Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zumutbar?
Hallo erstmal.
Folgende Situation: Ich war bis ende September in einen Arbeitsverhältniss. Letztes Jahr habe ich meinen Zivildienst geleistet und war unmittelbar davor weder am arbeiten noch arbeitslos gemeldet. Somit habe ich auch nichts bezogen. Daher wurde nun der Zivildienst nicht mit angerechnet und habe auch keinen anspruch mehr auf ALG1 da ich diese zwei jahre nicht vorweisen kann. Nun musste ich zwangsläufig ALG2 beantragen und wurde auf anhieb als ein Sofortangebot gehandelt. Nun soll ich auch sofort einen Ein-€-Job antreten, wobei anscheinend dieser Sofortangebot Status jetzt dafür verantwortlich ist das ich als erstes bis zu vier Wochen in der Stadtbildpflege tätig sein soll. Nun habe ich persöhnlich nichts gegen Arbeit und bin auch gerne bereit etwas für mein Geld zu tun aber bei mir bricht eine Welt zusammen bei dem Gedanken mit nen Müllmannähnlichen Anzug durch meiner Heimatstadt zu tingeln und diese sauber zu halten. Das ist aus meiner Sicht erniedrigend und stellt meinen sozialen Status von 80 auf null %. Wenn ich langzeitarbeitslos wäre oder meine Eltern ermordet hätte würde ich es ja verstehen das meine Persöhnlichkeit mit solch einer Arbeit gebrochen wird aber ich habe fast das ganze jahr gearbeitet und soll jetzt eine Arbeit verrichten die man sonnst nur aus dem Strafvollzug kennt?
Meine Frage ist einfach ob das wirklich zumutbar ist. Ich sehe einfach nur welches Bild das von mir vermittelt. Ich bin ausgelernter Maler und es könnten mich jede menge Leute traffen für die ich mal gearbeitet habe. Nun sehen die mich in dieser Position....... Was wenn ich wider eine Arbeitsstelle bekomme und genau zu diesen Leuten wider nach Haus muss um deren Wohnung zu renovieren? Penible Leute würden meinen Cheff anrufen und sagen das sie keinen Strafarbeiter von der Straße bei sich zuhause haben möchten. Das wäre das erste..... Was ist mit meinen Freunden und Bekannten? und und und.......
Ich habe mich wirklich noch nie so tief am Boden gefült und erniedrigt ist noch zu lasch ausgedrückt. Ich fühle mich wie so ein Strafgefangener in den USA der in so ein Drillcamp muss in dem seine Menschlichkeit in frage gestellt wird und gebrochen wird.
Kann ich nicht irgendwas dagegen tun? Ich sag euch ganz ehrlich, ihr seit meine letzte Hoffnung meine Würde zu erhalten. Bevor ich das mache, mache ich nichts auch auf die Gefahr hin das ich kein Geld bekomme. Diese Erniedrigung mach ich jedenfalls nicht mit denn wenn doch, bin ich mir sicher das ich ganz unten angekommen bin und mich auch so fühle. Bitte helft mir!!!!
LG Moses
:welcome: moses81,
ich bin ein Gegner von Ein-Euro-Jobs - Deine drastischen Vergleiche vermag ich jedoch nicht nachvollziehen. Mache Dich zunächst etwas vertrauter mit Sinn oder Unsinn dieser Form von "Beschäftigung". Wenn Du zu dem Ergebnis kommst Dich dagegen zur Wehr zu setzen melde Dich wieder. :)
Hier einige nützliche Beiträge:
Mit einem Ein-Euro-Jobs wird kein Arbeitsverhältnis begründet, sonder lediglich ein sog. Sozialrechtsverhältnis (Die gravierenden Unterschiede zu einem Arbeitsverhältnis können hier (http://dietercoler.piranho.de/index_vnavbar_arbeits_sozialverhaltnisse.html) nachgelesen werden.)
Für diese Beschäftigungen sind nicht nur tarifliche Regelungen sondern auch Arbeitnehmerrechte außer Kraft gesetzt, obwohl die Ein-Euro-Jobber in den meisten Fällen Tätigkeiten ausführen, die typischerweise von Beschäftigten im ersten Arbeitsmarkt erledigt werden.
Ein-Euro-Jobbern wird kein Arbeitsentgelt bezahlt, sondern die dienstverpflichteten Erwerbslosen erhalten neben ihren Bezügen von ALG II eine Aufwandsentschädigung von maximal 2 Euro pro Arbeitsstunde.
Dies ist m.E. Lohndumping und Entrechtung von Erwerbslosen.
Auch darf keineswegs verdrängt werden, dass sich rund um die Ein-Euro-Jobs ein lukratives Geschäft entwickelt hat.
Beispiel Saarbrücken, hier zahlt die Arbeitsverwaltung monatlich rund 150 Euro an private Vermittler. In Hamburg kassieren private Träger pro Ein-Euro-Job im Schnitt 440 Euro im Monat. Bundesweit flossen im vergangenen Jahr rund 550 Millionen Euro für solche Pauschalen.
Hier nachzulesen: Wer verdient an den Ein-Euro-Jobs? (http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=1235832/m0wq2r/index.html)
Zudem vernichten Ein-Euro-Jobs langfristig Arbeitsplätze regulär BeschäftigterSo sind auch in der Privatwirtschaft Arbeitsplätze durch die neue Gratis-Konkurrenz bedroht. Ingeborg Böhme hat als Geschäftsführerin der Kreishandwerkschaft Halle-Saalkreis die Möglichkeit, Einspruch gegen Ein-Euro-Jobs zu erheben, wenn sie zur Konkurrenz für Handwerksbetriebe werden. Kürzlich hat sie zum Beispiel eine ABM-Stelle bei der Kirche abgelehnt. Die Produktion von Kirchenmöbeln schien ihr doch eher ein Fall für den Markt zu sein. Im Handwerk ist dieser Auftrag dennoch nicht gelandet. Eine Jugendwerkstatt machte das Rennen – und ließ die Möbel von Ein-Euro-Jobbern bauen. Wer Ingeborg Böhme fragt, wie man die Verdrängung von Arbeitsplätzen verhindern kann, muss auf die Antwort nicht lange warten. »Weg mit den Ein-Euro-Jobs!«, fordert die Handwerksvertreterin kategorisch.
Hier ist der gesamte Artikel nachzulesen: Die Billigjobs vernichten Abeitsplätze ( http://www.zeit.de/2006/23/Ein-Euro-Jobs-neu_xml?page=all
)
Hi effge.
Deine Argumente gegen die Ein-€-Jobs kann ich eigendlich nur zustimmen. Da ich aus dem Handwerk komme, weiß ich leider nur zu gut wie sich Billiglöhner auf dem Arbeitsmarkt auswirken. Auch die Ausbäutung der € Jobber habe ich in meiner Zivildienstzeit beobachten können. Ich habe den Dienst in einem Krankenhaus im technischen Bereich abgeleistet. Das heißt z.B. Rasen mähen, schwere klamotten schleppen und wenn man zufällig ne Handwerkerlehre hinter sich hat auch sein Können billig verkaufen. Wir waren immer 5 Zivis und dazu kamen noch drei - sechs Ein-€-Jobber. Als Zivi konnte man es sich öfter mal erlauben einfach in nen stilles Eckchen zu verschwinden aber die € Männer hatten es da nicht so leicht. Die erwarteten Leißtungen lagen genau so hoch wie bei einen Festeingestellten. Außer ein Paar Hausmeißter gab es aber sonnst keine Eingestellten die sich um die anfallenden Sachen kümmerten. Zum großten Teil wären die € Jobber mit der Außenpflege und Instandhaltung beschäftigt bzw. beauftragt worden.
Solch ein Beispiel hört und sieht man leider auch viel zu oft bei dem die Billigarbeiter ausgenutzt werden bis der Artzt kommt. Vieleicht habe ich mich in meinen vorigen Beitrag auch etwas falsch ausgedrückt, denn ich wollte nicht vermitteln das ich ein Ein-€-Job beführworter ist. Dem ist nicht so.
Es gibt sachen bei denen es vieleicht nicht verkehrt wäre einen Arbeitslosen an die Arbeit zu bekommen aber wie schon bereits gesagt wird die Möglichkeit nur ausgenutzt.
Ich bin nun leider in einer Situation die mich so weit treibt das ich lieber einen "normalen" € Job ausüben würde aber wirklich aus freiem Wille würd ich auch einen solchen Job nicht antreten.
Wenn du mir also bei der Ein-€-Abzocke weiterhelfen könntest, wäre ich sehr froh. Denn wer will sich schon unter Wert verkaufen und im Kauf nehmen das man behandelt wird wie es die Schwarzen auf der Baumwollplantage mal wurden..... (soll jetzt keine Rasisstische Äußerung sein. Dient nur als Beispiel wie schlecht Menschen behandelt werden und wurden).
Gruß Moses
maternus
08.11.2006, 13:08
Vor meiner Haustür liegen einige große Wiesen, vor zwei Jahren wurden diese noch von Gärtnern mit Aufsitzrasenmähern gemäht in c.a. 6 Stunden. Seit ungefähr 30 Jahren wurden die Anlagen von Gärtnern gepflegt.
Seit einem Jahr machen dieses 1€ Jobber mit Handrasenmähern in 2-3 Tagen,
Ihr müß euch auch mal die Lärmbelästigung der Anwohner und der 1€ Jobber vorstellen ein Gehörschutz hatte keiner der 1€ Jobber.
Das € Jobs nicht dem Sinn einer Gemeinnützigen Tätigkeit entsprechen sollte für jeden klar sein. Die Jenigen die den € Job befürworten sind jene die daran verdienen bzw. sparen.
Denkt mal an die Alten Menschen unter uns die aus eigener Kraft nicht mehr in der Lage sind mal ihren Garten etwas zu säubern oder z.B. im Winter vor der eigenen Haustür den Schnee zu schüppen um nicht auf die Nase zu landen. Solchen Menschen würde etwas gutes getan wenn da die Kraft eingesetzt würde und nicht in einen Hallenbad, Krankenhaus oder Stadtreinigung die sich wie jedes Jahr sparen vorgenommen hat aber auf nichts verzichten will.
Je länger man drüber nachdenkt desto mehr wird einem Bewusst wie vielseitig die Billigkräfte eingesetzt und gekonnt ausgenutzt werden. Da passt der Slogan "Geitz ist Geil" nur haben viel zu viele erst garnicht geitzig zu sein da sie einfach nichts haben mit dem sie geitzen könnten. Viel mehr wird dieser Geitz auf einem selbst abgewellst...............
Ich möchte nicht so enden und bin mir auch sicher das auf grund meiner Mentalität der eine oder andere Ärger entstehen würde da ich mich nicht wie ein Sklave behandeln lasse. Ich bin noch guter Hoffnung das ich es aus eigener Kraft schaffe einen Arbeitsplatz finde nur gefällt mir die Zeit dazwischen überhaupt nicht. Wenns ne Möglichkeit gibt dann klärt mich auf.
Gruß Moses
Nochmal ich.
Also, auch auf die Gefahr hin das ihr mich für beklppt haltet schildere ich erstmal was ich gegen den Job getan habe.
Es ist bei mir wirklich so das mich die ganze Sache ziehmlich mitnimmt und ich wüsste auch keinen vergleichbaren Punkt in meinen bisherigen Leben an dem ich ähnlich der Verzweiflung nah war. Natürlich würde ich keinen Ein-€-Job gerne ausführen nur habe ich hier eine Freundin und ein Kind sitzen die auf das Geld angewiesen sind. Daher habe ich mich auch anfangs damit (wie wohl die meisten) einfach abgefunden. Der Ausübungsort und die Arbeit die ich aber nun laut Arge bis zu vier Wochen machen muss, würde mich für jeden hier in unsere kleinen Stadt deutlich ganz nach unten Boxen. Es ist eigendlichen jeden klar das die Stadtbildpflege hier von den Menschen ausgeführt wird die man zu späterer Stunde mit speziellen Getränken auf irgendeiner Bank auffindet. Menden ist eine ziehmlich kleine Stadt und diese Gesichter kennt hier eigendlich jeder. Nun möchte ich diese Menschen nicht unnötig schlecht reden, sondern komme einfach nicht klar damit das ich auf die selbe Ebene gestellt werde. Es ist auf jeden Fall ein heftiges Problem für mich und die Ideen die ich bekomme um da raus zu kommen sind eigendlich auch untüpisch für mich.
Da mir dies aber doch schon ziehmlich an die Psyche geht habe ich heute morgen meinen Hausartzt aufgesucht. Nun war ich schonmal sehr froh das er sehr viel Verständniss gezeigt hat und hat meine Meinung dazu auch beführwortet. Als Algemeinmediziener kann er da aber recht wenig tun. Nun habe ich hier eine Überseisung zum Seelenklemmptner lieger und hoffe darauf das er mir vieleicht eine Art gutachten macht das ich die Arbeit in dieser Form nicht ausüben muss. Kann ich wohl darauf hoffen?
Zweite Möglichkeit die mir auch mein Hausartzt vorgeschlagen hat, wäre der rechtliche Weg.
Danach würde zwar die Wahrscheinlichkeit groß sein das ich wo anders eingesetzt werde, nur würde ich das wie gesagt erstmal hinnehmen. Wenn die Chance besteht überhaupt nicht zum € Job verpflichtet zu werden, würde ich diese natürlich auch gerne nutzen. In erster Linie bedrückt mich aber die jetzige Situation und ich will da einfach nur raus.
Gruß Moses
Hallo Moses,
nun ist es leider so, dass man einen Ein-Euro-Job nicht von vornherein ablehnen kann.
Solltest Du einen EEJ „angeboten“ bekommen, wirst Du ihn zunächst auch wahrnehmen müssen – sonst drohen Sanktionen.
Aber: Schaue Dir den folgenden Thread an und Du wirst daraus entnehmen können, dass der dort Betroffene eine Art Wochenbericht über die Maßnahme angefertigt hat und wie er und sein Rechtsanwalt diese Maßnahme dann erfolgreich kippte :!: Gegen Ein-Euro-Jobs kann man/frau sich wehren (http://www.arbeitslosennetz.de/forum/showthread.php?t=15502)
Sinnvoll wäre auch, wenn Du Kontakt zu einer Beratungsstelle in Deiner Nähe aufnehmen würdest, denn ein persönliches Gespräch bzw. Kontakte mit anderen Betroffenen sind durchaus hilfreich und können Dich auch unterstützen. Du wirst dabei auch feststellen, dass Du kein „Einzelkämpfer“ bist und dies bestärkt dann doch sehr. :) Hier wirst Du hoffentlich nah an Menden eine Beratungsstelle finden: Adressverzeichnis (http://www.tacheles-sozialhilfe.de/adressen/default.aspx)
Ich wünsche Dir eine gute Entscheidung,
Gruss
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