polarstern
23.02.2006, 21:34
das jahr 2006 fing für mich wirklich richtig gut an. nämlich mit post von der hiesigen ARGE. ich bin 3 tage lang um den brief rumgeschlichen wie die maus um die mausefalle, denn bis jetzt waren es nie erfreuliche nachrichten.
als ich dann doch einen blick auf das schreiben warf, entpuppte sich das ganze als eine "einladung" (welch witz! ich würd sowas vorladung nennen aber nun gut...) zu einem sogenannten "bewerbungstraining" in der örtlichen VHS. im ganzen 10 tage lang sollte ich also lernen , wie man sich richtig bewirbt. vom rollenspiel bis hin zum lebenslauf, das volle programm.
nun, bisher war ich der meinung, ich wäre durchaus in der lage, mich richtig zu bewerben (vorausgesetzt es gibt offene stellen auf die ich mich überhaupt bewerben kann...) schliesslich hab ich 3 abgeschlossene berufsausbildungen, stand jahrelang im arbeitsleben in den verschiedensten jobs und bin gut über 40 und mittlerweile auch noch mediengestalter digital, also durchaus in der lage, "für mich werbung zu machen".
aber, man will ja seine mitwirkungspflicht nicht verletzen und so erschien ich pünktlich vorletzten montag im edv-raum der VHS. ein distinguierter herr von der ARGE hiess uns (ungefähr 15 leute) willkommen und hielt uns einen vortrag über sinn und zweck der ganzen veranstaltung. so richtig gefallen hat mir die aussage, dass sich die ARGE sehrwohl die zusammenstellung der teilnehmer überlegt hätte, dass man sich generell sehrwohl etwas dabei denke, wen man in so eine schulung schicke und dass er uns noch viel spass wünsche. ( ich wusste nicht dass das mit dem spass ernst gemeint war...)
unser "lehrer" wurde uns noch vorgestellt und schon saßen wir jeder vor einem etwas ältlichen computer, ich war gespannt was nun da kommen sollte. (vielleicht sollte ich hinzufügen, dass ich schon ein bisschen ahnung von rechnern habe, ohne damit angeben zu wollen, aber ich bin in einigen internet-foren admin, hab ein paar webseiten in "pflege" usw.)
nun, als erstes sollen wir mal die pcs starten und dann lernen, wie man einen ordner erstellt...ich stutzte...einen ordner erstellen? als ich mich umsah, in der hoffnung, in lachende gesichter zu blicken, wegen des scherzes mit den ordnern, sah ich lauter hilflose gesichter. mir schwante schlimmes.
meine nette nachbarin zur linken fand den knopf zum einschalten des rechners nicht, die dame hinter mir wusste nicht, wie sie die maus anfassen sollte und vorne saß eine sehr nette ältere russin, die kein wort deutsch verstand, eine fünfsprachige brasilanerin versuchte, ihr wenigstens etwas von dem zu übersetzen, was unser "lehrer" da vorne von sich gab.
ich versuchte zu helfen, wo ich konnte und stellte dabei fest, dass die meisten der anwesenden noch nie vor einem computer gesessen sind, geschweige denn einen zuhause hatten. als nun endlich wenigstens die hälfte es geschafft hatte, einen ordner zu erstellen und der kursleiter sich anschickte, schluss zu machen, ging ich zu ihm um ihn zu fragen, warum ich eigentlich da sei. er verwies mich (logischerweise, ist ja einer von der VHS) an die ARGE.
zuhause rief ich gleich bei meiner SB an um sie zu fragen, was ich in dem kurs sollte. (ich will nicht meine "mitschüler" in irgendeiner weise abwerten, sind sehr sehr nette und intelligente leute, nur kam ich mir ein bisschen vor wie im falschen film...etwa wie ein gelernter koch im jungesellenanfängerkochkurs) ich erhielt nur die etwas bissig antwort: wir haben uns schon was dabei gedacht und die mitwirkungspflicht...blabla...
naja.
ich bin also am nächsten tag brav wieder erschienen. nun sollten wir also lernen, wie man zu den ordnern unterordner anlegt. das dauerte den ganzen tag, aber wenigstens wurde mir nicht langweilig, da ich wiederum versuchte, meinen kollegen zu helfen, so gut es ging. unser kursleiter lies mich brav gewähren, obwohl er äusserst misstrauisch guckte.
nächster tag, gleiches spiel..mittlerweile kam ich ein wenig mit meinen mitschülern ins gespräch, die sich in gleichem maße überfordert fühlten, wie ich mich unterfordert fühlte. die nette ältere dame meinte, sie habe ihr leben lang als bedienung oder küchenhilfe gearbeitet, sei weit in den fünfzigern und sie brauche keinen computerkurs sondern einen job, möglichst wieder im gleichen gewerbe. die anderen nickten, in etwa sahen das alle ganz genauso.unsere vielsprachige brasilanerin (in brasilien war sie grundschullehrerin in DE hat sie lange jahre als übersetzerin gearbeitet) meinte, sie fände es ganz interessant, aber sie könnte sich wahrscheinlich vom ALG II in hundert jahren keinen pc leisten, geschweige denn, einen internetzugang finanzieren.
am vierten tag sollten wir uns auf der ARGE-internetseite über freie stellen informieren. wir bekamen eine liste mit grossen regionalen firmen, mit dem hinweis, dort sollten wir uns bewerben. (eine davon war die deutsche telekom...wollten die nicht eigentlich erstmal 32.000 leute ausstellen???)
schliesslich wurde es doch endlich freitag und unser kursleiter erklärte uns freudestrahlend, am montag wollen wir dann anfangen mit dem bewerben. dazu bräuchten wir aber alle ein foto wir sollten also zum fotografen gehen. auf den einwand, dass solche fotos nicht gerade ganz billig wären, meinte er, ein gutes foto sei sehr wichtig beim bewerben und ausserdem zahle das ja die ARGE. ich hab mich angeboten, montags eine digitalkamera mitzubringen und fotos zu machen, unentgeltlich. das war aber nun ganz das falsche, denn ein fotograf könne das ja wohl besser als ich, wurde mir mitgeteilt. (sicher kann der das besser, aber zu übungszwecken, so dachte ich, reichen einfache aufnahmen auch, soweit ich verstanden hatte, sollten wir ja lernen wie man ein foto in ein textdokument einfügt....)
übers wochenende habe ich mich dann erstmal hingesetzt und eine bewerbungsmappe für mich zusammengestellt, ansprechendes deckblatt, lebenslauf, beruflicher werdegang, zeugnisse und - natürlich - ein foto, selbstredent nicht vom fotografen.
montags wäre ich nicht dazu gekommen, da die meisten übers wochenende wieder fast alles vergessen hatten, ich war wieder mehr beim helfen, als an meinem pc.
dienstags sollten nun die fertigen bewerbungen durchgesehen werden...meine hat er keines blickes gewürdigt und die anderen waren noch nicht fertig, klar, wenn einem das einfachste grundwissen fehlt und man zuhause nicht üben kann. (wie gesagt, die leute dort sind nicht dumm, aber ihnen fehlte einfach jegliche vorkenntnis)
mittwochs gab es nur ein einziges highligt, dass mich etwas ablenkte, ein mitschüler hatte sich einen bildschirmschoner laden wollen und wollte nun von mir verzweifelt wissen, wie er die nackten frauen wieder vom bildschirm wegbekommt bevor sie jemand sieht *g*
heute, donnerstag, hatten nun die meisten eine bewerbung fertig. ein mitschüler meinte, hätte er das mit der schreibmaschine machen dürfen, hätte er höchstens 2 stunden gebraucht (er sucht übrigens eine stelle als reinigungskraft, ohne pc!)
ich bin schon ganz gespannt, wie es nun morgen, am letzten kurstag weitergeht...es fehlt ja noch das rollenspiel, das bewerbungsgespräch und das persönliche einschätzen der eigenen chancen auf dem arbeitsmarkt..bin gespannt, wie unser lehrer das alles morgen noch hinbekommt in 5 stunden.
alles in allem war das ganze für mich ziemlich für die katz. und, soweit ich mitbekommen habe, für die meisten anderen auch. ein jüngerer kollege meinte, er würde wahrscheinlich in 2 wochen wieder alles vergessen haben, er will eigentlich als kellner arbeiten und da wär es nicht so wichtig, da bewerbe man sich per telefon und persönlich. mir taten meine mitschüler teilweise richtig leid, unsere russin hätte lieber einen deutschkurs besucht, wie sie selber sagte (bzw übersetzen liess) und für fast alle wäre ein grundkurs in office-anwendungen besser gewesen, vielleicht wäre dann was hängen geblieben.
was ich in diesem kurs lernen sollte? ich weiss es nicht. ich hoffe immer noch, dass mir vielleicht ja noch morgen, am letzten tag, der grosse "aha"-effekt vergönnt ist. immerhin hab ich nette leute kennengelernt, das ist auch schon was.....
an das, was so ein "durchdachter" kurs kostet, will ich lieber nicht denken...
als ich dann doch einen blick auf das schreiben warf, entpuppte sich das ganze als eine "einladung" (welch witz! ich würd sowas vorladung nennen aber nun gut...) zu einem sogenannten "bewerbungstraining" in der örtlichen VHS. im ganzen 10 tage lang sollte ich also lernen , wie man sich richtig bewirbt. vom rollenspiel bis hin zum lebenslauf, das volle programm.
nun, bisher war ich der meinung, ich wäre durchaus in der lage, mich richtig zu bewerben (vorausgesetzt es gibt offene stellen auf die ich mich überhaupt bewerben kann...) schliesslich hab ich 3 abgeschlossene berufsausbildungen, stand jahrelang im arbeitsleben in den verschiedensten jobs und bin gut über 40 und mittlerweile auch noch mediengestalter digital, also durchaus in der lage, "für mich werbung zu machen".
aber, man will ja seine mitwirkungspflicht nicht verletzen und so erschien ich pünktlich vorletzten montag im edv-raum der VHS. ein distinguierter herr von der ARGE hiess uns (ungefähr 15 leute) willkommen und hielt uns einen vortrag über sinn und zweck der ganzen veranstaltung. so richtig gefallen hat mir die aussage, dass sich die ARGE sehrwohl die zusammenstellung der teilnehmer überlegt hätte, dass man sich generell sehrwohl etwas dabei denke, wen man in so eine schulung schicke und dass er uns noch viel spass wünsche. ( ich wusste nicht dass das mit dem spass ernst gemeint war...)
unser "lehrer" wurde uns noch vorgestellt und schon saßen wir jeder vor einem etwas ältlichen computer, ich war gespannt was nun da kommen sollte. (vielleicht sollte ich hinzufügen, dass ich schon ein bisschen ahnung von rechnern habe, ohne damit angeben zu wollen, aber ich bin in einigen internet-foren admin, hab ein paar webseiten in "pflege" usw.)
nun, als erstes sollen wir mal die pcs starten und dann lernen, wie man einen ordner erstellt...ich stutzte...einen ordner erstellen? als ich mich umsah, in der hoffnung, in lachende gesichter zu blicken, wegen des scherzes mit den ordnern, sah ich lauter hilflose gesichter. mir schwante schlimmes.
meine nette nachbarin zur linken fand den knopf zum einschalten des rechners nicht, die dame hinter mir wusste nicht, wie sie die maus anfassen sollte und vorne saß eine sehr nette ältere russin, die kein wort deutsch verstand, eine fünfsprachige brasilanerin versuchte, ihr wenigstens etwas von dem zu übersetzen, was unser "lehrer" da vorne von sich gab.
ich versuchte zu helfen, wo ich konnte und stellte dabei fest, dass die meisten der anwesenden noch nie vor einem computer gesessen sind, geschweige denn einen zuhause hatten. als nun endlich wenigstens die hälfte es geschafft hatte, einen ordner zu erstellen und der kursleiter sich anschickte, schluss zu machen, ging ich zu ihm um ihn zu fragen, warum ich eigentlich da sei. er verwies mich (logischerweise, ist ja einer von der VHS) an die ARGE.
zuhause rief ich gleich bei meiner SB an um sie zu fragen, was ich in dem kurs sollte. (ich will nicht meine "mitschüler" in irgendeiner weise abwerten, sind sehr sehr nette und intelligente leute, nur kam ich mir ein bisschen vor wie im falschen film...etwa wie ein gelernter koch im jungesellenanfängerkochkurs) ich erhielt nur die etwas bissig antwort: wir haben uns schon was dabei gedacht und die mitwirkungspflicht...blabla...
naja.
ich bin also am nächsten tag brav wieder erschienen. nun sollten wir also lernen, wie man zu den ordnern unterordner anlegt. das dauerte den ganzen tag, aber wenigstens wurde mir nicht langweilig, da ich wiederum versuchte, meinen kollegen zu helfen, so gut es ging. unser kursleiter lies mich brav gewähren, obwohl er äusserst misstrauisch guckte.
nächster tag, gleiches spiel..mittlerweile kam ich ein wenig mit meinen mitschülern ins gespräch, die sich in gleichem maße überfordert fühlten, wie ich mich unterfordert fühlte. die nette ältere dame meinte, sie habe ihr leben lang als bedienung oder küchenhilfe gearbeitet, sei weit in den fünfzigern und sie brauche keinen computerkurs sondern einen job, möglichst wieder im gleichen gewerbe. die anderen nickten, in etwa sahen das alle ganz genauso.unsere vielsprachige brasilanerin (in brasilien war sie grundschullehrerin in DE hat sie lange jahre als übersetzerin gearbeitet) meinte, sie fände es ganz interessant, aber sie könnte sich wahrscheinlich vom ALG II in hundert jahren keinen pc leisten, geschweige denn, einen internetzugang finanzieren.
am vierten tag sollten wir uns auf der ARGE-internetseite über freie stellen informieren. wir bekamen eine liste mit grossen regionalen firmen, mit dem hinweis, dort sollten wir uns bewerben. (eine davon war die deutsche telekom...wollten die nicht eigentlich erstmal 32.000 leute ausstellen???)
schliesslich wurde es doch endlich freitag und unser kursleiter erklärte uns freudestrahlend, am montag wollen wir dann anfangen mit dem bewerben. dazu bräuchten wir aber alle ein foto wir sollten also zum fotografen gehen. auf den einwand, dass solche fotos nicht gerade ganz billig wären, meinte er, ein gutes foto sei sehr wichtig beim bewerben und ausserdem zahle das ja die ARGE. ich hab mich angeboten, montags eine digitalkamera mitzubringen und fotos zu machen, unentgeltlich. das war aber nun ganz das falsche, denn ein fotograf könne das ja wohl besser als ich, wurde mir mitgeteilt. (sicher kann der das besser, aber zu übungszwecken, so dachte ich, reichen einfache aufnahmen auch, soweit ich verstanden hatte, sollten wir ja lernen wie man ein foto in ein textdokument einfügt....)
übers wochenende habe ich mich dann erstmal hingesetzt und eine bewerbungsmappe für mich zusammengestellt, ansprechendes deckblatt, lebenslauf, beruflicher werdegang, zeugnisse und - natürlich - ein foto, selbstredent nicht vom fotografen.
montags wäre ich nicht dazu gekommen, da die meisten übers wochenende wieder fast alles vergessen hatten, ich war wieder mehr beim helfen, als an meinem pc.
dienstags sollten nun die fertigen bewerbungen durchgesehen werden...meine hat er keines blickes gewürdigt und die anderen waren noch nicht fertig, klar, wenn einem das einfachste grundwissen fehlt und man zuhause nicht üben kann. (wie gesagt, die leute dort sind nicht dumm, aber ihnen fehlte einfach jegliche vorkenntnis)
mittwochs gab es nur ein einziges highligt, dass mich etwas ablenkte, ein mitschüler hatte sich einen bildschirmschoner laden wollen und wollte nun von mir verzweifelt wissen, wie er die nackten frauen wieder vom bildschirm wegbekommt bevor sie jemand sieht *g*
heute, donnerstag, hatten nun die meisten eine bewerbung fertig. ein mitschüler meinte, hätte er das mit der schreibmaschine machen dürfen, hätte er höchstens 2 stunden gebraucht (er sucht übrigens eine stelle als reinigungskraft, ohne pc!)
ich bin schon ganz gespannt, wie es nun morgen, am letzten kurstag weitergeht...es fehlt ja noch das rollenspiel, das bewerbungsgespräch und das persönliche einschätzen der eigenen chancen auf dem arbeitsmarkt..bin gespannt, wie unser lehrer das alles morgen noch hinbekommt in 5 stunden.
alles in allem war das ganze für mich ziemlich für die katz. und, soweit ich mitbekommen habe, für die meisten anderen auch. ein jüngerer kollege meinte, er würde wahrscheinlich in 2 wochen wieder alles vergessen haben, er will eigentlich als kellner arbeiten und da wär es nicht so wichtig, da bewerbe man sich per telefon und persönlich. mir taten meine mitschüler teilweise richtig leid, unsere russin hätte lieber einen deutschkurs besucht, wie sie selber sagte (bzw übersetzen liess) und für fast alle wäre ein grundkurs in office-anwendungen besser gewesen, vielleicht wäre dann was hängen geblieben.
was ich in diesem kurs lernen sollte? ich weiss es nicht. ich hoffe immer noch, dass mir vielleicht ja noch morgen, am letzten tag, der grosse "aha"-effekt vergönnt ist. immerhin hab ich nette leute kennengelernt, das ist auch schon was.....
an das, was so ein "durchdachter" kurs kostet, will ich lieber nicht denken...