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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Reformen greifen: Bis 14,5 Prozent weniger Rente


Betroffener
06.08.2007, 21:27
So richtig nett ist ja, dass man sich zur gekürzten Rente auch noch dummes Geschwätz anhören darf. Wolfgang Lieb hat das Rentenkürzungsthema mal etwas beleuchtet in den Nachdenkseiten (http://www.nachdenkseiten.de).

Die "BILD"-Zeitung selber ist allerdings auch einer der großen Wasserträger der Versicherungswirtschaft und Schlechtmacher des staatlichen Systems - woran viele Seiten mitwirken auch in der Politik. Diese Meldung paßt also sowohl der Zeitung als auch der Versicherungswirtschaft bestens ins Konzept.

Bezüglich des von einer beinahe kriminell zu nennenden Vereinigung (Regierung, "Experten" und Wirtschaft) geplanten und durchgeführten betrügerischen Diebstahles an Millionen von Rentnern, wird sich wie immer niemand kümmern.

Nur noch als Hinweis: Wer meint, das es ja die sogenannte Mindestrente gäbe (Grundsicherung im Alter) wird bitter enttäuscht festellen müssen, das diese nur bei niedrigen Renten ohne Abschläge greift. Ausserdem tritt dann immer das von Hartz IV bekannte Spiel der Extrem-Durchleuchtung ein, ob es nicht doch noch einen zu verpflichtenden gibt, der anstelle des Staates zuständig ist (obwohl gerade der die Leute betrogen hat).
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Die Reformen greifen: Bis zu 14,5 Prozent weniger Altersruhegeld für Neu-Rentner (http://www.nachdenkseiten.de/?p=2531)

Die Renten-Reformen haben offenbar zu einer deutlichen Reduzierung der Altersruhegelder geführt. Wie die "Bild"- Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund berichtet, sind die Bezüge für Versicherte, die im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen sind, im Vergleich zum Jahr 2000 um bis zu 14,5 Prozent gesunken. Danach erhält ein Mann in Westdeutschland heute eine durchschnittliche Netto-Rente von 790 Euro im Monat, im Osten sind es 836 Euro. Frauen bekommen 434 beziehungsweise 660 Euro. Das liegt unter anderem daran, dass Frührentner deutliche Abschläge hinnehmen müssen und dass Senioren mehr in die Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen müssen als früher (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,498115,00.html). Wolfgang Lieb

Der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund, Dirk von der Heide, bestätigte der "Bild"-Zeitung die Entwicklung. Dank der Rentenreformen der letzten Jahren ist die gesetzliche Rente für den sog. Durchschnittsrentner dort angekommen, wo sie hinkommen sollte: an der Armutsgrenze. Das hat man also ganz konkret unter dem Tarnwort vom „Umbau“ des Sozialstaates zu verstehen.

"Die Verringerung der Rentenzahlbeträge bei Neu-Rentnern zeigt, dass die Rentenreformen und Abschläge bei frühzeitigem Renteneintritt wirken", sagte von der Heide. Die Selbstverwaltung der Rentenversicherung und die Politik könnten auch "ein bisschen stolz" sein. Die Herausforderungen, die sich für die Alterssicherung aus der demografischen Entwicklung ergäben, seien "rechtzeitig" bewältigt worden. Dazu gehöre auch die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre.

Dass „Politik und die Selbstverwaltung der Rentenversicherung“ über diese drastische Rentenkürzung „ein bisschen stolz“ sein könnten, ist aus dem Munde eines Sprechers der gesetzlichen Rentenversicherung nur noch blanker Zynismus.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist für über 80 Prozent der Rentner die Haupteinkommensquelle. Konnte noch in den siebziger Jahren mit einer Rente von knapp 60 Prozent des Nettoeinkommens gerechnet werden, so ist das Rentenniveau drastisch abgesunken und bewegt sich auf die bisher vorgesehene Untergrenze von 43 Prozent zu. Das Unverantwortliche dabei ist, dass die im vergangenen Jahr in Ruhestand gegangenen Rentner noch nicht einmal die Chance hatten, sich durch eine private Riester-Rente vor der Altersarmut zu retten. Ihre Rentenansprüche wurden in den letzten Jahren ihres Arbeitslebens durch die von Schröder durchgesetzten und von Riester exekutieren Renten-„Reformen“ schlicht teilenteignet.

Nicht nur, dass durch die „Reformen“ das Vertrauen in die gesetzliche Rente zerstört wurde, um den Durchbruch zu einer privaten Altersvorsorge zu schaffen, nein, jetzt wird dieser Mammut-Deal zugunsten der Versicherungswirtschaft auch noch auf den Knochen derjenigen ausgetragen, die von diesem Geschäft zwischen Politik und Versicherungswirtschaft noch gar nichts ahnen konnten.

Zynisch ist gleichermaßen die Bemerkung des Sprechers der Deutschen Rentenversicherung, die Herausforderungen, die sich aus der demografischen Entwicklung ergäben, seien „rechtzeitig“ bewältigt worden.

Wir haben derzeit alles andere als ein demografisches Problem, wir haben die Babyboomer der sechziger Jahre im Erwerbsfähigenalter. Die aktuellen Kürzungen haben mit der Demografie rein gar nichts zu tun. Wir haben im Gegenteil über 200.000 Jugendliche, die keinen Ausbildungsblatz finden, wir haben inklusive der Arbeitnehmer, die in Warteschleifen sind oder die so wenig verdienen, dass sie Alg-II-Aufstocker sind, etwa 7 Millionen Menschen, die ohne Arbeit sind oder nur geringfügige Arbeit haben. Wir haben bei weit über der Hälfte der Arbeitnehmer einen erzwungenen und mit Rentenabschlägen sanktionierten Vorruhestand. Diese Herausforderungen des Arbeitsmarkts und damit gleichzeitig auch für die gesetzliche Rente wurden von „der Politik“ nicht „bewältigt“; gerade diese gravierenden Probleme hätten aber „rechtzeitig“ bewältigt werden müssen. Und für diese Fehlleistung der Politik dürfen nun die Neu-Rentner „bluten“.

Wir haben (in den Nachdenkseiten) über den Irrweg der Renten-„Reformen“ und ihre politischen Hintergründe in zahllosen Beiträgen berichtet, dazu brauchen Sie nur einmal den Begriff Rente in unsere Suchfunktion eingeben. Deshalb ersparen wir uns an dieser Stelle die Wiederholung unserer Kritik.

Schlimm ist es, wenn jetzt dieses Versagen und die Tatsache, dass diese „Reformen“ auf dem Rücken der Neu-Rentner ausgetragen werden, als Erfolg verkauft wird.

P.S.: Unter Umgehung der Trennung von Berichterstattung und Werbung bringt es Focus Online einmal mehr auf den Punkt, worum es bei der Rentenreform letztlich ging: Die gesetzliche Rente auf eine minimale Grundsicherung einzuschrumpfen, um den privaten Versicherern ein Milliarden-Geschäftsfeld zu eröffnen - und das mit staatlichen Subventionen. Am Schluss des Beitrags über die Rentenkürzungen heißt es dort bezeichnender Weise:
„Mehr Geld im Alter
Jetzt 50% Zulagen vom Staat

Mit einer Riester-Rente sichern Sie sich zusätzliches Geld für Ihre Altersvorsorge. Niemand sollte sich diese Chance entgehen lassen.“
Quelle: Focus (http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/rentenreformen_aid_68827.html)

Sehen sie dazu auch Klaus Brandner, den sozialpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion in der ZDF-Nachrichtensendung „heute“ (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/23/0,3672,5582679,00.html)

Wir wissen, dass das Rentenniveau sinkt. Wir haben aber Vorsorge getroffen, indem private und betriebliche Altersvorsorge durch staatliche Förderung, das ausgleichen sollen, was die gesetzliche Rente alleine nicht mehr leisten kann.

Wenn man diesen „Reformer“-Neusprech übersetzt, müsste das Zitat so lauten:

Wir wollten, dass das Rentenniveau sinkt, damit (nicht wir sondern) die Menschen sich zusätzlich ohne paritätische Finanzierung (Anmerkung: also ohne Arbeitgeberbeiträge und viel teurer) privat versichern und wir (die Steuerzahler) subventionieren dafür noch die Versicherungswirtschaft und die Arbeitgeberseite, damit die Arbeitnehmer für die private und betriebliche Altersvorsorge mehr bezahlen müssen, als sie für eine auskömmliche gesetzliche Rente je hätten leisten müssen.

So redet das ehemalige Mitglied im „Beirat für Zukunftsfragen der Altersversorgung“ des Allianz-Versicherungskonzerns (http://www.manager-magazin.de/fotostrecke/0,2828,PB64-SUQ9MjI5MzcmcGljdHVyZT0xMSZwcmludD0x,00.html ).

Auf die Frage, was die Neu-Rentner von dieser „Vorsorge“ haben, geht er gar nicht erst ein.

Diese und weitere Infos: Nachdenkseiten.de (http://www.nachdenkseiten.de/?p=2531)

Ach ja - hier gibt es eine "relativierende" Stellungnahme der Rentenversicherung Bund zu genau diesem Thema:
Deutsche Rentenversicherung zu sinkenden Durchschnittsrenten für Neurentner (http://www.presseportal.de/pm/50838/1027706/deutsche_rentenversicherung_bund)

Und hier sollte man ganz genau lesen, was im Text und zwischen den Zeilen steht.

Dass dabei die staatliche Rentenversicherung unverblümt und nicht das erste Mal auch noch Werbung für die unsichereren und teureren privaten Versicherer macht, ist schon ein Thema für sich.

efge
07.08.2007, 00:35
Dass dabei die staatliche Rentenversicherung unverblümt und nicht das erste Mal auch noch Werbung für die unsichereren und teureren privaten Versicherer macht, ist schon ein Thema für sich.

Der oberste Werbeträger sitzt doch nach wie vor im Tag des Bundes. :engel:

Hatten Sie Zweifel an unserer oft geäußerten Behauptung, die Riester-Rente sei ein Geschenk an die Finanzindustrie? Oder dachten Sie, wir seien Verschwörungstheoretiker? Dann bitte werfen Sie einen Blick auf die vom Deutschen Bundestag veröffentlichte Nebentätigkeitsliste: „Riester, Walter , SPD Bundesminister a. D.“ zum Beispiel. Das ist selbst für mich ein Schock. 22 mal mind. 7000 €, 7 mal mindestens 3500 € und 3 mal mindestens 1000 €, macht zusammen mindestens (!) 181.500 Euro - in einem Jahr.

(...)

Und hier die Riester-Liste, übrigens sollte der Mann schnellstens sein Mandat niederlegen und seine Mitgliedschaft in der IG Metall beendigen, falls er diese noch besitzt:

Riester, Walter , SPD Bundesminister a. D.
Entgeltliche Tätigkeiten neben dem Mandat:

* Agentur referenten & themen, Hohenstein-Ernstthal, Vorträge, 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Allianz Pension Partners GmbH, München, Vortrag, Juni 2006, Stufe 1 (1000 bis 3500 Euro)
* AWD Holding AG, Hannover, Vorträge, April 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Badischer Genossenschaftsverband e.V., Karlsruhe, Vortrag, Februar 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* BBBank Anlagenberatungs- und Versicherungsbereich, Karlsruhe, Vorträge, Mai 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* bbg Betriebsberatungs GmbH, Bayreuth, Vortrag, September 2006, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V., Rostock, Vortrag, Oktober 2006, Stufe 2 (3500 bis 7000 Euro)
* Bundesverband Deutscher Vermögensberater, Frankfurt/Main, Vorträge, Mai 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* BVF GmbH, Rochlitz, Vorträge, 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Delta Lloyd Deutschland AG, Wiesbaden, Vorträge, 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* DEVK Versicherungen, Köln, Schwerin, Vortrag, Dezember 2006, Stufe 2 (3500 bis 7000 Euro), Vortrag, Februar 2007, Stufe 2 (3500 bis 7000 Euro)
* Econ Referenten-Agentur, Starnberg, Vortrag, März 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Erhard Redner- und Persönlichkeitsmanagement, München, Vortrag, November 2005, Stufe 1 (1000 bis 3500 Euro)
* EUTOP SpeakersAgency, München, Vortrag, Mai 2006, Stufe 2 (3500 bis 7000 Euro)
* Feuersozietät Berlin Brandenburg Versicherungen AG, Berlin, Vorträge, 2006, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Focus Magazin Verlag GmbH, Focus-Money, München, Vorträge, 2005, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* geno kom Werbeagentur GmbH, Köln, Vortrag, September 2006, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Georg Seil Consulting GSC GmbH, Wiesbaden, Vortrag, September 2006, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Heimrich & Hannot GmbH, Leipzig, Vortrag, Mai 2006, Stufe 2 (3500 bis 7000 Euro)
* Nürnberger Versicherungsgruppe, Nürnberg, Vortrag, Juli 2006, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Öffentliche Versicherungen Sachsen-Anhalt, Magdeburg, Vortrag, Mai 2006, Stufe 2 (3500 bis 7000 Euro)
* Saarland Versicherungen, Saarbrücken, Vortrag, September 2006, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Sparda-Bank Baden-Württemberg eG, Stuttgart, Vortrag, Januar 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro), Vortrag, Oktober 2006, Stufe 1 (1000 bis 3500 Euro)
* Sparkasse Einbeck, Einbeck, Vortrag, November 2006, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* The London Speaker Bureau, Karlsruhe, Vortrag, März 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Union Investment Privatfonds GmbH, Frankfurt/Main, Vorträge, 2006, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro); März 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* universa Lebensversicherungen a.G., Köln, Vorträge, 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Volksbank Lahr, Lahr, Vortrag, April 2007, Stufe 3 (mindestens 7000 Euro)
* Westfälische Provinzial Versicherungen AG, Münster, Vortrag, Januar 2006, Stufe 2 (3500 bis 7000 Euro)


Quelle (http://www.nachdenkseiten.de/?p=2467#more-2467)

Betroffener
07.08.2007, 01:04
Ja
der Herr Riester ist wie der Herr Merz sicher auf die geplanten 600€ Diätenerhöhung zur Sicherung des Grundbedarfs zur weiteren Teilhabe am allgemeinen gesellschaftlichen Leben allerdringend angewiesen. Da muss sich der Herr Lämmert sputen, das nichts anbrennt - auch bei ihm selber.

Die sogenannten Wirtschaftsweisen mit Herrn Rürup an der Spitze sind ja auch nicht frei von diesem und anderem Lobbyismus.

Irgendwie stolpere ich immer wieder über den Satz:
Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen, Volksvertreter ....

Dan gibt es ja noch Herrn Miegel und Raffelhüschen und viele, viele andere mitsamt den Arbeitgebern, die die sogenannten Lohn(Neben)kosten gesenkt haben wollen. Die Arbeitnehmer zahlen dann das dreifache (den eigenen Anteil, den der Arbeitgeber und den Gewinnanteil der Versicherungen) zzgl. Versicherungssteuer für eine ebenso nicht kapitalgedeckte sondern auch umlagefinanzierte und (je nach Wirtschaftslage im negativen Sinne) sehr variable Versicherung mit niedrigem Garantiebetrag.

Alles andere halte ich für Schwindel.