PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitsrecht: Liberale wollen Kündigungsschutz lockern


Betroffener
16.05.2006, 22:54
Wegen solcher Ideen war vor kurzem halb Frankreich im Generalstreik und die halbe Republik auf der Strasse.

Aber in Deutschland ist sowas alles kein Problem ...
__________________________________________________ ___________

hib-Meldung - 148/2006 - Datum: 16.05.2006
heute im Bundestag - 16.05.2006

Liberale dringen auf Lockerung des Kündigungsschutzes

Arbeit und Soziales/Antrag

Berlin: (hib/MPI) Die FDP-Fraktion unternimmt einen neuen Anlauf zur Lockerung des Kündigungsschutzes. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit gebe es in diesem Bereich einen "besonderen Reformbedarf", schreiben die Liberalen in einem Antrag (16/1443 (http://dip.bundestag.de/btd/16/014/1601443.pdf)). Die bestehende Regelung schütze zwar die Inhaber eines Arbeitsplatzes, erschwere aber Arbeitsuchenden den Einstieg in einen Job. Die FDP verlangt, dass der allgemeine Kündigungsschutz erst nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit Anwendung findet. Einführen will sie die Möglichkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, bereits bei Vertragsabschluss Vereinbarungen für den Fall einer betriebsbedingten Kündigung zu treffen. Statt des gesetzlichen Kündigungsschutzes könnten dann Abfindungszahlungen oder Zahlungen von Weiterbildungsmaßnahmen vereinbart werden. Von einem solchen Vertragsoptionsmodell profitierten Arbeitgeber und Arbeitnehmer, schreiben die Liberalen. Arbeitgeber könnten Arbeitsverhältnisse rechtssicher und ohne unkalkulierbare Kosten beenden, Arbeitnehmer erhielten verlässlich eine Abfindung oder eine Qualifizierung, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhe.

Ferner setzen sich die Abgeordneten dafür ein, dass der Kündigungsschutz erst in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern greift. Bislang liegt dieser Schwellenwert bei zehn Arbeitnehmern. Darüber hinaus müsse das Lebensalter als Kriterium für die Sozialauswahl bei betriebsbedingten Kündigungen gestrichen werden, da diese Regelung die Einstellungschancen älterer Arbeitsloser auf dem Arbeitsmarkt erheblich beeinträchtige. Die FDP fordert weiter, Befristungen von Arbeitsverträgen ohne sachlichen Grund bis zu vier Jahren zu ermöglichen. Auf diese Weise könnten auch bei Ungewissheit über die zukünftige Auftragslage Arbeitsplätze geschaffen werden, heißt es zur Begründung. Zudem müsse das derzeitige Verbot aufgehoben werden, dass ein Arbeitnehmer nicht mehr ohne sachlichen Grund befristet eingestellt werden darf, der bereits beim selben Arbeitgeber beschäftigt war.

Die Ägypter
16.05.2006, 23:00
... für mich ist ohnehin unverständlich, was das alles soll - z.B. wird eine Frau nach ihrer Ausbildung, da im gebährfähigem Alter - ohnehin nur befristet eingestellt - teils mit vorgeschalteter Probezeit - ich kenne kaum noch jemanden mit "festem" Vertrag - dafür haufenweise "Leute" (auch Männer....), die sich von einer Befristung zur nächsten Verlängerung "schleppen" und teils sind die Intervalle so kurz, dass man sich mit der Verlängerung auch gleich noch arbeitssuchend melden muss (3-Monats-Frist)...

Betroffener
16.05.2006, 23:10
Ich sehe dass auch als Einstieg in die Entrechtung von Arbeitsplatzbesitzern und insbesondere von Älteren gerade in Bezug auf die angesprochenen Sozialauswahl.

Das hat im ersten Schritt keine grosse Relevanz, da es eigentlich nur die derzeitige Praxis wiederspiegelt, gerade ab 50 Jahren die Leute auszugliedern und ab 45 Jahren aufwärts gibt es aktuell kaum noch Neu-Einstellungen ausserhalb der Führungsebenen.

Die gleiche Linie soll auch "weiter unten" möglich werden - dann braucht es weniger "befristete" Verträge sondern die können dann einfach mangels Kündigungsschutz beendet werden - was unterm Strich nur eine andere Benennung ist. Es könnte aber mit "unbefristeten" Neueinstellungne geglänzt werden, die aber mangels Kündigungsschutz auch nicht mehr wert sind wie die "Fristenlösungen".

Die Ägypter
16.05.2006, 23:29
Die Entrechtung findet doch schon seit Jahren statt... ein schleichender Prozess...

Erst Wegfall von Begünstigungen

dann Wegfall von Urlaubs- und Weihnachtsgeld

dann auf einmal fast nur noch rein gesetzliche Grundlagen für Arbeitsverträge

Lockerung des Kündigungsschutzes....

Dann auf einmal Gegensteuern wollen... in dem die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wieder eingeführt wurde...

nicht zu vergessen die vielfach von Arbeitnehmern hingenommene, nicht rechtskonforme Entrechtung...

- Probezeitverlängerungen bis Anno Tok
- Befristungen, die nicht oder nicht mehr zulässig sind
- keine Arbeitsverträge
- Lohnkürzungen ohne Änderungskündigungen
- Kündigungen am Arbeitsvertrag und Arbeitsrecht vorbei
- unregelmäßige Gehaltszahlungen
- verspätete Gehaltszahlungen
- unvergütete Überstunden

und und und.....

Und die Menschen werden über Hartz IV indirekt "erzogen", man nimmt es halt hin, um den Arbeitsplatz zu behalten, schleppt sich krank zur Arbeit - verzichtet wie ich auf Mutterschutz, lässt die 20. AV-Verlängerung zu, obwohl man weiß, sie ist nicht rechtens...

Weil.... "da draußen" stehen locker 100 Leute, die den Job den du gerade machst - genausogut machen oder sogar noch besser...

Wir können auch theoretisieren, bis der Arzt kommt... der Markt bestimmt, was gefordert werden kann und was hingenommen wird - Angebot und Nachfrage...

Und wenn ein AG eine Fachkraft mit 5 Fremdsprachen bekommen kann, die auch Sonntags unbezahlt im Büro sitzt, warum sollte er dann nur eine einfache Bürokauffrau einstellen?

Das Ganze wird sich noch verschärfen :evil: