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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Merkels Traum: Unions-Regierung, dann Vollbeschäftigung?


Betroffener
24.04.2005, 00:21
MERKELS GLAUBE

Erst Unions-Regierung, dann Vollbeschäftigung

Link zur Spiegelmeldung vom 23.04.05 (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,353133,00.html)
http://www.smiliemania.de/smilie132/00000918.gif
Frankfurt/Main - Vollbeschäftigung ist in Deutschland nach Ansicht der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel unter anderen politischen Rahmenbedingungen möglich. Allerdings wollte Merkel sich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nicht auf ein Datum festlegen, bis wann eine unionsgeführte Bundesregierung die Arbeitslosigkeit verringern könnte: "Gewiss werde ich nicht versprechen, wie es der Bundeskanzler tat, wir würden bis zu einem bestimmten Zeitpunkt soundsoviele Arbeitslose weniger haben, denn die Menschen können so ein Reden nicht mehr hören."

:patsch: Sie sei aber fest davon überzeugt, dass mit der richtigen Politik das Ziel der Vollbeschäftigung und Arbeit für alle möglich sei, betonte die CDU-Chefin. "Wir können in der Lage sein, gleichsam eine zweite Gründerzeit zu schaffen."

http://www.smiliemania.de/smilie132/00000917.gif
Kommentar: Angies Kinderglauben möchte ich sehr stark bezweifeln. Wovon träumt Angie denn nachts, wenn schon Ihre Tagträume so an der Realtität vorbeigehen. Ist das eine beahndelbare Politikerkrankheit wie bei anderen Menschen die Rückenschmerzen, wofür Ulla Schmidt gerade 250 Millionen zusammengeklaubt bekommt? Wenn Sie wirklich daran glaubt, was sie da von sich gibt, sitzt sie auf dem falschen Stuhl als Parteivorsitzende der CDU und sollte lieber Strümpfe stopfen gehen. Wenn sie es nicht tut, dann hätte sie sich und uns diese mehr als dämlichen Sprüche ersparen können. Eine echte "Vollbeschäftigung" wie in den siebziger Jahren wird es weder in Deutschland noch woanders je wieder geben, wenn man mal von extrem unerwünschten Dingen wie nach 1945 oder anderen schlimmen Katastrophen einmal absieht). Allenfalls ein massives wieder aufleben von Konsum und Nachfrage könnte ein wenig Erleichterung auf dem Arbeitsmarkt um vielleicht gute 1 Million Menschen geben - aber Vollbeschäftigung für die anderen rund 9 Millionen, die sich mit Mini, Midi-Jobs über Wasser halten, in Maßnahmen stecken oder schlicht gar keine Arbeit haben oder schon "zu alt" für den Jugendwahn unserer Gesellschaft sind - nicht mal im Traum Frau Merkel.

http://www.smiliemania.de/smilie132/00000919.gif
Wo sollen denn die Arbeitsplätze, die von Robotern und Maschinen mit extremer Produktivität ersetzt, aus Kostengründen staatlich gefördert ins nähere oder weitere Ausland verlagert, durch Billiglöhner verdrängt, denn herkommen?
Träumt Angie davon, das Rad der Geschichte wieder zurück zu drehen?
Werden Roboter, Maschinen, Geldautomaten, PC's und Rechenzentren abgeschafft ebenso wie die gerade kommende Personal einsparende RFID-Technik oder die Abschaffung der KassiererInnen in den Supermärkten durch RFID- und Fingerabdruck-Technik?
Ist ein großer Krieg geplant, der alles zerstört?
Wird die DDR wieder neu erschaffen mit Otto Schily als Mielkes Nachfolger beim VEB Horch, Guck und Greif?
Werden wir alle Beamte? Wo kommt das Geld dafür her?
Bekommt jeder, der in Vollbeschäftigung steht, zur Unterstützung ALG-II-EmpfängerInnen als 1-Euro-JobberIn beigestellt zur Kinderbetreuung, als Haushaltshilfe, als Chauffeuer, fürs Grobe und Feine in Haus und Garten - am Besten gleich in zwei Schichten?
Werden die Mautbrücken abgebaut und dafür Mauthäuschen an jeder Ein-/Ausfahrt aufgestellt und mit Menschen im 3 Schichtdienst besetzt ebenso wie an den Ersatz von Geldautomaten durch Menschen?
Werden unsere Arbeitslosen, ALG-II Empfänger und Sozialhilfe-Empfänger zum langfristigen meditieren ins Ausland exportiert (vielleicht nach China oder Indien - immer eine Familie oder Single in ein Dorf. Dort fallen ein paar Millionen mehr oder weniger unter der jeweiligen Milliarde Menschen zumindest mengenmäßig kaum auf und brauchen auch keine Sozialabgaben oder -Leistungen mehr).
Jubel - Alle weg - und es ist VOLLBESCHÄFTIGUNG vorhanden - bis zu den nächsten Entlassungen, Jobexporten. :evil:
Fragen über Fragen - aber keine Antworten. Ist das auch wieder Wahlkampfgesäusel?

ulysses
24.04.2005, 01:19
Nein nein, mich quält diese Frage schon seit längerem ganz real. Beschäftigt bekommen wir alle. Und bei der Freizügigkeit mit der die Statistiken geführt werden, würden am Ende auch die Zahlen stimmen.
Mir eröffnen sich da solche Horrorszenarien von Untermenschen die die herrschende Klasse der Nochbeschäftigten bedienen müssen u.s.w.

Ich reisse schon seit längerem die tollsten Witze welche Tätigkeiten innerhalb meines armseeligen Lebens noch auf mich warten ---- bis ich dann endlich vor dem (leeren) Rententopf stehe.

Noch mache ich Witze darüber ...

StephanK
29.05.2005, 10:31
Nein, "Vollbeschäftigung" für (fast) alle wird's nicht wieder geben, und Frau Merkel sollte auch nicht den Fehler machen, Versprechungen abzugeben, die man in diese Richtung deuten könnte.

Aber, was zum Kuckuck ist eigentlich "Vollbeschäftigung"?
Wenn alle möglichst viel malochen müssen?

Es ist sicher nur eines von vielen Problemen des Arbeitsmarktes, aber die nach wie vor vorherrschende Orientierung am "Voll-" oder "Regelarbeitsverhältnis" versperrt viele denkbare (Teil-!)Lösungen.

Wenn wir uns ein paar Jahre zurückerinnern: Damals hatte der DGB die 35-Stunden-Woche als vorrangiges Ziel ausgerufen, und zwar als ein in einem Schritt zu erreichendes Ziel. In einem Schritt deshalb, um mehr Beschäftigung und nicht nur Verdichtung der Arbeit zu erreichen. Was ist dabei herausgekommen? Schrittweise Arbeitszeitverkürzungen in einzelnen Branchen, die genau so auf den Produktivitätsforschritt abgestimmt wurden, dass die Betriebe ohne Neueinstellungen auskamen und der Stress für die bestehende Belegschaft größer wurde. Heute sind wir so weit gediehen, dass die Gewerkschaften Arbeitszeitverlängerungen zustimmen, "um Arbeitsplätze zu retten".

Irgendwo läuft doch da was schief, oder? :-x

Es führt kein Weg daran vorbei, Arbeit anders zu verteilen. In anderen Ländern - z.B. Niederlande - ist Teilzeitarbeit weiter verbreitet als hier und auch kein "Privileg" für Sekretärinnen, Kindergärtnerinnen und ähnliche Berufe.

Ich würde z.B. sehr gerne etwa 30 Wochenstunden arbeiten, wenn mir das ein Einkommen sichert, das meine (höchst durchschnittlichen) Bedürfnisse abdeckt. Mir ist klar und ich akzeptiere es auch, dass ich damit werde keine Reichtümer scheffeln können. Es gibt aber keine entsprechenden Angebote. Stattdessen sehe, höre und lese ich allenthalben von 45- und 50-Stunden-Wochen.

Es wäre auch mal interessant zu erfahren, warum - von den klassischen Teilzeitjobs abgesehen - so wenig Teilzeitarbeit angeboten wird. Ich denke, dass da auch viel "alter Trott" ohne Nachdenken auf Arbeitgeberseite herrscht.

Betroffener
29.05.2005, 13:08
Es wäre auch mal interessant zu erfahren, warum - von den klassischen Teilzeitjobs abgesehen - so wenig Teilzeitarbeit angeboten wird. Ich denke, dass da auch viel "alter Trott" ohne Nachdenken auf Arbeitgeberseite herrscht.

Stephan,
setzt Du jetzt Job-Sharing und Teilzeit gleich?
Es liest sich jedenfalls so.

Es wäre auch mal interessant zu erfahren, warum - von den klassischen Teilzeitjobs abgesehen - so wenig Teilzeitarbeit angeboten wird. Ich denke, dass da auch viel "alter Trott" ohne Nachdenken auf Arbeitgeberseite herrscht.

Dann mach Dir doch mal den "Spaß" und schaue Dir Deine Idee von der anderen Seite mal richtig an inklusive Arbeitsplatzausstattung, Miete, Lohn- und Nebenkosten, Sozialabgaben usw.

Schauen wir doch mal durch eine Arbeitgeberbrille:

Aktueller Status
Der Laden läuft einigermassen und wirft ausreichend Gewinn ab für ein angenehmes Leben. Auch die Mitarbeiter sind (weitgehend) zufrieden.
Warum sollte ich als Arbeitgeber hier irgendwas dran ändern wollen?

Was hätte ich jetzt als Arbeitgeber von Job-Sharing ?
(zwei Leute teilen sich einen Arbeitsplatz - nicht Schichtarbeit im alten Sinne)
Nur Stress und höhere Kosten, weil:
- Verfügbarkeit fraglich
- Kommunikation immer doppelt erforderlich
- Kommunikation + Abstimmung untereinander fraglich
- Im Zweifelsfall war es immer der Kollege
- Die Buchunghaltung/Steuerberater hat mehr Aufwand
- Die Kosten für zwei halbe Mitarbeiter sind höher als für einen ganzen.

OK - es gibt auch ein paar Vorteile durch höhere Flexibilität, wenn die gesharten Mitarbeiter mitspielen, was aus verschiedenen Gründen aber oft nicht möglich ist. Weiterhin beklagen die Mitarbeiter häufig das Mißverhältnis zwischen Arbeitsweg/Zeit und der Anwesenheitzeit am Arbeitsplatz (vom Geld mal abgesehen) - was auch im Teilzeitbereich bei vielen bereits ein Thema ist. Sicher gibt es "Gewerbe", wo die schnelle Auswechselbarkeit eher ein Vorteil ist (warum fällt mir hier nur ein bestimmtes Milieu ein? Wo die Kosten an dieser Stelle nicht ganz so wichtig sind)

Und was hätte ich als Arbeitgeber von Teilzeit?
Hier könnte ich verschiedene zeitlich unkritischer Arbeiten auf preiswertere Arbeitsplätze mit weniger Stunden umschichten, damit ein Vollzeitplatz was wichtigeres tun kann (oder ich spare diesen einfach ein!).

Andererseits könnte ich neue Dinge erst mal behutsam preiswerter angehen mit Teilzeitkräften, die bei Erfolg dann aber entweder mitziehen müssen in die Vollzeit oder aber dann wieder langfristig ersetzt werden.

Was hätte ich als Arbeitgeber von Heimarbeitern?
Im Normalfall ebenfalls nichts.
Erhöhte Kommunikationskosten, lange zeitverschobene umständliche Informationswege.
Macht aber viel Sinn, bei leitenden Angestellt/Innen, die noch Ihre Babies betreuen und weiter machen wollen, aber nur wenige Stunden in der Woche im Büro sein können.

Was ist in Firmen eines der Hauptprobleme?
Die gleichzeitige Verfügbarkeit der Mitarbeiter und zeitgleiche Informationsflüsse trotz aller neimodischen Kommunikationsmittel. Alles andere macht Stress und Mehraufwand und erfordert immer Rücksichtnahmen und Wartezeiten, die den normalen Arbeitsfluß stören.
Das gilt für die kleinste Klitsche ebenso wie für größere Firmen (wo noch das abteilungsdenken in Hierarchien hinzu kommt.

Teilzeit war (und wird) also in vielen Firmen aus folgenden Gründen eingesetzt:

man braucht das Wissen dieses Mitarbeiters, der aus verschiedenen Gründen nicht Vollzeit verfügbar sein kann/sein darf.
der Bedarf ist geringer geworden, die (Plan)stelle soll aber besetzt bleiben
der Bedarf reicht noch nicht für eine Vollstelle
auslagern nicht zeitkritischer Aufgaben von anderen Stellen

Aus all diesen Gründen (und vielen anderen) haben sich die Konzepte (ja - es ist auch die alte Gewohnheit dabei) bislang nicht breit durchsetzen können.

Warum sollte sich also ein Chef mit der doppelten bis dreifachen Menge Menschen umgeben, die meist mehr Stress machen und mehr kosten, als die im Rahmen der Kernarbeitszeit vollständig verfügbare kleinere eingespielte, normale Belegschaft, die voll mit zieht?

ch würde z.B. sehr gerne etwa 30 Wochenstunden arbeiten, wenn mir das ein Einkommen sichert, das meine (höchst durchschnittlichen) Bedürfnisse abdeckt. Mir ist klar und ich akzeptiere es auch, dass ich damit werde keine Reichtümer scheffeln können. Es gibt aber keine entsprechenden Angebote. Stattdessen sehe, höre und lese ich allenthalben von 45- und 50-Stunden-Wochen.
Da fällt mir der heutzutage übliche Satz im Arbeitsvertrag ein: "Eventuelle Überstunden sind mit der monatlichen Gehaltszahlung abgegolten und werden nicht separat bezahlt" oder "Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Quartal beträgt 40 Stunden und wird mit der monatlichen Gehaltszahlung abgegolten".

Da hast Du also einen Vollzeitvertrag und leistest unbezahlt 20 - 40 Stunden im Monat mehr, was man jetzt auf weitere Mitarbeiter hochrechnen könnte, bis sich ein Teilzeitplatz oder Vollzeitplatz rechnerisch ergeben könnte. Nur kostet der dann extra - was die obige Methode nicht tut. Und flexibler ist das auch noch, da meist ein Stundenkonto geführt wird, das sich über einen bestimmten Zeitraum ausgleichen muss und bei gutwilligen Arbeitgebern mit gutem Ertrag dann auch mal mit einer Prämie belohnt wird, wenn es öfter in den Plus-Bereich geht (was allemal billiger ist, als zusätzliche Stellen und gleichzeitig die Mannschaft motiviert, da sie sich berücksichtigt und beteiligt findet.

Wie gesagt - alles durch die Arbeitgeberbrille gesehen! - damit hier keine Mißverständnisse aufkommen.

Steuerumschichtung nach der Wahl - Mehrwertsteuer bei 20%?
Viel mehr Sorgen macht mir das Gerede um die Mehrwertsteuererhöhung um satte 4%, die sowohl bei SPD und CDU im Gespräch sind (zur Zeit noch unter der Prämisse, dies nur im Kontext mit diversen anderen Steuerregulierungen tun zu wollen - was sich wohl auch bald auflösen wird.)

Zugegeben: Mit 16% Mehrwertsteuer liegen wir seit langem am untersten Ende in der EU, aber dafür gibt es in den anderen Ländern aber diverse Steuern entweder erst gar nicht oder die werden nicht so exzessiv ausgenutzt wie in Deutschland (z.B. Kraftfahrzeugsteuer ist in der Mineralösteuer verbrauchsorientiert enthalten und trotzdem sind die Kraftstoffe meist deutlich günstiger als in Deutschland). Hier gibt es zig Beispiele für.

Was die Erhöhung der Verbrauchssteuer um 4% bei ALG I und ALG II Empfängern anrichten wird, steht auf einem anderen Blatt. Hier wird das Argument sein, das bei Lebensmitteln ein anderer Steuersatz gilt, was aber auch nur auf einen Teil (Posten: Ernährung) des ALG II zutrifft.

Von einer Änderung der Lohnnebenkosten als Ausgleich haben die Arbeitslosen aber gar nichts, sondern kriegen nur die volle Wucht der Preissteigerung ab, die bei vielen Artikeln des täglichen Bedarfs auch durch die Zusatzkosten bei der LKW-Maut + Mehrwertsteuererhöhung wohl eher bei 5 - 10% Preissteigerung liegen wird durch Rundungen und andere Aufschläge.

StephanK
29.05.2005, 15:43
Ich hab' kein Problem damit, eine solche Frage mal durch die Arbeitgeberbrille zu betrachten und finde es ganz richtig, mich mit den Gegenargumenten herumbeißen zu müssen. Und natürlich kann ich nicht für mich in Anspruch nehmen, den Überblick über die ganze Breite der "Arbeitswelt" zu haben, sondern gehe von dem aus, was ich kenne - "gehobene" Bürotätigkeiten.

Zugegeben, ich habe keinen Unterschied gemacht zwischen klassischen Teilzeitarbeitsplätzen und Job-Sharing. Ein großer Teil der als Teilzeitarbeitsplätze angebotenen Tätigkeit sind aber shared jobs (man denke nur an die Ladenkassen und ähnliche Bereiche), d.h. die Aufgabe ist so dimensioniert, dass man (mindestens) eine Vollzeitkraft dafür bräuchte. Mit der Ausweitung der Ladenöffnungszeiten sind viele solcher Teilzeitarbeitsplätze entstanden, weil man einen Arbeitsplatz nicht mehr über die gesamte Öffnungszeit mit einer Kraft besetzen konnte. Job-Sharing im "strengen" Sinne ist wohl eher etwas, das bei stärker spezialisierten Tätigkeiten vorkommt. Eine klare Abgrenzung ist wahrscheinlich oft schwierig.

Aber ich sollte versuchen, Deine Argumente der Reihe nach abzuarbeiten:

"Verfügbarkeit fraglich", "Kommunikation immer doppelt erforderlich" und "Kommunikation und Abstimmung untereinander fraglich"
Ja, mehr Mitarbeiter zu haben bedeutet höheren Kommunikationsaufwand. Dieses Problem besteht grundsätzlich auch dann, wenn ich mehr "Vollzeit"-Mitarbeiter habe. Es verschärft sich vor allem dann, wenn es viele klassische Halbtagskräfte (vormittags/nachmittags) gibt. Aber ich denke, dass dieses Management-Problem lösbar ist, wenn man sich der Wichtigkeit funktionierender innerbetrieblicher Kommunikation bewusst ist und diese klug organisiert, d.h. sie als ein eigenständiges Management-Ziel behandelt und nicht als etwas, das sich quasi naturwüchsig "halt so ergibt". Nur muss man sich darüber eben auch mal in der 10-Leute-Klitsche klar werden; im Betrieb mit 500 weiss man das ohnehin schon. - Das Problem mit der fraglichen Verfügbarkeit wurde schon bei der früheren Diskussion um Gleitzeit gerne genutzt. Nicht immer, aber an vielen Stellen dürfte es mit einer intelligenten Arbeitszeitorganisation lösbar oder zumindest deutlich abzumildern sein. Kernzeiten lassen sich auch bei einer 30-Stunden-Woche vereinbaren - es sei denn, man organisiert sie als vier-Tage-Woche.

"Im Zweifelsfall war es immer der Kollege": Das kann kein wirklich grundsätzliches Problem sein, wenn man nicht an der Sinnhaftigkeit arbeitsteiliger Organisation überhaupt zweifelt. Auch dieses ist ein Kommunikationsproblem, und zwar eher zwischen den Kollegen auf gleicher Ebene, die bei verteilten, nur teilweise sich überlappenden Arbeitszeiten mehr darauf achten müssen, dass ihr "letzter Stand" für den Kollegen nachvollziehbar ist. Für den Philosophieprofessor gibt das ein arges Problem, zugegeben. Für den Sachbearbeiter sollte es, gute Betriebsorganisation und guten Willen vorausgesetzt, mit nur sehr geringem Mehraufwand machbar sein.

"Die Buchhaltung/Steuerberater hat mehr Aufwand": Ja, aber fällt der beim Automatisierungsgrad dieser Tätigkeiten wirklich in's Gewicht? Da setze ich zumindest ein Fragezeichen...

"Die Kosten für zwei halbe Mitarbeiter sind höher als für einen ganzen." Ja, aber hier gehst Du von der bisherigen Lohnstruktur und von klassischer Halbtagstätigkeit aus, die auf das Modell "Die Ehefrau verdient durch 'nen Halbtagsjob mit" zugeschnitten sind, während ich eher an Ideen wie die 30-Stunden-Woche denke.
Ich kann es nicht aus dem Stand nachrechnen, ob es wirklich viel Mehraufwand verursacht, wenn ich 500 Wochenarbeitsstunden auf 16,6 30-Stunden-Mitarbeiter statt auf 12,5 40-Stunden-Kräfte verteile. Allerdings würde ein 30-Stunden-Modell auch erfordern, dass die Progressionsstaffel der Einkommensteuer entsprechend angepasst wird, was wiederum Rückwirkungen auf die am Netto orientierten Lohnerwartungen der Mitarbeiter hätte.

"Mißverhältnis zwischen Arbeitsweg und -zeit": Das ist zugegebenermaßen ein Problem, dem ich nur den Allgemeinplatz entgegensetzen kann, dass lange Wege zur Arbeit sowieso volkswirtschaftlich nicht gerade wünschenswert sind und ungesicherte, befristete Arbeitsverträge die Bereitschaft zum Umzug näher an den Arbeitsplatz nicht fördern. Aber für den angemessenen, sicheren 30-Stunden-Arbeitsplatz in Düsseldorf würde ich sogar einen Umzug in Erwägung ziehen. Und das will für 'nen Kölner was heissen - frag E. Schneider! ;-)

"Das meiste lässt sich durch Überstunden abdecken" Ja, ja, das schöne Bild vom "atmenden Betrieb" (in dem überlastete Mitarbeiter dann oft nur noch röcheln) ... Deswegen hatte ich die Fehler bei der Einführung der 35-Stunden-Woche kritisiert. Nein, so soll es eben nicht laufen. Um den Betrieben das "atmen" zu ermöglichen, wurde das Arbeitsvertragsrecht sehr weitgehend liberalisiert. Auf die Neueinstellungen - wenn auch nur befristet - warten wir bis heute. In puncto Arbeitzeit hielte ich mehr Kontrolle und Regulierung für durchaus angebracht, denn die Kombination von Deregulierung sowohl in der Arbeitszeitgestaltung als auch im Arbeitsvertragsrecht hat genau die Massenarbeitslosigkeit mitproduziert, unter der wir leiden.

Den Schlenker zur Mehrwertsteuer mache ich jetzt nicht mit und schlage vor, dies in einen extra-thread auszulagern.

Schneida
29.05.2005, 19:57
Teilzeit

ich habe die Erfahrung gemacht, dass Organisationsänderungen infolge von vermehrten Teilzeitarbeitsplätzen dann gar nicht soooo schwierig waren, wie es zunächst vermutet wurde.

Und das Problem mit der halbwegs vernünftigen Organisation von Arbeitsteilung, Logistik, Koordination und Information hat man ohnehin. Durch den erhöhten Druck infolge von Teilzeit wird da vielleicht dann auch mal genauer hingesehen.

Ein anderes Problem ist, dass viele Leute selbst bei Teilzeitmöglichkeiten diese gar nicht in Anspruch nehmen bzw. von sich aus auch noch "gerne" Mehrarbeit oder Überstunden machen wollen.

Grüße