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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kfz-Kosten


Biberzahn
20.05.2005, 08:30
@ Betroffener

Hallo,

mein Freund und ich waren gestern auf dem Amt um denen mal zu zeigen wie unsere momentane finanzielle Situation aussieht. Fakt ist das wir weder die Steuer noch die Versicherung für´s Auto bezahlen können. Das hat zur Folge, das wohl über kurz oder lang ein netter Mensch vom Ordnungsamt bei uns auftauchen wird und die Kiste stilllegt. Das widerum hätte zur Folge das mein Freund nicht mehr zu seinem Arbeitsplatz, der 25 Km entfernt ist, käme, somit sein Chef sich dann überlegen muss ob er ihn weiter beschäftigt. Folglich Kündigung und ein neuer Arbeitsloser. Genau so haben wir das dem Sachbearbeiter geschildert und ihm auch gesagt und auch schriftlich vorgelegt das mein Freund für meinen Lebensunterhalt nicht aufkommt. Der einzige Kommentar war, es war bereits kurz nach 18.00 Uhr und der Mitarbeiter der BA hatte offensichtlich sehr eilig, tja da können wir auch nix machen, der Gesetzgeber will es so. Wir haben ihm ein Schreiben übergeben in dem wir alle monatlichen Kosten meines Freundes aufgelistet haben. Danach bleiben 260,00 Euro zum Leben. Für 2 Personen? Wie soll er da noch für mich sorgen und vielleicht noch meine KK bezahlen? Auf diese Fragen kam dann nur " Das sind Kosten die uns nicht interessieren. Ich habe auch Schulden auf meinem Haus, die würde dann auch keiner übernehmen. Da müssen sie so klarkommen."
Was soll man da noch zu sagen? Dann hab ich ihn kackfrech gefragt wie es denn aussieht wenn ich mir jetzt eine Wohnung nähmen würde. Ja dann bekäme ich Leistungen war die Aussage. Ich hab dann noch angemerkt das ich keine Möbel usw. habe, worauf ich zur Antwort bekam das das kein Problem wäre, weil ich einen Antrag auf Erstausstattung stellen kann.

Wie beklopt sind die eigentlich alle? Die zahlen mir lieber eine komplette Einrichtung, monatliche Miete usw. anstatt mir in meiner jetztigen Situation einfach nur den Mindestbetrag für den Lebensunterhalt zu bewilligen?

Armes Deutschland!!!!

Gruß
Biberzahn

Betroffener
20.05.2005, 14:00
@Biberzahn,
danke für die Information - allerdings fehlen mir vorerst sämtliche Worte!

Das kann es jedenfalls nicht sein, was Sinn und Zweck dieser Gesetzgebung war.
:weg:

StephanK
20.05.2005, 14:47
Hallo Biberzahn,

Du schreibst, Dein Freund brauche das Auto, um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Also ist er nicht arbeitslos und kriegt Arbeitslohn, wenn auch wahrscheinlich wenig.

Ich nehme an, dass Du selbst arbeitslos bist und Ihr beide von der BA als Bedarfsgemeinschaft behandelt werdet, weil Ihr zusammen wohnt. Das sieht das Gesetz wirklich so vor. Das ist aber auch nix neues und war schon bei der früheren Arbeitslosenhilfe so.

Das ALG II wird dann für die komplette Bedarfsgemeinschaft (=Euch zwei) berechnet, obwohl Dein Freund für sich betrachtet wohl nicht darauf angewiesen ist, weil er ja Arbeitslohn bekommt. Als Bedarf für diese Bedarfsgemeinschaft wird der doppelte Satz der Regelleistung angesetzt (die bekannten 345 Euro) + Wohnkosten.

Vom Arbeitslohn Deines Freundes wird ein Freibetrag abgezogen, und das, was übrigbleibt, wird auf den oben errechneten Bedarf angerechnet, d.h. wieder davon abgezogen.

Dieser Bedarfsatz (eben die 345 Euro) enthält keine Kosten für ein Auto. Ein Auto ist nicht vorgesehen, obwohl man es nicht als Vermögen angerechnet bekommt (da liegt ein innerer Widerspruch im Gesetz). Für Leute in ländlichen Regionen heisst natürlich das Auto aufgeben meistens auch die Chance auf einen Arbeitsplatz aufgeben...

Das Ergebnis ist also, dass Euer gemeinsamer Lebensstandard nur das niedrige ALG II-Niveau erreichen kann, obwohl er verdient. Das ist bittere Realität. Die laufenden Kosten für das Auto wird er aber selbst tragen müssen, da geht nix dran vorbei.

Biberzahn
20.05.2005, 15:18
@ Betroffener

Tja, ich bin weiss Gott nicht auf den Mund gefallen, aber bei diesem Bauerntheater bleibt selbst mir die Spucke weg.
Hab gerade einen Anruf von einer Zeitarbeitsfirma in HH bekommen. Montag ist mein Vorstellungsgespräch. Da der Termin erst um 14.00 Uhr ist, kann ich vorher noch mal zum Amt und mal nachfragen wie es aussieht mit Fahrtkosten. Immerhin rund 60 Km eine Strecke und ich fahr mit der Bahn weil mein Freund ja das Auto braucht. Mal sehen was sie dann wieder schönes erzählen..... :patsch:

@StephanK

Ja, mein Freund ist berufstätig, fährt jeden 50 Km hin und zurück, was ihn rund 200,00 Euro Spritgeld im Monat kostet. Er verdient eigentlich nicht schlecht. Er muss aber auch noch Unterhalt für seinen Lütten bezahlen, und das sind dann auch noch mal 250,00 Euro. Wir wohnen hier auf dem Dorf, die Busverbindungen sind eher etwas vorsinnflutlich, also brauchen wir das Auto. Wenn ich am Montag zu meinem Vorstellungstermin fahre, dann muss ich um kurz vor 9.00 Uhr mit dem Bus fahren und hab dann 2 Std. Wartezeit bis mein Zug fährt. Naja, in der Zeit geh ich nochmal zum Amt. Ich würde wahrscheinlich sogar zu Fuss nach HH latschen, so freu ich mich das ich endlich mal was positives habe.

Wie auch immer, da müssen wir durch. Ich weiss nicht wie, aber irgendwie muss es ja.....

Gruß
Biberzahn