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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zustände im Berliner Jobcenter - zum "Zustände kriegen"


StephanK
07.02.2007, 12:05
Hier im Forum sind schon viele Fragen und Berichte von Berliner/innen aufgetaucht, die auf eine schlechte Praxis der Jobcenter der ARGE Berlin hindeuten.
Diese Kritik wird jetzt von einer ganz anderen Seite verstärkt, nämlich von den Richter/innen des Berliner Sozialgerichts, die in einer wahren Prozessflut ertrinken.
tacheles hat diesen Vorgang dokumentiert: Lesenswert! (http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2007/berliner_jobcenter.aspx) Der Originalwortlaut des Briefes der Berliner Sozialrichter/innen ist am Ende des Textes verlinkt.

Der Vorgang ist äu8erst ungewöhnlich, weil Richter/innen sich üblicherweise in solchen politischen Fragen sehr zurückhalten. Das lässt den Schluss zu, dass hinter dieser Äußerung ein geradezu vernichtendes Urteil über die Praxis der ARGE Berlin steht.

Seebarsch
07.02.2007, 12:38
Das ist in der Tat eine vernichtende Darstellung durch die Richterschaft.
Hier hat die Leitung des SG ja offensichtlich über das Justizministerium agiert.
Interessant dürfte ja auch sein, dass Schreiben auf der Ebene der Staatsekretär- bzw. Ministerebene über die WASG in die Öffentlichkeit gelangen.
In Berlin hat man wohl bei dem erzwungenen Abbau der Senatsverwaltung ungefiltert Personal in die ARGE versetzt. Dass dieses Personal oftmals nicht für die Tätigkeit der ARGE qualifiziert ist, scheint offensichtlich.
Allerdings scheinen ja in der ARGE auch gravierende Organisationsmängel vorhanden zu sein und eine Dienst- und Fachaufsicht völlig zu fehlen!
:confused:

efge
07.02.2007, 12:45
Der Brief der Richter/innen des Berliner Sozialgerichts ist wahrlich lesenswert und es verschlägt einem fast den Atem.
Zumindest wird klar, warum es bei den ALG II -"Behörden" quer durch die Republik die abenteuerlichsten "Entwicklungen" gibt.

Um ein lebendiges Bild der Arbeitssituation zu zeichnen, werden nachstehend von der Richterschaft genannte Beispiele aufgelistet:

Die Leistungsakten sind oft unvoIIständig und nicht paginiert. Abheftungen erfolgen weder nach zeitlichem noch sonstigem Zusammenhang.
Zahlungsanweisungen belegen nicht den tatsächlichen Geldfluss.
Bescheide werden bei Bedarfsgemeinschaften an irgendein Mitglied adressiert.
Bei der „normalen” Bearbeitung in den JobCentern wird keine einheitliche Akte geführt. Die handelnden Personen haben jeweils nur einen Teil der Unterlagen. Zur Übersendung einer Akte an das Gericht wird diese erst zusammengestellt, was zu unübersichtlichen und widersinnigen Abheftungen führt.

Und diese aufgeführten Mängel sind ja nur die "Spitze des Eisbergs". :shock:

efge
07.02.2007, 12:48
Allerdings scheinen ja in der ARGE auch gravierende Organisationsmängel vorhanden zu sein und eine Dienst- und Fachaufsicht völlig zu fehlen! :confused:
"Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken" ;-)