Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pro und Contra Zeitarbeit
Ich nehme an dieser stelle mal den diskussionsfaden zum Thema zeitarbeit wieder auf.Bisherige Diskussion kann man hier (http://www.arbeitslosennetz.de/forum/showthread.php?p=96546#post96546) nachlesen.
Es endete damit das Stephan sinngemäss schrieb das man das Thema Zeitarbeit nicht unter der Rubrik "Job betrüger" schreiben kann.
Meine persönliche Meinung dazu: Das kann man sehr wohl.Schliesslich bescheisst dich jede Zeitarbeitsfirma.Sei es mit dem Lohn,mit den mickrigen Tarifverträgen oder mit den Arbeitszeitkonto.Ich finde durchaus,das man diese sachen Jobbetrügern unterstellen kann.
Und noch eine andere Sache Stephan,muss ich sagen.persona,um die es ja ging,ist ja nun mal eine Zeitarbeitsfirma.Und daher muss in diesem Fall auch eine Grundsatzdiskussion zum Thema Zeitarbeit durchaus geführt werden dürfen.
Scheinbar gibt es zu dem Thema ja auch ein gewisses Diskussionsbedürfnis.
MfG
Codeman
StephanK
02.09.2007, 17:36
Vielleicht sollte ich noch einmal erläutern, was meiner Meinung nach in bei dieser Debatte auseinandergehalten werden muss:
Zeitarbeit und ihre Vermittlung hat eine gesetzliche Basis im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, das vom Bundestag, also von den von uns allen gewählten Vertretern beschlossen wurde. Es sind also legale wirtschaftliche Aktivitäten.
Nun kann man zwei verschiedene Dinge kritisieren:
1) Man kann Zeitarbeit ganz grundsätzlich für nicht wünschenswert und falsch halten. Man kann die Meinung vertreten, sie leiste Niedriglöhnen Vorschub, beschneide die Arbeitnehmerrechte und biete keine auch nur halbwegs verlässliche Existenzgrundlage - und zwar auch dann, wenn die Zeitarbeitsunternehmen alle gesetzlichen Regeln einhalten.
Für diese Meinung gibt es einige gute Argumente (wie auch für die entgegengesetzte Meinung). Diese Diskussion ist eine rein politische und ihr richtiger Adressat ist der Gesetzgeber, also jene 613 Damen und Herren im Bundestag, die die gesetzlichen Grundlagen für Zeitarbeit geschaffen haben und sie verändern oder auch einkassieren können.
All das hat mit "Missbrauch" nichts zu tun, sondern nur damit, was man politisch für richtig und für falsch hält.
2) In der Zeitarbeitsbranche gibt es - wie in jedem Wirtschaftszweig - "schwarze Schafe" (vielleicht auch ein paar mehr als in anderen Branchen). Das sind Unternehmen, die sich nicht an geschlossene Verträge halten, die mit fragwürdigen Tricks versuchen, Tarifverträge zu unterlaufen, die unter Verstoß gegen geltendes Recht Löhne im Krankheitsfall nicht fortzahlen, die den Aufbau von Arbeitnehmervertretungen behindern usw.
Wo solches Verhalten vorkommt, muss es kritisiert, ja angeprangert werden, und es soll dann auch deutlich gesagt werden, dass in solchen Fällen eine Übervorteilung von Arbeitnehmern stattfindet, die dazu führt, dass die Leidtragenden solchen Fehlverhaltens sich betrogen fühlen (auch wenn strafrechtlich kein Betrug vorliegt).
Dabei wird man nicht außer Acht lassen können, dass es seriöse Unternehmen gibt, bei denen - wenn sie auch die gesetzlichen Möglichkeiten zu ihren Gunsten ausnutzen - solches Fehlverhalten nicht vorkommt. Ihr Anteil an der gesamten Branche mag vielleicht kleiner sein als in anderen Branchen, aber dennoch kann es meiner Meinung nach nicht angehen, pauschal eine ganze Branche zu verunglimpfen, weil es eine mehr oder weniger große Zahl von schwarzen Schafen darin gibt.
Deswegen ist er mir ein Anliegen, auseinanderzuhalten
- was ist an den Regeln zur Zeitarbeit politisch zu kritisieren?
- wo sind schwarze Schafe, die sich nicht an die geltenden Regeln halten und deswegen kritisiert gehören?
Das zweite Thema gehört dann auch in das Forum "Die Tricks der Job-Betrüger" - das erste aber hierher bzw. in das Politik-Forum.
Seebarsch
02.09.2007, 19:31
Hier kann ich Stephan eigentlich nur Recht geben!
Diese Diskussion ist eindeutig eine politische Grundsatzfrage.
Zeitarbeit gibt es nur, weil diese aus der Wirtschaft nachgefragt wird. Wäre diese Nachfrage nicht da, wäre das Thema auch erledigt.
Eben aus der Wirtschaft kam der Anstoss, Zeitarbeit einzuführen und zu forcieren, damit bei Personalbedarf in den Betrieben schnell reagiert werden kann, ohne dass sich der Betrieb im Rahmen der "normalen" Arbeitverhältnisse langfristig an die Arbeitnehmer binden muss.
Als Beispiele wurden dann Großbritanien und die Niederlande genannt, ohne zu berücksichtigen, dass es dort auch für Zeitarbeit verbindliche Mindestlöhne gibt.
Als Zückerchen wurde den Politikern dann vorgegaukelt, dass ja aus den Zeitverträgen oftmals Festverträge entstehen, wenn sich die Arbeitnehmer als geeignet zeigen.
Den "seriösen" Zeitarbeitsfirmen kann man doch nicht verübeln, dass sie ihre eigenen Möglichkeiten ausschöpfen.
Fatal ist eigentlich nur, dass sich die Arbeitnehmer bzw. die Arbeitslosen im Rahmen der allgemeinen Zumutbarkeitskriterien nicht wehren können!
:confused::confused:
Es geht hier in erster Linie nicht darum,wann was Betrug ist.Zeitarbeit ist für mich deswegen ein Riesenproblem ebend aus 2 dingen
1) Diese massivst niedrigen Löhne.Davon kann keiner leben und die ZAF´s (und auch hier nehme ich keine aus,weil ich selbst schon oft genug erlebt habe) versuchen den eh schon geringen Lohn für einen Facharbeiter weiter zu drücken,in dem sie ihn einfach in den Helfer-Bereich eingruppieren.Das sind Löhne,davon kann man keine Familie satt bekommen.Und wenn ich heute höre,man muss für die Altersvorsorge was tun,wie soll man das machen als Helfer bei 1000 euro brutto ? Nein für mich sind das Gangster und damit komme ich gleich zum Zweiten Punkt
2) Würde es diese ganze Zeitarbeitspest nicht geben,so müssten die Unternehmen wieder selber fest einstellen ! So mogelt sich immer ein Parasit zwischen dir und dem AG,der nichts tut als von deiner Arbeitskraft zu leben.Der tut selber gar nichts dafür.Daher sollte man langsam der Zeitarbeit Daumenschrauben anlegen.Der von der Zeitarbeit und dem DGB forcierte Mindestlohn in dieser Branche von 7,50 brutto ist doch lachhaft und der dämliche DGB macht das auch noch mit.
Wenn dich die ZAF´s um Fahrtkostenersatz betrügen,wenn sie Nichteinsatzzeiten mit deinen Zeitkonto verrechnen,wenn sie dich in den Urlaub nötigen,wenn sie alles tun um ihr unternehmerisches Risiko auf dich abzuwälzen - dann ist letztes bestimmt keine straftat - aber das vorrangegangen sehr wohl.
Eben aus der Wirtschaft kam der Anstoss, Zeitarbeit einzuführen und zu forcieren, damit bei Personalbedarf in den Betrieben schnell reagiert werden kann, ohne dass sich der Betrieb im Rahmen der "normalen" Arbeitverhältnisse langfristig an die Arbeitnehmer binden muss.
Ja das war damals.Heute wird Zeitarbeit dazu benutzt Druck auf die abhängig Beschäftigten auszuüben.Sei es beim Lohn oder sonst was.Zu nichts anderen wird Zeitarbeit heute genutzt.So umgehen die Unternehmen den Kündigungsschutz doch ganz flexibel.Ja da freut sich der AG !
Im Grunde ist der Staat und die BA ganz clever.Die vermitteln nur in diese prekären Verhältnisse und wenn der AN wieder draussen ist,so muss der staat weniger Arbeitslosengeld zahlen und kann gleich weiter in diese Zuhälterei vermitteln.Ich werde Zeitarbeit immer ablehnen.
Fatal ist eigentlich nur, dass sich die Arbeitnehmer bzw. die Arbeitslosen im Rahmen der allgemeinen Zumutbarkeitskriterien nicht wehren können!
Ebend.Man hat als Alo gar nicht die Möglichkeit diese Firmen abzulehnen,weil gleich der Sanktionsknüppel geschwungen wird.Wenn ich mir den stellenmarkt der agentur anschaue,sind 8 von 10 angeboten zeitarbeitsstellen.Es muss doch jeden SB klar sein,dass davon ein Alo niemanden ernähren kann.Weder sich selbst - noch die Familie.Bei uns in Berlin,da brauch ich mir mal die Zeitungen aufschlagen - nur Zeitarbeit und dieser ganze Dreck.
Dabei wird man nicht außer Acht lassen können, dass es seriöse Unternehmen gibt, bei denen - wenn sie auch die gesetzlichen Möglichkeiten zu ihren Gunsten ausnutzen - solches Fehlverhalten nicht vorkommt.
Zeig mir doch mal bitte eine Zeitbude wo alles 100% legal und gesetzeskonform abläuft.Da kannste mit mir durch die ganze Republik laufen und wirst keine einzige finden.Ich weiss nicht Stephan ob du schon mal mit Zeitarbeit zu tun hattest bzw. schon mal beschäftigt warst.Ich kann dir nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Zeitarbeit bescheisst dich wo es nur geht - beispiele siehe weiter oben.
Mich würde mal interessieren,ob ein Arbeitsloser schon mal einen SB dafür gedankt hat jetzt für 7,10 euro brutto arbeiten zu dürfen !
MfG
Codeman
Eben aus der Wirtschaft kam der Anstoss, Zeitarbeit einzuführen und zu forcieren, damit bei Personalbedarf in den Betrieben schnell reagiert werden kann, ohne dass sich der Betrieb im Rahmen der "normalen" Arbeitverhältnisse langfristig an die Arbeitnehmer binden muss.
Sagen wirs mal so, "das war mal so" ist es aber nichtmehr...
Wenn An schon gekündigt werden um sie über ZA's oder als "scheinselbstständige" wieder einzustellen, dann hat der Gesetzgeber da gründlichen mist gebaut. Ich glaube auch nicht dass einer dieser sog. Volksvertreter schonmal mit seinen eigenen Händen gearbeitet hat.
Normal ist das ja nen spruch der alten zu den jungen, aber wenn ich als "junger" das zu deutlich älteren sagen muss, dann läuft hier deutlich was falsch!
Fatal ist eigentlich nur, dass sich die Arbeitnehmer bzw. die Arbeitslosen im Rahmen der allgemeinen Zumutbarkeitskriterien nicht wehren können!
Im SGB III kann mans ja auch wenn nur ein wenig mit Anfahrt und Entgelthöhe, im SGB II wirds schwieriger, da gibts eigentlich nurnoch die Anfahrt...
Wobei ich aber sagen muss (ich wohne auf dem Land), dass viele ZA's dadurch abgeschreckt werden dass man kein Auto hat, dann wollen se einen nicht...
Nur sie kennen natürlich auch im Gegenzug alle "tricks"... will man nicht, rennen sie sofort zur ARGE!
einsamer Wolf
03.09.2007, 14:32
Hi,
ich will mal ein wenig über meine Erlebnisse mit Zeitarbeitsfirmen reden.
1998 habe ich bei der Firma J*** als Gas-Wasser-Installateur angefangen Std. Lohn 12,50 DM Brutto und einer Zusicherung, dass dieser sich halbjährlich erhöhen wird.
Denkste wurde er nie um dies zu umgehen wurde ich in schöner Regelmäßigkeit zum 31.12 entlassen. Arbeiten musste ich überall in Deutschland egal in welcher Branche, schnell musste ich lernen, dass ich bei der ganzen Sache drauf lege. Zwar gab es auslöse von 50 DM pro Tag ab einer Entfernung von 300 Km, kam drauf an wie weit weg und wo man in Deutschland gerade war und als was man eingesetzt wurde. Nun kann man sich ja gut vorstellen, dass wenn man in Berlin arbeiten musste diese 50 DM bei weitem nicht ausreichend waren. Allein die hin und Rückfahrt verschluckte schon 250 DM hinzu kamen noch die Unterkunft kosten von 30 DM pro Tag, zur Unterkunft musste ich noch ne Std. jeden Abend durch ganz Berlin fahren. Andere weniger wehrhafte Mitarbeiter sind ganz und gar nur mit 20 DM nach Berlin geschickt worden. Mein Geld reichte am Monatsende hinten und vorne nicht, dabei war ich bei dieser Firma noch gut dran, andere Zahlten noch weniger.
Nachdem ich dann nach zwei Jahren Ausbeuterei einen Unfall hatte, erst musste ich nach Donnerstag nach München und abends rief man mich an, dass der Kunde nicht zahlen wolle und ich mich Freitag früh in Köln vorstellen sollte. Ich Donnerstagabend losgefahren und war Freitag früh in Köln dort arbeitete ich dann bis Samstag und dann ging es nach Witschtock, von dort musste ich dann wieder in meine Region zurück und Arbeitete am Montag wider hier auf der Heimfahrt hat es mich dann entschärft. Ende vom Lied Entlassung und Umschulung 2000. Während meiner Umschulung machte ich ein Praktikum in einer ZAF, die Methoden die dort angewandt worden waren schon mehr als Strafbar. Alle Mitarbeiter dieser Firma wurden nur mit Schecks bezahlt, Hintergrund hierbei ist, wenn die Kollegen nicht so spurten wie der Disponent wollte, dann hat man ihm Kurzer Hand den Scheck gesperrt. Es gab nur wenige die sich dagegen gewehrt hatten und wer es gemacht hatte, der wurde entlassen und auch gleich beim Amt angeschwärzt. Aus diesem Grund haben sich viele das gefallen lassen, einmal habe ich miterlebt wie ein Mitarbeiter in die Firma kam, einen Besteckkasten dabei hatte und den als Pfand hinterlegen wollte um 30 Euro zu bekommen.
Ich konnte mir dieses treiben nicht lange mit ansehen und hab das Praktika dort nach zwei Wochen geschmissen, die Disponenten dort haben gemacht was Sie wollten.
Ein Freund von mir hatte letztes Jahr seine Umschulung als Werkzeugmacher abgeschlossen und ging zu mehreren ZAF alle wollten sie Ihn nur als Hilfsarbeiter einstellen um keinen Tariflohn Zahlen zu müssen. Ihm blieb nichts anderes übrig und jetzt arbeitet er als Hilfsarbeiter in seinem erlernten Berufsfeld. Die ZAF können durch diese Methode den Firmen Natürlich gute Angebote machen und diese nehmen Sie dankend an. Wehren hilft nix und Kündigen auch nicht, dann schwingt die ARGE wieder ihren Sanktions- knüpple.
Aus zuverlässiger Quelle weis ich, dass die ZAF etwa 50 Euro den Ausleihunternehmen abnehmen und davon sieht der Sklave nur 6,50 „interner Tariflohn“, während die Sklaven kaum Geld haben um ihre Miete zu Zahlen. Wenn ich dann so wie heute bei der Jobbörse der Arbeitsagentur Stellen suche und dabei feststellen muss, dass lediglich nur zwei Angebote aus der Wirtschaft kamen und der Rest alles ZAF, dann wird mir ganz schlecht!
Dankeschön einsamer Wolf,für diesen Erfahrungsbericht.Steht er doch synonym für viele andere ZAN in diesen Land.
Du wirst bei Zeitarbeit vorne und hinten beschissen.
Wobei ich aber sagen muss (ich wohne auf dem Land), dass viele ZA's dadurch abgeschreckt werden dass man kein Auto hat, dann wollen se einen nicht...
Für die Gangster habe ich nicht mal einen Führerschein.Sonst kommen die noch auf die Idee mir nen Firmenwagen zu stellen.
Nochmal auf einsamer wolf sprechen zu kommen.Diese Auslöse gibt es nicht mehr.Es gab eine zeitlang mal im BZA Tarif die Möglichkeit 6 euro pro tag steuerfrei zu bekommen.Dies war der Verpflegungsmehraufwand,kurz VMA.Leider wurde dieser bei der letzten tarifrunde rausverhandelt.
Und Stephan,du sagst auch irgendwie nichts mehr zu dem Thema?!?
MfG
Codeman
StephanK
03.09.2007, 16:55
Und Stephan,du sagst auch irgendwie nichts mehr zu dem Thema?!?Praktische Erfahrungen damit kann ich keine beisteuern, weil ich keine habe (nur mit Zeitarbeitsverträgen, die mich in die Arbeitslosigkeit entlassen haben...).
Ich kann nur auf der allgemein-politischen Ebene meine Meinung äußern, dass das Arbeitsrecht so weit flexibilisiert ist, dass es eigentlich keine Notwendigkeit mehr für Arbeitnehmerüberlassung gibt. Zeitarbeit im Sinne von kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen oder dem "atmenden Betrieb", wie das von den Arbeitgeberverbänden gerne genannt wird, kann jeder Arbeitgeber ganz ohne Zeitarbeitsfirmen organisieren, und ich denke, die Arbeitgeber sollten das auch.
Diese Branche halte ich also für ungefähr so notwendig wie Kreditvermittler: sie schieben sich zwischen zwei Marktteilnehmer, die normalerweise unmittelbar miteinander umgehen und ziehen ihren Gewinn eigentlich nur daraus, dass bestimmte Marktteilnehmer aus Gründen, die zu hinterfragen wären, nicht gerne direkt miteinander umgehen.
Diese Vermeidung des direkten Umgangs mit Arbeitnehmern hat meiner Meinung eine ganze Menge damit zu tun, wie das betriebswirtschaftliche Denken sich entwickelt hat. In meinem alten Handbuch der Wirtschaftswissenschaften (2. Aufl. 1966) heisst es noch: Unter Personalpolitik wird die Summe der Prinzipien und Maßnahmen verstanden, welche die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Betriebsleistung und der Belegschaft sowie die Beziehungen des einzelnen zu seiner Arbeit bestimmen. In diesem Sinne geht Personalpolitik weit über das hinaus, ws im Aufgabenbereich der Personalabteilung liegt. Sie umfaßt alle Vorgänge von der Gewinnung der Mitarbeiter, ihrer Erhaltung (!), der Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft bis zur Verwaltung. (...) Die Personalpolitik wird in besonderem Maße von der sozialen Betriebspolitik bestimmt. Für sie ist die Unternehmung nicht nur ein technisches oder ökonomisches Gebilde, das seinerseits wieder in vielfältiger Weise mit der menschlichen Gesellschaft verflochten ist. (Potthof, Erich, Personalpolitik, in: Hax*/Wessels (Hrsg.), Handbuch der Wirtschaftswissenschaften, Bd. 1 - Betriebswirtschaft, Köln und Opladen 1966, S. 88)
*gemeint ist Karl Hax, der Vater von Herbert Hax, dem späteren langjährigen Vorsitzenden des Rates der "Wirtschaftsweisen"Solche Worte würden heute, gut 40 Jahre später, von den meisten Betriebswirtschaftlern als "links" und "Soziallyrik" abgekanzelt. Damals war noch Gemeingut, dass Menschen nicht ein x-beliebiger Produktionsfaktor sind, gleichzusetzen mit irgendeinem Rohstoff oder einer Maschine. Die seitdem eingetretene Veränderung des Denkens drückt sich auch in der Sprache aus. Kein Arbeitgeberfunktionär beklagt sich noch mit den Worten "Die Arbeiter verlangen zu hohe Löhne", sondern er sagt "Die Personalkosten laufen aus dem Ruder". Mit diesem Hinweis will ich keine bloße Sprachkritik betreiben. Solche Formulierungen sagen nämlich viel aus über das Denken, das hinter ihnen steht. Dieses Denken gilt nicht mehr den Menschen, sondern den Kosten, dem rein betriebswirtschaftlichen Kalkül. Unter diesem Blickwinkel sind Menschen sowohl Produktions- als auch Kostenfaktor (aber auch nicht mehr), und man will von ihnen nur möglichst hohe Produktivität zu möglichst geringen Kosten. Alles andere wird ausgeblendet, man läuft sozusagen mit einer Gesichtsfeldeinschränkung herum.
Diese Gesichtsfeldeinschränkung rächt sich, jedenfalls langfristig. In manchen Bereichen hat auch schon da und dort ein zaghaftes Umdenken begonnen, z.B. beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie, in vielen anderen Bereichen und in vielen Unternehmen aber noch nicht. Dieses Umdenken muss sich gegen starke Gegenkräfte durchsetzen, und ob es sich durchsetzen wird, wage ich nicht vorherzusagen. Aber ich hielte es auch für falsch, es einfach zu ignorieren.
Hallo,
muss auch mal was zu diesem Thema erzählen, da ich auch der Meinung bin, dass nicht alle Zeitarbeitsfirmen nur "schlecht" sind...
Mein Mann hat auch mal für eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet und wurde nach knapp 2 Jahren fest von dieser Firma in der Hauptverwaltung angestellt.
Sein Erfahrungsbericht...
Er war damals als "Springer" im kaufmännischen Bereich tätig, hat um die 10 Euro die Stunde verdient, ist nicht viel aber hat gereicht. Jede Überstunde die er gemacht hat wurde ihm ausbezahlt ! Selbst wenn es mal eine Woche keinen Auftrag gab, wurden ihm 35 Std. bezahlt... fürs rumsitzen daheim !
Dadurch das er in vielen verschiedenen Unternehmen war, hat er immer wieder neue Sachen dazu gelernt, die sich auf seinem Lebenslauf ganz gut machen... und durch seine ganzen Erfahrungen wurde er im Endeffekt in der Buchhaltung / Forderungsmanagement fest eingestellt... wenn man sich überlegt das er Kaufmann im Einzelhandel gelernt hat war das schon ein guter Aufstieg.
Klar gab es auch dort Leute, die nur 6 Euro die Stunde verdient haben, allerdings hatten die meissten nur einen Schulabschluss (wenn überhaupt), keine Ausbildung oder Berufserfahrung... und selbst die wurden nicht gezwungen dort zu arbeiten, sondern ware freiwillig da.
Man sollte nicht vergessen das eine Zeitarbeitsfirma auch ein gutes "Sprungbrett" in eine Festanstellung sein kann. Viele bieten auch diverse Kurse und Schulungen an.
Ich finde Zeitarbeitsfirmen die einigermaßen vernünftige Tarife zahlen sind eine gute Übergangslösung :mymind:
Gruss
Elchie
Ich finde Zeitarbeitsfirmen die einigermaßen vernünftige Tarife zahlen sind eine gute Übergangslösung
Mit diesem Satz sagst du alles... Übergangslösungen... aber kein Ersatz für Vollzeitstellen, was manche AG anpeilen...
Man darf nicht vergessen, dass alles ein großer Kreis ist... werden die Leute nicht gescheit bezahlt, kaufen sie weniger... tun sie das, fallen die stellen im EInzelhandel... haben die dann auch weniger geld, kaufen die auch weniger, usw...
Das heißt Deutschland lebt nurnoch vom Export, und das ganze dienstleistungsgewerbe fällt hintenrunter... kann sich ja niemand mehr nen Handwerker leisten, also wirds als Leistung unter nachbarn oder schwarz gemacht...
KayBee Chen
23.09.2007, 21:35
:sdagegen:
Was ich alles erlebt habe mit Zeitarbeitsfirmen! Betrügen einen mit einer Selbstverständlichkeit, dass es einem die Socken auszieht.
Z. B. werden Leute, die eine abgeschlossene Ausbildung, Berurfserfahrung und womöglich noch Studium haben als Hilfsarbeiter in ihrem erlernten, jahrelang ausgeübtem Beruf angestellt!!! Man arbeitet also die ganze Zeit auf höchstem Niveau, wird auch als Spezialist an die Firmen abgegeben, wurde aber gezwungen, einen Vertrag zu unterschreiben, in dem (vor der zigsten Änderung des Tarifvertrages) die sinngemäße Beschreibung stand: leichte Tätigkeiten, kurze Einarbeitungszeit erforderlich.
Von 10 Euro kann man da nur träumen.
Wenn man krank war, wurde man so unter Druck gesetzt, dass einige Kollegen sich teilweise mit ansteckenden Krankheiten zur Arbeit schleppten.
Phasenweise konnte es passieren, dass wenn man seine 40 h pro Woche im Büro abgerackert hatte (nur 35 h wurden bezahlt, die 5 anderen h auf das hochgelobte Zeitkonto :kotz:), man noch abends/nachts für irgendwelche stupiden Hilfsarbeiten in anderen Firmen rangezogen wurde.
Oder einem gesagt wurde, man solle gefälligst das ganze WE zu Hause erreichbar sein (wohlgemerkt, man hatte einen Auftrag 40 h die Woche).
Ist einer krank geworden (bei Wegeunfall Bein gebrochen) wurder er auch sofort gekündigt, nur um nach Gesundung wieder eingestellt zu werden.
Von Kollegen aus anderen Zeitarbeitsfirmen hört man, dass sie teilweise nicht bezahlt werden usw.
Da es hier in der Gegend mau aussieht mit Arbeit, lassen viel zu viele das mit sich machen.
Prinz Valium
23.09.2007, 22:08
Meine persönliche Meinung dazu: Das kann man sehr wohl.Schliesslich bescheisst dich jede Zeitarbeitsfirma.Sei es mit dem Lohn,mit den mickrigen Tarifverträgen oder mit den Arbeitszeitkonto.Ich finde durchaus,das man diese sachen Jobbetrügern unterstellen kann.
Zeitarbeit kann eine gute Sache sein, aber nicht wenn die Zeitarbeit den Regelfall darstellt und nicht die Ausnahme.
Fakt ist doch, dass reguläre Arbeitsverhältnisse zugunsten von Zeitarbeit vernichtet werden.
Diese Praxis muss auf politischer Ebene gestoppt werden, sonst sieht es düster für den Arbeitsmarkt aus.
einsamer Wolf
24.09.2007, 12:06
Ich weis ja nicht wie es euch geht, aber wenn ich bei unserer Arbeitsagentur nach Stellenangeboten suche, dann fällt einem sofort ins Auge. Das diese maßgeblich nur von ZAF kommen soviel zum Thema Arbeitsmarkt. Mein Freund hatte da vor kurzem eine schöne Erfahrung gemacht. Er wurde als Hilfsarbeiter eingestellt, ob wohl er eine gelernte Fachkraft ist. Er wurde dann an eine hier ansässigen Firma vermittelt, laut Arbeitsauftrag nur leichte Tätigkeiten ohne besondere Vorkenntnisse. Er ist Maschineneinrichter, als dieser wurde er dann auch in der Firma eingesetzt. Nun hatte er einen Arbeitsunfall bei genau dieser Tätigkeit (beim einrichten der Maschinen). Er musste natürlich angeben wie dieser Unfall passiert ist und bei welcher Tätigkeit. Nun hatte seine ZAF ein Problem, denn eigentlich hätte er ja als solches nicht arbeiten dürfen, „denn er ist ja nur ne Hilfskraft“. Bei der ZAF hat man ihm zum schweigen verdonnert und er schweigt, weil er schon seit zwei Jahren darauf hofft von dieser Firma fest eingestellt zu werden.
Natürlich gibt es sicherlich aus seriöse ZAF, nur kenne ich leider keine!
Hallo einsamerWolf,
willkommen im club - ich kenne auch keine.
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