GofX
20.10.2006, 10:00
Moin, Moin ... :)
Ich weiß noch nicht so recht, ob ich das hier wirklich alles mal etwas detaillierter aufschreiben soll, denn eigentlich macht mir mein 1-Euro-Job ja Spaß ... nur schiebe ich gerade einen tierischen Hals auf die dahinterstehende gesetzliche Regelung, von der ich nun erst seit ein paar Tagen weiß ...
Aber fangen wir mal am Anfang an:
Seit Mitte Juni habe ich einen sogenannten "Ein-Euro-Job", auch wenn es in diesem Fall sogar 1,50 EUR für mich pro Stunde gibt. Irgendeine Regelung gestattet es dem lokalen Job-Center diese 50 Cent mehr auszugeben. Stichworte: "Hessen" und "Optionskommune" oder so ... ich weiß es nicht genau.
Allgemein ist hier wohl scheinbar alles etwas anders und so bekomme ich sogar zusätzlich noch die Fahrtkosten erstattet. Auch irgendeine Verrechnung des "Einkommens" über der magischen 120,00 EUR - Grenze findet nicht statt und so habe ich letzten Monat genau 212,00 EUR für besagten 1-Euro-Job zusätzlich zu meiner Regelleistung auf mein Konto überwiesen bekommen. Ich kann mich also eigentlich nicht beklagen.
Ich arbeite hier an einer Grundschule und somit war es im Monat September das erste mal, dass ich einen kompletten Monat durchgearbeitet habe. Mitte Juni angefangen (halber Monat), bis Mitte Juli gearbeitet (Sommerferien - halber Monat), Ende August gearbeitet (immer noch Sommerferien) und dann eben den September mal komplett.
Die Arbeiten, die ich hier erledige, sind schon alle "zusätzlich" und vermutlich auch ziemlich "gemeinnützig". Was mich aber stört, ist die Tatsache, dass, wenn ich es nicht machen würde, es sowieso kein anderer überhaupt tun könnte ... oder eben nur mit sehr viel Mehraufwand.
Hier in Hessen wurden vor rund zwei Jahren mehr oder weniger alle Schulen mit reichlich IT-Equipment ausgestattet ... und seitdem steht das Zeug zumindest hier quasi unbenutzt rum.
Ebenso hat die Schule hier vor zwei Jahren einen eigenen Web-Auftritt erstellt bekommen ... auf dem bis vor kurzem auch so gut wie nichts zu finden war. Seit dieser Zeit quält sich ein wirklich sehr bemühter Lehrer durch Typo3 (http://typo3.org). Aber machen wir uns nichts vor ... er ist nunmal der Lehrer und ich bin der IT-Hoschie. Laut seiner Aussage hat er in zwei Jahren nicht das geschafft, was ich nun in zwei Wochen erledigt habe. Es gab zwar mal einen externen Consultant, der die Lehrkräfte geschult und bei der Einrichtung der Software geholfen hat ... aber das mache nun ich. Meine Tätigkeit ist damit zwar nicht mehr 100%ig "wettbewerbsneutral", aber wen stört's?
Die Schulbücherei mit rund 1500 Büchern hat nun auch einen PC mit dazugehöriger Bücherei-Verleih-Verwaltungs-Software bekommen. Dazu wurden von mir sämtliche Bücher erfasst, mit Barcodes versehen, alle Schüler bekamen selbst laminierte, scheckkartengroße Büchereiausweise und zukünftig verwaltet die Software ..... hier den Verleih. Klar, dass ich die Lehrkräfte auch hier noch unterrichten muss.
Zwei bis drei mal kam es auch schon vor, dass ich Schülern bei der Durchführung der an sie gestellten Aufgaben am PC half bzw. dort sogar mal selbst eine Arbeitsanweisung erstellt habe. Das läuft natürlich nicht unter dem Thema "Unterrichtsgarantie Plus (http://www.unterrichtsgarantieplus.hessen.de)", sondern wird eben mit diesem Ein-Euro-Fünfzig "vergütet".
Bei der Einschulung nach den Sommerferien wurde ich als "Fotograf" eingesetzt und stellte die geschossenen Bilder hinterher auf die von mir gepflegte Website.
Nach rund 25 Dienstjahren verließ nun die Schulleiterin hier ihren Arbeitsplatz und so "durfte" ich mit einer digitalen Videocamera abschiedsliedsingende Kinder filmen, diese Filme mit ......Studio am PC bearbeiten und mittels einem extra auf meine Empfehlung hin angeschafften DVD-Brenner schlussendlich auf einem Rohling verewigen, welcher der scheidenden Schulleiterin zum Abschied übergeben wurde.
Ich denke, ich kann behaupten, jeder der hier 18 anwesenden Lehrer und auch die neue kommissarisch eingesetzte Schulleiterin "respektiert" meine Arbeit und weiß auch, dass sie hier ohne mich nie zum gegenwärtigen Stand der Dinge gekommen wären. Von der gegangenen Schulleiterin ließ ich mir noch ein Arbeitszeugnis ausstellen und danach kann man sich schon die "Finger lecken", so gut ist es. Das nutzt mir nur leider auch nichts, da ich trotz zahlreicher Bewerbungen immer noch keinen Job habe und es auch definitiv sicher ist, dass ich im öffentlichen Dienst Hessen keine neu zu besetzende Stelle bekommen werde, da hier rigeroser Einstellungsstopp vorherrscht.
Da schon wieder mal Schulferien sind (diesmal Herbstferien) und ich die Zeit aber sinnvoll in der Bücherei nutzen will, habe ich mittlerweile sogar den Generalschlüssel der Schule bekommen und bewege mich jetzt hier völlig freizügig im Gebäude. Weder die Lehrer, noch sonst Jemand lassen sich während der Ferien hier blicken ... ich bin allein.
Die Meldung meiner geleisteten Arbeitszeit an das lokale Job-Center tippe ich eh' schon von Anfang an selbst in eine Excel-Tabelle und versende sie per Mail vom PC der Schulleitung. Insofern ist es auch okay, wenn ich hier alleine arbeite. Meine Arbeitszeit muss nicht kontrolliert werden.
Ich habe hier Zugriff auf LUSD (http://www.lusd.de), die Lehrer und Schüler Datenbank, und somit auf alle persönlichen Daten der Kinder. Ich denke, würde ich jetzt einen Datenschützer und ein RTL Kamerateam hier rein lassen, könnte hinterher der halbe Kreis seinen Hut nehmen. Aber das will ich ja nicht.
Fasse ich zusammen:
Ich kann und will auch selbständig arbeiten, was hier niemand mehr zu kontrollieren braucht.
Die von Job-Centern gerne durchgeführte Überprüfung der Arbeitswilligkeit habe ich wohl mit Bravour bestanden.
Ich erledige Aufgaben, die hier eh' sonst keiner erledigen kann.
Und nun kommt das wirklich Beste zum Schluss:
Für die Schaffung dieser Arbeitsgelegenheit kassiert der Maßnahmeträger eine sogenannte Aufwandsentschädigung!
In der Regel sieht diese Aufwandsentschädigung so aus, dass der Maßnahmeträger pauschal 500,00 EUR bekommt, wovon der "Lohn" des Ein-Euro-Jobbers getragen werden soll und mit dem Rest soll der Arbeitslose verwaltet und weiter qualifiziert werden.
Die beiden zuletzt genannten Aufgaben (verwalten und qualifizieren) finden hier de facto nicht statt (siehe meine Tätigkeitsbeschreibung) und somit kriegt der Maßnahmeträger neben den erfreulicherweise nun erledigten Arbeiten auch zusätzlich noch Geld aus öffentlichen Mitteln geschenkt.
Mir schwillt der Kamm ... ehrlich!
Ich weiß noch nicht so recht, ob ich das hier wirklich alles mal etwas detaillierter aufschreiben soll, denn eigentlich macht mir mein 1-Euro-Job ja Spaß ... nur schiebe ich gerade einen tierischen Hals auf die dahinterstehende gesetzliche Regelung, von der ich nun erst seit ein paar Tagen weiß ...
Aber fangen wir mal am Anfang an:
Seit Mitte Juni habe ich einen sogenannten "Ein-Euro-Job", auch wenn es in diesem Fall sogar 1,50 EUR für mich pro Stunde gibt. Irgendeine Regelung gestattet es dem lokalen Job-Center diese 50 Cent mehr auszugeben. Stichworte: "Hessen" und "Optionskommune" oder so ... ich weiß es nicht genau.
Allgemein ist hier wohl scheinbar alles etwas anders und so bekomme ich sogar zusätzlich noch die Fahrtkosten erstattet. Auch irgendeine Verrechnung des "Einkommens" über der magischen 120,00 EUR - Grenze findet nicht statt und so habe ich letzten Monat genau 212,00 EUR für besagten 1-Euro-Job zusätzlich zu meiner Regelleistung auf mein Konto überwiesen bekommen. Ich kann mich also eigentlich nicht beklagen.
Ich arbeite hier an einer Grundschule und somit war es im Monat September das erste mal, dass ich einen kompletten Monat durchgearbeitet habe. Mitte Juni angefangen (halber Monat), bis Mitte Juli gearbeitet (Sommerferien - halber Monat), Ende August gearbeitet (immer noch Sommerferien) und dann eben den September mal komplett.
Die Arbeiten, die ich hier erledige, sind schon alle "zusätzlich" und vermutlich auch ziemlich "gemeinnützig". Was mich aber stört, ist die Tatsache, dass, wenn ich es nicht machen würde, es sowieso kein anderer überhaupt tun könnte ... oder eben nur mit sehr viel Mehraufwand.
Hier in Hessen wurden vor rund zwei Jahren mehr oder weniger alle Schulen mit reichlich IT-Equipment ausgestattet ... und seitdem steht das Zeug zumindest hier quasi unbenutzt rum.
Ebenso hat die Schule hier vor zwei Jahren einen eigenen Web-Auftritt erstellt bekommen ... auf dem bis vor kurzem auch so gut wie nichts zu finden war. Seit dieser Zeit quält sich ein wirklich sehr bemühter Lehrer durch Typo3 (http://typo3.org). Aber machen wir uns nichts vor ... er ist nunmal der Lehrer und ich bin der IT-Hoschie. Laut seiner Aussage hat er in zwei Jahren nicht das geschafft, was ich nun in zwei Wochen erledigt habe. Es gab zwar mal einen externen Consultant, der die Lehrkräfte geschult und bei der Einrichtung der Software geholfen hat ... aber das mache nun ich. Meine Tätigkeit ist damit zwar nicht mehr 100%ig "wettbewerbsneutral", aber wen stört's?
Die Schulbücherei mit rund 1500 Büchern hat nun auch einen PC mit dazugehöriger Bücherei-Verleih-Verwaltungs-Software bekommen. Dazu wurden von mir sämtliche Bücher erfasst, mit Barcodes versehen, alle Schüler bekamen selbst laminierte, scheckkartengroße Büchereiausweise und zukünftig verwaltet die Software ..... hier den Verleih. Klar, dass ich die Lehrkräfte auch hier noch unterrichten muss.
Zwei bis drei mal kam es auch schon vor, dass ich Schülern bei der Durchführung der an sie gestellten Aufgaben am PC half bzw. dort sogar mal selbst eine Arbeitsanweisung erstellt habe. Das läuft natürlich nicht unter dem Thema "Unterrichtsgarantie Plus (http://www.unterrichtsgarantieplus.hessen.de)", sondern wird eben mit diesem Ein-Euro-Fünfzig "vergütet".
Bei der Einschulung nach den Sommerferien wurde ich als "Fotograf" eingesetzt und stellte die geschossenen Bilder hinterher auf die von mir gepflegte Website.
Nach rund 25 Dienstjahren verließ nun die Schulleiterin hier ihren Arbeitsplatz und so "durfte" ich mit einer digitalen Videocamera abschiedsliedsingende Kinder filmen, diese Filme mit ......Studio am PC bearbeiten und mittels einem extra auf meine Empfehlung hin angeschafften DVD-Brenner schlussendlich auf einem Rohling verewigen, welcher der scheidenden Schulleiterin zum Abschied übergeben wurde.
Ich denke, ich kann behaupten, jeder der hier 18 anwesenden Lehrer und auch die neue kommissarisch eingesetzte Schulleiterin "respektiert" meine Arbeit und weiß auch, dass sie hier ohne mich nie zum gegenwärtigen Stand der Dinge gekommen wären. Von der gegangenen Schulleiterin ließ ich mir noch ein Arbeitszeugnis ausstellen und danach kann man sich schon die "Finger lecken", so gut ist es. Das nutzt mir nur leider auch nichts, da ich trotz zahlreicher Bewerbungen immer noch keinen Job habe und es auch definitiv sicher ist, dass ich im öffentlichen Dienst Hessen keine neu zu besetzende Stelle bekommen werde, da hier rigeroser Einstellungsstopp vorherrscht.
Da schon wieder mal Schulferien sind (diesmal Herbstferien) und ich die Zeit aber sinnvoll in der Bücherei nutzen will, habe ich mittlerweile sogar den Generalschlüssel der Schule bekommen und bewege mich jetzt hier völlig freizügig im Gebäude. Weder die Lehrer, noch sonst Jemand lassen sich während der Ferien hier blicken ... ich bin allein.
Die Meldung meiner geleisteten Arbeitszeit an das lokale Job-Center tippe ich eh' schon von Anfang an selbst in eine Excel-Tabelle und versende sie per Mail vom PC der Schulleitung. Insofern ist es auch okay, wenn ich hier alleine arbeite. Meine Arbeitszeit muss nicht kontrolliert werden.
Ich habe hier Zugriff auf LUSD (http://www.lusd.de), die Lehrer und Schüler Datenbank, und somit auf alle persönlichen Daten der Kinder. Ich denke, würde ich jetzt einen Datenschützer und ein RTL Kamerateam hier rein lassen, könnte hinterher der halbe Kreis seinen Hut nehmen. Aber das will ich ja nicht.
Fasse ich zusammen:
Ich kann und will auch selbständig arbeiten, was hier niemand mehr zu kontrollieren braucht.
Die von Job-Centern gerne durchgeführte Überprüfung der Arbeitswilligkeit habe ich wohl mit Bravour bestanden.
Ich erledige Aufgaben, die hier eh' sonst keiner erledigen kann.
Und nun kommt das wirklich Beste zum Schluss:
Für die Schaffung dieser Arbeitsgelegenheit kassiert der Maßnahmeträger eine sogenannte Aufwandsentschädigung!
In der Regel sieht diese Aufwandsentschädigung so aus, dass der Maßnahmeträger pauschal 500,00 EUR bekommt, wovon der "Lohn" des Ein-Euro-Jobbers getragen werden soll und mit dem Rest soll der Arbeitslose verwaltet und weiter qualifiziert werden.
Die beiden zuletzt genannten Aufgaben (verwalten und qualifizieren) finden hier de facto nicht statt (siehe meine Tätigkeitsbeschreibung) und somit kriegt der Maßnahmeträger neben den erfreulicherweise nun erledigten Arbeiten auch zusätzlich noch Geld aus öffentlichen Mitteln geschenkt.
Mir schwillt der Kamm ... ehrlich!