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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigenkündigung bei Verstoß Arbeitszeitgesetz und Mobbing ?


sharon999
27.09.2010, 11:13
Hallo zusammen, ich habe mich gerade erst angemeldet und bin mir nicht ganz sicher ob ich hier an der richtigen Stelle bin um meine Fragen zu äußern.

Ich versuch´s einfach mal...

Also ich bin seit knapp zwei Jahren in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in einem Autohaus. Dort wurde ich vor ca. 4 Monaten in eine andere Filiale versetzt um die Nachfolge für eine in Rente gehende Kollegin anzutreten. Die Filiale befindet sich in meiner Stadt (vorher hatte ich 60 Fahr-km pro Tag). Das klang natürlich vorab erstmal sehr positiv.

Nun ist die Situation absolut eskaliert. Meine Vorgängerin hat seit 30 Jahren in diesem Unternehmen diese Position allein besetzt. Hat von früh 7.00 Uhr bis meist 18.00 Uhr durchgearbeitet, keine Pausen gemacht und auch keinen Urlaub. Hat mehrere 100 Überstunden (aber sich nur aus der letzten Zeit) Sie hat quasi die Norm für diesen Arbeitsplatz absolut versaut. Zu allem Überfluss kommt sie nun auch noch 1 x pro Woche um Controling zu machen. Das ist Mobbing pur...

Ich habe das Ganze nun zwei Monate allein durchgezogen und habe pro Monat ca. 30 bis 40 Überstunden. Habe keine Vertretung, was bedeutet dass die kpl. Arbeit liegen bleibt, wenn ich versuche mal einen oder zwei Tage dieser Überstunden wieder abzubauen. Also nichts mit mal in Ruhe Abschalten etc. Zu allem Überfluss Druck von allen Seiten. Schlaflose Nächte, Heulanfälle, Panikattacken waren die Folge. Eine unüberschaubare Situation... Ein Arbeitsplatz und ein Arbeitsvolumen für eigentlich 2 Leute.

Nun habe ich mich krank schreiben lassen und möchte zum 30. September kündigen. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es geht so nicht mehr weiter.

Nun meine Fragen...

1. habe ich die Chance durch meine Krankschreibung die Sperre von 3 Monaten zu umgehen?

2. wie verhält es sich mit der Krankenversicherung, sollte ich eine Sperre bekommen? Muss ich die wirklich selber aufbringen?

3. ich habe gehört, wenn ich den Kündigungsgrund auf dem AA vorlege, dass der Fall auch beim AG geprüft wird. Wie muss ich mir das Vorstellen? Dieser würde doch so eine Situation niemals zugeben... Könnte man so wirklich etwas erreichen und eine Sperre umgehen?


Hat jemand Erfahrung mit einer ähnlichen Situation? Ich fühle mich total gefangen an so einem Terror-Arbeitsplatz, wenn meine eigene Kündigung solche Konsequenzen haben könnte.

Wäre ganz lieb, wenn mir jemand etwas dazu sagen könnte. Ich habe nicht mehr lange Zeit bis ich den Schritt durchziehe und will nichts falsch machen..

Gruß sharon

bydgo
27.09.2010, 11:28
Hallo sharon999,

1. Krankschreibung allein reicht nicht, du musst dich wegen Mobbing in Behandlung befinden bzw. der Arzt muss ein Attest schreiben, dass du aus gesundheitlichen Gründen die Tätigkeit nicht mehr ausführen kannst.

2. 1 Monat bist du nachversichert, ab dem 2. Monat zahlt die Agentur für Arbeit die Beiträge für die Krankenversicherung (bei gesetzlich Versicherten).

3. Du und der AG erhalten jeweils einen Anhörungsbogen, darin müssen verschiedene Fragen bzgl. der Kündigung beantwortet werden. (z. B. bei dir, was du unternommen hast um die Kündigung zu vermeiden).

Gruß

sharon999
27.09.2010, 18:07
Hallo und vielen Dank für Deine Nachricht,

aber ist es nicht so, dass zum Thema Krankenversicherung während der Sperrzeit auch die Möglichkeit besteht, dass man selbst in der Zahlungspflicht ist? Das habe ich jedenfalls mal gehört. Oder ist es in jedem Fall so, dass die Agentur für Arbeit diese Grundabsicherung vornimmt? Ich bin deswegen ziemlich verunsichert.

Und zum Thema Fragebogen für AG + AN. Also ich muss mich und meine Kündigung rechtfertigen, ok. Aber inwiefern wird denn der AG hier befragt? Weisst Du das zufällig? Ich kann mir halt nicht vorstellen, dass irgendein AG für einen `selbst gekündigten` AN in die Presche springt und Mobbing oder eben wie in meinem Fall auch viel zu viel Arbeit für eine Person zugeben würde. Die sprechen doch immer im eigenen Interesse und würden dann eher noch in die Richtung gehen, dass man nicht in der Lage war die Arbeit zu erledigen, denke ich. ?? Hört sich für mich von vornherein so an, als ob man hier gar keine Chance hat. Und eine Entgegenkommen vom AG habe ich wohl in keinem Fall zu erwarten, wenn ich jetzt gehe...

Seebarsch
27.09.2010, 18:19
Hallo,
zum Thema Krankenversicherung in der Sperrzeit ist das eindeutig geregelt.
Danach nimmt die Agentur ab dem zweiten Monat der Sperrzeit die ganz normale Krankenversicherung vor. Allerdings kann in diesem Zeitraum vom zweiten bis zum Ende des dritten Monats der Sperrzeit dann kein Anspruch auf Krankengeld entstehen!
Der erste Monat der Sperrzeit ist eigentlich durch eine Nachversicherungszeit bei der KK abgedeckt. Dazu sollte man sich aber bei der zuständigen KK informieren!

Zur Sperrzeit selbst:
Grundsätzlich würden Mobbing und ein Verstoss gegen arbeitsrechtliche Bestimmungen einen wichtigen Grund für die Eigenkündigung darstellen und so den Eintritt einer Sperrzeit verhindern.
Allerdings bist du dann selbst in der konkreten Nachweispflicht!
:(

sharon999
27.09.2010, 19:12
Ist ja toll wie schnell man hier Antworten bekommt.:sensationell:

Vielen Dank dafür.

Ich hatte von meinem Doc einen Krankenschein mit der Diagnose F 33.1 bekommen. Bin ja auch stehenden Fusses sofort in Tränen ausgebrochen, weil mein Nervenkostüm dermaßen angegriffen war bzw. noch ist.
Ich gehe mal davon aus, dass ich damit eventuell etwas erreichen kann. Mal schauen...

Allseits einen schönen Abend erstmal... :)

Tapir
27.09.2010, 19:15
Falls Du noch klarheit bezüglich Deiner Diagnose benötigst: ICD (http://www.icd-code.de/icd/code/F33.1.html)

Gruß, T.:)

Pharao
27.09.2010, 19:26
Hi,

ich glaube nicht das dir die Diagnose mit irgendwelchen Buchstaben & Zahlen weiter hilft, die nur ein Arzt versteht und letztendlich nur eine (wahrscheinlich) vorübergehende Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, was auch ein Schnupfen seien könnte. Wenn dann muss das schon was leserliches sein, also die Symptome oder das Krankheitsbild, was allerindings meiner Meinung nach nicht zwangsläufig aussagt das dies durch Mobbing verursacht wurde.

Mobbing ist halt immer (meine Meinung) sehr schwer nachzuweisen, da jeder das anders sieht und empfindet.

Da du in der Überschrift noch was von "verstoß Arbeitszeitgesetz" drinnen stehen hast, das ist doch sicherlich Belegbar an Hand der Zeiterfassung. Diesen Beleg solltest du dann in deiner Begründung mit reinnehmen.

Hier mal noch was das Amt dazu sagt und meiner Meinung nach noch wichtig ist:

Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn es Ihnen unter Berücksichtigung der Gesamtumstände nicht zugemutet werden kann, ein Beschäftigungsverhältnis fortzusetzen, ......

Die Anerkennung eines wichtigen Grundes setzt allerdings voraus, dass Sie alle zumutbaren Anstrengungen unternommen haben, den Grund zu beseitigen und Ihre Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder soweit wie möglich hinauszuschieben.

Tapir
27.09.2010, 19:38
...ich glaube nicht das dir die Diagnose mit irgendwelchen Buchstaben & Zahlen weiter hilft, die nur ein Arzt versteht und letztendlich nur eine (wahrscheinlich) vorübergehende Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, was auch ein Schnupfen seien könnte. .....

mit dem ICD Schlüssel wird einem schon klar, dass es kein Schnupfen ist.
Insofern glaube ich schon, dass das weiterhilft.

Abgesehen davon wäre es sicher sinnvoll, sich bei dieser Diagnose in therapeutische Hände zu begeben. Das hilft bei der Bewältigung der aktuellen Krankheitssituation und andererseits auch als Stärkung im Umgang mit dem Amt.

Eine Erkrankung, die sich aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen entwickelt hat, oder ausgelöst wurde, wird auch sicher nicht vom Amt als einfacher Schnupfen abgetan.

Gruß, T.:)

ela1953
27.09.2010, 19:56
Hallo zusammen, ich habe mich gerade erst angemeldet und bin mir nicht ganz sicher ob ich hier an der richtigen Stelle bin um meine Fragen zu äußern.

Ich versuch´s einfach mal...

Also ich bin seit knapp zwei Jahren in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in einem Autohaus. Dort wurde ich vor ca. 4 Monaten in eine andere Filiale versetzt um die Nachfolge für eine in Rente gehende Kollegin anzutreten. Die Filiale befindet sich in meiner Stadt (vorher hatte ich 60 Fahr-km pro Tag). Das klang natürlich vorab erstmal sehr positiv.

Nun ist die Situation absolut eskaliert. Meine Vorgängerin hat seit 30 Jahren in diesem Unternehmen diese Position allein besetzt. Hat von früh 7.00 Uhr bis meist 18.00 Uhr durchgearbeitet, keine Pausen gemacht und auch keinen Urlaub. Hat mehrere 100 Überstunden (aber sich nur aus der letzten Zeit) Sie hat quasi die Norm für diesen Arbeitsplatz absolut versaut. Zu allem Überfluss kommt sie nun auch noch 1 x pro Woche um Controling zu machen. Das ist Mobbing pur...

Ich habe das Ganze nun zwei Monate allein durchgezogen und habe pro Monat ca. 30 bis 40 Überstunden. Habe keine Vertretung, was bedeutet dass die kpl. Arbeit liegen bleibt, wenn ich versuche mal einen oder zwei Tage dieser Überstunden wieder abzubauen. Also nichts mit mal in Ruhe Abschalten etc. Zu allem Überfluss Druck von allen Seiten. Schlaflose Nächte, Heulanfälle, Panikattacken waren die Folge. Eine unüberschaubare Situation... Ein Arbeitsplatz und ein Arbeitsvolumen für eigentlich 2 Leute.

Nun habe ich mich krank schreiben lassen und möchte zum 30. September kündigen. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es geht so nicht mehr weiter.

Nun meine Fragen...

1. habe ich die Chance durch meine Krankschreibung die Sperre von 3 Monaten zu umgehen?

2. wie verhält es sich mit der Krankenversicherung, sollte ich eine Sperre bekommen? Muss ich die wirklich selber aufbringen?

3. ich habe gehört, wenn ich den Kündigungsgrund auf dem AA vorlege, dass der Fall auch beim AG geprüft wird. Wie muss ich mir das Vorstellen? Dieser würde doch so eine Situation niemals zugeben... Könnte man so wirklich etwas erreichen und eine Sperre umgehen?


Hat jemand Erfahrung mit einer ähnlichen Situation? Ich fühle mich total gefangen an so einem Terror-Arbeitsplatz, wenn meine eigene Kündigung solche Konsequenzen haben könnte.

Wäre ganz lieb, wenn mir jemand etwas dazu sagen könnte. Ich habe nicht mehr lange Zeit bis ich den Schritt durchziehe und will nichts falsch machen..

Gruß sharon


Ist denn diese Filiale größer, hat mehr Aufträge, wie die andere? Oder hattet ihr in der alten Filiale mehrere Angestellte für die Arbeit, die hier die eine Kraft gemacht hat?

Waren denn Gespräche über die Arbeitszeit mit dem Chef und den anderen Kollegen zwecklos?

Können die wöchentlichen Besuche vielleicht auch eine Hilfe sein und keine Kontrolle?

Oder für die Rentnerin die einzige Möglichkeit unter Leute zu kommen? Denn wenn sie 30 Jahre lang quasi nur für das Autohaus beschäftigt war, hatte sie ja kaum Zeit, ein Familienleben aufzubauen.

Um Mobbing nachzuweisen, muss man Anstrengungen nachweisen, dass es sich tatsächlich um Mobbing handelt. Aber was ist Mobbing?

Die Diagnose spricht von Depressionen. Aber die kommen nicht nur vom Mobbing.