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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mobbing, keine Ahnung was tun?!


Lilith
14.05.2006, 10:34
Hallo!
Meine Mutter hat feste Arbeit, angefangen hat sie auf 400-€-Basis, wurde dann richtig eingestellt. Jetzt wird sie seit drei Wochen vom Chef übelst gemobbt, die anderen vier Kollegen auch, einer nach dem anderen rennt heulent aus dem Büro. Meine Mutter muss noch bis Ende Juli durchhalten, damit sie wieder Anspruch auf ALG I hat, ALG II will sie auf keinen Fall, es würde nicht reichen und sie befürchtet, dass sie es so und so nicht bekommen würde, weil ihr Mann noch gute Arbeit hat. Sie hat noch 5 Wochen Urlaub und eine Kündigungsfrist von einem Monat. Ich hab geraten, noch so lange hinzugehen, wie es möglich ist, evtl. nochmal versuchen, mit dem Chef zu reden, wenn das nicht geht, sich so lange Krankschreiben (wegen seelischer Belastung) und seine Kündigung abzuwarten, dann in der Frist den Resturlaub einzufordern, damit sie den Menschen nicht nochmal wieder sehen muss. Aber ist das so überhaupt möglich? Sie sucht auch nach einem neuen Job, aber bis jetzt hat sie nichts gefunden.
Kann man so einen Menschen nicht anzeigen?
Ich wäre sehr dankbar über Hilfe!

Lilith

StephanK
14.05.2006, 12:36
Anzeigen dürfte ziemlich nutzlos sein: Mobbing als solches ist nicht strafbar, nur einzelne Elemente, die zu Mobbing gehören können wie Beleidigung, üble Nachrede oder Verleumdung. Das einzig nützliche kann darin liegen, dass eine Anzeige gegenüber der Arbeitsagentur dokumentieren könnte, wie unerträglich die Situation geworden ist. Die verbleibenden zehn (oder fünf) Wochen würde eine Anzeige aber nicht erleichtern.

Wenn sie kündigt, "blüht" ihr eine Sperrzeit von zwölf Wochen wegen Arbeitsaufgabe, während derer sie ersatzweise nur eine um 30 % abgesenkte Alg II-Regelleistung bekäme (also monatlich nur 242.- € plus Miete). Allerdings gehört Mobbing zu den Ausnahmen, die unter dem Stichwort "wichtiger Grund" eine Eigenkündigung rechtfertigen können. Das Problem dabei ist, dass die Arbeitnehmerin diese Gründe nachweisen muss - und Mobbing läuft oft eben so ab, dass man "nichts in der Hand hat".

Das Problem ist bei der Bundesagentur für Arbeit nicht unbekannt; deswegen hat sie eine Art Prüfschema für ihre Mitarbeiter aufgestellt, nach dem der "wichtige Grund" in Mobbing-Fällen abgefragt werden soll. Diese interne Dienstanweisung ist öffentlich zugänglich (PDF-Datei) (http://www.my-sozialberatung.de/files/da3s144.pdf); die entsprechende Passage ist auf (PDF-)Seite 46 ff. nachzulesen.

Man braucht also leider auch "danach" gute Nerven für den Umgang mit der Bundesagentur... :roll:

Im übrigen: was Du schreibst ist ein bisschen untypisch, denn Mobbing funktioniert meistens so, dass EINE/R rausgegriffen und "fertig gemacht" wird. Hier scheint der Chef es aber gleich auf mehrere abgesehen zu haben. Wenn die sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, fest zusammenhalten und ihm mal gemeinsam die Meinung geigen, könnte das vielleicht das "reinigende Gewitter" sein, das dem Spuk ein Ende macht - ohne kündigen zu müssen. Nur mal so 'n Gedanke...

Die Ägypter
14.05.2006, 14:33
Hallo,

führt sie ein Mobbingtagebuch? Ansonsten ist das dringend angeraten. Das ist eine Art Aufzeichnung über Vorfälle = wann was passiert... ein Gedächtnisprotokoll.

Auch muss die Firma eine Chance erhalten, das Mobbing abzustellen - dass kann sie nur, wenn sie Kenntnis über diese Vorfälle erhält.

Fragen: hat das Unternehmen einen Betriebsrat? Hat der Chef auch noch einen Chef?

Wenn der Chef der einzige im Betrieb ist, der was zu sagen hat, handelt es sich um Bossing... und da bleibt m.E. nur Krankmeldung (durchgehend!!!!) wegen psychischer Dauerbelastung bis der Betrieb den med. Dienst über die Krankenversicherung anfordert und auch krankheitsbedingt kündigt.

Lilith
14.05.2006, 16:11
Danke für die Antworten!
Die Firma war in Insolvenz und wurde von jemand anderem übernommen. Er ist noch Chef, aber sicher hat er jetzt selbst einen Vorgesetzten, ich weiß es leider nicht genau. Dort arbeiten auch nur vier Leute, also ist kein Betriebsrat vorhanden. Er ist wahrscheinlich tierisch gestresst, weil alles den Bach runter geht und lässt seinen Frust an allen anderen ab, behauptet, er ist die arme Sau. Er hatte auch schon versprochen, sich zu bessern und nicht mehr zu schreien, aber das hielt nur drei Tage an. Meine Mutter hat jeden Tag Bauchschmerzen, wenn zuhause das Telefon klingelt, wird ihr gleich ganz anders, weil sie Angst hat, dass er sie wieder anschreit weil sein Kram nicht zu finden ist.
Vielleicht sollten alle Angestellten mal zwei Tage krank sein, damit er sieht, was er an ihnen hat. Aber er scheint so gefrustet zu sein, dass nach zwei Tagen wieder alles Gesagte hinfällig ist. Sie möchte gern durchhalten, aber selbst wenn sie es bis Ende Juli schafft und dann kündigt, ist es ja trotzdem ungünstig. Ich werd ihr das mit dem Tagebuch auf jeden Fall raten. Halte ich auch für sinnvoll.

MfG, Lilith

geradeaus
14.05.2006, 16:38
Hallo,
Deine Mutter soll sich das auf keinen Fall gefallen lassen.
Ich hatte mal eine Kollegin ,die unbegründet und in einem frechen lauten Ton mich anmachte,da hab ich ihr gleich gesagt,das ich mir diesen Ton verbitte.
Wen er was zu sagen hat,kann er das auch freundlich machen.
Deine Mutter muss ihm klipp und klar die Grenzen setzten,was glaubt er denn wer er ist.
Alles ganz deuitlich und bestimmt sagen. Man muss ihn in die Schranken weissen.Einziges Rezept .