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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lesen eigentlich auch Politiker diese Seiten hier?


geradeaus
28.05.2006, 16:48
Hallo,
mich würde hochgradig interressieren,ob jemand weiss,
ob auch ArGe Mitarbeiter ,meine im speziellen Vermittler ,aber auch andere Arbeitamtmitarbeiter hier Beiträge lesen.
Und was mich noch mehr interressieren würde,guckt denn mal ein verantwortlicher Arbeits- und Sozialpolitiker aus Berlin (Regierung)
hier vorbei?
Denke mir,das die sich nicht im geringsten für interressieren,was für Sorgen die Leute hier bedrückt.

Schönen Sonntag

Seebarsch
28.05.2006, 17:12
Ich bin mir sicher dass Mitarbeiter der Arbeitsagentur oder der ARGEN hier nicht nur Artikel lesen, sondern auch mitarbeiten.
Bei den Politikern bin ich mir hingegen recht sicher, dass die hier nicht mitlesen. Vielleicht überlassen die das ja den Männern mit den Schlapphüten und Sonnenbrillen !
Dabei meine ich jedoch nicht Udo Lindenberg !
:twisted: :twisted: :twisted:

Betroffener
28.05.2006, 17:15
Da wirst Du wahrscheinlich richtig denken.

Immerhin lesen auf jeden Fall einige Mitarbeiter von ArGen und Kommunen hier mit ebenso wie in den anderen Foren.

Die ganz hartgesottenen kommunalen von der BSGH-(Kürzungs-)Linie bevorzugen allerdings "ihr" Duisburger Forum.

Diskussionsforum der Sozialämter
ausschließlich für Mitarbeiter von Sozialämtern bzw. Arge SGB II
http://foren.duisburg.de/sa_disk ansonsten ReadOnly.

Dann erkennst Du, welche Probleme es auf der anderen Tischseite geben kann. Und bei manchen Diskussionen kann einem nur die Kinnlade runterfallen.

Wurst und Kuchen-Diskussion (http://foren.duisburg.de/sa_disk/viewtopic.php?t=2853)

Aber aufpassen: Neue Zähne sind teuer und nicht mit dem Regelsatz abgedeckt - falls Du in eine Tischklante beissen musst!

Seebarsch
28.05.2006, 20:44
Noch schlimmer wird es, wenn man einige von denen persönlich kennt.
Die sind tatsächlich so, wie sie sich im Forum darstellen. Uff !
:patsch:

Die Ägypter
28.05.2006, 20:57
Politiker lesen hier mit Sicherheit nicht mit, sonst würde die Hälfte von ihnen anfangen zu denken... und dann hätten wir einige der Probleme hier nicht!

StephanK
28.05.2006, 21:27
Politiker lesen hier mit Sicherheit nicht mit, (...)Aber sie lassen lesen! Oder was meinst Du, woher die Aussagen in dieser Broschüre des früheren Wirtschafts- und Arbeitsministeriums kamen, in diversen Internet-Foren würden angeblich Tipps ausgetauscht, wie man das Gesetz umgehen könnte?

Die Ägypter
28.05.2006, 22:02
Für diese unzutreffende Aussage muss man weder selbst lesen, noch lesen lassen...

Das wir uns hier gegenseitig das zukommen lassen, was eigentlich die Behörden leisten müssen (aber nicht tun!)... wäre mindestens auch mal erwähnenswert

Und daran kannst du erkennen, dass es nicht um die Inhalte sämtlicher Foren selbst geht, sondern um pauschale Behauptungen!

Und die werden ohne jede Information erhoben... genauso, wie das Paradebeispiel mit dem Münchener Familienvater der 2.200 Euro ALG II bezieht...

StephanK
28.05.2006, 22:37
Für diese unzutreffende Aussage muss man weder selbst lesen, noch lesen lassen...Ich kann und will nicht widersprechen... 8)

Im übrigen: es ist an uns, sie unsere Meinung lesen zu lassen - gerade jetzt, wo die nächste Verschlimmerung der Hartz-Gesetze beraten wird.
Die dafür zuständigen Damen und Herren im Sozialausschuss des Bundestages sind hier aufgelistet (http://www.bundestag.de/ausschuesse/a11/mitglieder.html) und einzeln "anschreibbar" - oder der Ausschuss insgesamt als Gremium (http://www.bundestag.de/ausschuesse/a11/sekretariat/index.html)!

claridge
29.05.2006, 12:20
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen das unsere Politiker auch nur einen Blick in so ein Forum tätigen bzw. tätigen lassen.
Habe gestern abend kurz einmal ins Erste Programm gezappt. Und wen sehe ich dort? Hr. Clement wie er vollmundig seinen üblichen Schwachsinn vom Sozialmißbrauch in Höhe von ca. 25% herunterleiert. (frage mich nur immer wieder wo diese Zahlen herkommen?)
Und solchen Leuten soll es interessieren was die Menschen hier im Forum für Probleme haben??
Ich konnte nicht umhin und mußte sofort umschalten, es hätte mich sonst innerlich zerissen.

efge
06.06.2006, 22:36
Und bei manchen Diskussionen kann einem nur die Kinnlade runterfallen.
Und nicht nur die Kinnlade.
Diesen Link „besuche“ ich seit einigen Monaten mit Interesse aber dennoch mit erheblichem Widerwillen.

Gerade bei den Diskussionen einiger übereifriger Mitarbeiter/innen bezüglich der Kontrollen und Hausbesuche kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass die Deutschen aus ihrer Geschichte nicht lernen wollen. Im 1000jährigen R.e.i.c.h. (welches nur 12 Jahre währte, aber Unheil für mehr als 1000 Jahre brachte) gab es die Blockwarte; in einem der Nachfolgestaaten gab es neben der Stasi auch die Zuarbeiter, die sog. IM’s. Und heuer machen sich ähnlich Strukturierte auf den Weg in ähnlich gefährliche Gewässer. Ist dies ein typisch deutsches Phänomen, dass Menschen mit übergroßem Eifer und offensichtlichem Wohlgefallen ihre Mitmenschen beargwöhnen, ausspionieren, anschwärzen und nach Gutdünken abstempeln?!

Zutiefst beunruhigt.

Chrissi
06.06.2006, 22:57
oh weh,

ich kann da nicht weiterlesen......pizzawette am laufen und ich weiss nicht wo ich am naechsten tag das essen fuer die kinder herkrieg.

meine hoffung ist gerade auf null.


gruss chrissi

Betroffener
07.06.2006, 00:34
@Effge,

Staatsdiener ist und bleibt Staatsdiener - nicht nur in Deutschland ist das so.
Rund um die Welt treiben etliche davon die "administrierten" in die Weissglut.

Nur hatten die zum Glück nicht solche Umgebungsbedingungen, wie in den 30igern oder wie es sich jetzt so langsam wieder abzeichnet, das Paragrapgen und Gesetzestexte wichtiger sind als die Menschen, die sie betreffen.

Aber wenn ich so richtig nachdenke - das Commonwealth, die Kolonialpolitik vieler europäischer Länder und diverse andere Geschehnisse auf dieser Welt hätten ohne "treue" Beamte auch nicht funktioniert. Es ist nicht typisch deutsch - es ist überall.
Irgendwo muss es anscheinend immer "Untermenschen" geben, die es auszubeuten und zu schikanieren gilt.

Aktuell sucht ja gerade die Bundesregierung eine Gruppierung, die diskriminierbar ist unterhalb der Arbeitslosen:

Arbeitslose Ausländer eignen sich anscheinend hervorragend dafür (es wird gerade geprüft, ob alle ausgegrenzt werden können (kein Hartz IV obwohl sie vorher sozialversicherungspflichtige Arbeit hatten und auch ALG1 bezogen haben) oder nur die aus Nicht-EU-Ländern betroffen sind.

Stoiber und Koch stecken da bestimmt mit im Boot. Dafür bekommt die Regierung dann lebhaft rechten Zuspruch und die Ausländerfeindlichkeit steigt geplant an ebenso wie die Kriminalität.

Was aber auch überall seit Menschengedenken ist, dass der Fisch am Kopf zu stinken beginnt. Und gegen dieses Problem haben bislang immer nur Revolution und Kriege geholfen - mit schlimmen Verheerungen und manchmal unerwünschtem Ausgang, aber selten wirklich nachhaltigem Erfolg - da sich Geschichte wohl immer wiederholen muss.

efge
07.06.2006, 16:14
Hallo Betroffener,

die Frage, ob dies ein typisch deutsches Phänomen sei, war eher rhetorisch gestellt…

Diese Büttel gab und gibt es zu allen Zeiten und an allen Orten dieses Planeten. Eines der plakativsten Beispiele waren die Schergen rund um McCarthy in den 50er Jahren der USA die Menschen der „antiamerikanischen Umtriebe“ bezichtigten. Sie brachten es sogar gemeinsam fertig, dass Charlie Chaplin die USA verließ und er mit dem Film „Ein König in New York“ mit diesem Land abrechnete.

Irgendwo muss es anscheinend immer "Untermenschen" geben, die es auszubeuten und zu schikanieren gilt.
Eine ähnliche „Hackordnung“ gab es ja schon in den 60er/70er Jahren unter den „Gastarbeitern“. Damals logierten auf den oberen Plätzen die Italiener, während am Ende der Treppe die Türken sein durften.

Und heute hat sich wieder alles verdreht und die letzten Plätze werden von Migranten und Asylbewerbern eingenommen. Leider sind die Mechanismen fortwährend gleich, entrückte Politiker und zum Teil ebenfalls entrückte Medien schüren kräftig das Feuer um Stimmungen anzuheizen. Dies geht immer einher mit Angst. Einer Angst die sich langsam in die Köpfe einnistet. Anfangs wirkt diese Gesellschaft wie gelähmt um dann später irrational zu handeln. Die Folgen erleben wir seit Jahren, unsere „ausländischen“ Mitbewohner/innen können sie aber am eigenen Leibe spüren.

Da die deutsche Gesellschaft aus zwei totalitären Regimes offensichtlich nichts gelernt hat und sich ähnlich unheilvolle Mechanismen wiederholen: Ich bin besorgt und wütend.

Duncan
05.07.2006, 14:31
Was mir bei der Lektüre der Forenbeiträge (insbesondere der Moderatoren) immer wieder auffällt - es sind sehr gebildete Leute, die sich mit ihrer Situation und dem Umfeld auseinander setzen. :Respekt:

Viele Arbeitssuchende die ich kenne bzw. kennen gelernt habe, weißen aber einen wichtigen Unterschied auf: sie sind "bildungsfern", d.h. nicht oder nur schlecht qualifiziert und in erster Linie mit sich und ihren eigenen Problemen (und vielleicht denen ihrer Familien) beschäftigt. Nicht dass ich denen dafür einen Vorwurf mache, aber es erklärt vielleicht, warum sie kein Internet nutzen (wobei das ja auch zusätliches Geld kostet), nicht z.B. in diesem Forum aktiv sind und sich auch nicht auf gesellschaftlicher Ebene für ihre Belange einsetzen.

Als "Wendekind", dass die 89'er Proteste miterlebt hat und selbst aktiv war, weiß ich, dass viel angestauter Unmut zusammenkommen muss, dass sich 100000e auf der Straße versammeln. Außerdem gab es damals eine Hoffnung - der "Goldene Westen"! Aber welche Hoffnung gibt es heute, welches Leitbild soll heute die Menschen auf der Straße vereinen? :?

StephanK
05.07.2006, 15:27
Viele Arbeitssuchende (...) sind "bildungsfern" (...) und in erster Linie mit sich und ihren eigenen Problemen (und vielleicht denen ihrer Familien) beschäftigt. Nicht dass ich denen dafür einen Vorwurf mache, aber es erklärt vielleicht, warum sie (...) sich auch nicht auf gesellschaftlicher Ebene für ihre Belange einsetzen.Natürlich ist es so, dass die Probleme direkt um einen selbst herum dazu führen können, dass man keinen Nerv mehr hat, sich zu fragen, woher das eigentlich alles kommt und ob es denn wirklich so laufen muss, wie uns die "Sachzwang-Rhetorik" der offiziellen Politik immer wieder glauben machen will.

Ich denke aber schon (und meine, das auch hier im Forum immer wieder zu lesen, und sei es "nur" zwischen den Zeilen), dass mehr und mehr Menschen merken, dass es eben nicht nur "der Markt" ist, dem die Politik angeblich relativ hilfslos ausgeliefert ist, sondern dass die Politik ganz bewusst darauf verzichtet, diesem Markt Regeln zu setzen - mit der Folge, dass die Aktienkurse steigen, wenn man wieder mal halbe Belegschaften entlässt.

Als "Wendekind", dass die 89'er Proteste miterlebt hat und selbst aktiv war, weiß ich, dass viel angestauter Unmut zusammenkommen muss, dass sich 100000e auf der Straße versammeln. Außerdem gab es damals eine Hoffnung - der "Goldene Westen"! Aber welche Hoffnung gibt es heute, welches Leitbild soll heute die Menschen auf der Straße vereinen? :?Interessant, das von Dir (und gleichzeitig über Dich) zu lesen! Als "schon-immer-Wessi" hatte ich seinerzeit die Protestbewegung anfangs mit großer Sympathie betrachtet und wurde im Laufe der Zeit immer skeptischer.

Die anfängliche Sympathie stammte daher, dass (in meiner Wahrnehmung) die Protestler "der ersten Stunde" den Anspruch der DDR, eine gesellschaftliche (und ökonomische) Alternative zu entwickeln, noch immer ernst nahmen, obwohl die Praxis des Staates DDR diese Ideale gründlichst verraten hatte. Für einen kurzen Zeitraum sah es sogar mal danach aus, dass etwas von diesen Idealen einen gesamtdeutschen Staat würde prägen können.
Die wachsende Skepsis stellte sich ein, als die Teilhabe am Wohlstand der BRD immer mehr in den Vordergrund rückte, denn jedem kritisch denkenden Menschen musste klar sein, dass Teilhabe ohne Teilen nicht zu haben sein würde.

Die regelmäßigen Demos Arbeitsuchender in vielen Städten (Ost wie West) knüpfen ganz bewusst an die Tradition der Montagsdemos an. Es gelingt aber nur sehr begrenzt und sehr unvollkommen, in diesem Rahmen über Alternativen zu diesem Wirtschaftssystem zu sprechen. Das hat nur begrenzt mit den Teilnehmern dieser Demos zu tun und meiner Meinung nach sehr viel mehr damit, dass ganz allgemein (von hochkarätigen Wissenschaftlern bis zum "Stammtisch") große Ratlosigkeit herrscht.

Dass eine durchgehend staatlich organisierte Wirtschaft reichlich ineffizient ist, haben wir mehrere Jahrzehnte an den Beispielen der DDR, der UdSSR und der anderen RGW-Länder erlebt; insofern wird man wohl sagen müssen: ausprobiert und als untauglich erwiesen.
Dass ein ungezügelter Kapitalismus unfähig ist, die sozialen Probleme zu lösen, die er selbst erst schafft, hat sich in 150 Jahren praktisch gezeigt. Anscheinend leben wir aber in einer Zeit, in der das noch einmal getestet werden muss.

Die "alte" Bundesrepublik hatte in Gestalt der "sozialen Marktwirtschaft" ein relativ gut funktionierendes Modell entwickelt. Auch damals schon war die deutsche Wirtschaft sehr stark exportorientiert, hatte aber fast nur Konkurrenten aus Ländern, deren Wirtschaft sehr ähnlich strukturiert war, so dass auch in puncto "Lohnnebenkosten" und Steuerniveau ähnliche Verhältnisse herrschten. Heute kommen die Konkurrenten aus kapitalistischen Ländern, in denen es keine (oder nur Schein-) Gewerkschaften gibt, in denen Kinderarbeit an der Tagesordnung ist, mit einem Wort: in denen frühkapitalistische Verhältnisse herrschen.

Mit dieser Situation kann man auf zwei verschiedene Arten umgehen:
1) Man kann hierzulande zu mehr oder weniger frühkapitalistischen Verhältnissen zurückkehren. Auf diesem Weg ist dieses Land.
2) Man kann versuchen, den großen und kleinen "Tigerstaaten" insofern auf die Sprünge (im Plural!) zu helfen, indem man sie darin unterstützt, die "frühkapitalistische Phase" schneller hinter sich zu lassen als das in Europa und Nordamerika gelungen ist. Das wäre neben dem ökonomischen Sprung ein zweiter in sozialer Hinsicht.

Das würde freilich voraussetzen, dass wenigstens eine relevante Minderheit in der Wirtschaftswissenschaft von dem Modell "soziale Marktwirtschaft" überzeugt wäre statt von "reaganomics" und "thatcherism". Das scheint mir derzeit leider nicht absehbar, aber ich muss einräumen, dass ich die wirtschaftswissenschaftliche Diskussion nicht aufmerksam verfolge.

Aber vielleicht wäre schon viel gewonnen, wenn eine Reinkarnation von Ludwig Erhardt im nächsten Jahr chinesischer Wirtschaftsminister würde...