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Die Ägypter
22.03.2006, 09:32
Steinbrücks Vorschlag
Weniger Kindergeld - dafür Kindergarten gratis


22. März 2006 Zur Finanzierung kostenloser Kindergartenplätze hat Finanzminister Peer Steinbrück eine Kürzung des Kindergeldes ins Spiel gebracht. Er halte eine Diskussion darüber keineswegs für abwegig, sagte Steinbrück am Dienstag in Berlin.

„Ich vermute mal, daß wir mit einer Kürzung des Kindergeldes um vier bis sechs Euro eine Menge Geld zusammenkriegen könnten, um die Gebührenfreiheit für Kindergärten in der Bundesrepublik Deutschland zu organisieren”, sagte der SPD-Politiker.

Koalition will alle Förderinstrumente überprüfen

Das Kindergeld beträgt seit 2002 für die ersten drei Kinder je 154 Euro. Für jedes weitere zahlt der Staat 179 Euro im Monat. Nach Berechnungen des Finanzministeriums würde eine Kürzung des aufwendigsten familienpolitischen Förderinstruments um fünf Euro rund 1,1 Milliarden Euro sparen. Die kommunalen Spitzenverbände hatten die Kosten für einen vollständigen Erlaß der Gebühren für einen Kindergartenplatz auf zwei bis drei Milliarden Euro beziffert.

Die Diskussion über einen kostenlosen Kindergarten war von Vertretern der Union und der SPD angesichts des neuen Tiefstands der Geburtenrate eröffnet worden. Sie hatten angekündigt, sämtliche Förderinstrumente in der Familienpolitik überprüfen zu wollen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck hatte gesagt, zu den Überlegungen zur zielgenaueren Einsetzung von Familienleistungen gehörten auch kostenfreie Kindergartenplätze.

Quelle: FAZ.net (http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E212563C4F61A414D8E62E31082CB58FC~ATpl~Ecommon ~Scontent.html)



Und schon wissen wir mal wieder, wohin die "Reise" geht.... :evil:

Kugelkatzi
22.03.2006, 09:57
Und schon wissen wir mal wieder, wohin die "Reise" geht.... :evil:

Was ist denn daran :evil: ?

5 € weniger Kindergeld, dafür einen kostenlosen Ganztages-Kindergartenplatz? Das halte ich für einen sehr fairen "Tausch". Auch wenn es dabei um 5 € für vielleicht 27 Jahre geht, das Kind aber "nur" 3 Jahre KiGa geniesst - ich find das fair.

Dann kostet der Platz hochgerechnet 1620 €. Bei 3 Jahren KiGa sind das 45 € im Monat. Dafür steckst Du heute kein Kind in den Kindergarten!

Upsala
22.03.2006, 10:16
Es macht ja alles Sinn, wenn man folgendes liest:

„Wenn Wissenschaftler wie der nette Herr Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft fordern, es müsse "Vollzeitjobs unterhalb der Existenzsicherung" geben, dann müssen wohl Schüler mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden ran, zuverlässig und sorgfältig Beiträge ins Content-Management-System zu setzen. Wer den Minimum-Menschen will, muss früh anfangen. Wenn der Burnout mit fünf kommt, kann man ja ein paar Schnullis für die Arbeit am CMS springen lassen.“

www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/meldung/71011&words=HAL%20Hal

Es wird nur der Förderzeitpunk vorgezogen. Mit den vielen Jobs hat man dann mit 21 auch zehn Jahre Berufserfahrung und beherrscht alle Sprachen.

Aus dem Zusammenhang gerissen von

Stupido
:?

Die Ägypter
22.03.2006, 10:24
Klar - wenn es lediglich um 5 Euro geht ist das auch kein Thema...

Allerdings lt. Artikel wird damit nur ein Drittel der Kosten aufgefangen... und schon sind wir bei 15 Euro

aber das reicht ja auch noch nicht, denn...

Für die Befreiung der Eltern von Kindergartengebühren hatte sich am Wochenende auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stark gemacht. Landsberg warf ihr vor, dass sie die Frage der Finanzierung offen gelassen hatte. «Die Gebühren decken etwa 20 Prozent der Kosten. Das entspricht etwa drei Milliarden Euro jährlich. Darauf können die hoch verschuldeten Städte und Gemeinden nicht verzichten. Die Kommunen geben schon jetzt 13 Milliarden Euro jährlich für die Kinderbetreuung aus. Um das Personal zu bezahlen, müssen zum Teil sogar Kredite aufgenommen werden.

Quelle und Rest des Artikels (http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1142424192613&openMenu=987490165154&calledPageId=1013016724320&listid=1018881578370)


Und schon passt es überhaupt nicht mehr... für mich sind das leere Versprechen anlässlich anstehender Wahlen...

Naja...

und... sie haben nun endlich bemerkt, dass die Geburtenzahlen zurückgehen.... Familie soll mehr gefördert werden... (und der Anreiz für den Beruf bei Frauen gestärkt werden...)

OK, nettes Ansinnen...
aber sag selbst, warum sollte ich "nachher" im Endeffekt mit 30 Euro weniger Kindergeld zufrieden sein, wenn es im Umkehrschluss so läuft, dass es auch dann nicht möglich ist, einen Tag länger als bis 13 Uhr zu arbeiten bzw. in Ferienzeiten oder wenn Lehrgänge für die Erzieher laufen, vor einem persönlichen Dilemma zu stehen?

Für einen potentiellen Arbeitgeber werde ich dadurch als mögliche Angestellte nicht "attraktiver", im Umkehrschluss fehlen mir aber eben 30 Euro, die ich mit einer Teilzeittätigkeit nicht wirklich auffangen kann... Bei den Löhnen die ich erzielen kann, bleibe ich ohnehin im erg. ALG II-Bezug und mit mir geht es unzähligen Frauen so....

Und irgendwie ist es doch auch immer der gleiche Ansatz.... es wird von den Bürgern erwartet, sich an Kosten zu beteiligen - über Kürzungen - soweit ok - und irgendwann wird dann das Rest-Kindergeld soweit gekürzt, dass es wieder von anderen Stellen über Transferleistungen aufgefangen werden muss... So etwas nenne ich Verschiebebahnhof...

Landsberg meinte hingegen, angesichts der Finanzlage von Bund, Ländern und Kommunen seien Forderungen nach gebührenfreien Kindergärten ein falsches Signal. «Die Politik sollte endlich damit aufhören, etwas zu versprechen, was sie nicht halten kann.

Quelle und Rest des Artikels (http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1142424192613&openMenu=987490165154&calledPageId=1013016724320&listid=1018881578370)

Auch stellt sich mir die Frage - Warum kostenfreie Kindergartenunterbringung für alle Kinder? Aber gut, für Menschen mit 6-stelligen Einkommenszahlen reicht die ohnehin schon mögliche steuerliche Absetzbarkeit halt nicht aus... klar... ich hab doch für alles Verständnis...

Aber mein künftiger Chef nicht - und ich persönlich habe keine Lust mich verar...en zu lassen, nur damit die Besserverdienenden eventuell die Quote von 1,4 Kindern pro Paar erhöhen (was sie mit Sicherheit nicht tun werden, weil der Kindergarten nichts mehr kostet!).

Die Ägypter
22.03.2006, 10:51
Hintergrundinfos:

Ein rechtlicher Anspruch auf einen Kindergartenplatz besteht in Deutschland für Kinder ab drei Jahren. Oftmals können Kinder den Kindergarten aber nur am Vormittag (bis 12 Uhr)
besuchen, da es für die Übermittag-/Nachmittagsbetreuung keine Plätze gibt. Für Kinder, die in die Schule kommen, gibt es häufig keine weiterführende Betreuungsmöglichkeit. Betreuungsangebote
am Nachmittag werden wenig angeboten. Die Betreuung der Kinder durch
Dritte ist für Mütter in Deutschland ein großes Problem. Einen Krippenplatz für Kinder zwischen null und drei Jahren gibt es in Westdeutschland nur für jedes fünfundzwanzigste Kind. Entsprechend hoch ist die Unzufriedenheit der Eltern. Viele weichen daher auf Tagesmütter
aus, die oft ohne entsprechende Ausbildung und Infrastruktur arbeiten und hohe Kosten mit sich bringen. Die Umfrage "Perspektive-Deutschland"26 zeigt, dass viele Mütter bei besseren
Betreuungsmöglichkeiten stärker am Erwerbsleben teilhaben würden. Besonders betroffen sind Mütter in Westdeutschland.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie - PDF - Seite 12 (http://www.fast-4ward.de/downloads/fast4ward_europa-vergleich_2004.pdf?PHPSESSID=58b6b157b8026652abf60 a6c8c2ee031)

Kugelkatzi
22.03.2006, 10:59
Auch stellt sich mir die Frage - Warum kostenfreie Kindergartenunterbringung für alle Kinder? Aber gut, für Menschen mit 6-stelligen Einkommenszahlen reicht die ohnehin schon mögliche steuerliche Absetzbarkeit halt nicht aus... klar... ich hab doch für alles Verständnis...


Okay, in den 6-stelligen Einkommensbereich rutschen wir (mein zukünftiger Mann und ich) zwar noch nicht, aber wir stehen nicht vor der Frage, auf einen kostenlosen Kindergartenplatz angewiesen zu sein.

Und um es mal krass zu formulieren, ich würde da auch nicht drauf zurückgreifen. Ich habe an einen Kindergarten gewisse Ansprüche, was die pädagogischen Richtlinien angeht (Stichwort Montessori) und da ich nicht erwarten kann, dass der Staat mir das finanziert, zahle ich das selbst.

Und ich denke, dass viele der besser gestellten Familien ähnlich denken wie wir.

Außerdem bin ich der Meinung, dass kostenlose Kindergartenplätze immer denen vorbehalten bleiben sollten, die sie brauchen. Mit einem Familieneinkommen von knapp 90.000 € im Jahr braucht man das nicht. Wer in so einer Situation auf solche Angebote zurückgreift, ist mMn sowieso ein Schmarotzer und sollte sich mal selber ins Gewissen reden.

wir und die jungs
03.05.2006, 21:16
Hallo, mal eine andere Frage. Kostenlose Kita-Plätze hin oder her, Verdienst grad mal Schnuppe......aber die Kindergartenplätze reichen doch hinten und vorne nicht aus!!!

Ich meine wir wohnen in Sachsen, hier im Osten klappts ja scheinbar besser mit den Plätzen, allerdings musste ich unseren schon vorreservieren als ich wusste das da Nachwuchs kommt.
Unser Kindergarten ist vollgestopft bis unter die Decke, im umkreis gibt es schon unter den Bürgermeistern Stress wegen der Überlastung.....
Hat sich denn schonmal jemand Gedanken gemacht wo man diese kostenlosen Kitaplätze bereitstellen soll?? Neue Kita´s bauen wir sicher keiner!! Obwohl es dringend notwendig wäre.....zumindest in unserem Ort.

Die Ägypter
04.05.2006, 08:15
Das dürfte nahezu überall nötig sein.... Mir ist auch nicht klar, wie sie bis 2010 ihre garantierte Kindesunterbringung darstellen wollen... Das wird ja umso nötiger, da jetzt mit dem neuen Elterngeld im 2. Jahr des Babys keine Unterstützung mehr erfolgt (wenn man mal von ALG II oder Kinderzuschlag absieht....)!