Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mit 40 zu alt für den Arbeitsmarkt?
Nach anderthalb Jahren ohne ein einziges Jobangebot seitens der Agentur für Arbeit heisst es nur jedesmal "Mit 40 sind sie zu alt zum vermitteln."
StephanK
26.05.2005, 09:05
Hallo Eric,
Du sprichst ein Problem an, das viele (mich selbst auch) betrifft und maßlos ärgert.
Stellenangebote, bei denen Leute über 40 gesucht werden gibt's für Vorstandsvorsitzende - und Nachtwächter. Der große Bereich dazwischen wird der mittleren und älteren Generation versperrt.
Ich bin reichlich unsicher, ob ich die Arbeitsagentur dafür schimpfen kann. Die lassen sich das ja nicht selbst einfallen, sondern die Arbeitgeber. Entsprechendes sieht man, wenn man die Stellenanzeigen in einer beliebigen Zeitung ansieht. Die Arbeitsagentur gibt insofern nur die Wünsche / Anforderungen ihrer Kunden "auf der anderen Seite" weiter. Vermutlich wäre Dir, mir und vielen anderen auch wenig geholfen, wenn die Arbeitsagentur sagte, diese Arbeitgeberwünsche ignorieren wir einfach und machen den Arbeitgebern Vermittlungsvorschläge ohne diese Altersdiskriminierung.
Diese Diskriminierung geht also von der Arbeitgeberseite aus und ist ein Folgeproblem der Massenarbeitslosigkeit. Hätten wir annähernd Vollbeschäftigung, könnten die Arbeitgeber sich gar nicht so einseitig an den immer weniger werdenden (siehe die umgekehrte Bevölkerungspyramide) jungen Leuten ausrichten.
Übrigens glaube ich auch gar nicht, dass das in erster Linie mit Qualifikationen zu tun hätte - es hat mehr mit Arbeitsbedingungen zu tun: Junge Leute akzeptieren eher befristete Verträge und unsichere Arbeitsverhältnisse und können dies oft auch eher, weil sie sich noch nicht fest eingerichtet haben, noch keine Familie haben usw. Der Arbeitsmarkt fördert bindungslose Arbeitsnomaden, und die finden sich unter den "gesetzteren" Jahrgängen weniger.
Das eigentliche Problem ist also meiner Meinung, dass Arbeitgeber Forderungen stellen, die den Lebensvorstellungen der meisten Menschen zuwiderlaufen. Aber sie sind nicht Gott und können sich nicht Menschen nach ihrem Bilde formen. Leider können sie sie aber aussortieren... :cry:
Colatrinker
06.06.2005, 15:58
"Mit 40 sind sie zu alt zum vermitteln."
Kenn ich, das wurde mir auch beim AA gesagt - ist schon hart
Betroffener
06.06.2005, 17:16
Vielleicht leben wir nur in der falschen Gegend ?
Bei BMW scheint man die Zeichen der Zeit erkannt und ausgenutzt zu haben.
Spiegelbericht vom 06.06.05 zur neuen BMW-Personalpolitik (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,359262,00.html)
Der Trend und die Hintergründe dazu, die sich hier abzeichnen, hat interessante Aspekte - kommt aber wohl für die meisten zu spät.
StephanK
06.06.2005, 17:27
Danke für den Hinweis auf diesen Artikel.
Ich hoffe, dass den auch mal ein paar Personalverantwortliche anderswo lesen...
Ich habe wenig Hoffnung. Es ist schon bestimmt 1-1,5 Jahre her dass der Jugendwahn per Spiegel oder Stern beendet wurde. Habe den Artikel lange verwahrt - habe ihn aber nun nicht mehr.
Was hat sich aber seit dem getan ? Meiner Meinung nach hat sich der Jugendwahn noch verschlimmert.
edit:
.. doch noch gefunden
http://www.stern.de/politik/panorama/index.html?id=530529&nv=ma_ct
hier noch was von 2001
http://www.manager-magazin.de/koepfe/artikel/0,2828,163124,00.html
und noch was
http://www.div-aktiv.de/inhalt/themenmarkt/tm14-04/themenmarkt14-04.htm
StephanK
13.06.2005, 09:38
SO GANZ einheitlich scheint es ja nicht zu sein, wenn man die (sinnvolle) Entwickling bei BMW anschaut, auf die der Betroffene hingewiesen hat - aber insgesamt erscheint das leider doch eine Ausnahme zu sein.
Die Frage "Wo soll das nur hinführen?" klingt stammtisch-mäßig, aber ist meiner Meinung nach ernsthaft zu stellen und vor allem ernst zu nehmen. Abgesehen davon, dass diese Jugendwahn-Personalpolitik für die meisten Unternehmen sich als unklug und kurzsichtig erweisen düfte, führt das doch für meine mittlere Generation in eine grauenvolle Perspektivlosigkeit. Eine Kündigung oder auch nur die (von Arbeitsverwaltung wie Politik erwartete) Bereitschaft, befristete Arbeitsverhältnisse zu akzeptieren, führt nach ein paar Jahren in die Dauerarbeitslosigkeit. Das kann's doch auch nicht sein.
Bei der Umfrage fehlt noch die Antwortmöglichkeit "Niemals"
Bei meine bisher 51 Lebensjahren war ich seit meinem 14 Lebensjahr 2 mal bis zu einem Jahr Arbeitslos.
Nun bin ich es leider seit über 2 Jahren.
Von der "Arbeitslosenverwaltung" konnte mir kein Arbeitsplatz (Kfz-Meister) vermittelt werden, da über 90% der mir zugesanten Angebote schon seit längeren besetzt waren (aussage der Arbeitgeber).
In den letzten 2 jahren kam kein Angebot.
Ich frage mich schon länger wofür die ihr Gehalt bekommen.
StephanK
01.08.2005, 23:49
Bei der Umfrage fehlt noch die Antwortmöglichkeit "Niemals" (...)
Ich frage mich schon länger wofür die ihr Gehalt bekommen.Na ja, ich denke, dass diese Diskrimierung der über 35-jährigen von den Arbeitgebern ausgeht und von der Arbeitsagentur einfach nur weitergegeben wird.
Wenn Du Stellenanzeigen in der Zeitung liest, ist es ja genau das gleiche Bild - und das Angebot der Arbeitsagentur ist einfach nur ein Spiegelbild davon.
Man darf sich einfach ab Mitte 30 auf keinen befristeten Job mehr einlassen. Nur: es gibt praktisch keine unbefristeten mehr :x
Biberzahn
02.08.2005, 10:04
Moin,
ich kann da auch ein Lied von Singen. Ich bin 35 und seit Januar 2004 ohne Arbeit. Ich hab mich mitlerweile auf alles und jedes Beworben. Da ich nun leider auch noch weiblich bin, bekomme ich des öfteren gesagt das ich ja noch schwanger werden könnte usw. Und in vielen Stellenanzeigen steht ja auch schon drin "bis 30 Jahre". Mein Gott, zu Zeiten meiner Oma war man mit 30 schon alt, aber heute? Es ist echt ein Trauerspiel... :sad:
Gruß
Biberzahn
StephanK
02.08.2005, 11:17
Da ich nun leider auch noch weiblich bin, bekomme ich des öfteren gesagt das ich ja noch schwanger werden könnte usw."So was ist ein "klassischer" Fall von Frauendiskriminierung, den man eigentlich nicht einfach so hinnehmen sollte, und sei's nur, um etwas Geld herauszuschlagen:§ 611a BGB - Geschlechtsbezogene Benachteiligung
(1) Der Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer bei einer Vereinbarung oder einer Maßnahme, insbesondere bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses (...) nicht wegen seines Geschlechts benachteiligen. (...)
(2) Verstößt der Arbeitgeber gegen das in Absatz 1 geregelte Benachteiligungsverbot bei der Begründung eines Arbeitsverhältnisses, so kann der hierdurch benachteiligte Bewerber eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen; ein Anspruch auf Begründung eines Arbeitsverhältnisses besteht nicht.aber(3) Wäre der Bewerber auch bei benachteiligungsfreier Auswahl nicht eingestellt worden, so hat der Arbeitgeber eine angemessene Entschädigung in Höhe von höchstens drei Monatsverdiensten zu leisten. Als Monatsverdienst gilt, was dem Bewerber bei regelmäßiger Arbeitszeit in dem Monat, in dem das Arbeitsverhältnis hätte begründet werden sollen, an Geld- und Sachbezügen zugestanden hätte.
Und in vielen Stellenanzeigen steht ja auch schon drin "bis 30 Jahre. Mein Gott, zu Zeiten meiner Oma war man mit 30 schon alt, aber heute? Es ist echt ein Trauerspiel... :sad: Auch das ist nach europäischem Recht längst verboten, aber unser Bundestag hat die Frist für die Umsetzung in deutsches Recht mal wieder verbummelt und erst Anfang dieses Jahres angepackt. Das beschlossene Gesetz hängt jetzt in der Luft, weil der CDU-dominierte Bundesrat, dem das alles nicht passt, den Vermittlungsausschuss angerufen (http://www1.bundesrat.de/coremedia/generator/Inhalt/Drucksachen/2005/0445_2D05B,property=Dokument.pdf) hat.
Aber solche gut gemeinten Gesetze sind auch nur Krücken. Das Grundübel in den Köpfen der Arbeitgeber wird dadurch auch nicht beseitigt :x
whufnagel
03.12.2005, 01:50
Hallo zusammen,
Neben meine 51 lenzen bin ich auch noch schwerbehindert. Mein letztes Bewerbungsgespräch hatte ich vor ca. 1 jahr. Selbst bei Anzeigen in der zeitung "suche Arbeit jeder Art" wird bei altersangabe nicht geantwortet.
Viele der Problematiken wurden schon benannt, aber eins noch:
Die Mitsprache der Betriebsräte bei einstellungen. An sich eine gute sache, aber am Tariflohn komm ich so gut wie nicht vorbei und der ist halt bei einem 51 jährigen höher als für einen 30 jährigen. Also: zu teuer.
Theoretisch könnte ich darauf verzichten, meinen Behindertenstatus mitzuteilen. Aber eben nur unter Rechtsverzicht (Urlaub usw). Und wenns rauskommt: fristlose Kündigung ist möglich (incl. Sperre vom AA).
Das Dilemma ist: Für die Rente zu jung, zum Arbeiten zu alt.
Und ein Wach und sicherheitsdienstler sagte: Ihr Alter ist uns egal, hauptsache sie haben das Sportabzeichen in gold und das nicht älter als 1 Jahr. :evil:
Selbständig machen ist nicht (kein kapital). Also was tun ? Zur Rente habe ich noch 9 Jahre (auf Grund der Behinderung kann ich schon mit 60 in die Rente), aber bis dahin als HARZIE leben ? Alles was ich gespart habe ist schon draufgegangen, ein grosser teil schon bei den 2 Insolvenzen, bei denen ich meine letzten Jobs verloren habe. Auto hab ich schon lange keins mehr und bei irgentwelchen Anschaffungen bin ich auf Hilfe aus der Verwandtschaft angewiesen oder ich muss in den Gebrauchtwarenhof.
Und für den Staat, wo so was möglich ist, habe ich über 30 Jahre gearbeitet, meinen Arsch als Wehrpflichtiger hingehalten und immer schön fleissig gezahlt. Bei mir ist die ganze Sxxbande von Politikern untendurch.
Es ist wohl wieder einmal eine Revolution angesagt!
Am besten jeder Harzie ab 50 bekommt eine Sterbepille. Als Leben kann ich das, was ich momentan habe, jedenfalls nicht bezeichnen. Da ich mir selbst einen Vereinsbeitrag oder sonst irgentwelche Mitgliedsbeiträge nicht mehr leisten kann, geschweige denn eine Theather oder Konzertkarte, ist eine Teilnahme am öffentlichen leben so gut wie ausgeschlossen.
Freunde, oder das was ich früher dafür gehalten habe, haben sich schon vor jahren verabschiedet, ich kann halt nirgends mehr finanziell mithalten.
Ich war langjähriges Mitglied in einer Politischen Partei, selbst hier musste ich nun austreten, ein Hohn sondersgleichen, HartzIV Beiträge gibts nicht.
Mein einziger LUXUS den ich mir noch leiste, ist mein DSL Anschluss. So habe ich wenigstens noch ein 17" grosses fenster in die weite Welt. Ich hoffe nur, das Teil verrekt nicht, eine Neuanschaffung wäre unmöglich.
bin auch über 40 und damit unmöglich zu vermitteln. Was ich aber nicht einsehe ist, dass ich nun bis an mein Lebensende 1 Euro Jobs machen soll. Habe schliesslich auch 20 Jahre lang Beiträge zur ALV gezahlt!
Auch lasse ich es mir nicht gefallen dass man mich sanktionieren will weil ich nichts finde. "Ich bin Deutschland"...welch ein HOHN !
chrismose
26.02.2006, 12:56
Ich hab bis 2003 eine Umschulung zum IT-Systemelktroniker gemacht, weil man ja da Fachleute sucht :-x Nix is mit 25 biste schon zu alt. Nachdem ich nun mal nachgewiesener weise 44 bin ist das so gut wie unmöglich dort was zu bekommen. Aber auch in meinen Alten Berufen erhalte ich nur noch Absagen. Das einzige wo es zeitweilig klappt sind Zeitarbeitsfirmen. Doch die arbeiten nach der Methode Higher and Fire.
Wo ist Deutschland? Ich bin es net, Ich bin arbeitslos :kotz:
Gruss Chris
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