PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frohe Weihnachten II


ulysses
23.12.2005, 12:15
Von Manfred Bleskin

Vnd als sie daselbst waren / kam die zeit / das sie geberen solte. Vnd sie gebar jren ersten Son / vnd wickelt jn in Windeln / vnd leget jn in eine Krippen / Denn sie hatten sonst keinen raum in der Herberge. (Mat. 1., 6-7)

Das aber nun ist 2005 Jahre her. Was hat sich geändert seit jener Zeit, als Joseph samt seinem Weibe in der kleinsten von Judäas Städten herumirrte, um einen Platz zu suchen, da Maria niederkommen konnte und niemand ihnen in Bethlehem Herberge gab, bis dass sie einen Stall, andere sagen, eine Höhle, zugewiesen bekamen?

Vieles hat sich geändert, und es hat sich zum Guten geändert. Vieles nicht. Zuviel nicht. Wir feiern die Weihnacht der Überlieferung zufolge, weil ein Kind das Licht der Welt erblickte, das später Nächstenliebe bis zur Selbstverleugnung predigte und praktizierte, bis dass sie ihn ans Kreuz schlugen.

Gerade um die Kinder sollten wir uns sorgen in diesen Tagen, da vielerorts Krippen aufgebaut werden, in denen ein pausbäckiges Jesuskind strahlend in den Winterhimmel blickt.

Die Augen vieler Kinder strahlen nicht. Weltweit nicht, und auch im reichen Deutschland nicht. Kinderarmut ward noch vor Jahren als Unsinn abgetan, als spinnerte Übertreibung besserwisserischer Soziologen.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Eine aktuelle Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF zeigt, dass sich die Situation von Kindern in 17 von 24 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (OECD) verschlechtert hat. Mit 2,7 Prozentpunkten ist Kinderarmut hierzulande seit 1990 stärker gestiegen als in den meisten anderen Industrienationen. Jedes zehnte Kind lebt bei uns in relativer Armut, das sind mehr als 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Was erleiden diese Kinder, wenn ihre Augen nicht strahlen an diesen Feiertagen, sondern sie die Augen schließen, weil sie geblendet sind von all dem Blendwerk, Tränen fließen, Wut sich aufbaut, Neid, ja Hass auf die anderen, die all das haben, was sie nie besitzen werden? Werden sie Nächstenliebe predigen und praktizieren, denn sie erwachsen sind? Wen werden sie später wählen? Werden sie überhaupt wählen? Werden sie warten, bis ihnen andere etwas geben? Oder werden sie es sich einfach mit Gewalt nehmen? Was geht in Eltern vor, die, arm und selbst noch halbe Kinder, Säuglinge zu Tode quälen, verhungern lassen?

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Apk 2, 29). In diesem Sinne: Frohe und besinnliche Weihnachten!

Adresse:
http://www.n-tv.de/616380.html