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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Armut grenzt aus....


Die Ägypter
16.03.2006, 01:34
Lesenswerte Seite:

http://www.ausstellung-armut-grenzt-aus.de/menue/a_home.htm



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Minga610
19.03.2006, 20:18
Hallo nefertari,

da zu diesem Thema noch niemand gepostet hat, will ich mal den Anfang machen. Armut scheint keinen zu interessieren, ergo betrifft es auch niemand in diesem Forum. Dann geht es den meisten hier doch noch zu gut. Oder haben die User einfach nur Angst ihre Meinungen zu veröffentlichen.

Armut grenzt aus. Da stimme ich dir voll und ganz zu. Einmal im finanziellen Bereich. 345 Euro im Monat, das reicht gerade so aus zum nacktem Überleben. Man sagt schon scherzhaft, die Hartz IV-Empfänger erkennt man in den Geschäften an ihrem gebückten Gang. Warum am gebückten Gang ? Weil die billigsten Produckte in den Regalen immer ganz unten stehen.

Zum LEBEN reicht es nicht aus. Zum Leben gehört auch mal ein Theaterbesuch, einmal in ein Restaurant gut essen gehen, mal ein Kinobesuch, einmal trotz Hartz IV, ein paar Tage in Urlaub fahren, oder einfach nur mal Freunde einladen oder Freunde besuchen. Zunächst wird das alles nur eingeschränkt, mit der Zeit fällt das alles ganz weg.

Man verliert den Kontakt zur Gesellschaft man vereinsamt. Das ist das Schlimmste an der ganzen Sache. Wer einen PC und Internetanschluss hat kann sich glücklich schätzen, da geht der Kontakt zur Außenwelt noch nicht völlig verloren.

Man verliert sein Selbstwertgefühl und das Gefühl gebraucht zu werden. Man ist vollkommen auf diesen besch....... Staat angewiesen, man wird vollkommen abhängig von ihm. Vielleicht ist das der eigentliche Hauptzweck von Hartz IV. So kriegt man seine Bürger am Besten klein.

Dabei wäre doch Arbeit genug vorhanden. Man siehe sich nur mal genau in Deutschland um. Das Land geht kaputt, alles zerfällt, alles geht vor die Hunde. Und keiner bemerkt es und keinen interessiert es. Da ich in der Nähe zu Frankreich wohne bin ich ab und an auch mal „drüben“. Bis vor etwa 10 Jahren hat man immer gefühlt und gesehen wenn man in Frankreich ist. Schlechte oder kaputte Straßen, öffentliche Gebäude im schlechten Zustand, vieles verdreckt und etwas vergammelt. Und viele Franzosen die nach Deutschland zum Tanken und zum Einkaufen kamen, weil es bei uns billiger war als in Frankreich. Heute ist alles umgekehrt. Heute sieht und fühlt man wenn man wieder in Deutschland ist, im negativen Sinn natürlich. Und die Deutschen fahren nach Frankreich zum Tanken und zum Einkaufen, weil es dort jetzt billiger ist.

Jetzt bin ich aber wieder abgeschweift. Zurück zur Armut und Hatz IV. Noch etwas Schlimmes ist mit Hartz IV dazugekommen. Die Verunglimpfung und Beschimpfung von vielen Politikern als Schmarotzer, Parasiten und ähnlichem. Die Presse und viele Fernsehsender haben sich dem angeschlossen und die Bürger glauben es am Ende auch. Ich bin mittlerweile soweit gekommen, dass ich nur noch nachmittags in die Geschäfte gehe. Morgens hatte ich das Gefühl jeder starrt einen an, das Hartz IV ist einem auf die Stirn geschrieben.

Das Allerschlimmste zum Schluss. Armut und Kinder. Offiziell gibt es ja keine Kinderarmut in Deutschland. Wenn man sich aber die öffentlichen Tafeln oder Kleiderkammern von kirchlichen Einrichtungen oder anderen Organisationen ansieht, wird man eines bessern belehrt. Es werden immer mehr und die Schlangen davor werden immer länger. Und das in dem reichen Deutschland, mir wird langsam übel. Und die Politiker beklagen sich über den Kindermangel.

Genug geschrieben, ist schon wieder zu lang geworden, wahrscheinlich auch etwas schwierig zu lesen.
Hoffentlich folgen noch andere Meinungen zu diesem Thema.

Grüße

Upsala
19.03.2006, 20:34
Bleiben doch nur WIR! Wir, die noch kommunizieren können, weil die Mittel gerade noch reichen aber der Abgrund schon in Sichtweite ist. Den Mantel noch mal teilen mit denen die keinen haben. Oder sehe ich das falsch?

Die Ägypter
19.03.2006, 20:39
Hallo Minga61,

danke für dein Post - ich hatte mich schon gewundert, bzw. Sorge, eventuell meinen Finger zu tief in irgendwelche Wunden gelegt zu haben (kleine Schwäche von mir....).

Und... ich stimme dir vollumfänglich zu... meine sozialen Kontakte beschränken sich auf meinen Sohn (17 Monate alt) und den Kassiererinnen des E**** bzw. Al**-Marktes in der Nähe... ab und zu kommt mal der Postbote klingeln, wenn ich ein Handtuchpaket bei Ebay ersteigert habe oder mein Katzenfutter und alles was schwer ist bei Schl**** online erwarb...

Ansonsten - den letzten Kinobesuch hatte ich irgendwann, als ich mit Leon schwanger war (wie lange ist das eigentlich schon her... schnauf) und Cafés oder Kneipen... geht schon wegen fehlendem Babysitter nicht, wie sollte ich den auch bezahlen... Also bleibe ich mit meinem Hintern zuhause von Spazierfahrten mal abgesehen...

Freunde habe ich auch - klar - aber merkwürdigerweise steht keiner von denen im ALG II-Bezug und da ich meine Situation nicht ständig erklären mag (kein Kindergartenplatz bla bla bla) habe ich mich fast vollständig zurückgezogen...

Bleiben noch ein paar Kontakte zu Betroffenen aus Foren wie diesem... aber eben auch immer die gleichen Themen.... hier gekürzt, da Klage laufen, dort mit Person X gesprochen, die Kontrolleure in der Wohnung hatte... den ganzen Tag immer nur das ewig gleiche Thema...

Manchmal kotzt es mich echt an.... Gestern habe ich zwei dieser Online-Bekanntschaften quasi wegen meiner mittlerweile auch vorhanden und nicht mehr zu unterdrückenden Agression eingebüßt...

Da werden bestimmte Anforderungen an die große Politik gestellt... es wird darüber theoretisiert, warum Franzosen "wehrhafter" sind als Deutsche, es wird z.B. an ein Demokratieverständnis appeliert, was in kleinem Rahmen, z.B. ein bestimmtes Forum betreffend (nicht dieses!), schon nicht umgesetzt wird.... Alles total verlogen...

Im Prinzip - so meine Erfahrung aus dem letzten Jahr... sind schon die Arbeitslosen nicht bereit, zusammenzurücken und zusammenzuhalten - da wird dann das berufliche "Aus" über andere Macht im kleinen Rahmen kompensiert und die typische "wer ist der bessere Arbeitslose-Diskussion" kommt auch immer wieder auf...

Und bei alldem wollen wir die Noch-Arbeitnehmer auf die auch für sie bedrohliche Situation hinweisen? Sie davon überzeugen, sich mit uns zusammenzuschließen? Völlig unmöglich....

Und dann erkläre ich einer Frau, die in einem völlig anderen sozialem Geflecht befindlich ist, wie es sich so als Alleinerziehende lebt und welche beruflichen Aussichten überhaupt noch realistisch sind .... aber das ist ein anderes Thema...

Sorry... aber manchmal ist es "echt" "ätzend"!

Ja - es ist genügend Arbeit da... soziale Arbeit unter anderem... die vorhandene Arbeit muss nur anders aufgeteilt und entlohnt werden... aber das sind politische Theorien und es hat etwas mit unserer Gesellschaft und dem Anspruchsdenken des Einzelnen dieser Gesellschaft zu tun, warum vieles niemals umzusetzen sein wird...

Traurige Grüße aus dem ebenso armen Bremen ins Saarland!

StephanK
19.03.2006, 20:57
Im Prinzip - so meine Erfahrung aus dem letzten Jahr... sind schon die Arbeitslosen nicht bereit, zusammenzurücken und zusammenzuhalten - da wird dann das berufliche "Aus" über andere Macht im kleinen Rahmen kompensiert und die typische "wer ist der bessere Arbeitslose-Diskussion" kommt auch immer wieder auf... Nicht bereit, zusammenzurücken... Das ist schon wirklich ein Problem.
Einerseits sollte man denken, dass vergleichbare Schicksale Solidarität schaffen. Andererseits sind wir aber Konkurrenten um die zu wenigen Arbeitsplätze. Liegt es daran?
Oder liegt es daran, dass wir die gleiche Betroffenheit von der gleichen Politik, das gleiche Ausgegrenztsein aus der Mehrheitsgesellschaft noch immer zu sehr als individuelles Schicksal wahrnehmen, an dem man ja doch vielleicht etwas ändern könnte, wenn man bessere Zeugnisse hätte oder über Beziehungen verfügen würde oder einfach mehr Dusel und/oder Chuzpe hätte?
Ich weiss nicht, ob Ihr schon Vorstellungsgespräche erlebt habt, zu denen mehrere Bewerber gleichzeitig geladen waren. Das ist wirklich eine Situation, die jedenfalls ich nur als knallharte Konkurrenz erfahren habe. Vielleicht wirkt das zurück in den Alltag?

Viele Fragezeichen. Aber es sollte mir auch mal erlaubt sein, mehr zu fragen als zu antworten... 8)

Die Ägypter
19.03.2006, 21:30
jep... das auch...

Aber eben auch andere "Vergleiche"... nehmen wir mal mein Beispiel: Ich habe durch meinen Sohn, quasi Schonfrist... keine Eingliederungsvereinbarungen, kein möglicher EEJ... aber "volle" Leistung...

Und schon ist sie wieder da.. die Neidsituation...

aber... jetzt kommt das 2. Aber... wenn mein Sohn 3 Jahre alt wird und in den Kindergarten kommt (halbtags) muss ich meinen ALg I-Anspruch geltend machen (ruht)....

Und obwohl ich Vollzeit gearbeitet habe (bis eine Woche vor der Geburt), bekomme ich dann nur anteiliges ALg I, weil ich für meinen Sohn *keine Vollzeitunterbringung bekommen kann... also bleibe ich im erg. ALg II-Bezug mit der Wirkung, dass ich die üblichen Rechte, die ein ALg I-Empfänger hat (Staffelung Gehaltseinbußen und andere) für mich nicht beanspruchen kann...

* Vollzeitunterbringung möglich, wenn Job bereits vorhanden ist (nur... welcher AG stellt ein, wenn Kindesunterbringung nicht gesichert ist?) Dazu die Meldefristen und... die Ferienzeiten der Kindergärten....

Und schon ist da wieder eine Ungerechtigkeit...

Konkurrenzdenken vor oder bei Vorstellungsgesprächen kenne ich komischerweise nicht, wenn man in den Vorräumen gem. mit anderen "wartet" sind alle unsicher... und Gruppenveranstaltungen empfand ich bislang auch ähnlich, vielleicht ist das ja berufsabhängig =?

Minga610
19.03.2006, 22:01
Solch ein Vorstellungsgespräch hatte ich auch in den letzten Wochen. Eine Gruppenveranstaltung mit 20 Bewerbern.

Eine bedrückende Atmosphäre. Schleimereien und Anbiederungen beim Arbeitgeber. Eine feindselige Stimmung unter den Bewerbern, keiner hat mit dem anderen viel geredet. Und üble Scherze vom künftigen Chef, über einige Gehaltsvorstellungen, die auf dem Bewerbungsfragebogen aufzuschreiben waren.

Eine ganz schlimme Sache finde ich. Und das scheint jetzt in Mode zu kommen. Pfui Deibel !!!!!!

Ein Gehalt wurde vom künftigen Arbeitgeber vorgegeben. Wer das angebotene Gehalt am meisten unbietet bekommt dann den Job.

Da schleimen und anbiedern nicht mein Ding sind und ich beim Arbeiten nicht noch draufzahlen will, bin ich leer ausgegangen.

Dieser gute Arbeitgeber steht schon wieder in den Stellenangeboten. Zwei Halbtagsstellen sind noch zu besetzen. Sein Gebot 550 Euro brutto im Monat. Kommt billiger als eine Vollzeitstelle. Die Jobversteigerungen gehen munter weiter.

Ich habe das Vorstellungsgespräch meiner Arge geschildert. Dort herrschte nur Kopfschütteln. Diese Art Vorstellungsgespräche nehmen leider zu und daran ist nichts zu ändern. Man verkauft praktisch seine Seele um einen miesen Job zu bekommen.

Grüße

StephanK
19.03.2006, 22:50
Kleine Abschweifung:
Man verkauft praktisch seine Seele um einen miesen Job zu bekommen.Dem kann man auch mit ein bisschen moralischer Aufrüstung entgegentreten.
Kennt Ihr die Absageagentur (www.absageagentur.de)?

Minga610
20.03.2006, 11:35
Hallo Neferati,

Danke für deine Antwort auf meine Nachricht. Es hat gut getan mal den ganzen Ballast loszuwerden der Dank Hartz IV auf einem lastet. Wie ich aus deiner Antwort entnehmen konnte, geht es dir ähnlich wie mir. Ich dachte schon ich wäre ein Einzelfall.

Aber leider noch immer keine große Resonanz hier im Forum, keiner scheint sich zu trauen einen eigenen Beitrag zu schreiben. Ich bin etwas enttäuscht darüber. Die Meinungslosigkeit herrscht vor, wie überall. Es geht hier fast genauso zu wie draußen. Zu ihren Problemen wollen viele User Hilfe, wenn die Hilfe erfolgt ist der User verschwunden. Eigene Erfahrungen zu schildern und damit auch anderen zu helfen, wäre doch sehr hilfreich. Geteiltes Leid ist immer noch halbes Leid. Etwas mehr Zusammenhalt unter den Arbeitslosen wäre wünschenswert. Auch hier fehlt die Solidariät. Die bekannten User, die man an ihrem Ranking erkennt, natürlich ausgenommen.

Diesen einen längeren Artikel werde ich noch schreiben, dann werde ich mich wahrscheinlich als aktiver User aus dem Forum verabschieden. Dank den Moderatoren und einigen sehr guten Stamm-Postern habe ich hier sehr viel über meine Rechte gelernt. Jetzt könnte ich eigentlich „Draußen“ als Einzelkämpfer wieder alleine weitermachen.

Zur Zeit erinnert mich vieles in diesem Land an die letzten Jahre der DDR. Die Parteibonzen, die politische Führung und die „Elite“ des Landes, oder die die sich dafür halten, scheinen in einem eigenen Staat im Staat zu leben. Das Leben genießen und die eigenen Pfründe zu sichern geht über alles. Mauscheleien und Bestechlichkeit nehmen immer mehr zu bei den genannten Personengruppen. Wie es dem gemeinen Volk geht wissen sie nicht oder wollen es nicht wissen. Keine Ahnung von der Wirklichkeit, von der Realität.

Jeden Monat werden zynisch lächelnd die geschönten Arbeitsmarktdaten bekanntgegeben. Bei 5 Millionen Arbeitslosen ( 8 Millionen sind wohl Realität ) wird stolz verkündet, es gehe jetzt aufwärts, der Tiefpunkt ist überschritten. Das Spielchen geht seit Jahren so.

Wir müssen den Gürtel enger schnallen, wir müssen länger arbeiten, wir müssen Abstriche an Renten und Krankenversicherung machen und wir müssen Abstriche am Sozialsystem machen. Köhler, Merkel, Müntefehring und viele andere sagen immer wir und meinen mit dem WIR doch nicht sich selbst, sondern nur den deutschen Michel, das einfache Volk. Und der deutsche Michel merkt es nicht, nimmt alles ohne den kleinsten Protest hin.

Ich möchte hier mal einen Vegleich anstellen zwischen Regierung/Arbeitgebern/Aktiengesellschaften einerseits und Arbeitern/Rentnern/Arbeitslosen andererseits. Daraus erklärt sich auch die immer größer werdende Armut in Deutschland. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander.

Regierung/Arbeitgeber/Aktiengesellschaften
 Die Verflechtung von Staat, Parteien und Unternehmen nimmt immer mehr zu
 Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen erhöhen sich jährlich
 Die Sozialausgaben des Staates werden immer weiter gekürzt
 Die Börse boomt, der DAX erreicht fast täglich neue Rekordmarken
 Die Gewinne der deutschen „Global Player“ steigen ins Unermessliche
 Die Renditen der Aktiengesellschaften steigen immer weiter
 Die Gewinne aus dem Export steigen immer mehr, wir sind schon wieder Exportweltmeister
 Die Steuerbelastung von Firmen und Unternehmen sinkt weiter

Arbeitnehmer/Rentner/Arbeitslose
 Die Reallöhne sinken seit Jahren
 Das Renteneintrittsalter wird stetig erhöht, eigentlich eine Rentenkürzung
 Steuer und Abgabenlast steigen immer weiter
 Wasser, Strom, Gas und Benzin sind kaum noch bezahlbar
 Die Arbeitslosigkeit bleibt gleichbeibend hoch
 Sozialversicherungspflichtige Stellen werden weiter abgebaut
 Minijobs und 1 €-Jobs gibt es immer mehr
 Der Arbeitsmarkt wird immer mehr vernachlässigt

Das alles sind für mich die Gründe für die immer weiter steigende Armut. Wohin verschwindet das ganze Geld, wohin verschwinden die ganzen Steuergelder. Im nächsten Jahr kommt dann die große Mehrwertsteuererhöhung. Die Folgen werden katastrophal. Dann ist hoffentlich die Geduld des deutschen Michels erschöpft und wir bekommen französische Verhältnisse. Wir müssten uns ein Beispiel nehmen an den Bürgern der ehemaligen DDR. WIR sind das Volk, raus auf die Straßen.

Grüße

Upsala
20.03.2006, 11:55
:nein: :sdagegen: … und wir sind in Frankreich. Auch ohne viele Worte!

Die Ägypter
20.03.2006, 11:59
Hallo Minga61,

du schreibst:

Aber leider noch immer keine große Resonanz hier im Forum, keiner scheint sich zu trauen einen eigenen Beitrag zu schreiben. Ich bin etwas enttäuscht darüber. Die Meinungslosigkeit herrscht vor, wie überall. Es geht hier fast genauso zu wie draußen. Zu ihren Problemen wollen viele User Hilfe, wenn die Hilfe erfolgt ist der User verschwunden. Eigene Erfahrungen zu schildern und damit auch anderen zu helfen, wäre doch sehr hilfreich. Geteiltes Leid ist immer noch halbes Leid. Etwas mehr Zusammenhalt unter den Arbeitslosen wäre wünschenswert. Auch hier fehlt die Solidariät. Die bekannten User, die man an ihrem Ranking erkennt, natürlich ausgenommen.

= richtig!

Aber dann schreibst du weiter:

Diesen einen längeren Artikel werde ich noch schreiben, dann werde ich mich wahrscheinlich als aktiver User aus dem Forum verabschieden. Dank den Moderatoren und einigen sehr guten Stamm-Postern habe ich hier sehr viel über meine Rechte gelernt. Jetzt könnte ich eigentlich „Draußen“ als Einzelkämpfer wieder alleine weitermachen....

Und machst im Prinzip genau das, was du anderen indirekt vorwirfst (nicht falsch verstehen, bitte!) du begibst dich aus der möglichen Solidarität (die man nicht geschenkt bekommt) zurück in das "Einzelkämpfertum"...

Feline
20.03.2006, 15:32
Da muss ich Kristin recht geben.

Ich schreibe zwar auch nicht viel, zuerst wirklich nur konkrete Fragen, dann aber auch ab und an meine Menung, aber ich lese hier regelmäßig mit.
Und gerade hier in diesem Thread wurde von Euch schon sehr viel gesagt, dem ich eigentlich nur wenig hinzufügen kann, weil es ja richtig und wahr ist, was Ihr da schreibt.
Habe jetzt nicht mehr viel Zeit, werde aber heute abend noch einmal hier reinschauen und auch mal was zu meiner derzeitigen Situation schreiben, also so finanziell halt, wie das bei mir so "klappt" oder halt auch nicht. ;-)

EDITt: So, dann sag ich auch mal so Einiges dazu.
Bei mir ist es so, dass es halt so kontinuierlich immer weniger Geld wurde, das mir monatlich zur Verfügung stand, weil ich schon vorher lange Alhi bezogen hatte. Der "Fall" war dann nicht mehr sooo tief (ca. 75 Euro weniger).
Irgendwie konnte/muste ich mich also über Jahre jedes Jahr auf etwas weniger Geld einstellen. Das geht einem irgendwann in Fleisch und Blut über. Man verzichtet nach und nach auf Einiges, was mehr oder weniger schwer fällt, sicherlich.
Was wirklich schmerzte im Übergang von Alhi zu Alg II war die Tatsache, dass ich vorher noch ca. 75 Euro Wohngeld bekommen hatte. Die waren nun auf einmal auch futsch.
Inzwischen hat sich auch herausgestellt, dass meine Wohnung ca. 35 Euro zu teuer ist, ich aber nicht ausziehen möchte, also das vom Regelsatz drauflege. Das wird mit der nächten NBK-Abrechnung wahrschenlich noch härter werden.
Naja, paar Vergünstigungen gibt es noch, beim Mieterbund z.B. ermäßigter Mitgliedsbeitrag, und die Befreiung von der GEZ-Gebühr.

Internet und Flatrate hatte ich vorher schon. Das hilft auch wirklich, informiert zu bleiben, auch neue soziale Kontakte zu knüpfen, ohne vorher in teuren Kneipen rumzusitzen o.ä. und so nicht zu vereinsamen, auch einfach seine Offenheit und sein Selbstbewusstsein nicht total zu verlieren und sich nur noch zuhause zu verkriechen.
Da hatte ich dann das Glück, das bei meiner Telefongesellschaft ein weit besserer/schnellerer Internetzugang mit Flatrate günstiger war als meine altmodische 56k Modem-Flatrate (Segen der neuen Technik :shock: :lol: )

Ich habe diverse Hobbies (grad im Bereich Internet), die mich so gut wie nix kosten zusätzlich, das empfinde ich auch als großes Glück.
Bisher *toitoitoi auf holz klopf* komm ich immer noch durch, weil meine Ansprüche einfach kontinuierlich runtergegangen sind, ich allein bin, kein Auto hab und mich auch an den kleinen und kostenlosen Dingen dieser Welt erfreuen kann....
Aber manchmal wundere ich mich auch, wie ich das hinkrieg und wie lange das noch so gehen wird, und ich mach mir Sorgen, wie das weitergehen wird.... *seufz*

Achja, und ich habe mehrere Bekannte, die trotz Job auch nicht wesentlich mehr Geld zur Verfügung haben als ich, denen es aber wichtig ist, vom Staat unabhängig zu sein. Da kommt dann kein "Neid" auf mich auf, was die Kommunikation doch sehr erleichtert.

lg

Feline

Minga610
21.03.2006, 20:13
Hallo Nefertari.

woher kommt dieser Name? Aus dem alten Ägypten? Eine Nefertiti kenne ich. Die Gattin von Echnaton, dem Ketzer und Mutter von Tut ench Amun. Uns bekannt als Nofretete. Aber Nefertari ????????

Zurück zu letzten Posting. Ich habe mich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt. Bestimmt die übliche Montags-Depression, wie zu Beginn einer jeden neuen Woche.

Mit aktiv zurückziehen meinte ich, keine von diesen überlangen, schwer zu lesenden, meist zynischen und etwas ironischen Artikeln mehr. Helfen kann ich damit ja sowieso niemanden, dass war mir klar. Sie sollten als Anstoß für andere User dienen, sich öfters an Diskussionen zu beteiligen, ihre eigene Meinung zu veröffentlichen, sich mehr für Politik und die gesellschaftspolitischen Probleme zu interessieren.

Das ging in den meisten Fällen leider gründlich daneben. Zu wenig Interesse, hätte ich mir denken können. Dem Forum bleibe ich natürlich weiter treu. Eher passiv als aktiv. Sollte ich einen anderen User helfen könne werde ich das natürlich versuchen und weiter posten. Der „Einzelkampf“ draußen geht parallel weiter. Mal sehen, ob ich noch einige Leute für das Forum gewinnen kann. Zur Zeit scheine ich ja der einzige Saarländer sein, das muss sich ändern.

Noch eine Bitte an die Moderatoren.

Gestern Abend liefen im Fernsehen zwei Berichte über Arbeitslose und Hartz IV.
In der ARD lief Report. EinTatsachenbericht über Hartz IV, über Kinderarmut, über öffentliche Tafeln und den Berufsaussichten für über 50 jährige. Fazit: Sehr realistisch, bitter und wahrheitsgemäß.

Später lief im „Schmuddelsender“ SAT 1 Focus-TV. Über Mallorca-Karin, Hartz IV-Betrug und Sozial-Schmarotzer. Fazit: Eine ganz üble Hetzsendung. Jeder Hartz IV-Empfänger ist ein potentieller Betrüger, der versucht sich auf Kosten der Steuerzahler ein angenehmes Leben zu machen.


Hierüber wäre ein neuer Thread und eine Diskussion von den Moderatoren angebracht.

MfG

Die Ägypter
21.03.2006, 20:32
Später lief im „Schmuddelsender“ SAT 1 Focus-TV. Über Mallorca-Karin, Hartz IV-Betrug und Sozial-Schmarotzer. Fazit: Eine ganz üble Hetzsendung. Jeder Hartz IV-Empfänger ist ein potentieller Betrüger, der versucht sich auf Kosten der Steuerzahler ein angenehmes Leben zu machen.

Hi Minga61,

du meinst einen Thread - um darüber zu diskutieren, warum einige Medien diese einseitige und unrichtige Berichterstattung vornehmen?

Dazu hätte ich jede Menge Thesen... Propaganda... dem Steuerzahler flüstern... passt auf, dass ihr euch hübsch anpasst, sonst..... Interesse dahinter seitens der Wirtschaft ist klar... Lobby... Einfluss... Löhne drücken... von anderen Themen und Zusammenhängen ablenken... etc. pp. usw. usf.

= wenn die anderen Moderatoren es befürworten und der Admin damit einverstanden ist... warum nicht....

Ich persönlich werde da immer sehr frustig, deswegen habe ich mir dieses Lügenteil gestern geschenkt, weil ich davon absolut agressiv werde, ganz einfach weil es einem klarmacht, wie hilflos man dem gegenüber steht... und je mehr man über die Hintergründe und Zusammenhänge weiß, desto unerträglicher wird die eigene Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit.

Manchmal wäre es unendlich einfacher dumm zu sein!

Upsala
21.03.2006, 20:36
Manchmal wäre es unendlich einfacher dumm zu sein!

Gruß
stupido :engel:

Die Ägypter
21.03.2006, 20:58
Manchmal wäre es unendlich einfacher dumm zu sein!

Gruß
stupido :engel:

= Was meinst du?

Upsala
21.03.2006, 21:09
Mich!
In der einfachen Übersetzung aus dem lateinischen stupido = ich bin dumm
Aber einfach ist das nicht!
:-x

Die Ägypter
21.03.2006, 21:37
:D und ich glaube dir kein Wort.... trotz des Namens!

Upsala
21.03.2006, 22:20
Die Wissenschaft behandelt die Frage "wie" und der Glaube die Frage "warum".
Also, wie grenze ich ein, warum ich dumm bin?

Aber ich würde mich freuen, wenn Minga erst die Widersprüche klärt, bevor sie die neuen Themen anreißt.

Minga610
21.03.2006, 23:20
Nur so am Rande, Minga ist keine Sie, sondern ein ER.

Definiere einmal Widersprüche.

Upsala
22.03.2006, 00:12
Sorry!

Die Widersprüche die Kristin schon angedeutet hat und das Desinteresse das du dem Forum vorwirfst! Da fehlt mir eine Begründung.

Kugelkatzi
22.03.2006, 09:22
Ich wollte nichts zu dem Thread schreiben, aber da einem hier Meinungslosigkeit vorgeworfen wird, sage ich auch mal was dazu. Ich selbst werde aber nicht von Hartz4 betroffen werden, da ich, wenn ich aus dem ALG 1 Bezug falle, zu Recht kein ALG 2 bekomme.

Natürlich sehe auch ich mit Schrecken, was in diesem Land vorgeht. Die Schere geht immer weiter auseinander. In ein paar Jahren wird es mMn keinen Mittelstand mehr geben, es wird nur noch arm oder reich geben, nichts mehr dazwischen.

Und ich habe Angst, dass wir dann Zustände wie in Frankreich bekommen. Dass es dann erst Straßenschlachten gibt und die dann ausarten.

Eine Lösung sehe ich aber auch nicht. Es ist nun mal kaum noch Geld in den Staatskassen, woher soll denn dann Geld kommen, um Hartz 4 wieder aufzustocken? Der Hund beißt sich doch in den eigenen Schwanz, denn je mehr Arbeitslose, um so weniger Steuereinnahmen und umso mehr Hartz 4 Empfänger, die dann kein Geld mehr haben, um zu konsumieren, was wiederum Arbeitsplätze gefährdet.

Wir rutschen alle gemeinsam in die Katastrophe rein. Das einzig Gute ist, irgendwann werden wir in der Talsohle angekommen sein und dann gehts wieder bergauf. Es wird den großen Knall geben, er wird kommen.

Aber dann werden wir uns wieder zusammenrappeln und es wird weiter gehen.

witchcraft
22.03.2006, 12:40
Stimmt - und zwar nicht nur uns Erwachsenen, sondern auch die Kinder.

Ihr wollt hier eigene Erfahrungen mit dem Thema Armut:

Als alleinerziehende Mutter von drei Töchtern war ich ständig gezwungen zwei Jobs zu haben. Ich hatte mich von meinem Ex-Mann getrennt nachdem der seinen Job verloren hatte und die ganze Familie durch seinen damals beginnenden Alkoholismus immer tiefer in den Abgrund zog. Nachdem ich mich getrennt hatte, gabs erstmal keinen Unterhalt für die Kinder, da der Kindsvater einen Entzug durchmachen mußte und somit kein Geld für Unterhalt hatte. Nachdem er endlich einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma bekam, hatte er zu wenig Geld um den Unterhalt für zwei Kinder laut Düsseldorfer Tabelle zu bezahlen. Da der Vater der Kinder nicht den vollen Unterhalt bezahlen konnte, mußte eben ich ran. Unterhalt hab ich - da ja berufstätig nicht bekommen. Kurz und gut.

Meine Kinder hatten zwar Freunde und alles was sie brauchten um in der Schule mit den anderen mitzuhalten. Doch war ich einfach nicht ständig in der Lage irgendwelche Markenklamotten, Edelrücksäcke etc. zu finanzieren. Versucht hab ich - ist mir auch gut gelungen - meine Kinder davon zu überzeugen dass es nicht auf die Verpackung, sondern auf den Inhalt eines Menschen ankommt. Na ja das zu schlucken war nicht immer einfach für die beiden jüngsten. Trotzdem manchmal war ich fix und fertig, denn meine Freunde hatte ich trotzdem, nur ich konnte eben nicht mitreden von Urlaub in Ägypten, Kreuzfahrt in der Karibik und zu einigen Aktivitäten meiner Freunde bin ich gar nicht erst mit. Ich kann nicht sagen dass ich von meinen Freunden ausgegrenzt wurde, eher dass ich mich selber ausgegrenzt habe.

Meinen Töchtern konnte ich jeweils eine gute Schul- und Berufsausbildung finanzieren, doch der Preis war dass ich permanent Schulden hatte und heute noch habe. Damit die Kinder nicht ausgegrenzt waren und sämtliche Schulausflüge - egal ob nach London oder zum Skifahren - dabei waren, hab ich eben Schulden gemacht. Schulden die in immer höher wurden. Und jetzt muss ich zusehen dass ich ins Privatinsolvenzverfahren komme.

Ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen.

Armut grenzt aus und es ist meiner Ansicht nach eine bodenlose Unverschämtheit von unseren Regierungen in den letzten Jahren, dass die Mitglieder der jeweiligen Regierung und díe anderen "Volksvertreter" sich an unseren Steuergeldern bedienen auf Kosten der ärmsten Menschen im Lande.

Auf Teile der Bevölkerung die sich einfach nicht wehren, weil die Lobby zu klein ist, dazu gehören Kinder, Familien, alleinerziehende Elternteile, Rentner und vor allen Dingen alte Frauen die keine Witwenrente beziehen, Hartz IV-Empfänger und Arbeitslose. Es kann doch nicht angehen dass sich die Abgeordneten schon wieder mit ca. 5000 Euro bedienen wollen und die ärmsten Menschen in unserem Land wissen nicht wie sie morgen ihre Rechnungen bezahlen oder was sie morgen essen sollen.

Was mich immer nur wundert ist, dass wir uns offenbar schämen arm zu sein, weshalb eigentlich??

in diesem Sinne

witchcraft

Adler fangen keine Fliegen,
doch der Teufel frißt in der Not Fliegen

Minga610
22.03.2006, 12:51
Hi stupido,

dann will ich mal versuchen die „Widersprüche“ aus der Welt zu räumen.

Meine Kritik galt nicht dem Forum selbst, sondern einigen Mitgliedern. Wenn man sich in der Statistik genau umsieht, sieht man dass das Forum einige tausend Mitglieder hat, sich aber nur ein kleiner Teil öfters zu Wort meldet.

Ich bin jetzt seit Ende letzten Jahres dabei und habe in dieser Teit schon relativ viel gepostet, zumindest für meine Verhältnisse. ( Langsames 56 K-Modem. DSL und Flatrate kann ich mir wegen meiner “Kleinen“ nicht leisten ). Daher trifft mich der Vorwurf von Nefertari, ich würde die Solidargemeinschaft verlassen, auch nicht allzu hart.

Aber zurück zu den Widersprüchen. Natürlich ist das Forum in erster Linie dazu da, Fragen zu beantworten und Probleme der User lösen zu helfen. Viele haben unglaubliche Probleme und Angst vor dem was noch alles auf sie zukommt. Verständlich. Vielleicht geht es mir mit meiner humanen Arge noch zu gut. Ich habe mich in den vergangenen Monaten sehr genau im Forum umgesehen und viele Fragen ganz genau und mit Interesse verfolgt. Es wird von vielen Usern tagelang zu einer einzelnen Frage gepostet, wobei ich das Fachwissen der Moderatoren und besonders deren Geduld, bewundere. Wenn die Frage dann beantwortet ist, sind die User verschwunden. Sich weiter im Forum aktiv zu beteiligen ( darunter verstehe ich eigene Beiträge zu schreiben, Tipps zu geben und eigene Erfahrungen weiterzugeben ) kommt vielen nicht in den Sinn. Aber ich wiederhole mich, das habe ich alles schon erwähnt.

Diskussionen, die von Moderatoren und einigen engagierten Mitgliedern entfacht werden, stoßen zum großen Teil auf sehr wenig Interesse. Beispiel ist dein Thread "Hund ohne t". War ein interessantes Thema, aber leider haben sich nur drei Leute daran beteiligt. Oder der Thread von Nefertari „Armut grenzt aus". Tagelang absolut keine Resonanz und keine Beiträge dazu. So geht es mit vielen Diskussionsversuchen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft scheinen nur wenige zu interessieren.

Gerade diese Punkte sind in unserer heutigen Zeit besonders wichtig. Das einzige, dass man heute als Arbeitsloser in Deutschland noch besitzen darf ist Wissen. Man sollte die Hintergründe und die Zusammenhänge von dem Ganzen erkennen, was zur Zeit im Land abläuft. In diese Richtung liefen auch einige meiner Beiträge. Außer von den Moderatoren und den bekannten Stamm-Postern gab es relativ wenig Feedback.

Eine Erklärung noch zum Einzelkämpfer. Bevor ich dieses Forum fand, habe ich Draußen versucht eine Art Interessengemeinschaft oder Selbsthilfegruppe zu bilden. Genug Arbeitslose gibt es ja bei uns, auch unter meinen Bekannten und sogenannten Freunden. Ergebnis: Einige hatten einfach kein Interesse, kein Bock. Andere sagten das betrifft mich nicht, ich habe sowieso gleich wieder einen Job (Träumer ). Und viele hatten Angst es könne ja bekannt werden, dass sie arbeitslos sind oder gar Hartz IV beziehen. Interessenlosigkeit überall, Gemeinschaft und Solidarität sterben langsam ganz aus. Also versuche ich alleine weiter zu machen.

Du siehst, es gäbe einige Gründe alles hinzuschmeißen, aufzugeben und sich aus allem herauszuhalten. Zur Zeit passiert nichts. Weder im positiven Sinn noch im negativen. Alles steht still, nichts bewegt sich, ziemlich frustrierend. Das und die oben genannten Gründe, da kam auch der Gedanke auf, mich aus dem Forum aktiv zurückzuziehen.

Jetzt habe ich schon wieder zu viel geschrieben, das wollte ich doch eigentlich unterlassen. Ich hoffe diese Erklärung reicht dir aus. Wenn nicht, denk einfach der Typ ist seltsam und hat einen etwas widersprüchlichen Charakter. Sorry

Jetzt werde ich F.E.A.R. einlegen und ein virtuelles Blutbad anrichten. Man sagt ja immer Ballerspiele machen dumm und stumpfen ab. Hoffentlich stimmt es.

Die Ägypter
22.03.2006, 15:11
Daher trifft mich der Vorwurf von Nefertari, ich würde die Solidargemeinschaft verlassen, auch nicht allzu hart.

Hi Minga61,

da ich nach einer neg. Forenerfahrung recht vorsichtig mit Kritik oder gar Vorwürfen umgehe, frage ich mich gerade, wo ich dir einen solchen Vorwurf denn gemacht hatte, bzw. was eventuell missverständlich "rüberkam"?

Minga610
22.03.2006, 15:39
Und machst im Prinzip genau das, was du anderen indirekt vorwirfst (nicht falsch verstehen, bitte!) du begibst dich aus der möglichen Solidarität (die man nicht geschenkt bekommt) zurück in das "Einzelkämpfertum"...[/quote]

War für mich so eine Art ganz kleiner, leiser Kritik.

Damit bin ich aber einverstanden.

Die Ägypter
22.03.2006, 15:42
Deswegen schrieb ich explizit dazu: "nicht falsch verstehen"...

Aber weißt du was - du hast recht... und ich habe schon wieder etwas gelernt... = damit werde ich meine Diskussionsfreudigkeit hier ebenfalls weitgehend einstellen!

StephanK
22.03.2006, 16:07
... und ich habe schon wieder etwas gelernt... = damit werde ich meine Diskussionsfreudigkeit hier ebenfalls weitgehend einstellen!Bitte NICHT !

Ich kann Mingas Enttäuschung verstehen, bitte aber auch daran zu denken, dass
a) in diesem Forum höchst unterschiedliche Menschen mit ebenso unterschiedlichen Interessen zusammenkommen und
b) es immer schwierig ist, neben dem "Einzelkämpfertum", das die Situation der Konkurrenz um viel zu wenige Stellen uns aufzwingt, auch die gemeinsamen Interessen zu sehen. Das gelingt leider vielen nicht. Ein Forum wie dieses setzt natürlich an den Einzelproblemen an. In gewissem Umfang gibt es auch eine Diskussion über alle gleichermaßen betreffende Probleme und deren politischen Hintergrund. Diese Verbindung beider Aspekte finde ich auch gut.

Wir sind aber weder die Bundeszentrale für politische Bildung noch eine Partei und respektieren es, wenn Forum-Teilnehmer nur Lösungsansätze für ihre individuellen Probleme erwarten. Gerade deswegen freuen wir uns aber auch über jede/n, die/der darüber hinaus etwas beiträgt, seine Vorschläge und Erwartungen einbringt und so für eine lebendige Diskussion sorgt, die weitere Anregungen bietet - auch für politische Aktivität.

Feline
22.03.2006, 19:59
... und ich habe schon wieder etwas gelernt... = damit werde ich meine Diskussionsfreudigkeit hier ebenfalls weitgehend einstellenBitte NICHT !

Ich kann Mingas Enttäuschung verstehen, bitte aber auch daran zu denken, dass
a) in diesem Forum höchst unterschiedliche Menschen mit ebenso unterschiedlichen Interessen zusammenkommen und
b) es immer schwierig ist, neben dem "Einzelkämpfertum", das die Situation der Konkurrenz um viel zu wenige Stellen uns aufzwingt, auch die gemeinsamen Interessen zu sehen. Das gelingt leider vielen nicht. Ein Forum wie dieses setzt natürlich an den Einzelproblemen an. In gewissem Umfang gibt es auch eine Diskussion über alle gleichermaßen betreffende Probleme und deren politischen Hintergrund. Diese Verbindung beider Aspekte finde ich auch gut.

Wir sind aber weder die Bundeszentrale für politische Bildung noch eine Partei und respektieren es, wenn Forum-Teilnehmer nur Lösungsansätze für ihre individuellen Probleme erwarten. Gerade deswegen freuen wir uns aber auch über jede/n, die/der darüber hinaus etwas beiträgt, seine Vorschläge und Erwartungen einbringt und so für eine lebendige Diskussion sorgt, die weitere Anregungen bietet - auch für politische Aktivität.

Kann mich nur anschließen, auch und ganz besonders dem Bitte NICHT ! :Respekt:

Upsala
22.03.2006, 20:55
@Minga
Also in Widersprüche verwickele ich mich selbst oft genug, sofern ich es akzeptiere regt das auch zum denken an. Bei anderen Menschen fallen mir deren Widersprüche natürlich schneller auf und in deinem Fall hat Kristin sogar schon die Vorarbeit geleistet. Da brauchte ich nur auf „sent“ drücken. Du hast dich nicht vor der Antwort gedrückt und siehe da es schalten sich gleich mehr Leute in die Diskussion ein.
Du arbeitest mit einem 56K Modem. Da liegt sicher auch das Problem vieler User dieses Forums. Die loggen sich sonstwo mal kurz ein und sind froh schnell ein paar Infos zu kriegen. Vielleicht schreiben sie auch noch schnell dies und das, aber eine Woche später können sie sich erst ihre Antwort abholen, weil sie dann mal wieder Zugang erhaschen. Da reißen schnell mal ein paar Dialoge ab.
Seltsamer Typ? Als was glaubst du sieht man mich?
Sonst kann ich StephanK in den Punkten a) u. b) nur beipflichten.
Was Nefertari zuletzt sagte kann ich nicht akzeptieren!
Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, daß ich absolut nicht mit dem Zitierbutton klarkomme und um eine kindgerechte Anleitung zur Benutzung des Buttons bitten.

Gruß
Stupido

Mona_Lisa
23.03.2006, 12:35
Ich finde nicht unbedingt, das Armut ausgrenzt, schon alleine deswegen,weil ja viele arm sind.... Das war jetzt nicht zynisch gemeint. Wenn Kontakte dadurch kaputt gehen, dass man weniger Geld hat, finde ich das schon ziemlich traurig, aber irgendwie war's der Kontakt dann auch nicht wert, oder? Ich finde aber auch, dass man schon eine gewisse Menge Geld braucht, um sich all das zu ermöglichen, was man möchte, jeder hat da ja andere Vorstellungen. Ohne Geld geht vieles nicht, und das macht unzufrieden.


Natürlich sehe auch ich mit Schrecken, was in diesem Land vorgeht. Die Schere geht immer weiter auseinander. In ein paar Jahren wird es mMn keinen Mittelstand mehr geben, es wird nur noch arm oder reich geben, nichts mehr dazwischen.
Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Es gibt immer mehr Arme, aber auch immer mehr Reiche!

Und ich habe Angst, dass wir dann Zustände wie in Frankreich bekommen. Dass es dann erst Straßenschlachten gibt und die dann ausarten.
Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Es wird Zeit, dass die Leute hier bei uns endlich wach werden, und auf die Strasse gehen, wie es die Ärzte ja zur Zeit auch schon machen. Die Massenproteste in Frankreich sind super und sinnvoll, nur so kann man etwas erreichen, nicht durch Schreiben im Internet.

Eine Lösung sehe ich aber auch nicht. Es ist nun mal kaum noch Geld in den Staatskassen, woher soll denn dann Geld kommen, um Hartz 4 wieder aufzustocken?
Ziel sollte es sein, mehr Arbeitsplätze zu schaffen und dem Billiglohnsektor Einhalt zu gebieten, dadurch die Anzahl der Arbeitslosen zu verringern, in der Folge ist eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes kein Problem. Die Unternehmer haben kein Interesse daran, das normale Volk setzt sich nicht dafür ein!

StephanK
23.03.2006, 12:58
Ich finde nicht unbedingt, das Armut ausgrenzt, schon alleine deswegen,weil ja viele arm sind.... Das war jetzt nicht zynisch gemeint.Ich glaube Dir gern, dass Du es nicht zynisch meinst - aber ich muss trotzdem an den ollen Trösterchen-Spruch denken "Geteiltes Leid ist halbes Leid" - und der stimmt sehr oft leider nicht :cry: Wenn Kontakte dadurch kaputt gehen, dass man weniger Geld hat, finde ich das schon ziemlich traurig, aber irgendwie war's der Kontakt dann auch nicht wert, oder?Das möchte ich auch relativieren:
Ich habe früher lange Jahre 250 km weit von Köln gelebt und habe aus dieser Zeit noch Freunde, die ich gerne auch mal besuche, weil auf die Dauer Kontakt nur per mail oder Telefon doch nicht so das Wahre ist. Das kann ich mir aber nur viel zu selten leisten, worunter diese Kontakte schon merklich leiden.

Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Es wird Zeit, dass die Leute hier bei uns endlich wach werden, und auf die Strasse gehen, wie es die Ärzte ja zur Zeit auch schon machen. Die Massenproteste in Frankreich sind super und sinnvoll, nur so kann man etwas erreichen, nicht durch Schreiben im Internet.Die Art und Weise, in der ein Teil der Franzosen ihren Protest ausdrückt, sehe ich schon kritisch. Aber man muss deutlich ausdrücken, was nicht in Ordnung ist im Land. Das scheint immer noch per Demo am besten zu funktionieren. Das Schreiben im Internet dient aber auch der Meinungsbildung, nicht nur der Abfuhr von Frust. 8) Deswegen finde ich es auch richtig, hier darüber zu diskutieren. Dass man dazu heute am Schreibtisch sitzt schließt ja nicht aus, dass man morgen den Ars.. hoch kriegt und bei der nächsten Demo ist, oder? :engel:

Mona_Lisa
23.03.2006, 13:12
Ich habe früher lange Jahre 250 km weit von Köln gelebt und habe aus dieser Zeit noch Freunde, die ich gerne auch mal besuche, weil auf die Dauer Kontakt nur per mail oder Telefon doch nicht so das Wahre ist. Das kann ich mir aber nur viel zu selten leisten, worunter diese Kontakte schon merklich leiden.
Ich habe da andere Erfahrungen gemacht. Für mich hat die Qualität der Kontakte auch nichts mit der Quantität der Treffen zu tun. Es gibt Menschen, die stehen mir sehr nahe, obwohl ich sie selten sehe. Hingegen gibt es oberflächliche Kontakte, mit denen geht man ab und zu mal einen Kaffee trinken oder so, die gehen aber trotzdem nicht so tief.
Das Schreiben im Internet dient aber auch der Meinungsbildung, nicht nur der Abfuhr von Frust. 8) Deswegen finde ich es auch richtig, hier darüber zu diskutieren. Dass man dazu heute am Schreibtisch sitzt schließt ja nicht aus, dass man morgen den Ars.. hoch kriegt und bei der nächsten Demo ist, oder? :engel:
Ja, du hast vollkommen recht. Es war auch nicht so gemeint. Ich nutze ja auch gerne Internetforen. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass man aktiv etwas tun muss, wenn man etwas ändern will.

Minga610
23.03.2006, 13:54
Hallo Nefertari,

tut mir Leid, wenn wir gestern aneinander "vorbeigeredet" haben und jeder den anderen falsch verstanden hat.

Damit dies in Zukunft nicht wieder vorkommt, lass bitte meinen Zugang und meine bisherigen Beiträge löschen.

Grüße :shock:

Upsala
23.03.2006, 14:33
@Minga

„Zwei Monologe, die sich gegenseitig immer und immer wieder störend unterbrechen, nennt man eine Diskussion.“ - Charles Tschopp

Also warum willst du den Stecker ziehen?
:?

jumbo96
23.03.2006, 14:42
Hallo Nefertari,
tut mir Leid, wenn wir gestern aneinander "vorbeigeredet" haben und jeder den anderen falsch verstanden hat. Damit dies in Zukunft nicht wieder vorkommt, lass bitte meinen Zugang und meine bisherigen Beiträge löschen.
Grüße :shock:

Minga,

man bekommt in einigen Deiner Posts den Eindruck, dass Du viele Dinge total übersensiblisiert wahrnimmst, bzw. schilderst. Lies mal Deine eigenen Posts durch, dann siehst Du es vielleicht.

ciao ;-)

Die Ägypter
23.03.2006, 14:56
Hallo Nefertari,

tut mir Leid, wenn wir gestern aneinander "vorbeigeredet" haben und jeder den anderen falsch verstanden hat.

Damit dies in Zukunft nicht wieder vorkommt, lass bitte meinen Zugang und meine bisherigen Beiträge löschen.

Grüße :shock:

Wenn du das insgesamt so verstanden hast (was ich nicht verstehen kann!), lasse ich meinen Account hier löschen! Denn ich bin erst kurze Zeit hier - ich möchte nicht, das wegen mir hier irgendjemand geht!

ganzliebemaus
24.03.2006, 18:03
Ich kann diesem Text nur zustimmen:

- Fastfood statt gesunde Ernährung
- Weggehen oder Kino? nicht möglich
- Fitnessstudio? nicht möglich
- Mal essen gehen? nicht möglich
- Familie besuchen (da sie 600km weg wohnen) nicht möglich

Das Geld reicht gerade mal so für Fastfood und unsere Kaninchen an weggehen oder ähnliches zum Beispiel mal ein Fahrrad zu kaufen um wenigstens Radtouren zu machen, da ist nicht dran zu denken.

Denn auch das Fahrgeld um zur Arbeit zu kommen müssen wir selbst aufbringen (siehe meinen Beitrag weiter oben).

Ab nächsten Monat muss ich von der ArGe aus zur Schule... Zuschüsse für Fahrkosten? Zuschüsse für Schulmaterial oder Kleidung?

Fahrkosten?- müssen mindestens 6€ betragen laut Arge gut es sind 4 abder haben und nicht haben!?

Schulmaterialzuschüsse? Tut uns leid gibts nicht mehr...

Kleidung? Nein, ist nicht.


Leben? nein versuchen zu überleben! Und wenn dann eben mal eine Rechnung ins Haus flattert wird eben paar Tage nichts gegessen...

Betroffener
24.03.2006, 18:30
Kristin,

Dazu hätte ich jede Menge Thesen... Propaganda... dem Steuerzahler flüstern... passt auf, dass ihr euch hübsch anpasst, sonst..... Interesse dahinter seitens der Wirtschaft ist klar... Lobby... Einfluss... Löhne drücken... von anderen Themen und Zusammenhängen ablenken... etc. pp. usw. usf.

= wenn die anderen Moderatoren es befürworten und der Admin damit einverstanden ist... warum nicht....

Ich persönlich werde da immer sehr frustig, deswegen habe ich mir dieses Lügenteil gestern geschenkt, weil ich davon absolut agressiv werde, ganz einfach weil es einem klarmacht, wie hilflos man dem gegenüber steht... und je mehr man über die Hintergründe und Zusammenhänge weiß, desto unerträglicher wird die eigene Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit.

Immerhin hast Du im ersten Teil ganz klar aufgezeigt, daß Du verstanden hast, worum es unseren von Wirtschaftslobbyisten gesteuerten Politikern seit Jahrzehnten geht.

Hier wird niemand etwas gegen eine angeregte Diskussion haben - deshalb stelle ich ja auch immer wieder wirklich heftig provokante Artikel in "Aktuelle Meldungen - Moderiert" ein, nur leider ist der Leserkreis ziemlich klein.

Traurigerweise stehen solche Sachen eben nicht in den "Mainstream-Medien" - was auch seine Gründe hat.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, das die Abwärtsentwicklung in Europa bei den Arbeitnehmern einer gewissen globalen Planung unterliegt und auch gesteuert wird. Dazu sind die ganzen "Nebenerscheinungen" zu systematisch, die weder Terroristen fangen helfen noch sonstwas, sondern nur dazu da sind die eigenen Bürger jeden Tag ein bißchen mehr und ein bißchen besser zu kontrollieren, um weiteren Druck aufbauen zu können.

Wir sind insgesamt gesehen auf dem Weg in einen totalitärem Unrechtsstaat unter demokratischem Mäntelchen.

Anders kann ich mir jedenfalls viele Dinge kaum noch erklären.

Ein Staat, der eigene Gesetze nicht einhält, ist wie eine Räuberbande - sagte der heilige Augustinus.

Die Ägypter
24.03.2006, 19:03
Absolute Zustimmung, lieber Betroffener....

ich könnte jetzt hier meine Gedanken dazu niederschreiben - aber selbst, wenn ich es auch nur andeutungsweise täte... würde ich dieses Board gefährden...

Und das möchte ich nicht!!!

Nur soviel.... die 60 er sind vorbei - die 70 er auch....

also was tun?

Sitzstreiks, Petitionen, Demo´s, Transparente erstellen, Postwurfsendungen.... Flyer austeilen... anders wählen (oh je....) selbst in die Politik gehen....

Und da ist sie wieder.... die absolute Hilflosigkeit!

Betroffener
25.03.2006, 13:35
Hallo Kristin,

da fühle ich ziemlich ähnlich.

Die Machtstrukturen sind ziemlich verfestigt und wenn ich mir mal den gerade entflammten Streit um die brandenburgischen Abgeordnetendiaäten anschaue (die ein typisches Beispiel dafür sind, wie in diesem Land unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Politik zum eigenen Vorteil gemacht wird), kommt mir das :kotz:

Siehe auch HIER (http://www.media-und-it-service.de/Articles/NewsFeed/Rechtsstaatlichkeit.html)

Upsala
02.04.2006, 18:58
Das eigentlich Thema wollte ich noch nicht ganz aufgeben!

Hier dazu noch eine Betrachtung von Franz Walter, Professor für Politikwissenschaft auch in Bezug auf die Wahlergebnisse der letzten Woche. Ich finde es paßt gut zu diesem Thema:

„Soziologen sprechen derzeit immer häufiger von einer "negativen Individualisierung". Individualisierung mag bei Menschen mit hohem sozialem und kulturellem Kapital zu einer Mehrung von Chancen, Aktivitäten, Lebenserfahrungen führen.
Individualisierung mündet dagegen bei Personen ohne diese Ausstattung im rasanten Tempo in Isolation, Antriebsschwäche, Resignation, kurz: in Teilnahmslosigkeit. Hier definiert sich soziale Armut nicht nur und vielleicht nicht einmal in erster Linie materiell, sondern durch den Verlust an Kontakten, den Mangel an Eingebundenheit, neusozialwissenschaftlich ausgedrückt: durch ein Defizit an Netzwerkkompetenz. Hier fehlt es vielfach an Integration, sei es in intakten, zur Subsidiarität fähigen Familien, sei es in funktionierenden, zur Kooperation bereiten Nachbarschaften, sei es in einer lebendigen, aktivierenden Vereinskultur. Desintegration führt zum Aus- und Rückzug, zur Enthaltung bei den öffentlichen Angelegenheiten, zum Disengagement. Man glaubt dann nicht, dass sich Einsatz lohnt; man hofft nicht mehr, dass Parteien und Politik das Schicksal wenden.“
Der ganze Artikel hier: www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,409056,00.html

Hartz4Crime
06.04.2006, 16:04
Hartz4 grenzt aus -> Armut grenzt aus.

Mir wurde heute gesagt aufgrund der Tatsache das ich noch bei meinen Eltern wohne steht mir kein Arbeitslosengeld2 zu.
Der Antrag würde so oder so abgelehnt und onehin erst im Juni bearbeitet werden... TOLL !!!

Was soll ich nun machen ohne Geld ? Ich kann mir nicht einmal mehr meine Hobbies leisten... Disco gehen is nich mehr...
Dann ist auf der Strasse abhängen angesagt.. wo soll ich hin ohne Geld ?

Wenn das über einen längeren Zeitraum gehen sollte werde ich illegale Sachen machen "müssen" woher soll ich denn bitteschön an Geld kommen !? Meine Eltern ?! *lol* sicher ... Mit meinen 21 Jahren kann ich froh sein das ich noch daheim wohnen "darf" ...

Die Leute sollen wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden ? In welchen denn ??? Der jetzige Arbeitsmarkt wird immer kleiner.

Kürzlich 40 Bewerbungen geschrieben und nur absagen, nicht mal bis zu einem Vorstellungsgespräch bin ich gekommen.

Das beste wäre wenn die ganzen Bonzen mal aus dem Bundesstag rausgeschmissen würden...

Ich danke an dieser Stelle nochmals den Bonzen aus dem Reichsstag die immer Steuern verschleudern und den Managern der Firmen die immer höhere Gewinne erzielen und dabei immer mehr Stellen abbauen.

Armes Deutschland

Upsala
06.04.2006, 20:45
@ Hartz4Crime

Also an Luxus (Hobbies) denkt hier Niemand! In den Unterforen, z.B. ALG II Antragstellung, könntest du aber mal dein Problem sachlicher darstellen, bevor du auf Abwege kommst.
:engel: :mymind:

ganzliebemaus
07.04.2006, 09:06
Ich denke nicht, dass weggehen als Luxus bezeichnet wird, viel eher als soziale Kontake die dadurch abbrechen!
Kurz auch so etwas grenzt aus, von daher finde ich schon das es ein bisschen hier her gehört. Aber mal so als Tipp am Rande, setz dich mit dem Jugendamt in Verbindung und schilder Ihnen deine Situation, erkennen Sie es als "nötig" an, werden Sie dir helfen.


Liebe Grüsse :)

Upsala
07.04.2006, 20:49
@ganzliebemaus

Weggehen ist schon wichtig, stimme ich ja zu. Aber an Discobesuche ist hier München für ALG II-Empfänger kaum zu denken.
8)

ganzliebemaus
09.04.2006, 11:01
Nunja, dico ist eh nicht mein Fall :D

Ich meinte halt allgemein weggehen für jeden wie er es vor ALG2 gewohnt war...

StephanK
09.04.2006, 11:22
Ich denke nicht, dass weggehen als Luxus bezeichnet wird, viel eher als soziale Kontake die dadurch abbrechen!Das sehe ich auch so. Wenn ein Freund fragt, ob ich in 'ne Kneipe mitkomme und ich dann rumdrucksen muss "Hmm, ganz schön teuer. Wollen wir uns nicht lieber bei Dir treffen?" dann hat das etwas von Ausgrenzung. Genauer gesagt: man ist gezwungen, sich selbst auszugrenzen - und das ist das Fiese daran. Man wird dann mit der Zeit anfangen, andere Gründe vorzuschieben und bringt sich so allmählich selbst in's Abseits. Aber es ist sehr anstrengend, sich dieser Tendenz zu widersetzen und laut und deutlich zu sagen: Ich würde gerne, aber mein Budget lässt es einfach nicht zu. Sich einladen lassen ist auch keine Lösung, die auf Dauer funktionieren könnte, denn auch damit grenzt man sich im Endeffekt selbst aus.

Diese Prozesse werden übrigens drastisch-humoristisch und trotzdem feinfühlig nachzeichnet in einem Kinofilm mit dem Titel "Man braucht kein Geld". Er stammt aus dem Jahr, in dem keiner mehr einen Ausweg aus der Weltwirtschaftskrise wusste (außer gewissen Leuten, die das dennoch behaupteten): 1932!

Upsala
09.04.2006, 12:34
...für jeden wie er es vor ALG2 gewohnt war...

Ach so! 10 Std. arbeiten und dann schlafen und sparen! :lol:

Sicher ist man als ALG II`ler/in ausgegrenzt. Mit Luxus meine ich etwas Besonderes, das sich aus der breiten Masse (hier dann die Arbeitlosen) hervorhebt. Wenn ich mir etwas wie ein Gemeinsames Essen im Restaurant, Besuch im Biergarten oder eben einen Discobesuch (ist übrigens auch nichts für mich) leiste, hebe ich mich doch aus der „breiten Masse“ hervor und gönne mir Luxus als Arbeitslooser. :shock:
Das gleiche gilt doch auch für verschiedene Hobbies. Ob das nun Bücher, Malerei oder Radfahren sind, überall muß man sich alles einsparen, obwohl man eigentlich endlich ein bißchen mehr Zeit hätte.

CSDoc
12.04.2006, 23:58
Ein kurzer Beitrag von mir, zum "Thema Armut grenzt aus"
Aufgrund einer Doppelzahlung Alg 1 und Alg 2 ging es mir in den letzten drei Monaten echt gut. Ich schlief den naiven Schlaf des Dummen und glaubte wieder an das GUTE. Hab mir mal was zum Anziehen gekauft, Heizöl gebunkert, Pläne geschmiedet... Mein Selbstwertgefühl war in Ordnung. Ich fühlte mich integriert und ich muss sagen das half mir über die Absagen hinwegzukommen und letztendlich beim letzten Vorstellungsgespräch "normal" (wie wenn ich dazu gehören würde) zu wirken. Die Stelle habe ich bekommen.

Für zwei Folgen kann ich mich daher beim AA bedanken:
1. kostenloses Selbststudiumseminar in Sachen SGBII
2. kostenlose Mentaltherapie wegen integrierender Überzahlung

Jetzt hab ich zwar ein Tief (wegen der Rückforderung) aber auch 'ne Stelle!

Dank auch für eure Bekanntschaft und Solidarität.

MissVelvet
25.05.2006, 18:04
Harz4 grenzt aus... dem kann ich nur zustimmen...

Wenn ich zu Hause bin, sitze ich meist nur noch vorm Rechner und vegetiere vor mich hin. Freunde hab ich in meiner Heimatstadt auch so gut wie keine mehr, kontakte brechen ab weil ich mir zurzeit noch nich mal ne fahrkarte leisten kann. Leute zu mir einladen mach ich schon lange nich mehr, mir sind die umstände unter denen ich hier hausen muss einfach nur noch peinlich... Und soganannte "Freunde" die das nich verstehen und einem immer wieder sagen, ich soll mir doch mal was gönnen und fröhlich sein, die einfach nich sehen wollen wies einem geht hab ich mittlerweile auch alle abgeschrieben.
Und wenn ich mal zu meinem Freund fahr, dann muss ich das bei den Ämtern auch noch rechtfertigen, was ich denn da so lange will und überhaupt. Dort bin ich wenigstens nich allein und brauch keine sorgen zu haben wie ich die butter aufs brot bekomm...
Aber anstadt einen da mal zu unterstützen, endlich nen job zu bekommen versuchen die dauernd, einen in irgendwelche massnahmen und 1€ jobs zu stecken und noch mehr an diesen trostlosen Ort zu ketten.
Durch die Fußgängerzohne geb ich auch nich mehr gern, ich hab mittlerweile das gefühl, das ich völlig raussteche, mit meinen abgetragenen und zerschlissenen klamotten und alle einen anstarren... ja, man sieht den unterschied mittlerweile richtig. Da komm ich mir immer vor, als hätte ich das Wort ARM auf die stirn geschrieben. Früher war ich immer gern unter menschen...
Mein freund hat jetzt nen job, also können wir bald wieder mal weggehen und was machen, aber nur wenn er bezahlt, ich hab ja nach wie vor kein geld... und das wird wohl schlimmer für mich, als wenn wir gar nich weggehen würden. Ich will anderen nich auf der tasche liegen und wage es gar nich weiter drüber nachzudenken, wie das dann sein wird demnächst...

Uf... tut echt mal gut, das hier ein bischen loszuwerden... sonst wird man noch völlig irre dabei...

187
26.05.2006, 11:06
Harz4 grenzt aus... dem kann ich nur zustimmen...


Reden wir von "Armut grenzt aus" oder "Hartz IV grenzt aus"?

Man muss nicht ALG I/II-Empfänger sein, um sich die schönen Nebensächlichkeiten des Alltags nicht leisten zu können.

Nur mal so als Anmerkung, da es mir scheint, hier sei nur noch von Hartz die Rede.

StephanK
26.05.2006, 18:48
@ MissVelvet: Ich empfinde das im Prinzip ähnlich, wenn auch vielleicht (noch?) nicht so intensiv.

@ 187: Dein Hinweis ist schon richtig - es gibt auch andere Gründe für Armut. Wer einen Lohn bekommt, der knapp über der Bedürftigkeitsgrenze für's Alg II liegt, ist kaum besser dran als unsereiner. Aber ich denke, wir können nicht übersehen, dass "Hartz IV" allmählich der Hauptgrund (oder der häufigste Grund) für Armut ist - zusammen mit den Niedriglöhnen.

MissVelvet
26.05.2006, 22:49
Klar geht es anderen auch schlecht, aber ich glaube mittlerweile schon, das harz4 empfänger einen großen teil der "armen" ausmachen. Und diese armut beschränkt sich nich nur aufs finanzielle... In meinem fall, das ich nicht einfach hingehen kann, wo es mir besser geht...

Es ist schon sehr zermürbend, immer nach der pfeife der fallmanager tanzen zu müssen, vor allem wenn man da so nen verständnisslosen idioten hat... klar gibt es auch hilfsbereite und nette menschen dort, aber ich kenn überwiegend nur die anderen.
Ich kommt mir da meistens nicht mehr als freier mensch vor, eher wie ein kind das überall bevormundet wird...

sue
26.05.2006, 23:21
§20 regelleistung zur sicherung des lebensunterhalts
abs.1.
die regelleistung zur sicherung des lebensunterhaltsumfasst insbesondere ernährung,kleidung,körperpflege,hausrat,bedarfe des täglichen lebens sowie im vertretbarem umfang auch beziehungen zur umwelt und eine teilnahme am kulturellen leben....


meiner meinung nach,ist dies weder mit niedriglohn,noch mit hartz4 möglich..lediglich,wenn man besser verdiener ist,oder mit dem goldenen löffel im h...... geboren wurde....
bei den preisen heute,ist kino,oder ein bier trinken gehen schon fast nicht mehr möglich...neue kleidung ist doch auch nur möglich,wenn man drauf hin spart...bei hatzr4;345€ (ost) und 331€ (west)..das kommt doch hinten und vorne nicht hin....und wer nur wenig verdient,kommt in etwa auf den gleichen satz,wenn miete und nebenkosten gezahlt sind...
kein geld,grenzt doch im allgemeinen aus,ob nun hartz4,oder nicht...geld gewinnt und wer keins hat,hat auf ganzer linie verloren..mir fehlt auch das geld zum lotto-spielen...kann also nicht reich werden....

Die Ägypter
26.05.2006, 23:40
mir fehlt auch das geld zum lotto-spielen...kann also nicht reich werden....

Das ist gar nicht mal das Hauptproblem... wenn der Gewinn ausreicht... aber was machst du mit z.B. "nur" 2000 Euro? Ist ganz klar Zufluss und muss verlebt werden...

MissVelvet
26.05.2006, 23:56
meiner meinung nach,ist dies weder mit niedriglohn,noch mit hartz4 möglich

Sogesehen stimmt das schon. Ich hab auch vor harz4 nen niedriglohnjob gehabt.. sogar sehr niedrig. trotzdem war man da ganz anders in der gesellschaft integriert. man ging zur abeit, hatte menschen um sich herum. kollegen, denen es genauso ging. Ich habe mich damals trotzd wenig geld auch gern in der gesellschaft integriert. Da hatte man noch ein ganz anderes selbstwertgefühl.

187
29.05.2006, 14:26
meiner meinung nach,ist dies weder mit niedriglohn,noch mit hartz4 möglich

Sogesehen stimmt das schon. Ich hab auch vor harz4 nen niedriglohnjob gehabt.. sogar sehr niedrig. trotzdem war man da ganz anders in der gesellschaft integriert. man ging zur abeit, hatte menschen um sich herum. kollegen, denen es genauso ging. Ich habe mich damals trotzd wenig geld auch gern in der gesellschaft integriert. Da hatte man noch ein ganz anderes selbstwertgefühl.

Klar geht es anderen auch schlecht, aber ich glaube mittlerweile schon, das harz4 empfänger einen großen teil der "armen" ausmachen. Und diese armut beschränkt sich nich nur aufs finanzielle... In meinem fall, das ich nicht einfach hingehen kann, wo es mir besser geht...

Hmm irgendwie kann ich dem nicht so richtig zustimmen, obwohl ich schon verstehe, was Du meinst.

Schau Dir die Rentner an. Der Großteil hat ein Leben lang sehr hart gearbeitet und wird heutzutag mit " 'nem Appel und 'nem Ei" abgespeist. Die müssen auch jeden Cent umdrehen und können den verdienten Ruhestand nicht genießen. Die "Werbe-Rentner" gibt es doch unter den Normalverdienern gar nicht (bei den Beamten vielleicht)... keine Kreuzfahrten, kein Theater, kein Aquarell-Malkurs. Und verdient hätten sie es allemal.

Oder der Regel-Student. Man absolviert ein Vollzeitstudium, womit man (wenn man nicht gerade hochbegabt ist und einem alles zufliegt) wirklich seine 40 Stunden in der Woche beschäftigt ist, wenn man in der Regelstudienzeit bleiben will. Und nebenher muss man sich irgendwie den Lebensunterhalt verdienen. Von den paar Kröten zahlt man Miete, Telefon, Krankenversicherung, Studiengebühren, bis vor kurzem das Monatsticket für die Öffentlichen ... und schon ist der Verdienst weg. Unter einem süßen Studentenleben habe ich mir immer was anderes vorgestellt. Montags bis Freitags war ich in der Uni und Samstags und Sonntags habe ich gearbeitet. Kann mich nicht daran erinnern wie es ist, Sonntag morgens im Bett zu frühstücken und Cartoons zu sehen. Ständig Party? Freitags ins Kino? 3 Monate Semesterferien am Strand liegen? Von sowas kann man nur träumen. Die Realität sieht anders aus. Da ist man auch gefrustet und fragt sich, wozu man sich eigentlich den A*** aufreist.

Und wer kann schon da hingehen, wo es einem besser geht? Ich habe nicht die Kohle - trotz Job - einen Umzug zu finanzieren. Es bleibt noch nicht mal was zum Sparen über, um es zu verschieben. Ich würde gern ins Ausland gehen. Aber von was denn, wenn ich mir noch nicht mal `nen popligen Umzug in D leisten kann. Umzugskosten erstattet Niedrigverdienern niemand. Auch meine Bewerbungskosten muss ich schön allein bestreiten.

Zwei Beispiele von "Nicht-Hartzlern", die auch wegen Geldmangels an vielen Dingen des täglichen Lebens nicht teilnehmen können.

Und bezüglich des Selbstwertgefühls bin ich anscheinen ganz anders gepolt als Du. Mich jeden Tag abzuquälen in einem Job, der mir keinen Spass macht und der dann auch noch mies bezahlt ist, wo ich aber Kollegen habe und unter Menschen bin stärkt nicht mein Selbstwertgefühl. Um ehrlich zu sein, ziehe ich persönlich keinerlei Selbstwert aus irgendeinem Job. Jobs sind dazu da, die Rechnung zu bezahlen und wenn man das Glück hat dementsprechend zu verdienen, auch um Freizeitaktivitäten zu finanzieren. Meine Verwirklichung könnte ich nie in einer Arbeit finden (jetzt mal von humanitären Diensten abgesehen). Aber da ist jeder Mensch anders.

Versteh mich nicht falsch. Ich will nicht behaupten, dass es Hartz-Empfängern gut oder gar zu gut geht. Das mit Sicherheit nicht. Aber sie sind nicht die Einzigen, die am Ende der "Nahrungskette" stehen.

Meine Meinung.

LG

sue
30.05.2006, 15:26
ich schließe mich der meinung von 187 an...
deutschland ist am ende..die deutschen arbeiten nicht mehr um zu leben,sonder leben um zu arbeiten...die goldenen zeiten sind vorbei...
mittelschicht ist doch in deutschland nur noch ein wort..es gibt entweder arm oder reich...

und ich denke auch,das ein job,mit super schlechter bezahlung sollte wirklich keine stärkung fürs selbstwertgefühl sein...denn im grunde wird man dabei ausgebeutet,während andere den reibach machen...
und nur weil man sagen kann "ich habe einen job,auch wenn er schlecht bezahlt ist", geht es einem doch auch nicht besser,wenn man am ende sieht,was vom geld übrig bleibt...

Die Ägypter
31.05.2006, 13:27
vielleicht hat jemand eine idee, wie man hier helfen kann - ich finde das mal eine gute sache:

http://xxxxxxxxxxx/kinderhilfe-sucht-weiter-nach.html
Kinderhilfe sucht weiter nach Sponsoren - Für Ferienlager fehlen noch 3 000 Euro

Sicher ist das eine gute Sache... nur...

du bist hier in einem Forum für Arbeitslose, die zum größten Teil von 345 Euro oder weniger im Monat leben...

Und.. ich persönlich wäre schon froh über eine kindgerechte Unterbringung meines Sohnes, wenn ich zum Zahnarzt muss = das bezahlt mir aber auch niemand und deswegen habe ich für ein solches Projekt auch keinerlei Geldreserven mehr übrig.

Upsala
31.05.2006, 23:16
@ miknuth1
Ihr scheint doch schon einigermaßen organisiert zu sein. Warum schreibt ihr nicht die Politiker und großen Firmen an? Oder klär mal auf was schon gelaufen ist!
Ps: Was soll die KMT-Werbung hier?

Powerplay
01.06.2006, 00:28
Ich Habe 12 Jahre lang brav gearbeitet und Steuern Bezahlt.
Die Firma ging nach Polen und seitdem geht es bergab.......
Seit Hartz IV noch schneller.....
Ich wurde gezwungen aufs Land zu ziehen....
ich musste mein Auto verkaufen......
Meine Angesparte Rente wurde mir Genommen.....
Ich Musste für 1€ Std Arbeiten bei 180€ Fahrtkosten....
***** Edit zum Schutz des Users (Kristin)
Regelmäßig wird´s weniger Geld mit Hartz IV.....
(Zuschläge Fallen weg)

Und Millionen Menschen Geht es Genauso.

Ich will auf den Punkt Kommen.
Meiner Meinung nach dauert es nicht mehr lange
bis hier in Deutschland Arm gegen Reich Kämpft.
Und das Nicht mehr nur mit Worten.

Als erstes gehören die Politiker raus......
Lauter Hochgestochene Gehirnakrobaten...die nicht mehr
wissen was es heißt,mit viel (körperlicher) Arbeit Wenig zu verdienen

Zweitens gehören die Heuschrecken rausgejagt......
Ausbeuten und Lohndumping , Human Kapital......
Den Ehefrauen Mercedes,BMW,Porsche ,am besten von jedem einen,beheizte Hundekörbchen ......
Aber Dann : Weihnachsgeld streichem...Löhne kürzen.....
Wenn alles Zusammengebrochen ist,denke ich das Deutschland wieder
Arbeiter & Bauernstaat wird.

So wie früher in den 60 & 70 ern
wo man für ein Auto 10 jahre hat Arbeiten müssen
und für diverse Andere Dinge auch mal schlange stehen musste
(Wenn manns Überhaupt Bekam)

kaetzchen224
24.06.2006, 08:29
Dazu möchte ich auch ein paar zeilen palabern, genau wie schon angesprochen , haben unsere Kids keine Zukunft mehr......ich habe 2 davon, die leider schon ausgegrenzt sind,und mir die Vorwürfe machen, obwohl ich gar nichts dafür kann, mein Lebensgefährte und ich wollen arbeiten, ich könnte nur eingeschränkt, durch meine Krankheit , aber mit fast 40 zum alten Eisen zu gehören , macht auch keinen Spass, man sucht eben 20jahrige mit 20 Jahren Erfahrung......Schlimm ist auch das es nicht nur uns ALG2 Empfänger betrifft sondern besonders auch unsere Rentner , hier im Osten ist es schlimm wie viele alte Leute die den Weltkrieg schon mitgemacht haben , unter dem Existensminimum leben müssen und die haben sich ihr Lebenlang abgerackert und für was.
ich frag mich nur ,warum können die deutschen sich nicht zusammenschliessen , wenn wir alle sind ein Volk, wären wir uns endlich , der Osten hat es 1989 vor gemacht

Silke

aki
01.08.2006, 13:50
Ja harz 4 macht einsam das stimmt


Ich war 15 Jahre in einen Kaufhaus lange rede kurzer Sinn Insolvens
denn Folgte die Arbeitslosigkeit immer schön bewerbungen rausgehauen
depri wurde immer grösser jemehr komische absagen kamen.Denn folgte die scheidung ,Jedesmal dachte ich alter noch tiefer kann der fahrstuhl jetzt nicht mehr nach unten gehen nuja etwas was sich doch leicht mit harz4 ändern lies der fahrstuhl ging noch paar etagen weiter .Man zieht sich zurück bleibt daheim ja man schämt sich unter leute zugehen nicht nur das man denkt auch sie sehen dir den harz4 stempel auf der stirn an

rausgehen mach ich nur zum einkaufen und das auch nicht so oft, is ja kein geld da*GG* dabei ist hamburg doch ne schöne stadt*GG* wenn man geld hätte nuja so sieht mein kleines beschissenes leben als harz4ler aus ach ja zu risiken und neben wirkungen fragen sie bitte ihren sachbearbeiter der arge oder ihren therapeuten

StephanK
01.08.2006, 16:21
Man zieht sich zurück bleibt daheim ja man schämt sich unter leute zugehen nicht nur das man denkt auch sie sehen dir den harz4 stempel auf der stirn an (...)Es bedrückt mich ziemlich, so etwas zu lesen, und ich möchte Dir deutlich widersprechen - nicht weil es um "recht haben" ginge, sondern um Dir Mut zu machen.
Du hast keinen Stempel auf der Stirn, und Du hast - verdammt noch mal - das gleiche Recht, Dich an Planten & Blomen oder dem Jenischpark zu freuen wie jeder andere Hamburger auch, und kosten tut das auch nix (na ja, vielleicht die HVV-Fahrkarte dorthin...).
Ich halte es für ganz falsch, sich in ein Schneckenhaus zurückzuziehen. Mal ganz davon abgesehen, dass auch die privaten Kontakte darunter leiden ist das auch nix für Deine Chancen für einen neuen Job, denn ein Personalentscheider, dem Du in einem Vorstellungsgespräch gegenübersitzt, hat meistens ein ziemlich feines Gespür dafür, ob und wie Du auf Leute zugehen kannst (oder eben nicht), ob Du selbstbewusst oder verschüchtert bist.
Wenn man arbeitslos ist, ist es nicht nur wichtig, fachlich halbwegs auf dem laufenden zu bleiben, sondern auch, was soziale Kontakte angeht.

Es gibt nix, weswegen Du Dich ducken müsstest. 4-komma-nochwas Millionen anderen geht es genau so wie Dir. Vergiss das nicht und trag den Kopf da, wo er hingehört: oben, und nicht zum Boden gesenkt! :mymind:

kaetzchen224
03.08.2006, 11:05
Warum soll ich mich Ducken seh ich gar nicht ein, wozu ich leb weiter geh auch raus nur weil ich Hartz 4 beziehe.....hier bei uns gibt es den Sozialpass wo ich im Landkreis in jede Einrichtung (z.b. Schwimmbad ) günstiger rein kommst......aki sowas ähnliches muss es doch bei euch auch geben.
Also los jetzt nimm dein Leben wieder selbst in die Hand

Gruss Silke :-)

aki
03.08.2006, 12:42
naja mit 110 euro in monat zum leben vergeht einen ganz schnell der spaß auf sowas letzten monat sogar nur 50 *GG* und ehrlich gesagt hat man da keine lust ,aber ich denke so gehts vielen hier

efge
03.08.2006, 13:38
Hallo aki,

was die finanzielle Misere angeht hast Du Recht, denn so wie Dir geht es sicherlich allen Empfänger/innen von ALG II.
Beim einkaufen bin ich mittlerweile ein „Meister im wegschauen“ geworden, d.h. ich versuche erst gar nicht zu registrieren, was an sinnigen, nein, eher unsinnigen Konsumgüterartikeln feilgeboten wird. Und ein echter Pfennigfuchser bin ich bei den wichtigen Artikeln geworden. ;-)

Nicht „fuchsen“ oder wegschauen sollte man/frau jedoch bei der Kontaktpflege, Treffen mit Freunden und Bekannten oder auch nur bei der Kommunikation über Telefon/Internet.

LG
effge

aki
03.08.2006, 13:47
hi effge

jo da haste wohl recht ich denke mal das Internet bestimmt der Hauptkontakt ist ,aber vielleicht könnten ja auch mal andere posten
wünsche dir noch einen schönen tag

Trish
03.08.2006, 13:55
Nun gut, ich schildere mal mein Leben 8)

Freizeitbeschäftigungen:
PC, TV, DVD, Nachbarn besuchen, Freunde treffen (privat)
Ausgehen ist weder im Sinne von Cafes oder ähnliches möglich, noch einfach irgendwo rumlaufen, denn dies hat früher oder später zur Folge, das irgendwo eingekehrt wird...
Manchmal, sehr selten, gehe ich Billard oder Dart spielen, jedoch nur realisierbar, wenn ich dazu eingeladen werde, denn ich überlege mir ob ich was esse an dem Tag oder Geld in den Automaten werfe...

Generell ist es so, das weggehen mit Freunden nur möglich ist, wenn ich dazu eingeladen werde, was natürlich nicht sooo oft vorkommt & ich es auch nicht wirklich möchte, dabei komm ich mir als Bettler vor & das bin ich nicht, will ich nicht sein, werden, also bleib ich daheim.
Bleiben noch gemeinsame Spieleabende oder ähnliches, halt etwas, was gar nichts kostet, aber verständlicher Weise, sind andere nicht immer nur dazu zu bewegen, aus Rücksicht...

Also, die Folge ist, man ist normalerweise alleine daheim, weil man es sich einfach nicht leisten kann mitzugehen.
Man ist also ausgegrenzt, ob man will oder nicht...

SID1
03.08.2006, 14:02
Hallo aki,

was die finanzielle Misere angeht hast Du Recht, denn so wie Dir geht es sicherlich allen Empfänger/innen von ALG II.
Beim einkaufen bin ich mittlerweile ein „Meister im wegschauen“ geworden, d.h. ich versuche erst gar nicht zu registrieren, was an sinnigen, nein, eher unsinnigen Konsumgüterartikeln feilgeboten wird. Und ein echter Pfennigfuchser bin ich bei den wichtigen Artikeln geworden. ;-)

Nicht „fuchsen“ oder wegschauen sollte man/frau jedoch bei der Kontaktpflege, Treffen mit Freunden und Bekannten oder auch nur bei der Kommunikation über Telefon/Internet.

LG
effge
wie wahr ,wie wahr.
ich besuche auch solche Sonderposten Geschäfte.
Vieleich auch bei euch Bekannt (Th.Phillips)
Die Lebensmittel (nur Verpackte,keine Frische) sind genauso gut wie
in anderen Geschäften.
Auch was Kleidung angeht ,teilweise nur noch die hälfte von dem
was es früher gekostet hat.
Ich hatte im Winter eine kleine Auseinandersetzung mit einem
Typ dem hat meine geteppte Jacke nicht gefallen.
Er hat von mir die passendenden Worte bekommen nachdem er meinnte.
"Sieh an der Reiche Arbeitslose".Wie wir sagen.Die Antwort hat er nicht hinter den Spiegel geklemmt.
Freunde haben wir keine mehr.
Mit Alg 1 oder Alg 2 Empfänger kann man sich ja nicht sehen lassen.
Was sollen unsere Bekannte denken.

madkong
12.08.2006, 12:27
Ok, ich poste ja nicht viel. Und bin auch selten da. Dieser Thread hätte vor ein paar Monaten bei mir wieder den ganzen Hass und Wut hochgeholt. Aber es läßt mich kalt. Ich bin kalt geworden. Ich hab wegen meiner Arbeitslosigkeit, Stauts, Single-Da-Sein, das Wissen darum das ich bald ohne alles da stehen werde, ich meine Haftpflicht-Versicherung kündigen muss, vor einem Monat ernsthaft überlegt Schluss zu machen. Aber irgendwie hatte ich dann doch zuviel schiss mit dem Bike mit 200 Sachen gegen irgendwas zu fahren. Und außerdem denke ich an meine Mutter, die wäre einfach zu fertig, das kann ich ihr und bestimmt auch anderen einfach nicht mehr antun. Was jetzt passiert ist werde ich euch sagen. Ich habe mich innerlich aufgegeben, mir ist es sowas von egal ob ich Geld bekomme oder nicht. Ich hätte nichts gegen die Gutscheine fürn Aldi. Mein Leben ist nicht mehr mit Würde gefüllt. Überall lese ich dinge, die einem das Recht auf Privatsphäre nehmen. Der Mensch ist eine Nummer, nicht mehr. Und dann noch so Sprüche hören, ich wäre nicht flexibel, weil ich nicht wegziehen will. Ich will nicht wegen ner Arbeit umziehen, mit ist das Risiko zu gross, nach ein paar Monaten wieder arbeitslos in einer fremden Stadt zu sitzen. Denn dann ist es wirklich zu spät für mich. Ich mach alles, ich arbeite am Wochenende, ich arbeite Nachts, ich bin jederzeit abrufbereit, ich bin mir für nix zu schad. Nur vertrage ich es nicht, wenn ich JEDEN Tag Stress habe, wie in einem Callcenter und mein Kreuz ist kaputt. Ups, jetzt bin ich a weng abgeschwifen.

Jedenfalls sollten sich mal ein paar Leute überlegen, bevor sie irgendwelche Aussagen treffen, das es Hartz IV Leute gibt, die überlegen wegen ihrer Arbeitslosikeit schluss zu machen. Oder wie in meinem Fall, innerlich erkalten....

Die Ägypter
12.08.2006, 20:18
Hallo ,

so "erkaltet" liest es sich nicht, was du schreibst - ich gehe sogar noch weiter - du hättest dich hier nicht geäußert, wenn du innerlich erkaltet wärst!

Ich sehe das übrigens positiv, das du hier geschrieben hast - und ich denke, dass was du resignativ vielleicht derzeit empfindest, machen wir alle von Zeit zu Zeit einmal durch. Und dafür ist das Forum auch da - sich aussprechen zu können und sich ggf. auch auffangen lassen zu wollen!

Tommi NRW
25.08.2006, 02:16
Dann möchte ich auch mal etwas zu "Armut grenzt aus" beitragen.

Wie alles weitergehen soll, weiss ich nicht. Solange ich es mir noch leisten kann, starte ich jeden Morgen das Internet und suche nach Stellen. In der Regel ist es der Freitag, an dem mein Briekasten klappert und die Absagen vergangener Wochen eintrudeln. Eigendlich sollte ich mich schon daran gewöhnt haben, aber das Wochenende ist dann doch wieder verdorben. Ein Wochenende habe ich sowieso nicht mehr...brauche ich auch nicht mehr. Schliesslich ist jeden Tag Wochenende für mich, mit dem Unterschied, dass ich kein Geld habe um rauszugehen. Der Spaziergang im Dorf ist nicht möglich, weil man dort wegen seiner Arbeitslosigkeit angepöbelt wird. Einkaufen gehe ich äusserst ungern, weil man immer wieder den einen oder anderen "dummen Spruch" hört. Erst neulich fragte mich ein "schlechter" Bekannter lauthals vor allen Leuten an Lidls Kassenschlange:"Na, noch keine Arbeit gefunden?". Weil ich seinen wunden Punkt ebenfalls kenne, hatte ich ihm eine passende Gegenfrage gestellt. Nun hatte er auch sein Fett weg und ich hatte ein paar Schmunzler des unfreiwilligen Warteschlangenpublikums auf meiner Seite.
Beim nächsten Mal wird er sich diese Aktion bestimmt verkneifen können.
Es führt aber nicht davon weg, dass es Momente sind, in denen ich jeden beneide, der sein anonymes Leben in der Großstadt hat. Gerade in dörflichen Gegenden wird man sehr schnell durch das "Dorfgeplapper" heruntergezogen, ohne etwas dagegen machen zu können.

Meine Beziehung ist mir mit ALG2 auch kaputt gegangen. Meine Ex war ebenfalls in ALG2 gerutscht. Vieles, auch das regelmässige Ausgehen mussten wir streichen, wodurch wir auch unseren Bekanntenkreis verloren. Natürlich schaukelt sich dann vieles auf und es gab wegen der kleinsten Kleinigkeit einen überflüssigen Streit.
Ursprünglich hatten wir geplant, zusammenzuziehen. Durch Hartz IV hätte es damit zu viele Probleme gegeben, weshalb wir die getrennten Wohnungen nach wie vor behalten hatten. Unsere Pläne, unser "gewohntes Zusammensein", wurde davon völlig durchkreuzt und hat uns letzenendes entzweit. Wenn eine Trennung auch im gegenseitigen Einvernehmen verläuft, stellt es letztenendes keine der Parteien zufrieden und macht beiden schwer zu schaffen.

Ich bin mittlerweile in einem Dauerstress gelandet, der mich krank macht.
Wie ein Strafgefangener komme ich mir vor, wenn ich zu Hause herumsitze und trotz dieser weitaus höheren Belastung, als sie ein Arbeitender hat, aus Geldmangel und der Umgehung von Beschimpfungen nicht rausgehen kann.

Einen Weihnachtsbaum gab es im letzten Jahr nicht und es wird ihn dieses Jahr auch nicht geben. Ich habe keine Freude daran, mich in meiner Situation vor den Christbaum zu stellen und daran zu denken, wie alles einmal war.
Schlimmstenfalls geht dann die Fantasie mit mir durch und ich stelle mir unsere Grosskapitalistenfamilien vor, die Frömmigkeit heuchelnd aus der Christnacht kommen und sich zur Bescherung mit Schmuck und Sportwagen unter dem Deckmantel des Weihnachtsfestes bewerfen, während "Oh du Fröhliche" aus der Luxusstereoanlage neben dem, vom Hausmädchen angeputzten, Weihnachtsbaum erschallt.

Seit ich ALG2ler wurde, gehe ich auch nicht mehr in die Kirche. Selbst unter diesen Besuchern können es viele nicht lassen, einen hintenrum mit dummen Sprüchen zu versorgen. Man sollte meinen, dass der liebe Gott gerade in der Kirche ganz genau zuhört..... Deshalb denke ich auch, dass er mir darum nicht allzu böse ist, wenn ich ihn unter diesen Umständen dort nicht mehr besuchen komme. Ein stilles Gebet zu Hause halte ich für besser, als mit Verbrechern und Heuchlern gemeinsam religiöse Lieder zu singen.

Das Armut ausgrenzt steht fest. Armut klärt einem aber auch den Blick in vielen Richtungen. Ein Beispiel sind jene Leute, die mich heute nicht mehr angucken, weil ich keine Arbeit habe. Heute weiss ich, dass sie nur deshalb in meinem Bekanntenkreis waren, weil sie etwas davon hatten. Sei es nur gewesen, dass ich mal wieder mit der Autofahrt ins Restaurant oder Bistro dran war. Ich bin froh über diese Erkenntnis und verzichte gerne auf solche "wirklichen" Schmarotzer.
Insofern mir nochmal ein Arbeitsplatz vergönnt sei, werde ich genauer auf Bekanntschaften achten.


Gruß Tommi

JodieFostersArmy
27.10.2006, 18:03
....man Gott sei Dank lebe ich in einer Großstadt...dieses "Dorfgeplappere" würd ich nicht durchstehen...da es hier in Berlin en masse Hartz IV/ALG I was- auch- immer -Leute gibt, fällt man da nicht so auf,außerdem kenne ich kaum noch Leute die einer geregelten Arbeit nachgehen,daher fühl ich mich gar nicht so ausgegrenzt...Hm ob das nun ein Vorteil ist? Gute Frage...

:1stern:

StephanK
30.10.2006, 17:22
..außerdem kenne ich kaum noch Leute die einer geregelten Arbeit nachgehen,daher fühl ich mich gar nicht so ausgegrenzt...Hm ob das nun ein Vorteil ist? Gute Frage...Ich glaube, es ist keiner, denn ein wichtiger Teil des Arbeitsmarktes läuft komplett inoffiziell auf der Schiene: Arbeitnehmer X kriegt mit, dass Kollegin Y gekündigt hat und tratscht Bekanntem Z weiter, dass in seinem Betrieb 'ne Stelle frei geworden ist, auf die Z sich dann gezielt bewirbt. Schon aus diesen ganz praktischen Gründen halte ich es für wichtig, dass man Kontakte zu "Werktätigen" hat - mal ganz abgesehen von der Frage des Schmorens im eigenen Saft...

Seebarsch
30.10.2006, 18:11
Auch wenn es kein Trost ist!
Ein Teil dieser in meinen Augen "Dummschwätzer" wird eines Tages vor den selben Problemen stehen, weil es sie selbst erwischt hat.
Heute sind selbst die "Deutschbänker" und Leute vom "Daimler" nicht mehr vor Arbeitslosigkeit gefeit. Wer hätte das vor 5 Jahren denn gedacht?

Ich kenne genug Leute die an der Theke den Spruch losliessen:
"Wer Arbeit will, bekommt auch welche" und heute selbst alo sind.

monika2007
10.11.2006, 00:09
Wir sollten nie vergessen, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht!

Wir sollten UNS und ANDERE nie, nie, nie über unsere Arbeit definieren.

Das meine ich ernst!

Monika

Halmahera
10.11.2006, 03:09
Hallo zusammen.

Es ist leider eine Tatsache, das man bedingt durch seine Arbeitslosigkeit ausgegrenzt wird. Sogar von "ehemaligen Gleichgesinnten"!
Diesen Fall habe ich erst wieder in den letzten Wochen am eigenen Leib mitbekommen. Ein "guter Freund", sehr viel Zeit miteinander verbracht - vor allem, weil er nur eine Straße weiter wohnt...
...und nun? Er ist einer der Glücklichen, der (auch nur zufällig) einen Job bekommen hat. Von da an war man als "arbeitsloses Gesindel" nicht mehr gut genug für ihn - wollte einen nicht mal mehr kennen, grüßte sogar nicht mehr. Von anderen hörte ich nur, das er mal gesagt haben soll: "...man könne sich ja mit ihm ", also mir, " nur über's Fernsehprogramm unterhalten". Nun, man sollte eigentlich nicht von sich auf andere schließen. Denn ich habe genug Hobbys, er hatte nie eines.

Damit nicht genug. Es geht doch auch innerhalb der Familie weiter. Man wird zum schwarzen Schaf, bekommt bei einer Familienfeier am Mittagstisch sogar zu hören: "Da bekommst Du ja mal was richtiges zu Essen..."!
Vor allem ist es wirklich toll mit anzusehen, wie Onkel und Tante von Oma vor meiner Nase Geld für das dritte Auto über'n Tisch geschoben bekommen, obwohl nur zwei Führerscheine vorhanden sind. Beide beruflich im übrigen "gehobene Position". Von der Eigentumswohnung und der Ferienwohnung auf Sylt reden wir mal nicht.
Ich erwarte ja nicht den großen Geldsegen, aber zumindest etwas Rücksichtnahme und Überlegung was solche überflüssigen Sprüche angeht - auch etwas moralische Unterstützung könnte gut tun. Doch leider haben sie keinen Realitätssinn was meine Situation (und vieler anderer) betrifft. Bei denen herscht Verständnislosigkeit das ich, der eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, arbeitslos ist.
Letztendlich habe ich mit diesem Teil der Famile abgeschlossen und den Kontakt abgebrochen. Ich will und kann mit solchen Leuten einfach nichts zu tun haben. Sie rauben mir letztendlich nur die nötige Kraft und Nerven, die ich im alltäglichen Leben besser brauchen kann.

Ich bin verdammt froh eine liebevolle Freundin gefunden zu haben, die mich und meine Situation so akzeptiert wie es ist und auch unterstützt.
In all den Jahren habe ich gelernt, das bestmögliche daraus zu machen was man nur machen kann und positiv zu sehen....mich auch über die kleinsten Dinge im Leben zu freuen. Auch wenn's häufiger schwer fällt. Wie so oft steht man trotzdem kurz davor in ein tiefes Loch zu fallen, sich einzugraben und aufzugeben. Bis jetzt habe ich immer kurz davor das Ruder noch rumreißen können, und ich hoffe, das ich es zukünftig auch noch machen kann.
Allen anderen natürlich auch ;-)

deibel
24.06.2008, 14:27
Bin mit 54 und einer guten Abfindung aus einem Weltunternehmen ausgeschieden.
Trau mich kaum hier zu schreiben. Ich habe mich aber in meiner "aktiven Zeit" überall engagiert. Kirche, DRK, Gewerkschaft, alles "soziale Organisationen". Nun aber wo ich arbeitslos bin ziehen sich die vormals kontaktfreudigen Menschen zurück und wenn ich irgendwo bin, werde ich als Vorruheständler vorgestellt (am Gelde mangelt es ja nicht) das wird allgemein akzeptiert. Ich bin aber froh dass mir ein kleiner Kern von guten Freunden in der Bekanntschaft und Verwandschaft geblieben ist. Nur mit der Gesellschaft im Allgemenen hadere ich doch sehr.
Da ich mich immer für die Sozialpolitik interessiert habe und mir die Schwachen der Gesellschaft immer am Herzen lagen, wundere ich mich über die Arbeitsplatzbesitzer doch sehr. Nun sehe ich die Dinge aus einer anderen Perserpektive (an meiner Einstellung hat sich bis heute nichts geändert) nur wie wohlgefällig, arrogant dort über ALG- Empfänger gesprochen und gedacht wird ist schon wiederwärtig.
Nun frage ich mich was sollen wir mit sozialen Organisationen, wenn diese einem bei Sonnenschein einen Schirm geben und bei Regen(Arbeitslosigkeit) wieder wegnehmen, die Gesellschaft ist schon pervers.
Ich werde nun mein kleines Glück in einem kleinen Kreis finden. Alle großkotzigen Laberköppe werde ich in meiner Umgebung zum Schweigen bringen, auch wenn ich sie verliere. Gut dass es Gleichgesinnte in diesem Forum gibt!
Hier mal ein Auszug eines Telefongespräches mit einer Vewandten:
"Wir vom gutsituierten Mittelstand......(Mann ist gutverdienender Arbeiter) usw.,usw.".
Meine Antwort: "Wir vom Mittelstand? Wie lange könntet ihr vom ALG I euren heutigen Lebensstandard halten?"
Auf diese Frage bekam ich keine Antwort. Nach ein paar belanglosen Sätzen wurde dieses Gespräch schnell beendet.
Tja, habe wohl den Kern getroffen.
Wie schnell sich Mitmenschen überschätzen konnte ich hier "im Kleinen" sehen. Aber auf Andere runtergucken und mediengeschädigt dumme Sprüche klopfen.
Naja, das Leben geht weiter!

Gruß

Deibel


PS: Werde mich weiter im Forum zu Worte melden.

Codeman
24.06.2008, 15:12
Auch wenn der thread etwas älter ist,verdient er es trotzdem,dass man ihn erneut belebt :) .

Ich kann nach jetzt fast 1 Jahr Hartz4 folgendes sagen: Ja Armut grenzt aus.Man erlebt es täglich.Ich z.b. gehe nur noch Nachmittags oder Abends irgendwohin.

Viele aus meinen Bekanntenkreis wissen allerdings Bescheid,weil ich mich auch nicht schäme arbeitslos zu sein.Warum auch ? Gut in Berlin mag die Situartion anders sein (ich glaube hier lebt jeder 5te von Hartz4) als im erzkonservativen Bayern.Ich versuche das beste aus den 347 bzw. bald 351 € zu machen.

Ich versuch zu sparen wo es nur geht.Diesen Monat ist mir dies ganz gut gelungen.Trotzdem hoffe ich das ich jeden Monat ohne irgendwelche Zwischenfälle überstehe,denn ansonsten sieht es mau aus.

Ich freue mich sehr das du deibel hier weiterhin dich engagierst.

MfG
Codeman

Bond007
14.08.2008, 20:57
Auch wenn der thread etwas älter ist,verdient er es trotzdem,dass man ihn erneut belebt :) .

Ich kann nach jetzt fast 1 Jahr Hartz4 folgendes sagen: Ja Armut grenzt aus.Man erlebt es täglich.Ich z.b. gehe nur noch Nachmittags oder Abends irgendwohin.

Viele aus meinen Bekanntenkreis wissen allerdings Bescheid,weil ich mich auch nicht schäme arbeitslos zu sein.Warum auch ? Gut in Berlin mag die Situartion anders sein (ich glaube hier lebt jeder 5te von Hartz4) als im erzkonservativen Bayern.Ich versuche das beste aus den 347 bzw. bald 351 € zu machen.

Ich versuch zu sparen wo es nur geht.Diesen Monat ist mir dies ganz gut gelungen.Trotzdem hoffe ich das ich jeden Monat ohne irgendwelche Zwischenfälle überstehe,denn ansonsten sieht es mau aus.

Ich freue mich sehr das du deibel hier weiterhin dich engagierst.

MfG
Codeman

Ja, ein Horror wäre es, wenn einem die Waschmaschine oder der Herd kaputt geht...

Ja mal ins Kino oder nur ins städtische Museum ist doch schon nicht finanzierbar.

Bei einem Eintritt von 6€ pro Pers. macht das 12 € bei uns - 2 € für arme Sch....e macht 10 €... das ist ein Tag "LEBEN"

Shirin50
16.08.2008, 20:32
Hallo,

auch ich musste die Erfahrung machen, dass ich durch meine Arbeitslosigkeit meine beste Freundin, die ich seit 1983 kenne, verloren habe. Sie meldet sich nicht mehr. Zunächst war noch ein spärlicher Kontakt vorhanden, früher haben wir uns regelmäßig einmal die Woche getroffen. Es ist schon traurig, dass man sofort ausgegrenzt wird. Arbeitslos kann jeder werden, leider bin ich der Pechvogel und fühle mich deswegen auch an manchen Tagen ziemlich hilflos, denn man wird ziemlich schnell verurteilt, doch konkrete Hilfe bekommt man in den wenigsten Fällen. Gerade im letzten Jahr hatte ich viel Pech und es hat sich gezeigt, dass ich mich auf meinen Freund verlassen kann, der zum Glück nicht so oberflächlich und materiell eingestellt ist.

MoK
16.08.2008, 23:01
Hallo,

auch ich musste die Erfahrung machen, dass ich durch meine Arbeitslosigkeit meine beste Freundin, die ich seit 1983 kenne, verloren habe. Sie meldet sich nicht mehr. Zunächst war noch ein spärlicher Kontakt vorhanden, früher haben wir uns regelmäßig einmal die Woche getroffen. Es ist schon traurig, dass man sofort ausgegrenzt wird. Arbeitslos kann jeder werden, leider bin ich der Pechvogel und fühle mich deswegen auch an manchen Tagen ziemlich hilflos, denn man wird ziemlich schnell verurteilt, doch konkrete Hilfe bekommt man in den wenigsten Fällen. Gerade im letzten Jahr hatte ich viel Pech und es hat sich gezeigt, dass ich mich auf meinen Freund verlassen kann, der zum Glück nicht so oberflächlich und materiell eingestellt ist.

Ja, Hartz IV läßt erwachsen werden und man erkennt, wie und worauf die Welt sich wirklich dreht :twisted:

VIERZEHNNOTHELFER
17.08.2008, 09:10
war das wirklich die beste Freundin?
Wir machen die Erfahrung, daß man
unter besten Freundinnen Leid eher teilt und füreinander da ist.

Sabine1979
18.08.2008, 11:13
Und ob Armut ausgrenzt!
Ich lebe seit mehr als zwei Jahren von HartzIV:kotz:
Bis März 08 hatte ich kein Problem mit dem Geld klar zu kommen, da ich noch Zuhause bei meiner Mutter lebte und so keine großen Zusatzkosten hatte. Ausser meiner Monatskarte und Riesterrente musste ich nichts zahlen. Der Kühlschrank war immer voll mit guten, abwechslungsreichen Speisen, Heizen im Winter?-Kein Problem!....
Dann starb meine Mutter und ich musste aus der 3 Zimmerwohnung(83qm) in eine 1 Zimmerwohnung (39qm) umziehen. Das ist aber nicht das Promblem. Das Problem ist einfach die finanzelle Mehrbelastung, die durch die neue Situation entstanden ist und die negativen Auswirkungen, die dadurch entstehen. Nach Abzug aller sonstigen monatilichen Festkosten, die ich von den 351€ bestreiten muss (Lebensmittel, Strom, Telefon, Sozialticket, Versicherungen...), bleiben mir pie mal Daumen 70-80€ im Monat über, von denen ich dann Anschaffungen wie Kleidung oder private Vergügungen finanzieren muss. Bei Kleidung greife ich auf Secondhand Läden zurück, aber bei privaten Aktivitäten gibt es kaum eine Möglichkeit zu sparen:wut:
-Früher bin ich sehr oft ins Fußballstadion gegangen oder sogar zu Auswärtsspielen gefahren, das ist heute absoluter Luxus. Vielleicht mal alle 3-4 Monate ist es mir noch möglich an einer Fahrt teilzunehemen und einmal pro Monat ins Stadion zu kommen und dann auch nur wenn es noch die günstigste Kartenkategorie gibt.
-CD's? Wenn es geht leihe ich sie aus der Bibliothek aus und höre sie mir an. Kaufen ist zu teuer!
-Kino? Ich warte bis der Film auf DVD in der Videothek auszuleihen ist.

Lichtblick am Ende des dunklen Tunnels ist die Aussicht ab kommenden Montag eine Arbeit in einen Inbount Call Center zu bekommen und dann eventuell monatlich 200€ - 250€ übrig zu haben. Dann hat mein Leidensweg der Einschränkungen vorübergehend ein Ende, bis zur nächsten Runde Hartz IV.

cloudi
20.08.2008, 17:04
Und ob Armut ausgrenzt!
Ich lebe seit mehr als zwei Jahren von HartzIV:kotz:
Bis März 08 hatte ich kein Problem mit dem Geld klar zu kommen, da ich noch Zuhause bei meiner Mutter lebte und so keine großen Zusatzkosten hatte. Ausser meiner Monatskarte und Riesterrente musste ich nichts zahlen. Der Kühlschrank war immer voll mit guten, abwechslungsreichen Speisen, Heizen im Winter?-Kein Problem!....
Dann starb meine Mutter und ich musste aus der 3 Zimmerwohnung(83qm) in eine 1 Zimmerwohnung (39qm) umziehen. Das ist aber nicht das Promblem. Das Problem ist einfach die finanzelle Mehrbelastung, die durch die neue Situation entstanden ist und die negativen Auswirkungen, die dadurch entstehen. Nach Abzug aller sonstigen monatilichen Festkosten, die ich von den 351€ bestreiten muss (Lebensmittel, Strom, Telefon, Sozialticket, Versicherungen...), bleiben mir pie mal Daumen 70-80€ im Monat über, von denen ich dann Anschaffungen wie Kleidung oder private Vergügungen finanzieren muss. Bei Kleidung greife ich auf Secondhand Läden zurück, aber bei privaten Aktivitäten gibt es kaum eine Möglichkeit zu sparen:wut:
-Früher bin ich sehr oft ins Fußballstadion gegangen oder sogar zu Auswärtsspielen gefahren, das ist heute absoluter Luxus. Vielleicht mal alle 3-4 Monate ist es mir noch möglich an einer Fahrt teilzunehemen und einmal pro Monat ins Stadion zu kommen und dann auch nur wenn es noch die günstigste Kartenkategorie gibt.
-CD's? Wenn es geht leihe ich sie aus der Bibliothek aus und höre sie mir an. Kaufen ist zu teuer!
-Kino? Ich warte bis der Film auf DVD in der Videothek auszuleihen ist.

Lichtblick am Ende des dunklen Tunnels ist die Aussicht ab kommenden Montag eine Arbeit in einen Inbount Call Center zu bekommen und dann eventuell monatlich 200€ - 250€ übrig zu haben. Dann hat mein Leidensweg der Einschränkungen vorübergehend ein Ende, bis zur nächsten Runde Hartz IV.

Naja, nicht Kopf hängen lassen, du bekommst bestimmt die Stelle im Callcenter. Währenddessen würde ich dir empfehlen eine Fortbildung bzw. Weiterbildung zu machen, damit du später was besseres findest. Was für eine Ausbildung hast du denn gemacht, oder was für ein Schulabschluß hast du?

Sabine1979
21.08.2008, 09:06
Naja, nicht Kopf hängen lassen, du bekommst bestimmt die Stelle im Callcenter. Währenddessen würde ich dir empfehlen eine Fortbildung bzw. Weiterbildung zu machen, damit du später was besseres findest. Was für eine Ausbildung hast du denn gemacht, oder was für ein Schulabschluß hast du?

Der Job ist mir mittlerweile sicher :) Heute wird der Arbeitsvertrag unterschrieben!!!
Irgendwas zwischen 870-940€ Netto werde ich mit JC-Zuschlag erhalten, glaube ich. Ist zwar auch nicht die Welt, aber als alleinstehender Mensch, ohne große Ansprüche bleibt dann doch der ein oder andere Euro übrig. 200€ denke ich mal pie mal Daumen nach abzug aller festen Kosten.
Ausgebildet bin ich als Bürokauffrau und ich habe die 11. Klasse einer Realschule besucht und da meine Abschluss bekommen. Das ich keine Arbeit gefunden habe, trotz zahlreicher Bemühungen, lag wohl daran, das 1) Meine Ausbildung überbetrieblich war und ich somit keine realen Praktiken im kaufmännischen Bereich vorweisen konnte.
2)Die Krankheit meiner Mutter und meine "Plicht" als einziges Kind sich um sie zu kümmern, bis zu ihrem Tod. Mein Vater ist schon vor fast 15 Jahren gestorben und mit der restlichen Familie (Bruder & Schwester) hatte sie gebrochen.

cloudi
21.08.2008, 11:15
Na das ist doch schön dass du den Job schon bekommen hast. Und vielleicht findest du bald einen Freund, mit dem du irgendwann zusammenziehst, denn zu zweit ist es sowieso immer leichter. :)

Japan
05.09.2008, 12:55
Ich kann Minga610 in vielen Punkten recht geben. Grad was die Armut betrifft - hat er vollkommen Recht. Viele wenden sich von dir ab, weil Du vom Staat unterstützt wirst, wobei das Geld von den da draußen hart arbeitenden kommt. Diese wollen im Endeffekt nichts mit dir zu tun haben, da du ja fürs nichts tun Geld bekommst und andere malochen müssen.
Als ich ARGE Leistungen bekommen habe, hatte ich auch kaum noch Freunde - aufmal war man ganz alleine. Das man sich ernsthaft um einen Job bemüht und fast alles machen würde interessiert keinem. Es gehen sogar Partnerschaftliche Beziehungen kaputt, weil der Partner keine Lust mehr hat mit einem ARGE Empfänger zusammen zu leben. Wobei ich das ein kleines bischen verstehen kann. Denn; es wird das komplette Einkommen des Partners angerechnet. Als ob der Partner nicht schon genug zu bezahlen hat u.a. Miete, Nebenkosten, essen einkaufen, Auto um zur Arbeit zu kommen und das muss ja auch alles bezahlt werden.

Leider habe ich meist die A****karte gezogen. 2 Beziehungen sind dabei kaputt gegangen, hatte keine Freunde mehr - nichts! Nunja, ich dachte dann - wenn ihr mich nicht so nehmt wie ich bin - dann lasst es sein. Komischerweise, als ich einen Job hatte, wollte wieder jeder was von einem. Habe dann klipp und klar gesagt, dass ich mit denen nichts mehr zu tun haben möchte.

Ich + Job = viele Freunde

Ich + ohne Job = keine Freunde mehr

So ist es im harten Leben....leider! Vom Arbeitsamt habe ich bis Heute keinerlei Unterstützung bzgl. Aus/ u. Weiterbildung bekommen. Alles wurde abgelehnt, auch Wiederspruch einlegen hatte nichts genutzt...Amt blieb sturr.
Ich habe viele Bewerbung abgeschickt und habe viel komisches Zeug dabei erlebt, was jetzt den Arbeitgeber angeht. Es sind nämlich nicht immer nur die Arbeitslosen an ihrer Situation Schuld. Viele Arbeitgeber machen sich ihr Geschäftsleben auch ziemlich leicht. Ich nenne mal ein paar Beispiele, die mir passoert sind:

1. Gehe mit 10 Bewerbungsmappen durch die Füßgängerzone, überall wo "Aushilfe gesucht" stand bin ich reingegangen. Gleich als ich meine Mappe abgegeben habe, kamen erst mal ein Haufen Fragen u.a. sind sie verheiratet, haben sie Kinder, wenn ja wieviele, wie alt sind sie, wohnen sie im gleichen Ort.....
Der andere wollte nur Schulabgänger haben, der nächste wollte Frauen ab 35 Jahre haben (damals war ich 29). Die härteste Antwort die ich bekam war, wir nehmen keine Leute von der ARGE

2. Ich bewarb mich für eine Ausbildung zur Friseurin, hatte auch einige Vorstellungsgespräche. In den meisten Gesprächen wurde mir dann mitgeteilt, dass nur Schulabgänger mit Abitur gesucht werden. Obwohl in der Zeitungsannonce "Hauptschulabschluss ohne weitere Anforderungen" stand. Habe schließlich nachgefragt, warum das dann nicht in der Zeitung so stand, stattdessen Hauptschulabschluss sei ausreichend. Es sei ein Druckfehler - sowas bekommt man als Antwort.

3. Habe mich als Schneiderin zur Ausbildung beworben und von meinem letzten Geld die Zugfahrkarte (über 200,-€) gekauft. Bin ein Weg 587km hin und dann 587km wieder zurück mit dem Zug gefahren. Hatte einen Probetag und musste verschiedene Sachen zusammen nähen, was sehr gut geklappt hat. Mir wurde dann gesagt, dass ich sehr gute Chancen hätte genommen zu werden. Es wurden damals 10 Azubis gesucht. Nach 14 Tagen bekam ich eine Absage; Begründung: Das ich zu weit weg wohne. Wobei ich im Bewerbungsanschreiben vermerkt habe, dass ich vor Ausbildungsvertrag/ - beginn umziehe. Ich meine, die haben das doch vorher gewusst - wo ich her komme, warum haben die mich dann erst diesen langen Weg anreisen lassen?

4. Hatte mich in einer Spielothek beworben, diese Stelle sollte erst als Minijob sein. Später dann als Vollzeitjob im Schichtsystem. Ich muss dazu sagen, dass ich keine Probleme habe mal Nachts zu arbeiten, am Wochenende oder mal am Feiertag. Da ich damals in einem abgelegenen Ort gewohnt habe, wo man auf ein Fahrzeug angewiesen war hatte ich ein kleines Auto gekauft 100,-€ mit 1 Jahr TÜV...war echt ein Schnäppchen. Habe den Arbeitsvertrag unterschrieben und es gleich meinerm Sachbearbeiter mitgeteilt, dass es erst ein Minijob ist und später als Vollzeitjob umgewandelt wird.
Soweit so gut; nur der nette Herr vom damaligen Sozialamt sagte, dass ich das Auto verkaufen muss, da er einen Wert darstellt und ich als Sozialhilfeempfängerin keines haben dürfte. Sollte ich das Fahrzeug nicht verkaufen und das Geld zum Leben verwenden, sehe er sich gezwungen meine Leistungen umgehend einzustellen. Habe ihm die Situation geschildert, dass ich das Fahrzeug doch für den Job brauche. Hatte nichts genutzt. Ich musste das fahrzeug verkaufen......naja zuerst sollte ich zum Händler, damit dieser das Fahrzeug schätzt vom Wert her. Dieser meinte, ob ich einen Scherz mache; als ich sagte, dass ich vom Sozialamt komme und es leider so ein muss - meinte der Händler, er rufe dort jetzt an und teil ihm mit, dass der Wagen keinen Wert mehr hat und nur noch verschrottet werden kann.

Jedenfalls musste das Auto weg, sonst hätte ich keine Leistungen mehr bekommen. Ich rief meinen Arbeitgeber an und teilte ihm mit, dass ich lt. Amt kein Auto haben darf und nicht mehr zur Arbeit kommen kann. Er vergab die Stelle an jemand anderen weiter...tja, somit war ich wieder arbeitslos.

Das hier sind nur einige Punkte, die ich erlebt habe und wie es draußen in der Welt wirklich ab geht.

Marsleuchte
05.09.2008, 14:30
Hallo,

was die anderen Punkte angeht mag sein, kann ich aber noch nicht behaupten.
Ich bin seit 2003 Zuhause und deswegen ist mein Freundeskreis noch der gleiche.


Jedenfalls musste das Auto weg, sonst hätte ich keine Leistungen mehr bekommen. Ich rief meinen Arbeitgeber an und teilte ihm mit, dass ich lt. Amt kein Auto haben darf und nicht mehr zur Arbeit kommen kann. Er vergab die Stelle an jemand anderen weiter...tja, somit war ich wieder arbeitslos.


Was diesen Punkt angeht solltest Du dazu schreiben welches Amt es gesagt hat.
Als ALG II Bezieher darfst Du ein Auto bis zu einem Wert von 7500 € besitzen.
Also wäre es nett zu erfahren welches Amt in der heutigen Zeit sagt das man kein Auto besitzen kann und darf.

MfG
Marslicht

lumie
05.09.2008, 15:02
Hallo an alle,
ich verfolge das Thema schon eine ganze Weile, einiges mag ja wohl wahr sein.
Aber ich kann jetzt Marslicht rechtgeben, in dem ich sage, dass sich mein Freundeskreis - dem Himmel sei Dank - nicht verändert hat, im Gegenteil. Na gut, finanziell kann ich nicht immer mithalten.
Aber wie oft wurde ich schon aufgefangen, hat man mir unter die Arme gegriffen oder wurde Geld mal über den Tisch zurückgeschoben, wenn ich meinen Obulus zu gemeinsam geplanten und organisierten Feiern entrichten wollte.
Und wenn es mal nötig war, wurde ich eben auch mal in den H.... getreten, um aus den Puschen zu kommen.
Viele Grüße lumie

MoK
05.09.2008, 17:16
Hallo an alle,
ich verfolge das Thema schon eine ganze Weile, einiges mag ja wohl wahr sein.
Aber ich kann jetzt Marslicht rechtgeben, in dem ich sage, dass sich mein Freundeskreis - dem Himmel sei Dank - nicht verändert hat, im Gegenteil. Na gut, finanziell kann ich nicht immer mithalten.
Aber wie oft wurde ich schon aufgefangen, hat man mir unter die Arme gegriffen oder wurde Geld mal über den Tisch zurückgeschoben, wenn ich meinen Obulus zu gemeinsam geplanten und organisierten Feiern entrichten wollte.
Und wenn es mal nötig war, wurde ich eben auch mal in den H.... getreten, um aus den Puschen zu kommen.
Viele Grüße lumie

Hallo Lumie,

genauso muss es eigentlich sein, Freunde erkennt man wirkich wenn man Hilfe braucht und deine sind echte Freunde.

Leider gibt es auch eine andere Seite: meine letzte Freundin z.B rief mich eines Tages an und mich zu fragen ob ich mit ins Kino wollte, ich sagte nein, leider nicht drin. Kein Problem sagt sie, sie kann noch jemand fragen.

Wir kannten uns schon über 4 Jahren, haben vieles zusammen gemacht. Sie ist immer krank gewesen (heute würde ich sagen im Kopf) also bin ich einkaufen gewesen. Hat sie Zahnschmerzen gehabt, hat sie mich in der Nacht angerufen, damit ich sie trösten könnte ... und vieles mehr.

Tja, sie ist wahrscheinlich nicht mal auf die Idee gekommen, mich einfach einzuladen, oder mir das Geld vorzutrecken ... was für sie nichtmal Taschengeld gewesen wäre ...

Unsere Freundschaft ist nicht natürlich nur daran zerbrochen ... aber fast und mir geht es ohne sie sowieso 100mal besser, aber ob ich für eine neue Freundin wieder soviel "geben" würde ist fraglich ...

LG,

Monika

Japan
06.09.2008, 11:25
@Marslicht

Es ist schon eine Weile her ca. 5 Jahre nur das Fahrzeug hatte lt. Händler nicht mal einen Wert von 100,-€ :(

bzgl. Freundeskreis; es gibt solche und solche. Die einem halten zu einen und die anderen drehen einem - bei arbeitslosogkeit - den Rücken zu. Bei mir war es nun leider so, dass ich aufmal keine Freunde mehr hatte.

Sommerblumen
06.09.2008, 22:57
Tja, sie ist wahrscheinlich nicht mal auf die Idee gekommen, mich einfach einzuladen, oder mir das Geld vorzutrecken ... was für sie nichtmal Taschengeld gewesen wäre ...Naja, hm, möglicherweise bist du für sie in dem Moment nicht "Die Arbeitslose, die kein Geld hat" gewesen sondern einfach die Freundin, mit der man was unternimmt. Meine Freundinnen und Freunde würden mich auch nie einladen, es sei denn, ich mache den ersten Schritt. Sie kennen mich und wissen, dass ich nicht von anderen abhängig sein will (klingt blöd, weil Freunde einem ja gern was schenken dürfen, aber ich hoffe, man versteht, was ich meine).

Ich habe allerdings den Vorteil, dass ich eben noch viele aus Studienzeiten kenne. Wenn man gemeinsam im Callcenter, bei Bafög und Geldnot und vorm Monatende bei einer Woche Spaghetti mit Ketchup zusammengesessen hat, kann einen ALG II auch nur noch wenig schocken :-P. Naja, abgesehen von dem Umstand das man vom Studium umgehend ins Hartz IV fällt und von allen erstmal als "Berufsanfänger" tituliert wird und man sich fragt, was man denn die 4-5 Jahre so gemacht hat...

Ich war ALG II-Empfänger, fand dann Arbeit und wurde wieder arbeitslos (ALG I). Ich merke aber der Unterschied zu den Freunden, die sich entfernen weil sie eben wegziehen und in der 40-50-Stunden-Tretmühle kaum noch Luft für mehr als 1x Kino haben. Oder die eben befremdet reagieren, wenn ich in meiner jetztigen Situation eben nicht jeden Job von Zeitfirma und Co. oder schlechtbezahlenden Unternehmen annehme...es ist eben "so drin", dass man seinen Wert über die Arbeit definiert und erstmal suspekt ist, wenn man nicht nur 40 Stunden arbeiten will, sondern auch noch einen gut bezahlten und halbwegs interessanten Job möchte. :razz:

Glücklicherweise hält sich bei uns trotzdem ein "harter Kern", der hoffentlich noch lange bestehen bleibt und auch die Geldsorgen übersteht. Ich merke eben sehr schnell an den Reaktionen von Bekannten und deren neuen Freunden, an wen ich geraten bin, wenn ich bei bestimmten Hobbies darum bitte, den günstigeren Preis zu nehmen, statt Kino DVDs auszuleihen oder wenn schon Kino, dann bitte Parkett, Kinotag und nicht zu häufig. Wenn dann jemand die Augenbrauen hochzieht (so geschehen bei neuem Freund einer Bekannten von mir), hake ich denjenigen für mich schnell als Schnösel ab und weiß, mit wem ich keine engeren Kontakte möchte....ich kann Spass und Freizeit auch ohne Geld genießen. Aber mit Geld wäre es wesentlich einfacher. :engel:

MoK
07.09.2008, 01:31
Naja, hm, möglicherweise bist du für sie in dem Moment nicht "Die Arbeitslose, die kein Geld hat" gewesen sondern einfach die Freundin, mit der man was unternimmt.

Mhmm, na ja wie ich schon sagte, die Freundschaft ist nicht daran zerbrochen, sondern weil es mir in der Beziehung alles zu viel würde.
Ich glaube Freunde erkennt man dann, wenn man Hilfe braucht und es freut mich, dass du so gute Freunde hast, die mit dir durchs dick und dünn gehen :razz:

LG,

Monika

Sommerblumen
07.09.2008, 18:17
Ich glaube Freunde erkennt man dann, wenn man Hilfe braucht und es freut mich, dass du so gute Freunde hast, die mit dir durchs dick und dünn gehen :razz:
Da hast du recht. Die Freunde, die ich jetzt habe, sind "übrig geblieben" und haben sowohl die ALGII-Phase, die Arbeitsphase und die ALGI-Phase mitgemacht. Eine Handvoll, andere sind halt auf der Strecke geblieben. Aber diese Handvoll ist mir gerade wegen des harten Kerns so wichtig. Weil man sich nicht jedes Mal rechtfertigen muss, wenn man eben wegen Geldmangel nicht ins Kino oder keinen Grillabend mit Premiumsteak, keine Theaterbesuch machen will, kein oder wenig Geld für Fahrscheine (Bus und Bahn) hat und eben auch nicht bei weiter entfernt wohnenden Freunden "mal eben" mit der Bahn fahren und 60 Euro aus der Tasche ziehen kann. Zum Glück gibts Skype, ICQ und Plattformen sonst wäre ich aufgeschmissen...hinzu kommt noch ne Telefonflat, so dass ich zum Nulltarif reden kann. Aber ich bin froh. U.a. fühl ich mich deshalb auch nicht wohl, wenn ich eventuell demnächst wegziehen muss.

Ricci
17.09.2008, 02:40
Hello!
Hier und heute noch meine äh erste Nacht im Forum. Dieser thread schon allein, also es gäbe einiges zu sagen.
Wo z.B: ist minga? Vom Anfang? Und die Ägypter? Hm. Es gehört wohl zum Wesen eines Forums, dass Leute auf- und wieder abtauchen. Da möchte ich schon mal den Moderatoren danken, sie machen einen tollen Job!
Bin sprunghaft und übermüdet. Nur kurz. Hier in Berlin ist es vielleicht einfacher, weil der Lebensunterhalt nicht so horrend ist wie in na sagen wir Konstanzz. Weil es mehr Möglichkeiten zu sozialen Kontakten gibt.

Dennoch liegt es mir am Herzen zu sagen: Zusammenschließen! Nicht Einzelkämpfer sein! Es gibt nicht nur Tausende, sondern Millionen! Sich treffen! Es gibt Gleichgesinnte!