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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : SB packt aus


Codeman
23.03.2006, 13:21
Hallo Leute,

hiermal ein interessanter beitrag über eine sachbearbeiterin die aus packt !

http://www.taz.de/pt/2005/08/29/a0180.1/text

Testlese - Auszug:
" Es gibt Schlüsselkennziffern, mit denen auch jedes Gespräch, das stattfindet, festgehalten wird, und hinter so einer Kennziffer steht zum Beispiel, ich habe dem Kunden einen Vermittlungsvorschlag für einen Zusatzjob ausgedruckt, damit ist der Tatbestand ,Vermittlungsangebot' bereits erfüllt und geht in die Statistik ein, der nächste Schritt ist natürlich, dass der Kunde auch in die Maßnahme eingeschleust wird und aus der Arbeitslosenstatistik verschwindet."

MfG
Codeman

amazonas
23.03.2006, 15:04
@Codeman

Also, dieser Beitrag hat mich zutiefst Erschüttert. Mir standen beim lesen die Tränen in den Augen, weil vieles auf mich zutrifft und ich auch schon an eigenem Leib zu spüren bekommen habe. Und die ARGE'n wissen auch noch darüber bescheid, wie sie mit den Menschen umgehen.

Ich frage mich schon seit langem, wie weit können die noch gehen, das wir uns das noch gefallen lassen? :cry:

Codeman
23.03.2006, 15:31
Hallo amazonas,

ich kann dir leider nicht sagen wo das ende ist - ich kann nur sagen das es immer weiter in diese Richtung gehen wird.Leider.Hoffe auch das recht viele diesen Beitrag lesen werden und sich darüber mal ein paar gedanken machen.

Mfg
Codeman

Betroffener
23.03.2006, 15:48
Genau das ist der Punkt.

Es wird tagtäglich an verschiedenen Fronten ausgelotet, wie weit sich die Bürger ohne auf zu mucken, weiterhin immer schlechter behandeln und in ihren verbrieften Grundrechten einschränken lassen.

Die immer stärkere Verflechtung von Legislative, Judikative und Exekutive hilft dabei, auch regelwidriges "normal" werden zu lassen.

Bekanntlich ist ja der deutsche Mensch im Gegensatz zu seinen temperamentvolleren südlichen Nachbarn sehr geduldig und leidensfähig.

Der Artikel hat mich übrigens schon vor einem Jahr ziemlich beeindruckt - auch weil er klar ausweist, dass gerade die Politik genau weiß, was sie da tut, aber in der Öffentlichkeit sich natürlich davon distanziert und alles schönredet.

Ein Staat, der eigene Gesetze nicht einhält, ist wie eine Räuberbande - sagte der heilige Augustinus

Codeman
23.03.2006, 16:15
Hallo Betroffener,

ich muss sagen ich finde dies sehr erschreckend und muss feststellen das du recht hast mit der aussage

Es wird tagtäglich an verschiedenen Fronten ausgelotet, wie weit sich die Bürger ohne auf zu mucken, weiterhin immer schlechter behandeln und in ihren verbrieften Grundrechten einschränken lassen.

Leider ja,seien es irgendwelche hausdurchsuche um angeblich zu schauen ob es eine eheähnliche gemeinschaft gibt oder seien es die vielen schmarotzer-parolen in den einschlägigen zeitungen - alles unnormal und irre.

Ich für mich muss sagen,ich habe irgendwo mit dem staat abgeschlossen.seitdem ich mich intensiv mit hartz4 beschäftige und viel darüber lese,bemerke ich immer mehr die ungerechtigkeit in diesem land,die mit diesem gesetz auf die höhe getrieben wird.

Habe mir auch jetzt schon " das kleine quietschgelbe Buch,was den höchstmöglichen bezug staatlicher leistungen" (Spiegel) garrantiert gekauft - Leitfaden ALG II / Sozialhilfe.

Aber trotz alledem,es wird immer weiter in diese richtung gehen.Was auch bei mir auf grobes unverständnis stösst,ist die tatsache,das streiks öffentlich diffamiert werden.Bestes Beispiel dafür ist ver.di - man muss auch mal sehen,es muss ein schlußstrich gezogen werden,was den AGs zeigt bis hier und nich weiter.

Ob dies nun von verdi oder irgendeiner anderen vereinigung oder verbänden ausgeht ist mir egal - tatsache ist,so kann es in diesem land nicht weitergehen!

MfG
Codeman

Upsala
23.03.2006, 16:45
@Betroffener
Ein Staat, der eigene Gesetze nicht einhält, ist wie eine Räuberbande - sagte der heilige Augustinus

Danke! Damit schließt du mir den Kreis zu den Bremer Stadtmusikanten. www.bremen-tourism.de/k1-rubrik_unter.cfm?index=117
Mal kräftig vors Schienbein treten.
@codeman
seitdem ich mich intensiv mit hartz4 beschäftige und viel darüber lese
Das macht man meist erst wenn man Kunde ist oder bei der ArGe arbeitet.

Codeman
23.03.2006, 18:27
Hallo stupido,

Das macht man meist erst wenn man Kunde ist oder bei der ArGe arbeitet.

Da muss ich dir widersprechen.Ich bin weder Kunde noch arbeite ich bei einer Arge.Von daher darfst du mir auch interesse an dieser thematik unterstellen :D

Mir geht halt die Gesellschaft und die - die sozusagen - ganz unten sind,nicht am ar**** vorbei.Ich versuche auch diesen Leuten hier zu helfen,sei es auch nur mit den üblichen Mitteln.

MfG
Codeman

Upsala
23.03.2006, 18:41
@codeman
Von daher darfst du mir auch interesse an dieser thematik unterstellen
Das mach ich doch gerne! :-) FBI-BND? :?

StephanK
23.03.2006, 19:52
na, was sind denn das für Unterstellungen? :-T

Die Ägypter
23.03.2006, 19:57
Da muss ich dir widersprechen.Ich bin weder Kunde noch arbeite ich bei einer Arge.Von daher darfst du mir auch interesse an dieser thematik unterstellen :D

Mir geht halt die Gesellschaft und die - die sozusagen - ganz unten sind,nicht am ar**** vorbei.Ich versuche auch diesen Leuten hier zu helfen,sei es auch nur mit den üblichen Mitteln.

Das ist auch äußerst sinnvoll! Max. ein Jahr ALG und Zack.... ALG II (Sozialhilfe!!!) - Je mehr (Noch)-Arbeitnehmer sich das bewusst machen, desto besser!

Und so ein Jahr ist schnell um.... :sad:

Upsala
23.03.2006, 20:57
Unterstellungen?

FBI-BND! FreudeBringIch-BlumenNochDazu!
Gibt’s da ein Problem?

gazelleklaus
23.03.2006, 21:02
@ codeman

Ein tolles posting.
Jetzt lese ich aus berufenem Munde was ich schon lange vermutet habe.

:grrr: :sdagegen:

Codeman
24.03.2006, 05:53
Hallo gazelleklaus,

als ein tolles posting würde ich das nicht bezeichnen wollen - eher als trauriger alltag.

zu stupido: ich war auch mal hartz4 empfänger,bin ich jetzt zur zeit ein glück nicht.Trotz alledem finde ich man sollte sich gegen hartz4 wehren und das so intensiv wie möglich.Daher gilt mein Einsatz dieser Thematik auch über meine damalige Betroffenheit hinaus.

MfG
Codeman

Upsala
24.03.2006, 07:40
@codeman

Ich wollte dein Engagement nicht in Frage stellen? Sollte eigentlich mehr Leute geben die sich damit beschäftigen, bzw. kritisch auseinandersetzen, auch ohne Hartz-Trainee. Den Artikel kannte ich schon (dachte hätte ihn hier schon mal gelesen), aber man kann ihn auch gut dreimal lesen. Danke!
:-)

Codeman
24.03.2006, 08:03
Hallo stupido,

gut dann scheint es als hätte ich es falsch verstanden.

Kein Thema.

Ja der Artikel ist etwas älter,aber er passt auch noch so gut ins Heute und Jetzt !

MfG
Codeman

StephanK
24.03.2006, 08:10
Ja, ich hatte bei Erscheinen schon mal auf diesen Artikel aufmerksam gemacht, aber er verdient wirklich eine update-Erinnerung.

gazelleklaus
24.03.2006, 08:12
Hallo gazelleklaus,

als ein tolles posting würde ich das nicht bezeichnen wollen - eher als trauriger alltag.

Hallo codeman,

daß das von der Aussage her nicht toll ist, habe ich auch nicht gemeint. Sondern von der Information her. Ich lese auch Zeitung, aber wohl nicht so viel wie manche hier. Dazu fehlt mir die Zeit.
Und ich finde es klasse, daß Du Dich hier einbringst obwohl Du kein direkt Betroffener mehr bist.

Die Gleichgültigkeit und Fehlinformation, der breiten Masse der Arbeitenden, ist weit verbreitet.

StephanK
24.03.2006, 08:15
@ gazelleklaus
ist jetzt off-topic, aber doch aktuelle Politik:

Deine Vor-Ort-Prognose zum Ausgang der Landtagswahl? :-)

Codeman
24.03.2006, 08:25
Hallo gazelleklaus,

danke für die Blumen.Ich finde es sollten sich mehr menschen mit der Thematik und Ungerechtigkeit auseinandersetzen.Wie sagte nefertari zu recht:

Max. ein Jahr ALG und Zack.... ALG II (Sozialhilfe!!!)

Da sieht man wie schnell das einen treffen kann.Und ich finde es grob fahrlässig seitens der Noch-AN sich damit nicht zu beschäftigen.

MfG
Codeman

StephanK
24.03.2006, 08:50
ich finde es grob fahrlässig seitens der Noch-AN sich damit nicht zu beschäftigen.Leider kann man das auch an manchen Anfragen hier im Forum ablesen... Dass nach max. 1 Jahr Arbeitslosengeld für alle "Ende der Fahnenstange" ist und Alg II einsetzt - wenn auch mit befristetem Zuschlag -, ist noch nicht so recht in's allgemeine Bewusstsein gedrungen. Dementsprechend fallen viele Leute aus vielen Wolken. Sie stehen sich finanziell zwar noch nicht ganz so schlecht, unterliegen aber wie alle Alg II-Empfänger den ganzen sonstigen Pressionen, die das SGB II so bereit hält.
Übrigens ist das einer der Gründe, weswegen wir hier im Forum auch bemüht sind, mehr Informationen zum Alg I anzubieten als bisher.

gazelleklaus
24.03.2006, 09:19
@ gazelleklaus
ist jetzt off-topic, aber doch aktuelle Politik:

Deine Vor-Ort-Prognose zum Ausgang der Landtagswahl? :-)

Moin Stephan,

meiner Meinung nach bleibt alles beim alten.
Sowohl in meiner Heimat ( Christof Böhr zu farblos ), als auch in Deiner Ex - Heimat ( schwarz bleibt schwarz :-) ). Und Kollege Beck macht m.M. eine gute Landespolitik.
Ich glaube, er wird eventuell mal Spitzenkandidat bei einer der nächsten Bundestagswahlen.

Upsala
24.03.2006, 09:21
@codeman
Stimmt! Die noch Arbeiternehmer laufen eben auch noch häufig in die Falle der verspäteten Meldung beim Amt. Probleme mit „rechtmäßigen“ Kündigungen usw, und dann das was Nefertari an anderer Stelle schon angesprochen, die neue Masche „Veränderungskündigung“, da fehlen häufig die Infos beim AN.
Aber die gibt’s ja hier!
8)

Limone
24.03.2006, 13:49
Zitat:
seitdem ich mich intensiv mit hartz4 beschäftige und viel darüber lese

Das macht man meist erst wenn man Kunde ist oder bei der ArGe arbeitet.

Naja, ganz so würde ich das auch nicht sagen - ich kenne viele, die weder noch sind, aber das Damoklesschwert drohende Arbeitslosigkeit hängt ja über so vielen. Naja, ich habe beides durch - selber Sozialhilfe, dann ALG II bekommen, zur Zeit befristet Sachbearbeiterin und wenn - wie es aussieht - der Job meines Freundes nicht verlängert wird (er sitzt gerade zu Hause, Resturlaub und wartet täglich auf Nachricht vom Arbeitgeber) - dann werden wir wieder ergänzend ALG II beziehen müssen, da mein Sachbearbeiter-Gehalt nicht reicht, um 3 Personen durchzukriegen mit Miete, Fahrtkosten, Kindergartenplatz etc. Mal sehen, ob wir dann wieder so tolle Angebote bekommen. Mein Freund ist Jurist. Die einzige Stellenanzeige, die er Anfang 2005 von der ArGe bekam, war "Autobahnraststätten-Toiletten putzen", das sei doch seiner Qualifikation angemessen.

Ich fand den Artikel sehr spannend. Hatte ich schon mal gelesen, aber wieder in Vergessenheit geraten. Hab ich da noch Glück im Unglück, dass ich bei einer Optionskommune gelandet bin? Ganz so krass ist es bei uns nicht, aber vieles kann ich leider so unterschreiben, wie es die anonyme SB im Interview genannt hat.

Die Würdelosigkeit. Die ist quasi schon per Gesetz so angelegt und zusätzlich wird sie dann noch durch schlecht qualifizierte Kollegen verschärft.

Das mit der Ausbildung ist wirklich ein Manko - ich kann es immer noch nicht nachvollziehen, wieso wir ohne Ausbildung in das Thema geschubst werden. Ein paar Fachfragen beim Vorstellungsgespräch (die ich dank der eigenen Erfahrungen als ALG II-Bezieherin beantworten konnte), das wars's! Okay, die Kollegen, die im Januar 05 begonnen hatten, hatten eine Schulung, aber viele Fragestellungen zeigten sich ja dann erst in der Praxis und mit Nachschulungen sieht es mehr als mager aus. So handhabt fast jeder Kollegen bestimmte Themen anderes (Ebay-Einkommen anrechnen ja oder nein, Heizkosten anhand der tatsächlichen oder angemessenen Quadratmeter etc.). Besser vorbereitet sind/waren sicherlich die Kollegen, die vorher beim Sozialamt oder der BA gearbeitet haben, aber das ist eher ein kleiner Teil. Ansonsten tummeln sich hier div. Verwaltungfachangestellte, Dipl Verwaltungswirte, Juristen, Sozialpädagogen, aber auch z.B. jemand, der vorher Filialleiter war oder bei der KFZ-Zulassungsbehörde gearbeitet hat ...

Beamte gibt's hier zumindest kaum. Die meisten haben für 6 oder 12 Monate befristete Verträge, dürfen dann jedes mal wieder bangen, ob und wie es weiter geht. Wir sind zwar nach Tarif öffentl. Dienst angestellt, aber nicht wie es gerade bei den Streiks immer so verallgemeinernd genannt wird, mit 37,5 Std., sondern mit 40 (+Überstunden). Familienzuschlag etc. fällt "dank" der Tarifänderung auch weg.

Innerhalb der BA gab es eine heftige Leistungskontrolle, täglich wurde Statistik geführt über die Antragsbearbeitung. Es wurden Sonderschichten eingeführt, auch Wochenendarbeit, und es gab diese irrsinnigen Probleme mit der Software, die ja bis heute nicht läuft. Also, dass der Laden nicht vollkommen zusammenbrach, ist nur den Mitarbeitern zu verdanken. Und ein kleiner Teil ist hoch motiviert, der denkt trotz aller Überlastung an die Leute draußen.

Und da gibt es eben die ,vermittlungsrelevanten Merkmale', die datenmäßig erfasst werden. Es gibt Schlüsselkennziffern, mit denen auch jedes Gespräch, das stattfindet, festgehalten wird, und hinter so einer Kennziffer steht zum Beispiel, ich habe dem Kunden einen Vermittlungsvorschlag für einen Zusatzjob ausgedruckt, damit ist der Tatbestand ,Vermittlungsangebot' bereits erfüllt und geht in die Statistik ein, der nächste Schritt ist natürlich, dass der Kunde auch in die Maßnahme eingeschleust wird und aus der Arbeitslosenstatistik verschwindet.

Das trifft zu - immer noch. Statistik ist das Hochheiligste. Wir haben neben dem Bearbeiten der Akten ständig Listen zu führen, Zahlen zu melden - immer mit Deadline, egal, ob man Termine mit den Bürgern bzw. reguläre Sprechzeiten hat oder nicht - Statistik geht vor Menschen. Wobei diese Kennziffern in der Optionskommune kein Standard sind. Naja, aber das macht keinen grossen Unterschied, denke ich.

Zumutbar für reguläre Jobs ist Mobilität bis in ein anderes Bundesland,

Nun, daran kann ich per se nichts schlechtes finden. Wir sind auch 2 mal umgezogen, um eine Stelle antreten zu können. Ich sehe das jetzt hier bei der Arbeit auch - die, die bereit sind, umzuziehen, finden in vielen Fällen Arbeit. Die, die nur innerhalb des Ortes oder vielleicht noch im Nachbarort schauen, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Klar, wenn man schulpflichtige Kinder hat, zieht man nicht so leicht um. Aber es sind auch viele ungebundene Singles oder mit kleinen Kindern, wo ich denke, das ein Umzug machbar sein sollte, wenn eine Stelle angeboten wird. Oder steh ich damit so allein auf weiter Flur? [/code]

Codeman
24.03.2006, 14:31
Hallo Limone,

interessant auch mal eine Stellungnahme seitens eines SB zu hören. :Respekt: Was mich mal interessieren würde ist,wie kann es sein,dass ich 3mal zum SB gehe,aber jedes Mal ein anderer SB mir gegenüber sitzt,den ich dann wieder von Anfang an alles erklären muss?

Wie ich an hand deines Beitrages lesen konnte

Die einzige Stellenanzeige, die er Anfang 2005 von der ArGe bekam, war "Autobahnraststätten-Toiletten putzen", das sei doch seiner Qualifikation angemessen.

bist du auch sehr unzufrieden mit der Arge.Kann ich alles nachvollziehen.Aber wie siehst du das: wieso werden überhaupt solche angebote angenommen.Ich meine prüft man den angebote bei euch überhaupt ?

Was mich auch aufregt,ist diese Willkür,die du da ansprichst.Es kann doch nicht sein das man auf gut dünken den SB ausgeliefert ist

So handhabt fast jeder Kollegen bestimmte Themen anderes (Ebay-Einkommen anrechnen ja oder nein, Heizkosten anhand der tatsächlichen oder angemessenen Quadratmeter etc.).

MfG
Codeman

FXS64
24.03.2006, 14:33
Wohl im früheren Leben mal Nomade gewesen :D

Alco ich bin noch nie einer Arbeit hinterher gezogen - kann ich mir echt nicht vorstellen und bin froh es auch noch nie gemusst zu haben. Ich stelle mir solche Umzüge komisch vor ... bisher bin ich immer nur aus meinem Willen heraus umgezogen.

Limone
24.03.2006, 15:55
@ FXS64: Naja, wir waren beide mit dem Studium fertig und wollten Arbeiten. Klar hatten wir Wunschstädte bzw. ich wäre gern wieder in die alte Heimat gegangen, aber dann wären wir sicher immer noch arbeitslos. Ich bin nicht so heimatgebunden, ich denke, man kann sich überall einleben. Wie gesagt - anders ist es sicher, wenn man durch Schulkinder gebunden ist etc.

@ Codemann: deswegen bin ich ja u.a. hier - weil mich die Arbeit aufreibt und ich vieles ungerecht finde ...

Zu deinen Fragen: Also die wechselnde Aufteilung der Zustämdigkeitsbereiche (d.h. Bedarfsgemeinschaften sind bei uns nach Anfangsbuchstaben und Ort zwischen den SB aufgeteilt worden) finde ich auch nicht ideal. Ich habe zum Glück einen Großteil meiner Bürger jetzt seit Juli zu betreuen, d.h. ich kenne sie und weiss um die Besonderheiten des Einzelfalls, was ja gerade bei Ermessensentscheidungen eine große Rolle spielt. Ich kenne aber auch viele Kollegen, die alle paar Wochen neue Akten bekamen und sich jedes Mal aufs neue auf die Menschen einstellen müssen. Da dauert die Bearbeitung von Anträgen natürlich auch wesentlich länger, weil man immer wieder aufs neue schauen muss, wie jetzt dieser Fall gelagert ist.
Bei uns kam das so zustande, dass es wesentlich mehr Bedarfsgemeinschaften sind als Ende 2004 angenommen. Dadurch wurde das Personal immer wieder aufgestockt, um die Bearbeitung bewältigen zu können und dadurch mussten natprlich auch die Zuständigkeiten für bestimmte Buchstabenbereiche neu verteilt werden. Naja, zudem sind die Verträge nur befristet, d.h. manche Kollegen wurden nicht verlängert, manche haben das Weite gesucht oder sind länger krankgeschrieben, so dass dann jemand anders die Akten bekommt - ergo: ein neuer SB für die Bürger :?

bist du auch sehr unzufrieden mit der Arge.Kann ich alles nachvollziehen.Aber wie siehst du das: wieso werden überhaupt solche angebote angenommen.Ich meine prüft man den angebote bei euch überhaupt ?


Naja, das war eine andere Arge im alten Wohnort. Wir sind ja jetzt wg. der Arbeit umgezogen 8) Was sie sich bei der Auswahl der Stellenanzeige gedacht haben wüsste ich zu gern! Ich hatte ganz stark den Eindruck, dass das reine Schikane war, weil wir zuvor in Widerspruch gegangen waren und sich mein Freund mit dem Amtsleiter angelegt hatte ...
Dort, wo ich jetzt arbeite, werden die Stellen auf alle Fälle geprüft - dafür gibts eine eigene Abteilung, die auch vor Ort die Arbeitsbedingungen prüft etc. Schliesslich werden ja auch viele Arbeitslose mit Einstiegsgeld oder Förderung für den Arbeitgeber eingestellt und da ist die Kontrolle der Arbeitgeber ja im Sinne der Behörde. Wenn es Beschwerden seitens der Bürger gibt, dass ein AG nicht ganz sauber ist o.ä. wird dem auch nachgegangen.

Was mich auch aufregt,ist diese Willkür,die du da ansprichst.Es kann doch nicht sein das man auf gut dünken den SB ausgeliefert ist


Ganz mein Reden!! Ich spreche das immer wieder bei Dienstbesprechungen an, aber stosse auf taube Ohren. Ich finde das unmöglich, dass so vieles unterschiedlich gehandhabt wird, aber es scheint der Führungsetage nicht so wichtig zu sein :patsch: Und ich bin noch die Doofe und Unbequeme, weil ich die Chefs mit dem Nachhaken nerve - ist mir direkt so gesagt worden :shock:

Die Ägypter
24.03.2006, 16:10
ha...

da habe ich doch auch gleich noch einige Fragen... (Achtung komplex)

mein Sohn ist 17 Monate alt... die Anmeldefristen für Kindergärten sind allgemein bekannt =?.... ich muss ihn also im Herbst d.J. für Herbst 2007 hier in einem Kindergarten verbindlich anmelden - natürlich halbtags, denn eine Ganztagsunterbringung steht mir nur zu, wenn ich einen Job bereits vorweisen kann (kann ich nicht)...

So dann melde ich ihn also in einen Bremer Kindergarten halbtags verbindlich an... und melde mich selbst arbeitssuchend ab 18.07.07... (Erziehungszeit läuft am 18.10 aus) und melde mich auch arbeitslos - da mein ALG I-Anspruch ja noch "ruht"...

Ergo habe ich auch Anspruch auf ALG I (und muss es auch beantragen, da vorrangige Leistung).... Jetzt kommt es aber... aufgrund der Anmeldung im Kindergarten stehe ich dem Arbeitsmarkt nur Teilzeit zur Verfügung... bekomme also nur Teilzeitbasierendes ALg I (also weiterhin erg. ALG II :cry: ) obwohl ich im Vorfeld vollzeit gearbeitet habe... Denn ich stehe dem Arbeitsmarkt nicht voll zur Verfügung....

Schön ungerecht...

Aber davon ganz ab... Wieviel Flexibilität und Mobilität wird denn von mir bei der Arbeitssuche erwartet (erg. ALG II !!!!!!!!!!!!!) Kind mal eben in München in einem Kindergarten anmelden, ist nicht drin... Und selbst wenn, welcher Arbeitgeber würde sich wohl auf dieses ungesicherte Abenteuer einlassen?

Umdimpsen auf 30 Std. oder Vollzeit = auch nicht drin (Anmeldefristen).... Lange Fahrtzeiten zur oder von der Arbeitsstelle bei Kinderverwahrung bis 12 oder 13 Uhr Mittags = niente .....

Das Witzige ist ja auch... je mehr Arbeitszeit ich letztlich zulassen und umsetzen kann, desto weitere Arbeitswege sind mir auch zuzumuten.... Wenn der Kindergarten also um 16.30 Uhr schließt und ich 3/4, also 30 Std.-Woche arbeite...(ohne Pausen bis 14 Uhr), wird das schon reichlich eng... und der Arbeitgeber muss beim Pausenverzicht ja auch flexibel mitspielen....

Überstunden... = nicht drin.... also Flexibilität für den AG = Null

Und mir kann auch niemand verbindlich beantworten, ob dann bei mir die ALg I oder ALG II-Regelungen greifen.... ich kann also vermutlich nicht die Stufenregelungen der Zumutbarkeit aus dem SGB III für mich beanspruchen... denn ich bin ja derzeit nicht arbeitslos - ich bin in der Erziehungszeit, ein kleiner aber feiner Unterschied... Also werde ich im Endeffekt über die unzureichende Kindesunterbringung bestraft - muss sofort Gewehr bei Fuss für einen 30 Std. EEJ exklusive Fahrtzeiten zur Verfügung stehen, bekomme weniger ALG I, als ich eigentlich erarbeitet habe...

Und was sage ich dem Eventual-Arbeitgeber (wenn einer so verrückt ist, mich tatsächlich einstellen zu wollen), wenn Ferienzeit ist - oder die Kindergärtnerinnen eine Fortbildung machen (scheint ein Hobby zu sein)? Bleibe ich dann Zuhause?

Desillusionierte Grüße in die Runde....

Codeman
24.03.2006, 16:49
@Limone

Aha,jetzt dämmert es in mir.Eine weitere Frage habe ich noch.Damals,als ich im ALG I Bezug war,hat man mich nie (!) zu irgendeinen Gespräch eingeladen.Gibs dahingehend vorschriften?

Was du schreibst erschüttert mich aufs tiefste.Normale SBs werden so ausgebootet.Das kanns doch nicht sein.Traurig dies alles.

Aber ich finde es gut das du so was schreibst,das bringt einigen Leuten hier evtl. etwas,wenn sie sehen,dass nicht alls SBs so sind.Am meisten Stutze ich immer darüber,das Hartz4-Empfänger den SBs ihren Job erklären müssen bzw. welche Förderungsmöglichkeiten es gibt.Teils wollen die SBs gar nicht das die ALG-II-Empfänger davon kenntnis haben,aber zum großen Teil und das ist das erschreckene,wissen sie es gar nicht.Wahrscheinlich alles aus den von dir genannten Gründen,dass dort Leute sitzen die einfach keinen blassen Schimmer haben.

Habe gelesen,dass im Zuge der Hartz Reform Beamte aus Telekom und Post die in Auffanggesellschaften untergebracht waren jetzt in schnell-kursen zu sb´s umgeschult wurden.Meine Güte es ist doch klar - dass das nichts wird.Da sitzen Leute die hatten noch nie was mit SGB II SGB III zu tun.Völlig ahnungslos :patsch:

Ich kann auch nicht verstehen,dass den SBs das Schicksal der Leute oft am Ar*** vorbeigeht.Ein Beispiel ? War aufn AA-Amt und vor mir in der Reihe,so ca. 10 Leute stand einer,der war da anner anmeldung und sagte er muss zu seinen SB,die Miete wurde erneut nicht überwiesen und der Vermieter will ihn evtl. auf die Straße setzen - sagt die frau an der anmeldung: "mir doch egal" - da ist der mann ausgerastet und hat sich die frau geschnappt.Ich kann das sogar verstehen.Hat glück gehabt das der security service grad da war.

:-x

@nefertari

mich drängt glaub ich auch ne Frage in deinen Posting rum.

wenn man ALG I + ergänzend ALG II bekommt.Welches sozialgesetzbuch gilt für einen ? ALG I ist doch die versicherungsleistung und müsste doch deswegen vorrang haben.

Limone
25.03.2006, 11:45
@ Codeman: Mhm, zu ALG I kann ich nichts sagen, da wir bei der Optionskommune nur für ALG II zuständig sind und ich keine internen Infos oder eigene Erfahrungen bei der Arbeitsagentur habe ;o)

@ nefertari1968: Da kann man schon verzweifeln, das glaub ich dir. Zu der Frage - hier wird es so gehandhabt, dass die, die sowohl ALG I als auch ALG II bekommen, ausschliesslich durch die ALG II-Behörde betreut werden! Bist du alleinerziehend?

Wie ist das denn mit der Aufstockung von Betreuungsstunden im Kiga? Hier im Osten geht das relativ einfach - wenn man Arbeit hat, kann man recht unkompliziert mehr Stunden vereinbaren.

Ich möchte mal berichten, wie es bei uns war.
Ich habe zuvor in NRW gewohnt, hatte mein Kind, als ich im 5. Monat schwanger war (!) in der Krippe angemeldet. Aber trotzdem bekam ich keinen Platz für ihn, auch nicht als er 1 Jahr alt war - es gäbe ja Notfälle und wir würden die sozialen Kriterien nicht erfüllen. Aha! Ich war arbeitslos, mein Freund in einer Weiterbildung, wo er nur ein bisschen ALG I bekam (d.h. kaum Kohle, aber auch keine Zeit, den Kleinen zu betreuen), ich ergänzend Sozialhilfe. Kein Notfall? Toll!

Ich hatte mich dann auch bei der Arbeitsagentur gemeldet und bekam gar nicht erst einen Termin. Es hieß "Was wollen sie denn, das Kind ist ja nicht mal 3" *klick* Ich habs wieder versucht, das Ende vom Lied war, dass ich heulend am Telefon sass - mein Freund bekam kaum Geld und ich gar keine Chance??? Es hiess nur, ich hätte ja keinen Betreuungsplatz fürs das Kind - ich sagte, eine Tagesmutter o.ä, kann ich mir ja aber nur leisten, wenn ich ein Jobangebot habe - ein Teufelskreis, der meiner Meinung nach seinen irrsinnigen Ursprung in der Familienfeindlichkeit dieses Staates hat :?

Ich habe dann, als er noch nicht ganz 3 war, das Glück gehabt, nachmittags arbeiten zu können (Büroaushilfe). Ich habe dann Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit er einen Nachmittagsplatz im KiGa bekam. Einen normalen Platz hätte er frühestens im August bekommen, aber ich wusste, dass nachmittags kaum Kinder im KiGa waren und haben darum gekämpft, dass sie ihn dann betreuen. Was wurde ich als Rabenmutter hingestellt. Aber ich wusste, er hat dort Spass und ich wollte Geld verdienen, rauskommen, nicht mehr voll vom Staat abhängig sein. Es klappte dann nach ganz Stress mit den Behörden endlich. Ich war nach Aussage der Amtsleiterin der erste Fall seit knapp 20 Jahren, der das geschafft hatte ;)

Aber von einem Halbtagsjob konnte keine 3 köpfige Familie leben, also haben wir beide weiter Bewerbungen geschrieben. Wir haben dann den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Als er die Stellenzusage hier bekam und ich ein paar Tage später auch, hatten wir weder KiGa-Platz noch Wohnung hier. Das musste halt klappen, wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, immer wieder angerufen, und dann hiess es: alles klar, sie können einen Ganztagsplatz bekommen! Den Arbeitgeber hat das Thema ehrlich gesagt nicht interessiert, die fragten nicht weiter nach, für die war klar, dass wir das irgendwie zu regeln haben ... Wir haben hier keine Verwandten, d.h. es war schon hart, klarzukommen, aber ehrlich gesagt war es uns das wert. Naja, jetzt sieht es wieder anders aus, weil mein Freund nach der 1. Verlängereung des befristeten Vertrages wohl nicht nochmal verlängert wird und jetzt würde ein Umzug nicht mehr ohne weiteres möglich sein, da ja a) ich einen Job hier habe und b) der Kleine im Kiga so gut klarkommt, dass wir ihn nicht rausreissen möchten.

Die Kinderbetreuung ist v.a. im Westen des Landes so mutterunfreundlich, dass es kaum zu glauben ist. Hier haben die meisten Einrichtungen bis 17 oder 18 Uhr auf, ab 6 Uhr morgens. Unser Kleiner geht ca. von halb 8 - halb 5 oder bis um 5 Uhr hin (da hätte ich mich in der idyllischen Kleinstadt in NRW als Rabenmutter gar nicht mehr auf die Strasse trauen können - wie kann man nur sein Kind so lange "abschieben"? Aber damit hab ich kein Problem - hier ist das normal, er hat dort superviel Spass, ist unter Gleichaltrigen und die Kinder werden gefördert dort, wir nutzen dann die Zeit am Abend und Wochenende um so intensiver). Ferienzeiten im Kiga gibts hier auch kam - im Sommer sind 2 Wochen zu, da habe ich dann beim AG Vorrecht, was die Urlaubsplanung angeht. Sonst ist gerade mal über die Weihnachtstage zu = erwerbstätigenfreundlicher.

Aber die neue Regierung hat ja versprochen, dass die Kinderbetreuung generell verbessert und ausgebaut wird 8) Wer's glaubt :twisted:

Die Ägypter
25.03.2006, 12:12
@ nefertari1968: Da kann man schon verzweifeln, das glaub ich dir. Zu der Frage - hier wird es so gehandhabt, dass die, die sowohl ALG I als auch ALG II bekommen, ausschliesslich durch die ALG II-Behörde betreut werden! Bist du alleinerziehend?

= ja....

Also habe ich die "Vorzüge" des SGB III für mich überhaupt nicht - obgleich ich mir diese "Rechte" unter Verzicht meines Mutterschutzes in Schichten und Vollzeit arbeitend erworben habe =?

Das empfinde ich gelinde gesagt, als Unverschämtheit! :wut:

Wenn jedem "normalen" Arbeitslosen während der einjährigen ALG I-Phase eine "Schonzeit" zugestanden wird, wieso werde ich dann anders behandelt, nur weil ich ein Kind habe?

Limone
25.03.2006, 14:16
@ nefertari1968

Das empfinde ich gelinde gesagt, als Unverschämtheit

Da stimme ich dir zu! Wie gesagt, ich finde die ganzen Regelungen total kinderfeindlich - und dann wundert sich der Staat, dass gerade gut ausgebildete Frauen keine Kinder kriegen?

@ Codeman:

Ich kann auch nicht verstehen,dass den SBs das Schicksal der Leute oft am Ar*** vorbeigeht.

Das wundert mich auch immer wieder. Einige Kollegen - zum Glück nicht viele - sind wirklich abgestumpft oder können sich einfach nicht in jemanden reinversetzen, dem es um jeden Cent geht, weil er keinen Cent mehr auf der hohen Kante hat. Aber wenn ich manche bei uns sehe, die direkt nach der Schule eine Ausbildung bekommen haben, jetzt anschliessend eine Stelle bei der Behörde (zwar auch nur befristet, aber immerhin), noch zu Hause bei den Eltern wohnen, die beide guit verdienen, die dann das gleiche Einkommen haben wie ich, die damit 3 Pers. durchbringen muss und selber noch nie in so einer Situation waren, wo man nicht mehr weiss, wie man noch über die Runden kommen soll :shock: - und gerade die haben manchmal den Antragsstellern gegenüber einen Ton drauf a la "stellen sie sich mal nicht so an" :cry:

Aber unsensible, unhöfliche, muffelige Leute gibts überall - nicht nur bei ALG II-Behörden. Wenn ich an z.B. meine Erfahrungen mit dem Schüler-Bafögamt damals denke :? Der Beamte hat nicht mal vom Tisch aufgeschaut, als ich reinkam (zur Sprechzeit, die bei dem Amt sage und schreibe 4 Stunden in der Woche betrug!!), las weiter in seiner Zeitung und ignorierte mich komplett. Sehr charmant :twisted:

Codeman
26.03.2006, 00:45
Hallo Limone,

ich finde es aber trotzdem gut,trotz allem,wenn du hier schreibst.So gibst du den Leuten die Möglichkeit auch mal hinter einen SB zu schauen und zu verdeutlichen das auch der SB unter Druck steht.Trotzdem,muss man sagen,dass das SGB II gerne zu solchen Spielchen einlädt.Siehe "Rückzahlung".Von daher wünschte man sich eindeutige,der Öffentlichkeit zugängliche Regelungen,grade auch was sogenannte Richtlinien betrifft.

Bestes Beispel für Reine Willkür ist doch eine Eingliederungsvereinbarung.Ich hab dazu ja meine Meinung.Genauso mit den 1Euro Jobs,dass diese Jobs regelüre Beschäftigungsverhältnisse zerstören ist doch allgemein bekannt,trotz alledem vermitteln die SBs (wahrscheinlich auch auf internen Druck) immernoch diese Jobs.

Müsste ja logisch sein,dass dies nur Arbeitsplätze kostet.Man kann ja auch diese "Regelungen" zu den 1-euro-Jobs gut auseinanderpflügen

=Im Öffentlichen Interesse - es ist auch im öffentlichen Interesse das Unternehmen nicht pleite gehen und arbeitsplätze in der gemeinde nicht kaputt gehen und daher rechtfertigt es den einsatz von 1-euro-jobbern,um sich den rest der belegschaft zu entledigen oder auf weiteren lohnverzicht zu drängen.Wenn man jetzt bedängt das da das zusammenspiel von politik und wirtschaft....nein ich sags nicht!

=Zusätzlichkeit - Zusätzlich wird doch gearbeitet.Bleiben wir doch bei meinen obrigen Beispiel.Es werden ja "zusätzlich" Leute eingestellt.Toll - oder ?

Klar das es auch so ist,dass da vorher kein Job gewesen ist,den ein anderer gemacht hat usw. Aber genauso spielt in meinen Kopf,dass Denken von einigen SBs ab,wenn sie an 1euro Jobs denken.

MfG
Codeman

graefin_zahl
27.03.2006, 21:12
Ich empfand es auch immer als größtes Problem, dass wir alle so zusammengewürfelt waren. Es gab leute aus allen Bereichen der kommunalen Verwaltung, Friedhofs- und Sportamt, Jugendamt und was weiß ich noch. Dazu kamen Leute von Vivento und Bahn.. von der BA sind wir bei uns nicht mal 10 Leute gewesen.

Und auch wenn man bei der BA war, wenn man nur Vermittlerin war so wie ich hat man von Leistungssachbearbeitung auch keine Ahnung. Und ein ehemaliger Leistungsmensch hat keinen Plan von Fortbildung und Vermittlung. Das wird sich aber mit der Zeit geben, auch die besten Schulungen ersetzen nicht die Arbeit in der Praxis.

Den Artikel kannte ich auch schon lange, und natürlich ist vieles auch so wie beschrieben. Aber ich finde schon, dass man als SB immer noch einen gewissen Spielraum hat wie man arbeitet und die Leute auch behandelt. Es gibt auch bei uns Kollegen, die holen immer noch alles für die Leute raus was geht, dann gibt es die die wirklich alles genau nach Vorschrift machen und auch welche, die von vornherein bei jedem Antragsteller Beschiss vermuten.

Wenn ich mit einer solchen Haltung wie diese SB arbeiten müsste, würde ich schon lange Antidepressiva nehmen müssen... .

Upsala
27.03.2006, 21:28
Servus Gräfin!
Schön mal wieder die Stimme des Adels zu hören!:D

Aber ich finde schon, dass man als SB immer noch einen gewissen Spielraum hat wie man arbeitet und die Leute auch behandelt.

Bei meinen letzten Besuchen als Kunde ist mir allerdings aufgefallen das immer zwei SB´s mit mir beschäftigt waren und sich gegenseitig auf die Finger schauten. Kann ich das als interne Kontrollmechanismen werten?
Weil grundsätzlich habe ich einen sehr zuvorkommenden FM, der mir auch auf 10 Metern im Flur schon mit ausgestreckter Hand begegnet und mich sehr freundlich empfängt. Aber dann gibt es immer das düstere Gegenüber, mit Einwänden.
Gruß Stupido :D

graefin_zahl
27.03.2006, 21:35
Hallo,

konnte leider längere Zeit nicht reinschauen weil erst meine Kinder und dann ich krank waren :(

Gegenseitig auf die Finger schauen? Keine Ahnung, aber ich glaube nicht, dass das personell machbar ist. Vielleicht wurde bei Euch Leistung und Integration personell getrennt? Dann kümmert sich ein Leistungsmensch um die Knete und ein Vermittler um Intergration.

Upsala
27.03.2006, 21:40
@Gräfin

Ne, ne! Bei uns sind alle Büros doppelt besetzt und jeweils nur ein Kunde, pro halbe Stunde! Das führt mitunter zum Kreuzverhör. Noch bei Tageslicht und ohne Gegenlicht. Bei mir!
8) :?

Schön das ihr wieder gesund seid! :D

graefin_zahl
27.03.2006, 21:44
Ach so...ich saß auch in einem Doppelbüro....da können manche SBs wohl nicht aus ihrer Haut und meinen, sie müssten auch noch ihren Senf dazugeben. Wie ätzend!

Die Ägypter
27.03.2006, 21:56
jup... und netter Nebeneffekt.... es ist gleich eine Zeugin anwesend... (wofür auch immer) während der HE nicht einmal eine schriftliche Info mitbekommt auf die er sich berufen kann....

Upsala
27.03.2006, 21:59
Ätzend ist, wenn der neue FM (Lauscher und Co-Kommentator) von dem Institut kommt, wo man als Kunde nicht hinwollte, weil Computerdeppenkurs. Er einen (mich) trotzdem überzeugen will dorthin zu gehen um soziale Kontakte zu pflegen, die einem den Aufstieg zum FM ermöglichen. Ich bin da sehr direkt und habe schnell meine Infos bekommen. Aber verars…. wollte er mich! Der Neue! Der alte ist, wie gesagt ein symphatischer Mensch der nervös in Akten wühlt wenn es kritisch wird und sagt sie bekommen bald wieder ein Softwareupdate, dann geht wieder mal ein paar Tage nichts, um vom Thema abzulenken.

PS: Kristin! Wie schauts denn jetzt mit der Haarlänge aus? Frauen!

graefin_zahl
27.03.2006, 22:12
"nervös in Akten wühlen" das kann ich auch gut! :)

Aber das mit den Updates stimmt wirklich, das System ist total störanfällig. Und man kann es wohl nicht so gut auf Neuerungen einstellen...die Neuregelung zu den Freibeträgen bei Erwerbstätigkeit sind immer noch nicht eingepflegt und müssen per Umgehungslösung eingetragen und vorher von Hand ausgerechnet werden. Und das ist nur EIN Beispiel. Die neue Vermittlungssoftware hat keine Schnittstelle zu diesem Programm, man stelle sich das vor.

Ich hatte übrigens auch Leute bei mir, die sind grundsätzlich nicht alleine gekommen, und das ist auch in Ordnung so.

Ich fange übrigens jetzt bald wieder an. Und ich werde keine Leistungssachbearbeitung mehr machen sondern nur noch Integration. Welch Erleichterung *hüpf*

Upsala
27.03.2006, 22:22
Integration?

graefin_zahl
27.03.2006, 22:31
Ich darf mich ausschliesslich um die Eingliederung in den Arbeitsmarkt kümmern. Ich habe Zeit, mit den Leuten Ihr Profil zu besprechen, zu schauen ob eine Fortbildung die Lücken schliessen kann, ob sozialintegrative Maßnahmen wie Schuldnerberatung oder Suchtberatung angebracht sind. Ich bin beteiligt wenn es darum geht welche Fortbildungen für die Förderung anerkannt werden, ich führe Gespräche mit den Bildungsträgern. Ich gebe Bildungsgutscheine aus, biete Arbeitgebern Förderungen an...so was halt.

Ich arbeite den Sachbearbeitern quasi zu, übernehme aber nicht deren Akten. Die Sachbearbeiter sind damit auch von vielen arbeitsintensiven Tätigkeiten entlastet. Und ich bin eben kein Leistungsmensch, dass manchmal ganze Existenzen von meiner Entscheidung abhängen hat mir oft Angst gemacht.

Upsala
27.03.2006, 22:40
:Respekt: Voll der Aufstieg!

Fortbildung?
Mir wurde allerdings gesagt, ein Diplom würde mir nicht helfen!? Der Neue wohlbemerkt äußerte dieses.
:-x :-x :-x :-x :-x
Also, wo muß ich genau hinziehen um bei dir Kunde zu werden? :engel:

graefin_zahl
27.03.2006, 22:51
Ich denke mir es ist nicht soo günstig das hier zu schreiben. Wir haben eindeutige Anweisungen, uns nicht an solchen Foren zu beteiligen.
:cry:

Natürlich helfen viele Fortbildungen auch nicht aus der Arbeitslosigkeit. Aber heißt das im Umkehrschluss, man fördert gar keine Fortbildung mehr?!

Upsala
27.03.2006, 23:10
Im Moment, ohne es persönlich auf mich zu beziehen, sehe ich keine Fortbildung. Ich sehe nur ein System, welches qualifizierte Leute degradiert, gar diffamiert. Tausende von Euro, auch staatlich gefördert, für Ausbildung in den Wind geschossen, um Klos zu putzen. Ich bin natürlich froh, wenn an der Autobahnraststätte mir ein Doktor der Chemie erklären kann, worauf ich allergisch reagiere. Das gibt natürlich 10 Cent extra! :sad: :oops:

graefin_zahl
27.03.2006, 23:18
Am besten ist natürlich, sich erst am Markt zu orientieren, was Arbeitgeber fordern. Stellt man fest dass es Arbeitslose gibt, die dem Profil zwar entsprechen, aber nicht auf dem neuesten Stand sind, richtet man entsprechende Maßnahmen ein. Das ist der Idealfall. Leider ändert sich der Markt ja ständig, und was heute gefördert wird ist morgen schon ein Auslaufmodell.

Es gibt übrigens ARGEN die nicht alles Geld für Weiterbildung verpulvert haben. Die sind massivst angegriffen worden und werden einen Teufel tun, in diesem Jahr nicht jeden Cent für Maßnahmen auszugeben, egal ob sinnvoll oder nicht, Das ist halt Politik und daran werden wir nichts ändern. Zumal eine Riesenindustrie und damit Arbeitsplätze, EInfluss und Geld dran hängt.

Upsala
28.03.2006, 00:12
Hier müßte ich wieder nach Adressen fragen!?

:shock: :engel:

Hilfe2006
31.03.2006, 14:33
Habe grade erst diesen Artikel gefunden und gelesen...und mir bleibt die Spucke weg :kotz:
Dabei habe ich die Kiste mit Widerspruch schon durch und gewonnen; aber es hat mich echt Nerven gekostet.
Seitdem fassen sie mich dort "ARGE-Mayen" mit "Samthandschuhen" an, wenn was unklar ist, dann ist die Akte direkt bei der Widerspruchsstelle und es wird "geprüft"- bis jetzt klappt das ganz gut.
Mal sehen wie lange noch.... :oops:

Apfel04
01.05.2006, 15:56
eigentlich ist es ganz einfach... alle arbeitslosen müßten auf die strassen gehen und gegen diese ... protstieren. so wie vor wochen in frankreich. aber das ist wohl in deutschland nicht möglich :( leider. die machen mit uns was sie wollen ICH HASSE DIE!! kein wunder dass da abundzu leute durchdrehen!!