Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neue neoliberale Spitzen
=> Die Bundesärztekammer hat mit Blick auf eine künftige Große Koalition von Union und SPD das Eingeständnis gefordert, dass nicht länger alles medizinisch Notwendige für alle Bürger finanzierbar sei.
=> Die designierte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hält es für sinnvoll über aktive Sterbehilfe in Deutschland zu diskutieren.
u.s.w.
Kommt man jetzt so langsam richtig aus dem Gebüsch ?
Wird nun die Diskussion um die Lebensberechtigung angeleiert ?
Unterschiedliche Lebenszeit für Nochbeschäftigte und Arbeitslose oder für Reiche und Arme ?
so langsam reichts ...
Hallo Ulysses,
tja, wenn man beide Meldungen so zusammengestellt sieht, hat dies schon etwas von Aldous Huxley's "Brave New World"...
rat-loser
05.11.2005, 18:43
=> Die designierte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hält es für sinnvoll über aktive Sterbehilfe in Deutschland zu diskutieren
bevor ich dazu gerne was sagen würde: bitte link zum original
Originallink existiert nicht mehr
http://www.n24.de/politik/inland/?n2005101422342500002
http://www.n24.de/politik/inland/?n2005101116242400002
http://www.netzeitung.de/deutschland/365411.html
Schneida
06.11.2005, 11:37
Hallo,
Die designierte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hält es für sinnvoll über aktive Sterbehilfe in Deutschland zu diskutieren.
Die Debatte über aktive Sterbehilfe wurde ursprünglich von den FDP-Politikerinnen angeregt.
Ich frage mich, was hinter dieser Diskussion steckt und was man eigentlich damit bezwecken möchte. Meine einzige Schlussfolgerung: Es geht um nicht anderes, als Kosten einzudämmen.
Und wo führt das hin?
In Zukunft wird der gesellschaftliche Druck auf Schwerstkranke wachsen, aus dem Leben zu scheiden, um so der Allgemeinheit Kosten zu ersparen.
Im Deutsches Ärzteblatt sagte Katrin Göring-Eckardt (Grüne): „die Zulassung aktiver Sterbehilfe würde den Druck auf todkranke Patienten enorm erhöhen. Ältere Menschen dürften sich aber nicht genötigt fühlen, „sozusagen sozialverträglich abzuleben“. Die evangelische Theologin plädierte für eine Stärkung der Palliativmedizin und Hospizarbeit.
Weiter heißt es:
Die Grünen-Politikerin kritisierte die Entwicklung in den Niederlanden. Dort werde nach der Einführung aktiver Sterbehilfe vor drei Jahren bereits darüber diskutiert, das Gesetz auf schwerstkranke Kinder und Jugendliche auszudehnen. Das sei nur möglich, weil sich die gesellschaftliche Stimmung durch die neue Regelung stark verändert habe.
Hier noch ein interessanter Beitrag:
http://www.welt.de/data/2005/10/21/791802.html
Wenn das so weiter geht, dann wird eines Tages noch darüber debattiert, ob es nicht besser sei, wenn man den Rentnern und Arbeitslosen erlaubt, bei "Rot" über die Ampel zu gehen.
rat-loser
06.11.2005, 13:14
wieso erlauben bei rot zu gehen? ich denke, ab 65, pardon: jetzt ab 67, müssen sie bei rot über die straße?
spaß beiseite, von meiner erziehung und moralischen werten weigere ich mich, einen zusammenhang zwischen kosten und sterbehilfe (ob aktiv oder nicht) herzustellen. punkt.
aber das trifft nur auf mich zu. ich kann nicht ausschließen, dass das evtl. in das kalkül irgendwelcher person, die dann m.e. aber nicht mehr klaren verstandes sein können, einbezogen wird.
btw: ich konnte bei den links keinerlei hinweise auf eine diesbezügliche verbindung feststellen.
sorry, ulysses, ich schätze deine beiträge aber ich denke, dass diese von dir angestoßene "meinungsbildung" in die falsche richtung geht und auch nicht belegbar ist (s.o.). die zwei zitate stehen in keinem zusammenhang:
(Osnabrück – 31.10.2005) - Die Bundesärztekammer hat mit Blick auf eine künftige große Koalition von Union und SPD das Eingeständnis gefordert, dass nicht länger alles medizinisch Notwendige für alle Bürger finanzierbar sei. Der «Neuen Osnabrücker Zeitung» sagte der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Christoph Fuchs: «Wie immer die nächste Gesundheitsreform aussieht und welche Wirtschaftlichkeitsreserven auch immer eine große Koalition mobilisieren kann - es wird mittel- und langfristig nicht ausreichen, um das Gesundheitswesen zu finanzieren.»
Die politisch Verantwortlichen dürften keine Illusion nähren, sagte Fuchs. «Selbst notwendige Medizin wird unter den derzeitigen Bedingungen nicht dauerhaft gewährleistet werden können.» Deshalb müsse jetzt erörtert werden, «ob wir uns Wartelisten leisten wollen, ob wir die Eigenbeteiligung erhöhen, private Vorsorge stärken und Leistungen ausgrenzen wollen». Es liege an der Politik, diese Entscheidungen am Ende eines «von ihr angestoßenen offenen Dialogs» zu fällen, sagte Fuchs.
auch an gipsy hätte ich die bitte, belege für deine schlussfolgerung zu bringen.
ich lasse mich immer gerne belehren, wenn ich falsch liegen sollte aber ich kann mich nur nochmals wiederholen: bitte gebt mir anhaltspunkte für eine diesbezügliche verbindung.
Moin,
auch ich sehe da keinen direkten Zusammenhang; es ist eine alte Diskussion, die periodisch in den Medien erneut erörtert wird.
Ulysses Zusammenstellung der Zitate hatte jedoch was und regte meine Phantasie an... ;-)
Viel wichtiger hielt ich jedoch folgendes Zitat:
Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) mahnte anlässlich des Deutschen Hospiztages am Freitag mehr Mittel für eine bessere Versorgung alter und kranker Menschen an.
rat-loser
06.11.2005, 14:34
na, da bin ich ja erst mal froh, dass ich das nicht alleine so sehe.
aber ich gehe davon aus, dass sich gipsy und ulysses hoffentlich noch äußern werden.
natürlich habe ich meine ganz eigene meinung zum thema an sich, aber ich weiß nicht, ob wir die hier in diesem forum disskutieren sollten.
Schneida
06.11.2005, 16:42
Hallo,
Hier der ausführliche Bericht unter
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=21759
siehe auch
http://www.mdr.de/kultur/418248-hintergrund-203031.html
unter "Anmoderation"
rat-loser
06.11.2005, 17:35
danke für die links, sehr interessant.
jedoch finde ich darin nichts, was "eure" meinung unterstützt, außer der lapidare satz "Die Gegner der Sterbehilfe dagegen befürchten: auf die Dauer wachse der gesellschaftliche Druck auf Schwerstkranke, aus dem Leben zu scheiden, um so der Allgemeinheit Kosten zu ersparen."
aber das ist m.e. weder politisch motiviert noch messe ich einer befürchtung irgendwelcher, nicht näher bezeichneter, Gegner in dieser dargebrachten form irgendein gewicht zu - wobei diese theorie trotz allem nicht unbeachtet bleiben sollte, obwohl ich sie so für unrealistisch halte.
wieso erlauben
spaß beiseite, von meiner erziehung und moralischen werten weigere ich mich, einen zusammenhang zwischen kosten und sterbehilfe (ob aktiv oder nicht) herzustellen. punkt.
Ich mitlerweile nicht mehr. Und das ist der Punkt.
bei rot zu gehen? ich denke, ab 65, pardon: jetzt ab 67, müssen sie bei rot über die straße?
Bis dahin spielt rat-loser noch mit: Satire !
Aber das mit der Sterbehilfe die jetzt vielleicht greifbar wird - da blockt er.
@rat-loser
Ich verstehe dass du befürchtest dass ich da Hetze betreibe. Ich verstehe dass du sogar möchtest dass ich da Hetzte betreibe. Aber:
@all
Ich hetze dort nicht sondern weise auf etwas hin was ich wirklich so sehe oder befürchte. Wenn ich mir anschaue wie unsere 'Leitkultur' wie sie sich selbst nennen agiert und wie wenig sie noch Repressalien von der Öffentlichkeit und aus dem Volk fürchten oder fürchten müssen dann halte ich nicht nur schlicht alles für möglich dann weiß ich dass alles möglich ist.
Selbst auf die Gefahr hin dass ich hier jemanden erschrecke. Wie oft haben ich und andere schon gesagt dass diese und jenes nicht sein könne und dass 'die' dieses und jenes nicht machen können - und 'sie' haben es getan und niemand hat sich wirklich aufgeregt. => Das Schweigen der Lämmer.
Wenn ich mich also umschaue und die Zeichen deute dann kann ich nur sagen es ist soweit.
Tut mit leid, gleich wie man es interpretieren will. Aber ich denke so schlecht.
rat-loser
06.11.2005, 19:14
hi ulysses,
ich habe kein problem damit - das ist dein gutes recht. und es ist m.e. auch gut, dass du auf die thematik hinweist.
ich möchte nicht, dass du hetze betreibst - wie gesagt, das ist deine sache.
ich wollte nur wissen, woher du die fakten oder die ableitung nimmst, that's all. ich mache mir dann mein eigenes bild.
und ich teile deine befürchtungen (aufgrund der bisherigen fakten) nicht. übrigens: ich bin für sterbehilfe.
Betroffener
06.11.2005, 21:31
Dazu fällt mir nur der Film "Fleisch" ein.
Meines Wissens gab es noch einen anderen, wo die älteren Herrschaften einen zauberhaften Wunschabschluß erhielten und anschliessend zu nahrhaften und wohlschmeckenden Proteinen (irgendwas in grün) verarbeitet wurden, von der sich der lebende Teil der Bevölkerung zum Teil ernährte (ohne davon zu wissen). Leider fällt mir der Titel nicht mehr ein.
So weit geht die Diskussion zum Glück noch nicht, aber die Filmwirtschaft ist vielen sozialpolitischen und anderen Themenkreisen ja immer (zum Glück) relativ weit voraus.
Hi,
"Soilent Green" mit Charlten Heston und Edward G. Robinson (der Mann, der sich "einschläfern" ließ)...
Betroffener
07.11.2005, 02:49
Effge,
genau den meinte ich. Der fing so nett und harmlos an ...
übrigens: ich bin für sterbehilfe.
Ich übrigens auch. Auch wird die Gesellschaft um die ethische Diskussion nicht herum kommen, eben schon wegen der Gerätemedizin u.a. die tatsächlich viel zu teuer wird. Nur ist es eben ein Unterschied ob jemand freiwillig geht oder das Ganze per Gesetz angeordnet wird.
Aber ich komme da gerade auf einen Gedanken der mich umtreibt in Angesicht der teilweise findigen Verdrehungen unserer Basta-Anhänger.
Wie wenn man sich nicht mehr sorgen muß wann einem das Licht abgedreht wird sondern wenn man dafür bezahlen muß dass man dann endlich nicht mehr medikamentös oder gerätetechnisch versorgt wird und abtreten darf ??
Wenn man länger darüber nachdenkt kommt man auf Sachen dass sich einem wirklich die Haare sträuben.
Und nochmal kurz was zum 'basta'
Dem "Basta-Kanzler" und dem Seeheimer Kreis (Anhänger des Basta) ging
es in jüngerer Zeit um die Zerschlagung der verbliebenen Reste der Linken
(siehe Generalsekretärgeschichte u.a.) innerhalb der SPD und nach der
entsozialdemokratisierung um die entdemokratisierung der Partei.
(wozu demokratisch abstimmen wenn ein einfaches 'basta' genügt!?)
Es steht also zu befürchten dass dieses Verhalten des basta weiterhin salonfähig
gemacht wird und die demokratische Abstimmung in Deutschland nicht mehr wirklich
so der Bringer ist (siehe Europäische Verfassung oder Aushebelung des
Betriebsverfassungsgesetzes über die Betriebsvereinbarungen - um nur schnell zwei
Beispiele aufzuzeigen).
Das wiederum bedeutet dass man in Zukunft vielleicht gar nicht so wirklich
mitbekommen würde wer wann und warum stirbt und ob das auch kostensparend
und gewinnoptimierend war.
Wenn über meinen Kopf hinweg entschieden wird ob ich tätglich 10 oder 12 Stunden
arbeiten muß ist das O.K. und ich kann noch darüber lachen. Aber wenn dann plötzlich
die medizinische Versorgung abbricht wenn es mir gerade so gar nicht passt - dann wäre
ich nämlich kein Befürworter der Sterbehilfe mehr.
Humphrey
07.11.2005, 08:48
Bei dieser Diskussion um Sterbehilfe sollte man meiner Meinung nach zwei Situationen/Motivationen so weit wie möglich auseinander halten :
a) Unheilbar Kranke, die selbst erklären (können), dass sie nicht mehr länger leben wollen
b) Unheilbar Kranke, die sich nicht mehr äußern können
Im Fall a) gehört dann zur Frage nach der Legitimität von Sterbehilfe auch die Frage, ob auf solche Menschen Druck ausgeübt wird, was ich für verwerflich hielte. Ein solcher Druck könnte auch von der Seite "Kosten" her kommen, was besonders verwerflich wäre. Wann immer eine solche Diskussion aufkommt, sollten möglichst viele Menschen ganz große "STOP"-Schilder hoch halten.
Fall b) ist der wirklich problematische - das hat man am Fall der Amerikanerin Terry Schiavo im letzten Jahr sehen können. Ganz gleich, wie gehandelt wird, wird in solchen Fälle immer ein schlechter Geschmack und/oder ein schlechtes Gewissen zurück bleiben - es sind echte Dilemmatta, in denen es keine eindeutig richtige Entscheidung gibt.
Hallo Odysseus, Sohn des Laertes und der Antikleia,
die Sozialdemokraten habe ich immer gerne als Spezialdemokraten bezeichnet.
Der Begriff Basta (und insbesondere Basta-Anhänger) hat was und gefällt mir sehr gut, denn er zeigt recht deutlich wohin auch die BP (Basta-Partei) steuert. ;-)
Ansatzweise kann ich Deine Befürchtungen nachvollziehen, denn ähnliche Gedanken plagen mich manchmal auch. Nie hatte ich Angst vor dem alt werden, erst nachdem ich mit der Realität in bundesdeutschen Alten"heimen" konfontiert wurde (meine beiden Omas mußten diese Realität hautnah durchleben), bekam ich erstmals Angst davor. Und die Situation in diesen sog. Heimen wird immer drastischer. Deswegen fand ich auch die Forderung der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, mehr Mittel für eine bessere Versorgung alter und kranker Menschen zur Verfügung zu stellen, mehr als notwendig.
Leider wird diese Forderung bei allen Bastas verpuffen.
Schneida
07.11.2005, 14:15
Hallo zusammen,
Ich denke, dass es sehr nahe liegt, wenn alle Politiker von "SPAREN", "Kosteneindämmung" und "Haushaltslöcher" reden und wenn gleichzeitig die "Frage nach der Legitimität von Sterbehilfe" auf dem Tisch kommt, welche "verborgenen" Gedanken da rotieren.
Selbstverständlich wird kein Politiker offen dazu stehen.
Manchmal muß man nur 1 und 1 addieren.
Hier noch ein sehr interessanter Link
http://www.beepworld.de/members42/irenenickelpolitik/aktivesterbehilfeua.htm
@gipsy: Danke für den Link, der ja wirklich ALLE Aspekte beinhaltet.
@all: Zum Thema Selbsttötung, welches dort auch ausführlich behandelt wird, fällt mit spontan eine Fernsehsendung (Frontal21???) ein, in dem über die drastisch gestiegenen Selbstötungen von Mitbewohnern in Altenheimen berichtet wurde. Und da spielte (so wurde vermutet) neben der Einsamkeit auch und gerade die mangelnde Betreuung und Versorgung eine entscheidende Rolle.
Beim Thema "aktive Sterbehilfe" schlagen die sprichwörtlichen zwei Herzen in meiner Brust und ich habe noch keine abschließende Meinung.
Gehe ich nur von meiner Person aus, so befürworte ich dies, gehe ich von der Allgemeinheit aus, so habe ich immer noch erhebliche Skrupel, weil dann möglicherweise Tor und Tür für allerlei Mißbrauch geöffnet sein könnten. Je mehr ich über diese Möglichkeiten nachdenke sträuben sich mir die Nackenhaare...
P.S.: Aus meinem Freundeskreis habe ich zwei Menschen verloren, die trotz Patientenverfügung noch mehrere Wochen "am Leben gehalten" wurden. Da wir alle wußten, das genau dieses von ihnen nicht beabsichtigt wurde, haben die nächsten Angehörigen selbst unter massiven Druck in den betreffenden Krankenhäusern nichts erreichen können. Soviel zu Patientenverfügungen, die anscheinend von Krankenhaus zu Krankenhaus anders ausgelegt werden.
Betroffener
07.11.2005, 16:48
Man darf den Wirtschaftsfaktor der lebensverlängernden Massnahmen in den Krankenhäusern nicht unterschätzen.
Jeder Tag mehr bringt richtig Geld und lastet die Maschinen und das Krankenhaus aus.
Wen kümmert da wirklich eine Patientenverfügung - die oftmals auch noch rechtswirksam angefochten werden kann?
Si, Dottore,
da alles über eine Beihilfe abgerechnet wurde, kam ich in den "Genuss" sämtliche Krankenhausrechnungen einzusehen.
Das war eine Menge Holz...
Das System ist faul und stinkt zum Himmel
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