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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : schwarze Schafe


Schneida
02.11.2005, 17:29
Hi,

ich bin neu hier im Forum und möchte deshalb erst einmal an alle ein herzliches HALLO sagen. :D

Ein Thema, das mir sehr auf dem Magen schlägt, möchte ich gern mal zur Diskussion stellen (hoffe, dass es nicht schon abgehandelt wurde):

Vorab: Ich zähle zu den Betroffenen, die schuldlos arbeitslos geworden sind, da die Firma Insolvenz anmelden mußte und zwischenzeitlich nicht mehr existiert. Da ich meinen Beruf sehr liebe, bemühe ich mich folglich sehr intensiv um einen neuen Job, aber (bisher) leider vergeblich.

Nun höre ich ständig in den Medien von den sogenannten "schwarzen Schafen", die ebenfalls arbeitslos sind und nebenbei noch kräftig Geld verdienen (Schwarzarbeit) und sich obendrein vielleicht auch noch im Ausland aufhalten und den Staat "abzocken" oder von den Faulenzern, die jede Arbeitsaufnahme ablehnen u. s. w.

Ich bin kein Moralapostel und denke das JEDER mich sich selbst abmachen muß, ob er sein unsoziales Verhalten vor sich selbst und seinen Mitmenschen verantworten kann.
Aber muß man es auch noch in aller Öffentlichkeit zur Schau stellen? Muß man unbedingt in den Medien bekannt geben, dass man ein Schwein ist und auf "Abzocke" macht? Sind die zu blöd, um zu erkennen, dass sie sich den eigen Ast absägen auf dem sie sitzen? Sie bringen nicht nur sich selbst in Verruf sondern auch diejenigen, die ehrbare Bürger und bestimmt arbeitswillig sind, die aber -aus welchen Gründen auch immer- keinen Job finden und somit auf das Arbeitslosengeld angewiesen sind.

Letztendlich werden doch ALLE vom Gesetzgeber über einen Kamm geschert und ALLE Arbeitslosengeldempfänger müssen früher oder später unter diesen Abzockern leiden.

Mich regen diese mediengeilen Nichtsnutzer schrecklich auf.

Betroffener
02.11.2005, 21:16
:welcome: gipsy,

Weisst Du, das Problem sind nicht diese handvoll Leute im Vergleich zu den Millionen wirklichen Arbeitslosen, sondern der ausgeprägte und zielgerichtete Rummel, der gerade und auch in den zur Objektivität verpflichteten öffentlichen Medien wie ARD + ZDF als Stimmungsmache aufgezogen wird. Die meisten von denen wissen doch gar nicht, was sie da tun. Ausserdem werden die meisten auch noch Geld dafür bekommen haben. Viele meinen auch, dass es nur Schauspieler seien - denn so blöde könne ja niemand sein.

Aber das wussten wahrscheinlich die Eltern von diesen Menschen vor 30 Jahren auch nicht (nur konnte man die damals besser tolerieren) und Arbeit war noch einigermassen reichlich da für die meisten.

Ich kann, will und darf hier nicht klassifizieren - das steht mir auch nicht zu:
Aber es scheint, das diese Gruppe Mensch genau der ist, der von manchen gerne als der typische Asoziale bezeichnet wird - also ein Teil der ehemaligen Sozialamtsklientel ist - den es immer gab und auch wahrscheinlich immer geben wird (aus welchen Gründen auch immer). Aber es gibt sie in jedem Land dieser Erde.

Schlimm ist dabei nur die immer wiederholte Aufnahme dieser kleinen Gruppe von Menschen in den Medien und die undiferenzierte und kritiklose verallgemeinernde Projektion zwecks Einstimmung auf härtere Gangarten auf das gesamte millionenschwere Heer von Menschen ohne Arbeit - ohne auch nur im Traum daran zu denken oder darüber zu berichten, warum diese vielen Millionen keine Arbeit haben können (oder nur noch 400 € Jobs) und die meisten auch nie wieder eine (vernünftige) Arbeit bekommen werden.
An einer ineffizienten Vermittlung liegt es jedenfalls nicht - eher daran, dass viele deutsche Arbeitplätze eben inzwischen woanders sind oder schlicht entfallen sind durch hohe Produktivität von Maschinen, was seit der Industrialisierung immer weiter fortschreitet.

Nur: Autos kaufen keine Autos, sondern Menschen, die sich sowas leisten können

border
02.11.2005, 23:31
Hallo da draußen,

@betroffener Recht hast Du!!!!!!!!!!!! :-)

und @gipsy, -es gibt leider immer irgendwo Menschen die nicht wissen ab wann es Zeit ist die Füße still zu halten, und wenn es nur 1% sind reicht dies dafür aus gegen den gesamten Rest zu hetzen.

aber da wir und auch Du es ja besser wissen regen wir uns darüber nicht auf und sagen allen denen die behaupten alle Arbeitslose seien faul und wollen nicht arbeiten die Wahrheit. (-auch wenn Sie sie nicht hören wollen, denn jeder von uns weiß doch wie schön es ist einen Schuldigen gefunden zu haben)

Und die Wahrheit kennen wir doch aus eigener Erfahrung leider nur zu genau.



mfg

border

Schneida
03.11.2005, 07:43
Danke für die Antworten.

@betroffener

Unter diesem Gesichtspunkt habe ich es noch nicht betrachtet. (Wahrscheinlich fehlt mir die Phantasie, um mir die abgrundtiefe Schlechtigkeit der Medienmacher ausmalen zu können.)
Aber bestimmt hast Du mit Deiner Ansicht Recht.

@ border
auch wenn ich es besser weiß, kann ich mich darüber schrecklich aufregen. Umso mehr bewundere ich Deine Gelassenheit.

joelo
03.11.2005, 09:52
Hallo, auch ich bin neu hier und möchte als Langzeitarbeitsloser (a’los seit 1.1.2002) meinen Kommentar abgeben. Ich will auch nicht mit diesen 3 bis 5 % Abzockern in einen Topf geworfen werden. Hier mein Werdegang.
28 Jahre gut verdient, eingezahlt und auch gespart. Dann wurde die Firma liquidiert und ich arbeitslos. Nach 2 Monaten Arbeitslosigkeit 3 Monate selbständig gewesen. Aufgegeben und wieder arbeitslos gemeldet. Anschließend 4 Monate Weiterbildung. Mitte 2003 kam der Tag, an dem mein Anspruch auf A’geld endete. Da ich seinerzeit geschieden war, aber in einer eheähnlichen Gemeinschaft lebte, wurde mein Antrag auf A’hilfe abgelehnt. Meine Partnerin verdiente genug (1300 €), ich hatte Gespartes und eine private Altersvorsorge. Diese sollte ich erst einmal kündigen Was ich natürlich nicht gemacht habe. Zwar Widerspruch eingelegt – jedoch abgelehnt. Jetzt bekam ich keine Leistungen mehr, musste mich aber selber bei der Krankenkasse versichern (130 € mtl.) und weiterhin Kindesunterhalt zahlen. Ein Jahr später haben wir geheiratet und ich bin nun bei meiner Frau mitversichert.
Vom AA kommt weniger als nichts. In den ganzen Jahren habe ich 4 Stellenangebote bekommen, alles nur MLM (also Schrott). Hatte versucht, eine Ich-AG zu gründen. Dies wurde jedoch abgelehnt, weil ich kein Leistungsempfänger mehr war resp. bin. Seit Mai d.J. habe ich nun einen 400 Euro-Job als EDV-Betreuer (befristet auf 1 Jahr). Vorher allerdings knapp 3 Monate für lau gearbeitet (Praktikum). Ab nächsten Januar bekomme ich zu 99% einen weiteren 400 Euro-Job. Das sind dann zwar nur noch knapp 270 Euro netto, aber egal. Hauptsache Beschäftigung. Bis dato habe ich 218 Bewerbungen geschrieben. Quasi mich auf alles, was mit Büro zu tun hat, beworben. Ohne Erfolg. Bin jetzt 48 und eigentlich ohne Hoffnung, irgendwann mal wieder einen festen Job zu bekommen. Aus meinem Beruf zu lange draußen. Fühle mich mies, weil meine Frau den größeren Part zum Lebensunterhalt aufbringen muss. Melde mich zwar alle 3 Monate noch beim AA, doch von diesen Leuten darf man nichts erwarten. Die verwalten doch nur und sehen selbst zu, wie sie mit ihrem A… an die Wand kommen.
Ich neide wirklich niemanden, der berechtigt Anspruch auf Hartz IV hat. Allerdings finde ich es nicht in Ordnung, wenn damit Missbrauch betrieben wird. :kotz:

efge
03.11.2005, 10:32
Hallo gipsy,

ich hoffe, dass Dir dieses Thema nicht weiter "auf den Magen schlägt", denn es lohnt sich nach genauem Betrachten der Realität nicht.
Das Thema ist zwar schon im Forum abgehandelt worden (http://www.arbeitslosennetz.de/forum/viewtopic.php?t=25262 - schau' mal rein - ich glaube es lohnt sich!), wird aber durch die Medien immer wieder neu entflammt und führt leider auch zu Verunsicherungen. Was ja wohl auch so beabsichtigt ist.
Über die einzig wahre Erkenntnis wird nun leider nicht täglich berichtet: Es gibt nicht genügend Arbeit bzw. es werden nicht genügend Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt.

Betroffener
03.11.2005, 13:50
Hallo Gipsy,

Unter diesem Gesichtspunkt habe ich es noch nicht betrachtet. (Wahrscheinlich fehlt mir die Phantasie, um mir die abgrundtiefe Schlechtigkeit der Medienmacher ausmalen zu können.)
Aber bestimmt hast Du mit Deiner Ansicht Recht.

Es geht nicht um die "abgrundtiefe Schlechtigkeit der Medienmacher" - die kann und will ich niemandem unterstellen, sondern man muss sich bei jedem Beitrag wirklich fragen, welches Ziel dahinter steht und aus welcher Ecke der Schuss gekommen ist und immer auch das warum gerade jetzt.
Auch die öffentlich-rechtlichen Medien sind nicht objektiv - obwohl dazu verpflichtet.

Auch durch weglassen von (vorhandenen) Szenen, Wörtern und geschicktem Schnitt und Zusammenhängen usw. entstehen vollkommen andere Wirkungen, die teilweise auch sehr bewusst genutzt werden - um bestimmte Wirkungen zu erzeugen: Abscheu, Ekel, Betroffenheit, Mitleid und was immer gewünscht ist.

Hast Du Dir die Texte in meinen Links mal "reingezogen?
Leider scheint die Welt wirklich so einfach gestrickt zu sein. Es geht nur um Geld, Macht und Einfluß, das ganze soziale drum herum ist nur vordergründiges Geplänkel als Tarnmäntelchen der wirklichen Ziele.

Schneida
03.11.2005, 16:33
@ joelo
Herzlich Willkommen :D

@ effge
Danke für den Hinweis. Ich habe mich inzwischen ein wenig eingelesen und mit erleichtertem Herzen festgestellt, dass auch andere genau so denken wie ich.
Wenn das Thema allerdings schon durch ist, dann sollte ich wohl auch keine weiteren Diskussionen anregen.

Dennoch ein Wort
@Betroffener

Wenn Mediengestalter bewußt (ich unterstelle mal keine Bosheit) und mit voller Absicht Halbwahrheiten der Öffentlichkeit präsentieren (aus welchen Beweggründen auch immer) dann sind diese Halbwahrheiten m. E. schlimmer als die schlimmsten Lügen.
Egal, ob sie damit nun "Abscheu, Ekel, Betroffenheit, Mitleid o. ä. Gefühle hervorrufen wollen....
sie äußern auf jeden Fall ihre Verachtung ....
und das ist in meinen Augen widrig.

Du hast Recht, wenn Du schreibst: "Es geht nur um Geld, Macht und Einfluß.."
Man sieht es ja leider auch in anderen Bereichen, wie z. B. bei der Nahrungskette, der Umwelt und nicht zuletzt auch bei den Politikern im Innenverhältnis u.s.w., u.s.w...
Muß man sich nicht fragen, wo das noch hinführen soll?

efge
03.11.2005, 17:04
Wenn das Thema allerdings schon durch ist, dann sollte ich wohl auch keine weiteren Diskussionen anregen.

Nein, nein, so war es von mir nicht gemeint... ;-)