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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wirtschaftsminister will Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger


efge
24.02.2007, 21:31
Ironie on
Warum fällt mir, wenig Bibeltreu, dennoch jenes Bibelzitat ein,
Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden
nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit,
die an uns soll offenbart werden!
Römer 14,8
wenn ich die folgenden Äusserungen von Michael Glos (CSU) und Bundeswirtschaftsminister lese?
Ironie off

"Das Ziel muss für jeden sein, sein Einkommen mit einem regulären Job am Markt zu verdienen", sagte Glos in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Wenn das Einkommen zum Leben nicht ausreiche, werde der Staat einen Zuschuss gewähren. Finde jemand keinen Job, bekomme er die Grundsicherung, müsse aber eine Gegenleistung dafür erbringen. Glos erhofft sich davon, dass niedrig bezahlte Tätigkeiten durch die Maßnahme wieder attraktiver werden.

Quelle: SPIEGELONLINE (http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,468410,00.html)

"Wenn ich auch für das Arbeitslosengeld II etwas tun muss, dann kann ich auch gleich einen Job annehmen, selbst wenn der nur ein bisschen besser bezahlt ist." Dies werde Jobs im Niedriglohnsektor schaffen.
Quelle: Financial Times Deutschland (http://www.ftd.de/politik/deutschland/165245.html)

Seebarsch
24.02.2007, 22:19
Zynismus pur, Weltfremd und Menschenverachtend!
CSU pur!
:-T

Upsala
25.02.2007, 00:30
Das Ziel muss für jeden sein, sein Einkommen mit einem regulären Job am Markt zu verdienen Gut, ist aber nicht so einfach und ich spreche aus Erfahrung.
Wenn das Einkommen zum Leben nicht ausreiche, werde der Staat einen Zuschuss gewähren. Ja, das Aufstockerprinzip gibt’s ja schon, nennt man auch ergänzendes ALG II.
Finde jemand keinen Job, bekomme er die Grundsicherung, müsse aber eine Gegenleistung dafür erbringen. Ja, auch 1- Euro Jobs (30 Std.) haben wir schon, die nun nach und nach auf Bürgerarbeit (38,5 Std.) umgestellt werden, ohne Lohnausgleich.
Dann will er, der Glos, auch noch das Rentenalter raufsetzen. Wobei mir noch nicht ganz klar ist, ob es wirklich noch um Rente geht oder nur noch um die Bestattungskosten.

x_anonymus_x
25.02.2007, 07:45
Morsche!

"Das Ziel muss für jeden sein, sein Einkommen mit einem regulären Job am Markt zu verdienen", sagte Glos in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.

Dafür! Absolut sogar! So, und nachdem wir uns jetzt alle bezüglich des Ziels so schön einig sind, wo sehe ich denn jetzt die politischen Aktivitäten, die genau dazu führen? Der so vehement durch die Landen gejagte Kombilohn ist's ja dann doch wohl nicht.

"Wenn ich auch für das Arbeitslosengeld II etwas tun muss, dann kann ich auch gleich einen Job annehmen, selbst wenn der nur ein bisschen besser bezahlt ist."

In meinen Augen gibt es (fast) keinen Satz, der die Geisteshaltung dieses Menschen besser dokumentiert als den obigen. Ein Menschenbild, das davon getragen wird, dass den Bürgern pauschal erst einmal ein "Nicht Wollen" unterstellt statt eines "Nicht Können", zeigt deutlich, dass so jemand einfach gar nicht geeignet sein kann tragfähige und zukunftsorientierte Lösungen zu entwickeln, da ihm schlicht und ergreifend die Fähigkeit abgeht, das Problem überhaupt zu begreifen.

Dies werde Jobs im Niedriglohnsektor schaffen.

Ahja?!

Es gibt bereits massenhaft Jobs im Niedriglohnsektor. Die entstehen allerdings nicht dadurch, dass sie "geschaffen" werden, sondern alleine dadurch, dass vormals, wenn auch schlecht bezahlte, Stellen - vorwiegend im unteren Dienstleistungsbereich - einfach nur noch schlechter bezahlt werden.

Zusammengefasst: Volksvertreter?! Das ist ja nun doch eher ein bedauerlicherweise äußerst unwitziger Schenkelklopfer. Damit sich so jemand dieses Bapperl an's Revers heften dürfte, dazu müsste er erst einmal wieder einen kurzen reality check bzgl. des vertretenen Volkes durchlaufen. Blöderweise werden die Damen und Herren in den "oberen" Riegen einfach von ihren Parteien mitgeschleift - ganz egal, was für eine Inkompetenz zum Vorschein kommt sobald sie den Mund öffnen.

x_anonymus_x

--
Der obige Beitrag gibt nicht die Meinung des Verfassers wieder.
Alle Angaben ohne Gewähr

StephanK
25.02.2007, 11:43
Das ganze ist schlicht zu kurz gedacht, und zwar deswegen, weil ausgerechnet der Wirtschaftsminister (der es mit am besten besser wissen müsste) übersieht, dass Mitnahmeeffekte und Abzocker-Mentalität wahrlich keine Phänomene sind, die es nur bei Alg II-Beziehern geben würde.

Das wäre eine gigantische Wirtschaftssubvention mit sehr begrenztem Effekt, denn die wichtigen Branchen, die unter der Konsumzurückhaltung leiden, würden davon gerade nicht profitieren. Diesen kann es nur besser gehen, wenn die Massenkaufkraft wieder wächst - und sie wächst nicht dadurch, dass man ca. sechs Millionen Menschen dauerhaft auf Alg II-Niveau herumknapsen lässt.

Anders formuliert: die Personalkosten der Unternehmen würden zwar sinken, ihre Umsätze aber kaum steigen. So erzeugt man zwar "gesunde" Bilanzen, aber wirtschaftliche Stagnation. Dieses Denken rührt aus einer Zeit her, als die exportorientierten Investitionsgüter-Hersteller Motor und "Leithammel" der wirtschaftlichen Entwicklung waren. Aber diese Zeiten sind vorbei, die Verhältnisse sind komplexer und volatiler geworden. Ob Michel Glos das wirklich kapiert hat :?:

Seebarsch
25.02.2007, 11:55
Der Müllermeister Glos ist ja nicht nur in den Oppositionsparteien, sondern auch seit langem in der Regierungskoaltion als völlig intellektuell minderbegabte Besetzung für den Posten des Wirtschaftsministers anerkannt.
Ohne den Arbeitslosen was zu unterstellen, verhalten die sich doch im Sinne einer "Wirtschaftlichkeit" völlig richtig, wenn sie Jobs nicht annehmen, aus denen die Verwertung des eigenen Kapitals, der Arbeitskraft, weniger einbringt als die staatliche Transferleistung.

Hinsichtlich des "Wollens" und des "Könnens" unterstelle ich mindestens 80 % der Arbeitslosen, dass sie auch ernsthaft an einer Arbeit interessiert sind.
Das Problem besteht ja wohl hauptsächlich darin, dass die Arbeitslosen am Arbeitsleben nicht teilnehmen "DÜRFEN" weil eben ausreichend Arbeitsplätze nicht vorhanden sind.
Dieses Problem wird von der Regierung nicht angegangen, während die Wirtschaft keinerlei Interesse daran haben kann, dass die Alo-Zahlen sinken, das Angebot an Arbeitsuchenden sich verknappt und damit eine Verteuerung der Arbeit für den Arbeitgeber eintritt.

Was der Müllermeister Glos will, ist mir recht klar!
Der möchte ganz einfach die Bürgerarbeit flächendeckend einsetzen!
:wut:

efge
25.02.2007, 12:17
Noch vor 2 Jahren redete Michael Glos etwas anders und hatte kurzzeitig Wirtschaftszusammenhänge erkannt:
Als Bundesminister für Wirtschaft und Technologie plädiert er am 27. Dezember 2005 für höhere Löhne in Deutschland, da wesentliche Teile der Wirtschaft wie Einzelhandel und Handwerk auf kaufkräftige Nachfrage angewiesen seien, hier müssten "die Menschen für gute Arbeit gutes Geld verdienen und es dann auch ausgeben können".
Quelle: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Glos)

Der Schbinngangerl hätte besser die Leitung des elterlichen Getreidemühlen- und Landwirtschaftsbetriebes in Prichsenstadt weiter beibehalten, das hätte er wahrscheinlich mit Bravour beherrscht. ;-)

Seebarsch
25.02.2007, 12:32
Entweder hatte er da einen lichten Moment oder was ich eher vermute, da hat ihm einer aus dem Ministerium was untergeschoben!
:)

efge
25.02.2007, 12:38
Off topic:
Deswegen bin ich auch der Meinung, dass der Glos Michael besser in seiner elterlichen Getreidemühle geblieben wäre, denn einem Müller kann man eine Fuhre unreifes Korn schlecht unterjubeln.
Heiligsblechle ;-)

ratsuchende
25.02.2007, 12:40
Zynismus/Sarkasmus on:
Ich will Arbeitspflicht für ALLE! Jeder bekommt dann die Grundsicherung und die Wohnung bezahlt. Den Rest des erwirtschafteten Geldes bekommt dann der Staat, der die Gelder an die globalen Konzerne mittels Subventionen verteilt. :off

Deutschland Quo vadis? Jeder Buchstabe ist noch schade, den man zu so einer Aussage schreibt....

StephanK
25.02.2007, 13:02
Jeder Buchstabe ist noch schade, den man zu so einer Aussage schreibt....Einspruch! Das sehe ich ganz anders.
Eine Methode von Glos und vielen anderen Politiker(inne)n besteht darin, zu sagen, wohin man möchte (das ist auch ok und ein Gebot der Ehrlichkeit, wenn's denn stimmt) - und dann Vorschläge zu machen, die etwas ganz anderes bewirken würden, wenn es nicht andere gäbe, die darauf aufmerksam machen, wohin das führen würde.

Viele Vorschläge, die in der Politik gemacht werden, sind letztlich nicht in dem Sinne ernst gemeint, dass jemand an ihre "1-zu-1"-Umsetzung glauben würde. Vorschläge ersetzen oft Argumente oder sollen schlechte Argumente dadurch "untermauern", dass ihre angeblichen positiven Erfolge schlicht in's Blaue hinein behauptet werden. Dieser (pardon, aber der Mann kommt nun mal aus Bayern!) hinterfotzigen Taktik kann man nur entgegensetzen, dass man aufzeigt, wohin das führen würde - selbst wenn es der größte Flachsinn ist.

ratsuchende
25.02.2007, 13:56
Hallo!

Ahaaaa! Politiker machen also Aussagen/Vorschläge, von denen sie NICHT wissen, was für Auswirkungen diese bei einer Umsetzung haben und sind also darauf angewiesen, daß Du, ich und noch ein paar andere dann darauf hinweisen, wohin ihre Maßnahmen führen???

Durch solche Aussagen wird doch nur das "Protestpotenzial" getestet. Bleibt der Protest unter einem gewissen Level, sind die Umsetzungschancen recht gut!

Ich persönlich kann nicht an ein generelles "Dummheitsgen" bei Politikern glauben oder haben die das alle doch???

Naja, und "Hinterfotzigkeit" ist in Bayern existenziell notwendig und nützlich!
Wenn man nicht darüber verfügt, wird hier an der allgemeinen Intelligenz gezweifelt...
Der Ausdruck "Fotze" hat übrigens in Bayern nicht die in Rest-Deutschland übliche Bedeutung, sondern bezeichnet allgemein "das Mundwerk", aus dem nicht gerade freundliche Ausdrücke getätigt werden...

x_anonymus_x
25.02.2007, 16:03
Hallo Seebarsch,

Ohne den Arbeitslosen was zu unterstellen, verhalten die sich doch im Sinne einer "Wirtschaftlichkeit" völlig richtig, wenn sie Jobs nicht annehmen, aus denen die Verwertung des eigenen Kapitals, der Arbeitskraft, weniger einbringt als die staatliche Transferleistung.

vollkommen richtig! Das ist aber, denke ich zumindest, noch gar nicht mal so das Problem. Das mag zwar durchaus in manchen (Stammtisch-)Köpfen geistern, dass Arbeitlose gezwungen werden müssten wirklich alles an Arbeit anzunehmen, was ihnen angeboten wird, aber im Endeffekt sind sich ja schon alle einig, dass Arbeit im Minimum das einbringen muss, was man von Vater Staat bekäme, wenn man einfach zu Hause bliebe.

Die Schwierigkeit bei der Geschichte fängt aber ja schon viel früher an. Und zwar schon dann, wenn ein bestimmter Lohn für angebotene Arbeit angeboten wird, der unter dem Einkommensniveau liegt, den Menschen für eine gewisse Arbeit als angemessen halten (z.B. Zeitarbeit). Weil "dafür gibt man sich bzw. die eigenen Kompetenzen nicht her", da geht man eher noch wahlweise "in die Fabrik" oder "putzen". Das liest sich im Minimum vielleicht etwas weltfremd, schlimmstenfalls einfach arrogant, hat aber in den meisten Fällen weder mit dem einen noch anderen zu tun, sondern einfach damit, dass solche Angebote als "unrecht", "unmoralisch" und als "Ausbeutung" empfunden werden. Das liegt u.a. daran, dass die meisten Menschen erstmal keine Ahnung haben, was ihre Arbeit eigentlich auf dem Arbeitsmarkt wert ist, sie möchten halt im Minimum das verdienen, was sie von ihrem letzten Arbeitgeber bekommen haben. Bis sie dann ihren ganz persönlichen Marktwert herausgefunden haben - falls sie sich darum kümmern - gehen aber erfahrungsgemäß ein paar Wochen in's Land.

Noch schwieriger wird es, wenn Arbeit in derselben Höhe entlohnt wird wie Sozialleistungen oder nur geringfügig höher. Das Problematische hieran ist, dass die heilige Kuh der Wirtschaftlichkeit nach meinem Dafürhalten den Blick auf zwei wichtige Sachen komplett verstellt.

Erstens: "Arbeit haben" stellt einen Wert an sich dar. Menschen die länger arbeitslos sind, bekommen alle durch die Bank früher oder später das Gefühl nichts mehr Wert zu sein, nichts mehr zu taugen, überflüssig zu sein. Einfach, weil unsere Gesellschaft so tickt, dass v.a. Erwerbstätigkeit die Stellung eines Menschen in dieser Gesellschaft definiert. Es ist ja z.B. ganz toll, was Vollzeitmütter so leisten, da findet sich immer jemand, der diesen "Job" als gesellschaftlich so wahnsinnig wertvoll preist. Wenn's dann allerdings hart auf hart kommt, dann zählt diese Arbeit nada, null, niente. "Du hast doch die letzten Jahre gar nichts gearbeitet, Du warst doch daheim" - diese und ähnliche Sprüche kennt jeder. Und genau dieser Mechanismus gilt eben nicht nur für Hausfrauen und Mütter, sondern jeden, der am Ende des Monats keine Kohle heimbringt. Ergo: Erwerbstätigkeit ist nach wie vor ein, wenn nicht gar der, identitätsbildender Teil unseres (deutschen) Daseins. Und das ist auch einer von vielen Gründen, warum 1EUR Jobs so floppen. Das ist nämlich auch keine "echte" Arbeit.

Der zweite Punkt ist der, dass größere Lücken im Lebenslauf durchaus "Karrierekiller" sind - wobei "Karriere" auch eine Laufbahn als Kassiererin meint. Je nachdem wie kurz-, mittel- oder langfristig Menschen planen, muss auch das mit in's Kalkül einbezogen werden. D.h. auch ein schlechtbezahlter Job, wenn er denn inhaltsmäßig in den eigenen Lebenslauf passt - ist mittel- und langfristig besser als gar kein Job - und zwar auch dann, wenn das finanziell erstmal weh tut. Das ist allerdings eine Weisheit, die zwar seit Jahren gepredigt wird, der sich aber ganz viele Menschen einfach nicht stellen wollen. Das Schlimme daran ist, es gibt immer irgendeinen Einzelfall den der oder die Betroffene dann hinter'm Ofen vorholt, wo das ja ganz anders war oder gelaufen ist. Ja, mag sein, aber die Wahrscheinlichkeit (Vorsicht Statistik), dass das auch für das eigene Leben gilt, die wird halt durch so etwas gar nicht beeinflusst. Lücken im Lebenslauf sind "pöse", und zwar so richtig. Heutzutage bewerben sich selbst auf kleinste, aber "anständige" Jobs, 100 - 400 Menschen, da kommt ein "seit 6 Monaten arbeitssuchend" im Lebenslauf ganz und gar nicht gut. Da muss die eigene Qualifikation schon sowas von überragend sein, dass man als Arbeitgeber über das Manko Arbeitslosigkeit hinweg sieht, dass sie einen durch das 80g Blatt förmlich anspringt und in die Nase beisst.

Hinsichtlich des "Wollens" und des "Könnens" unterstelle ich mindestens 80 % der Arbeitslosen, dass sie auch ernsthaft an einer Arbeit interessiert sind.

Das würde ich auch so sehen. Der Punkt ist halt, wie definiert man die "Ernsthaftigkeit". Es gibt Menschen, die sind fest davon überzeugt, dass sie ernsthaft auf Arbeitssuche sind, die es aber trotzdem gerade mal zu einer Bewerbung im Monat schaffen. Weil: "es gibt ja nix".

Das Problem besteht ja wohl hauptsächlich darin, dass die Arbeitslosen am Arbeitsleben nicht teilnehmen "DÜRFEN" weil eben ausreichend Arbeitsplätze nicht vorhanden sind.

Ja, jein, nein. Du hast natürlich recht, es ist megafrustrierend, dass selbst wenn alle Menschen, die arbeitslos werden oder geworden sind, alles "richtig" machen würden, dann würden doch nicht alle Arbeit bekommen. Sich "richtig" um Arbeit zu kümmern ist heute eben kein Garant mehr dafür auch eine zu bekommen, man braucht dafür eine entsprechende Ausbildung, Qualifikationen und v.a. auch ein bisserl Glück. Das führt dann oft dazu, dass Menschen - einfach weil's einfacher ist - das Problem lieber personalisieren und auf die betroffene Gruppe abwälzen als sich Gedanken darüber zu machen, wie das System geändert werden könnte und müsste. Das kann und darf aber eben andererseits auf der Ebene des einzelnen Arbeitslosen nicht dazu führen, dass er oder sie aufgrund der "gefühlten Hilflosigkeit" einfach gar nichts mehr oder nur noch halbherzig macht und ausschliesslich darauf hofft, dass einen das Glück wie einen Blitz aus heiterem Himmel trifft.

Dieses Problem wird von der Regierung nicht angegangen, während die Wirtschaft keinerlei Interesse daran haben kann, dass die Alo-Zahlen sinken, das Angebot an Arbeitsuchenden sich verknappt und damit eine Verteuerung der Arbeit für den Arbeitgeber eintritt.

Dieses Gefühl kann man zumindest angesichts solcher und ähnlicher Äußerungen aus Berlin oder entsprechender Verbände immer mehr bekommen. Allerdings, wie StephanK das oben schon erwähnt hat, ist das eine kurzfristige und im Endeffekt äußerst dumme Sichtweise. Denn eine Gesellschaft und unsere Wirtschaft kann nur dann prosperieren, wenn alle ihren Platz darin finden.

Danke für's Zulesen!

x_anonymus_x

--
Der obige Beitrag gibt nicht die Meinung des Verfassers wieder.
Alle Angaben ohne Gewähr

efge
25.02.2007, 17:11
Ein typisches Beispiel dafür, dass Wirtschaftsminister Glos in seiner
ökonomischen Halb-Weltsicht ein kleiner Müller geblieben ist

In einem Namensartikel im Handelsblatt poltert Michael Glos gegen den Mindestlohn. Für den gelernten Müller ist der Arbeitsmarkt nichts anderes als der Handel mit Getreide: Sinkt der Preis des Mehls nur tief genug, dann wird man das Mehl auch los. Glos: „Mindestlöhne sind Jobvernichter“ weil sie den Preis der Arbeit nicht so weit fallen lassen, dass die Anbieter von Arbeit „am Arbeitsmarkt Fuß fassen“ können. Im ökonomischen Weltbild des mittelständischen Müllers Glos gibt es offenbar nur zwei Grundwahrheiten: Erstens der Arbeitsmarkt ist ein Markt wie der Getreidemarkt und zweitens, die Erde ist eine Scheibe.

Quelle: Wolfgang Lieb / NachDenkSeiten (http://www.nachdenkseiten.de/?p=2137#more-2137)

efge
25.02.2007, 21:12
Nach dem Besuch der Volksschule in Sundern absolvierte Müntefering von 1954 bis 1957 eine Ausbildung zum Industriekaufmann und war anschließend bis 1975 in der metallverarbeitenden Industrie tätig. 1961/1962 leistete er seinen Grundwehrdienst ab.

Nach der Mittleren Reife absolvierte Glos eine Lehre zum Müller und bestand schließlich 1967 die Meisterprüfung. 1968 übernahm er dann die Leitung des elterlichen Getreidemühlen- und Landwirtschaftsbetriebes in Prichsenstadt.
Quelle: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/)

Nach den üblichen innerparteilichen Karrieren (u.a. Stadtrat, Kreistag, Bezirksvorsitzender, Bundestag etc.) bekleidet der eine das Amt des Bundesminister für Arbeit und Soziales und der andere das Amt des Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.

Hhm, zumindest zwei Gemeinsamkeiten habe ich mit beiden: Mittlere Reife und Ausbildung zum Industriekaufmann. ;-)

InquisitorII
26.02.2007, 10:14
Nicht aufregen.

Bloss ein Politiker!

Ich denke immer gerne an Animal Farm von Orwell (so wie sich Schröder aus dem Staub gemacht hat).

Filmsammler
26.02.2007, 13:17
Finde ich total gut, was Glos hier sagt. Jeder hartz IV Empfänger soll eine Gegenleistung bringen. Dreiköpfige Familie bekommt 1.175 Eur Hartz IV, hinzu kommen die Sozialleistungen (KV RV) plus je 2x 165.-Euro, was sie dazu verdienen können. Das sind 1.740.-Euro. Diese Familie bekommt also einen regulären Arbeitsvertrag mit einem öffentlichen Träger oder kann sich in einen Betrieb einklagen, wo Überstunden ohne Ende geschrubbt werden und erhält dann ein Brutto von rund 2.200 Euro. Das sind nämlich die obigen Einnahmen plus der Sozialleistungen (Wohngeld usw.), die man mit 1.720.-Euro brutto noch beantragen könnte. Diese Leistungen fallen dann endgültig weg.
Habe ich das so richtig gedacht ?

Seebarsch
26.02.2007, 15:13
Hallo Filmesammler,
schön wäre es !
Hier ist eher daran gedacht, die Leute öffentlich arbeiten zu lassen und die staatlichen Transferleistungen als Lohn zu zahlen!
Informationen zur Bürgerarbeit hier! (http://www.arbeitsagentur.de/RD-SAT/RD-SAT/A04-Vermittlung/Allgemein/pdf/Image-Broschuere-Buergerarbeit-pdf.pdf)
:o

Filmsammler
26.02.2007, 16:06
Hallo, Seebarsch
war auch etwas zynisch gemeint.
Verbietet mehr als 2 Überstunden pro Monat je Arbeitnehmer und die meisten Hartz IV Probleme sind gelöst.
Mich erinnert das ganze an eine alte Buchhalterin im Betrieb. Die saß jeden Abend bis 20.00 Uhr da und hat gebucht, wie wild, alles an sich gezogen und sich dann immer über die Faulheit der anderen beschwert.
So ist das doch auch mit den Arbeitsplatzinhabern. Die kloppen Überstunden ohne Ende und nehmen damit den Arbeitssuchenden die Jobs weg. Gleichzeitig schimpfen sie auf diejenigen, die keinen Job finden.Bin einfach dafür, dass jeder Arbeitnehmer, der eine Überstunde macht, vomLohn hierfür 80% Hartz IV Abgabe zahlen muß.

StephanK
26.02.2007, 18:58
Ich teile Deine Meinung, dass die vielen, vielen Überstunden die Schaffung neuer Arbeitsplätze verhindern und so die Arbeitslosigkeit künstlich hoch halten.

Allerdings glaube ich nicht, dass die Mehrzahl derjenigen, die Überstunden "klopfen", das aus schierer Arbeitswut tun. Manchen ist es - trotz der Einschränkungen bei der Freizeit - ganz willkommen, um niedrige Löhne aufzubessern, aber vor allem kann nur selten von Freiwilligkeit die Rede sein: wer bei Überstunden mault oder sie gar ernstlich verweigert bekommt sehr schnell zu hören, dass viele Arbeitslose bereit stehen, um den den eigenen Arbeitsplatz einzunehmen. Gerade das ist ja das Fiese, dass die Arbeitslosigkeit als Pseudo-Argument herhalten muss, um die Arbeitslosigkeit hoch zu halten... :wut:

Seebarsch
26.02.2007, 19:29
Das mit den "Überstunden" ist ja auch so eine Sache für sich. Ich kenne reichlich Betriebe, in denen dank der "Flexibilisierung" unter Mithilfe der Gewerkschaften und der Betriebsräte Arbeitszeitkonten eingerichtet werden.
Dann werden Überstunden nicht mehr bezahlt, sondern "abgefeiert" wenn es dem Arbeitgeber passt.
Im übrigen passt den Arbeitgebern und etlichen Politikern doch genau das gegeneinander ausspielen der "Arbeitsplatzbesitzer" und der Arbeitslosen!
:-x