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KingEddy77
13.12.2006, 23:39
Ich bin zur zeit Alg2 Empfänger und kriege kein Einstiegsgeld.
Habe aber ein´sehr gutes Konzept und laut den Mitarbeiter der Hausbank für Existenzgründer (Darlehen) sehen die Aussichten erfreulich aus.
Ich habe jede menge Fragen
1.Welche Versicherungen sind Pflicht als Selbständiger (Einzelunternehmen) ?
2.Wer schreibt mir eigentlich die AGBs für die Verträge ?
3.Wann sollte man das Gewerbe genau anmelden ? ( Ich kann alles vorher alles vorbereiten ohne Gewerbeschein)
4.Gibts es Sachen worauf man besonders achten muß wenn man selbständig ist ?
StephanK
14.12.2006, 07:57
:welcome: Eddy,
im Moderatorenteam gibt's auch einen Fachmann für Fragen rund um Selbständigkeit, der aber derzeit leider krank ist. Ich kann nur unvollständigen Ersatz bieten. Dies vorausgeschickt:
Zu 1: Rechtlich verpflichtend ist gar keine Versicherung. Die Frage ist aus meiner Sicht also, welche Versicherungen sinnvoll sind. Meiner Meinung nach:
a) MUSS: Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung, die auch beruflich verursachte Schäden abdeckt
b) WÜNSCHENSWERT (aber wahrscheinlich teuer): Betriebsausfallversicherung
Zu 2: Dafür wirst Du um einen Rechtsanwalt oder Notar nebst den dafür fälligen Vergütungen nicht herumkommen.
Zu 3: Das ist gesetzlich geregelt: gleichzeitig mit dem Beginn des Gewerbes, § 14 Abs. 1 Gewerbeordnung.
Zu 4: Bestimmt 1000 ! :wink: Was mir einfällt: Kümmere Dich rechtzeitig um die steuerliche Seite und mach Dich mit dem Besteuerungsverfahren vertraut, um nicht unangenehme Überraschungen von Seiten des Finanzamts erleben zu müssen.
Hallo,
ich bin auch selbständig und das seit über 20 Jahren. Also wenn Du Dich aus dem ALG II heraus selbständig machen möchtest, gibt es dafür durchaus Fördermöglichkeiten. Aber nur wenn Dur zuvor abhängig beschäftigt wartst. Dann kannst Du durchaus mit Deinem Berater bei er ARGE drüber sprechen.
Idiotischweise hast Du jedoch keinen Anspruch auf diese Förderung, wenn Du vorher selbständig warst. Das ist wie der ganze unausgegorene Mist den die mit dem SGB II eingeführt haben. Also ausgerechnet der Personenkreis, der eigentlich besonders zur Aufnahme einer neuen selbständigen Tätikeit geeignet wäre und bereits über das nötige know how verfügt, ist von der Förderung ausgeschlossen. Dass schafft Arbeitlose und nicht Arbeitsplätze.
Genauso wie dieser Personenkreis jetzt ja vom ersten Tage als Langzeitarbeitslos gilt obwohl er ja vielleicht bis gestern selbstständig war.
Aber das ist der ganz normale Wahnsinn in diesem durchgeknallten System.
Also, erst mal mit Deinem FM 'Fallmanager' besprechen.
Geschäftsplan aufstellen, Idee, geplante Umsetzung, Finanzierungsvorstellung, Gewinnerwartung. Aber bitte nicht zu hoch ansetz ansetzen. Bleib realistisch.
Geschäftsplan beim FM einreichen
Und nun unbedingt eine neue EV verlangen in welcher dies alles enthalten ist und unbedingt um eine realistische Zeit zur Umsetzung verlangen.
Von Dir kann keiner verlangen, dass Du bereits in den ersten Monaten echtes Geld verdienst.
Hast Du diese EV erhalten, in der Du Dich z.B. verpflichtest der ARGE monatlich über den Fortgang Deiner Selbständigkeit berichtest, kannst Du loslegen. Übrigens hat die ARGE ein nicht geringes Interesse an Deiner Selbständigkeit. Erstens gilst Du dann nicht mehr als Arbeitslos, es lebe die Statistik, zweitens tauchst Du quasi als 'vermittelt' in der Erfolgsstatistik Deiner ARGE auf und drittens erhofft sich die ARGE ja schließlich den schrittweisen Ausstieg in dir Unterstützung.
Gehe zu Deiner Amtsverwaltung (Gewerbeamt) und lasse Dir einen Gewerbeschein austellen. Den brauchst Du z.B. um bei Großhändlern Ware einzukaufen. Dann sprich mit dem Finanzamt. Vielfach ist es besser eine Quartalsweise oder auch jährliche Umsatzsteueranmeldung abzugeben.
Dann gilst Du nämlich nicht mehr als Kleingewerbetreibender und mußt auf Deinen Rechnungen die Mehrwertsteuer ausweisen. Das macht natürlich gegenüber Deine Kunden einen besseren Eindruck.
So, und nun zu dem ganzen Quatsch von wegen Versicherungen, Beratern und so. Mein unbedingter Rat: Halte Dich unbedingt von allen Beratern fern. Diese wollen Dich kaum beraten, sondern hauptsächlich an Dir verdienen. Und das kannst Du Dir zu Anfang Deiner Selbständigkeit üerhaupt nicht leisten. Laß unbedingt die Finger davon. Auch einen Steuerberater brauchst Du zu Anfang nicht, Finger weg. Das bisschen was da an Steuerkram zu machen ist, kannst Du selber. Und wenn nicht, solltest Du Dich ohnehin nicht selbständig machen, dann klappt's eh nicht.
Denk dran, ein Steuerberater kann ja lediglich versuchen zu hohe von Dir gezahlte Steuern zu minden. Und welche sollten das wohl sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, das es allemal billiger ist, etwas zu viel Steuern zu zahlen, als 500 EURO zu sparen und ein paar Tausend EURO für den Berater zu zahlen. Reine Milchmädchenrechnung.
Zu den Versicherungen. Denk dran, Du hast zu Anfang kein Geld. Und damit natürlich erst recht kein Geld über. Also Finger weg von den Versicherungen. Die nützen Dir im Ernstfall doch erst Recht nichts.
Auch eine Krankenversicherung wirst Du Dir zu Anfang leider kaum leisten können. Diese ist zwar wichtig, aber erstmal mußt Du da auf eigenes Risiko allein durch. Wenns dann läuft kanst Du sie immer noch abschließen.
Und so groß 5st das Risiko ja nicht. Wenn Du auf die Nase fällst, landest Du ja automatisch sofort beim ALG II und bis damit vom ersten Tag an Pflichtversichert.
Laß Dir bitte nichts vormachen, Du bräuchtest zu Anfang gleich einen ganzen (kostenpflichtigen) Beraterstab und diverse Versicherungen. Dieses Geld hast Du nicht. Und um Unternehmer zu werden, mußt Du nun auch mal das Unternehmerische Risiko tragen, das kann Dir niemand abnehmen.
Es wäre auch noch zu prüfen, welches Geschäftsrisiko Du eingehen wirst. Z.B. bei einem Bonbonladen ist es höchst unwahrscheinlich, daß Du jemals eine ernstzunehmende Haftung gegenüber Deiner Kundschaft eingehen wirst. Bei einem Handel mit Computern z.B. ist das schon etwas anderes.
Bedenke also Dein Risiko. Du haftest ja als Selbständiger immer mit Deinem gesammten Privatvermögen für eventuelle Schäden.
Wenn es aber ohnehin kein Privatvermögen gibt und Du keine Angst haben mußt, ist es eh egal. Ansonsten solltest Du dich mal über eine englische Limited schlau machen. Das ist eine juristische Person, die Quasi Deine Haftung trägt. Du selbst haftest dann für gar nichts mehr. Falsch, stimmt nicht, Du haftest dann noch mit Deiner Gesellschaftseinlage, also mit 2,50 EURO. Aber auch dort gibt es unendlich viele Fallstricke. Dieses Thema würde diesen Thread sprengen.
Viel Erfolg, Mike
KingEddy77
14.12.2006, 19:27
Ich bedanke mich herzlichst über eure Info. Leider hat sich heute eine änderung ergeben.
Fang am 18.12 einen vollzeit job an will aber trotzdem selbstständig tätig sein. zeitlich ist das vereinbar.
1. Welche Rechtsform ist angebracht ?
2. Wie siehts Versichrungstechnisch aus ?
3. Selbstständig als Nebengewerbe ? Und wird das Einkommen angerechnet ... ?
Scheiß Bürokratie ?
Danke im voraus
Hallo KingEddy,
also erstmal solltest Du natürlich mit Deinem neuen Arbeitgeber klären ob der auch damit einverstanden ist. Das würde ich mit schriftlich geben lassen, gerade bei einem neuern Vollzeitjob wie Du ja selbst schreibst.
Und dann noch selbsständig. Aber wenn das abgestimmt ist, warum nicht.
Die Rechtsform hängt wohl hauptsächlich vom Kapital und Risiko ab.
Da müßtest Du schon sagen was Du so ungefähr machen willst. Ob Du Einnahmen aus dem Privatbereich haben wirst, oder aus dem Firmenbereich, dann wie hoch die Werte und das Risiko der einzelnen Aufträge sein werden. Daraus kann dann das Risiko für Dich und Deine Selbständigkeit ermittelt werden.
Und das vorhandenem Startkapital spielt natürlich auch eine erhebliche Rolle.
Das Gleiche betrifft Versicherungen, welches Risiko hast Du bei Deiner Selbständigkeit. Im Prinzip müßtest Du dich dann allerdings privat krankenversichern, geht auch bei den normalen Krankenkassen, mußt Du dich erkundigen.
Das Einkommen muß natürlich zusammen mit Deinem regulären Einkommen in einer jährlichen Einkommemssteuererklärung veranlagt werden.
Du bist in diesem Fall verpflichtet, jährlich eine Einkommenssteuererklärung abzugeben. Die anderen Steuern und Abgaben erfolgen natürlich unabhängig von deinerm Erwerbseinkommen nach den jeweiligen Steuerterminen. So z.B. Umsatzsteuer, Gewerbesteuer usw. je nachdem was Du machst und welche Gesellschaftsform Du hast.
Gruß Mike
KingEddy77
14.12.2006, 23:09
Habe ich den immer noch anspruch auf den Mikro kredit ?
Hab ja kein Eigenkapital.
Selbstständig im bereich internet reisen mehr kann ich dazu nicht sagen (ist eine marktlücke so wie ich es betreiben will).
Was die Versicherung angeht ... kann ich immer noch gesetzlich pflichtversichert bleiben ... wenn ich die versicherung komplett bezahle ?
Und wo wird das abgezogen von meinem Vollzeit Job gehalt oder von meiner selbststänigkeit ?
Die Selbstständigkeit kann ich von zu hause betreiben.
Kann ich als Unternehmensform Einzelunternehmer angeben ?
Fragen über Fragen ...
Hallo King Eddy,
also erstens hast Du mit Sicherheit keinen Anspruch mehr auf den 'Micro' Kredit, Du hast ja wie Du schreibst eine Vollzeitstelle und bist nun nicht mehr arbeitslos. Falls Du Kapital benötigst, kannst Du höchstens ein 'normales' Start up machen, also eine normale Firmengründung welche u.U. mittels Bankkredit, dieser abgesichert durch eine KFW Bürgschaft, finaziert wird. Da sprichst Du am besten mit Deiner Bank. Ohne Hausbank die das ganze unterstützt hat auch die schönste KFW Bürgschaft keinen Sinn.
Erstelle also ein fernünftiges schriftliches Konzept und gehe damit zu einem Geschäftskundenberater Deiner Bank. Stelle ihm Dein Konzept vor und überzeuge ihn von der Realisierbarkeit und dem erwarteten Gewinn.
Hast Du das geschafft, also grünsLicht von Deiner Hausbank, kannst Du mit ihm alles weitere vereinbaren. Du erhälst dort dann alle notwendigen Unterlagen betreffend Bürgschaft durch die KFW.
Wenn Du Irgendwas im Bereich Internetreisen machen willst, mußt Du Dich unbedingt über das von Dir maximal einzugehende Risiko schlau machen, vermutlich brauchst Du sogar rechtlich einwandfreie allgemeine Geschäftsbedingungen, die sogenannten AGB's auf deren Basis Deine Geschäfte betrieben und natürlich das Risiko begrentzt, oder wenn möglich ausgeschlossen werden sollen. Das allerdings kostet Geld, da brauchst Du natürlich einen Fachanwalt zu. Lasse Dich dazu wenn möglich fachlich beraten, gibt es einen Berufsverband für die Sparte, dann erkundige dich da. Ansonsten bleibt Dir noch dir IHK
Schlau machen mußt Du Dich schon selber, es gibt da mit Sicherheit keine Patentrezepte, gerade im Bereich Internethandel etc. gibt es viele Fallstricke und Fehler die Du machen kannst. Gerade das Internet bietet Dir ja die Möglichkeit einen riesigen Kundenkreis zu erreichen, aber im Gegenzug kann natürlich auch jeder exakt verfolgen was Du machst und prüfen, ob das jeweils rechtlich einwandfrei ist.
Als Firmenform bietet sich natürlich zum Anfang ohne Kapital erstmal die Einzelfirma an. Allerdings trägst Du auch das volle Risiko und zwar mit Deinem gesammten Vermögen.
Um dies zu begrenzen, bzw. sogar völlig auszuschließen gibt es verschiedene Firmenformen. Heutzutage z.B. die englische Limited, welche mit geringen Eigenkapital Dein Haftungsrisiko nahezu ausschließt. Aber das ist sehr speziell, da solltest Du Dich erst recht umfassend beraten lassen.
Fang am besten mit Deiner Hausbank an, wenn Du die im Rücken hast kannst Du weiter sehen. Falls Du es nicht schaffst die zu üerzeugen, versuche es noch mit weiteren Geschäftsbanken. Falls da nicht, versuche es mit Sparkassen.
Wenn ich überlege, was ich mir damals die Hacken abgerannt habe, bis ich eine geeignete Bank (bei mir wars damals eine Sparkasse) gefunden hatte, die bereits war mich zu unterstützen. zum Schluß konnte ich mein Konzept auswendig, hatte inzwischen alle möglichen Einwände und Risiken berücksichtigt und habe damit zum Schluß den Firmenkunden Berater überzeugt. Danach ging in Punkto Finanzierung fast alles wie von selbst.
Gruß Mike
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