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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Armutsgrenze - mal über die Grenze geschaut


Seebarsch
13.12.2006, 14:37
Schlange stehen für Lebensmittel
Den Haag. Immer mehr Niederländer sind hilfsbedürftig und holen sich kostenlose
Lebensmittelpakte ab. Bei den Verteilstellen der so genannten „Lebensmittel-Banken“
Gibt es im ganzen Land lange Warteschlangen.
Pro Woche werden derzeit 12.000 Pakete an Familien ausgegeben, die unterhalb des Existenzminimums leben.
Für eine Familie mit zwei Kindern ist die Armutsgrenze mit 250 Euro pro Monat für
die Beschaffung von Nahrung und Kleidung definiert.
Weil die Nachfrage immer noch stärker wachse als Hilfe verfügbar sei, haben einige der Lebensmittel-Banken Wartelisten für neue Empfänger eingeführt.
Quelle:
NRZ vom 13 Dezember 2006 – Wir am Niederrhein – BLICK NACH HOLLAND

Mike46
13.12.2006, 16:16
Hallo,

was soll das denn ? Sollen wir nun froh sein über dir großzügige deutsche Regelung oder was ?

Aus welcher neoliberalen Nebelkerzenfabrik kommt denn auf einmal diese Meldung ? Na, da bin ich aber froh in Deutschland zu sein, Gott sei Dank. Und was bin ich froh über die Höhe des ALG II, ich will auch nie wieder meckern. Und erst Recht über die EEJ's, wie gut habe ich es doch hier.

War dar nicht vor kurzen noch was über die Holländer, ich glaube über das tolle Wirtschaftswachstum dort. Ach ja, war da nicht auch was über die wenigen Arbeitslosen, quasi Vollbeschäftigung und wie alle Arbeitgeber in Holland händeringend nach Arbeitnehmern suche und gern auch ältere Deutsche einstellen würden, wenn die denn nur wollten, ja ja.

Und nun, die armen Oranjes, über Nacht völig verarmt ? Ja ja, so plötzlich kann's kommen. Wer hätte das gedacht. Tcha, tcha, tcha.... wat gift det net ools.

Meine Grundregel : Immer fragen, wer etwas davon hat, speziell von einer solchen Meldung, ansonsten glaub ich natürlich alles was in der Zeitung steht und inder Glotze läuft, natürlich, was sonst.

Jetzt kommen also die Ablenkungskampangen wegen der MwSt. Erhöhung zum 01.01.2007. Paßt ja prima, erst 'Kaufrausch' dann 'Warenmangel, alles ausverkauft' nun 'Holländer hungern' und '250 EURO Lebendsunterhalt für eine 4 köpfige Familie im Monat reicht' und was kmmt als nächstes ?

Warte einfach ab, der 01.01.07 kommt so oder so, egal was das MINIWA dazu absondert.

Ist noch keinem von Euch aufgefallen, dass bei T-Com seit Anfang Dezember jeden Tag eine neue tolle Botschaft erscheint. Wachstum, Wachstum, Jubel, Jubel, Arbeitslosigkeit besiegt, Familien gehts es ab nächstes Jahr besser.

Das kommt mir so vor als hätten sie unseren Politikern die Sohlen vorne angenagelt, seit dem geht es bei denen immer nur bergauf.

Mit ungläubigen Gruß, Mike

StephanK
29.12.2006, 16:43
Na ja, so "jubel, jubel" ist diese Zeitungsnotiz eigentlich nicht, denn sie beschäftigt sich schließlich damit, dass immer mehr Leute trotz der Leistungen für Arbeitslose Unterstützung durch private Wohltätigkeit brauchen.

Wenn man sich mal den Grob-Überblick über die niederländischen Regeln auf der Seite des Protals für berufliche Mobilität in Europa (http://ec.europa.eu/eures/main.jsp?catId=2522&acro=living&lang=de&parentId=2360&countryId=NL&living=) ansieht, erinnert einen vieles an die deutsche Regelung in den Vor-Hartz-Zeiten. Und die war nicht so schlecht - allerdings genau so wenig "armutsfest" wie es die niederländische zu sein scheint.

Seebarsch
29.12.2006, 17:46
Für mich sind die Niederlande ein liebenswertes Land mit einem liebenswertem Volk. Das Sozialsystem ist nicht gerade das schlechteste.
Aufgrund der doch weitgehend calvinistischen Prägung kennen die Niederlande allerdings kein Erbarmen mit Menschen, die sich an die gegebenen Regel nicht halten.
Der Verlust des Arbeitsplatzes aus Gründen die man selbst zu vertreten hat, oder die Ablehnung von zumutbaren Arbeitsangeboten führen ohne Umweg zur Suppenküche.
Die halten sich dabei nicht mit Sperrzeiten oder Minderungen auf, sondern entziehen die Leistung komplett.
Das Problem ist wie überall darin zu sehen, dass man die in Europa bestehenden Sozialsysteme nicht vergleichen kann.
Da sieht man dann jeweils das, was man sehen will.
Helfen würden hier zumindest europaweite einheitliche Sozialstandards.
:?

StephanK
29.12.2006, 18:06
Helfen würden hier zumindest europaweite einheitliche Sozialstandards. :?Ganz vorsichtige Ansätze in dieser Richtung (http://www.europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c10521.htm) gibt es ja, aber leider ist das noch ein äußerst zartes Pflänzchen. Angesichts der sehr unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der einzelnen Volkswirtschaften erscheint eine weitreichende Koordinierung momentan auch kaum vorstellbar.
Allerdings wäre schon einiges erreicht, wenn man sich wenigstens auf einheitliche Begriffe einigen könnte. Ein Blick z.B. in die europäische Arbeitslosigkeitsstatistik (http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page?_pageid=1996,39140985&_dad=portal&_schema=PORTAL&screen=detailref&language=de&product=SDI_MAIN&root=SDI_MAIN/sdi/sdi_ed/sdi_ed_emp/sdi_ed1431) zeigt die Unterschiede und die daraus erwachsenden Probleme. Ich weiss nicht, ob die von Deutschland an EUROSTAT gemeldeten Zahlen alle nicht arbeitenden Menschen bis zum Alter von 74 (!) erfassen, glaube es aber kaum.

Seebarsch
29.12.2006, 18:19
Wenn mich nicht alles täuscht wurde anfang des Jahrtausends durch die Europäischen Gewerkschaften mal ein Vorstoss vorgenommen, der auf dem kontinentalen Festland Anklang fand, aber auf der Insel bei den Briten nicht so gut ankam.

Die BA meldet meiner Meinung nach auch immer wieder die Arbeitslosenquote nach dem europäischen Standard. Die ist immer etwas niedriger als die Bundesdeutsche.
Das wird wahrscheinlich auch an der Definition des Begriffes "Arbeitslos" liegen.
Zur genauen europäischen Defintion habe ich nichts gefunden.
:confused: