Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Köhlers Appell zur sozialen Verantwortung der Unternehmen
Über meinen Lieblings-Sender SWR 2 erfahre ich, dass Köhler die Unternehmer mahnt, mehr gesellschaftliches Engagement zu zeigen. Die Unternehmen könnten viel mehr für die Gesellschaft tun, meint Köhler weiter. Recht so, denke ich. Endlich mal einer, der Tacheles redet.
Jetzt hatte ich erwartet, dass er den Herren Managern etwa beim Airbus ins Gewissen redet, von ihren unsozialen Entlassungsplänen Abstand zu nehmen, die ganze Regionen in Mitleidenschaft ziehen werden. Oder Ähnliches. Der Beispiele gibt es nun wahrlich genug. Aber kein Wort unseres Präsidenten dazu.
Eine Glosse zum Appell des Bundespräsidenten zur „sozialen Verantwortung der Unternehmen“ (bezeichnenderweise in Südamerika) von Joke Frerichs. Hier geht es weiter:
Quelle: NachDenkSeiten / "Köhlers Weltbild" (http://www.nachdenkseiten.de/?p=2190#more-2190)
Seebarsch
20.03.2007, 11:51
Seit wann zeigt Kapital denn Moral, geschweige denn soziale Verantwortung?
Lebe ich auf einem anderen Planeten und habe etwas nicht bemerkt?
:wut:
StephanK
20.03.2007, 12:35
Ich glaube, dass diese Frage etwas zu kurz greift.
Unternehmer sind durchaus in der Lage, sozial verantwortlich zu handeln - wenn es mir ihrem Nutzen-Kalkül vereinbar ist. Das Problem liegt dabei in unterschiedlichen Zeiträumen, die jeweils in den Blick genommen werden.
Man kann das schön veranschaulichen an der Frage der Ausbildungsplätze. Viele Unternehmen haben jahrelang kaum oder gar nicht ausgebildet und klagen heute über Mangel an gut ausgebildeten Facharbeitern. Der Fehler lag darin, nur kurzfristig auf Jahresertrag oder -bilanz zu blicken und die längerfristigen Folgen unterlassener Investitionen zu ignorieren.
Ähnliches galt und gilt z.B. für Investitionen in Umweltschutz und sparsamen Ressourcenverbrauch. Auch hier rächt sich schon heute das kurzfristige Denken.
Wenn man also Unternehmer dazu bringen könnte, in Schulen zu investieren spräche nichts grundsätzlich dagegen. In Teilbereichen und auf lokaler Ebene erfolgt das auch schon, z.B. hinsichtlich der informationstechnischen Ausstattung der Schulen.
Das eigentliche Problem liegt meiner Meinung nach aber tiefer, nämlich in der Frage der Abgrenzung zwischen privater und öffentlicher Verantwortung. Man könnte durchaus mehr auf private Verantwortung setzen. Wohin es führt, wenn man weite Bereiche dessen, das wir traditionell als staatliche Aufgaben kennen, in private Verantwortung verlagert, kann man in den USA besichtigen (und in dieser Hinsicht ist Köhler ganz und gar Amerikaner): Es führt zu einer großen Ungleichheit. Nun ist Gleichheit kein Wert an sich, aber es ist eben bedenklich, wenn die Schule im "Armenviertel" eine schlecht ausgestattete Bruchbude ist und die im "Reichenviertel" ein properer angenehmer Lernort. Es ist problematisch, wenn die Universität, deren Professoren mainstream-Meinungen vertreten, dank Spenden und Forschungsaufträgen der Industrie floriert während eine andere, an der man sich den Mut zu unbequemen Meinungen erlaubt, darben muss.
Eine solche Ökonomisierung aller Lebensbereiche führt dazu, dass die blinden Flecken des ökonomischen Denkens ebenfalls in allen Lebensbereichen Platz greifen. Darunter aber leidet das Gemeinwesen, und das können wir an manchen Ecken schon heute sehr deutlich sehen.
Genau so wie manche Lebensbereiche "staatsfrei" bleiben müssen müssen umgekehrt manche Lebensbereiche frei von ökonomischen Zwängen bleiben, sonst leidet das Gemeinwesen. Diese Erkenntnis, die zum kontinentaleuropäischen Gemeingut gehört, scheint Köhler in seiner Zeit beim IWF und in den USA abgestreift zu haben (oder es wurde ihm ausgetrieben). Für einen deutschen Präsidenten ziemlich schade.
Seebarsch
20.03.2007, 16:53
Meine Antwort war eigentlich auch provokativ!
Auf Dauer wird ein Arbeitgeber, der in "Humankapital" also die Menschen investiert, immer besser fahren, da er gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter hat.
:razz:
"Die Moral des Kapitals liegt begraben in der Logik seines Kreislaufs." - "Produktion von Mehrwert oder Plusmacherei ist das absolute Gesetz der Produktionsweise des Kapitalismus."
Alte Weisheiten von ??? ;-)
Seebarsch
20.03.2007, 17:24
K.M. aus Trier in das Ka... in der Besetzung mit F.E. aus Wuppertal!
Oute Dich nicht so, sonst hast Du die Pullacher im Nacken!
:razz: :engel:
Unter Schäuble/Beckstein kann so was gefährlich werden wenn man "Klar" sieht!
Auch die, die die Autoren nennen können, geraten unter Verdacht. ;-)
Seebarsch
21.03.2007, 12:26
Vielleicht werden wir uns da ja in einem "Lager" treffen!
:wut:
Soziale Verantwortung der AG ???
Blödsinn.Ich sehe es doch bei mir im eigenen Betrieb.Ich beantrage anfang März Urlaub für nächste woche.Gehe heute an meinen freien tag auf arbeit um mal endlich zu wissen woran ich bin,weil man mir auf schon vorheriges nachfragen nie ne antwort gab.Sehe aufn dienstplan für nächste woche,da steht ich hab urlaub von mo-fr und soll aber samstag und sonntag arbeiten gehen.und das als azubi.Die haben doch ne macke.
Dann wirste auf arbeit noch damit beschimpft man hätte nen "asoziales Verhalten" bzw. du seist ein "problem".Und das nur weil man mal 2 wochen krank war.na um gottes willen.
Da sollte der Köhler mal anfangen! Die Mitarbeiter sollen menschlich behandelt werden,das wäre ne bessere Forderung!
Sozial ist es ja auch in der heutigen zeit ne abfindung zu zahlen und die leute dann in die arbeitslosigkeit zu entlassen oder die leute für weniger geld länger arbeiten zu lassen (teleblöd)
MfG
Codeman
ratsuchende
23.03.2007, 15:20
Vielleicht werden wir uns da ja in einem "Lager" treffen!
:wut:
Hallo Seebarsch!
Liest sich zwar etwas komisch, aber solche Gedanken kommen bei mir auch hin und wieder auf. Manchmal fühle ich mich wirklich wie politisch Verfolgte in der "Zwischenkriegszeit". Nicht, daß ich mich jetzt schon verfolgt fühlen würde, aber wer weiß...Ich habe oft schon bedenken, inwieweit ich mich sowohl privat als auch "halböffentlich" äußern darf. Privat darf ich mich ja nur noch gegenüber einem bestimmten Personenkreis äußern, weil ich von 90 % aller mir bekannten Mitbürger sonst verbal gesteinigt werde. Man weiß ja nie, wohin die Zukunft uns noch führt und wer wie wann mal vor wie langer Zeit mal was gehört hat (und ob dieses Forum nicht schon vom Staat vorsorglich regelmäßig "gesichert" wird, zur allfälligen Verwendung.
Es soll ja auch damals bis ins Jahr 1940 und später noch jüdische und auch andere Mitbürger gegeben haben, die versucht haben, mit juristischen Mitteln gegen ihre Enteignung und Benachteiligung vorzugehen. Naja, die "schwammen ja sozusagen in ihrer Zeitsuppe" und konnten sich wohl nie und nimmer vorstellen, was auf sie zu kam.
Vor einiger Zeit nervten mich ja die endlosen Holocaust-Beiträge im Fernsehen schon. Ich dachte, hört das denn nie auf? Seit einiger Zeit interessiert mich das aber wieder. Woher's wohl kommt, vielleicht am Alter? oder doch an der allgemeinen Stimmung?
Seebarsch
23.03.2007, 17:05
Hallo ratsuchende,
ich dachte da nicht an den Holocaust, das wäre zu abwegig, weil der ja eben nicht das "Mundtotmachen" zum Ziel hatte, sondern die gezielte körperliche Vernichtung oder Ausrottung.
Allerdings hat es ja auch Lager bzw. Gefängnisse für "Andersdenkende" in der neuen deutschen Geschichte gegeben.
Den von mir genannten Politikern traue ich gelinde gesagt in diese Richtung schon einiges zu!
:wut:
ratsuchende
24.03.2007, 08:20
Hallo!
Ja, Du hast schon Recht, es ist etwas abwegig. Um aber mit Vernichtung und Ausrottung beginnen zu können, muß zuerst ein Klima der Angst geschaffen werden und weite Teile der Bevölkerung müßten mundtot gemacht werden, um daraufhin etwaige Proteste gar nicht erst aufkommen zu lassen....
Seebarsch
24.03.2007, 12:30
Mit Sicherheit kann es nicht schaden, wenn man nach dem Motto verfährt:
"Wehret den Anfängen!"
:?
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