Codeman
25.08.2007, 17:52
ARD: Monitor | Donnerstag, 23.08.07, 21.45 Uhr
Klassenziel "Hartz IV"
Die Schüler der Wattenscheider Fröbelschule erleben die Folgen der Arbeitslosigkeit täglich zu Hause - und werden im Unterricht schon auf die eigene Arbeitslosigkeit vorbereitet. Das ARD-Magazin Monitor berichtet über die "Hartz-IV-Schule".
Drei Monate lang, von März bis Juni 2007, begleitete WDR-Autorin Eva Müller Schülerinnen der Wattenscheider Fröbelschule, einer sonderpädagogischen Förderschule. Die 16-jährige Andrea wollte früher Krankenschwester werden. Aber inzwischen geht sie davon aus, dass das nicht klappen wird. Dafür hat sie in der Schule aber gelernt, wie man am besten mit 345 Euro im Monat auskommt - dem Regelsatz für "Hartz IV".
Laura und Jasmin besuchen die achte Klasse - und haben eine Art "gleitende Arbeitszeit" eingeführt. Vor zehn Uhr sind sie selten in der Schule - "Mittagschicht" nennen sie das. Michelle ist mit elf Jahren das jüngste der Mädchen, die in der Reportage Einblick in ihr ganz persönliches Leben erlauben. Michelle ist seit der dritten Klasse auf der Fröbelschule und wird hier inklusive Mittagessen komplett versorgt. Das Essen bringt die Wattenscheider Tafel.
Manche müssten nicht zur Förderschule
Die Reaktionen auf die ungewöhnlichen Lerninhalte "bewegen sich zwischen Entsetzen und Erstaunen", hat WDR-Autorin Müller beobachtet. Schuldirektor Christoph Graffweg aber sieht es pragmatisch. Er bereitet seine Schüler "auf das vor, was sie nach der Schule erwartet - die Arbeitslosigkeit". "Arbeit müsste gerechter verteilt werden", sagt er. Aber das sei schließlich nicht seine Aufgabe. Also macht er seine Schüler fit für die Arbeitslosigkeit.
Umstellt von Arbeitslosigkeit
Eva Müller erlebte die Kinder und Jugendlichen während der Arbeit an ihrem Film als "sehr zugänglich und trotz aller Widrigkeiten als hoffnungsvoll". Und sie ist überzeugt, dass viele der Kinder gar nicht auf die Förderschule müssten, "wenn sie zu Hause unter anderen Bedingungen entsprechend gefördert würden."
Müller hat bei ihrer Arbeit aber auch nachhaltig den Eindruck gewonnen, "dass diese Kinder von der Arbeitslosigkeit praktisch umstellt sind. Sie erleben sie zu Hause, in der Schule bei den Schulfreunden und in ihren eigenen Perspektiven. Und auch beim Mittagsessen zum Beispiel ist die Arbeitslosigkeit präsent - wenn das Essen der Wattenscheider Tafel von einem 1-Euro-Jobber gebracht wird."
Von der Wattenscheider Tafel zur Hartz-IV-Schule
Schon im Oktober 2006 hatte Eva Müller unter dem Titel "Verdrängt - Kinderarmut in Deutschland" eine Reportage über die Wattenscheider Tafel gemacht, die allein in Bochum 15 Schulen versorgt. Kinder wurden mit kleinen Video-Kameras ausgestattet und erzählten, wie es ist, in Deutschland arm zu sein. Bei diesem Beitrag kam Eva Müller auch in Kontakt zur Fröbelschule. Danach hat sie die "Hartz-IV-Schule" oft besucht und den Kontakt zu Andrea, Laura, Jasmin und Michelle aufgebaut.
Mehr auf der WDR-website (http://www.wdr.de/themen/kultur/bildung_und_erziehung/foerderschulen/070823.jhtml?rubrikenstyle=kultur)
Neben einem kürzeren Bericht bei Monitor (Sendezeit siehe oben) wird es im WDR-Fernsehen (3. Programm) zwei längere Beiträge zum Thema geben, nämlich am
Montag, 27.8., 22.00 Uhr (Wiederholung am 28.08.2007, 10.00 Uhr) und am
Montag, 3.9., 22.00 Uhr (Wiederholung am 04.09.2007, 10.00 Uhr)
WDR 3 ist bundesweit empfangbar über Kabel und Satellit, in NRW auch über Antenne.
Klassenziel "Hartz IV"
Die Schüler der Wattenscheider Fröbelschule erleben die Folgen der Arbeitslosigkeit täglich zu Hause - und werden im Unterricht schon auf die eigene Arbeitslosigkeit vorbereitet. Das ARD-Magazin Monitor berichtet über die "Hartz-IV-Schule".
Drei Monate lang, von März bis Juni 2007, begleitete WDR-Autorin Eva Müller Schülerinnen der Wattenscheider Fröbelschule, einer sonderpädagogischen Förderschule. Die 16-jährige Andrea wollte früher Krankenschwester werden. Aber inzwischen geht sie davon aus, dass das nicht klappen wird. Dafür hat sie in der Schule aber gelernt, wie man am besten mit 345 Euro im Monat auskommt - dem Regelsatz für "Hartz IV".
Laura und Jasmin besuchen die achte Klasse - und haben eine Art "gleitende Arbeitszeit" eingeführt. Vor zehn Uhr sind sie selten in der Schule - "Mittagschicht" nennen sie das. Michelle ist mit elf Jahren das jüngste der Mädchen, die in der Reportage Einblick in ihr ganz persönliches Leben erlauben. Michelle ist seit der dritten Klasse auf der Fröbelschule und wird hier inklusive Mittagessen komplett versorgt. Das Essen bringt die Wattenscheider Tafel.
Manche müssten nicht zur Förderschule
Die Reaktionen auf die ungewöhnlichen Lerninhalte "bewegen sich zwischen Entsetzen und Erstaunen", hat WDR-Autorin Müller beobachtet. Schuldirektor Christoph Graffweg aber sieht es pragmatisch. Er bereitet seine Schüler "auf das vor, was sie nach der Schule erwartet - die Arbeitslosigkeit". "Arbeit müsste gerechter verteilt werden", sagt er. Aber das sei schließlich nicht seine Aufgabe. Also macht er seine Schüler fit für die Arbeitslosigkeit.
Umstellt von Arbeitslosigkeit
Eva Müller erlebte die Kinder und Jugendlichen während der Arbeit an ihrem Film als "sehr zugänglich und trotz aller Widrigkeiten als hoffnungsvoll". Und sie ist überzeugt, dass viele der Kinder gar nicht auf die Förderschule müssten, "wenn sie zu Hause unter anderen Bedingungen entsprechend gefördert würden."
Müller hat bei ihrer Arbeit aber auch nachhaltig den Eindruck gewonnen, "dass diese Kinder von der Arbeitslosigkeit praktisch umstellt sind. Sie erleben sie zu Hause, in der Schule bei den Schulfreunden und in ihren eigenen Perspektiven. Und auch beim Mittagsessen zum Beispiel ist die Arbeitslosigkeit präsent - wenn das Essen der Wattenscheider Tafel von einem 1-Euro-Jobber gebracht wird."
Von der Wattenscheider Tafel zur Hartz-IV-Schule
Schon im Oktober 2006 hatte Eva Müller unter dem Titel "Verdrängt - Kinderarmut in Deutschland" eine Reportage über die Wattenscheider Tafel gemacht, die allein in Bochum 15 Schulen versorgt. Kinder wurden mit kleinen Video-Kameras ausgestattet und erzählten, wie es ist, in Deutschland arm zu sein. Bei diesem Beitrag kam Eva Müller auch in Kontakt zur Fröbelschule. Danach hat sie die "Hartz-IV-Schule" oft besucht und den Kontakt zu Andrea, Laura, Jasmin und Michelle aufgebaut.
Mehr auf der WDR-website (http://www.wdr.de/themen/kultur/bildung_und_erziehung/foerderschulen/070823.jhtml?rubrikenstyle=kultur)
Neben einem kürzeren Bericht bei Monitor (Sendezeit siehe oben) wird es im WDR-Fernsehen (3. Programm) zwei längere Beiträge zum Thema geben, nämlich am
Montag, 27.8., 22.00 Uhr (Wiederholung am 28.08.2007, 10.00 Uhr) und am
Montag, 3.9., 22.00 Uhr (Wiederholung am 04.09.2007, 10.00 Uhr)
WDR 3 ist bundesweit empfangbar über Kabel und Satellit, in NRW auch über Antenne.