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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berechnung Arbeitslosengeld nach langer Arbeitsunfähigkeit


atinus
19.03.2006, 16:20
Hallo Forum,

nach 18 Monaten läuft mein Krankengeld aus (ca. 1300 € netto /Monat). Vorher hatte ich 5 Monate 3100 € Brutto verdient + 1600 € Brutto Weihnachtsgeld. Wenn ich mich nach Auslauf des krankengeldes arbeitslos melde, wie berechnet sich dann das Arbeitslosengeld? Kann mir da jemand von Euch helfen? Müßte ich die 1300 € Krankengeld nehmen und herausfinden (z.B. über einen Gehaltsrechner im Internet), was der Bruttolohn wäre und darüber dieArbeitlosengeldhöhe errechnen?

Herzlichen Dank.

atinus

StephanK
19.03.2006, 17:12
:welcome: atinus,
es wäre schon wichtig zu wissen, wann und wie Dein Arbeitsverhältnis geendet hat.
Kannst Du diese Information bitte noch nachliefern?

atinus
19.03.2006, 18:35
Hallo Stephan,

Danke für den Willkommensgruß : )
ja, natürlich kann ich diese Information nachliefern. Ich wurde während meines letzten Arbeitsverhältnisses sehr krank und mußte einige Operationen über mich ergehen lassen. Da ich mich noch innerhalb der Probezeit befand, hat mich mein damaliger Arbeitgeber kurzer Hand gekündigt. Seit Ende Dezember 2004 zahlt die Krankenkasse mir Krankengeld, das Anfang/Mitte Juni diesen Jahres auslaufen wird.

Betroffener
19.03.2006, 20:08
Mhh,

das riecht nach einem komplizierten Fall, da es um alte Ansprüche geht bezüglich Rahmenfrist und Anwartschaftszeiten, was die Damen und Herren in der Arbeitsagentur nicht mehr direkt im Computer nachschlagen können.

Hier kommt es an auf die Dauer der ununterbrochenen Beschäftigung, den Verdienst und den daraus gewonnenen Ansprüchen gemäß Alter an.

Der Haken ist, dass Krankheit (und eine andere Zahlungsquelle) die Anspruchsdauer für das Arbeitslosengeld weder verlängert noch deren Zeitfenster verschiebt, was bedeuten würde, dass Du sozusagen möglicherweise auch beim Arbeitslosenged I nach Ablauf der Anspruchszeit von x Monaten ausgesteuert wärest und Dich direkt um ALG II bemühen müsstest (wenn keine weiteren Ansprüche mehr an ALG I bestehen sollten) - was Dir nur die Arbeitsagentur ausrechnen kann.

Wie ich das Posting verstanden habe, hattest Du Dich seinerzeit nicht arbeitslos gemeldet, sondern warst "nur" krankgeschrieben - was ein weiteres Problem darstellen könnte.

Arbeitsagentur: Leistungsfortzahlung bei Krankheit
Bei Arbeitsunfähigkeit wird Ihnen – in Anlehnung an das für beschäftigte Arbeitnehmer geltende Entgeltfortzahlungsgesetz – Arbeitslosengeld bis zur Dauer von sechs Wochen weitergezahlt.

Voraussetzung hierfür ist, dass die Arbeitsunfähigkeit während des rechtmäßigen Leistungsbezuges eingetreten ist.

Eine Leistungsfortzahlung kommt auch in Betracht bei Arbeitsunfähigkeit wegen einer durch Krankheit erforderlichen Sterilisation, nicht rechtswidrigem Schwangerschaftsabbruch oder bei stationärer Behandlung.

Eine Leistungsfortzahlung erfolgt demnach nicht, wenn

* die Arbeitsunfähigkeit vor Leistungsbeginn
oder
* während einer Zeit eingetreten ist, für die der Anspruch auf Leistung ruht (zum Beispiel während einer Sperrzeit).

SGB III - § 126 - Leistungsfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit
(1) 1 1Wird ein Arbeitsloser während des Bezugs von Arbeitslosengeld infolge Krankheit arbeitsunfähig, ohne daß ihn ein Verschulden trifft, oder wird er während des Bezugs von Arbeitslosengeld auf Kosten der Krankenkasse stationär behandelt, verliert er dadurch nicht den Anspruch auf Arbeitslosengeld für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit oder stationären Behandlung bis zur Dauer von sechs Wochen (Leistungsfortzahlung). 2Als unverschuldet im Sinne des Satzes 1 gilt auch eine Arbeitsunfähigkeit, die infolge einer durch Krankheit erforderlichen Sterilisation durch einen Arzt oder eines nicht rechtswidrigen Abbruchs der Schwangerschaft eintritt. 3Dasselbe gilt für einen Abbruch der Schwangerschaft, wenn die Schwangerschaft innerhalb von zwölf Wochen nach der Empfängnis durch einen Arzt abgebrochen wird, die Schwangere den Abbruch verlangt und dem Arzt durch eine Bescheinigung nachgewiesen hat, daß sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff von einer anerkannten Beratungsstelle beraten lassen hat.

(2) 2 1Eine Leistungsfortzahlung erfolgt auch im Falle einer nach ärztlichem Zeugnis erforderlichen Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege eines erkrankten Kindes des Arbeitslosen bis zur Dauer von zehn, bei alleinerziehenden Arbeitslosen bis zur Dauer von 20 Tagen für jedes Kind in jedem Kalenderjahr, wenn eine andere im Haushalt des Arbeitslosen lebende Person diese Aufgabe nicht übernehmen kann und das Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder behindert und auf Hilfe angewiesen ist. 2Arbeitslosengeld wird jedoch für nicht mehr als 25, für alleinerziehende Arbeitslose für nicht mehr als 50 Tage in jedem Kalenderjahr fortgezahlt.

(3) Die Vorschriften des Fünften Buches, die bei Fortzahlung des Arbeitsentgelts durch den Arbeitgeber im Krankheitsfall sowie bei Zahlung von Krankengeld im Falle der Erkrankung eines Kindes anzuwenden sind, gelten entsprechend.

Vielleicht findet der Stephan hierzu noch was günstigeres raus als ich.

atinus
19.03.2006, 20:24
Vielen Dank, dass Ihr beiden Euch die Zeit genommen habt, meine Frage zu beantworten. Da kann ich mich wohl auf einige Unannehmlichkeiten einrichten. Danke nochmals für Eure Mühe.

StephanK
19.03.2006, 22:32
Vielleicht findet der Stephan hierzu noch was günstigeres raus als ichJa ja, die Knobel-Aufgaben wieder mal zu mir... :lol:
Dazu müsste ich aber wirklich exakte Daten haben, vor allem Beginn und Ende des Arbeitsverhältnisses und eigentlich auch eines vorangegangenen Arbeitsverhältnisses.
Das hat mit den zahlreichen Änderungen des Gesetzes in den letzten Jahren zu tun. Sorry, aber so kompliziert ist es nun mal.

atinus
20.03.2006, 01:51
Mein Arbeitsverhältnis hat am 01.08.2004 begonnen und am 20.12.2004 geendet. Davor hatte ich keine versicherungspflichtige Arbeit, da in Ausbildung (kein Verdienst). Krankgeschrieben war ich ab 10.12.2004. Ich habe mich bisher nicht arbeitslos gemeldet. Verdient hatte ich 3100 €/Monat brutto + einmalig Weihnachtsgeld 1550 € brutto. Jetzt kriege ich um die 1300 € netto von der Krankenkasse ausgezahlt. Das Krankengeld wird irgendwann Anfang/Mitte Juni auslaufen.

Kann ich die Berechnung des Arbeitslosengeldes im Sozialgesetzbuch nachlesen? Wie wird denn der Betrag genau berechnet?
Hätte ich mich schon nach Erhalt der Kündigung arbeitslos melden müssen? Kann ich deswegen gesperrt werden?

Betroffener
20.03.2006, 04:02
Atinus,

lasse Dir doch die Würmer nicht einzeln ziehen.

Was für eine Ausbildung war das und wie lange hat die gedauert und warum gab es keine Ausbildungsvergütung?

Mit nur knapp 4 Monaten hast Du keine Rahmenfrist erfüllt - bekommst also auch nichts.

Wenn es eine Lehre oder vergleichbare Ausbildung war, wird die Zeit mit angerechnet und mit etwas Glück hast Du die Frist erfüllt, um überhaupt einen Anspruch zu haben - von der Höhe mal abgesehen.

Du hättest Dich sofort bei der ersten Kenntnis des Arbeitsplatzverlustes als Arbeitslos bei der Arbeitsagentur melden müssen.
Aber wenn Du wirklich nur knappe 4 Monate in Lohn und Brot standest, wirst Du gar nichts bekommen - unabhängig von der Sperre wegen verspäteter Meldung.
Deshalb ist die Ausbildungszeit oder ggf. auch Militärzeit, Zivizeit oder vergleichbares so wichtig, die davor lag - weil die werden angerechnet.

Grundsatz

Die Anwartschaftszeit haben Sie erfüllt, wenn Sie in den letzten drei Jahren (Dreijahresfrist) vor der Arbeitslosmeldung, der so genannten Rahmenfrist, und der eingetretenen Arbeitslosigkeit mindestens 12 Monate (das sind 360 Kalendertage, weil der Monat zu 30 Tagen gerechnet wird) in einem Versicherungspflichtverhältnis (z.B. Beschäftigung, ggf. Krankengeldbezug u.a.) gestanden haben.

Bei Entstehung des Anspruches nach dem 31.1.2006 gilt statt der Dreijahresfrist eine Zweijahresfrist.

HINWEIS:
Ab 01.02.2006 beträgt die Rahmenfrist zwei Jahre.

Wehr-/Zivildienst, Saisonarbeiter

Bei Anspruchsentstehung bis 31.1.2006 gilt folgende Sonderregelung:

Zur Erfüllung der Anwartschaftszeit genügen

* bei Wehr- oder Zivildienstleistenden mindestens 180 Kalendertage
* bei Saisonarbeitnehmern 180 Kalendertage.

ACHTUNG:
Diese Sonderregelung entfällt am 01.02.2006!

Stattdessen besteht ab 01.02.2006 für Wehr- und Zivildienstleistende Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung gemäß § 26 Abs. 1 Nr. 2 SGB III.

Zeiten ohne Entgeltzahlung

Zeiten eines Beschäftigungsverhältnisses ohne Entgeltzahlung bis zu einem Monat werden mitgerechnet.
Zeiten mit Bezug von Kurzarbeitergeld oder Winterausfallgeld werden immer berücksichtigt.

Zeiten mit Freistellung

Besteht Ihr Arbeitsverhältnis fort und haben Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine unwiderrufliche Freistellung von der Arbeitspflicht vereinbart (z. B. in einem Aufhebungsvertrag), so liegt keine Versicherungspflicht mehr vor. Diese Zeiten dienen nicht zur Erfüllung der Anwartschaftszeit.

Verlängerung der Rahmenfrist

Wenn Sie folgende Zeiten nachweisen, kann der 3-Jahreszeitraum (ab 01.02.2006 2-Jahreszeitraum) verlängert und dadurch unter Umständen eine weiter zurückliegende Beschäftigung berücksichtigt werden:

* Pflege von Angehörigen, die Anspruch auf Leistungen aus einer Pflegeversicherung (mindestens nach Pflegestufe I) oder Hilfe zur Pflege nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch oder gleichartige Leistungen nach anderen Vorschriften haben,
* Ausübung einer selbständigen Tätigkeit von mindestens 15 Std. wöchentlich,
* Bezug von Unterhaltsgeld oder Übergangsgeld wegen einer berufsfördernden Maßnahme.

Bei den beiden letztgenannten Tatbeständen kann der Zeitraum auf längstens 5 Jahre erweitert werden.

HINWEIS:
Ab 01.02.2007 ist eine Verlängerung der Rahmenfrist nur noch für Zeiten möglich, in denen von einem Rehabilitationsträger Übergangsgeld wegen einer berufsfördernden Maßnahme bezogen wurde, längstens auf fünf Jahre.

Zeiten zur Erfüllung der Anwartschaftszeit

Auch durch folgende Zeiten kann die Anwartschaftszeit erfüllt werden:

* Zeiten, in denen Sie als Wehr- oder Zivildienstleistender in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden haben,
* Zeiten, für die wegen des Bezuges von Mutterschaftsgeld, Krankengeld, Versorgungskrankengeld, Verletztengeld, Übergangsgeld wegen medizinischer Rehabilitation oder Krankentagegeld eines Unternehmens der privaten Krankenversicherung Beiträge zur Bundesagentur für Arbeit zu zahlen waren,
* Zeiten, für die Sie von einem Träger der gesetzlichen Rentenversicherung eine Rente wegen voller Erwerbsminderung bezogen haben, wenn Sie unmittelbar vor Beginn der Leistung versicherungspflichtig waren oder eine laufende Entgeltersatzleistung nach dem SGB III bezogen haben,
* Zeiten, in der Sie ein Kind, das das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, erzogen haben, wenn Sie unmittelbar vor der Kindererziehung versicherungspflichtig waren oder eine laufende Entgeltersatzleistung nach dem SGB III bezogen haben,
* Zeiten einer beitragspflichtigen Beschäftigung in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU) bzw. des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) oder der Schweiz.

Voraussetzung für die Anerkennung der Zeiten aus EU- bzw. EWR-Mitgliedstaaten ist im allgemeinen aber, dass vor der Arbeitslosmeldung und Antragstellung zuletzt eine versicherungspflichtige Beschäftigung im Bundesgebiet ausgeübt worden ist.

Die Ägypter
20.03.2006, 04:51
Du hättest Dich sofort bei der ersten Kenntnis des Arbeitsplatzverlustes als Arbeitslos bei der Arbeitsagentur melden müssen.

In diesem Fall nicht, denn er steht durch die fortdauernde Krankmeldung nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und schreibt auch, er ist noch bis vorraussichtlich Mitte Juni d.J. krankgeschrieben und im Krankengeldbezug.

Jetzt kriege ich um die 1300 € netto von der Krankenkasse ausgezahlt. Das Krankengeld wird irgendwann Anfang/Mitte Juni auslaufen.

Ergo - müsste er sich jetzt für die Zeit ab Mitte Juni arbeitssuchend melden - Im Prinzip ein reiner Pro-Forma-Akt, weil der Fragesteller aufgrund der Krankschreibung vermutlich nur eingeschränkt Arbeitsplatzsuche betreiben wird können... aber noch wäre er pünktlich, wenn er theoretisch zum 20.06.06 gesundgeschrieben würde, denn das ist dann der für ihn absehbare Termin - mit 3-Monaten Vorlauf!

Mir ist in Erinnerung, das auch während des Krankengeldbezuges Sozialabgaben abgeführt werden und ich meine, es zählt zum Zeitrahmen, allerdings spielt es seit 2005 keine Rolle mehr bei der Bemessung des Arbeitslosengeldes!

http://www.olaf-nensel.de/sgbiii/faq/alg/hoehenachkrankengeld.html

Zum Krankengeld selbst: nach 78 Wochen Arbeitsunfähigkeit innerhalb des 3-Jahres-Zeitraumes (bei identischer Erkrankung) wird der Krankengeldbezug durch die Krankenkasse eingestellt, unabhängig davon ob die Arbeitsunfähigkeit fortdauert! Zumeist bekommt man 6 Wochen vor Auslauf Post von der Krankenkasse auch mit einem Beleg über Krankengeldbezug der der AfA vorgelegt werden muss bei Antrag auf Arbeitslosengeld.

Antrag auf Arbeitslosengeld ist also erst mit Auslauf des Krankengeldes möglich - das passt dann auch so in Etwa mit den 6 Wochen, damit der Beleg der KV abgegeben werden kann, neben der Arbeitsbescheinigung des ehem. AG!!!! = falls die noch nicht vorliegen sollte, besser zeitnah darum kümmern....

Im Dezember 2004 dürfte noch der Arbeitgeber in der Pflicht gewesen sein, ergo ist die Krankenkasse hiernach eingetreten, also ab Januar 05 - dass passt dann auch in Etwa mit den 78 Wochen.... bis zum 20.06.

Eine rein schulische Ausbildung (ohne Sozialversicherungspflicht) wird nicht berücksichtigt! Macht aber nichts...

...denn - so sehe ich es... der Fragesteller wird durch den Bezug von Krankengeld (1,5 Jahre) und der Tätigkeit (1/2 Jahr) einen Anspruch auf ALG I haben für ziemlich genau 1 Jahr.

Interessant wird allerdings die Berechnung... heißt es doch, der Krankengeldbezug würde nicht gewertet - demnach wird also das zuletzt bezogene Einkommen gewertet und kein Durchschnitt mit den Bezügen aus Krankengeld gebildet... =???

atinus
20.03.2006, 08:42
vielen Dank, Nefertari und Betroffener.

Ja, es stimmt. Es wurden Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeiträge während des Krankengeldbezugs von der Krankenkasse abgegeben.

Betroffener, es sind schon alle Würmer gezogen. Ich hatte vorher studiert und habe aus der Zeit keinen Arbeitslosengeldanspruch.

Danke Nefertari, der Link ist sehr interessant! Kann gar nicht glauben, dass eine Gesetzesänderung mal zum vorteil der Bürger erlassen wurde.

Kann ich dann mein Arbeitslosengeld berechnen, indem ich ca. 60 % vom ehemaligen Brutto nehme?

>>aber noch wäre er pünktlich, wenn er theoretisch zum 20.06.06 gesundgeschrieben würde, denn das ist dann der für ihn absehbare Termin - mit 3-Monaten Vorlauf!

Was bedeutet mit 3 Monaten Vorlauf? Müßte ich mich schon jetzt arbeitslose melden?

[/quote]

StephanK
20.03.2006, 10:31
Kann ich dann mein Arbeitslosengeld berechnen, indem ich ca. 60 % vom ehemaligen Brutto nehme?Nein. In Fällen wie Deinem wird ein fiktives Arbeitsentgelt zugrundegelegt, siehe § 132 SGB III (http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__132.html).

Was bedeutet mit 3 Monaten Vorlauf? Müßte ich mich schon jetzt arbeitslos melden?Hmmm... bei Nefertaris Hinweis geht es um den § 37b SGB III (http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__37b.html). Er gilt aber nur für "Personen, deren Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis endet", was bei Dir ja nicht der Fall ist. Du bist ja eigentlich schon arbeitslos, nur stehst Du bisher wegen Krankheit der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung. Deswegen dürfte das für Dich eigentlich nicht gelten.
Davon unabhängig halte ich es für sinnvoll, wenn Du das bald in Angriff nimmst.
Nach so langer Krankheit könnte die AA auch wissen wollen, ob Du denn gesundheitlich wieder so weit hergestellt bist, dass Du arbeiten kannst - und so was kann dauern. Also auch deswegen scheint es angebracht, dass Du Dich bald mal arbeitsuchend meldest.

Die Ägypter
20.03.2006, 11:15
atinus hat Folgendes geschrieben:
Kann ich dann mein Arbeitslosengeld berechnen, indem ich ca. 60 % vom ehemaligen Brutto nehme?
Nein. In Fällen wie Deinem wird ein fiktives Arbeitsentgelt zugrundegelegt, siehe § 132 SGB III.

Ähem... Stephan, in dem von dir zitierten § steht etwas von 150 Tagen = 5 Monate...

atinos schreibt aber in seinem Eingangspost:

Vorher hatte ich 5 Monate 3100 € Brutto verdient

Ergo müsste eine Bemessung möglich sein - oder?

atinus
20.03.2006, 13:30
Verstehe ich das richtig? Der § 132 ist für Menschen gedacht, die lange Zeit arbeitsunfähig waren? Und in diesem Fall wird die Zeit vor der Erkrankung betrachtet, um herauszufinden, wieviel Monate/Tage sich derjenige in einem Anstellungsverhältnis befunden hat? Wenn derjenige mindestens 150 Tage gearbeitet hat, wird das Arbeitslosengeld berechnet, in dem man 60 % vom dem Bruttoverdienst abzieht und diesen Betrag als ALG auszahlt? Hat derjenige jedoch weniger als 150 Tage gearbeitet, nimmt man als Bemessungsgrundlage einen fiktiven Lohn, der sich z.B. bei Hochschulabsolventen aus "Dreihundertstel der Bezugsgröße" berechnet? Woher nimmt das Arbeitsamt diese "Bezugsgröße"? Ist die nach Bundesländern unterschiedlich? Gibt das Sozialgesetzbuch dazu auch Auskunft?

StephanK
20.03.2006, 16:51
Wirklich alles nicht so einfach...

Ich fange mal mit dem Punkt baldige Arbeitslosmeldung an:
Die gesetzliche Definition von Arbeitslosigkeit in § 119 Abs. 1 SGB III hat drei Einzelelemente, die ich mal der Reihe nach abklappere:
1. Beschäftigungslosigkeit - ist gegeben;
2. Eigenbemühungen, wieder Arbeit zu finden - unterstelle ich mal;
3. Verfügbarkeit - ist derzeit noch nicht gegeben.
Diese Kombination ist ungewöhnlich; meistens sind 2. und 3. von vornherein gegeben und 1. "bricht über einen herein". Die Pflicht zur frühzeitigen Arbeitslosmeldung besteht zu dem Zweck, dass sofort wenn 1. über einen hereinbricht die Bundesagentur mit ihren Vermittlungsaktivitäten starten kann. Bei atinus sind 1. und 2. gegeben und wann 3. wieder gegeben sein wird, ist letztlich eine Frage ärztlicher Prognosen. Deswegen besteht meiner Meinung nach keine Pflicht zur Arbeitslosmeldung bevor kein Arzt attestiert, dass atinus voraussichtlich ab xx.yy. wieder arbeitsfähig sein wird. Sobald das der Fall ist, gibt es zumindest einen Anhaltspunkt dafür, wann auch Nr. 3, also die Verfügbarkeit wieder gegeben sein wird - und damit setzt dann auch die Pflicht zur Arbeitslosmeldung ein.

Nächster Punkt: Alg-Anspruch / Rahmenfrist / Anwartschaftszeit
Dabei gehe ich mal davon aus, dass die Arbeitslosmeldung zum 15.6.06 erfolgt. Dann müsste er im Zeitraum seit 16.6.04 (Rahmenfrist) zwölf Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden haben (Anwartschaftzeit). Ein Versicherungspflichtverhältnis besteht wegen Krankengeldbezuges (§ 26 Abs. 2 Nr. 1 SGB III) seit ... jedenfalls mehr als zwölf Monaten. Also ist die Anwartschaftszeit erfüllt.

Nächster Punkt: Höhe des Alg-Anspruches
Ich gehe mal davon aus, dass atinus ledig und kinderlos ist; wenn nicht, sind nicht 60, sondern 67 % der Satz - und zwar 60 % des pauschalierten Nettoentgelts (Leistungsentgelt), das sich aus dem Bruttoentgelt
ergibt, das der Arbeitslose im Bemessungszeitraum erzielt hat (Bemessungsentgelt) (§ 129 SGB III.
Der Bemessungszeitraum beträgt normalerweise ein Jahr (§ 130 Abs. 1 SGB III), wird aber auf zwei Jahre erweitert, wenn der Bemessungszeitraum weniger als 150 Tage mit Anspruch auf Arbeitsentgelt enthält (§ 130 Abs. 3 Nr. 1 SGB III). Das ist der Fall, so dass zwei Jahre bis zum 15.6.04 zurückzublicken ist. In diesem Zeitraum haben wir tatsächlich (nur) noch 46 Tage mit Arbeitsentgelt. Deswegen ist ein Fall des § 132 SGB III gegeben: (1) Kann ein Bemessungszeitraum von mindestens 150 Tagen mit Anspruch auf Arbeitsentgelt innerhalb des auf zwei Jahre erweiterten Bemessungsrahmens nicht festgestellt werden, ist als Bemessungsentgelt ein fiktives Arbeitsentgelt zugrunde zu legen.
Wenn (wegen des Studiums) die Qualifikationsgruppe 1 nach § 132 Abs. 2 Nr. 1 gilt, dann wird ein Arbeitsentgelt von einem Dreihundertstel der Bezugsgröße zugrundegelegt. Diese ominöse Bezugsgröße ist in § 18 SGB IV (http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__18.html) definiert und beträgt für 2006 in Westdeutschland monatlich 2450 €, so dass ein Arbeitsentgelt von 8,17 € zugrundezulegen ist - ich nehme an, als Stundenlohn zu verstehen, obwohl das nirgends ausdrücklich ausgesagt ist. :?: Dann hätten wir bei einem Achtstundentag und durchschnittlich 22 Arbeitstagen im Monat ein fiktives Monatsentgelt von knapp 1438 €, von dem 21 % Sozialversicherungspauschale abzuziehen sind; bleiben also 1136 €. Davon sind weiter Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag abzuziehen, was ich jetzt nur vereinfacht mit unterstellten 15 % tun kann. Damit verbleiben - über'n Daumen - 965 € - und davon 60 % sind 579 €.

Du wirst Dir aussuchen können, ob Du zusätzlich Wohngeld beantragst oder aufstockendes Alg II.

Betroffener
21.03.2006, 00:15
Trotzdem alles geklärt zu sein scheint, habe ich hiermit meine Bauchschmerzen:

Ich wurde während meines letzten Arbeitsverhältnisses sehr krank und mußte einige Operationen über mich ergehen lassen. Da ich mich noch innerhalb der Probezeit befand, hat mich mein damaliger Arbeitgeber kurzer Hand gekündigt.

Ich bin der - vielleicht irrigen - Meinung, dass zum seinerzeitigen Zeitpunkt die Arbeitslosenmeldung + Krankheitsmeldung hätte kommen müssen. Dann hätte es 6 Wochen Weiterzahlung gegeben und atinus wäre an die Krankenkasse abgespielt worden statt wie jetzt der genau umgekehrt Fall eintreten soll.

Ich hoffe, dass die Arbeitsagentur Stephans Meinung verfolgt.

StephanK
21.03.2006, 08:37
Ich bin der - vielleicht irrigen - Meinung, dass zum seinerzeitigen Zeitpunkt die Arbeitslosenmeldung + Krankheitsmeldung hätte kommen müssen.Davon war ich ausgegangen, ohne es ausdrücklich aufzuschreiben, weil ja irgendjemand atinus' Krankenkassenbeiträge zahlen muss. Aber es kann durchaus sein, dass ich ein Detail überlesen oder etwas nicht zu Ende gedacht habe.
Also vorsichtshalber noch mal die Nachfrage, wer derzeit die Krankenkassenbeiträge bezahlt?

Die Ägypter
21.03.2006, 11:40
Er erhält Krankengeld und das ist vollständig sozialversicherungspflichtig. Das heißt seine Krankenkasse geht vom zuletzt bezogenen Brutto aus, berechnet davon einen erniedrigen prozentualen Satz und errechnet daraus ein imaginäres Netto - aber nicht wie beim ALG (zum Schein) sondern führt diese Beiträge auch konkret ab.

Das kann man auch an den genannten Zahlen erkennen - er hatte zuletzt brutto 3100 Euro und bezieht jetzt Krankengeld in Höhe von 1.300 Euro (das sind etwa 40 % vom letzten Bruttogehalt). Krankengeld aber macht 70 % vom letzten Brutto aus.

Hier ist eine Seite, wo es richtig gut erklärt wird:

http://www.kv-media.de/Internet/Krankengeld/KGallgem.htm

Was die Meldegeschichte angeht - als ich schwanger war und in einem befr. AV stand habe ich mich auch pünktlich arbeitssuchend gemeldet (3 Monate vor möglichem Auslauf) und bekam gesagt, es wäre in meinem Fall unnötig, da ich nicht vermittelt werden kann und für die Jobsuche tatsächlich nicht zur Verfügung stünde...

Gleiches trifft auf jemanden zu, der krankgeschrieben ist, er steht dem Arbeitsmarkt faktisch nicht zur Verfügung - im Prinzip auch keiner möglichen Vermittlung, deswegen bezieht er ja Krankengeld, das ist ja ein Schutzmechanismus um nicht aus allem von Hier auf Jetzt in die Sozialhilfe "zu fallen"... Er wurde direkt aus dem Arbeitsverhältnis heraus durchgängig krank, da greift zunächst Krankengeld.

ab § 44 Krankengeld und ff (http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/BJNR024820988.html#BJNR024820988BJNG001300328)

Allerdings frage ich mich, wann das Thema Krankengeld/Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wieder diskutiert wird (kann eigentlich nicht mehr lange dauern)...

Der Fragesteller weiß, wann sein Krankengeldbezug auslaufen wird, er sollte seinen Arzt befragen, wann dieser ihn wieder arbeitsfähig schreiben wird (denn damit endet Krankengeld automatisch!!!!) = dann ist für ihn abzusehen, wann er wieder der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht. Wenn er es ganz korrekt machen will, meldet er sich jetzt pro Forma bei der AfA (weil es jetzt eben noch knapp 3 Monate sind, bis das Krankengeld wegfällt, weil die Frist dafür ganz einfach ausläuft).