Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 2006
Was wenn 5 000 000 Bedarfsgemeinschaften also ca. 10 000 000 Betroffene plötzlich
merken was sie zu verlieren haben ? Was wenn diese merken was die Verantwortlichen
dieser Nation, also die welche die eigene Mutter für ein paar Euro verkaufen, zu verlieren
haben ? Was wenn die 10 000 000 Betroffenen plötzlich entdecken welche Macht sie
haben ? Was wenn sie merken dass das Grundgesetz auf ihrer Seite ist ? Was wenn
sie einem Volksbegehren nie gekannter Art zu Gehör verhelfen ?
Was nun wenn sich 2 000 000 Haferflocken und trockene Nudeln fressender Hartz-IV
Empfänger z.B. in einem kaltem Winter auf die Gasprom-Leitung setzen ? Was nun wenn
sich weitere 2 000 000 der vom öffentlichen Leben ausgeschlossenen auf die Autobahn
setzen und von den Staufahrern die neusten kulturellen Ereignisse abfragen ? Was nun
wenn sich wieder weitere 2 000 000 der als Schmarotzer gekennzeichnete und die
Nation schädigende Betroffene auf die kalten Eisenbahn-Schienen setzten um zu prüfen
ob die letzte Jeans schon wieder ein paar Löcher mehr hat ? Was wenn wiederum weitere
2 000 000 Betroffene das Schränkchen verschließen in dem Frau M. das Toilettenpapier
findet und die Dame vom Pott 'runter will ? Was wenn die übrigen 2 000 000 Betroffenen
Herrn Sch. den Mund verschließen damit er keine Panzer des Heeres gegen die
10 000 000 Betroffenen schicken kann ?
Dann finden sich offenbar die wahren Gewinner und Verlierer der Hartz-Reformen.
Hoffen wir das Beste !
ulysses
StephanK
28.12.2005, 09:24
Ein interessantes Szenario, aber ich fürchte, dass es eine Phantasie bleiben wird.
Warum?
1) Weil die Auspowerung durch Hartz IV ein allmählicher, schleichender Prozess ist. An solche schleichenden Prozesse gewöhnt man sich, leider. Diesem Prozess fehlen Ereignisse wie (kleiner historischer Rückblick) der Schah-Besuch (1967), die Stationierung von Mittelstreckenraketen (1977), der Super-GAU in Cernobyl (1986), die als Kristallisationskerne für Wut und Protest dienten.
2) Bei den genannten Beispielen war klar, dass der/die Einzelne ohnmächtig ist und nur möglichst Viele gemeinsam etwas bewirken können. Die Arbeitsmarktmisere vereinzelt, weil jede/r eine, wenn auch vielleicht nur winzige, Chance sieht, ja vielleicht doch noch Arbeit zu finden, denn um die viel zu wenigen Arbeitsplätze kämpft jede/r für sich.
Oder :?:
Einer, der zu reden versteht, blickt plötzlich auf und denkt laut nach.
Nur einer. Einer der die Sprache des Volkes spricht und das sagt was
alle gerne denken würden. Nur einer; der sie aber alle erreicht, mit
seinen nachgedachten Worten - und schon hallt es: Stampede !
Und 10 000 000 trampeln los. Ein Messias würde genügen, nur einer.
Das weiß die Bande da oben. Und deshalb haben sie auch eine Haiden-
angst. Deshalb möchten sie ja die Überwachungssysteme um recht-
zeitig den Kopf einziehen zu können. Deshalb möchten sie ja die
Bundeswehr um wenigstens noch das Klopapier zu den Bonzen bringen
zu können. Trotzdem ist 2006 schon wieder totgesagt, jedenfalls wenn
ich zwischen den Zeilen lese. Sie haben Zeit, viel Zeit. Keiner will vor
Angst das zunichte machen was so langatmig aufgebaut wurde.
Trozdem haben sie gemerkt dass es ganz so auch nicht lange funktioniert.
Aber keine Angst. Ich und die anderen mögen es auch lieber ruhig. Was
soll die Aufregung ? Die Haferflocken laufen nicht weg.
Übrigens, 2006 soll ja das Jahr Vermittlung werden. Also ruhig Blut.
Fast 3 000 000 Ungelernte die per Kombilohn in Jobs vermittelt werden
von denen bis jetzt noch keiner auch nur eine vage Vorstellung hat - und
der Rest eben.
2006 wird das Jahr der promovierten Gurkenpflücker - aber ruhig.
rat-loser
28.12.2005, 19:26
wie hieß noch der schöne spruch - von marx war er glaube ich, oder war es lenin - den ich so gerne in abgewandelter form benutze:
"bevor die deutschen einen bahnsteig besetzen, kaufen sie ihn lieber"
...jetzt aber keine flames, dass das original anders lautet....
Hallo rat-loser,
keine Panik, ich werde das Originalzitat nicht erwähnen.
Es war Lenin!
Hätte je ein Deutscher dies von seinen "Landsleuten" sagen können? ;-)
StephanK
29.12.2005, 08:14
Thilo & Frank, warum in abgewandelter Form? Ich denke, die Deutschen würden immer noch vorher eine Bahnsteigkarte kaufen, wenn es die noch gäbe :wink:
Und deshalb haben sie auch eine Haiden-
angst.Ich spieße selten anderer Leute Schreibfehler auf, aber bei dieser Steilvorlage kann ich nicht anders: Sie sollten eine Haiderangst haben - obwohl ich nicht glaube, dass noch mal ein Österreicher die deutsche Politik auf den Kopf stellen wird. Es ist auch kein Deutscher mit "messianischen" Talenten in Sicht. Natürlich sind sehr viele Leute "offen für Vereinfachungen", aber ebenso viele wissen (glaube und hoffe ich), dass es keine einfachen Lösungen gibt.
gazelleklaus
07.01.2006, 14:29
Hallo Stephan,
die Möglichkeit, daß ein zweiter ( eigentlich dritter) "Messias" erscheinen könnte erzeugt ein flaues Gefühl in meinem Magen. Ich gehe ja nicht davon aus, daß es so weit kommt. Aber warum sollte sich das nicht wiederholen? Mit einem anderen Hintergrund als vor 72 Jahren.
Die Unzufriedenheit der Regelsatzbezieher wird immer größer, die Chancen auf einen Job durch die Globalisierung immer schlechter. 2006 ändert sich da auch nichts und wir freuen uns schon auf 19% in 2007. Tübe Aussichten :sad:
"Optimist: Ein glücklicher Dummkopf"
Gruß Klaus
StephanK
07.01.2006, 15:51
Ich gehe ja nicht davon aus, daß es so weit kommt. Aber warum sollte sich das nicht wiederholen? Mit einem anderen Hintergrund als vor 72 Jahren.Das sehe ich ganz ähnlich: Momentan blüht uns da nichts. Die Versuche aus einer bestimmten politischen Ecke, Arbeitslosen einzureden, Ausländer nähmen ihnen angeblich die Arbeitsplätze weg, verfangen erfreulicherweise nur bei wenigen schlecht Informierten. Aber guck mal 'rüber zu unseren französischen Nachbarn und den Wahlerfolgen, die der Fr*nt Nati*nal trotz seines eigentlich nur noch peinlichen Vorsitzenden einfährt. Mir scheint, diese Leute werden gewählt, obwohl man ihnen keine Lösungen zutraut - nur als Ausdruck des Protests. So was gibt's hier auch immer mal wieder, z.B. derzeit im sächsischen Landtag.
Viele Unzufriedene haben kapiert, dass es keine einfachen Lösungen gibt, sehen aber auch nicht, dass jemand sich an kompliziertere Lösungen heranwagen würde. Praktisch alles, was tatsächlich angepackt wird, erscheint als hilf- und aussichtsloses Stückwerk (wozu auch Hartz IV gehört). Damit wächst natürlich die Unzufriedenheit - aber anscheinend noch nicht so sehr, dass es z.B. wieder große Montagsdemos gäbe.
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