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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zum Tag der Arbeit - Gegenvorschlag: 1500 Euro für alle


Betroffener
27.04.2006, 02:29
Ein interessanter Denkansatz - der übrigens nicht zum ersten Mal auftaucht.

Das die "sinnigen" vom ifo-Institut und das IW und bestimmt auch das INSM dagegen sind, war voraus zu setzen.

Aber so ganz abwegig ist die Idee eigentlich nicht.
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1500 Euro für alle

Gegenvorschlag zum "Tag der Arbeit": Jeder sollte genug Geld haben, ob mit oder ohne Job

Ökonomen schütteln da nur mit dem Kopf. Das Münchener Ifo-Institut hat die Idee als "hanebüchen" zurückgewiesen, das Kieler Institut für Weltwirtschaft warnte vor "Kapitalflucht und Unternehmensverlagerungen ins Ausland". Das Institut der deutschen Wirtschaft hält Werners Vision gar für "wirtschaftlich schädlich" (s. Interview) - nicht zuletzt, weil so kaum mehr jemand Lust hätte, einer Arbeit nachzugehen.

Genau das glaubt Werner nicht. Seiner Erfahrung nach arbeiten Menschen nicht nur wegen des Geldes, sondern wegen der sozialen Kontakte. Bei ihm im Unternehmen gebe es sehr wohl Kassiererinnen, die das wirtschaftlich nicht unbedingt nötig hätten, erzählt er gerne. Allerdings müsste sich natürlich wirklich vieles ändern. "Der Arbeitsmarkt wäre zum ersten Mal ein echter Markt", sagt der Manager, denn die Bürger hätten plötzlich die Chance, "Nein" zu Angeboten zu sagen, die sie derzeit annehmen müssen, um zu überleben. "Statt Einkommen zu maximieren, werden die Menschen dann Sinn maximieren wollen, und die Unternehmer müssen sich überlegen, wie sie diesen Sinn schaffen", so Werner. Und manche Jobs, die keiner machen will - etwa Müllmann - würden dann eben am besten bezahlt.

Mit Finanzierungsproblemen schlägt sich Werner ohnehin nicht gerne herum. Er will mit dem Denken "am Ziel ansetzen". "Wir haben doch die Güter in Hülle und Fülle", sagt er. Seit 5000 Jahren lebten die Menschen erstmals im Überfluss. "Noch 1958 musste meine Mutter 14 Monate auf einen VW-Käfer warten", so Werner, "heute kann die Autoindustrie mehr produzieren als absetzen." Geldscheine, das sind für ihn nur Bezugsscheine für Waren. Und weil es von letzteren genug gebe, gebe es gar kein echtes Finanzierungsproblem.

An Beispielen mangelt es Werner nicht. Schon heute lebe schließlich jeder zweite Deutsche von staatlichen Zahlungen, weist er genüsslich die Kritik der Unfinanzierbarkeit von sich. Und jeder Bürger habe doch mit dem ArbeitslosengeldII Anspruch auf etwa 700 Euro im Monat vom Staat, wenn man die Miete dazu addiert, rechnet Werner vor. Warum dieses Geld nicht einfach an die Menschen verteilen, ohne die Gängelungen durch die Hartz-IV-Vorschriften, die Werner "offenen Strafvollzug" nennt?

Das fragten und fragen sich auch andere. Der Vorschlag, Geld einfach so an jeden Bürger zu verteilen, ist nicht völlig neu. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts schrieb der Sozialist Paul Lafargue darüber in seinem Text das "Recht auf Faulheit", 70 Jahre später folgte der britische Philosoph Bertrand Russell in seinem Essay "Lob des Müßiggangs" diesem Gedanken. In jüngster Vergangenheit regte Bundespräsident Horst Köhler Ende Dezember 2005 an, "über eine Art Grundeinkommen nachzudenken". Angesichts der Arbeitslosigkeit "müssen wir uns von altem Denken lösen", verlangte Köhler.

Und vergangene Woche legte das Hamburgische Welt-Wirtschaftsinstitut (HWWI) ein eigenes Konzept für ein Grundeinkommen vor. Schon heute würden 620 Milliarden Euro jedes Jahr vom Staat in Form von direkten Sozialleistungen verteilt. Werde diese Summe neu verteilt, könnte sofort jeder Bürger 627 Euro pro Monat erhalten, so HWWI-Chef Thomas Straubhaar vor. Arbeit würde so billiger, viele neue Jobs könnten entstehen.

Wann es soweit ist? Wohl nicht so bald, denn Politiker halten sich bei dem Thema zurück. "Es gibt ein paar erste Gespräche", sagt Werner ungewohnt zurückhaltend. Aber, fährt er fort, manchmal passieren Dinge schneller als erwartet: "Sechs Wochen vor dem Fall der Mauer hat damit auch niemand gerechnet." Warum sollte das beim Grundeinkommen anders sein? Werner: "Entwicklung geht immer schubweise."
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Interview dazu mit Holger Schäfer vom IW (Arbeitgeberfinanziertes Institut).

Die Menschen sind nun mal bequem
Könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Mittel gegen die Massenarbeitslosigkeit sein und sogar der schwächelnden Konjunktur auf die Beine helfen? Mit Holger Schäfer vom unternehmernahnen Institut der deutschen Wirtschaft sprach Andreas Streim.

Wäre ein Grundeinkommen, das jeder ohne Prüfung seiner Bedürftigkeit erhalten würde, ein Mittel gegen die Massenarbeitslosigkeit?

Schäfer: Nein, das wäre kein Ausweg. Ein Grundeinkommen von 630 Euro, wie jetzt vorgeschlagen, wäre nur zu finanzieren, wenn man alle anderen Sozialleistungen wie Rente oder Kindergeld streicht. Dafür sehe ich derzeit keinen Konsens. Ein Grundeinkommen von 1500 Euro wäre sogar gänzlich unfinanzierbar und wirtschaftlich schädlich.

Wieso?

Schäfer: Weil zur Finanzierung die Steuern drastisch erhöht werden müssten. Würde dies vor allem über Konsumsteuern erfolgen, käme es zu Ausweichreaktionen: Die Schwarzarbeit würde boomen, der Schmuggel aufblühen und die Menschen würden im Ausland einkaufen.

Ein Grundeinkommen wirkt ja wie ein Kombilohn. Wäre das nicht gut für die Firmen, weil dadurch die Löhne sinken könnten?

Schäfer: Durch zusätzliche Steuern wird Arbeit ja nicht billiger. Außerdem ginge der Anreiz, arbeiten zu gehen, verloren, wenn eine Familie mit einem Kind bereits 1800 Euro im Monat vom Staat erhält. Das Arbeitsangebot würde so verringert, die Löhne könnten dadurch sogar steigen.

Derzeit gibt es aber ein Überangebot an Arbeitskräften, wie fast fünf Millionen Arbeitslose zeigen. Wäre eine Verknappung des Angebots daher nicht sinnvoll?

Schäfer: Nein, eine künstliche Verknappung ist kein sinnvoller Weg. Den gehen wir seit Jahren vergeblich mit Arbeitszeitverkürzung und Vorruhestand.

Wenn eigentlich alles dagegen spricht, woher kommt dann die Faszination für ein Grundeinkommen?

Schäfer: Es entspricht der Natur des Menschen, das Risiko zu scheuen. Studien zeigen, dass Beschäftigte bereit sind, auf Einkommen zu verzichten, wenn der Geldfluss dafür sicherer fließt. Das Grundeinkommen treibt das auf die Spitze. Es ist einfach bequem.
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Seine Idee ist Götz W. Werner etwas wert . 300 000 Euro sollen ihn die Zeitungsanzeigen gekostet haben, die er im November 2005 geschaltet hat. "Ein Grund für die Zukunft: das Grundeinkommen", war der halbseitige Text überschrieben. Seitdem trommelt der 1944 geborene Gründer und Chef der Drogeriemarktkette "DM" für seine Vision (im Internet: www.*ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT**ZENSIERT*).

Leisten kann sich Werner sein Engagement. Seitdem er 1973 den ersten Drogeriemarkt in Karlsruhe eröffnet hat, ging es steil nach oben. Schon fünf Jahre später zählte die Kette 100 Niederlassungen, heute sind es knapp 800 in Deutschland und fast 850 im Ausland. Im Geschäftsjahr 2004/05 wurde ein Umsatz von 3,3 Milliarden Euro erzielt. Werner hat einen sicheren Platz in der Liste der 100 reichsten Deutschen. Seit 2003 lehrt er an der Universität Karlsruhe.

Anders als in der Branche üblich gewährt Werner seinen Beschäftigten viele Freiheiten. So wird etwa über das Sortiment vor Ort entschieden.

Werner, der verheiratet ist und sieben Kinder hat, ist bekennender Anthroposoph und ein Anhänger der Lehre von Rudolf Steiner, auf den sich auch die Waldorf-Schulen berufen. Spätestens seit seiner Werbeaktion für das Grundeinkommen muss Werner sich auch viel Kritik anhören: Illusionär. Naiv. Aberwitzig.

Ihn ficht das nicht an. Als in England erstmals die Briefmarke eingeführt werden sollte, erzählt er, habe der Postminister gesagt, so etwas brauche man nicht, deshalb würden die Leute nicht mehr Briefe schreiben. Und sollten sie es doch tun, wäre das auch nicht gut, denn dann würde das Londoner Postgebäude nicht ausreichen. Werner lacht - Bedenkenträger gibt es eben immer, soll das heißen. ast

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 27.04.06 (http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10695727/485072/2?cms_textonly=J)