen eingesehen. schließlich bin ich auch kurz vor hartz4.
@stephan:
danke + volle zustimmung
ansonsten habe ich mit interesse den weitergang des themas gelesen, vor allem die sache der fairen entlohung. jetzt mal losgelöst von verhältnis alg1 zu alg2 zu "realer entlohung": das ganze ich doch zusätzlich noch völlig subjetiv zu sehen: was für einen jungspunt evtl. noch gutes geld ist, ist für einen familienvater mit haus ggf. untragbar. und mit welcher "begeisterung" die ausländischen hilfsarbeiter auf dem feld schuften - dafür gibt sich kein deutscher her. somit die frage: was ist denn überhaupt eine gerechte, faire und angemessene entlohung?
nochmal @ulysses:
deinen letzten beiden beiträge kann ich nicht so recht folgen. was hat das mit "wollen" zu tun - mehr mit müssen, oder? ;-)
spaß beiseite: natürlich arbeiten die meisten leute, um sich ihre brötchen kaufen zu können und ggf. darüber hinaus noch ihre freizeit zu finanzieren. aber was hat das mit den reichen zu tun? ich kriege gedanklich nicht den bogen zwischen müllwerker, altenheim, reichen und zwangsarbeiter.
ich denke das problem, das wir hier beim diskutieren haben ist, dass wir gleichzeitig über 1000 verschiedene teilaspekte eines gesamtproblems reden.
Betroffener
04.09.2005, 14:28
ansonsten habe ich mit interesse den weitergang des themas gelesen, vor allem die sache der fairen entlohung. jetzt mal losgelöst von verhältnis alg1 zu alg2 zu "realer entlohung": das ganze ich doch zusätzlich noch völlig subjetiv zu sehen: was für einen jungspunt evtl. noch gutes geld ist, ist für einen familienvater mit haus ggf. untragbar. und mit welcher "begeisterung" die ausländischen hilfsarbeiter auf dem feld schuften - dafür gibt sich kein deutscher her. somit die frage: was ist denn überhaupt eine gerechte, faire und angemessene entlohung?
Für eine faire Entlohnung halte ich ein Einkommen, das mir ein menschwürdiges Leben in einem normalen und eigenständigen Umfeld ermöglicht, also mich (und die Familie) vernünftig ernährt, meine Miete bezahlt, ggf. das Auto und für die kleinen und grösseren schönen Dinge auf dieser Welt mehr oder weniger langes ansparen ermöglicht, die sozialen Leistungen beinhaltet und auch die erweiterte Rentenvorsorge.
Das kann für die Saisonarbeiter ein Stundenlohn von 4.50 bis 5.0 € für ihr Umfeld sein (bei meist 18 Stunden harter Arbeit), um in Polen einigermassen übers Jahr zu kommen und in Deutschland eben eine andere Dimension benötigt.
Es hängt alles auch vom direkt Umfeld ab.
StephanK
04.09.2005, 15:15
Danke Thilo für's teilweise resümieren und das zurückleiten zur Ausgangsfrage, die ja wohl keine geringere ist als die nach den Grundursachen für Stellenabbau und daraus folgender Arbeitslosigkeit.
somit die frage: was ist denn überhaupt eine gerechte, faire und angemessene entlohung? Ich möchte mal mit einem völlig unverdächtigen Zitat antworten (Quelle: Beste, Theodor; Fertigungswirtschaft und Beschaffungswesen, in: Handbuch der Wirtschaftswissenschaften, hrsg. v. K. Hax und Th. Wessels, 2. Aufl., Köln/Opladen 1966, S. 111 ff., 211) Auf die richtige Abstufung der Löhne gilt es zu achten nicht nur bei der Entlohnung der unterschiedlichen Arbeiten in ein und demselben Betriebe. Ebenso wichtig ist die Abstufung der Leistungslöhne in den verschiedenen Gewerbezweigen, ja über die Wirtschaft hinaus in der ganzen Gesellschaft; denn die Abstufung der Löhne übt geradezu eine Lenkungsfunktion aus, weil die Höhe des Lohnes die Wahl der Arbeitsstätte und sogar der Berufe wesentlich mitbestimmt. Falsche Abstufung der Löhne führt die Arbeitskräfte aus den Betrieben und Wirtschaftszweigen mit verhältnismäßig ungünstigen in die mit verhältnismäßig günstigen Löhnen. Die Folgen äußern sich sicht hauptsächlich darin, daß Mangel an Arbeitskräften in jenen herrscht, so daß vielleicht nicht alle Produktionsmöglichkeiten ausgenutzt werden können. Aber die Folgen gehen oft viel weiter. Eine von ihnen, und nicht die harmloseste, besteht darin, daß oft die Maschinisierung von Arbeitsvorgängen unternommen wird, die wirtschaftlich nicht gerechtfertigt ist und die bei richtiger Abstufung der Löhne auch unterblieben wäre. So wird die Knappheit des Kapitals an den Stellen mit dringenderem Kapitalbedarf noch erhöht. Die schlimmste Folge falscher Abstufung der Löhne aber tritt ein, wenn sie zu Spannungen im ganzen sozialen Gefüge führt.Dieser Textschnipsel bezieht sich auf die Produktionsindustrie und stammt aus Zeiten der Vollbeschäftigung. Der Autor bringt gut auf den Punkt, welche Gesichtspunkte aus betrieblicher Sicht für die Abstufung von Löhnen maßgeblich sind. Vor allem finde ich an dem Text interessant, dass schon vor fast 40 Jahren der Zusammenhang von Lohnniveau und Rationalisierungsdruck betont wurde - allerdings mit einer ziemlich anderen Tendenz als heute üblich.
Einen Zusammenhang von Löhnen und Produktivität wird man nicht von der Hand weisen können. In der Warenproduktion lässt sich Produktivität auch recht einfach messen, nicht hingegen bei der Produktion von Dienstleistungen. Dienstleistungen sind es aber, die gesamtwirtschaftlich die größte Rolle spielen und auch für die meisten Arbeitsplätze sorgen. Für die Preisbildung von Dienstleistungen gibt es andere und vor allem weniger Faktoren als bei der Warenproduktion: Rohstoffkosten, Investitionen für Fabrikationsanlagen usw. spielen keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Im Vergleich zur Industrieproduktion ist im Dienstleistungssektor der Arbeitslohn ein viel wichtigerer, den Preis des Endprodukts wesentlich stärker bestimmender und deswegen viel kritischerer Faktor. Der von der Arbeitgeberseite ausgehende Lohndruck kommt vor allem daher. Diesem Lohndruck etwas entgegenzusetzen ist im Dienstleistungssektor oft schwieriger als in der Warenproduktion, weil die Produktivitätsmessung dort schwieriger und oft nur ungenau möglich ist. Dem Kostenargument der Arbeitgeberseite kann die Arbeitnehmerseite im Dienstleistungssektor keine Senkung der Lohnstückkosten entgegenhalten, weil nicht in Stücken produziert wird. (Allerdings wird natürlich versucht, auch bei Dienstleistungen "harte" Produktivitätsindikatoren zu finden.)
Die objektiv angemessene Entlohnung gibt es nicht. Man wird auch nicht behaupten können, dass das bestehende Gefüge an Tariflöhnen keiner Kritik im Hinblick auf Angemessenheit ausgesetzt wäre - sowohl nach absoluten Zahlen wie auch in der Lohnstaffelung. Den Bedarf als Maßstab zu nehmen, wie der Betroffene es fordert, ist in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem nicht machbar. Innerhalb dieses Systems machbar wäre jedoch ein Rahmen zwischen Mindest- und Maximallöhnen, wobei erstere direkt als gesetzlicher Mindestlohn vorzugeben wäre, letztere durch eine konsequente Besteuerung zu bewirken. Ein vergleichbares System besteht auch in etlichen europäischen Ländern - und durchaus nicht in jenen, die ökonomisch am Krückstock gehen. Gäbe es einen solchen, demokratisch bestimmten Rahmen, hätte ich auch wenig Bedenken, mehr Variation innerhalb des Rahmens zuzulassen als manche Gewerkschaften das wollen.
rat-loser
05.09.2005, 11:27
ok, dann seit ihr ja auch der meinung, wenn ich das richtig interpretiere, dass der "richtige, faire" lohn mehr das pers., subjektive empfinden des einzelnen in seinem micro-kosmos ist.
somit kann das aber nicht grundlage einer diskussion sein, denn damit geht jeder von etwas anderem aus......
der ansatz von stephan halte ich ja für ganz ok, aber wie wie sollen wir über faire löhne weiter reden? das müßte doch erst mal festgelegt und dann "von allen" akzeptiert werden. wobei sich da die katze ja auch schon wieder in den schwanz beisst. wer bestimmt dass? die politiker, die gewerkschaft, der markt, das amt für die 1-euro-jobler?
ist der lohn für einen müllwerker wirklich ok? (lt. ulysses), usw.?
irgendwie kommen wir hier (oder zumindest ich) gedanklich nicht weiter. im endeffekt muss es doch jeder wieder für sich selbst entscheiden, ob ihm der lohn für einen job X genügt oder nicht und ob er sich für fair bezahlt hält oder nicht.
dass der 1-euro-jobler für sich selbst und wahrscheinlich für alle anderen auch zuwenig bekommt, seht wahrscheinlich außer frage - aber dabei geht es ja auch nicht um lohn und gehalt im üblichen sinne, sondern um eine sozialpolitische entscheidung die ich jetzt nicht kommentieren will.
Um mal einen Ansatz dafür zu bieten folgendes.
Zunächst wäre es fair wenn jeder bei vollem Einsatz seiner Fähigkeiten von dem Lohn leben könnte.
(Diskussionspunkt: was ist ein normales geregeltes Leben für jeden einzelnen, für alle)
(Diskussionspunkt:wieviel Geld benötigt jeder ungefähr für ein normales geregeltes Leben)
Danach ist es Sache der Tarifparteien einen gerechten Lohn auszuhandeln.
Danach ist es Sache des Einzelnen im Betrieb.
StephanK
05.09.2005, 13:56
Das Problem ist nun mal kompliziert, weil vielschichtig. Grundregeln für die Lohnfindung kann man - mit jeweils guten Gründen - von sehr unterschiedlichen Ausgangspunkten aus entwerfen. Bei allen Unterschieden im einzelnen (die Wirtschaftswissenschaften sind sich in diesem Punkt ja auch höchst uneinig) kann man schon zwischen zwei grundlegenden Ansätzen unterscheiden:
- Lohnhöhe muss irgendwie die Wertschöpfung durch den einzelnen Erwerbstätigen wiederspiegeln.
- Lohnhöhe muss ein auskömmliches Leben sichern.
Der zweite Ansatz ist der des Betroffenen und ulysses'. Dieser Ansatz ist im Kern sozialistisch und bereitet in einer kapitalistischen Wirtschaft Probleme.
Der erste Ansatz bereitet - wie schon angesprochen - vor allem im Dienstleistungssektor Probleme bzw. liefert keine wirklich klaren Kriterien. Im Unterschied zur Warenproduktion, bei der der erzielbare Preis zu einem mehr oder weniger hohen Teil von Rohstoffkosten und dem Teil der Fertigungskosten bestimmt wird, der nicht aus Personalkosten besteht, ist bei Dienstleistungen der Personalkostenanteil der maßgebliche Faktor. Deswegen haben wir heute den Druck auf die Löhne und den Personalabbau ja auch vor allem im Dienstleistungssektor (wenn man von künstlich aufrechterhaltenen Industriezweigen wie dem Bergbau mal absieht); im übrigen auch, weil im Gegensatz zur Industrieproduktion viele Dienstleistungen nicht beliebig in's billigere Ausland verlagert werden können. Nicht umsonst waren die Gewerkschaften bei den Montagsdemos in sehr unterschiedlicher Intensität beteiligt: Viele Verdi-Leute, aber so gut wie keine von der IG Metall oder der IG BCE.
In einer Wirtschaft, deren Schwerpunkt sich mehr und mehr vom Produktionssektor weg- und zum Dienstleistungssektor hin entwickelt, ist das ein sehr massives Problem - und das erleben wir gerade. Wir sollten uns dabei bewusst sein, dass wir dabei nicht prinzipiell anders denken als Firmeninhaber: Lohnkosten tun uns weh und wir zahlen sie ungern: Ich habe schon mal auf das Beispiel hingewiesen, das einem auch als Arbeitsuchenden und als Privatmenschen betrifft, nämlich die hohe Handwerkerrechnung, zwecks deren Vermeidung wir uns lieber im Bekanntkreis umhören, ob da jemand des Fliesenlegens fähig ist - oder so...
Ich hab's jetzt mehrfach durchdacht und mich redlich bemüht als Kapitalist zu denken. Wertschöpfung hin und her. Es kommt immer
das selbe dabei heraus. Als Politiker kann ich es mir nicht leisten
kapitalistisch zu denken solange für den Bürger nicht die Lebenshaltungskosten per Lohn herausspringen. So dass man die Überlegungen bei dem beginnen muß was der Einzelne zum Leben braucht.
Das heißt das der Staat sich zunächst um den Bürger zu kümmern hat gleich was die Wirtschaft an Vorstellungen von Wertschöpfung hat.
Es sei denn man denkt nicht per Staat ! Wenn man den Staat (oder Einzelstaat) gedanklich schon abgeschafft hat und nur noch per Wirtschaftsgefüge (global) denkt dürfte es ziemlich egal sein ob irgendwo Leute hungern - die gehören ja niemandem.
Hier noch eine kleine Hilfestellung zum Thema.
In Bezug auf die Notwendigkeit der Höhe der Löhne von
a)Produktion und b)Dienstleistung
läßt sich nach Karl Marx :mrgreen: wie folgt unterscheiden:
Der Zeitlohn (Dienstleistung)
Der Wert der Arbeitskraft ist bestimmt durch den Wert der gewohnheitsmäßig notwendigen Lebensmittel des Durchschnittsarbeiters.
Der Stücklohn (Produktion)
Der Stücklohn ist nichts als verwandelte Form des Zeitlohns, wie der Zeitlohn die verwandelte Form des Wertes oder Preises der Arbeitskraft.
... was wiederum heißt dass ein jeder mindestens sein Auskommen haben muß.
StephanK
05.09.2005, 16:43
Als Politiker kann ich es mir nicht leisten kapitalistisch zu denken solange für den Bürger nicht die Lebenshaltungskosten per Lohn herausspringen. So dass man die Überlegungen bei dem beginnen muß was der Einzelne zum Leben braucht.Wie soll ein Politiker in einem Staat mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung anders denken (oder gar handeln)?
Im übrigen bin ich dankbar, dass Du diesen berühmten Trierer Ökonomen zitierst - dann muss ich nicht der erste sein :wink: - und rein zufällig hatte ich auch gerade Bd. 23 der gesammelten Werke aus dem Regal geholt...
Was wir davon auch heute noch lernen können ist die simple Erwartung, dass der Arbeitnehmer seine Reproduktionskosten verdienen können muss und dass der Preis der Arbeit nicht so weit sinken darf, dass er das nicht mehr kann. Der Zustand, der eintritt, wenn das doch passiert, wurde früher Pauperisierung genannt (von lat. pauper = arm). Da der heutige Sozialstaat sich schreiendes Elend nicht erlauben kann, wird es so weit abgemildert, dass es nicht mehr schreit. Das ist die Funktion von Kombilöhnen, und deren brutalisierte Form heisst "ergänzendes Arbeitslosengeld II". Brutalisiert schreibe ich, weil die ursprünglichen Kombilohnmodelle sich am oberen Rand des unteren Drittels der Durchschnittslöhne bewegten, während wir jetzt weit darunter.liegen.
Persönlich bin ich durchaus auch der Ansicht, dass man jedenfalls von einer Vollzeitarbeit leben können muss - nicht dass ich da missverstanden werde. Nur ist das eben vielfach nicht mehr der Fall. Ob gesetzlich vorgeschriebene Mindestlöhne dieses Problem wirklich beseitigen können, weiss ich nicht, halte die dagegen vorgebrachten Bedenken durchaus für bedenkenswert.
Dieses Thema ist schier unendlich ausweitbar - wir können natürlich anfangen, darüber nachzudenken, warum Löhne angeboten werden, von denen man selbst ohne Luxusansprüche nicht wirklich leben kann. Genauer gesagt: warum das sogar bei relativ geringem Anstieg der Verbraucherpreise so ist. Der Unterschied zwischen Brutto- und Nettolöhnen ist dabei ebenso ein Thema wie die Höhe von Mieten und die Steuerbelastung von Waren des täglichen Verbrauches.
Wie soll ein Politiker in einem Staat mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung anders denken (oder gar handeln)?
Ich wollte damit sagen dass der Politiker z.Zt. noch dem Staat verpflichtet ist und damit dem Bürger. Würde er kapitalistisch denken wäre er nicht in der Lage sein Amt entsprechend der Verfassung einer z.B. BRD auszuüben.
(ganz anders entsprechend einer Europaverfassung)
Ich bin der Überzeugung dass die größten Differenzen und auch Unsicherheiten dadurch entstehen dass z.Zt. die einen noch staatlich denken (also Einzelstaatlich) und die Anderen bereits komplett global ausgerichtet sind. Wäre das nicht der Fall könnte man sich vielleicht leichter annähern und wir (der thread hier) wären vielleicht der Lösung auch ein Stück näher.
Ich wollte damit sagen dass der Politiker z.Zt. noch dem Staat verpflichtet ist und damit dem Bürger. Würde er kapitalistisch denken wäre er nicht in der Lage sein Amt entsprechend der Verfassung einer z.B. BRD auszuüben.
Ich glaube dies schon lange nicht mehr, da die Realität eine andere Sprache spricht. Viele Politiker haben sich dem kapitalistischen System ergeben und dienen ihm gehorsam - dies geht quer durch alle Parteien. Unter dem Deckmantel der "Arbeitsplatzerhaltung" und der "Wettbewerbsfähigkeit" erhält die Wirtschaft die feinsten Geschenke: so z.B. die unter Rot-Grün vorgenommene Neuregelung der Gewerbesteuer (hierunter leiden die Kommunen mehr als unter Hartz IV), die vorgeschlagene Steuer"reform" der Schwarz-Gelben und nach wie vor Subventionen ohne Ende (selbst in der 12.000-Seelen-Gemeinde, in der ich lebe, hat es der Gemeinderat fertig gebracht einen Industriepark anzulegen, der nur zu 1/6tel ausgelastet ist). Und dies geschieht alles mit dem Totschlagargument "Arbeitsplatzerhaltung" bzw. "Arbeitsplatzschaffung". Wenn wir diese Logik ausbauen, dann können wir Rheinmetall erlauben die Produktion anzukurbeln und tonnenweise Panzerbleche nach China zu exportieren.
StephanK
06.09.2005, 12:23
effge, Du weist sehr zutreffend auf einen Prozess hin, der sich in den letzten Jahrzehnten eingeschlichen und breit gemacht hat, nämlich die Identifikation von Staat und Wirtschaft. Wenn man einen Blick in die jüngere Geschichte wirft, wird klar, warum - und gleichzeitig wird auch klar, wo der Ursprung vieler heutiger Probleme liegt.
In der Nachkriegszeit stand natürlich eine riesige Wiederaufbau-Aufgabe an. Der Wert der alten Reichsmark verfiel, so daß 1948 eine Währungsreform nötig war. Alles das hat logischerweise nur mit teilweise rigorosen staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftsgeschehen funktioniert, die ab der zweiten Hälfte der 50er Jahre nach und nach wieder zurückgenommen wurden. Das lief alles ganz gut bis zur ersten großen Wirtschaftskrise der alten Bundesrepublik Ende der 60er Jahre. Die Folge war, dass der staatliche Zugriff wieder etwas zunahm, allerdings in anderer Form als in der Nachkriegszeit. Man achtete mehr auf Währungs- und Preisstabilität (das Stabilitätsgesetz von 1969 gilt noch heute), also Verhältnisse, die alle betreffen.
Der Niedergang der Montanindustrie vor allem in Nordrhein-Westfalen war dann der Anlass dafür, dass Politiker anfingen, sich um den Erhalt von Arbeitsplätzen in einzelnen Betrieben oder Konzernen zu kümmern. Das hatte es vorher allenfalls beim (damaligen) Staatskonzern VW gegeben, aber sonst nicht. Ich denke, dass seit damals die Verflechtung von Wirtschaft und Politik kontinuierlich enger geworden ist. Heutzutage reicht ja die Ankündigung irgendeines Konzernchefs, ein paar Hundert Arbeitsplätze abzubauen - und sofort hat er Besuch von Herrn Clement oder sogar dem Bundeskanzler sowie von der Landesregierung, die sich dann mit irgendwelchen Schutzhelmen bekleidet vor die Fernsehkameras stellen und mit entschlossener Miene erklären, dass sie alles ihnen mögliche tun werden, um die bedrohten Arbeitsplätze zu retten.
Nun meine ich keineswegs, dass der Staat sich nicht um Arbeitsplätze kümmern sollte, aber diese Entwicklung hat zur Erpressbarkeit von Politik geführt. Die Politik soll "Rahmenbedingungen" setzen, und zwar aus der Perspektive des übergeordneten, gesamtstaatlichen Interesses heraus, zu dem der Arbeitsmarkt genau so gehört wie der Staatshaushalt und die Ausprägung des von der Verfassung vorgeschriebenen Sozialstaats. Dass ein Kanzler im Ausland als oberster Handelsvertreter der Republik auftritt, mag noch angehen. Im Inland jedoch geht es nicht an.
Der Satz "Sozial ist, was Arbeitsplätze schafft" bringt diese falsche Gleichsetzung anschaulich auf den Punkt. "Sozial" ist allenfalls, was Arbeitsplätze schafft, von deren Lohn man leben kann und die einem nicht kaputt machen. Diese qualitativen Anforderungen sind inzwischen den Bach runtergegangen - jedenfalls in der Regierungspolitik, und die nächste Regierung wird sich kaum auf sie besinnen.
Der Satz "Sozial ist, was Arbeitsplätze schafft" hat mich auch von Anfang an schwer begeistert und den SPD-Stiegler ebenso sehr, daß er sich zu einem äußert fragwürdigen Vergleich hinreissen ließ.
"Hauptsache Arbeit, egal wie sie entlohnt wird" - das ist das eigentliche Motto und soll uns als soziale Errungenschaft verkauft werden. Das ist der Grundgedanke der dahinter steckt. Die Union will ja gerade die Flächentarifverträge untergraben, indem sie sich für betriebliche Bündnisse stark macht und damit die Erpressbarkeit ganzer Belegschaften ermöglicht. Vor die Alternative gestellt "mehr Arbeit und weniger Lohn" oder "Verlagerung der Produktion" werden viele dem zähneknirschend zustimmen müssen (siehe Siemens, Duisburg).
Die Politik soll "Rahmenbedingungen" setzen, und zwar aus der Perspektive des übergeordneten, gesamtstaatlichen Interesses heraus, zu dem der Arbeitsmarkt genau so gehört wie der Staatshaushalt und die Ausprägung des von der Verfassung vorgeschriebenen Sozialstaats.
Große Zustimmung. Das schwadronieren aus dem politischen Raum (eher einem Schwarzen Loch gleich) über die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen ist irreführend. Politik schafft weder Arbeitsplätze, noch kann sie Stellenabbau verhindern. Da kann sich z.B. Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratmitglied Wulff auf den Kopf stellen, an der Betriebspolitik von VW wird er wenig ändern.
P.S.: Schon aufgefallen? Den Begriff "soziale Marktwirtschaft" hat in diesem Bundestagswahlkampf bisher kein Politiker in den Mund genommen.
StephanK
07.09.2005, 10:04
"Hauptsache Arbeit, egal wie sie entlohnt wird" - das ist das eigentliche Motto und soll uns als soziale Errungenschaft verkauft werden. Das ist der Grundgedanke der dahinter steckt. Dieser Satz markiert auch den Schnittpunkt zwischen Ökonomie und einer an abhängige Erwerbsarbeit geknüpften Gemeinschaftsideologie.
Ökonomisch ist er falsch, weil unsere Produktivität hoch genug ist, die Menschen so zu entlohnen, dass man für seinen Lebensunterhalt nicht darauf angewiesen ist, in drei verschiedenen Teilzeitjobs 16 Stunden am Tag sein Existenzminimum zusammenzukratzen (in den USA inzwischen gängig, hier in der Entwicklung...).
Auch die dahinter steckende Gemeinschaftsideologie ist falsch. Sie wird vor allem von Teilen der SPD und von der PDS noch immer hochgehalten, Stichwort dafür ist die "sozial integrierende Funktion von Arbeit", die Orte dafür sind (klischeehaft-beispielhaft) der Arbeitergesangverein, der Betriebssportverein usw. Unsere ostdeutschen Landsleute kennen das noch viel deutlicher. Das ist weitgehend dahingeschwunden, auch wenn man nicht wird sagen können, dass die sozial integrierende Funktion von Arbeit völlig verloren gegangen wäre. Jedenfalls wäre eine Auffassung ziemlicher Hohn, die darauf hinausliefe: die Leute sollen lieber zu Hungerlöhnen arbeiten als gar nicht, denn dann sind sie von der Straße und machen keine Dummheiten. Das hatten wir schon bei Brüning, und was das bewirkt hat, wissen wir alle.
Schon aufgefallen? Den Begriff "soziale Marktwirtschaft" hat in diesem Bundestagswahlkampf bisher kein Politiker in den Mund genommen.Das ist eben "Gedöns" "von gestern"... :x Andererseits ist es nur konsequent: Denn wenn "sozial ist, was Arbeit schafft", dann ist die - innerhalb der "alle-müssen-möglichst-viel-schuften-Ideologie" - heutige Marktwirtschaft asozial, denn sie schafft Arbeit ab.
Ich halte allerdings nix von dieser Ideologie, sondern denke, dass die weniger gewordene vorhandene Arbeit besser verteilt werden muss. Ich wäre mit einem angemessen entlohnten 20-Stunden-Arbeitsplätz vollauf zufrieden. In meinem Beruf gibt's allerdings - außer im öffentlichen Dienst - überwiegend 60-Stunden-Arbeitsplätze :mad:
rat-loser
07.09.2005, 19:57
ähm - um nochmal einen schnellen, unqualifizierten einwurf zum thema "fairer lohn" zu bringen, da ich gerade mal wieder die stellenbörsen durchforste: alles, was irgdwie von zeitarbeitsfirmen angeboten wird, fällt ja wohl kaum in den berich fairer bezahlung, oder?
wollte ich gerade mal noch loswerden, da ich mich wieder über die geärgert habe.
jetzt noch die preisfrage - in diesem zusammenhang nicht allzuschwer zu beantworten: wer ist amerikas größter arbeitgeber?
StephanK
07.09.2005, 21:36
alles, was irgdwie von zeitarbeitsfirmen angeboten wird, fällt ja wohl kaum in den berich fairer bezahlung, oder?
wollte ich gerade mal noch loswerden, da ich mich wieder über die geärgert habe.Hm - ich kann es nicht wirklich beurteilen, weil ich nicht weiss, wie die Verträge aussehen, die sie mit den Leuten machen. Wenn es unbefristete oder zumindest auf sehr lange Zeiträume befristete Verträge sind und man für diese Zeit eine Lohngarantie hat, könnte man den Lohnabschlag sozusagen als Extra-Versicherungsprämie für eine zusätzliche Arbeitslosenversicherung ansehen, die Dir für Perioden ohne Arbeit ein 100 %-Arbeitslosengeld garantiert. Das ist immerhin mehr, als die BA einem zu bieten hat.
jetzt noch die preisfrage - in diesem zusammenhang nicht allzuschwer zu beantworten: wer ist amerikas größter arbeitgeber?Wenn Du so fragst, wahrscheinlich ein Zeitarbeitsunternehmen, aber ich weiss leider nicht, welches.
rat-loser
08.09.2005, 08:44
ein arbeitslosengeld auf der basis des lohns eines zeitarbeitsvertrages? gott bewahre, da ist ja hartz4 noch mehr.
gut, wie die verträge an sich aussehen, kann ich auch nicht sagen, wenn ich mir aber die entlohnung ansehe, dann genügt mir das schon. schaust du da: http://www.bza.de/tarif/download.php
richtig, eine zeitarbeistfirma ist der größe arbeitgeber in ami-land. und es ist: manpower.
jochen1964
10.09.2005, 12:32
Ich weiß von einer Bekannten, das die Leute bei den Talk-Shows Geld dafür bekommen, wenn sie sich dort zum Affen machen. Und es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen, daß der Zuseher vor allem negatives sehen will. Denn: Bad news are good news!
Selbst die Fragensteller aus dem Publikum bekommen Geld, die Fragen werden überings vorgegeben. Sie können sich aus einer Liste die Frage aussuchen, und erhalten bis zu 150,- € dafür.
Ich schaue diese Sendungen nur wenn ich Bügle, denn da muss man nicht so aufpassen. Ansonsten ist mir das einfach zu primitiv!
StephanK
10.09.2005, 13:24
:welcome: Jochen
Ich weiß von einer Bekannten, das die Leute bei den Talk-Shows Geld dafür bekommen, wenn sie sich dort zum Affen machen. Und es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen, daß der Zuseher vor allem negatives sehen will. Denn: Bad news are good news!Ja ja, "Mann beißt Hund" ist 'ne story, der umgekehrte Fall dagegen nicht... :wink: Aber auch wenn man solche Sendungen inhaltlich nicht ernst nimmt kommt man nicht darumherum, dass sie meinungsbildend sind (oder vielleicht sollte ich besser von Meinungsmache reden) und man sie deswegen leider nicht schlicht ignorieren kann. Deswegen finde ich eine kritische Diskussion darüber auch durchaus angebracht.
@ rat-loser: Ich habe mir den Zeitarbeits-Tarifvertrag mal angesehen und muss Dir recht geben, dass die Löhne wirklich recht happig sind. Trotzdem denke ich, dass man sich über längere Zeiträume betrachtet damit besser stellen kann als mit einer Abfolge von selbst gesuchten Kurzzeit-Jobs - gerade auch im Hinblick auf die Voraussetzungen für die Zahlung von Arbeitslosengeld.
rat-loser
10.09.2005, 19:26
über längere Zeiträume betrachtet damit besser stellen kann als mit einer Abfolge von selbst gesuchten Kurzzeit-Jobs - gerade auch im Hinblick auf die Voraussetzungen für die Zahlung von Arbeitslosengeldkann ja schon sein. ich will es mal mit ein paar schlagworten ausdrücken und dann gut sein lassen: "pest oder cholera", "arbeit um/für jeden preis". schönes wochenende noch.....
Wack-a-Rat
17.09.2005, 11:59
Früher gab´s "Jud Süß", heute ist es Olli Geißen
Früher ging es um 6 Mio Europaweit, heute geht es um 10 Mio allein in D.
Und wieder einmal dient sich das Behördenpersonal mit allen Mitteln den Herren an, um nachher von "Befehlen" zu greinen und die Hände in Unschuld zu waschen.
Macht Euch daraus selbst ein Bild, der Feind sitzt schon lange nicht mehr "rechts", sondern in den Amtsstuben.
@jochen1964
Genau das ist in meinen Augen der Punkt, dass sich dort Menschen hinsetzen und für den Müll, den sie da scheinbar unbewusst oder aus Geldgier verzapfen auch noch bezahlt werden. Und es ist genau der Punkt auch wenn man meint es sei eine "Show" so kann diese Show eine ganz klare Linie aufzeigen und Menschen beeinflussen.
@StephanK
Ich habe mir diesen MTV auch einmal durchgelesen. Und auch ich finde die Entlohnung in der 1. Stufe schon ein wenig mager.
Wenn ich davon ausgehe 173 Stunden im Monat zu arbeiten käme ein Bruttogehalt von:
1214,46 Euro raus. Nach Abzug aller Beiträge und LstKl. I verblieben mir ca. 890,00 Euro netto. Das ist sicherlich ein neuer Anfang und würde auch dazu beitragen etwas für unsere Solidargemeinschaft zu machen. Nur bin ich ehrlich dieses Netteinkommen reicht leider bei mir nicht auch. Obwohl wenn ich bedenke, dass 7,02 Std.-Lohn auf DEM gerechnet 13,73 waren und das ein nicht schlechter Arbeitslohn für einen ungerlernten Hilfsarbeiter gewesen ist.
Und wenn ich dieses Beispiel mal wieder auf die Show beziehe, dann möchte ich nicht wissen wieviele Alleinstehende mit dem ALG I oder ALG II die gleiche Summe erhalten aber dafür nicht 8 Stunden am Tag arbeiten gehen müssen. Sie werden nämlich ein Teufel tun.
Eine weitere Frage stellt sich mir auch, ob nicht wir durch die Annahme dieser Bedingungen solcher MTV dafür sorgen, dass es ein solches Lohndumping in Deutschland gibt.
Aber entscheiden muss am Ende immer jeder für sich ob er für und unter derartigen Bedingungen bereit ist arbeiten zu gehen.
Ich hasse diese Shows in den eine Minderheit (und ich glaube wirklich das es eine Minderheit ist) als Pranger und Brechstange für Hilfsbedürftige genutzt wird. Jedoch sehe ich auch in diesen "Shows" Sinn , und zwar teils eine Entschuldigung für die verzapften Fehler in der Regierung und zweitens vor allem in der Zerstörung von einer zu breit werdenden Masse. Schon bei den Montagsdemos wurde dies ja sehr erfolgreich ein gesetzt.
Nun könnte man lange Diskussionen anfangen wie dies gestopt werden kann ... jedoch sitzt hier in diesem Forum glaub ich keiner der auch was bewegen könnte.
Die Medien stellen immer nur die finazielle Seite von Arbeit und nicht Arbeit dar. Dinge wie soziale Kontakte welche durch eine Arbeitstätigkeit gefördert werden finde ich irgendwo wichtiger. Somit würde ich zB fürs selbe Geld auch arbeiten gehen DEN man hat schon den Gewinn der Kontakte.
Aber da auch genug diese "Sendungen" schauen, kann man die Werbepausen auch gut verkaufen ;) Also selbst Schuld .. ich für mich schalte weiter , meist kommt aber selber Mist gleich auf X Sendern paralell.
Die Medien stellen immer nur die finazielle Seite von Arbeit und nicht Arbeit dar. Dinge wie soziale Kontakte welche durch eine Arbeitstätigkeit gefördert werden finde ich irgendwo wichtiger. Somit würde ich zB fürs selbe Geld auch arbeiten gehen DEN man hat schon den Gewinn der Kontakte.
Genau das ist doch der Punkt der am wichtigsten ist und der in solchen Shows, denn es sind schon lange keine Diskussionsrunden mehr, außen vor bleiben.
Nämlich das "stille" Leid vieler, die nicht mehr in der Lage sind aufgrund ihrer Situation mal mit dem Freund oder Freundeskreis in die Kneipe, zum Fussball oder sonst etwas zu gehen. Wo nicht mal mehr der 1 Euro über ist um sich an einem Geburtstagsgeschenk zu beteiligen usw. usw. Man könnte es jetzt noch ausweiten ohne Ende.
Betroffene merken langsam und schleichend wie sich eine Welt um ihnen ändert. Wie sie merken, jeden Euro am Tage dreimal umdrehen zu müssen und dann doch am Monatsende überlegen, wen könnte ich "anpumpen" weil der Euro nicht viermal gedreht wurde. Und er dann merkt er hat keinen mehr, weil der andere genauso wenig hat wie er auch wenn er malochen geht.
Shows wie diese dienen nur denen etwas die sich keine Gedanken machen müssen, über sich und ihre Zukunft.
Ihr seid doch mitverantwortlich das diese Reform existiert!!!
Warum hat man das Arbeitsamt nicht boykottiert..Anträge später abgegeben..andauernd Fragen gestellt etc.
Auch die Hetze kann man beenden wenn man will..wie???
Ihr seid doch mitverantwortlich das diese Reform existiert!!!
Warum hat man das Arbeitsamt nicht boykottiert..Anträge später abgegeben..andauernd Fragen gestellt etc.
Auch die Hetze kann man beenden wenn man will..wie???
Nun diese Antwort ist die letzte die ich verstehe. Anträge später stellen... hm.. andauernd Fragen stellen... hm... meinst du jetzt in der TV Show oder es real beim Amt.
Und wenn wir von Mitverantwortung bei der Hetze auf Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger sprechen, dann denke ich sollte man gerade hier mal die aufs Korn nehmen die es mittlerweile ohne Ende machen. Medien, Talk-Shows und dreiste Schauspieler anders kann ich sie nicht nennen die vor einer Kamera zugeben Schwarzarbeit zu machen, oder das Geld reicht um Party zu machen und auszupennen. :-x
Warum hat man das Arbeitsamt nicht boykottiert..Anträge später abgegeben..
Ähm... damit hätten sich doch alle Antragsteller ins eigene Fleisch geschnitten.
Spätere Abgabe -> spätere Bewilligung -> später Geld.
Das können sich Menschen, die auf das Geld dringend angewiesen sind, um ihre Miete zu zahlen usw. einfach nicht leisten.
Und das weiß das Amt. Und nutzt selber ja oftmals ausgiebigst diese "Verschleppungstaktik", um Zahlungen möglichst spät fließen zu lassen.
Fakt ist doch: Wer das Geld austeilt, sitzt am deutlich längeren Hebel, als der, der das Geld braucht.
Klar, wenn Anspruch besteht, MUSS das Amt letztendlich zahlen. Aber um diesen Anspruch zu PRÜFEN, braucht es die Angaben der Antragsteller.
Geben diese ihre Anträge später ab oder weigern sich, Angaben zu machen, kann das Amt völlig zu Recht die Leistung solange verweigern, bis die Angaben vollständig sind.
So ist das nun mal....
Ich halte jetzt solange die Luft an bis HartzIV abgeschafft ist ... :mrgreen:
dann siehst Du bald so aus, wie auf Deinem Bild. :engel:
Betroffener
05.11.2005, 18:38
Hallo Gipsy,
ich möchte Dich nicht enttäuschen, aber dieses von uns hier angeprangerte Phänomen der "deformierenden Berichterstattung" in den Medien - wie Du es formulierst - trifft auf alle Bereiche zu.
Leider bekommt Mensch das nur mit, wenn er entweder dabei war, sich mit dem Thema auskennt oder selber beteiligt ist an der Reportage.
Auch sollte jedem bewusst sein, dass die vielen medialen Auftritte von Politikern im Rahmen redaktioneller Sendungen und/oder z.B. Talkshows eigentlich immer den Hinweis: ACHTUNG: Werbesendung für Firma XYZ oder Industrie ABC! eingeblendet bekommen. Falls ein Herr Merz befragt wird, müsste Fa. XYZ und Industrie ABC durch RWE und Stromindustrie ersetzt werden. Für den Quark, den die uns da als Expertise verkaufen wollen gibt es nämlich immer Geld (einmal vom Fernsehen selber, zum anderen vom Industriezweig oder der Firma).
Gerade die Pharma-/Medizin-/Chemie- und Versorger haben unsere Politiker gut im Griff.
Wes' Supp' ich ess, des Lied ich pfeiff
Da sich die orgiastische Mißbrauchsanprangerung gerade beruhigt hat, konnte ein positiver Bericht über Arbeitslose gebracht werden - wobei nicht ganz klar ist, wie lange der schon in der Schublade schlummerte - ebenso wie bei den anderen Berichten.
Ich habe das leider nicht sehen können, aber auch hier wäre die Frage nach Ziel und Zweck der Berichterstattung und der Sinn des Lokales zu hinterfragen. Wem gehört schlussendlich der Laden, der da mit den Geldern der Arbeitslosenversicherung renoviert wird?
Ich vermute mal, dass es um eine karikative Vereinigung geht, die sich aus den Mitteln der Arbeitsagentur ein altes Lokal preiswert hat aufmöbeln lassen, wozu sonst einigen Firmen hätten Aufträge vergeben müssen - was dabei natürlich nicht hinterfragt wurde.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden - ich finde es gut, wenn es Initiativen gibt, die sich um verschieden Dinge wie Eingliederungen und Heranführung an Arbeit in sinnvoller Art und Weise kümmern.
Aber ich sehe genau so den daneben lauernden Verlust von regulären Arbeitsplätzen, die dadurch verursacht werden bei gleichzeitiger Absenkung der Tariflöhne.
Hallo!
Er und seine Frau wurden dazu verdonnert einen 1-Euro-Job zu machen, Straßenreinigung, und seine Frau beschwerte sich das sie Papierschnipsel und Hundehaufen entsorgen mußte.
Ich habe mich allerdings auch schon beschwert, allerdings wurde ich in eine MAE gesteckt, wo nur Hartz IV-Empfänger anzutreffen sind und ihr halbes Jahr dort absitzen.
Okay, ich habe dies auch angenommen, mußte aber mit weiteren vier Leidensgenossen in den naheliegenden Wald gehen, um dort tote Äste aufzusammeln.
Mir wurde vom Verantwortlichen gesagt, daß er uns nur zu dieser Arbeit abkommandiert hatte, weil er uns nicht richtig einsetzen konnte.
Aber wenn ich in der Straßenreinigung eingesetzt werde, ist es doch selbstverständlich, daß ich den Müll auflese und dazu gehören auch mal die Papierschnipserl.
Heute habe ich auch so ne Sendung gesehen und ich habe echt den Hals gekriegt und es ist auch möglich, daß die Gäste vom Sender gekauft werden.
Irgendwie sind doch solche Talkshows peinlich und wenn das stimmt, hat das mit Propaganda was zu tun und nichts mehr mit freier Meinungsäußerung.
Die Medien manipulieren uns heute so sehr, daß wir das noch glauben, was im Fernsehen propagiert wird.
Darf Mensch in Deutschland wirklich seine eigene Meinung (Kritik) zu allen Themen, die unsere geliebte Republik beschäftigt, kundgeben, ohne gleich mit Repressalien rechnen zu müssen. Es gibt doch so viele Brennpunkte, die werden totgeschwiegen.
@milano
schau dir solche Berichte einfach nicht mehr an - alles nur Show.
@joelo:
zuerst habe ich gedacht, daß dies der Wahrheit entspreche und so werden, glaube ich, viele denken, die aus Langeweile nachmittags mal den Fernseher einschalten...
Viele der hier gestellten Fragen werden in dieser Broschüre der Hans Böckler Stiftung beantwortet.
Ich könnte Auszüge dieser soweit rechtlich erlaubt zu Verfügung stellen und insofern das gewünscht wird.
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/SID-3D0AB75D-C972286B/hbs/hs.xsl/show_product_hbs.html?productfile=HBS-003174.xml
rat-loser
03.12.2005, 18:40
es geht nochmal darum (4./5.11.):Gestern wurde in den RTL Nachrichten tatsächlich der Versuch unternommen, etwas Positives über die Arbeitslosen (in Hamburg) zu berichten.
Sie stellten 1-€-Jobber vor, die ein altes Lokal wieder neu aufgebaut haben und nun Essen und Getränke (zu sozialen Preisen) anbieten.
hat zwar a bisserl länger gedauert, wahrscheinlich interessiert es auch niemanden mehr, da ich aber dazu 'was gefunden habe, will ich es euch mitteilen:
es handelt sich um das städtische projekt von hamburg "kantina35". da haben 20 langzeitarbeitslose 1€-jobber in 4 monaten diese lokal für soz.schwache (mittagessen 2,50) wieder "aufgebaut" und arbeiten dort teilweise (für 1en € auch von 10:00 bis 16:00 uhr). die kommen dann auf max. 210,- pro monat und können max. 10 monate dort arbeiten.
also so was nenn ich Beschiss hoch drei...
Mir wurde vom Leistungszentrum Segeberg gesagt, daß ich in solchen MAWs nur bis zu 120,00 Euro im Monat "steuerfrei" verdienen dürfte und daß diese Arbeit nur auf ein halbes Jahr begrenzt sei.
rat-loser
04.12.2005, 09:24
hmm, kann ich jetzt nicht viel dazu sagen, ob das so alles korrekt ist. zumindest wurde es genau so in den rtl-nachrichten berichtet.
Betroffener
04.12.2005, 16:27
Milano,
Die MAEs für EEJ sind üblicherweise auf max. 30 Wochenstunden begrenzt, damit der ALG II Empfänger noch Zeit hat, sich für eine richtige Arbeit zu bewerben. Von der Dauer her sind die Massnahmen üblicherweise auf 6 bis 9 Monate begrenzt - obwohl es gerade erst eine gab, die 2 Jahre laufen sollte - nach welchem Modell auch immer.
Die MAE-Werte liegen je nach Gusto zwischen 0 € bis 1,80 € nach meinem Kenntnisstand und sollen ausschliesslich den Mehraufwand abdecken, der den EEJ entsteht. Bei ca. 120 Monatsstunden (oder ein paar mehr) kommen dann entsprechende MAE-Werte für den EEJ bei rüber.
Überlicherweise erhält der Massnahmeträger irgendwas zwischen 300 bis 500 € für seine Aufwendungen, aus denen er den EEJ dann die MAE bezahlt. Dabei ist das natürliche Bestreben, möglichst viel aus dem vom Arbeitsamt bezahlten Beträgen für die eigene Organisation zu behalten.
Wer Glück hat, hat fast gar keine zusätzlichen Kosten, wer Pech hat, muss sogar noch Geld aus dem Regelsatz mitbringen.
Fakt ist, das regional teilweise sehr viel Schindluder mit dieser Fördermöglichkeit getrieben wird - siehe auch hier:
Pflichtarbeit (http://www.alg-2.info/hilfe/pflichtarbeit)
Besonders interessant sind dabei: "Unbezahlt und unbefristet" als auch "Dokumentation: Arbeitsgelegenheiten gegen Mehraufwandsentschädigung in Bildungs- und Erziehungseinrichtungen" und anderes mehr.
ich kann das nur wiedergegeben, was mir von meiner Fallmanagerin gesagt wird und daß man z. B. nicht über 30 Stunden in der Woche in solchen Maßnahmen arbeiten darf...
Die übrige Zeit soll man, wie Du es schon richtig sagtest, für Arbeitssuche verwenden; aber dieses könnte man ja rein theoretisch auch nach 18.00 Uhr machen.
Ich denk, der Arbeitslose soll flexibel genug sein und wer bewirbt sich schon nach "Feierabend" noch???
Also der Personenkreis, den ich so auf solchen Maßnahmen kennengelernt habe, wird es auf keine Fälle tun.
....und wenn man dann noch bedenkt, dass diese Sendungen sehr oft getürkt sind, d.h. dass da nicht wirklich Betroffene reden, sondern bezahlte Schauspieler. Verarschung und Hetze der Edelklasse.
StephanK
16.01.2006, 08:52
Liebe Leute,
Ihr werdet es selbst gemerkt haben, dass diese Diskussion sehr unübersichtlich wird und auch thematisch immer mehr ausufert. Deswegen ist sie jetzt beendet, das heißt, dieser Diskussionsfaden ist jetzt für neue Beiträge gesperrt.
Damit ist natürlich nicht gesagt, dass nicht weiterdiskutiert werden kann und soll. Der Umgang der Medien mit Arbeitsuchenden ist immer wieder ein Thema für kritische Anmerkungen. Bitte eröffnet bei Bedarf also neue Themen.
Danke für Euer Verständnis! :-)
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