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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ausziehen - Praktikum - Ausbildung


Kristoff
10.11.2007, 11:51
So, Hallo die Herren und Damen.
Erstmal ein großes lob. Durch das viele lesen hier ist mir einiges klar geworden, zwar nicht wirklich viel 'Mut-machendes' aber immerhin.

Ich will hier kurz meine situation beschreiben und hoffe das mir jemand meine möglichkeiten aufzeigen kann.

Ich bin 24 Jahre alt, bei meinem Vater Wohnhaft (im wohnzimmer auf der couch), ohne eine Abgeschlossene Ausbildung und, leider, ohne besonders viel Geld.
Ich habe bisher weder irgendwelche Leistungen bezogen noch bin ich beim Amt als suchend gemeldet.
Aus meinen eigenbemühungen vom anfang bis mitte 2007 ist kürzlich tatsächlich eine Zukunftsperspektive, in form eines Ausbildungsplatzes erwachsen.
Allerdings 525km entfernt, in berlin. Vorher SOLL ich dort ein bezahltes Praktikum ableisten.

Folgende Problematik besteht jetzt für mich,
Ich bin u25 (noch bis April 2008), müsste 525km Umziehen um erstmal NUR ein (6-8monatiges) praktikum anzutreten und hab keine Idee wie ich das finanzieren soll. Erstmal die Reisekosten, die kaution für die neue Wohnung, den Umzug und dann das wichtigste, die Monate während des Praktikums, denn das Praktikanten-gehalt deckt maximal 50% meines bedarfs.

Bisher war mein Plan folgender:
1. Praktikumsvertrag besorgen indem steht dass das praktikum in eine Ausbildung Mündet.
2. Damit zum Amt, mich 'Ausbildungsplatz Suchend' melden, um überhaupt ansprüche zu haben.
3. Mir den Auszug aus dem Elternhaus erlauben lassen, zwecks antritt einer Sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (die ausbildung).
4. Wohnung in Berlin suchen und Vorvertrag abstauben.
5. Mir die angemessenheit der Wohnung vom Amt bestätigen lassen, zwecks übernahme der KDU.
6. Wohnung Mieten
7. Umziehen
8. Alg2 beantragen und Praktikum anfangen gefolgt von der Ausbildung.

Meine fragen dazu:
Zu 1.: Reicht das Praktikum mit Ausbildungs aussicht aus, das die mir den umzug bewilligen?
Für mich logisch, weil letztendlich das ganze zu einer Sozialversicherungspflichtigen beschäftigung führt, bzw Berufsausbildung.

Zu 2.: Da ich viel über sofortmaßnahmen schon bei 'Suchend-Meldungen', vor allem im U25 bereich, gelesen habe, wie hoch ist die Chance dass mir das Amt da unverzüglich irgendwas aufdrängt, oder mir anderweitig einen Strick draus dreht?

Zu 3.: An welcher stelle kann ich am ehesten mit Leistungen rechnen (Mobi), Umzug, Kaution? Und muss ich das hier, oder in Berlin beantragen?

Zu 5.: Wo beantrage ich das? Hier? Oder in Berlin?

Zu 7.: Wie hoch ist die Chance das ich überhaupt das Alg2 während des Praktikums bekomme? Können die mich evtl. durch Maßnahmen zwingen das abzubrechen, und dadurch meinen Ausbildungsplatz aufzugeben?


Kurz noch zu meiner Finanziellen Lage:
Gelder sind vorhanden :razz: aber leider nicht sonderlich üppig. Den umzug und die Kaution könnte ich quasi vorleisten, bzw eines davon zahlen. Aber was dann, wenn mir das Alg2 während des Praktikums nicht gewährt wird?
Ich bin da jetzt leider völlig ratlos.
Wie wäre das alles am einfachsten UND sichersten zu realisieren?

Private Situation:
Meine lebensumstände derzeit sind nicht wirklich menschenwürdig, da ich mit einem lethargisch-depressiven, pegel-alki zusammen Wohne, der zwar geld verdient, aber eigentlich noch mehr schulden macht. Mein Vater.
Obendrein schafft er es geschickt die komplette familie (getrennt lebende frau, und noch weitere 2kinder) in finanzieller abhängigkeit zu halten, und zwar in der form das man für jeden groschen (selbst wenn er einem zusteht) betteln muss.
Es gibt ständig widersprüchliche aussagen über die geldlage, und mir wurde klipp und klar gesagt das wenn ich wieder von im wegzieh er mir dabei keinerlei unterstützung zukommen lässt.
Verklagen will, und kann, ich ihn nicht da er mehrfach und mit nachdruck gedroht hat das er in einem solchen falle lieber sozialleistungen kassiert oder sich vor einen zug schmeisst als irgendwelchen unterhalt zu zahlen.
Und das würde dann ALLE in unsrer Familie treffen. Finanziell und, tja, emotional eben auch, ist und bleibt ja der Vater bzw Ehemann.
Naja, zur Familären Situation könnte ich hier noch Romane schreiben, ist alles in allem nicht besonders hübsch, inklusive Anwälten, Drogen, Blut und chronischen Krankheiten (nicht bei mir, ich bin als einziger kerngesund!).
Aber das soll ja auch nur verdeutlichen das ich von der seite nichts erwarten kann.

StephanK
10.11.2007, 13:44
:welcome: Kristof,
die Situation ist nicht gerade einfach, zumal berufliche und persönlich-familiäre Probleme sich mischen und teilweise auch wechselseitig bedingen.

Deinen Plan finde ich im Prinzip recht gut; es scheint, dass Du dabei auch die besonderen Hürden bedacht hast, die für unter 25jährige bestehen, wenn sie eine eigene Wohnung finanziert haben wollen.

Zu Deinen einzelnen Fragen:
1) Das Problem dürfte darin liegen, dass es um die schiere Aussicht auf einen Ausbildungsplatz geht, aber keine feste Zusage besteht nach dem Strickmuster "wenn Praktikum erfolgreich, dann Ausbildungsplatz". Du hast nicht verraten, wer dieses Praktikum anbietet; wenn es sich dabei nicht einfach um einen Betrieb handelt, sondern um irgendeinen Bildungsträger, Jugendwerk oder eine ähnliche Einrichtung dürften die Chancen größer sein, dass die ARGE das unter die Überschrift Eingliederung in den Arbeitsmarkt packt und als dafür erforderlich ansieht (siehe den Wortlaut von § 22 Abs. 2a Nr. 2 SGB II (http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__22.html)). Verhandlungssache wird es aber so oder so werden, und Du solltest Deinen Schwerpunkt dann darauf legen, dass das eben 'ne Chance ist, zwar spät aber doch noch zu einer Ausbildung zu kommen, die halt "zufällig" sich nur weit weg bietet. Die Motivation, der häuslichen Misere zu entfliehen ist für die ARGE leider gerade kein Argument, weil das Gesetz Dich nun mal bis 25 am heimischen Herd halten will...

2) Die Chance besteht leider und sie ist um so größer, wenn Du den Eindruck der Orientierungslosigkeit vermittelst. Deswegen wäre es wohl klug, "mit der Tür in's Haus zu fallen" und gleich von vornherein Deine konkreten Ausbildungsabsichten aufzutischen, gerade weil es bei Deiner bisherigen Biographie (jedenfalls das, was Du hier verrätst) wohl kein Fehler wäre, Deine Entschlossenheit besonders zu betonen, dass Du jetzt "durchstarten" willst. Ein 1-€-Job oder irgendwelche Trainingsmaßnahmen würden Dich dabei eher ausbremsen - und damit wäre niemandem gedient.

3 und 5) Alles am jetzigen Wohnort, aber der Umzug muss dafür als notwendig anerkannt werden, d.h. Du musst die örtliche ARGE wirklich überzeugen, dass es vor Ort keine brauchbare Alternative gibt; nur die Übernahme einer Kaution musst Du in Berlin beantragen.

7) Schwierige Frage! Wenn Dir der Ausbildungsplatz sicher und schriftlich in Aussicht gestellt wird, falls Du das Praktikum erfolgreich absolvierst, könnte das klappen. Umgekehrt wird es um so schwieriger, je wolkiger und unverbindlicher die Aussichten auf den Ausbildungsplatz tatsächlich sind (mit solchen Vorpraktika wird leider viel Schindluder getrieben...).

Weil Deine Situation wirklich nicht ganz unkompliziert ist und die Möglichkeiten eines Internet-Portals begrenzt wäre es vielleicht ganz gut, wenn Du auch eine persönliche Beratung in Anspruch nimmst. Da Du Deinen Wohnort nicht angegeben hast, kann ich Dich nur auf eine Liste für ganz NRW (http://www.my-sozialberatung.de/baseportal/my-sozialberatung.de/baseportal.pl?htx=/my-sozialberatung.de/adressen&Bundesland~=Nordrhein-Westfalen) verweisen.

Kristoff
10.11.2007, 14:32
Oh Prima, eine schnelle Antwort!

Das Praktikum und die Ausbildug würde ich einen (recht großen) betrieb leisten. Zu einem Mitarbeiter dort hab ich einen guten draht und so das gefühl das die wohl da recht individuell verhandeln würden.
Für den Praktikantenvertrag hatte ich eine formulierung wie etwa
" Nach erfolgreichem abschluss wird der Praktikant in ein Ausbildungsverhältnis übernommen ", oder ähnlich, im Kopf.
Also Quasi unmissverständlich das aufs Praktikum eine Ausbildung folgt.
Das sollte ja für den Betrieb nicht so hart sein, da ich ja sowohl im Praktikum als auch in der probezeit der Ausbildung kündbar bin.
Leider ist der wirklich verantwortliche und entscheidungstragende im betrieb momentan nicht verfügbar. Darum muss ich erstmal abwarten bis der wieder auftaucht und ich was konkretes habe.

Ich hab mich dieses jahr ziemlich umfangreich beworben, sowohl hier, als auch in einigen anderen großstädten in ganz deutschland, man hört ja immer das man heutzutage flexibel sein muss.
Das ding dabei ist jetzt, ich bin recht früh dran. Die meisten betriebe sammeln jetzt bewerbungen und picken sich dann die leute raus.
Die sache in berlin wäre das einzige konkrete bisher.

Zusätzlich hatte ich das so verstanden das ich BAB nur bekomme wenn ich während der ausbildung NICHT im elternhaus unterkommen kann ( oder schwanger/verheitratet oder so, das hatte ich so schnell nicht vor :D ).
Wenn ich jetzt aber noch a) bis mitte 2008 und dann noch 3jahre bis nach der ausbildung hier im Wohnzimmer wohnenbleiben muss, ist wohl oder übel mit... ähm... schäden *räusper* zu rechnen.
Diese 'schwerwiegenden sozialen gründe' die mich eventuell berechtigen würden doch auszuziehen sehe ich persönlich, und auch alle leute die meine situation näher kennen definitiv als gegeben.
Nur liegt da die beweislast bei mir. Und so geschichten wie psychologisches gutachten, Jugendamt was vorbeikommt und reinschaut wies hier aussieht, das sind alles sachen die würde mein vater mitbekommen und was dann passiert will ich garnicht wissen.

Jetzt wirds richtig fies: Persönliche beratung und warum ich nur sage das ich NRW wohne.
Eben genau dieser erzeuger der mein hauptsächliches problem darstellt ist unter anderem auch in dieser szene aktiv, kennt viele berater, und ist auch bekannt. Und viele viele viele menschen halten ihn für einen vorbildlichen vater, erzieher und überdurchschnittlich sozialen menschen. Hier ists ganz wichtig den schein zu wahren :engel:
Ich werd daher wohl oder übel das erstmal alleine hinkriegen müssen, und wenigstens bis der Herr Vater seinen teil der BAB unterlagen ausgefüllt hat warten müssen bis ich da irgendwie Negativ auffällig werde da er mir dann wohl selbst eine simple unterschrift verweigern wird, und das thema klagen hatte ich oben ja schon, das würde obendrein auch noch alles zusätzlich zeit und kraft kosten, die ich dann doch lieber währenddessen in meine Ausbildung / Zukunft stecke.

Also nochmal kurz:
" Nach erfolgreichem abschluss wird der Praktikant in ein Ausbildungsverhältnis übernommen " im Praktikumsvertrag? Oder gibts da noch besseres? Acht monate vor ausbildungsbeginn bereits nen Vertrag darüber zu verlangen, da weiß ich ja nicht ob der betrieb das mitmacht.
Ausserdem würde das meinen 'frühen' umzug nicht begründen. Praktikum in dem betrieb und dem bereich in dem ich ausgebildet werde halte ich irgendwie für wichtiger als ein halbes jahr callcenter und dann vielleicht garkeine Ausbildung.

Falls also mein Umzug als Notwendig anerkannt wird, wie hoch sind dann die chancen das mir evtl danach Umzugskosten, kaution oder dann der alg2 bezug während des praktikums nicht anerkannt wird?

Auf jedenfall schonmal danke für die schnell reaktion.

StephanK
10.11.2007, 16:11
Für den Praktikantenvertrag hatte ich eine formulierung wie etwa " Nach erfolgreichem abschluss wird der Praktikant in ein Ausbildungsverhältnis übernommen ", oder ähnlich, im Kopf.Wenn Du das so oder ganz ähnlich in den Vertrag hineinbekommst dann werden damit mehrere Probleme gleichzeitig gelöst oder jedenfalls lösbar. Damit könntest Du sowohl die Hürde "Umzug für die Ausbildung (und damit für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt) erforderlich" nehmen als auch die, dass der Umzug notwendig (das ist noch ein bisschen "mehr" als erforderlich) sein muss, damit Umzugskosten und Kaution übernommen werden können.

Ob der Betrieb das ohne weiteres mitmacht kann ich natürlich nicht vorhersagen (meine Kristallkugel wird gerade geputzt :wink: ), aber den "guten Draht" kannst Du ja auch dazu nutzen, diese ARGE-Abhängigkeiten zu erklären und dass Du ohne eine solche Erklärung weder Wohnung noch Umzug bezahlt bekommst und deswegen gar nicht anfangen könntest. Du kriegst das auch hin, das trocken-sachlich zu erklären und den Appell an's Mitleid in Untertönen unmerklich so zu verstecken, dass er wirkt, aber nicht auffällt.

Die sache in berlin wäre das einzige konkrete bisher.Na ja... vielleicht schaust Du Dich auch noch anderswo um. Alles auf eine Karte zu setzen könnte halt auch bedeuten, dass noch längere Wartezeiten entstehen, und das ist weder für Deinen Lebenslauf gut noch (bist für 'nen Azubi ja nicht mehr der jüngste...) noch in Anbetracht der häuslichen Situation.

Zusätzlich hatte ich das so verstanden das ich BAB nur bekomme wenn ich während der ausbildung NICHT im elternhaus unterkommen kann ( oder schwanger/verheitratet oder so, das hatte ich so schnell nicht vor).Richtig. Unter diesem Gesichtspunkt ist Berlin natürlich "weit genug weg"...

Diese 'schwerwiegenden sozialen gründe' die mich eventuell berechtigen würden doch auszuziehen sehe ich persönlich, und auch alle leute die meine situation näher kennen definitiv als gegeben.Die Beweisprobleme beschreibst Du zutreffend. Aber dieser Begründungsweg wäre nur der zweitbeste. Die Erforderlichkeit eines Umzuges zur Berufsausbildung allein reicht schon; das schwerwiegende Sozialgedöns wäre eine eigenständige Begründung, die in Deinem Fall - weil Du nicht sofort in die "richtige" Ausbildung gehst, sondern das Praktikum vorgeschaltet ist - vielleicht unterstützend sinnvoll ist, aber in den Vordergrund und Mittelpunkt würde ich die Ausbildung stellen, denn das ist ja auch eine Perspektive, aus dem Alg II-Bezug herauszukommen - und das ist das oberste Ziel. Das würde Dir auch irgendwelchen Tingeltangel mit Jugendamt & Co ersparen.

Jetzt wirds richtig fies: Persönliche beratung und warum ich nur sage das ich NRW wohne. (...)Verstehe... Ich hatte mich bei Deinem ersten Beitrag auch gewundert, weil mir Deine Ausdrucksweise nicht dazu zu passen schien, wie Du Deine familiäre Herkunft beschriebst. Aber es gibt auch Verwahrlostung auf hohem Niveau... und Du bist ein Stück weit gezwungen, an der Schein-Wahrung mitzuwirken. :?

BAB wird's halt leider erst geben, wenn das Praktikum in eine reguläre Ausbildung mündet; bis dahin bleibt nur Alg II, und da wird die Frage im Raum stehen, ob die ARGE sich das Geld, das sie Dir zahlt, vom Vater zurückholt. Aber dann bist Du hoffentlich in Berlin und den Reaktionen darauf nicht mehr direkt ausgesetzt.

"Nach erfolgreichem abschluss wird der Praktikant in ein Ausbildungsverhältnis übernommen " im Praktikumsvertrag? Oder gibts da noch besseres? Acht monate vor ausbildungsbeginn bereits nen Vertrag darüber zu verlangen, da weiß ich ja nicht ob der betrieb das mitmacht.So wäre es die Maximal-Formulierung; vielleicht lässt sich nur ein "beabsichtigt der Betrieb, Herrn X in ein Ausbildungsverhältnis zum <Berufsangabe> zu übernehmen" herausholen, was hoffentlich auch ausreichen würde. Aber je konkreter und je "fester geklopft", desto besser.

Falls also mein Umzug als Notwendig anerkannt wird, wie hoch sind dann die chancen das mir evtl danach Umzugskosten, kaution oder dann der alg2 bezug während des praktikums nicht anerkannt wird?Das hängt alles miteinander zusammen. Ich hielte es für wenig wahrscheinlich, dass jemand sagt: na ja, 'ne eigene Wohnung braucht er, aber ein richtiger Umzug ist nicht nötig. Man hat zwar schon Pferde :kotz: sehen und Behörden sich selbst widersprechen gehört, aber wenn ein denkender Mensch das entscheidet, sollte es damit eigentlich keine Probleme geben.