Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Krankheitsbild ? Arbeitsmarkt ? Gesundheitsgutachten?
Heute war der Briefkasten mal richtig voll. Tatsächlich fünf Schreiben von der ARGE.
Zweimal Leistungsnachweis, einmal Bestätigung meiner Krankmeldung, die ich vor drei Wochen einreichte, einmal Folgeantrag, nachdem ich am 19.01.06 gerade mal eine Bewilligung bekommen habe die im Februar schon wieder ausläuft und einen netten Brief.
Sehr verschmähter usw.,
„wir bitten um Mitteilung, um welches Krankheitsbild es sich handelt. Sind Sie weiterhin krankgeschrieben. Ist in nächster Zeit absehbar, daß Sie dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen?
Sollte dies nicht der Fall sein, werden wir zur Klärung ein Gesundheitsgutachten zur Überprüfung der Arbeitsfähigkeit anfordern.“
Mit freundlichen Grüßen (Mit fiesen Gedanken)
i. A. (der Esel)
StephanK hatte mich andeutungsweise schon vorgewarnt, was die Dauer der Krankmeldung angeht! Das Krankheitsbild, mal abgesehen davon, daß sie nicht schreiben wessen (Van Gogh`s Ohr), geht die doch nichts an, oder? Gesundheitsgutachten, bei wem, von wem? Soll ich entscheiden, wann ich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehe, oder macht das mein Arzt, indem er klare Zahlen auf eine AU schreibt? AU steht hier nicht für Abgasuntersuchung.
Ich wäre dankbar für Anregungen, bevor ich gesund und wütend werde.
:evil:
Na ich denke gesund wirst du unter diesen Umständen nicht mehr aber wütend glaube ich schon eher.
Ich weiß nicht wie es beim ALG II und Sozialgeld läuft. Kenne aber die Verfahren das natürlich das Amt prüfen möchte ob du dem Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit zur Verfügung stehst. Das wird dann mit den von Amtsseite beauftragten ärztlichen Gutachten geprüft.
Solltest du dann nicht mehr in der Lage sein deine diversen Amtsbriefe aus dem Briefkasten zu bekommen, nicht weil dieser bis oben voll ist, sondern weil du unfähig dazu bist, kann man sehr deutlich sagen, der Mann/Frau ist fertig. Und solltest du auch noch wütend werden über die ganzen Briefe vom Amt... na dann denke ich musst du ausgesteuert werden. Denn wenn du hier schon einen Anfall bekommst, wie verhältst du dich dann im Arbeitsleben.
Wenn ich sowas lese frage ich mich manches Mal ob ich nicht zum Amt gehe, ein bischen rumzucke mit Kopf und Händen und mich dann auf Kosten der Krankenkasse wegschließen lasse. Die BA und ARGEN haben mich aus der Statistik und die Krankenkasse ein neues Problem. Ein Problem für die Gesundheitsreformen und Sanktionen auch in diesem Bereich.
Bitte bitte verzeiht meinen Sarkasmus.....
Sarkasmus :heutnicht:
Die Römer haben das mal so Formuliert:
"Wenn du der König der Juden bist, dann befrei dich doch und komm herunter vom Kreuz"
Derweil frage ich mich, wieso ich nicht vor gut 18 Monaten einen Brief von euch bekommen habe. ALG- Anti-Willkür-Schutzbrief von der Netz-AG. Beratung rund um die Uhr, damit sie nicht aufs „Kreuz“ gelegt werden.
Auf diesem Weg recht herzliche Dank an Alle
Sind aber die Fragen noch offen
StephanK
27.01.2006, 09:12
Ich stehe derzeit selbst vor einem ganz ähnlichen Problem, nämlich "bis auf weiteres" krank geschrieben zu sein.
Das SGB II kümmert sich eigentlich nicht um "aktuell gesund" oder "aktuell krank", sondern hat in Gestalt der "Erwerbsfähigkeit" eher längerfristige Perspektiven im Auge: § 8 Abs. 1 SGB II
Erwerbsfähig ist, wer nicht wegen Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande ist (...) mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.Die Durchführungshinweise der BA dazu lauten wie folgt: (2) Als „absehbare Zeit“ in diesem Sinne ist in Anlehnung an § 7 Abs. 4 SGB II und § 125 SGB III ein Zeitraum von bis zu 6 Monaten anzusehen. Demnach ist auch erwerbsfähig, wer die gesundheitlichen Voraussetzungen innerhalb von sechs Monaten erfüllen wird.Damit ist allerdings nicht gesagt, dass der Alg II-Träger ein halbes Jahr völlig stillhalten müsse. Er ist schon befugt, mal nachzuhaken, wie es prognostisch aussieht, also ob es innerhalb dieses Halbjahreszeitraums wahrscheinlich ist, dass man wieder wird arbeiten können.
Allerdings halte ich es für problematisch, wenn der Alg II-Träger selbst näheres über ein Krankheitsbild wissen will, denn ihm fehlt der medizinische Sachverstand, aus einer Diagnose Schlüsse über einen zu erwartenden Heilungsverlauf und den voraussichtlichen Zeitpunkt der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit zu ziehen. Und von Dir selbst kann man auch keine Aussagen dazu erwarten, wann Du wieder fit sein wirst.
Lies Dir mal die Durchführungshinweise der Bundesagentur zu § 44a SGB II (PDF-Datei) (http://www.my-sozialberatung.de/files/hinweise-44a-20050208.pdf) durch. Dort ist das Verfahren für solche Fälle festgelegt, und Du weisst dann besser, was möglicherweise auf Dich zukommt.
Dank an StephanK
Da kann ja noch einiges kommen. Auch, daß die dem Amtsarzt keine Entscheidung zutrauen, sondern ein „Vermittlungsbereich“ Entscheidungen fällt, ist bemerkenswert.
Trotzdem bin ich in der Sackgasse! Wenn ich sofort (nach Ablauf der jetzigen AU) dort auftauche, verliere ich doch erst recht an Glaubwürdigkeit. Davon abgesehen nehme ich auch noch Medikamente, die erstmal anschlagen müssen. Ich werde es meinem Arzt vortragen und der Arge mitteilen, daß ich in „absehbarer Zeit“ zur Verfügung stehe. Über das Krankheitsbild werde ich mich erst gar nicht äußern, sollen sich selbst eins malen.
Wenn mein letzter Arbeitgeber mich während einer Auszeit mit soviel Post gequält hätte und ich für ihn etliche Gesetzestexte gelesen hätte, abgesehen von der Latscherei zur Post, hätte ich die Stunden sehr gut vergütet bekommen. Er hätte dann wahrscheinlich auch verstanden warum ich noch nicht gesund bin. Bis auf einen Tag, nach einer fürchterlich langen feuchten Nacht, war ich durchweg gesund und habe gearbeitet. Deswegen die vielen „hätte“!
:shock:
StephanK
27.01.2006, 11:33
Trotzdem bin ich in der Sackgasse! Wenn ich sofort (nach Ablauf der jetzigen AU) dort auftauche, verliere ich doch erst recht an Glaubwürdigkeit. Davon abgesehen nehme ich auch noch Medikamente, die erstmal anschlagen müssen. Ich werde es meinem Arzt vortragen und der Arge mitteilen, daß ich in „absehbarer Zeit“ zur Verfügung stehe. Über das Krankheitsbild werde ich mich erst gar nicht äußern, sollen sich selbst eins malen.Meine derzeitige Situation ist ganz ähnlich, und ich bin von ganz ähnlichen Zweifeln geplagt wie Du.
Eines der Probleme ist halt, dass das alles ausgerichtet ist an Menschen, die Arbeit haben. Bei jenen ist es schon verständlich, dass man eine klare Abgrenzung braucht zwischen "arbeitsfähig" und "nicht arbeitsfähig" und dass es nur bei längeren Erkrankungen bzw. im Reha-Bereich Zwischenstufen gibt, in denen man sagt, der/die kann z.B. erst mal wieder vier Stunden/Tag arbeiten.
Für unsereiner ist natürlich schon der Haupt-Maßstab, ob wir wieder voll arbeiten könnten, aber zwischen diesem Optimalzustand und "bettlägerig und zu nix in der Lage" gibt es natürlich unendliche viele Zwischenstufen. Ich bin beispielsweise derzeit durchaus dazu in der Lage, Bewerbungen zu schreiben, obwohl ich vermutlich ein Problem bekäme, wenn ich nächste Woche eine neue Stelle antreten sollte. Zumindest in meinem Beruf geht das aber in aller Regel auch alles nicht so schnell...
Das von Dir angesprochene Problem der Glaubwürdigkeit sehe ich eigentlich nicht, wenn Du nicht an einer Erkrankung leidest, die Deine Mobilität einschränkt.
Für mich habe ich jedenfalls beschlossen, mich nächste Woche mal unaufgefordert bei meiner ARGE zu melden und zu versuchen, die Situation zu (er)klären, damit da nix anbrennt. Ich denke, das ist besser als nur passiv abzuwarten, ob und was da amtlicherseits in Wege geleitet wird, die man dann vielleicht gar nicht gehen mag.
Ich wünsche gute Entschlüsse! :?
Grundsätzlich bin ich zu einem ähnlichen Entschluß gekommen. Habe heute mein Hirn ein wenig massiert. Ich werde direkt Montag mal ein paar Termine vereinbaren. Alles andere würde mich eh nur wieder aufregen und unendlich sinnlose Zeit verschwenden. Du sprichst das berufliche an. Da mußte ich schnelle Entscheidungen treffen, konnte nichts auf die Bank schieben. Seit dem ist viel Wasser an Kölln vorbeigeflossen, aber werde es jetzt mal wieder etwas zielstrebiger angehen. Dieses warten auf irgendeine Gewißheit hat mich ziemlich mürbe gemacht.
Von Bewerbungen hat mir mein Fallmager eigentlich abgeraten, natürlich solange ich krank bin. Ich hatte vor vierzehn Tagen ein kurzes Gespräch mit ihm. Er ist „auch“ Studienabrecher und glaub ein ganz netter Mensch, der seinen Job nicht liebt. Na, von ihm bekomme ich auch nicht die Briefe. Die kommen von einer anderen Bearbeiterin.
Wahrscheinlich haben die gerade einen Traumjob für mich, mit beheiztem Chefsessel, und sind sauer das ich nicht komme!
Da du das Forum mit deinen Beiträgen sehr bereicherst wäre es schade, wenn dich die Arge zu sehr rannimmt. Hast da vom Dom den rechten Überblick.
Viel Erfolg!
:-)
StephanK
27.01.2006, 20:58
Danke für die Blümchen! :engel:
Dann wird ja in den nächsten Wochen wohl Gelegenheit sein, weitere Erfahrungen damit auszutauschen - hoffentlich zum beiderseitigen Nutzen und dem weiterer Leser/innen.
Gern geschehen! :Respekt:
Doch ich denke da wird noch einiges kommen!
Also dann...
Viel haben meine Anrufe nicht gebracht. Termin gibt’s erst in acht Wochen beim Manager (nein, für sie geht’s auch in sechs, ist ja dringend). Nach dem Lachkrampf geht’s morgen doch erst mal zu Doc Holliday. Da helfen zwar keine Medikamente, aber vielleicht hat er ja ein Bolzenschußgerät.
Das mit dem Bolzenschussgerät hat sich dann doch erledigt.
Der Arzt hat mich weiterhin krank geschrieben, aber die baldige Genesung in Aussicht gestellt.
Ein Gespräch mit der ARGE stand dann heute an.
Ich hatte das g.o.g. Schreiben der ARGE auch gleich Obenaufliegen und sagte nur: „Ich habe hier ihr Schreiben und „ Da fiel man mir gleich ins Wort und schon fast entschuldigend, daß man selbst nicht so recht gewußt habe wie man das so formulieren soll. (Als hätte man hier mitgelesen.)Man habe nur wissen wollen…usw. ! Alles, wie es die Rechtslage halt vorschreibt (s. StephanK) nur sehr freundlich und zurückhaltend vorgetragen. Kurze Pause. Dann kam noch ein Vortrag darüber, was ein Amtsarzt alles so feststellt. Das hörte sich etwas frisch angelesen und unverdaut an, aber war auch interessant.
Ich habe meine baldige Genesung in Aussicht gestellt und damit war die Arge zufrieden und bleibt es hoffentlich.
Fazit: Arbeitslos zu sein
ist trotz aller List
auch mit Hartz IV und Krankenschein
jeden Tag nur Mist
Dank an EUCH, für die Hilfe hier
StephanK, wie geht’s bei dir weiter?
:-)
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