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Betroffener
15.04.2005, 16:08
BEWERBUNG

Schleimer schlagen Selbstdarsteller

Von Susie Reinhardt

Link zum Spiegelartikel: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,328394,00.html

Was ist die erfolgreichste Taktik im Vorstellungsgespräch? Die eigenen Fähigkeiten herausstellen, lautet die gängige Meinung. Aber einer neuen Studie zufolge machen die Ja-Sager das Rennen. Schleimen, bis der Personalchef strahlt, muss deshalb die Devise heißen.
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Schneida
17.04.2005, 22:50
Ich glaube die 50 Cent spare ich mir. Erstaunlich ist ja nur, dass ein Untersucher sich traut, so was wirklich zu sagen und der Spiegel es druckt. Je nach Auftraggeber könnte er ganz schön Ärger kriegen.

Ansonsten ist das sicher Alltagserfahrung von fast jedermann und jederfrau fast überall. Nicht nur bei Jobs, auch bei der Wohnungssuche, bei Behörden etc. Kurzum, wenn man in diesem unserem Lande etwas will, braucht oder möchte, geht das am besten über sogenannte Diplomatie. Schleimerei ist ja nur der unverblümte Ausdruch des Gleichen. Und das ist sicher nicht nur in diesem unserem Lande so.

Und je höher die hierarchische Position um so mehr wird beweihräuchert und gelächelt. Passte nicht kaum ein Blatt Papier zwischen Herrn Schröder und Herrn Lafontaine? Und was haben sie gemeinsam gestrahlt in die Kameras.

Die Pseudotipps - auch der Unternehmensberater, Psychologen, Dozenten und Trainer etc. - nach Authentizität, Integrität, Vertrauen sind glaube ich eher nur Makkulatur, liegen im Zeitgeist und schließlich will man ja was verkaufen, in dem man so tut als wäre man ein moralischer Mensch.

Die vielbejubelten Individualisten der westlichen Welt sind ziemlich uniform und die erfolgreichen unter ihnen lächeln ständig.

Unternehmensethik und Ethik in Politik, Kirche oder sonstwo dient sicher eher dazu, gutgläubigen Menschen was vom Pferd zu erzählen. Gerade in höheren Etagen regieren doch blanker Zynismus, Intrigen, Filz und brutale Machtkämpfe. Aber immer lächelnd, konstruktiv, mutig die eigene Meinung vertretend.

Der Witz in Tüten.

Grüße

E.Schneider

Betroffener
17.04.2005, 23:08
Hallo E.Schneider,

das hatte ich gehofft, das sich die 50 Cent jeder spart. Und ich finde es auch gut, daß Du die Pseudo-Tipps mehr oder weniger als solche erkannt hast.

Allerdings sehe ich doch erhebliche Unterschiede zwischen "Schleimer" und "diplomatischem Auftreten und verhandeln".

Der "Schleimer" beinhaltet ja meist auch noch den "Radfahrer" und findet unkritisch alles toll, was von "oben" kommt.

Der "Diplomat" hingegen arbeitet gelegentlich auch mit Zuckerbrot und Peitsche, aber achtet in jedem Fall darauf, daß beide Seiten ein Ergebnis haben zum Vorzeigen und Lob empfangen in der jeweils eigenen Struktur und somit keiner das Gesicht verliert und man sich später nochmals einigermassen fair zusammenhocken kann.

Authentizität und Vertrauen halte ich schon für sehr wichtig (insbesondere für die eigene Person - es ist bei vielen ein sehr langer und beschwerlicher Weg - wenn das Ziel überhaupt erreicht wird).

Ein gutes ethisches Image ist für Firmen oft bares Geld wert (wenns auch meist nicht stimmt, wenn man die Decke mal hoch hebt).

Aber gerade im unteren bis mittleren Management wird erwartet, daß da keine Lösungen der Weltprobleme erarbeitet werden, sondern das sich die in die vorgegebene Firmenhierarchie "einpassen" und nach deren Regeln spielen - was durchaus auch zur ungewollten "Schleimspur" führen kann in einer Firmenkultur voller gegenteiliger Abhängigkeiten und abteilungsmäßiger Abgrenzungen.

Schneida
18.04.2005, 23:01
o. k.

ich möchte keinesfalls der Ellbogenmentalität das Wort reden.

Mein Problem ist, dass in den Entscheidungsebenen bei Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Medien und natürlich besonders bei den Unternehmensberatern viele pseudoverbindlich lächeln und von Ethik etc. säuseln. In Wahrheit - und das ist nach wie vor mein Steckenpferd - sind die Motive andere.

Verhandeln, Kompromisse ... klar.

Meine Devise heißt: Respekt. Und das meine ich ernst.

Und dabei braucht man nicht dieses dümmliche Gelächle, was als Diplomatie bezeichnet wird.

Grüße

E.Schneider

ladytramp
15.05.2005, 21:10
Wozu habe ich eigentlich was gelernt? Als ich selbst Bewerbungen bearbeiten musste, habe ich mich nicht an der Schönheit der Mappe oder am Lächelnd es Bewerbers orientiert, sondern am Können der jeweiligen Person. Und das war richtig. Hat mein damaliger Chef auch gesagt :-)
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich selbst im hohen Norden nicht klein und blond genug bin, um enen guten Job zu kriegen (meine beste Freundin ist Blondine, also keine negativen Gefühle entwickeln bitte!). Das war schon an der Uni so und setzt sich kontinuierlich fort. Können ist nicht mehr gefragt.