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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigenkündigung mit 55 Jahren, Rente erst mit 60 !!


uschisiggi
26.05.2006, 18:22
Hallo,
nach über 36 Jahren ununterbrochener Berufstätigkeit erwäge ich zum Herbst ( im Alter von dann knapp 56 Jahren ) eine Eigenkündigung, weil ich es in meinem Arbeitsbereich " nicht mehr aushalte". Ich weiß, dass ich mich sofort arbeitslos/suchend melden muss und rechne auch mit einer 12 wöchigen Sperre. Als weibliches Wesen rechne ich allerdings nicht wieder mit einem neuen Job. Was "erwartet" mich dann noch an Sanktionen von der AfA ? Bin ich verpflichtet, die Gründe meiner Kündigung darzulegen ? Als derzeitige Alternative käme noch die Beantragung von Altersteilzeit in Frage. Dann müsste ich aber noch über 2 Jahre aktiv in meiner Firma arbeiten und davor graut mir.
Danke für Infos / Bedenken aller Art
uschisiggi

Die Ägypter
26.05.2006, 19:03
Würde ich nicht tun...

Ganz knallig formuliert - sie versuchen dich rauszumobben oder rauszubossen (=?)... dann solltest du versuchen, eine Abfindung zu erhalten, also lass dich kündigen...

Alternativ - wenn Bossing oder Mobbing vorliegen; führe ein Tagebuch über die Vorfälle, die ggf. sogar eine Eigenkündigung rechtfertigen könnten.

uschisiggi
26.05.2006, 20:24
@ nefertari1968
Danke für eine erste schnelle Reaktion. Den Tipp mit dem "Tagebuch" werde ich sofort aufgreifen und entsprechende Notizen machen.
uschisiggi

Seebarsch
26.05.2006, 22:05
Verständlich ist die Sache, kann aber gefährlich werden.
Zunächst ist zu bedenken, dass die Höchstanspruchsdauer für das Arbeitslosengeld 18 Monate dauert.
Im Falle einer Sperrzeit wird diese noch einmal um 1/4 = 4,50 Monate gemindert.
Bei einer Eigenkündigung tritt in der Regel eine Sperrzeit von 12 Wochen ein. Die Sperrzeit tritt nicht ein, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. In Ihrem Falle würde ich da mal gesundheitliche Gründe sehen. Das bedeutet, wenn Ihnen Ihr behandelnder Arzt zeitnah bescheinigt, dass Sie die Tätigkeit in dem Betrieb aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, liegt der wichtige Grund vor. Als Folge würde die Sperrzeit nicht eintreten.
Wenn Sie jedoch schon jetzt so gesundheitlich eingeschränkt sind, warum feiern Sie dann nicht krank und beziehen Krankengeld. Der Krankengeldbezug dauert max. 78 Wochen und würde Sie mit den 18 Monaten Alg bedeutlich näher an die 60 und damit an die Rente bringen.
8) :P 8)

Die Ägypter
26.05.2006, 22:16
Der Krankengeldbezug dauert max. 78 Wochen und würde Sie mit den 18 Monaten Alg bedeutlich näher an die 60 und damit an die Rente bringen.


jup - aber wichtig ist eine Krankmeldung, die immer wieder fortlaufend erneuert wird und zwar über die 6 Wochen Lohnfortzahlung des AG hinaus, auch nur ein Tag Gesundschreibung dazwischen und die Rechnung geht gar nicht auf!

Damit zu rechnen ist dann, dass entweder der AG (Antrag an die KV) oder aber die KV selbst, den med. Dienst zur Begutachtung einschaltet. Das ist aber auch nicht so megaschlimm, halt eine normale ärztliche Untersuchung und sollte es sich um krankmachendes Mobbing/Bossing handeln, stehen die Chancen recht gut, das auch der med. Dienst eine Gesundschreibung nicht befürwortet sondern vielleicht sogar eine Kur oder ähnliches zwecks Erholung und Gesundung anrät!

uschisiggi
27.05.2006, 23:54
@ seebarsch
wie verstehe ich denn die Antwortpassage
"Im Falle einer Sperrzeit wird diese noch einmal um 1/4 = 4,50 Monate gemindert. Bei einer Eigenkündigung tritt in der Regel eine Sperrzeit von 12 Wochen ein."
Muss ich im Falle einer Eigenkündigung nach meinem 55. Lebensjahr mit ca. 18 Wochen Sperre rechnen von max. 18 Monaten ? Das mit dem Krankschreiben ist so eine Sache für sich. Ich habe bislang immer die "Zähne zusammengebissen" und alles für mich behalten, d.h. bislang keinen Arzt eingeschaltet.
uschisiggi

Die Ägypter
28.05.2006, 00:13
Ich habe bislang immer die "Zähne zusammengebissen" und alles für mich behalten, d.h. bislang keinen Arzt eingeschaltet.

Warum? Ich denke, es wird Zeit das zu ändern... und nach lebenslanger Arbeit würde ich mir kurz vor dem wohlverdienten Lebensabend keine Sperren, Finanzarmen Phasen und auch keinen zusätzlichen Stress mehr antun - an deiner Stelle.

Du willst dich doch nicht krankmachen lassen - du möchtest doch deine dann arbeitsfreien Jahre genießen!

Upsala
28.05.2006, 00:33
Ich denke auch, daß der Arztbesuch dringend angesagt ist. Neben den eigenen Aufzeichnungen ist das ein, wenn nicht gar der beste, Beleg, neben aussagenden Kollegen. Dann gibt es auch einige Anlaufstellen für Mobbing in Hamburg. Weise aber darauf hin, daß es auch ein paar schwarze Schafe darunter gibt. Vielleicht weiß jemand mehr dazu.

Betroffener
28.05.2006, 00:50
UschiSiggi,

der Vorschlag von Seebarsch ist goldrichtig für Deine Situation.
Du solltest alles dafür tun, da ohne Sperren rauszukommen und ggf. auch krank sein - um bezahlt möglichst dicht in die Nähe der Rentenmöglichkeit zu kommen.

Eine Sperre (von 12 Wochen) beinhaltet gleichzeitig auch die Reduzierung der Anspruchzeit der Dir jetzt zustehenden 18 Monate um ein Viertel = 4,5 Monate. Damit wird Dein Leistungsanspruch von 18 auf insgesamt 13,5 Monate eingedampft und Hartz IV steht vor der Rente noch schneller vor der Tür und frisst womöglich alle Ersparnisse und Rücklagen für das Alter auf.

Also gut überlegen, was Du Dir möglicherweise finanziell selbst antust.

P.s. Wenn Du Deinen Leistungsanspruch bis zum 31. Januar angemeldet hättest, wären es noch volle 32 Monate gewesen - aber wer zu spät kommt, denn bestraft das Leben.

Seebarsch
28.05.2006, 11:33
Der erste Artikel kam mir schon wie ein Hilfeschrei vor und lässt einen Leidensdruck erkennen.
Die Eigenkündigung mit Mobbing zu erklären, wird bei der Agentur hinsichtlich der Sperrzeitprüfung große Probleme aufwerfen. Danach wird Mobbing nur dann als wichtiger Grund für die Kündigung anerkannt, wenn das Mobbing eindeutig bewiesen wird. Daran hapert es jedoch meistens !
Dass Mobbing krank macht ist allerseits bekannt. Diese Krankheit ist ja auch in der Regel niemandem anzusehen.
Im übrigen, wenn Ihr Arzt Sie Arbeitsunfähig schreibt, sind Sie nun einmal krank. Wenn die Krankheit dann länger als 6 Wochen dauert, besteht nun einmal der Anspruch auf Krankengeld.
Nehmen Sie keine Rücksicht auf irgend jemanden. Schauen Sie zu, dass Sie für sich selbst und Ihre Familie einen sauberen Übergang in den Ruhestand finden und dabei auch gesund bleiben. Diese Pflicht sollten Sie sich und Ihrer Familie nach dem langen Berufsleben gönnen.
Dabei ist der von mir geschilderte Weg unter den genannten Umstände der sauberste und einfachste.
Sie sind dabei beileibe kein Einzelfall. Das ist bei Arbeitnehmern in dem genannten Alter leider mittlerweile die Regel !
Die Entscheidung wie Sie vorgehen kann Ihnen keiner abnehmen !
:engel: 8) :engel:

wolf58
28.05.2006, 18:11
Hallo UschiSiggi,
Eigenkündigung macht doch nur Sinn, wenn man sich danach finanziell besser stellen kann.
Unterstellt, Ihr Arbeitgeber will Sie loswerden: Möglicherweise kann er Ihnen aufgrund Ihrer langen Betriebszugehörigkeit nicht kündigen. Er wird Sie also bis zur Rente beschäftigen und bezahlen müssen. Sagen Sie ihm, dass Sie nicht vorzeitig, sondern regulär mit 63 in Rente gehen wollen. Sagen Sie ihm, dass Sie Ihre Arbeit machen werden, auch wenn Sie Ihnen nicht gefällt. Treten Sie sicher und überzeugend auf. Lassen Sie ihm etwas Zeit, seinen Schaum vom Mund zu wischen und seine Wut abzureagieren. Dann erwähnen Sie, dass Sie ggf. eine Trennung im gegenseitigen Einverständnis akzeptieren, wenn eine angemessene Abfindung vereinbart wird. Rechnen Sie selbst Ihr Jahresgehalt mal der noch zu arbeitenden Jahre bis zur Rente. Dieser Betrag wäre Ihre maximale Abfindung. Ihr Arbeitgeber wird den nicht zahlen wollen. Also müssen Sie verhandeln. Den Betriebsrat, wenn vorhanden, sollten Sie einschalten.
Wenn das funktioniert, erhalten Sie vom Arbeitsamt Sperr- und Ruhezeiten. Die Ruhezeit ist von der Abfindungshöhe abhängig. Die Sperrzeit tritt ein, weil Sie "leichtfertig" Ihren Arbeitsplatz aufgegeben haben. Um die Sperrzeit zu minimieren, sollte der Aufhebungsvertrag die gesetzliche Kündigungsfrist beinhalten. Sollte Ihr Chef diese Frist nicht einhalten wollen, kann er sie zusätzlich abgelten!
Wenn das alles zunächst nicht funktioniert, können Sie der Belastung nicht dauerhaft standhalten. Negativer Stress macht krank. Also werden Sie krank, wie bereits in anderen Kommentaren aufgezeigt. Irgendwann wird Ihr Chef einsehen, dass er eine vernünftige Lösung herbeischaffen muss. Sie müssen nur die Nerven behalten.
Alles Gute.

Seebarsch
28.05.2006, 18:22
geht auch, kostet aber mächtig Nerven. Es kommt auch auf den Betrieb an, z.B. ob er tarifgebunden ist und einen Betriebsrat hat.
Bei kleineren Betrieben kann das mörderisch werden.

uschisiggi
28.05.2006, 20:11
@ alle, die mir Mut zusprechen, hier noch weitere Infos
ich arbeite in einem Großbetrieb und leider will mich niemand loswerden. Mein Problem: ich arbeite mit zwei jüngeren Kollegen zusammen, die immer "hier" rufen, wenn die Arbeit verteilt wird. Sie sind immer vor mir im Betrieb und immer noch da, wenn ich nach 8 bis 9 Stunden meinen Arbeitsplatz verlasse. Sie sind also immer informiert, überall "Liebkind" und aus meiner Sicht mit der Firma "verheiratet". Ihr Privatleben steht eindeutig hintenan, wenn es um die Firma geht. Ich will und kann da nicht mithalten und stehe deshalb fast immer "außen vor". Selbst in meinem Beisein, sprechen beide häufig "verschlüsselt" miteinander. Dieser Zustand besteht seit rund drei Jahren. In dieser Zeit habe ich zweimal versucht, meine Probleme aktiv zu kommunizieren. Leider ohne Erfolg, denn mir wurde signalisiert, dass ich mir alles nur einbilde.
An unseren Betriebsrat oder an die Personalabteilung kann ich mich nicht wenden, denn besagte Kollegen pflegen dorthin engsten Duz-Kontakt. Und unser Chef schwärmt in den höchsten Tönen von beiden, ich dagegen werde einfach ignoriert. Natürlich kann man damit leben, aber es fällt eben verdammt schwer.
Eure Infos trösten mich aber irgendwie gewaltig und ich habe in den letzten Tagen beschlossen, zunächst einmal ein Tagebuch zu führen. Bei der nächsten unerträglichen Situation gehe ich damit dann zum Arzt und lasse mich krankschreiben, obwohl mir das bestimmt nicht leichtfallen wird. Ein Freund von uns rät mir, "alles auszusitzen", aber das wären ja noch über zwei lange Jahre, den Abschluss einer Altersteilzeit vorausgesetzt.
LG
uschisiggi