Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anspruch gegen Realität
ALN - Robot
16.09.2007, 22:00
Zu den üblichen linken Vorurteilen gehört, daß über die Einführung des Arbeitslosengeldes II die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt verschärft und das allgemeine Lohnniveau gesenkt werden sollte.
Weiterlesen... (http://us.rd.yahoo.com/dailynews/rss/search/alg+ii/SIG=11eeu2ap7/*http%3A//www.jungewelt.de/2007/09-17/022.php)
Betroffener
17.09.2007, 11:37
Das ist kein Vorurteil, sondern die zynische alltägliche Realität.
So ganz mag sich einem Arbeitslosen nicht erschließen, warum nun gerade in der "Jungen Welt" ein solch gefärbter Artikel publiziert wird.
Die "Experten", die dieses Themenfeld beackert haben wollen, hatten da wohl eine ganz spezielle Brille auf.
Das ganze liest sich eher wie mit der Feder des Herrn Schäfer vom IW geschrieben.
Wenn ich das lese wird mir schlecht...
Wieso soll ich Vollzeit für nen Appel und nen Ei arbeiten gehen? Weil ich meine Bedürftigkeit verringern muss? Schwachsinn!
Dass die Unternehmen mehr in der Tasche haben, und Arbeitslose daher gezwungen werden "schlecht bezahlte" jobs anzunehmen? SO ist es!
Es wird doch nurnoch mit Sanktionen gedroht und der Finger gehoben.
Jedem Sachbearbeiter geht es nurnoch um Statistiken, nicht mehr um die Menschen selbst. Einerseits ist es verständlich, weil sonst der eigene Job wackelt, aber andererseits, wo bleibt die Menschlichkeit? Selbst würde er dafür nicht arbeiten gehen!
So präsentiert sich der gemeine Erwerbslose der BA: Sitzt montags in der Sonne, obwohl der eigene Marktwert schwindet, und ist trotzdem nicht mit weniger zufrieden
Tja, wenn Montags mal immer die Sonne scheinen würde... und wenn ich diese Tolle Landschaft vor der Tür hätte würde ich das auch machen... wer nicht?
Man kann nicht 8std am tag mit der Jobsuche verbringen, soviele gibts gar nicht...
Verwundert hat die Experten nicht die absolute Höhe dieser Lohnerwartung, sondern etwas anderes: Die Erwerbslosen zeigten sich in der Befragung zwar bescheiden, aber dennoch wenig einsichtig in die Gesetze von Angebot und Nachfrage.
Die sollten erstmal die Marktwirtschaft lernen...
Nachfrage: 1 job, 2€ die Stunde
Angebot: Niemand
Wenn die Nachfrage dringender wird, dann erhöht sich automatisch auch der Lohn... wenn man soetwas weiss, dann schreibt man soetwas nicht.
Ich möchte wenn ich nen Job finde dafür auch entlohnt werden, dass ich arbeite, und zwar so, dass ich davon leben kann.
Ich bin eine gelernte Fachkraft, und die speisst man nicht mit 2€ die Stunde ab. Laut Tarifvertrag gehts ab 12€ los, und darum sollte es am Anfang auch schwanken und mit steigender Qualifikation auch steigen.
Wieso bei 2€ einsteigen, wenn der Tarifvertrag 5mal so hoch ist?
Lohndumping!
Betroffener
17.09.2007, 13:11
Schau mal hier: Geringverdienern winkt mehr Geld (http://www.ftd.de/politik/deutschland/253846.html)
Da wird der Irrsinn fortgesetzt.
Der Staat muss die Arbeit von Geringverdienern besser honorieren.
Nicht etwa, dass höhere Löhen gezahlt werden - NEIN. Der Staat - also der Steuerzahler - subventioniert und unterstützt weiter die Unternehmen beim Lohndumping.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen, hat erstmals die Pläne von CDU/CSU für einen Lohnzuschuss an Geringverdiener konkretisiert. Seiner Auffassung nach muss der Staat die Arbeit von Geringverdienern besser honorieren.
Arbeitnehmer, die mindestens 30 Stunden in der Woche arbeiten und dennoch nicht von ihrem Verdienst leben können, sollen demnach mehr Geld vom Staat erhalten. "Wir meinen, mit diesem Zuschuss sollte sich der Arbeitnehmer etwas besser stellen als im heutigen System der sogenannten Hartz-IV-Aufstocker", sagte Röttgen in einem Interview der FTD. Die Höhe des Zuschlags wollte er nicht nennen, allerdings solle der Bonus nur für drei Jahre gezahlt werden.
:patsch::patsch::patsch:
Oh man... anstatt das zutun, sollten sie lieber die Gewerkschaften stärken, und in branchen wo das wirklich nicht möglich ist es über den Wirtschaftsminister und einen Beschluß laufen lassen... Dem Hr. Glos wäre das lieber als der Mindestlohn und sie haben ne problemlösung... der sozialstaat wird in dieser sicht einfach zuviel... die leute wollen von ihre eigenen Hände arbeit leben und nicht bei vater staat die hand aufhalten...
Wann lernt die Politik das mal? Mir tut der kopf schon weh vom vielen gegenhauen... das erste Gesetz was ich verabschieden würde daoben wäre:
"In der deutschen Volksvertretung, dem deutschen Bundestag, sollten die Menschen anteilig dem Stand in der Bevöllkerung sitzen."
Meiner Meinung sitzen da nur juristen die gar nicht wissen wie realitätsfern diese Sachen sind!
Betroffener
17.09.2007, 15:29
Da paßt auch gut dazu:
NachDenkSeiten: Nachtrag zum Hamsterfilm des BMF – Leser machen auf dreiste Manipulation aufmerksam (http://www.nachdenkseiten.de/?p=2642)
Da werden die Statistiken manipuliert, daß sich die Balken biegen. Fast wie bei der allseits geschätzten Agentur für Arbeit.
Betroffener
17.09.2007, 15:38
Interessant.
Gerade oben haben wir gelesen, daß die Wirtschaft per Hartz IV Aufstockung ihr Lohndumping subventioniert bekommt und ein neues Gesetz weiter massiv diese Praxis ausweiten soll (nur aus einem anderen Steuertopf bezahlt) - was weitere Milliarden Steuergelder kostet. Und nun das hier ?
Regierung: Subventionsabbaukurs wird fortgesetzt
Dabei geht es fast ausschließlich um die Streichung der "Subventionen", von denen die Bürger etwas hatten und eben nicht überwiegend die Wirtschaft.
Die durfte sich schon bei Schröder über 60 Milliarden Steuererlaß jährlich freuen und Neocon Steinbrück legt noch einmal über 10 Milliarden Steuererlaß oben drauf.
Klar, daß man sich das wieder beim kleinen Mann aus der Tasche zurückholen muß, damit weiter Geld in die Staatskasse fließt und der Umverteilungsprozeß von unten nach oben weiter gut geschmiert läuft.
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hib-Meldung 231/2007
heute im Bundestag - 17.09.2007
Regierung: Subventionsabbaukurs wird fortgesetzt
Haushalt/Unterrichtung
Berlin: (hib/MIK) Die vom Bund finanzierten Subventionen sollen um rund 2 Milliarden Euro auf 21,5 Milliarden Euro im Jahr 2008 zurückgehen. Dies geht aus dem Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der Finanzhilfen des Bundes und der Steuervergünstigungen für die Jahre 2005 bis 2008 (21. Subventionsbericht) hervor, den die Bundesregierung als Unterrichtung (16/6275 (http://dip.bundestag.de/btd/16/062/1606275.pdf)) vorgelegt hat. Damit setze die Bundesregierung ihren Subventionsabbaukurs konsequent fort, heißt es weiter. In der Vergangenheit habe die Rückführung der Finanzhilfen diesen Kurs maßgeblich bestimmt. Nun würden auch die Steuervergünstigungen sinken. Insbesondere mit den Einschränkungen bei der steuerlichen Begünstigung von Biokraftstoffen und beim Sparerfreibetrag setze die Regierung den Kurs des Abbaus von Steuervergünstigungen fort. Zum Abbau der Subventionen des Bundes trage neben diesem Rückgang der Steuervergünstigungen auch eine Rückführung der Finanzhilfen bei. So würden die Finanzhilfen des Bundes von 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 5,7 Milliarden Euro im Jahr 2008 sinken. Die auf den Bund entfallenden Steuervergünstigungen würden mit 15,8 Milliarden Euro im Jahr 2008 um 1,6 Milliarden Euro unter dem Niveau von 2005 liegen.
Mit einem Rückgang von 2,1 Milliarden Euro gegenüber 2005 würden die Subventionen für das Wohnungswesen den größten Anteil am Subventionsabbau haben, heißt es in der Unterrichtung. Sie würden vor allem durch das Auslaufen der Eigenheimzulage deutlich um 35 Prozent reduziert. Die Subventionen für die gewerbliche Wirtschaft hingegen würden von 11,5 Milliarden Euro auf 12 Milliarden Euro ansteigen. Größter Empfänger bei den Finanzhilfen bleibt der Steinkohlebergbau mit zwei Milliarden Euro im Jahr 2008. Die dem Bereich Ernährung und Landwirtschaft und Verbraucherschutz zugeordneten Subventionen gingen von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 0,9 Milliarden Euro im Jahr 2008 zurück. Die Subventionen im Verkehrsbereich blieben in diesem Zeitraum relativ konstant bei 1,4 Milliarden Euro.
Quelle: (http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2007/2007_231/08)
Wenn dann doch noch auf wundersamen Wege die irrsinnige "Bahnprivatisierung" auf den Weg gebracht wird, verschlimmert das weiter die Situation von Millionen Menschen - aber was kümmert das diejenigen, die daran verdienen?
Seebarsch
17.09.2007, 17:16
Sowohl Politik als auch Wirtschaft predigen täglich, dass man sich wirtschaftlich verhalten soll.
Warum sollte also ein Arbeitsloser das Einzige was er hat, nämlich seine Arbeitskraft, unter Wert verkaufen.
Derjenige, der Arbeiten geht und einen Lohn erzielt, der unter der staatlichen Transferleistung liegt oder gleich hoch ist, verhält sich dann grob unwirtschaftlich.
Kurz gesagt: Warum soll ich meine Arbeitskraft verschwenden, wenn ich das selbe Geld auch ohne Einsatz der Arbeitskraft erhalte?
:razz:
Betroffener
17.09.2007, 22:48
Hallo Seebarsch,
jein - das trifft zwar einen Punkt, es gibt aber leider noch viele andere.
Meines Erachtens ist hier ziemlich treffend beschrieben, was sich derzeit (erneut) abspielt in Deutschland und auch in der EU:
Auslaufmodell Demokratie (http://www.hinter-den-schlagzeilen.info/pm/comments.php?id=P4571_0_1_0_C)
Auf dem Weg in eine postdemokratische Gesellschaft
Die repräsentative Demokratie ist gescheitert, wenn die Repräsentanten das „demos“ (Volk) nicht mehr repräsentieren, sondern es zur Unterwerfung unter die Interessen einer dritten Kraft aus dem Wirtschafts- und Finanzsektor zwingen. Natürlich verkündet kein Politiker offen, er werde jetzt die Demokratie abschaffen. Die Menschen dürfen noch immer wählen, was sie wollen, solange sie nur das denken können, was sie sollen. Die Hauptaufgabe „demokratisch gewählter“ Politikern besteht in einem solchen System paradoxerweise im Demokratieabbau, also in der Begrenzung demokratischer Bürgermacht auf das für die Finanzoligarchie Unschädliche.
weiterlesen ... (http://www.hinter-den-schlagzeilen.info/pm/comments.php?id=P4571_0_1_0_C)
Kurz gesagt: Warum soll ich meine Arbeitskraft verschwenden, wenn ich das selbe Geld auch ohne Einsatz der Arbeitskraft erhalte?
Sehe es aber genauso... nur leider werden Leute durch ALG II gezwungen genau das zumachen, und das ist unser Problem... die Arbeit müsste trotzdem gemacht werden, und wenn sie zu dem Preis keiner macht, müssen die Firmen halt mehr zahlen... bietet sich bei ZA's niemand mehr an, machen sie zu...
Das Volk hat es in der Hand, wird aber durch die engen Sanktionierungsgrenzen des ALG II geschwächt... Kommt hier ne Gesetzesänderung, dann würde sich keiner mehr unter Wert verkaufen.
ratsuchende
19.09.2007, 17:19
Hallo Betroffener!
Der Link funktioniert nicht mehr....
Dem mir sichtbaren Beitrag kann ich aber nur zustimmen. Nur sagen darf man das alles nicht, daß wir uns nicht mehr in einer Demokratie befinden oder diese eben im Begriff ist, zu verschwinden...
Wir können von der Wirtschaft infiltrierte Hampelmänner wählen. Macht von denen mal einer den Mund zu weit auf und schlägt sich aktiv, mit Taten verbunden, auf die Seite der Bürger, wird er durch Mobbing und mit Hilfe der Presse abgesägt. Sind die Politiker dann im Ruhestand, dürfen sie dann wieder etwas mehr sagen, auch öffentlich, damit der Bürger, der die Ex-Politiker ja immer noch mit der jeweiligen Partei verbindet, in die Irre geführt wird. Man soll ja denken, daß die Sprüche der Ex-Politiker auch der aktuellen Parteilinie entsprechen, dem ist aber nun nicht so. Deshalb treten diese ja auch recht gern in den bekannten Talkshows auf...
Betroffener
19.09.2007, 20:09
Sorry,
aber da wurde der Link geändert. Jetzt geht es wieder.
Überhaupt eine sehr interessante Seite - wie ich finde.
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