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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bildungsgutschein und SAP R/3


sedanon
15.03.2006, 10:26
Ich bin Hartz IV Empfänger und hätte gerne gewußt, ob jemand Erfahrungen mit einem Antrag auf einen Bildungsgutschein und einer Weiterbildung in Sachen SAP hat.
Was könnte ich tun, um bei meinem Sachbearbeiter gute Karten auf eine Bewilligng eines Bildungsgutschein zu haben ? Ich selbst habe gerade vor 2 Wochen meine letzten Kröten zusammengekratzt und 2 Import-Export-(Abwicklungs)- Seminare besucht (Gesamtkosten 500 €). Diese habe ich selbst finanziert :-x , da ich nicht der Typ, bin der gerne um etwas bittet. Jetzt ist aber das Konto geplündert und Dispo gibt es nicht. Hätte ich nun verbesserte Chance auf einen Bildunggutschein für eine SAP-Weiterbildung, da ich ja wirklich den Willen zum persönlichen Einsatz gezeigt habe? Einen Bildungsträger für SAP in Stuttgart hätte ich auch, nur kostet dieser Kurs stramme 820 €.
Ich wäre für jede Hilfe oder Erfahrung (gerne auch spez. aus Stuttgart) dankbar.
Grüße, Sedanon

Die Ägypter
15.03.2006, 15:02
Also grundsätzlich hast du keinen originären Rechtsanspruch auf einen Bildungsgutschein, wenn du im ALG II-Bezug bist
- hier ist dein Fallmanager/Sachbearbeiter zunächst persönlich anzusprechen - hilfsweise würde ich explizit einen Antrag auf einen solchen Bildungsgutschein stellen - schriftlich - nachweisbar, per Einschreiben/Rückschein und sorgfältig begründet = wofür, welche Verbesserung der Aussichten konkret für deinen beruflichen Werdegang, welcher Träger etc. pp. Frist für Bearbeitung setzen und um Termin bitten...

Die Problematik ist hier das SGB II und der Ermessensspielraum des zuständigen SB - um hier eine Handhabe zu haben, dass er sein Ermessen pflichtgemäß ausübt (!) Dazu ist er verpflichtet (!), musst du so vorgehen.

http://www.bmas.bund.de/BMAS/Navigation/Arbeitsmarkt/Foerderung/arbeitnehmer,did=120268.html

sedanon
09.04.2006, 09:55
Letzten Freitag habe ich nun nachgefragt, wie es um einen Bildungsgutschein bzgl. einer SAP R/3-Einführung stehen würde (mit Vorweis des passenden Trägers und einer kleinen Auswahl von Stellenangeboten, um das Ansinnen zu untermauern). Nun wurde mir gesagt, dass SAP zu speziell wäre (braucht aber heute schon jeder Lagerarbeiter) und eine Weiterbildung also mein Privatvergnügen wäre (ebenso wie die Fortbildung in Sachen Import-Export, die mich 500 Euro gekostet hatte). Eine Fortbildung hinsichtlich WORD würde mich, aufgrund meiner Ausbildung nicht weiterhelfen (wenigstens wurde dies erkannt).
Das Hauptproblem scheint darin zu liegen, dass man glaubt, alle Hartz IV-Empfänger seien Menschen ohne jede Ausbildung und entsprechend sind die "Weiterbildungmaßnahmen" ausgelegt. Dass man als Akademiker, Kaufmann, Geselle, etc. nach kurzer Zeit in die HartzIV-Mühle geraten kann, wird in keiner Weise berücksichtigt. Statt dessen werden Unsummen an dubiose und halbkriminelle "Bildungsträger" verschwendet, um Weiterbildungen zu finanzieren, die bestenfalls einen Lachanfall bei pot. Arbeitgebern hervorrufen können.
Ach, fast hätte ich es vergessen :
Man würde mir den SAP-Kurs evtl. zahlen können, wenn ich vorweisen könnte, dass mich ein Arbeitgeber definitiv einstellen würde, wenn ich diesen Kurs absolvieren würde. Das sind zu viele Eventualitäten, als das dies wirklich einmal eintreten könnte. Man soll dieses Szenario mal vor dem geistigen Auge ablaufen lassen: Völlig absurd und weltfremd. Aber das ist vermutlich auch das Ziel der Übung.

StephanK
09.04.2006, 12:21
Das Hauptproblem scheint darin zu liegen, dass man glaubt, alle Hartz IV-Empfänger seien Menschen ohne jede Ausbildung und entsprechend sind die "Weiterbildungmaßnahmen" ausgelegt. Dass man als Akademiker, Kaufmann, Geselle, etc. nach kurzer Zeit in die HartzIV-Mühle geraten kann, wird in keiner Weise berücksichtigt. Statt dessen werden Unsummen an dubiose und halbkriminelle "Bildungsträger" verschwendet, um Weiterbildungen zu finanzieren, die bestenfalls einen Lachanfall bei pot. Arbeitgebern hervorrufen können.Diese Kritik bringst Du meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt :applaus:

Natürlich können die Alg II-Träger nicht ignorieren, dass unter ihrer Kundschaft viele sind, denen Basisqualifikationen fehlen. Dahinter stecken auch Probleme im Schulsystem.Leider kann man sich der Erkenntnis nicht verschließen, dass es wohl Schulabgangszeugnisse gibt, die einzig zu dem Zweck ausgestellt werden, die betreffenden Schüler aus der Schule herauszubekommen. Eigentlich ist es nicht in Ordnung, diese "Problemfälle" dann den Alg II-Träger vor die Füße zu werfen, aber sie landen eben dort und binden Kapazitäten, personelle wie finanzielle.

Es kann aber nicht angehen, dass darunter motivierte Leute leiden, deren Qualifikation zwecks Arbeitsmarktchancen einer Auffrischung oder Erweiterung bedarf, die eben nicht zum Nulltarif zu haben ist und die auch nicht von den Vertragspartnern der Alg II-Träger angeboten werden. In diesem Punkt gibt es eine Fehlsteuerung der beschränkten Geldmittel.

Für Deine individuelle Lage könnte wohl nur ein Gespräch mit der Leitung der ARGE weiterhelfen in der Hoffnung, dass dort mehr Überblick versammelt ist als auf der Sachbearbeiter-Ebene. Im übrigen glaube ich , dieses Thema wäre beim Ombudsrat (www.ombudsrat.de) recht gut aufgehoben. Nicht, um Dir im Einzelfall weiterzuhelfen (was der Ombudsrat kaum kann), sondern um mit einem konkreten Beispiel auf die beschriebene Fehlsteuerung hinzuweisen.

Codeman
09.04.2006, 13:19
Völlig richtig und genau hier liegt der Hase im Pfeffer.Die Argen werden so argumentieren:

- wir verschwenden kein geld ohne zu sehen das es was bringt.

Eben so entstehen solche Kuriositäten.Welcher AG macht das schon ? Völlig richtig.Keiner macht das.Also muss man diese Fortbildungen schon vorher machen,bevor man sich bewirbt.Alles im allen ist das wieder eine Schikane kein Geld ausgeben zu müssen.Unglaublich is das.

Mfg
Codeman

sedanon
09.04.2006, 19:36
Nur zu gerne würde ich solch einen Kurs belegen. Dummerweise kostet ein Einführungskurs ab 700-800 €. Bei einer Modulvertiefung ist man dann schon bei 4000 €. Dies würde mir nach dem sozialen Genickbruch auch noch den finanziellen Absturz einbringen (zumal ich 4000 € nie zusammenkratzen könnte, da ein Hartzer den Dispo eingedampft bekommt, geschweige denn einen Kredit erhält).
Nun gut, dann muß ich wohl weiter mit meinen 315 € in Saus und Braus leben und zusehen, wie meine Chancen Tag für Tag etwas mehr die Toilette ´runterrauschen.
Hätte ich mir nicht schon ein gesundes Phlegma angeeignet, würde ich sagen :"Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte." Von wegen fordern und fördern.

KatjaS
17.04.2006, 23:04
Also, ich hatte solche Probleme auch. Erst hieß es, SAP-Schulungen bekommen nur Industriekaufleute. Und dann hieß es, ich müsste nach Niedersachsen ziehen, weil NRW grundsätzlich keine SAP-Schulungen bezahlen würde.

Nun, mittlerweile habe ich es geschafft, dass ich jegliche Schulung machen könnte, die ich machen wollte. Das Problem allerdings ist, dass ich eine Zertifizierung nicht bezahlt bekommen würde vom Amt. Heißt also, dass ich lediglich eine Art "Teilnamebescheinung" vorweisen könnte.

Ich kann dir nur raten: sei hartnäckig. Und zur Not gehste in die Chefetage deines JobCenters. Nachdem ich das gemacht habe und von dort wieder zurück zu meinem Fallmanager bin funktioniert das auch. Allerdings habe ich mich noch nicht für eine Schulung entschieden.

LG
Katja

sedanon
18.04.2006, 20:01
Ich kann nur raten : Mitnehmen was man bekommen kann. Alles ist wichtig für die Bewerbungsmappe (und eine SAP-Zertifzierung bekommt auch im Unternehmen nicht jeder Sachbearbeiter bezahlt, denn wichtig ist jediglich das Wissen um den Umgang mit SAP)