PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Coachingmaßnahme Göttingen


Lemmy1975
11.06.2007, 05:48
Hallo,
am 07.05.2007 habe ich ("unfreiwillig") eine Coachingmaßnahme beim BNW in Göttingen begonnen. Die ersten 2 Tage bestanden aus einem Test zur Eignungsanalyse.
Am dritten Tag wurden die Ergebnisse in Einzelgesprächen besprochen und da dies ja nun nicht allzulange dauerte gab man uns eine -in meinen Augen- völlig bescheuerte Hausaufgabe auf: "Schreiben Sie auf mindestens 1 1/2 Seiten auf, wie Sie sich ihr Leben in 5 Jahren vorstellen".

Die folgenden 2 Tage bestanden aus "Unterricht" mit wenig bis nicht sinnvollen Inhalten.
Ab der zweiten Woche wurden wir in zwei Gruppen gesplittet, die Montags- und die Dienstagsgruppe. An den jeweiligen Tagen hatte die eine Gruppe bis zur Mittagspause "Unterricht", die andere ist dann halt entweder schon im Praktikum (ein Großteil hatte schon im Februar mit dieser Maßnahme begonnen) oder betreibt Praktikumsakquise im Computerraum.

Hier widerspricht sich das ganze schon mit der Infobroschüre dieser Maßnahme, dort heißt es "Jeder Teilnehmer bekommt einen Coach zu Seite gestellt, der für den Teilnehmer Praktika akquiriert" (sinngemäß!).

In Wirklichkeit müssen wir uns selber um Praktikumsplätze kümmern, mir ist klar, dass Eigeninitiative notwenig ist, wenn ich hier jedoch keine Unterstützung bekomme, könnte ich genausogut eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben, in der ich mich verpflichte Prakrika zu suchen, zumal es dort oben sehr schwierig ist, da die Internetverbindung dort sehr langsam ist (Müssen uns mit bis zu 15 Personen eine ISDN-Leitung teilen).

Ein weiterer Kritikpunkt sind die in der Broschüre angegebenen "Guten Kontakte zur Wirtschaft", von denen ganz offensichtlich nicht viel zu merken ist.

Weiterhin verspricht die Broschüre sinnvolle Lerninhalte und Qualifizierungsbausteine, welche individuell auf den Teilnehmer abgestimmt sind.
In Wirklichkeit wird am Unterrichtstag Gruppenunterricht für Alle gemacht.
Bestes Beispiel hierfür letzte Woche: Als Thema wurde Prozentrechung durchgenommen.
Meine Bitte, etwas anderes machen zu können/dürfen, weil ich Prozentrechnung aus dem FF beherrsche wurde verneint.
Als der Unterricht begann, erklärte die Kursleiterin die Prozentrechnung dann auch so, als hätte das nie jemand von uns gemacht, was ,mich dazu veranlasste, meine Bewerbungsunterlagen nochmals durchzugehen.
Dies bekam sie dann natürlich mit und eröffnete mir dann recht energisch, dass ich doch noch Hause gehen könnte und die entsprechenden Folgen zu tragen habe, wenn ich weiter die Teilnahme verweigern würde.
Wieder warf ich ein, dass ich Prozentrechnung "im Schlaf beherrsche" (wie ich dann anhand der Beispielaufgaben auch bewiesen habe).
Daraufhin sagte sie:"Wenn sie das so gut können, erklären Sie es doch den anderen"
Als ich dann fragte wer denn dafür bezahlt wird, den Leuten etwas beizubringen konnte sie nicht mehr kontern.

Als wir dann am nächsten Morgen den schlechten Unterricht beklagten, fühlten sich unsere beiden "Lehrkräfte" erstmal persönlich beleidigt und ließen uns das auch wissen.
Es folgte eine mehr oder weniger ergebnislose Diskussion über fast zwei Stunden mit dem Ergebnis, dass wir jeder einzeln auf einen Zettel schreiben sollen, wie wir uns den Unterricht denn vorstellen, unsere Lehrkräfte gaben uns dafür 10 Minuten Zeit und verließen den Raum.
Anstatt jeder einzeln seine Vorstellungen aufschreibt haben wir uns dazu entschlossen, Vorschläge zu sammeln und an der tafel zusammenzufassen, folgende Inhalte haben wir uns überlegt:

-Englische Grammatik
-Informatik
-Berufsbezogene Selbstlernbausteine
-Arbeitsrecht/Sozialrecht
-Stressmanagement

Als unsere Lehrkräfte dann den Raum betraten wurde uns erstmal klargemacht, dass wir uns nicht an die Vorgabe gehalten haben, weil wir keine einzelnen Zettel agbegeben haben, anschließend wurden alle unsere Vorschläge abgelehnt.

Sorry, wenn ich jetzt mal meinen Frust über die Maßnahme zusammengetragen habe und dieser Text möglicherweise etwas zu lang und/oder unverständlich geworden ist, zusammenfassend kann man sagen, dass diese Maßnahme nicht wirklich sinnvoll ist, da

-Bisher keine Inhalte durchgenommen wurden, die irgendeinen Teilnehmer weiterbringen könnten
-Kritik an der Maßnahme seitens der Lehrkräfte häufig als persönlicher Angriff gewertet wird, Kursteilnehmer von den Lehrern manchmal gegeneinander ausgespielt werden.
-Die Angaben der Broschüre in keinem Punkt stimmen.
-Das Internet praktisch nicht nutzbar ist, selbst schlicht gehaltene Seiten wie etwa die Suchmaske von Google mitunter 2 Minuten Ladezeit haben (Das ist allerdings Schuld der T-Com, welche dort noch kein DSL verlegt hat)
-Wir bisher nichts getan haben, was wir nicht auch ohne diese Maßnahme hätten machen können.
-Geld für diese Maßnahme ausgegeben wird, welches an anderer Stelle für sinnvolle (Um)Schulungen nicht vorhanden ist.

Ich hoffe, dass ich schnellstmöglich einen Arbeitsplatz bekomme, nur um schellstmöglich aus dieser Maßnahme rauszukommen.

Gruß
Lemmy1975

StephanK
11.06.2007, 14:02
Über die Länge des Textes brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen - das Internet spart schließlich 'ne Menge Papier... :wink:
Ähnliche Maßnahmen habe ich auch schon durchlaufen, fand sie ähnlich langweilig und nutzlos - und fand keine Möglichkeit, dort wieder rauszukommen, so dass ich sie "absitzen" musste.

Es ist ärgerlich, dass Steuergelder für solche Maßnahmen ausgegeben werden, bei denen Aufwand und Ertrag in keinem auch nur annähernd angemessenen Verhältnis stehen.