Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was sind die Deutschen doch arbeitsscheu!
Tatsächlich! Es gibt sie noch: ARBEIT!!! Auf folgende Stellenanzeige bin ich soeben gestolpert:
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Erntehelfer/in
Werne-Horst, Vollzeit, 4 freie Stellen Job-Info von BERUFEnet
Stellenprofil:
Spargelernte ca. Mitte April bis Ende Juni; täglich zwischen 6.00 und 20.00 Uhr (morgens u. abends mit Unterbrechung); 7-Tage-Woche; Erntearbeit bei jedem Wetter; Motivation, Geschicklichkeit, körperliche Belastbarkeit sind Voraussetzung; NICHT für Bewerber ohne ARBEITSERLAUBNIS
Tätigkeit:
Stechen (Ernte) von feldfrischem Spargel nach Unterweisung; Mitarbeit in einer eingearbeiteten Gruppe polnischer Mitarbeiter; Beschädigung der Pflanzen sind zwingend zu vermeiden; Qualitätsvorgaben sind unbedingt einzuhalten (Länge, Verletzungen, Reifezustand), Bewegen u. Drehen von mit Sand gefüllten Folien auf dem Feld; Tragen von Erntekisten mit bis zu 20 kg; Ernte auch bei Regen u. hohen Temperaturen erforderlich.
Arbeitszeiten:
Variabel, je nach täglichen Erntemengen u. nach Auftragslage; u.U. morgens u. abends nach längerer Unterbrechung; Zeitrahmen zwischen 06:00 Uhr u. 20:00 Uhr.
Saison:
Ca. Mitte April bis Ende Juni
Arbeitstage:
Je nach Wetterlage regelmäßig, auch an Sonn- u. Feiertagen
Lohn: 5,17 Euro/Std.Brutto
Voraussetzung:
Dem Wetter angepaßte Arbeitskleidung, körperliche Arbeit gewöhnt.
Führerschein Klasse B, BE, T wäre vorteilhaft.
Branche: Landwirtschaft
Arbeitsort: Werne-Horst
Arbeitszeit: Vollzeit vor- u.nachm.
Verdienst: 5,17 Euro
Beginn: 10.04.06
Befristet: Saison - 24.06.2006
Qualifikation: Kräfte mit Fachkenntnissen mit Berufserfahrung
Alter: egal
Kontakt: Auskunft erteilt:
Dienststelle der Agentur für Arbeit Kamen
Ostring 19
59174 Kamen
Tel.: (02307) 915-288
FAX: (02307) 915-290
email: Hamm.ais@arbeitsagentur.de
Datum der letzten Aktualisierung: 05.04.06
ID/Chiffre 35109 280206 51353
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Und Ihr beklagt Euch, dass Ihr keine Arbeit finden..................?
Schämt Euch! :kotz:
Cornholio
06.04.2006, 08:18
Die gibt es überall, ist alles eine frage des Stundenlohns :lol:
Tatsächlich! Es gibt sie noch: ARBEIT!!! Auf folgende Stellenanzeige bin ich soeben gestolpert: ...Und Ihr beklagt Euch, dass Ihr keine Arbeit finden..................? Schämt Euch!
Also das grenzt schon an blanke Verspottung der AN!
:P
Der Preis für ein Kilo frischen deutschen Spargel liegt zwischen 5 und 13 Euro.
Die österreichische Landwirtschaftskammer gibt an Unkosten für ein Kilo Spargel etwa 4 Euro vor. Ein fleißiger Spargelpflücker schafft zwischen 3,5 – 5,0 Kilo in der Stunde, öh, pflücken nicht mampfen.
Legt man rund neun Euro für ein Kilo zu Grunde betragen die Lohnkosten gerade mal 1,575 Euro pro Kilo. Das sind 17,5 Prozent, wenn man einen langsamen Pflücker nimmt (3,5 Kg). Erhöht man den Spargelpreis um rund 50 Cent je Pfund Spargel, oder spart im Zwischenhandel ein, könnte der Spargelpflücker tatsächlich mit 8,5 Euro die Stunde nach Hause gehen. Oder? :?
gazelleklaus
08.04.2006, 05:52
@stupido
Rein rechnerisch auf den ersten Blick wohl wahr. Aber dann nimmst Du noch die Kosten für die Maschinen, die Äcker und die Behausung für die Erntehelfer und schon muß der "arme" Bauer drauflegen und Subventionen beantragen.
Wenn man die Landwirte hört, machen sie ja keinen Gewinn und leben nur vom drauflegen und ihrem kleinen Hofladen.
:reiher:
Hier ist ein netter (wenn auch älterer) Bericht dazu:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/22/13c.htm
Zitate:
"Gerade mal zwei Kilo Spargel schaffen die Deutschen in der Stunde, murren die Großbauern, die Polen dagegen bis zu neun."
"Zwei bis 2,5 Millionen Mark Schaden seien durch die faulen Deutschen entstanden"
"FDP-Parteichef Guido Westerwelle forderte das Arbeitsministerium dazu auf, die Beschäftigungsauflagen zurückzuziehen. Beschämend sei, so der Spargelfreund, daß deutsche Arbeitslose als Erntehelfer "einfach wegbleiben oder krankfeiern"."
aber am Besten gefällt mir der: "Dieses Problem dürfe nicht auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden." Na - wenn das kein Sarkasmus ist...
@Gazelleklaus
Bei einem dieser Landwirte war ich vor ein paar Jahren längere Zeit untergebracht. Dort hatte ich das Vergnügen einen neuen Fendt zu testen. Joysticksteuerung vom aller Feinsten. Läßt sich sogar über Satellit steuern. Alles on Board. Sogar HighFidelity im Traktor. Kostet schlappe 250.ooo Euro. Danach gings im Benz zum Erntedank. Gut hat nicht jeder einen grünen Daumen, aber so mancher Landwirt hat es doch faustdick hinter den Ohren. :shock:
@Ganymed
Na der Guido. Der weiß wie man mit Augenwischerei sein Geld verdient. Spargel futtert der quer, deshalb grinst der auch dauernd so und hat Spaß in den Backen.
Wenn man aber tatsächlich auch neun Kilo in der Std. stechen kann (ich habe echt keine Ahnung) dann könnte man meine Rechnung natürlich ummodeln. Kein Aufpreis für den Spargel, sondern nur eine ordentliche Aufwertung des Stundenlohns.
:-)
gazelleklaus
09.04.2006, 06:57
Mit Klimaanlage und allem Komfort und zurück, ich weiß.
Man muß auch keinen grünen Daumen haben oder sonst eine Tätigkeit gut beherrschen, sondern nur wissen wie man an die Fördermittel und Subventionen kommt.
BAUERNSCHLÄUE : Die alten Sprichwörter und Weisen sind nicht nur dummes Gerede.
...oder wie war das mit den dicken Kartoffeln ?
Da kommen wir dann wieder zu dem Punkt, daß man von den "alten" viel lernen kann. Das ist als Kind so und später im Berufsleben auch. DAS müssten die Wirtschaftsbosse und Arbeitsplätze-weg-rationalisierer endlich mal begreifen.
Zurück zur Qualität und weg von der Quantität. Menge haben wir aus Asien genug.
Zumindest habe es die Bauern geschafft nicht an den Regeln der freien Marktwirtschaft gemessen zu werden, sondern als eine Angelegenheit des öffentlichen Interesses angesehen zu werden. Bauern wurden nicht gezwungen einen Großteil ihrer Einkünfte durch den Spargelverkauf zu erwirtschaften. Ließe sich der Spargel durch einen Aufschlag ordentlicher Löhne nicht mehr verkaufen, so wäre dies Pech, aber eben auch die Marktwirtschaft. Dann könnte auch Daimler ankommen und 1 Euro Jobber zwangsverpflichten lassen. Dessen öffentliches Interessen wäre ebenso sehr oder ebenso wenig nachvollziehbar. Müßten die Polen in Deutschland von diesem Lohn leben und eben nicht Polen, so hätte sich dieses Thema schon längst im Sinne der Marktwirtschaft erledigt. Ich würde auch in Polen Spargel stechen, wenn ich dann soviel Lohn bekommen würde wie ein deutscher Chefarzt.
Chefarzt?
Nicht schlecht der Vergleich. Schließlich rollen ja durch einen gezielten chirurgischen Eingriff einige Köpfe. Gut, Spargelköpfe. Aber diese Kunst sollte schon hüben wie drüben angemessen bezahlt werden. :-)
StephanK
09.04.2006, 23:26
Dann könnte auch Daimler ankommen und 1 Euro Jobber zwangsverpflichten lassen. Dessen öffentliches Interessen wäre ebenso sehr oder ebenso wenig nachvollziehbar.Es geht hier doch nicht um 1-€-, sondern um reguläre "5,17-€-Jobs". Deswegen verstehe ich diesen Zusammenhang nicht so recht, den Du hier herstellst.
Oder geht es Dir bei dem "öffentlichen Interesse" um die (noch) erforderlichen Arbeitsgenehmigungen für Polinnen und Polen?
Es geht darum, dass das Spargelstechen als Politikum und als Rechtfertigung für pauschale Schelte und Leistungseindampfung herhalten darf. Wobei gerne der ALG II-Empfänger zitiert wird, der über 1000 € im Monat cash zum Verprassen haben soll und dafür gefälligst für die Gourmets Spargel zu ernten hat. Letztendlich ist es völlig wurscht, ob 1 € oder 5,17 €. Die Klientel, gegen die Stimmung gemacht werden soll, ist immer sie selbe. Und daher wird es sehr wohl als öffentliches Interesse verkauft, obwohl es eher in die Abteilung Marktwirtschaft gehört.
Von den Damen und Herren, die jeden als faulen Sack darstellen, der nicht bereit ist, als Spargelstecher bzw. Erntehelfer für wenig Geld zu kruppen und sich diese "5,17 €" womöglich noch auf das ALG II anrechnen lassen darf, hat wohl noch keiner jemals ernsthaft körperlich gearbeitet (wobei 5,17 € eher als ein Witz, denn als ein regulärer Verdienst angesehen werden kann, angesichts der harten Arbeit und der örtlichen Lebenshaltungskosten. Für 5,17 € klettert kein Bauer über meinen Rücken in seinen Mercedes).
Die Motivation eines z.B. Polen oder zukünftig Rumänen, dürfte wohl eine andere sein, wenn er durch einige Wochen Arbeit mehere Monatsdurchschnittverdienste eines polnischen Arbeiters erwirtschaften kann.
Bei meiner örtlichen ARGE gibt es Aushänge "Erntehelfer gesucht". Nun mag es für den Einen oder Anderen interessant klingen. Wenn ich jedoch jeden 400 €-Job mit den ALG II-Stütze verrechnet bekomme, wird es mit dem Erntehelfergehalt nicht anders laufen.
Eigentlich gibt es doch nicht den fleißigen Polen und den faulen Deutschen. Es gibt den durch „Spitzenlöhne“ hochmotivierten Polen (in Zukunft vielleicht Rumänen) und den durch Unterbezahlung demomotivierten Deutschen.
Und Leute die das gerne anders sehen, weil sie Merzedes fahren (wollen).
8)
'd like to do a song of great social and political import.
It goes like this:
Mercedes Benz
Oh Lord, won't you buy me a Mercedes Benz ?
My friends all drive Porsches, I must make amends.
Worked hard all my lifetime, no help from my friends,
So Lord, won't you buy me a Mercedes Benz ?
Oh Lord, won't you buy me a color TV ?
Dialing For Dollars is trying to find me.
I wait for delivery each day until three,
So oh Lord, won't you buy me a color TV ?
Oh Lord, won't you buy me a night on the town ?
I'm counting on you, Lord, please don't let me down.
Prove that you love me and buy the next round,
Oh Lord, won't you buy me a night on the town ?
Everybody!
Oh Lord, won't you buy me a Mercedes Benz ?
My friends all drive Porsches, I must make amends,
Worked hard all my lifetime, no help from my friends,
So oh Lord, won't you buy me a Mercedes Benz ?
That's it!
Gut das Lachen am Schluß müsst ihr euch im Orginal anhören!
Filmsammler
29.05.2006, 16:53
Jetzt hört doch mal endlich mit diesen Spargelbauern auf.
Die Lage ist doch so : Seit über 100 Jahren gibt es Saisonernten. Früher war es mal so, daß Schüler zum Erntehelfen gegangen sind, zusammen mit Oma und Opa. In der DDR gab es den Studentensommer, wo selbstverständlich Schüler und Studenten zum Ernteeinsatz gingen. Das war kulturelles Gut und Selbstverständlichkeit.
Heute gibt es das nicht mehr und man nimmt Polen. Ein Pole verdient im Durchschnitt 2,50 Euro pro Stunde vor Steuern. Da ist es doch logisch, daß er für das doppelte Geld für sechs Wochen im Jahr nach Deutschland fährt. Da die Löhne in Polen inzwischen stark steigen, hat sich das Thema bald sowieso erledigt.
Wenn sich die Spargelbauern nun aufregen, daß sie auf die Polenlöhne endlich auch die polnischen Sozialabgaben zahlen sollen kann ich nur lachen. Im Endeffekt war das doch bisher Schwarzarbeit, die einzige sogar, die noch von der Steuer abgesetzt werden konnte.
Kugelkatzi
05.06.2006, 16:04
In der DDR gab es den Studentensommer, wo selbstverständlich Schüler und Studenten zum Ernteeinsatz gingen. Das war kulturelles Gut und Selbstverständlichkeit.
Ich habe diese Studentensommer genossen (aber als Schülerin) und damals wurde das so verdammt gut bezahlt, da hat man das gerne gemacht. Ich habe damals 7 Mark (Ostmark) auf die Stunde bekommen, bei einem Durchschnittsverdienst von 620 Mark in der DDR war das ein riesiger Batzen Kohle.
Im Gegenzug dazu musste man im Hochsommer auf dem Flieger liegen (das is so ein Traktor, an beiden Seiten hat der so Art Flügel 10 cm über dem Boden, auf die man sich bäuchlings legt und dann im Liegen erntet), von 5 Uhr Morgens bis 12 Uhr, weils danach unerträglich wurde und der Kreislauf nicht mehr mitmachte.
Wer macht das denn heute noch? Das lohnt sich doch wirklich nicht mehr. Sorry, aber ob ich das heute vom Kreislauf noch packen würde, weiß ich wirklich nicht. Und dann für 2,50 € auf die Stunde dieses Risiko eingehen? Nö...
Betroffener
05.06.2006, 18:43
@Filmsammler,
Saisonarbeiter gab es im landwirtschftlichen Bereich immer schon und wird es wohl auch noch eine ganze Weile weiter geben (egal aus welchem Gegend die kommen).
Schafscherer, Erntehelfer, u.v.a. In der Landwirtschaft gibt es nun mal zu bestimmten Jahreszeiten einen massiv hohen Bedarf, der danach wieder in sich zusammenfällt. Was im Prinzip mit den Arbeitsplätzen rund um die Fußball WM auch nicht anders ist und auch das Baugewerbe gehört da eigentlich mit rein ebenso wie z.B. die Tourismusbranche (obwohl da die Phasen länger sind).
Was aber gerne vergessen wird (trotz aller Subventionen). Die Landwirtschaft muss das ganze Jahr von der/den kurzen saisonalen Ergebnissen zehren (ebenso wie die saisonalen Mitarbeiter, die darum vielfach zwei Tagesschichten hinlegen mit 14 - 16 Stunden - was einem deutschen Arbeitnehmer zum Glück verwehrt ist - ausser er ist Arzt, die dürfen wohl über 32 Stunden am Stück - in den "Ruhephasen" erldigen die dann den Papierkram für Ober- und Chefärzte).
Filmsammler
05.06.2006, 19:27
Genau da wollte ich drauf hinaus. Jede Fernsehtalkshow ist voll mit dem Spargelstecherthema, dabei ist das ein sechs Wochen dauerndes Saisongewerbe, wie das Münchener Oktoberfest. Die Diskussionen lösen nicht das Arbeitslosenproblem, sondern schaffen nur kürzeste Zeit minimale Linderung.
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