Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Schnelle Einsatztruppe" für Wuppertal
Die sprachliche Anleihe aus dem Militärjargon spricht schon für sich, was sich jedoch die Stadt Wuppertal und Thomas Lenz, Geschäftsführer der Arge, ausgedacht haben, lässt nicht wirklich hoffen. :shock:
Arbeitslose Wuppertaler sollen als Stadtteilservice in den Quartieren helfen. (...) Dabei handelt es sich quasi um eine "schnelle Einsatztruppe", die bei Bedarf zügig reagieren kann. Kern des Vorhabens: Teams von vier bis sieben Personen (vor allem ältere Langzeitarbeitslose und junge Arbeitslose ohne Ausbildung) werten die Stadtteile künftig auf. Sie können zum Beispiel Schulhöfe auch nachmittags, an Wochenenden beziehungsweise während der Ferien öffnen, begrenzt Aufsicht führen und die Flächen reinigen.
Quelle (http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=135750)
Seebarsch
27.11.2006, 21:20
Ja,
so eine drohende Sanktion motiviert schon!
Wie wäre es denn mit einer "normalen" Anstellung wo doch offensichtlich Bedarf besteht?
:patsch:
Da müsstest Du mal direkt das Gründungsmitglied der Grünen in Wuppertal, langjähriges Mitglied im Rat der Stadt Wuppertal, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Stadtrat und Beiratsmitglied im Kommunikationszentrum Wuppertal e.V. "die börse" fragen.
Wenn Herr Lenz heuer noch Antworten geben kann. ;-)
Es würde auch nicht schaden mal herumzugoogeln, wer Geschäftsführerin des ehemaligen KOZ "die börse" ist, vielleicht gäbe es da auch eine "Schnittmenge" zu möglichen Einsatzorten für die "schnelle Einsatztruppe"?! ;-)
Seebarsch
27.11.2006, 22:21
Na na,
dass Du auch immer so böse denkst!
So schaffen wir die Wende nie!
Sarkasmus aus!
:-P
Wie wäre es denn mit einer "normalen" Anstellung wo doch offensichtlich Bedarf besteht?
Die Stadt Siegburg geht das Problem offensichtlich anders an und läßt sich hoffentlich nicht durch schlechte Beispiele auf dumme Gedanken bringen.
Asch-Loch und Rote Karte
… Für das Projekt will die Stadt einige zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Außendienst einstellen und auf der Basis eines 400-Euro-Jobs beschäftigen (siehe unten) .Ob jung oder in den besten Jahren, ob Student oder Rentner: Wer Erfahrungen im Umgang mit Menschen – auch in Konfliktsituationen – aufweist und aktiv am Projekt mitwirken will, kann sich bewerben.
Offensive für Sauberkeit in Siegburg (http://www.siegburg.de/cms124/aktuelles/nachrichten/2006/02/23812/index.html)
Seebarsch
28.11.2006, 14:51
Auch wenn es "nur" 400 € Jobs sind, zeigt das auch, dass es anders geht.
Hoffentlich macht das Beispiel Schule.
Ich bin mir nämlich sicher, dass die Beschäftigung über 400 € Jobs billiger kommt, als die Umsetzung in eine Maßnahme, wo der Maßnahmeträger ja auch nicht unerhebliche Beträge mitnimmt.
Andererseits denke ich, dass die "Mitnahme" durch die Träger ja auch oftmals gewollt ist und manch einem vielleicht sogar finanzielle Vorteile bringt. (Kicher)
Und genau darauf werde ich mich in einem Leserbrief an die WZ beziehen und den direkten Vergleich Wuppertal/Siegburg mit einbauen. Mal schauen, ob es bei den alten Haudegen in der Redaktion klingelt, wenn sie den Namen eines "verschollenen" Wuppertalers wieder vor Augen haben. ;-)
Nun, wie der Bundesrechnungshof in seinem Bericht (Drucksache 16/3200) feststellt,
gehen die Beträge wirklich nicht weit auseinander und versickern teilweise ungeprüft.
Die Grundsicherungsstellen gewährten Maßnahmeträgern
überwiegend eine monatliche Kostenpauschale für die
Beschäftigung in Höhe von durchschnittlich 255 Euro pro
Arbeitsgelegenheit. Sie unterließen es aber, eine Kalkulation
der Kosten anzufordern und die Notwendigkeit der
geltend gemachten Kosten zu prüfen.
Neben den übrigen Kosten der Grundsicherung fiel bei
einer Beschäftigung in Arbeitsgelegenheiten damit eine
Kostenpauschale für den Maßnahmeträger an. Hinzu kam
die Mehraufwandsentschädigung von in der Regel ein bis
zwei Euro pro Stunde, die die Hilfebedürftigen erhielten.
Insgesamt waren Arbeitsgelegenheiten damit nicht zwingend
kostengünstiger als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.
Und Zweifel gibt es dann auch mehr als genügend an den Arbeitsgelegenheiten.
Der Bundesrechnungshof hat festgestellt, dass bei fast einem
Viertel der geprüften Maßnahmen mit Arbeitsgelegenheiten
die Förderungsvoraussetzungen nicht vorlagen,
weil die Tätigkeiten nicht im öffentlichen Interesse, nicht
zusätzlich oder nicht wettbewerbsneutral waren. Bei weiteren
knapp 50 % der geprüften Fälle hatten die Grundsicherungsstellen
keine Kenntnis über Art und Umfang der
auszuübenden Tätigkeiten und möglicher Qualifizierungen.
Die Förderungsfähigkeit war damit zweifelhaft.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe aus den Quellen dieses Threads Zitate ausgewählt, in meinen Leserbrief "eingewoben" und erspare mir daher den kompletten Brief. Lediglich den Schlußsatz dokumentiere ich: Es wäre daher dringend erforderlich, wenn sich die Stadtverwaltung und der Geschäftsführer der ARGE, Herr Thomas Lenz, sich dieses Berichtes (Anm.: Bericht des Bundesrechnungshofs) annehmen würden. Dringlicher scheint es jedoch, dass der Rat der Stadt diesem arbeitsmarktpolitischen Unfug ein Ende bereitet, denn dazu wäre er in der Lage.
Seebarsch
29.11.2006, 23:27
Oh mann,
Du setzt voraus, das Rat der Stadt etwas von Politik und dann noch von Arbeitsmarktpolitik versteht!
Du glaubst wohl immer noch an den Weihnachtsmann!
Auf die Reaktionen der Presse bin ich mal gespannt, wenn sie denn kommen wo Du doch da nicht mehr wohnst.
:lol:
StephanK
30.11.2006, 07:43
Oh mann,
Du setzt voraus, das Rat der Stadt etwas von Politik und dann noch von Arbeitsmarktpolitik versteht!Damit sprichst Du ein Problem an, zu dem man sagen könnte "Wuppertal ist überall". Auch nach zwei Jahren Hartz IV scheint es mir, dass die Kommunalverwaltungen, aber vor allem die Kommunalparlamente längst noch nicht flächendeckend kapiert haben, dass Arbeitsmarktpolitik jetzt (zumindest auch) ihr Thema ist. Womöglich ist in den Optionskommunen etwas anders, aber das kann ich nicht einschätzen.
Wenn ich jedenfalls diese Stadt und ihre Kommunalpolitik anschaue (und Köln war "Modellstadt" der ARGE-Lösung), muss ich sagen, dass Arbeitsmarktpolitik nicht in umfassenden Sinn als eigene Aufgabe gesehen wird. Klar, auch hier gibt es saisonale Aufmerksamkeit und punktuelle Aktionen wie überall, sprich: die alljährliche Lehrstellenkampagne, und wenn ein größerer Betrieb dicht macht oder verlagert wird, gibt es amtliche Betroffenheit - aber es ist nichts als das herkömmliche rein reaktive Hinterherlaufen und Hinterherjammern.
Aber sonst? Außer wachsenden Trupps von 1-€-Jobbern ändert sich eigentlich nix. :x
Moin Seebarsch,
nee, nee, so gläubig bin ich nun doch nicht mehr. ;-)
Allerdings kenne ich noch einige "Würdenträger" in dieser Stadt und habe nicht nur einen Leserbrief verfasst, sondern auch noch die Ortsvereine und Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und PDS angeschrieben.
Auch wenn ein Großteil der Stadtverordneten sicher eher wie Stadtverworrene gebährden, so hoffe ich, dass vielleicht bei einigen der Groschen fällt und sie kapieren
dass Arbeitsmarktpolitik jetzt (zumindest auch) ihr Thema ist.
Versuch macht klug. :)
Seebarsch
30.11.2006, 12:10
Hallo,
ich kann versichern, dass das bei den O-Kommunen nicht anders ist.
Für drei Kreise längs der niederländischen Grenze kann ich mit Sicherheit sagen, dass hier ausschliesslich der finanzielle Aspekt vorherrscht.
Aus einem Kreis weis ich genau, dass die Städte untereinander die vorhandenen offenen Stellen geheim halten, auch wenn sie aus dem eigenen Bestand nicht besetzt werden können.
Berufliche Förderung gibt es nicht. Die hierfür vorhandenen Mittel werden in den Personalhaushalt umgesetzt oder für Eingliederungszuschüsse verwandt!
Eingliederungszuschüsse werden auch nur dann gewährt, wenn es sich um Betriebe handelt, in denen der Kreis seine Finger hat!
:patsch:
Neues aus Dunkel- bzw. Wuppertal zum Reinigungsdienst
Hier ist etwas Erstaunliches passiert:
Die Stadt unternimmt alles, um am 24. März Freiwillige zum großen Saubermachtag zu gewinnen. „Picobello“ heißt der alljährliche Frühjahrsputz, für den sich Politiker in Gummistiefeln und mit Müllsack zeigen...
Nicht unbedingt etwas wirklich "Neues", denn jedes Dorf veranstaltet mindestens einmal jährlich die Aktion "Unser Dorf soll schöner werden - sauber und rein". ;-)
Jedoch weiter im Text:
Dabei setzen Stadt, Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) und Eigenbetrieb Straßenreinigung (ESW) auf den psychologischen Effekt: Eigenverantwortung und Gemeinschaftsgefühl stärken, für Sauberkeit sensibilisieren.
Soweit, so gut.
Jetzt meldet sich aber Herr Thomas Lenz zu Wort:
Doch es ginge auch anders. Klagen über die „schmutzige Stadt“ ließen sich durch Heerscharen bezahlter Saubermänner in Grenzen halten – und das ohne großen finanziellen Aufwand der Stadt. „Wir könnten viel mehr tun. Das Personal und das Geld hätten wir“, beteuert Arge-Leiter Thomas Lenz. (...) Lenz würde sich eine stärkere Nachfrage wünschen: „Für Sauberkeit zu sorgen, ist ein leichter Einstieg für Menschen, die oft länger als zehn Jahre ohne Job waren. Es ist wichtig, dass sie sich wieder an regelmäßige Arbeit und einen geordneten Tagesablauf gewöhnen.“ Und sie haben die Chance, in eine Festanstellung übernommen zu werden.
Dies hört sich dann jedoch wieder recht löblich an:
Doch so einfach ist der Einsatz von Ein-Euro-Jobbern nicht. Sowohl die Arge als auch die Personalvertretungen achten genau darauf, dass die so genannte Wuppertaler Erklärung eingehalten wird. Sie soll verhindern, dass reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse durch die billigeren, von der Arge finanzierten Kräfte ersetzt werden. Außerdem dürfen keine Pflichtaufgaben der Stadt vom Billiglohnsektor übernommen werden.
Korresponiert jedoch m.E. hiermit wieder nicht:
Die Arge-Kundschaft ist als Reinigungstrupp an den Containerstandorten oder auf Schulwegen unterwegs. 60 Stellen sind so besetzt, noch mehr Mitarbeiter durchforsten auf Kosten der Arge die Grünanlagen, selbst an der Wupper ist die Arge längst aktiv.
Quelle (http://www.wz-wuppertal.de/?redid=148611)
Gibt es hier Menschen aus Wuppertal, gar Mitglied von Bündnis90/Die Grünen, die auf dem nächsten Kreisparteitag diesen Unsinn des Mitglieds von Bündnis90/Die Grünen, Herrn Lenz, zur Sprache bringen könnten. :shock:
StephanK
09.03.2007, 00:22
Doppelpostings in mehreren Foren sind zwar bäh bäh, aber in diesem speziellen Fall wäre vielleicht doch tacheles der richtige Ort, oder? :wink:
Kurz zur Erinnerung: Im März diesen Jahres konnten wir folgendes in der WZ, Ausgabe Wuppertal, lesen:
Doch so einfach ist der Einsatz von Ein-Euro-Jobbern nicht. Sowohl die Arge als auch die Personalvertretungen achten genau darauf, dass die so genannte Wuppertaler Erklärung eingehalten wird. Sie soll verhindern, dass reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse durch die billigeren, von der Arge finanzierten Kräfte ersetzt werden. Außerdem dürfen keine Pflichtaufgaben der Stadt vom Billiglohnsektor übernommen werden.
Offensichtlich ist diese "Wuppertaler Erklärung" nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurde.
Um das Stadion am Zoo termingerecht fertigzustellen sollen Langzeitarbeitslose "helfen".
Erstmals gibt es nun auch Widerstand seitens der Kreishandwerkerschaft und der Handwerkskammer Düsseldorf.
„Wir wollen Schaden von der Stadt abwenden, Wuppertal hat sich in der Vergangenheit oft genug lächerlich gemacht“, griff Kreishandwerksmeister Frank Seynsche die Stadtspitze heftig an.
(...)
Die Argumentation der Stadt, die Baumaßnahme sei zusätzlich und deswegen durch die Hartz-IV-Gesetze gedeckt, ist aus Handwerkersicht falsch. Die Stadt habe ja die Maßnahme offiziell ausgeschrieben. Damit sei klar, dass durch den Einsatz der Arbeitslosen in den freien Markt eingegriffen werde. Zudem sei diese Idee nicht im Beirat der Arge behandelt worden, was jedoch zwingend erforderlich sei.
Weiterer Punkt: Dadurch, dass Arbeitslose jetzt eingesetzt würden, fahre die Stadt die externe Vergabe zurück, was der so genannten Düsseldorfer Erklärung aus dem Jahr 2004 widerspreche. In der Summe fürchten die Handwerker, dass das Verhalten der Stadt Wuppertal landesweit die Schleusen öffne – und immer mehr Langzeitarbeitslose die Jobs von Betrieben übernähmen. „Die Stadt verstößt gegen die Spielregeln“, monierte Zipfel.
Quelle (http://www.wz-wuppertal.de/?redid=161780)
Interessant ist auch zu beobachten, dass die Monopolzeitung WZ hier eine kritische Betrachtungsweise zulässt und der Kommentator deutliche Worte findet.
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